Review 304: Of Lost Things (Verlust)

Episode 304
Of Lost Things
(Verlust)

Drehbuch: Toni Graphia
Regie: Brendan Maher

„There’s a woman out there for ye.
Ye’ll find her one day.
Or she will find you.“
(Jamie Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Diana hat im Vorfeld getwittert, dass diese Folge bis jetzt eine ihrer Lieblingsfolgen ist. Daher war ich schon sehr gespannt, ob ich ihr zustimmen kann und ich bin erleichtert, dass ich das uneingeschränkt kann. Obwohl alle anderen Folgen in dieser Staffel sehr gut gewesen sind, hat diese das gewisse Etwas und ich würde sogar so weit gehen, diese Episode in meine persönliche Top Ten Liste der besten Outlander-Folgen-Ever aufzunehmen. Dass Toni als Drehbuchautoren wahre Wunder vollbringen kann, hat sie bereits in der letzten Staffel mit ihrem Drehbuch zu “Faith” bewiesen. Sie schafft es, dass ihre eigenen Worte mit denen von Diana zu wundervollen Dialogen verschmelzen und obwohl es in dieser Folge einige Abweichungen von der Handlung  im Buch gegeben hat, kann ich mit (fast) allen sehr gut leben, da sowohl die Handlung als auch die Charaktere in dieser Folge von der ersten bis zur letzten Sekunde in sich stimmig sind. Obwohl mal wieder eine Menge Buchmaterial und vor allem auch charakterliche Entwicklungen in dieser Folge gezeigt werden, habe ich nicht das Gefühl, dass die Handlung gehetzt und zusammengepresst wirkt. Ganz im Gegenteil: die neuen Charakter werden sehr gut eingeführt, es wird ihnen genug Raum für ihre Entwicklung gelassen und die Beziehung von Jamie und Willie wird sehr detailgetreu gezeigt. Auch die beiden, in meinen Augen, etwas heikleren Szenen (Jamie und Geneva und Jamie und LJ) hat Toni großartig, mit viel Liebe zum Buch und Sensibilität gemeistert. Das Einzige, das mich ein wenig nachdenklich gestimmt hat, ist die Sache mit Ellens Perlen. Buch-Claire hätte diese Kette, die ihr Jamie geschenkt hat und die eine der wenigen Dinge sind, die ihr von ihm geblieben sind, mit ihrem Leben verteidigt und niemals abgegeben. Aber in der Serie liegen die Dinge halt anders und die Erklärung, warum Claire die Perlenkette an Mrs. Graham gegeben hat, liegt in Folge 201. Denn Claire musste Frank versprechen, dass sie die Vergangenheit namens Jamie hinter sich lässt und dazu hat wohl auch die Kette gehört, aber hätte sie diese nicht auch, so wie Jamies Ring, den er ihr am CnD gegeben hat, vor Frank verstecken können. Doch bevor ich mich wieder in Rage spekuliere, sage ich lieber mein Mantra der nächsten 10 Wochen auf: DBIDBuDSIDS (“Das Buch ist das Buch und die Serie ist die Serie“), denn am Ende ist es fast egal, wo die Perlen die letzten 20 Jahre gewesen sind, Hauptsache Brianna bekommt sie in der nächsten Folge von Claire geschenkt.
Diese Folge hat mich sehr berührt und sticht in meinen Augen aus den vielen guten bis sehr guten Episoden in den letzten 2 ¼ Staffeln heraus. Sie ist etwas besonderes, wie ein schwarzer Diamant, den man unter vielen anderen weißen Diamanten findet. Sie zeigt uns eine Sexszene, die keine Liebesszene ist, aber die uns so viele Dinge über einen der Hauptcharaktere in dieser Serie erzählt. Auch präsentiert sie uns eine Liebesszene, die, obwohl sie sich nicht zu einer romantischen Szene entwickelt, es trotzdem schafft, dass sich meine Augen mit Tränen füllen und das nur nur aufgrund eines Händedrucks und eines sehnsuchtsvollen Blicks. Toni hat es in meinen Augen verstanden, was Dianas Sichtweise von Freundschaft, Treue, Loyalität, Ehre, Familie und Liebe ist und sie hat all das in dieser Episode in aller Großartigkeit gezeigt. Um es mit vier Worten auszudrücken: ICH LIEBE DIESE FOLGE!

