Review 312: The Bakra (Die Bakra)

Episode 312
The Bakra
(Die Bakra)

Drehbuch: Luke Schelhaas
Regie: Charlotte Brändström

„The ghosts that keep coming into our lives,
drawn to us the way we are drawn to each other.
(Jamie Fraser)


ACHTUNG:
Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana G
abaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Für die vorletzte Folge dieser überragenden dritten Staffel hat es diese Episode wieder in sich, denn die Wege unserer Protagonisten kreuzen sich mit alten Bekannten und Freunden, offene Handlungsstränge werden weiter verfolgt und es werden neue Weichen gestellt, um uns in Richtung Staffelfinale zu leiten. Luke Schelhaas hat es mit einem weiteren großartigen Drehbuch geschafft, Tonnen von Buchmaterial in diese knappen 55 Minuten Sendezeit zu adaptieren, ohne dass die Charaktere oder die Story darunter leiden. Ich bin wirklich erstaunt, wie die Serienverantwortlichen es geschafft haben, so viele Schlüsselmomente aus “Ferne Ufer” in dieser Folge unterzubringen, obwohl an vielen Stellen vom Grunde auf andere, überarbeitete oder veränderte Handlungsstränge die Grundlage für die Handlung in der Serie sind und ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Handlung aus dem Buch kein Sekunde vermisst habe. Ganz im Gegenteil, denn durch die komprimierte und auf die Kerninhalte reduzierte Erzählweise, kommt “The Bakra” flüssig, spannend und knackig daher und schafft es, die für mich oft etwas langatmigen Erzählstränge aus Band 3 interessant auf den Bildschirm zu transportieren.
Trotz der straffen Handlung bleibt genug Raum für die etwas unwichtigeren Details aus dem Buch, wie zum Beispiel Claires schwarze Korallen Kette, die Jamie ihr geschenkt hat (dazu Tweet 1 und Tweet 2 von Terry): 

“In der Schachtel lag ein kleiner glänzender Fisch aus einem harten schwarzen Material, dessen Schuppen einen Hauch von Gold an den Rändern trugen. »Es ist eine Brosche«, erklärte er. »Vielleicht könntest du sie an einem weißen Band um den Hals tragen?« »Sie ist wunderschön«, sagte ich entzückt. »Woraus besteht sie? Ebenholz?« »Schwarze Koralle.«
(
Kapitel 58 Die Maske des Roten Todes aus „Ferne Ufer“ by Diana Gabaldon)

Auch werden die Freimaurer, die in kommenden Büchern noch eine interessante Rolle spielen werden, erwähnt und die von mir so geliebten kleinen Jamie und Claire Momente bleiben in der knappen Sendezeit nicht ungezeigt. Was für ein kurzer, aber ebenso wundervoller Augenblick, wenn Jamie und Claire und der Rest der Fraser Familie auf dem Anwesen des Gouverneurs ankommen und beide sich an ihre Zeit in Versaille erinnern. Jamies Kompliment „Ye look as ‚twas yesterday.“ auf Claires Aussage, dass Paris schon eine sehr lange Zeit her ist, ist wirklich süß, oder? Ganz zu Schweigen von der großartigen “Eye-Sex-Szene”, die sich zwischen den beiden in der Warteschlange nach ihrer Ankunft im Ballsaal abspielt. Wenn Jamie Claire anstarrt und sie voller Verlangen ansieht, dann kann man in seinen Augen lesen, dass sie für ihn die wunderschönste und begehrenswerteste Frau auf der ganze Welt ist. Am liebsten würde er sie berühren und sich die nächste stille Ecke suchen, aber da das nicht geht, zieht Jamie sie wortwörtlich mit seinem Blick aus. Auch Claire guckt ihn nicht minder erregt an und wir können sehen, wie schwer es ihr fällt, dem Drang zu widerstehen, ihn nicht vor all den Leuten zu vernaschen. Ich liebe es, wie glaubhaft Sam und Cait uns das Verlangen ihrer Charaktere in dieser kurzen Sequenz darstellen und sie es nur mit Blicken schaffen, die unsichtbare Spannung und das Knistern zwischen Jamie und Claire für uns sichtbar zu machen.
Auf dem Ball laufen alle Fäden der Handlung aus dem Buch zusammen, die dort über einen viel längeren Zeitraum und an diversen Standorten stattgefunden hat und so werden in dieser Folge viele einzelne Plots aus Band 3 kombiniert: das Wiedersehen von Jamie und LJ, der Saphir, den Jamie LJ gegeben hat, der Plot um den Sklaven Temeraire, Jamies und Claires Suche nach Young Ian, Claires Wiedersehen mit Geillies und damit verbunden der Schatz der Seehundinsel und die Fraser Prophezeiung und last but not least die Campbells. Die Ereignisse auf dem Gouverneursball sind das perfekte Beispiel dafür, dass die Serienverantwortlichen es schaffen, selbst passionierte Buch-Leser wie mich, die eigentlich den weiteren Verlauf der Story in- und auswendig kennen, mit der neu arrangierten Handlung auf eine äußerst positive Art und Weise zu überraschen und diese fragend zurückzulassen, wie sich am Ende alles auflösen wird.

