Review Folge 211 Rache (Vengeance Is Mine)

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Episode 211
Rache
(Vengeance Is Mine)

Drehbuch: Diana Gabaldon
Regie: Mike Barker

„Also, jetzt sind wir Verräter, Mörder und nun auch noch Pferdediebe.
Sei ehrlich, denkst Du manchmal,
dass Deine Heirat mit Claire nicht das Klügste war,
was Du jemals getan hast?“
(Murtagh Fitzgibbons Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.



Bevor ich mit meiner eigentlichen Review starte, vorab eine kurze Information für alle BL unter uns, die versuchen, diese Folge zeitlich in die Handlung von Diana Gabaldons zweitem Buch „Die geliehene Zeit“ einzuordnen. Im Buch haben die Ereignisse dieser Episode zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden. Die Handlung um Claires „Entführung“ und ihren unfreiwilligen Aufenthalt im Hause des Duke of Sandringham (DoS) beginnt am Tag vor der Schlacht von Falkirk, die am 17. Januar 1746 stattgefunden hat und endet mit der Rückkehr von Jamie und Claire nach Edinburgh. Jamie befreit Claire und Mary, eine Woche nachdem sich Claire freiwillig an die britischen Soldaten ausgeliefert hat. Im Anschluss daran versuchen sie, die Jakobitenarmee, die sich auf ihrem Rückzug in den Norden Schottlands befindet, einzuholen. Die Handlung, die nach ihrer Rückkehr in Edinburgh stattfindet, wird wohl Inhalt der Folge 212 sein.


Diese Folge ist für mich etwas ganz Besonderes. Seitdem ich weiß, dass Diana Gabaldon, auch liebevoll von ihren Fans „Herself“ genannt, das Skript zu dieser Folge schreiben wird, freue ich mich auf diese Episode. Diana hat, im Zuge ihrer Tätigkeit als Drehbuchautorin, interessante Fakten über ihr „Scriptwriting“ auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Ich finde ihre ausführlichen Beschreibungen, wie der Prozess vom ersten Entwurf eines Drehbuchs bis hin zum fertigen Skript vonstatten geht, überaus informativ. (http://www.dianagabaldon.com/2015/09/scripts/)
Was mich am meistens erstaunt hat, ist, dass Diana im Laufe der Woche auf CompuServe folgendes gepostet hat: „…the Studio/Network people. …. They meant the dialogue; that my Claire and Jamie sound like they do in the books <g>, but that’s noticeably different <cough> from how they sound in the show, overall.–Diana“. (dt. Übersetzung: „Die Leute vom Studio meinten, dass die Dialoge von Jamie und Claire wie die in meinen Büchern klingen, aber das würde sich deutlich von dem “Ton”, wie er sonst in der Serie herrscht, unterscheiden.“)
In letzter Konsequenz hat sie die Dialoge noch einmal überarbeiten müssen und ich frage mich nun schon die ganze Woche, ob wir Dianas Einfluss in der Folge merken werden oder nicht. Jeder von Euch BL hat sich diese Frage bestimmt schon beantwortet und meine Antwort lautet ganz klar „JA“. Ich habe in dieser Episode Dianas Stimme und ihren Einfluss auf die Handlung und vor allem auf die Dialoge bemerkt und habe jede Sekunde dieser Folge genossen und größtenteils ein breites Grinsen im Gesicht gehabt.
Ich weiß, ich sage das in jeder Review und mir haben auch alle bisherigen zehn Folgen immer gut bis sehr gut gefallen, aber diese Episode hat zudem noch das gewisse Etwas, wenn Ihr wisst, was ich meine. Sie ist brilliant und außergewöhnlich, angefangen von der Titelkarte bis hin zu Marys letzten Worten. Ich fasse es mal in vier Worte zusammen: ICH LIEBE DIESE FOLGE! Sie hat die perfekte Mischung aus Spannung, Action, Abenteuer, zärtlichen Momenten und ist gespickt mit Dianas trockenem Humor, den ich in den Büchern so sehr liebe. In meinen Augen schafft es niemand so gut, in eine spannende und actiongeladene Szene diesen trockenen Humor unterschwellig so einzubauen, dass man trotz aller Abenteuer unerwartet und manchmal auch unfreiwillig schmunzeln muss. So ist es mir auch oft in dieser Folge ergangen. All die Dramatik, die notwendigen Handlungen und Wendungen waren da, aber immer eingebunden in Dianas Humor.
Mich haben die notwendigen Änderungen bezüglich der Buchhandlung nicht gestört, sondern der gesamte Plot hat sich sehr stimmig angefühlt und es ist mir wirklich egal, ob Claire jetzt im Dezember oder im Januar nach der Schlacht von Falkirk, im Haus des DoS landet. Hauptsache sie kommt dort an und die Handlung kann ihren Lauf nehmen. Ungeachtet dessen, wie viele Personen an der Entstehung dieser Folge beteiligt waren, Dianas Struktur und ihre Formulierungen scheinen definitiv durch. Ich weiß, wir können es alle nicht erwarten, endlich Buch 9 in den Händen zu halten, aber ich könnte auch noch etwas länger warten, wenn Diana stattdessen in Staffel 3 und 4 viele der Drehbücher schreiben würde.
Und Diana hat noch eine besondere Eigenschaft. Sie kann für BPC Dialoge schreiben, ohne auch nur ein einziges Mal „Mark Me“ zu erwähnen. Eigentlich schade, denn ich mag diese kleine verbale Macke an unserem Royal Highny.

Die Locations waren wie immer außergewöhnlich, allen voran das Set in Culross, das für das historische Exeter House in Derby ausgewählt wurde, wo sich geschichtlich gesehen BPC und seine Offiziere, am Morgen des 5. Dezembers 1745, über das weitere Vorgehen berieten und der Rückzug nach Schottland beschlossen wurde, so, wie in der Serie auch. Nicht zu vergessen die Kirche, in der Jamie und Claire und die Highlander Zuflucht finden und die Außenaufnahmen von Belmont House, wo der DoS residiert. Einige interessante Hintergrundinformationen und Bilder zu den Aufnahmen in Drumlanrig Castle (in der Region Dumfires und Galloway), das als Set für Belmont House (das Anwesen des DoS) dient, findet Ihr hier. Dort wird auch erklärt, was „Cover Ups“ sind und wie diese funktioniert. (http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=211)
Auch haben wir wieder viele wundervolle Landschaftsaufnahmen der Highlands sehen können, allen voran die schneebedeckten Munros, die sich im Hintergrund befinden, wenn Jamie und Claire mit den Männern von Lallybroch Richtung Inverness marschieren, sind spektakulär.