Nicht nur Toni, sondern auch alle anderen, die an der Entstehung dieser Folge mitgewirkt haben, waren erneut auf den Punkt. Terry hat wiederholt gesagt, dass es ihre Aufgabe ist, mit den Kostümen, die sie entwirft, den Charakteren einen Rahmen zu bieten und die Handlung der Folge zu unterstreichen. Und genau das hat sie mit den Kostümen von Geneva und Isobel erreicht, denn beide unterstreichen die unterschiedlichen Charakter dieser beiden so grundverschiedenen Schwestern. Isobels Kleider sind in gedämpften Naturtönen gehalten, sie sind unauffällig und unaufdringlich, so wie sie. Die Haube, die sie trägt, unterstreicht zusätzlich ihr zurückhaltendes Verhalten. Geneva trägt im Gegensatz zu Isobel keine Kappe, ihre Kleider sind weniger sittsam als die ihrer Schwester und sie bevorzugt Kleider in auffälligen Farben. Sie unterstreicht dadurch ihren extrovertierten und fordernden Charakter und gibt ein klares Statement ab: seht her, das bin ich!
Die Helwater Szenen wurden hauptsächlich in Gosford House gedreht, das auch bereits in Folge 205 als Drehlocation für die Stallungen von Versaille genutzt wurde. Einige Außenaufnahmen der Stallungen von Helwater und die Vorderansicht von Ellemere`s Estate wurden auf Hopetoun House, das wir bereits aus diversen Folgen kennen, gedreht. In Episode 110 diente es für Außenaufnahmen des Anwesens, in dem der Duke of Sandringham wohnt und in der zweiten Staffel wurden dort die Straßenszene gedreht, in der Mary vergewaltigt wird und die Treppe zum Bordell von Madame Elise befindet sich auch auf Hopetoun House.
Auch hat Toni uns mal wieder einige “Eastereggs” hinterlassen, die nur die Buch-Leser unter uns wirklich verstehen können, wie, wenn Joe Claire “Lady Jane” nennt und auch das Zitat von Robert Burns “Freedom and Whisky”, das die Dame am Tresen in der Bar zum Besten gibt. Als Brianna Blackness Castle erwähnt, muss ich sofort daran denken, dass das  in der ersten Staffel  der Drehort für die Szenen in Fort William gewesen ist und Jamie dort im Innenhof ausgepeitscht wurde. Blackness ist übrigens ein wunderbares und beeindruckendes Gebäude und definitiv einen Besuch wert, wenn Ihr irgendwann einmal in der Nähe seid. Und wer ganz genau hingehört hat, der hat vielleicht auch mitbekommen, dass Lord Dunsany Jamie als „The Scottish Prisoner“ bezeichnet. Ein netter Hinweis zu Dianas Lord John Roman “Die Fackeln der Freiheit“, denn der Originaltitel lautet “The Scottish Prisoner“.

Diese Folge beweist wieder einmal, wie gut die Mitarbeiter im Casting Departement sind, denn auch die Neben- und Gastrollen sind sehr gut besetzt und ich finde, dass Hannah James als Geneva in dieser Folge einfach brillant ist. Sie schafft es, diesen überaus komplizierten Charakter in all seinen Facetten, von verwöhnt und überheblich über manipulativ und berechnend bis hin zu verletzlich und mutig, darzustellen. Ich liebe die Szene, wenn Jamie sie in den Matsch befördert und bin über ihre unerwartete Reaktion sehr überrascht. Ursprünglich hatte Toni im Drehbuch geschrieben, dass Geneva sehr empört und außer sich ist. Ron wollte aber, dass sie uns Zuschauern etwas sympathischer erscheint als im Buch, denn er war der Meinung, dass wir Zuschauer die Mutter von Jamies Sohn nicht nur unsympathisch finden sollten, sondern dass wir sehen, dass oft mehr hinter einer kühlen Fassade stecken kann. Ich denke, dass es den Serienverantwortlichen sehr gut gelungen ist, zu zeigen, dass ein Charakter nicht nur Schwarz oder Weiß ist, sondern in allen Grautönen schillern kann und in der Szene, in der Geneva mit Jamie schläft, empfinde ich sogar etwas Mitleid mit ihr. Genevas: “I look forward to our next ride.” in dieser Matsch-Szene lässt mich schmunzeln. Dieser Satz ist so herrlich zweideutig, denn als Buch-Leser weiß ich jetzt schon, wie der nächste Ritt mit Jamie aussehen wird. Interessant ist es, dass Hannah James ursprünglich für die Rolle von Brianna vorgesprochen hat und sie findet es sehr amüsant, dass sie anstelle von Jamies Baby jetzt die Mutter seines Baby spielt, wie sie in einem Interview mit Yahoo sagt.
Auch Isobel ist mit Tanya Reynolds sehr gut besetzt und ich mag es, dass Toni sie etwas anders als im Buch darstellt. Sie ist zwar immer noch zurückhaltender und introvertierter als ihre Schwester Geneva, aber sie ist gegenüber Jamie, anders als im Buch, freundlicher gesinnt. Allein schon für ihre Aussage:” A cage is still a cage.” liebe ich sie, denn sie spiegelt so gut Jamies Situation wieder: nicht mehr in einer einsamen Höhle, nicht mehr im Gefängnis, aber immer noch ein Gefangener. Auch finde ich es sehr niedlich, dass sie ein Auge auf LJ geworfen hat und es ist erheiternd, wie Jamie versucht, ihr LJ auszureden, weil er ja weiß, wie es um ihn steht und wen er in Wirklichkeit liebt.
Richard hat mich bereits in Folge 213 total begeistert und was ich damals in meiner Review zu Folge 213 geschrieben habe, das gilt immer noch: er wird Roger rocken, so wie Sam Jamie rockt, da bin ich mir ganz sicher. Auch finde ich, dass Richard seinen besonderen Sinn für Humor sehr gut in seine Rolle einbindet und ich liebe seinen schottischen Akzent, den er übrigens auch im wahren Leben hat.
Ich habe bereits mehrfach erwähnt, dass das wirklich Sams Staffel ist, denn er kann hier die ganze Bandbreite seines einzigartigen Talents zeigen. Auch in dieser Folge hat er mich so oft glauben lassen, dass er wirklich das fühlt, was Jamie gerade durchlebt. Manchmal ist es eher unterschwellig, durch einen kleinen Blick oder eine leichte Veränderung in seiner Mimik, so wie in dem Moment, als er die hochschwangere Geneva sieht und realisiert, dass er der Vater des Babys sein könnte und manchmal sind es die großen Gefühle, die er zeigt, wie in der Abschiedsszene von Helwater.