Die Sets sind wieder einmal wundervoll und ihr könnt hier Rose Hall noch einmal in all seiner Schönheit bewundern: Bild 1 und Bild 2Die Szenen des Gouverneursballs wurde nicht in Südafrika, sondern in Schottland, genauer gesagt in der Signet Library gedreht und so sieht das Gebäude eigentlich von innen aus, wenn dort nicht gerade für Outlander gedreht wird und so während des Drehs: Bild 1 und Bild 2.
Auch das Costume Departement hat erneut ganze Arbeit geleistet und ich liebe Terrys Liebe zum Detail. Habt Ihr bemerkt, dass Claires Bluse am rechten Ärmel geflickt und dort noch der Rest eines ausgewaschenen Blutfleckens zu erkennen ist? Und wusstet Ihr, dass Terry und Ihr Team Claires “Bat Suit” insgesamt zwölfmal angefertigt haben, damit genug Ausfertigungen für den Dreh zur Verfügung stehen. Ich habe in meinen vergangenen Reviews des Öfteren erwähnt, dass Claire mit ihrem “Bat Suit” ihre Gefühlslage ausdrückt und Terry hat dieses Bild getwittert, auf dem Ihr alle Stadien sehen könnt, wie Claire ihr “Bat Suit” in dieser Staffel getragen hat.
Wie ich bereits in meiner Review zur Folge 309 geschrieben habe, finde ich die Idee von Terry, Jamie und Claire ihre recycelte Kleidung aus ihren Pariser Zeiten zurückzugeben, einfach genial und die Kleidertruhe aus Lallybroch beugt jeglichen Diskussionen vor, wie Jamie, Claire, Fergus und Marsali an ihre extravaganten Outfits kommen, wenn sie in Jamaika auf den Gouverneursball gehen. Das Kleid, das Claire auf dem Ball trägt, ist ein “Umbau” ihres “Saffron Dress”, das sie in Folge 203 getragen hat, als sie mit Mary bei Louise zum Kartenspielen eingeladen ist. Auch Jamies Weste und sein Mantel sollten uns bekannt vorkommen, denn er trägt dieses Outfit in Folge 203 und 204 und auf dem Starz Promotion Cover zu Staffel 2 und auf Terrys Blog findet ihr zu Jamies Weste einen wundervollen BeitragMarsali und Fergus haben auch in der Kleidertruhe der Frasers gestöbert und sind fündig geworden. So trägt Fergus den Mantel, den Jamie in Folge 202 auf dem Ball von Versaille getragen hat und Marsali sieht in Claires Kleid aus Folge 204  einfach wunderhübsch aus. In Staffel 2 hatte dieses Kleid in der Szenen seinen großen Auftritt, in der Claire Jamie zum Schachspiel mit dem Finanzminister nach Versaille begleitet und vom Comte vergiftet wird und ich habe damals schon dieses Kleid mit den türkisen Steinen geliebt. Dasselbe Kleid trägt Cait übrigens auch beim Fotoshooting für das EW Magazin aus Februar 2017. Der Mantel von Mr. Willoughby ist atemberaubend schön und erinnert mich in seinem Detailreichtum an den von Master Raymond. Ich finde, dass die wundervolle Stickerei auf diesem Foto und auch auf diesem noch viel besser zur Geltung kommt, als in der Serie. Ich vermisse wirklich Terrys Blog zu ihren Entwürfen und finde es sehr schade, dass sie diesen nicht mehr fortführt, aber sie hat zu den Kleidern aus dieser Folge viele wunderschöne Beiträge getwittert und wenn Ihr mögt, dann könnt Ihr euch diese hier anschauen:
Claires Ballkleid: Tweet 1 und Tweet 2 und Tweet 3
Jamies Ball Outfit: Tweet 1 und Tweet 2 und Tweet 3
Marsalis Ballkleid: Tweet 1 und Tweet 2 und Tweet 3