An dieser Stelle muss ich unbedingt noch die schauspielerische Leistung aller Akteure loben und ganz besonders die von Simon Gallow erwähnen. Ich habe auch schon in der ersten Staffel und in den Parisszenen bewundert, mit welcher Selbstverständlichkeit er diesen schrulligen und wieselhaften Charakter so authentisch interpretiert. Er ist immer ein bisschen zu viel, aber nie so, dass es lächerlich wirkt und seine Stimme im Originalton finde ich einfach fantastisch und sie passt zum DoS wie die Faust aufs Auge.
Sam hat wie immer, sowohl in der romantischen Szene als auch in den Actionszenen, eine sehr gute Performance abgeliefert und es scheint so, dass ihm besonders diese Actionszenen viel Spaß gemacht haben. Ich denke, dass alleine Sams Kinn und Wangenknochen in der Sequenz in der Kirche einen Emmy und dazu noch einen Golden Globe verdient hätten, so wie Duncans Augenbrauen für herausragende Leistungen eines haarigen Körperteils.
Auch Andrew Gower liefert jede Woche eine großartige Leistung mit seiner Interpretation von BPC ab. Eigentlich möchte ich BPC nicht mögen, aber irgendwie schafft er es immer wieder, dass ich ab und an Mitleid für ihn empfinde, obwohl ich ihm im nächsten Moment am liebsten den Kopf abreißen möchte.

Die Szene nach der Titelkarte, in der eine zuvor wundervoll frisierte und gepuderte Perücke samt Perückenkopf vom Tisch fällt, war für jeden BL ein wunderbarer und witziger Hinweis, denn wir wissen, wer in dieser Folge seinen Kopf verlieren wird.


Derby: Im Lager der Jakobiten
Claires Voice Over informiert uns darüber, dass die Jakobitenarmee seit dem Sieg von Prestonpans im Besitz von Artillerie ist und auf ihrem Weg durch England einige kleinere Ortschaften erobern konnten. Sie haben Carlisle in Besitz genommen, aber die erwartete Unterstützung aus den schottischen Lowlands und aus dem Norden Englands ist nicht erfolgt und sie erwarten weitere Instruktionen von BPC.

Historisch gesehen findet diese Eröffnungsszene am 05. Dezember 1745 in Derby statt. Jamie debattiert hinter verschlossenen Türen mit BPC und seinen Generälen über die zukünftige strategische Vorgehensweise. Sollen die Jakobiten auf London, welches nur fünf Tage entfernt ist, marschieren oder umkehren und nach Schottland zurückgehen? BPC, der die untere Hälfte seines Outfits aus der letzten Folge trägt und den roten Stuart Tartan mit einem senffarbenden Mantel kombiniert hat (ich frage mich gerade, wo die schicke Goldbordüre von letzter Woche geblieben ist) ist für die erste Variante: „London ist zum Greifen nah und alles wir tun müssen, ist, es uns zu nehmen.“, aber er erfährt keine Unterstützung von Seiten seiner Generäle. „Also ist keiner von Ihnen weiterhin dazu bereit, an der Seite seines Prinzen zu stehen, an der Seite des rechtmäßigen Königs, an Gottes Seite?“ 
fragt er in die Runde und erntet betretenes Schweigen. Nur einer der Anwesenden stellt sich ihm an die Seite. James Alexander Malcom MacKenzie Fraser, als wäre er ganz plötzlich aus dem Buch direkt ins TV gesprungen, zückt sein Schwert und kniet vor BPC nieder. (Gott sei Dank befinden sich in diesem Raum keine Frauen, ansonsten wären bei diesem Kniefall alle von ihren Stühlen aufgesprungen und hätten sofort und ohne Umschweife „Ja, ich will.“ in den Raum gerufen.)
Ich liebe diesen Moment, in dem Jamie, nur mit Gestik und Mimik, seine Loyalität zu BPC ausdrückt. „Ein Mann,” bemerkt BPC vorwurfsvoll und wir können das erste Mal erleben, wie es aussieht und wie es sich anhört, wenn “Your Royal Highny” die Fassung verliert.
Wutentbrannt wirft er in den Raum, dass er lieber von einem britischen Bajonett aufgespießt werden würde, 
als sich mit seiner Armee zurückzuziehen und er fühlt sich von seinen Freunden und Anhängern verraten. Mark me, aber er tut mir fast leid. „Tun Sie, was Sie tun müssen, aber möge Gott sie dafür in der Hölle schmoren lassen.“ und damit ist der Rückzug beschlossene Sache.

Claire, die während der hitzigen Verhandlung vor der Tür ihrer Berufung nachgeht und Zähne zieht, bemerkt, wie BPC sichtlich in Rage das Haus verlässt.
Ich liebe es zu sehen, wie Claire ihrer täglichen Arbeit nachgeht, weil ich auch diese Stellen in den Büchern ganz besonders mag, in denen nichts Großartiges passiert, sondern jeder „nur“ seiner täglichen Routine nachgeht und ich mich genüsslich zurücklehnen und einfach nur genießen kann. Diese kleine Sequenz, die für mich viel zu schnell vorbei ist, erinnert mich an ihre Outdoor-Praxis in Band 5 beim Gathering und an das Kapitel 18 „Zähneziehen“ aus Dianas 7. Buch, in der Claire in Fergus Druckerei eine Zahnziehpraxis einrichtet und so mit Ians Hilfe ihre Haushaltskasse aufbessert.
Ich war erst etwas über Jamies Reaktion und seine Rückendeckung für BPC überrascht, aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wirklich clever gelöst, Jamie! In der Szene mit Claire bestätigt er, dass seine Intention dieselbe ist, die ich hatte. Jamie weiß, dass er die Zukunft nur ändern kann, wenn er mit allen Mitteln versucht, BPC und seine Generäle dazu zu bewegen, auf London zu marschieren, denn ein Rückzug nach Schottland bedeutet wieder einen Schritt in Richtung der Katastrophe von Culloden, denn so schreibt es die Geschichte. Ein Marsch Richtung London hätte aber bewiesen, dass Claire und er es schaffen könnten, die Geschichte zu verändern.
„Es tut mir leid, Sassenach.“ sagt Jamie zu Claire und sein Gesichtsausdruck sagt alles, was sie wissen muss und mir bricht es fast das Herz, dass Jamies Vorhaben, die Geschehnisse anders als in Claires Geschichtsbüchern 
zu gestalten, mal wieder gescheitert ist. Er trägt mit Claire die Bürde, dass sie sich von ihrem Ziel, die Schlacht von Culloden zu verhindern, jeden Tag, mit dem die Katastrophe von Culloden näher rückt, mehr entfernen. Ein weiterer Dominostein ist auf dem Weg in den Abgrund gefallen und es sieht so aus, als ob Jamie und Claire die Kettenreaktion nicht mehr aufhalten könnten.
Auch denke ich, dass Claire mit ihrer Aussage, dass, auch wenn sie London hätten einnehmen können, die Jakobitenarmee es nicht hätte halten können, höchstwahrscheinlich recht hat. Und es beginnt sich abzuzeichnen, dass man  Geschichte nicht verändern kann.