 

Das Hauptaugenmerk in dieser Folge liegt bei Jamies Leben in Helwater. Die Handlung um Claire gerät daher etwas in den Hintergrund, was ich nicht weiter schlimm finde, denn obwohl die Szenen in den 1968ern relativ kurz gehalten sind, treffen sie die Kernaussagen der Suche nach Jamie im Buch.
Die Episode beginnt im Jahre 1968, dort, wo wir Claire und Brianna am Ende von Folge 213 verlassen haben. Claire, Brianna und Roger suchen in alten Dokumenten nach Jamie. Ich liebe dieses Memobord (oder wohl eher Memowand) mit allen Ereignissen, die bis dahin geschehen sind. Jamies Spur lässt sich bis ins Jahr 1756 verfolgen, bis das Ardsmuir Gefängnis geschlossen wurde. Claires Blick in diesem Moment, in dem sie Jamies Namen auf den Gefangenenlisten findet, ist sehr berührend. So viel Hoffnung, so viel Angst!
Auch finde ich es gut, dass Brianna zu Roger sagt, dass mit der Wahrheit die Mauer, die Claire all die Jahre um sich aufgebaut hat, eingestürzt ist und dass sie sich viel näher gekommen sind. Was wir auch sehen und merken, denn Brianna nennt Claire in dieser Folge das erste Mal “Mama”. Diana hat Toni gegenüber erwähnt, dass es für Claire sehr wichtig ist, dass Brianna sie Mama nennt und so hatte Toni am Set alle instruiert, peinlichst darauf zu achten, dass Sophie in dieser Szene auch wirklich Mama und nicht Mom, Mommy oder Ma sagt.
Nicht nur Claires und Briannas Beziehung entwickelt sich zum Positiven, sondern auch Roger und Brianna kommen sich näher. Ihnen dabei zuzusehen, macht einfach Spaß und zaubert mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Dass Brianna beim ersten Kuss diejenige ist, von der die Initiative ausgeht, wundert mich nicht, denn Roger ist ja eher der zurückhaltende und abwartende Mensch, während Brianna eher eine Frau der Tat ist. Ich finde es sehr schön, diese Gegensätzlichkeit, die ihre Beziehung so besonders macht und durch die der eine den anderen ergänzt, bereits hier erleben zu können.
ClairesBut this is what Mrs.Graham warned me about. Spending my life chasing a ghost.” und ein Blick in ihr Gesicht zeigt, was es sie an Kraft kostet, Jamie zu suchen, ihn finden zu wollen und ihn doch nicht finden zu können. Es zeichnet sich wirklich ab, dass sie einen Geist jagt, jemand, der erst ganz nah vor ihr steht und ihr dann doch immer und immer wieder durch die Finger schlüpft. Als Claire in der Bar zu Brianna und Roger sagt, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen, habe ich sofort das Gefühl, dass sie nicht das Haus von Reverend Wakefield meint. Ich war aber schon überrascht, dass sowohl Claire als auch Brianna zurück nach Boston fliegen. Im Buch geht Claire, nachdem sie Jamie auf der Gefangenenliste von Ardsmuir gefunden hat, allein nach Boston, weil sie nicht länger ihrer Arbeit fern bleiben kann. Außerdem hat sie für den Fall, dass sie Jamie doch finden, diverse Dinge zu regeln. Brianna und Roger forschen derweil in Schottland weiter und irgendwann erhält Claire die Nachricht, dass sie Jamie gefunden haben. Claire erzählt daraufhin Joe von Jamie und verlässt Boston und zwar für immer. Derweil haben Roger und Brianna die Übertragungsurkunde von Lallybroch und ein handschriftliches Manuskript von einem Drucker namens A. Malcolm gefunden. Da dieser darin Robert Burns „Freiheit und Whisky“ zitiert, obwohl Burns zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind ist, weiß Claire, dass der Artikel nur von Jamie sein kann. Für die Serie und die nächste Folge kann ich mir vorstellen, dass Roger genau dieses Manuskript findet und sich an das erinnert, was Claire zu ihm in der Bar über das Robert Burns Zitat gesagt hat und dass dann die Jagd nach Jamie fortgesetzt wird und Claire sich auf ihre Rückkehr in die Vergangenheit vorbereitet.