Wenn Jamie und Claire über den Sklavenmarkt gehen, um eventuell Young Ian oder einen Hinweis auf sein Verbleib zu finden, dann sind diese Szenen nichts, was nicht jeder von uns schon einmal im Fernsehen gesehen hat. Trotzdem fühle ich mich immer ein wenig unbehaglich, wenn ich im TV Sequenzen sehe, in denen Menschen wie Ware behandelt werden und mir schnürt sich immer die Kehle zu und ich kann nur schlecht mit diesem Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit umgehen, auch wenn ich weiß, dass es nur ein Film ist. Ich weiß aber auch, dass es Zeiten gab, in denen das die Realität gewesen ist und dass in vielen Orten auf der Welt auch heute noch Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Sicherlich wäre es für die Serienmacher ein Leichtes gewesen, den ganzen Plot um den Sklavenmarkt nicht zu zeigen, weil es meines Erachtens immer einer besonderen Sensibilität bedarf, Szenen dieser Art realistisch zu filmen. Daher finde es sehr gut, dass das Thema Sklaverei auch in der Serie angesprochen wird, weil es ja auch ein Bestandteil von Band 3 ist und sich die Verantwortlichen im Writer`s Room eng an die Buchvorlage gehalten und die Darstellung nicht über-, aber auch nicht untertrieben haben. Claire, als moderne Frau des 20. Jahrhunderts, deren bester Freund ein Afroamerikaner ist, geht über den Sklavenmarkt und ihr Gesichtsausdruck zeigt ganz genau das, was auch ich im Moment empfinde, Abscheu für die Sklavenhändler, die diese armen Menschen wie Tiere in Käfige einsperren und eine unendlich Wut über die eigene Hilflosigkeit, denn sie kann nichts machen, um diese elenden Umstände zu ändern. Besonders bewusst wird sie sich ihrer Machtlosigkeit in dem Moment, in dem sie zusehen muss, wie man eine junge Frau brandmarkt und diese vor Schmerzen aufschreit. In der nächsten Einstellung wird Claire erneut Zeuge einer weiteren Demütigung und Menschenrechtsverletzung und ich kann voll und ganz verstehen, dass sie ihre Empörung und ihre Wut und ihre Bedürfnis, etwas zu tun, nicht unterdrücken kann, obwohl sie weiß, dass es nicht die richtige Zeit und der richtige Ort ist, um sich gegen die herrschende Sklaverei aufzulehnen. So zettelt Claire einen mittelschweren Tumult an und Gott sei Dank ist Jamie, der sie zuvor aus den Augen verloren hat (ich kann mir gut vorstellen, dass er auf der Suche nach Claire voller Sorge sämtliche Steine auf dem Sklavenmarkt umgedreht hat), zur Stelle und muss seine Frau erneut aus einer brenzlichen Situation befreien bzw. aus einer Situation, in der sich Claire durch ihr Verhalten aus dem 20. Jahrhundert hineinmanövriert hat, retten. Aber es ist nichts, das er nicht schon kennt und auch, wenn er Claire von Zeit zu Zeit für ihr unüberlegtes und unvorsichtiges Verhalten tadelt, weiß er, dass sie nicht anders kann und er weiß auch, dass er seine Frau in den nächsten gemeinsamen Jahrzehnten noch des Öfteren aus solchen Situationen befreien wird.
Jamies The bill of sale needed a name to make it legal. And you were the one that wanted me to do it.” zeigt, dass Jamie seine Zeit manchmal besser versteht, als Claire, denn sie wollte, dass Jamie dem Sklaven hilft, aber sie wollte ihn garantiert nicht kaufen, aber Jamie weiß, dass das die einzige Lösung für ihre impulsive Handlung gewesen ist. Verständlicherweise ist Claire über die Tatsache, dass sie jetzt einen Menschen besitzt, entsetzt und möchte ihn, sobald es seine Sicherheit zulässt, frei lassen. Ich mag die Szene zwischen Temeraire und Claire und ich denke, es ist von den Serienmachern eine gute Entscheidung gewesen, dass er, verglichen mit seinem Charakter im Buch, bereits viele Jahre auf Jamaika lebt und auch Englisch spricht und somit sowohl mit den örtlichen Begebenheiten als auch mit der Sprache vertraut ist und den Frasers auf der Suche nach Young Ian helfen kann. Da der Sklavenhändler Jamie erzählt hat, dass die Sklaven von der Bruja an den Haushalt des neuen Gouverneurs verkauft wurden, bedeutet das, dass Claire und er die Einladung von Kenneth MacIver annehmen und zum Ball gehen werden. Dort sollen sich alle, Temeraire eingeschlossen, nach Young Ian umsehen und umhören.
Auf dem Ball fragt Jamie Claire „When does it end? The slave trade?“ und sie antwortet ihm darauf, dass es noch siebzig Jahre im Britischen Königreich und sogar noch einhundert Jahre in Amerika dauern wird, bis es keine Sklaverei mehr gibt. Ich frage mich, ob Claire bemerkt, dass das Ende der Sklaverei erst nach ihrem Tod kommen wird, außer sie geht noch einmal in das 20. Jahrhundert zurück.