Jamie verspricht Ross, dass er die Männer sicher nach Lallybroch bringen wird. An Claire gewandt sagt er: „Und Du, Sassenach. Für Deine Sicherheit sorge ich höchstpersönlich.“ und im Hintergrund wird das Jamie und Claire Theme gespielt. 
Ganz ehrlich, immer wenn Jamie dieses Aussage gegenüber Claire trifft, und es ist in dieser Staffel das vierte oder fünfte Mal, zieht sich in meinem Bauch alles zusammen. Ich will das nicht hören, denn ich weiß, dass Jamie sein Versprechen immer hält und ich weiß, dass er ALLES tun wird, um Claire in Sicherheit zu bringen. Ich weiß aber auch, dass ich eine ganze LKW Ladung Taschentücher und mehrerererere Drams brauchen werde, um das überhaupt einigermaßen visuell ertragen zu können.

Armer Rupert! Er sitzt alleine bei Claire und erzählt die Geschichte, wie Angus seine Schneidezähne verloren hat und er sieht so traurig aus. Niemand ist da, mit dem er sein Ale teilen kann und sein stiller Gruß gen Himmel zu Angus, bevor er einen Schluck aus seiner Flasche nimmt, war sehr bewegend. Rupert, ich vermisse Angus und seine besondere Art von Humor auch und fühle mit Dir.



Jamies Gebet
Wenn ich es nicht schon von Anfang an gewusst hätte, wäre es diese Szene gewesen, ab der ich mir sicher gewesen wäre, dass Diana Gabaldon das Drehbuch zu dieser Episode geschrieben hat. Diese kurze Szene von knapp zwei Minuten hat alles an Buch Jamie gezeigt, was man zeigen kann und für mich bleiben keine Fragen über Jamies und Claires Beziehung und Gefühle füreinander offen. Eine sehr zärtliche, liebevolle und berührende Szene, in der Jamie für seine schlafende Frau ein gälisches Gebet spricht. Diana hat hier ein altes gälisches Gedicht abgewandelt, die Originalversion findet Ihr hier: http://www.sacred-texts.com/neu/celt/cg1/cg1046.htm#page_101
Die Englische Übersetzung lautet:
God, shield my beloved ,my white dove.
And the child that she may one day bear.
Preserve her from
violence and from harm.
In this place and ever place.
On this night and on every night.”
(dt.Übersetzung: Gott, schütze meine Geliebte, meine weiße Taube, und das Kind, das sie vielleicht eines Tages gebären wird. Bewahre sie vor Gewalt und vor Leid. An diesem Ort und an jedem Ort. In dieser Nacht und in jeder Nacht.”)


Jamies liebevolle Beschreibung von Claire als „Weiße Taube“ in dieser Szene ist laut Diana, in Anlehnung an eine Textstelle aus  „Feuer und Stein“ entstanden:

„A nighean donn, flüsterte er. „Obwohl ich jetzt sagen sollte, o chailin airdrig. Meine silberne Maid. Dein Haar ist versilbert und deine Haut ist weißer Samt. Calman geal. Weiße Taube.“ („Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon Kapitel 24 Ha! Mir juckt der Daumen schon)

Ich finde, dass dieser kleine und zärtliche Moment direkt dem Buch entsprungen ist und die Szene ist so, wie ich mir die entsprechende Buchstelle immer vorgestellt habe. Ich denke auch, dass sie so viel besser ist, als eine nur so eingeschobene Sexszene, denn jeder kann Sex haben, aber nicht dieses besonderes emotionale Band, das Jamie und Claire verbindet.
Es ist unglaublich gefühlvoll, wenn er zu Claire sagt: „Würde ich es Dir sagen, wenn Du wach bist, würde es einfach nur albern klingen, Sassenach. Ich kann diese Dinge sagen, wenn Du schläfst. In Deinen Träumen erkennst Du deren Wahrheit.“ 
und ich freue mich sehr, meinen Buch Jamie zu sehen und zu hören, so dass ich an dieser Stelle Diana für ihre Drehbuch noch einmal ganz dringend danken muss.
Jamies zärtlicher und liebevoller Gesichtsausdruck, mit dem er seine schlafende Frau betrachtet, zeigt seine gesamte Gefühlspalette, die er für Claire empfindet, viel zu viel, um es in Buchstaben auf Papier zu bringen. Er zeigt aber auch seine Sorge und seine Angst, die er um Claire, um sie beide und um ihre eventuelle Familie hat. Es macht mich ein bisschen traurig, wenn ich höre, wie gerne er Vater sein würde und das Wissen, dass er Brianna niemals wird aufwachsen sehen können, macht diesen Moment doppelt schlimm. Besonders der Gedanke, dass dieses Gebet wieder einmal eine der vielen Vorahnungen ist, auf das, was kommen wird, hat mich tief bewegt. Denn ich höre in diesem Moment Jamies Gebet „Herr, lass sie gerettet sein. Sie und das Kind.“, das er in den kommenden zwanzig Jahren zigmal am Tag für Claire und Brianna sprechen wird und bekomme glatt eine Gänsehaut. Und wer von euch BL, aber nicht Lord-John-Roman-Lesern, unbedingt wissen möchte, wie sehr Jamie unter der Trennung von Claire leidet, dem kann ich nur Dianas Roman „Die Fackeln der Freiheit“ ans Herz legen.
Es scheint, als ob sich Jamie langsam, aber sicher emotional auf seinen „Notfallplan“ für Claire vorbereitet. Sie hat diesem zwar in Folge 206 zugestimmt, aber denkt wahrscheinlich nicht im Traum daran, dass Jamie sie in nicht allzu entfernter Zukunft an die Einlösung ihres Versprechen erinnern wird.