Wir erleben, wie Jamie im Jahr 1756 auf Helwater von Lord Dunsany begrüßt wird und können ihn ein bisschen bei seiner täglichen Routine beobachten, bis eines Tages sein friedliches Leben durch eine junge Dame namens Geneva bedroht wird. Da William im Januar 1758 zur Welt kommt, muss Geneva irgendwann im April 1757 den Plan entwickelt haben, sich ihre Jungfräulichkiet nicht bis zur Hochzeitsnacht aufzuheben. Zu Anfang der Szene, in der Geneva Jamie in ihr Bett zwingt, wird mir nicht ganz klar, worauf sie mit Lord Melton und Red Jamie hinaus will. Auch ihre Drohung, dass Jamie wieder ins Gefängnis muss, kann mich nicht so sehr schocken, denn ich weiß, dass er niemals auf ihre Erpressung eingehen würde, wenn es nur um ihn geht. Aber als das Wort “Lallybroch” fällt, weiß ich, wo der Hase lang läuft. Allerdings finde ich, dass die Bedrohung seiner Familie, als der wahre Grund, warum sich Jamie auf den Beischlaf mit ihr einlässt, nicht deutlich genug unter all den anderen Dingen, die Geneva Jamie androht, hervorsticht. Ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Geneva, so wie im Buch, Jamies Briefe an seine Familie abgefangen und ihn damit erpresst hätte. Daher bin ich sehr froh, dass er ihr in ihrem Zimmer noch einmal klar und deutlich sagt:Having brought me to yer bed by means of threats against my family. I’ll not have ye call me by the name they give me.” Übrigens ist dieser Satz wortwörtlich aus dem Buch und ich finde es sehr gut, dass Toni ihn verwendet hat. Obwohl Geneva der Meinung ist, dass sie Macht über Jamie hat, wird durch diesen Satz sehr deutlich, dass Jamie sich von dieser Macht nicht einschüchtern lässt und niemals gekommen wäre, wenn sie nicht seine Familie bedroht hätte, denn um es mit seinen Worten aus der letzten Folge zu sagen: There’s nothing you can do that hasn’t already been done to me, so try if you must.”
Ich finde die Art und Weise, wie die Schlafzimmer-Szene zwischen Jamie und Geneva dargestellt wird, sehr gut. In vielerlei Hinsicht ist diese Szene wirklich problematisch und ich hatte wirklich große Sorge, dass die Serie hier meilenweit am Buch vorbei handelt. Aber GsD haben sich meine Befürchtungen nicht bewahrheitet und dafür bin ich Toni sehr dankbar. Auch bin ich dankbar dafür, dass Jamie sich noch einmal Genevas Einverständnis einholt, um allen Diskussionen vorzubeugen. Mir war eigentlich immer schon klar, dass sie in der Serie Genevas “Halt! Er ist zu groß! Nehmt ihn heraus! Aufhören!” nicht thematisieren werden, denn keine Serie braucht eine Diskussion darüber, ob der Hauptcharakter eine „arme“ Jungfrau, die ihn zum Beischlaf erpresst hat und nach dem ersten Schock eine zweite Runde verlangt, gegen ihren Willen genommen hat oder nicht. Und wenn ich nur daran denke, was für Wellen diese Szene immer wieder in Dianas Fandom schlägt, bin ich sehr froh, dass die Serie einfach darüber hinweggegangen ist.
Obwohl Jamie nicht freiwillig bei Geneva ist, ist die Art und Weise, wie er mit ihr umgeht, total mit seinem Charakter vereinbar. Als Geneva ihre Unsicherheit und ihre Verletzlichkeit zeigt und sie ihm sagt, dass sie das für sich macht, ändert es seine Sichtweise der Dinge. Jamie sieht, dass Geneva, genau wie er auch, eine Gefangene ist. Sie lebt in einem goldenen Käfig, in dem sie keine eigene Entscheidungen treffen kann und in dem sie kein Selbstbestimmungsrecht hat. Seine Abneigung und Distanziertheit vermischt sich mit Mitgefühl und auch mit Achtung für ihren Mut. Er ist zwar nicht seine Entscheidung gewesen, mit Geneva zu schlafen, aber weil Jamie ein zuvorkommender und mitfühlender Mann ist, kann er nicht anders, als zu entscheiden, dass Genevas erstes Mal gut werden soll und so bietet er ihr so viel Rücksichtnahme, wie es ihm in dieser Situation möglich ist. Meiner Meinung ist der körperlichen Akt zwischen Jamie und Geneva sehr geschmackvoll und ansprechend dargestellt und obwohl Jamie irgendwann anfängt, diesen zu genießen (und ich kann ihn dafür wirklich nicht verurteilen, denn letztendlich ist er auch nur ein Mann aus Fleisch und Blut mit Gefühlen und Bedürfnissen), habe ich nicht eine Sekunde Zweifel daran, dass es nicht mehr als ein Akt ist und keinerlei Romantik oder große Gefühle involviert sind, zumindest nicht von Jamies Seite aus.
”Love is…when you give your heart and soul to another, and they give theirs in return.”, der Moment, in dem Jamie Geneva den Unterschied zwischen Sex und Liebe erklärt, ist herzergreifend. Es ist so traurig, in Jamies Augen seine Sehnsucht nach Claire zu sehen und auch seine Traurigkeit darüber, dass er genau weiß, dass das, was er mit Claire hatte, ihm niemals wieder im Leben begegnen wird.
 Aber Claire wird immer bei ihm sein und seine Erinnerungen an sie halten sie für ihn lebendig.

Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr befriedigend zu sehen, dass er etwas hatte, was Geneva und auch viele andere Menschen niemals haben werden: wahre Liebe. Und ich glaube, dass Jamie mir zustimmen würde, wenn ich behaupte, dass es besser ist, einen Menschen mit seinem ganzen Herzen und seiner ganzen Seele geliebt und verloren zu haben, als niemals wirkliche Liebe erfahren zu haben.

Die Szene mit Ellesmere finde ich gut gelöst und für mich ist es egal, ob er das Baby aus dem Fenster werfen will, so wie im Buch oder ob er droht, es mit seinem Dolch zu erstechen. Der Moment, als Jamie seinen Sohn vom Boden aufhebt, dieser ihn anschaut und Jamie ihn ansieht, ist wirklich sehr ergreifend. Ich bin sehr dankbar, dass Jamie diesen kleinen Augenblick mit seinem Sohn hat und vor allem, dass er wenigstens eines seiner Kinder einmal als Baby in den Armen halten kann, denn dieses Glück war ihm weder bei Faith noch bei Brianna vergönnt.

Die nächste Szene, als Jamie Isobel mit dem Kinderwagen mit Baby William sieht, ist wundervoll, genauso wie Jamies Freude darüber, dass sein Sohn den gleichen Namen wie sein verstorbener Bruder hat. Wenn er einen kleinen Moment alleine mit Willie bekommt und in den Kinderwagen schauen kann und ihn alsbraw laddie” bezeichnet, rührt mich das zu Tränen, denn genau das waren die letzten Worte, die Jamies Vater zu ihm in Fort William gesagt hat. Als Lady Dunsany Jamie seine Freiheit anbietet, fällt mir sofort diese Buchstelle ein:

“Schottland. Diese feuchte, schwammige Atmosphäre hinter sich zu lassen, die verbotene Straße zu betreten und sie freien Schrittes entlangzuwandern, hinauf in die Hügel, über die Wildwechsel, zu spüren, wie die Luft klarer wurde und den scharfen Duft von Ginster und Heide annahm. Heimzukehren! Nicht länger ein Fremder zu sein. Feindseligkeit und Einsamkeit hinter sich zu lassen, nach Lallybroch hinunterzukommen und das freudige Leuchten im Gesicht seiner Schwester zu sehen, wenn sie ihn erblickte, ihre Arme zu spüren, die sich um seine Taille legten, Ians Arme, die seine Schultern umfassten, und die ungestümen Hände der Kinder, die an seinen Kleidern zerrten. Fortzugehen und nie wieder etwas von seinem eigenen Kind zu sehen oder zu hören.”

(Kapitel 15 “Durch ein Missgeschick” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Und all das, was Jamie in diesem Moment im Buch denkt, können wir hier in der Serie in seinem Gesicht sehen: all die unterschiedlichen Gefühle, wie er seine Familie gegen seinen Sohn abwägt und wie schwer es ihm fällt, eine Entscheidung zu treffen. Sam ist einfach großartig und ich kann immer nur wieder seine Mimik bewundern und es ist wirklich ein Wunder, wie er es schafft, Jamies Gefühle nonverbal hundertprozentig darzustellen. Jamies Erklärung in der Serie, dass er noch auf Helwater bleiben möchte, weil er seine Familie von seinem kleinen Gehalt unterstützen kann, scheint für mich plausibler als sein Aussage im Buch, er würde jetzt noch nicht gehen wollen.

Kapitel 16 “Willie” in “Ferne Ufer” beginnt mit den Worten, dass die Jahre, die Jamie auf Helwater verbracht hat, zu den glücklichsten in seinem Leben zählten, von den Jahren mit Claire einmal abgesehen. Er hat auf Helwater alles was er braucht: genug zu essen, Kleidung, Pferde, eine Freundschaft mit LJ und seinen Sohn. Nicht nur im Buch, sondern auch in der Serie habe ich das Gefühl, dass Jamie das erste Mal, nachdem er Claire durch die Steine geschickt hat, wirklich zufrieden und auch ab und an, besonders in Momenten mit Willie, glücklich ist.
Ich bin ganz entzückt, Vater und Sohn zusammen zu sehen, wie sie Zeit miteinander verbringen, und wie Jamie ihm Dinge zeigt und erklärt. Jamie ist für Willie wortwörtlich zur Vaterfigur geworden und ich kann mir keinen anderen Mann vorstellen, der für ihn ein besserer Vater hätte sein können (außer vielleicht LJ). So darf Jamie seinen Sohn über sechseinhalb Jahre aufwachsen sehen (im Buch wird William im Januar 1758 geboren und Jamie verlässt im September  1764 Helwater) und miterleben, wie aus dem kleinen Säugling ein süßer, pfiffiger und wissbegieriger Junge wird. Aber leider werden sich Vater und Sohn immer ähnlicher und ich finde die Szene, in der Jamie und Willie die Kutsche putzen und Jamie dadurch die Möglichkeit bekommt, sein Spiegelbild im Vergleich mit Willies Gesicht zu sehen, sehr gut gelungen.