Exil?
Am nächsten Morgen stürmt Dougal, mit einem Brief von O`Sullivan in der Hand, in Jamies und Claires Zimmer. O`Sullivan erteilt Jamie den Befehl, seine Männer nach Inverness zu bringen, um Unterkünfte und Proviant für die nachrückende Jakobitenarmee zu organisieren. Findet Ihr es auch seltsam, dass Dougal den Brief, den O`Sullivan an Jamie geschrieben hat, bereits gelesen hat? Obwohl, wer letzte Woche sämtliche Genfer Konventionen missachtet hat, für den kann das Briefgeheimnis auch keine größere Bedeutung haben.
Dougals Ein-Wort-Satz: „Ausgrenzung.“ bringt das Ganze auf den Punkt. BPCs Generäle wollen Jamie aus dem Weg schaffen, damit er unseren „Royal Highny“ nicht weiter wegen des Marsches auf London beeinflussen kann. Jamie will mit BPC sprechen, aber laut Dougal hat er zusammen mit Lord Murray das Lager verlassen. Dougals Aussage, „Und Dein Pferd hat Charles gleich mitgenommen. Er sagte, Du würdest dem zustimmen.“ 
und Jamies Blick sind einfach göttlich und ich grinse von einem Ohr zum anderen.
Mark me, aber ich verstehe nicht ganz, warum sich BPC mit Jamies Pferd aus dem Staub gemacht hat und den einzigen seiner Gefolgsleute, der ihn uneingeschränkt unterstützt, so vor den Kopf stößt. 
Jamies Frage an Claire „Wann war Dein letzter Besuch in Inverness?“
 löst bei mir fast eine kleine Herzattacke aus, denn Inverness bedeutet Culloden und Culloden bedeutet Craigh na Dun. Vielleicht hätte er sie lieber fragen sollen, wie lange es noch dauert, bis sie wieder in „ihrem“ Inverness der 20. Jahrhunderts ist.
Jamies Blick aus dem Fenster auf das Lager der Jakobiten, vor und nach der Bearbeitung mit visuellen Effekten, findet ihr hier: http://www.outlandercommunity.com/insideoutlander/video/episode211/vfx01.mp4


Flucht vor den Redcoats
Jamie, Claire, Murtagh, Dougal, Angus, Fergus (die Fraser-MacKenzie-Gang, abgekürzt FM-Gang) und die Lallybroch-Männer sind auf dem Rückweg nach Inverness und wir bekommen einige der wundervollsten und spektakulärsten Landschaftsaufnahmen der schottischen Highlands zu sehen. Ich liebe diese Szenerie, insbesondere die mit den schneebedeckten Munros und kann gar nicht genug davon bekommen.
Sie schlagen irgendwo ihr Lager auf und es sieht alles so friedlich und relaxt aus. Claire verarztet Ross und Jamie liegt entspannt vor seinem Zelt, als plötzlich Schüsse fallen. Ganz ehrlich, ich habe es nicht kommen sehen, denn ich war komplett in diese wundervolle Idylle eines Camp mit Lagerfeuer gefangen. Aber Outlander wäre nicht Outlander, wenn wir Zuschauer mal mehr als gefühlte 15 Sekunden Idylle haben dürften. Britische Soldaten haben das Lager entdeckt und nehmen es unter Beschuss. Bevor Claire sich im Wald versteckt, will sie noch einmal zurück, um ihre Medizinkiste zu retten und riskiert dabei fast ihr Leben. Das ist so typisch Claire, der ihr medizinisches Equipment so viel bedeutet. Welche andere Frau würde sich so über eine Medizinkiste zum Hochzeitstag freuen? Claire braucht keinen Schmuck und überflüssigen Tand, sondern sie ist mit Skalpell, Zange, Nadel und Penicillin mehr als zufrieden.
Die FM-Gang flieht mit ihren Pferden, während sich die Lallybroch-Männer im Wald verstecken sollen. Die Redcoats nehmen die Verfolgung zu Pferd auf und Rupert wird angeschossen. Könnt Ihr auch Claires „Stop. Help. He`s going over!“ aus Folge 101 hören? Dougal schafft es mit einem halsbrecherischen Manöver, Rupert wieder zurück auf sein Pferd zu hieven. Ich hatte zeitweise wirklich Sorge, dass Rupert vom Pferd stürzt, aber auf Dougal ist Verlass. Egal, was letzte Folge mit ihm dort auf dem Schlachtfeld von Prestonpans passiert ist, er würde niemals seine Männer im Stich lassen.
Die FM-Gang versteckt sich in einem Gebüsch und entkommt so der Verfolgung der Redcoats. Weil Claire Rupert behandeln muss, da er ansonsten sterben wird, suchen sie Unterschlupf in einer Kirche, in die sich nach dem gabaldonischen Zufallsprinzip auch Ross und einige der Lallybroch-Männer geflüchtet haben. Ruperts Satz: „Ich wollte mir eine Musketenkugel aus der Nähe ansehen.“ lässt mich mal wieder breit grinsen. Claire entfernt die Musketenkugel aus Ruperts Auge und näht dieses zu. Gut, dass sie ihm eine Augenbinde verpasst, denn das zugenähte Auge sieht wirklich gruselig aus.
Ich liebe es, wenn Claire diese verrückten Dinge sagt und alle sie anstarren, als ob sie nicht richtig im Kopf wäre. So die Szene, als sie zu Ross im Lager sagt, dass sie ihm am liebsten etwas gegen Tetanus geben würde oder Rupert eine anständige Piratenaugenklappe inklusive Holzbein und Papagei verspricht oder die Erwähnung von Blutdruck in der letzter Folge.

Kleine Randnotiz:
Mir ist beim ersten Mal, als ich die Szene, wie das Lager überfallen wird, gesehen habe, nicht ganz klar geworden, warum Jamie mit seinem Anhang flieht und seine Männer alleine lässt. Irgendwie hat mir diese Sequenz so gar nicht gefallen, weil meiner Meinung nach Jamie niemals sich selbst in Sicherheit gebracht und seine Männer sich selbst überlassen hätte. Er hätte definitiv dafür gesorgt, dass Claire und Fergus nichts passiert, aber never, ever wäre er mit den anderen weggeritten. Und nicht nur ich hatte ein Problem mit dieser Szene, sondern meine gesamte Outlander-Gruppe auch. Wir haben uns gefragt, wie Diana, die ja Jamie in und auswendig kennt, weil sie ja eigentlich Jamie ist (mehr oder weniger), so eine Out-of-Character Sache passieren konnte.
Ich habe mir dann die Szene noch einmal in aller Ruhe angeschaut und eine Erklärung gefunden, warum es so aussieht, als ob Jamie seine Lallybroch-Männer alleine zurück lässt. Jamie sagt zu Ross, dass sie in den Wald fliehen sollen, um sich zu verstecken und dass die Männer mit den Gewehren ihnen Rückendeckung geben sollen. Dann sollen sie sich alle, inklusive Jamie und Co., an irgendeiner Kreuzung treffen. Jamies Intention ist also, dass sie alle fliehen und nicht kämpfen sollen. Dann nimmt er mit Claire, Fergus, Murtagh, Dougal und Rupert die Pferde, um sich, wie seine Männer auch, im Wald zu verstecken und sich auf den Weg zur Kreuzung zu machen. Aber auf dem Weg zu dieser Kreuzung werden sie von den berittenen britischen Soldaten überrascht und verfolgt, so dass sie letztendlich fliehen müssen, was sie ja eigentlich gar nicht wollten. Das macht in meinen Augen jetzt auch Sinn und ich hätte es besser gefunden, wenn diese ganze Flucht-Sequenz eindeutiger dargestellt worden wäre.



Claire liefert sich an die Redcoats aus
Die Redcoats haben sie in der Kirche entdeckt, haben Ross gefangen genommen und wollen das Dach der Kirche anzünden, wenn sich Jamie und der Rest nicht ergeben. Dougal will kämpfen, Jamie will sich als „Red Jamie“ an die Briten aushändigen: „Auf meinen Kopf ist ein Preis ausgesetzt. Vielleicht kann ich mit ihnen verhandeln. Ich ergebe mich im Austausch für Eure Freiheit.“
Dougal bringt es auf den Punkt „Oh, hör` auf, solch ein Held zu sein.“ und er sagt zu Jamie, dass es immer besser ist, zu kämpfen. Aber Jamie will nicht auf seinen Onkel, dem ich an dieser Stelle mal wirklich recht geben muss, hören und geht auf die Tür zu. Selbst Claire kann ihn nicht aufhalten und dann zieht sie, wie in der vorletzten Folge bei der Begegnung mit Lord John (LJ), ihre „Englische Geisel Karte“ und schreit: „Hilfe! Rettet mich! Ich bin Engländerin.“ Was das letzte Mal mit LJ funktioniert hat, kann doch auch diesmal funktionieren, aber Jamie ist so ganz und gar nicht damit einverstanden.
Was dann folgt, ist ein Dialog, der wirklich aus dem Buch stammen könnte und ich frage mich die ganze Zeit, wer von den beiden den größeren Dickschädel hat.

Jamie: „Ich werde Dich denen nicht übergeben.“
Claire: „Doch, das wirst Du, Du dickköpfiger Schotte.“
Jamie: “DAS. WERDE. ICH. NICHT!”
Claire: „Bin ich nicht Lady Broch Tuarach. Bin ich nicht ebenso für diese Männer verantwortlich?“

Jamie antwortet nichts darauf, nur sein Kiefer und seine Wangenknochen arbeiten und schade, es ist in der Kirche zu dunkel, ich hätte gerne seine Finger gesehen. Man kann sehr gut in den Gesichtern aller Anwesenden erkennen, dass sie von Claires Verantwortungsgefühl sehr tief bewegt sind, denn sie alle schätzen echten Mut, echte Selbstlosigkeit und echte Ehre und werden alles für ihre Lady Broch Tuarach geben, wenn es notwendig sein wird.
Sie einigen sich darauf oder ich drücke es mal so aus, Jamie hat keine andere Wahl, als sich zu einigen, denn auch ein Fraser kommt gegen einen Beauchamp-Dickkopf nicht an, dass Dougal Claire überbringt, da die Gefahr besteht, dass Jamie als „Red Jamie“ erkannt wird. Alle Anwesenden sind sich einig, dass sie nicht gut lügen kann und Fergus schlägt vor, dass sie doch einfach ohnmächtig sein könnte, dann müsste sie nichts erklären. Schlauer Junge, er macht seinen Pflegeeltern alle Ehre!
Es ist für mich als BL sehr erfrischend, mal wieder einen Bezug auf Buch Claires gläsernes Gesicht zu bekommen.


Die Trennungsszene in der Kirche ist wirklich sehr gut von Sam gespielt. Er hat mich jede Sekunde Jamies Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung spüren lassen und auch sein krampfhaftes Suchen nach einem anderen Ausweg kann ich in seinem Gesicht sehen. Sein Blick, als er Claire an Dougal übergibt, so dass er sie an die Briten „aushändigen“ kann, war so bewegend. „Wir werden nachkommen und Dich holen.“ v
erspricht er ihr, bevor er sie an Dougal übergibt, aber Jamie sieht trotzdem noch sehr besorgt aus. Claire versucht ihn und wohl auch sich selbst zu beruhigen, indem sie sagt, dass Jamie darauf vertrauen soll, dass sie sich finden werden. Der Abschiedskuss ist kurz, aber sehr intensiv. Man kann wirklich sehen, wie widerstrebend er Claire aus seinen Armen gehen lässt.
Und das, was Diana im zweiten Buch so eindrucksvoll aus Claires Sicht beschrieben hat, zeigt uns Sam nur durch seine Mimik, Gestik, sein Zögern und sein „Festhalten“ an Claire, wenn er sie an Dougal gibt.

„Seine Hände spannten sich unter meinen Knien und Schultern an, ein festes Versprechen; er würde mich niemals loslassen. „Gott“, murmelte er einmal leise, und dann hatten wir sie erreicht, sein Griff, der sich widerstrebend lockerte, als er mich auf den Boden legte… .”
(„Die geliehene Zeit“ von Diana Gabaldon Kapitel 43 Falkirk)

So wie Buch Jamie in der Szene keinesfalls dazu bereit ist, Claire gehen zu lassen, ist es auch TV Jamie nicht. Er wird weder jetzt, noch morgen und auch nicht für den Rest seines Lebens bereit sein, Claire gehen zu lassen. Wir bekommen einen kleinen Einblick in das, was es Jamie kosten und wie es ihn zerstören wird, wenn er Claire für immer gehen lassen muss, um sie in Sicherheit zu bringen.