Da es wahrscheinlich fast unmöglich gewesen ist, einen kleinen Jungen zu finden, der Ähnlichkeit mit Sam hat und dabei so toll schauspielert wie Clark Butler, finde ich es gar nicht so schlimm, dass William nicht wie Jamie aussieht. Auch im Buch ist es mehr die Art und Weise, wie sich beide bewegen, wie sie ihren Kopf oder ihre Schultern halten, was es aufmerksamen Beobachtern, wie LJ, ermöglicht, eine Verbindung zwischen Jamie und Willie herzustellen.

“Er schluckte, und er sah, wie sich die Kehle des Spiegelbilds bewegte. Die Ähnlichkeit war zwar alles andere als vollkommen, aber sie ließ sich auch nicht verleugnen. Mehr in der Haltung und Form von Kopf und Schultern, wie Lady Grozier festgestellt hatte –doch ganz besonders auch in den Augen. Fraseraugen; sein Vater Brian hatte sie gehabt, und seine Schwester Jenny hatte sie auch. Man brauchte nur abzuwarten, bis sich die Knochen des Jungen noch dichter unter seine Haut schoben, bis seine Stupsnase lang und gerade wurde und die Wangenknochen noch breiter –dann würde es jeder sehen können.”

(Kapitel 16 “Willie” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Somit beschließt Jamie Helwater und seinen Sohn für immer zu verlassen, um nach Hause zurückzugehen. Willie kann das  nicht verstehen, denn für ihn ist Mac auf Helwater zu Hause. Als Jamie seinen Sohn umarmt, um seine eigenen Tränen zu verbergen, flüstert er ihm auf Gälisch zu: “Na bith còin, a bhalaich… Bithidh e glè cheart…” (“Don’t cry, my lad… It’ll be all right…”) und ich weiß nicht, wem er in dieser Situation mehr Mut zu spricht, Willie oder sich selbst.

Als ich diese Woche auf CompuServe einen Kommentar von Diana gelesen habe, dass Jamie Willie nicht den Rosenkranz gibt, war ich erst enttäuscht, weil er doch so wichtig ist. Aber eigentlich auch nur im Buch, denn in der Serie wird er nur in Folge 208, als Jenny ihn Jamie gibt, erwähnt. Aber weder in der Höhle, noch in Ardsmuir hat Jamie ihn dabei.  Außerdem hat mich Tonis Erklärung, dass es eher unrealistisch gewesen wäre, wenn Jamie nach all den Jahre in Ardsmuir seinen Rosenkranz noch hätte, überzeugt. Denn als Symbol des katholischen Glaubens, der vom protestantischen Königshaus rigoros unterdrückt wurde, hätten die britischen Soldaten Jamie seinen Rosenkranz im Gefängnis definitiv abgenommen. Daher finde ich, dass für die Serie Sawny 2.0 die bessere Wahl gewesen ist. Mich hat es sehr bewegt, dass Jamie Willie genau so eine Holzschlange schenkt, wie ihm damals sein Bruder William und wer die Title Card aufmerksam beobachtet hat, konnte sehen, wie Jamie diese Schlange schnitzt. Ansonsten war die Szene ein Geschenk an uns Buchleser, denn sie ist so nah am Buch erzählt und Toni hat fast ausschließlich Buchdialoge verwendet, dass ich nicht unterscheiden kann, was Buch oder Serie ist. Auch finde ich es sehr gelungen, dass die Serienverantwortlichen die Statue der Mutter Gottes gegen die von St. Antonius, dem Schutzpatron verlorener Dinge, ausgetauscht haben, denn das spiegelt so wunderbar den Titel dieser Episode wider. Es ist bittersüß, wenn Jamie Willie folgendes sagt: „There’s a woman out there for ye. Ye’ll find her one day. Or she will find you.“ und man sieht Jamie an, dass er gerade bei dem letzten Satz an Claire denken muss, denn sie hat ihn gefunden, obwohl sie eigentlich durch Raum und Zeit getrennt gewesen waren und im Normalfall niemals zueinander gefunden hätten. Manche Dinge sind im Leben einfach vorher bestimmt! Am Ende dieser Szene ist William Clarence Henry George Ransom, der neunte Earl of Ellesmere, ein stinkender Papist mit dem Namen William James und diese ganze Szene rührt mich zu Tränen, besonders, wenn Jamie zu Willie sagt: „Oh, dinna fash, lad. I’ll remember you.“ Es ist wirklich sehr traurig zu sehen, dass Jamie so ein großartiger Vater ist, der so wunderbar mit seinen Sohn umgeht und dann zu realisieren, dass das Schicksal ihm keine Möglichkeit gegeben hat, weder ihn noch Brianna aufwachsen zu sehen.