Dougal übergibt die „ohnmächtige“ Claire an die Briten und dafür dürfen sie die Kirche ohne Waffen und Pferde unbeschadet verlassen und der britische Kommandeur gibt Dougal noch einen letzten guten Rat mit auf den Weg. Sie sollen nach Hause gehen und ihr normales Leben als friedliche, königstreue Männer der Krone wieder aufnehmen. Dougal wäre nicht Dougal, wenn er dazu nicht auch noch etwas zu sagen hätte: „Das werde ich. Sobald der wahre König diese Krone trägt.“ und ich mag es, wie Graham hier in der Szene spielt. Währenddessen steht Jamie die ganze Zeit versteckt in der Kirche am Fenster und beobachtet die „Übergabe“ von Claire und es kostet ihn alle Selbstbeherrschung, die er aufbringen kann, um nicht aus der Kirche zu stürmen und seine über alles geliebte Frau in die Arme zu schließen. Nachdem die Redcoats mit Claire weggeritten sind, befiehlt Jamie Murtagh und Dougal, dass sie die Männer von Lallybroch in Sicherheit bringen sollen, während er sich ein Pferd besorgt und Claires Verfolgung aufnimmt: Sie sollen sich alle in Keswick wiedertreffen. „Denen kannst Du Befehle erteilen, nicht mir.“
 sagt Murtagh und Jamie, der weiß, dass es ist immer gut ist, einen Murtagh an seiner Seite zu haben, nimmt ihn mit. Dougal verspricht, die Männer sicher nach Keswick zu bringen und verabschiedet sich von Jamie mit den Worten, dass Jamie IHRE “Lass” sicher zurückbringen soll. Für diesen Satz könnte ich ihn fast knutschen und ich denke, ich habe ihm sein schlechtes Verhalten in der letzten Folge hiermit offiziell verziehen. Ich finde, dass dieser Satz so viel über das Verhältnis von Jamie und Claire zu Dougal und umgekehrt aussagt. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind und auch wenn es erhebliche Differenzen zwischen ihnen gegeben hat, sie sind eine Familie. Und Blut ist bekanntlich immer dicker als Wasser. Mich macht Dougals Aussage in Hinblick auf das Ereignis zum Ende der Staffel ein wenig traurig, da es durch dieses „Familien-Wir-Gefühl“ umso schmerzlicher für Jamie sein wird, das zu tun, was er tun muss, um seine Frau zu beschützen. Wie war das gleich noch einmal? Jamie wird für Claires Sicherheit sorgen, egal wie.
Ruperts Satz, dass er Claire von ihm ein Augenzwinkern geben soll, bringt mich erneut zum Schmunzeln, denn erstens ist es doch eine wundervolle Art und Weise mit seinem Schicksal, nur noch ein Auge zu haben, umzugehen und zweitens ist das wirklich ein Auftrag, den Jamie niemals in seinem Leben erledigen kann, denn wir BL wissen, dass er nicht zwinkern kann.

Kleine Randnotiz:
Mir scheint, dass Dougal nach der letzten Folge in sich gegangen ist und darüber nachgedacht hat, was er in Anbetracht der Umstände und seiner Isolation besser machen kann. Er muss zu dem Entschluss gekommen sein, lieber Buch Dougal als TV Dougal zu sein und ich denke, dass es eine weise Entscheidung war. Ich bin mit diesem neuen TV Dougal total im emotionalen Einklang.



Auf dem Weg nach Belmont
Claire reitet mit den Redcoats weg und sie sagt in einem Voice Over, dass sie die Orientierung verloren hat und dass sie sich wünschte, für Jamie eine Spur hinterlassen zu können, aber dass sie leider keine Brotkrumen dabei hat. Claire, macht Dir nichts draus, das hat auch schon bei Hänsel und Gretel nicht funktioniert!.
Hugh Munro, unser guter alter Freund, sitzt, auch wieder nach dem gabaldonischen Zufallsprinzip, genau vor dem Gasthaus, in dem die Briten inklusive Claire für die Nacht einkehren und erkennt Claire wieder. Am nächsten Morgen wird Claire darüber informiert, dass sich die Pläne geändert haben und dass sie anstatt nach Haslemere, wo Jamie sie suchen wollte, jetzt nach Belmont gebracht werden soll. Hugh wartet vor dem Gasthaus und kann es arrangieren, dass er wie zufällig auf Claire trifft und diese informiert ihn unbemerkt darüber, dass Jamie sie sucht und sagt dann zu ihrem britischen Begleiter so laut, dass es Hugh, selbst wenn er zusätzlich zu seiner Zunge auch sein Gehör verloren hätte, es verstehen muss, dass sie nicht verstehen könnte, warum sie jetzt nach Belmont gehen muss. Clever Claire, wirklich clever!
Über das Flugblatt von Jamie, das an der Tür zum Gasthaus klebt, muss ich schmunzeln und ich finde, dass der Zeichner Brians Ledermantel hervorragend getroffen hat. Außerdem hat es eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem aus Folge 108, das in der schottischen Polizeistation an der Pinnwand hängt. Aber ich habe das Flugblatt der „Stuart Hexe“ vermisst.
Und wer das Flugblatt von Jamie und von BPC gerne noch einmal in Großformat mit allen Details sehen möchte, der findet es hier: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=211