Die Szene mit Jamie und LJ, in der sich Jamie ihm anbietet, bricht mir im Buch immer das Herz und sie wird hier, in dieser Folge, der Szene im Buch zu einhundert Prozent gerecht. Sie ist so wundervoll und mit der größtmöglichen Sensibilität geschrieben und so wahnsinnig einfühlsam gespielt, dass ich einfach nicht anders kann, als sie als kleines Meisterwerk zu bewundern. Mir tut es so unendlich leid, dass Jamie in diesem Moment nichts außer seinem Körper besitzt, das er LJ anbieten kann und dass er für Willie das Gleiche auf sich nimmt, wie damals für Claire in Wentworth: ”…and if necessary the protection of my body as well”. Ich weiß, dass die Situationen grundverschieden sind und man sie absolut nicht miteinander vergleichen kann, aber Jamie ist im Grunde bereit, sowohl Claire als auch Willie mit seinem Körper zu beschützen. Abgesehen davon, dass es für ihn aufgrund seiner sexuellen Orientierung eh schon eine massive Überwindung gewesen wäre, mit LJ zu schlafen, wie sehr muss er Willie lieben mit Wentworth als Vorgeschichte.
Ich denke, die Entscheidung, den Kuss zwischen Jamie und LJ nicht zu zeigen, war in meinen Augen genauso richtig, wie Genevas “Halt!” unerwähnt zu lassen. Der Kuss hätte so viele Diskussionen ausgelöst und so viele offene Fragen zurückgelassen und hätte diese besondere Freundschaft zwischen Jamie und LJ in den Schatten gestellt. Selbst Buchleser stolpern immer wieder über dieses Szene, wie die Zillionen von Kommentaren in den Diskussionsbeiträgen auf CompuServe zu diesem Thema beweisen. Wenn Diana nicht ab und an einmal klärende und erklärende Worte zu diesem Thema schreiben würde, wären Jamie und LJ das ein oder andere Mal bestimmt schon verbal Hand in Hand dem Sonnenuntergang entgegengegangen.
Ich liebe es, wie buchnah diese Szene ist und wie gut sich Sam und David hier ergänzen. Davids Mimik ist absolut auf den Punkt, genauso wie die Art und Weise, wie er als erstaunter, aber auch ungläubiger LJ Jamies Angebot mit den Worten: “Well, I shall probably want you till the day I die, but tempted as I am, do you really think I would accept?” ablehnt. Trotz aller Dramatik und Rührung in dieser Szene musste ich über LJ Reaktion wirklich schmunzeln. David begeistert mich auch in dieser Folge und ich kann es kaum erwarten, ihn mit ihr-wisst-schon-wem in ihr-wisst-schon-wo zu sehen, wenn ihr-wisst-schon-wer diese beiden Personen beobachtet. Und auf das anschließende Gespräch zwischen LJ und ihr-wisst-schon-wer freue ich mich umso mehr!
Als Jamie mit den Worten: “I’m grateful to ye,“ LJs Hand nimmt und diese zum Ausdruck seiner Dankbarkeit drückt, teilen sie nicht nur ihre Freundschaft, sondern sind ab sofort durch ihre Liebe und Vaterschaft zu Willie für immer miteinander verbunden. Dann nimmt Jamie seine andere freie Hand und legt sie auf die von LJ und es ist so eine starke Erinnerung an Ardsmuir, aber diesmal besiegelt es nur ihre Freundschaft und zerstört sie nicht. Jamie zeigt LJ, dass er ihm schon lange das vergeben hat, was in Ardsmuir Jahre zuvor geschehen ist und jetzt können beide wieder unbefangen miteinander umgehen, etwas das sowohl Jamie als auch LJ nach Ardsmuir nicht mehr für möglich gehalten hätten. LJ hat Jamie gezeigt, dass es mehr Arten von aufrichtiger und bedingungsloser Liebe gibt, als nur die zwischen Mann und Frau und Jamie kann ihn so akzeptieren und respektieren, wie er ist. Er schenkt LJ nicht nur seine Freundschaft, sondern er hat ihm wohl das großartigste Geschenk gemacht, das er ihm machen konnte: Ehrlichkeit und Freiheit! Etwas, das LJ in Bezug auf seine sexuelle Orientierung noch nie zuvor erfahren hat.

Das Letzte was wir sehen, ist Jamie, wie er Helwater und seinen Sohn für immer verlässt. Es bricht mir das Herz, seine Tränen und seinen inneren Kampf, sich nicht noch einmal umzudrehen oder zurückzugehen, mitzuerleben und es erinnert mich sehr an die Szene, als er Claire das erste Mal zum CnD gebracht hat, wo er in Tränen aufgelöst, aber mit geradem Rücken und festen Schritten den Hügel hinuntergeht. Ich habe schon damals und auch in Folge 213, wenn er Claire bis zur letzten Sekunde am CnD begleitet und mit ihr den emotionalsten Tanz in der Serienwelt tanzt, für seine innere Stärke bewundert und mache es auch in diesem Moment. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, was Jamie in diesem Moment fühlt und durchmacht, aber sein Satz, den er am Anfang der Folge zu Lord Dunsany sagt: “The pain of losing a child never leaves you. I’ve lost two children myself, my lord.“, hallt in meinen Ohren wider und mir wird bewusst, dass er nicht nur Faith und Brianna verloren hat, sondern jetzt auch Willie. Wir Buch-Leser wissen, dass dieser Verlust Jamie wieder einmal ohne NICHTS zurücklässt und dass er wieder einen Weg finden muss, sein Leben fortzusetzen. „And what’ll you do now, my blue-eyed son? And what’ll you do now, my darling young one?“ Hier an dieser Stelle passt der Songtext von Bob Dylan’s  A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ ganz wunderbar in den Kontext und ich mag es, dass es sich bei diesem Coversong um ein Duett handelt, denn, wie bereits in den anderen drei Folgen, zeigt uns auch diese die Parallelen im Leben von Jamie und Claire. Beide beschließen in dieser Folge fast zeitgleich „nach Hause“ zu gehen und lassen dabei ein Stück von sich selbst zurück: Jamie seinen Sohn und Claire die Hoffnung, jemals wieder mit Jamie zusammen zu sein. Ich bedanke mich diesmal nicht bei Bear für diese (wieder einmal) hervorragende Musikauswahl, sondern bei Toni, die dieses Lied unbedingt in dieser Szene haben wollte.
So endet wieder ein Lebensabschnitt für Jamie und aus Mac bzw. Alex MacKenzie wird irgendwann in den nächsten Monaten nach seiner Rückkehr nach Lallybroc„Papa“ und dann A. Malcom, Drucker.