Belmont und Jamies Rettungsmission
Ich finde es gut, wie die Serienverantwortlichen diesen Teil der Episode gelöst haben. Durch das Hin und Her zwischen Claire in Belmont und Jamies Rettungsmission bleibt die Spannung, sowohl für den einen als auch für den anderen Plot, erhalten.
Diana hat so wundervoll humorvolle Dialoge für die Konversation zwischen Claire und dem DoS geschrieben und Cait und Simon Callow haben in den Szenen schauspielerisch wirklich geglänzt. Wenn ich könnte, würde ich gerne die gesamte Unterhaltung hier einfügen, aber das würde wirklich den Rahmen sprengen. Dieses Hin und Her zwischen Claire und dem DoS war wie ein Tischtennisspiel und, obwohl ich Tischtennis eher langweilig finde, hätte ich diesen Dialogen eine Stunde oder auch länger zuhören und zusehen können. Der DoS ist wie immer so entzückend scheinheilig und ich bin der festen Überzeugung, dass ihn niemand mit Mimik, Gestik, stimmlichen Ausdruck so überzeugend hätte spielen können, wie Simon. Mit einen anderen Schauspieler hätte es eher passieren können, dass der DoS zu einer überzogenen Witzfigur wird, als zu dem, was Simon aus ihm macht. Allein schon die ersten drei Sekunden der Konversation zwischen Claire und dem DoS sind unbezahlbar komisch. Es ist ihm ein Vergnügen, Claire seine Gastfreundschaft in seinem bescheidenem Heim anzubieten und er sagt zu 
Claire, dass er einen Drink braucht und sie sieht so aus, als ob sie den auch gut vertragen könnte. Ich an dieser Stelle übrigens auch, wenn ich diese Woche schon kein „Mark Me“-Trinkspiel veranstalten kann, dann will ich wenigstens in guter Gesellschaft mit dem DoS und Claire trinken. Von daher, Slainte!
Dann fragt der DoS sie, vor was man sie befreit hat: „Vor wilden Bären?“ „Highlandern.“ antwortet Claire, worauf der DoS schlicht und ergreifend sagt:
So ziemlich dasselbe.“ Im weiteren Verlauf, als sie dann im Esszimmer essen und trinken, bleibt ihre Konversation weiterhin spritzig und erfrischend.

Während sich Claire mit dem DoS rumplagen muss, finden Jamie und Murtagh zwei Pferde, die sie für ihre Suche nach Claire sehr gut gebrauchen können. Murtaghs Frage ist einfach unbezahlbar und für mich ist es einer der besten Sätze der Folge: „Also, jetzt sind wir Verräter, Mörder und nun auch noch Pferdediebe. Sei ehrlich, denkst Du manchmal, dass Deine Heirat mit Claire nicht das Klügste war, was Du jemals getan hast?“ 
Ich glaube, dass Murtagh Jamie diese Frage schon eine halbe Ewigkeit stellen will, wahrscheinlich seit dem Vorfall in Fort William und nur auf den richtigen Augenblick gewartet hat. Jamie antwortet, dass es ihm niemals in den Sinn gekommen ist, denn es macht ihm offensichtlich Spaß, seine Frau in regelmäßigen Abständen aus den Händen der Redcoats zu befreien.

Zurück in Belmont erklärt der DoS Claire, dass er unter Arrest steht, weil die Briten glauben, dass er ein Jakobit ist und bietet Claire an, dass sie einen Brief an Jamie schicken darf, wenn sie ihm verspricht, dass Jamie ihn auch befreien wird. Claire schreibt an Jamie ein paar Zeilen in Gälisch und bittet darum den Brief an Hugh Munro auszuhändigen. Als Claire dem DoS den Brief übergibt, betritt Mary Hawkins den Raum und es stellt sich heraus, dass sie die Patentochter des DoS ist. Mary bringt Claire, nach einer überschwänglichen Begrüßung, in die Küche, um ungestört mit ihr reden zu können. Sie sagt ihr, dass der DoS eine Heirat mit einem Mr. Granger arrangiert hat, sie diesen aber nicht heiraten will. Und ich frage mich, wer dieser ominöse Mr. Granger ist, aber egal, ich habe keine Zeit weiter darüber nachzudenken, die Handlung der TV Serie hält mich gefangen!

Claire identifiziert den Diener des DoS, anhand seines Feuermals auf der Hand, als einen der maskierten Männer, die Mary und sie in Paris überfallen haben. Der DoS gibt im weiteren Verlauf des Gespräches zu, dass er ein Abkommen mit dem Comte hatte, dass er im Austausch für seine Schulden den Überfall arrangiert hat. Und ich kann es nicht glauben, dass er ernsthaft zu Claire sagt, dass sie glücklich sein soll, dass er den Comte von seinem Mordvorhaben abgebracht hat und Claire stattdessen nur vergewaltigt werden sollte. Aber was soll man auch von einem Mann erwarten, der erst Jamie in jungen Jahren sexuell belästigt, ihn dann in ein Duell zwingt, in dem er verletzt wird und dann die Petition, die Jamies Unschuld beweisen soll, an den schlimmsten Sadisten ever aushändigt.
Des Weiteren gibt er zu, dass er Jamie eine Falle gestellt hat, denn er hat vor, ihn der Krone auszuliefern und so seine Loyalität zu beweisen. „Sie könnten hängen, Seite an Seite, wie romantisch.“ 
ist zwar eine sehr gruselige Vorstellung, aber so, wie der DoS es sagt, hat sie irgendwie auch etwas leicht amüsantes an sich.

Kleine BL-Unterbrechung:
Im Buch wollte der DoS mit dem Überfall Claires Ermordung erreichen, da er geglaubt hat, dass, wenn Claire tot ist, Jamie vor lauter Kummer von seinem Vorhaben den Jakobitenaufstand zu verhindern, Abstand nehmen wird und der DoS somit die Sache der Stuarts gerettet hat. Im Buch gab es keinerlei Verwicklung zwischen dem Comte und dem DoS. Der Comte war einzig und allein für den vermeintlichen Giftanschlag auf Claire verantwortlich und der DoS für den Überfall, bei dem Mary versehentlich vergewaltigt wurde.

Die absolut besten Szenen in dieser Folge sind die beiden Sequenzen, in denen Claires Brief übergeben wird. Ich wusste bis heute nicht, dass ein einzelner Brief so witzig sein kann.
In der ersten Szene sucht einer der Männer des DoS auf der Straße nach Hugh Munro, um ihm den Brief für Jamie zu übergeben. Hugh wirft ihn zu Boden, nimmt den Brief an sich und verschwindet im Wald. Der Bote ruft ihm noch hinterher, dass er eigentlich immer ein Trinkgeld bekommt, wenn er einen Brief zustellt, aber Hugh ist schon auf und davon. In der zweiten Szene findet Hugh endlich Jamie und Murtagh und kann den Brief übergeben. Und diese Szene ist wirklich das Beste, Lustiges und Witzigste, das ich in den bis jetzt insgesamt 27 Folgen gesehen habe und ich habe wirklich lauthals gelacht. Ich liebe Dianas trockenen Humor (sagte ich das schon?) und ich bin der Meinung, dass diese Sequenz direkt aus dem Buch hätte stammen können, wenn sie Diana denn in Band 2 geschrieben hätte. „Soll das etwa Gälisch sein?“
 fragt Murtagh als er und Jamie den Brief von Claire lesen und allein das entziffern von Claires Gälisch ist schon ein Schauspiel für sich, aber Murtaghs Aussagen „Die Satzstellung ist völlig verdreht.“ und „Sogar Hilfe ist falsch geschrieben.“ schießen wirklich den Vogel ab.