 

Die letzte Szene zeigt uns sehr eindrucksvoll, warum diese Folge keinen anderen Titel als “Of Lost Things” verdient hat:
Claire und Brianna auf dem Rückflug nach Boston, die beide ein Stück ihrer selbst in Schottland gelassen haben … Roger mit seinem kleinem Spielzeugflugzeug aus Folge 201, der sich nicht nur von seinem Vater, sondern auch von Brianna trennen musste, nachdem er sie gerade erst gefunden hat … LJ mit seinen unterdrückten Tränen, der sich sicher ist, dass er die Liebe seines Lebens nicht mehr wiedersehen wird … Willie, der hinter Mac herläuft und ihn anfleht, nicht fortzugehen…und als letzte Einstellung Jamies Gesicht von Trauer und Tränen über den Verlust seinen einzigen Kindes, das er jemals in den Armen hat halten können, gezeichnet. All diese unterschiedlichen Facetten von Verlust in weniger als eine Minute Sendezeit darzustellen, ist in meinen Augen ein kleines Meisterwerk und was wäre die letzte Einstellung ohne Sams überragendes Talent. Ich weiß wirklich nicht, wie viele Male er mir mit seinem Können und seinem ausdrucksstarken Gesicht mein Herz gebrochen hat, aber ich bin sehr glücklich darüber und hoffe, dass er es noch mindestens hundertmal in dieser Staffel machen wird.
Jamie und Claire leben jeder für sich in ihrer Zeit ihr eigenes Leben und ich habe diese Woche das erste Mal das Gefühl, dass sie sich langsam, aber sicher mit einem Leben ohne den anderen arrangieren können. Sowohl Jamie als auch Claire haben in den letzten Folgen immer gegen ihre Trauer und den Schmerz, den anderen verloren zu haben, angekämpft, ihn in sich eingeschlossen und jahrelang einen Geist gejagt. Wir haben miterlebt, wie beide in den letzten Folgen die ersten drei Phasen der Trauer – vom Leugnen über aufbrechende Emotionen (wie Wut, Zorn, Schuldgefühle) bis hin zum bewussten Abschiednehmen- durchlaufen haben und sich jetzt in der letzten Phase befinden, in der sie ihren Verlust akzeptiert und erkannt haben, dass das Leben weitergeht.
Weder Jamie noch Claire leben das Leben, dass sie leben wollten, aber sie leben es mit mehr als sie hatten und mit mehr als sie jemals gefühlt haben, bevor sie sich begegnet sind. 
Jamies Moment in dem er Claires Verlust akzeptiert hat, wurde meines Erachtens in der letzten Folge mit der Seehundinsel gezeigt, denn da hat er wirklich verstanden, dass Claire für immer weg ist und auch niemals wiederkommen wird. Ab da ist er in der Lage, über sie zu sprechen, ihren Namen auszusprechen und sich mit einem Lächeln und Tränen in den Augen an sie zu erinnern. Jamie lässt seine Vergangenheit hinter sich und nimmt LJs Geschenk an, ein neues, komplett anderes Leben zu leben, aber zu leben. Für Claire hat die Akzeptanz von Jamies Verlust wahrscheinlich bis zu ihrem Besuch am Fraser Gedenkstein auf dem Culloden Moor gedauert (in Folge 213), den sie für Jamies vermeintliches Grab hält. Dort konnte sie das erste Mal richtig von Jamie Abschied nehmen, denn sie ist durch Franks Tod von der Bürde befreit, ihre Gefühle für Jamie verstecken zu müssen. Als Claire zu Brianna sagt, dass sie nach Hause gehen sollten, wird mir klar, dass Jamie nicht mehr ihr zu Hause ist, sondern dass sie sich mit Brianna nach Franks Tod ein neues Leben aufgebaut hat und mir wird schmerzlich bewusst, dass sowohl Jamies als auch Claires Überlebensplan zum Lebensplan geworden ist. Aber unsere Solumates leben für immer in den Gedanken und in den Erinnerungen des anderen weiter, so wie Jamie es zu Willi sagt: „But I remember her. Always„, denn nur wer vergessen ist, ist auch wirklich tot. Ich weiß nicht, wie lange wir diese Trennung noch ertragen können und von daher bin ich sehr froh, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir endlich das Klingeln der Türglocke in A. Malcoms Druckerei hören werden.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch



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