Die letzte Szene in der Küche des DoS ist die High-Noon-Szene dieser Folge. Alle Fäden laufen dort zusammen und alle Beteiligten treffen dort ein letztes Mal aufeinander.
In dem Moment, als Claire das Tranchiermesser sieht, hat sie ihr gläsernes Gesicht auch schon verraten und der DoS nimmt es noch rechtzeitig an sich. Mary mausert sich, als sie begreift, dass Claire in ernsthaften Schwierigkeiten steckt, vor unseren Augen von dem eingeschüchterten „Ich-kann-doch-nicht-mitten-in-der-Nacht-nach-draußen-gehen-und-einen-Bettler-treffen“-Mädchen zu einer „Natürlich-kann-ich-egal-in-welcher-Kleidung-meiner-guten-Freundin-helfen“-Frau, obwohl sie im Laufe des Abends wiederholt von ihrem Patenonkel zu Bett geschickt wurde.
Ich gehe in diesem Zusammenhang fest davon aus, dass Hugh Munro nicht gestorben ist. Wir haben ihn zwar nach dem Vorfall an der Tür nicht mehr gesehen, aber ich halte es so, wie Diana es einmal gesagt hat: nur wer wirklich vor den Augen der BL stirbt, der ist wirklich tot. Darüber bin ich wirklich sehr froh, da ich seinen Tod im Buch immer als sehr unnütz und überflüssig empfunden und mich immer gefragt habe, was wohl aus seiner armen Witwe und den unzähligen Kindern geworden ist.


Jamie und Murtagh betreten die Küche und der DoS setzt seine Perücke auf, warum er das macht, weiß nur Diana alleine, aber ich fand es witzig.
Als Claire zu Jamie sagt, dass der DoS der Drahtzieher hinter dem Überfall in Paris ist und dass Danton einer der Angreifer war, ist ihr beider Schicksal besiegelt, denn niemand legt ungestraft Hand an die Frau von JAMMF. Und nein, Danton ist nicht Marys Vergewaltiger, ich habe die Stelle in Folge 204 jetzt bestimmt fünfmal geguckt und er ist definitiv nicht Marys Vergewaltiger! Der DoS versucht sich noch mit einem „Du kennst mich Jamie, ich würde doch nie so etwas vulgäres wie eine Vergewaltigung billigen.“ zu retten, aber leider zu spät, denn „Red Jamie“ ist bereits so rot, dass es ab diesem Punkt keine Rettung mehr für den DoS und Danton gibt. Noch bevor Jamie oder Murtagh Danton töten können, findet Mary den Mut und übt selbst Rache an ihrem Angreifer. Es ist schön zu sehen, dass die Serienverantwortlichen ihr die Möglichkeit gegeben haben, über ihre Opferrolle hinauszuwachsen. Mary nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand, lässt sich nicht mehr von ihrem Onkel, ihrem Vater oder ihrem Patenonkel bevormunden und macht das, was getan werden muss. Jamie packt sich währenddessen den DoS, grinst ihn nur an und dreht ihn dann zu Murtagh herum, damit dieser endlich seine Rache bekommt. Murtagh legt den Kopf des DoS vor Claire und Mary ab, geht auf die Knie und sagt: „Ich halte mein Wort. Ich lege Dir Deine Rache zu Füßen.“ Dieses Versprechen hat er Jamie in Folge 205 gegeben und Murtagh hält, genau wie Jamie, IMMER sein Wort.
Und liebe NBL, jetzt macht die kleine Sequenz nach der Titelkarte, in der die gepuderte Perücke samt Perückenhalter vom Tisch purzelt, auch für Euch Sinn, oder?
Mary scheint nach den Vorfällen die erste zu sein, die wieder zu sich findet und die anderen mit ihrer Aussage ”Ich glaube, wir sollten gehen.“ in die Wirklichkeit zurückholt. Die Folge endet mit Mary, Murtagh, Claire und Jamie, die die Küche verlassen, während der kopflose Rumpf des DoS am Boden liegt.


Jeder hat in dieser Folge das bekommen, was er verdient, Murtagh, Mary, Jamie und Claire Rache, der DoS und Danton den Tod. Man kann nicht immer auf der Seite der Gewinner stehen, aber letztendlich ist es doch gut zu sehen, dass der DoS sich am Ende seines Lebens doch mal für eine Seite entschieden hat, leider für die falsche. Ich sage das so, da es historisch gesehen nie hundertprozentig geklärt werden konnte, ob der DoS auf der Seite der Briten oder der Jakobiten gestanden hat oder ob er es wie der „Old Fox“ gehalten und sich immer für die Gewinnerseite entschieden hat.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass es, trotz der Dramatik am Ende, eine vom Ton her leichtere und vor allem auch humorvollere Episode war, im Vergleich zu den letzten beiden, obwohl die Katastrophe von Culloden immer noch über Jamie und Claire und dem Rest schwebt. Aber spätestens nach dem Vorfall in der Kirche habe ich es diesmal fast vergessen können, während in den vorangegangenen Folgen der Terror des Krieges immer präsent war.
Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass die schwersten Folgen mit den emotionalsten Szenen noch vor uns liegen und ich weiß nicht, ob ich dafür bereit bin! Und jetzt werde ich noch einmal die witzigsten Stellen anschauen und mich an dem erfreuen, was diese Folge so besonders gemacht hat: Dianas trockener Humor!

@Yvonne Pirch 19.06.2016 / 12.10.2016

 


Wenn Dich der historische Hintergrund des Jakobitenaufstands interessiert, findest Du hier weitere Informationen: http://wp.me/p7I1JG-au

Inside the World of Outlander Folge 211: https://www.starz.com/video/33b63dacaff143d49648ccd8a7111eee
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 211http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=211
Podcast mit Ron D. Moore Folge 211: http://assets.starz.com/stzcom/outlander/211_Podcast.mp3

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