Mir haben die Szenen zwischen Yi Ten Cho und Margaret Campbell sehr gut gefallen und ich mag den Gedanken, dass er endlich jemanden gefunden hat, dem er seine Liebe und seine Achtung für das weibliche Geschlecht entgegenbringen kann. Das ist etwas, das Yi Ten Cho seitdem er seine Heimat verlassen hat, nicht mehr machen konnte, da er sowohl in Schottland als auch in der Karibik eher als exotischer Typ gesehen wird, als ein Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen. Ein Beweis dafür ist die Art und Weise, wie diese Frau auf dem Gouverneursball mit oder eher über ihn spricht und ihre Aussage Goodness. He even speaks English.” sagt alles, was man über die Vorurteile in dieser Zeit wissen muss. Yi Ten Cho ist einer der wenigen Menschen, die Margaret Campbell als eine Frau mit einer besonderen Gabe sieht und nicht als verwirrtes und zurückgebliebenes Wesen, das merkwürdige Dinge von sich gibt. Auch Margaret sieht ihn nicht als Exoten, sondern sie sieht ihn als das, was er ist: ein geistreicher und sensibler Mann, dessen Bestimmung es ist, Frauen die größtmögliche Ehrerbietung entgegenzubringen. Was uns die Serienverantwortlichen zeigen, sind zwei Menschen, die sich völlig von den Menschen, mit und unter denen sie leben, unterscheiden und beide erkennen die besondere Gabe des anderen, denn sowohl Yi Ten Cho als auch Margaret sind “Rare Souls”. In dieser Episode wird der Grundstein dafür gelegt, dass beide ein neues Leben beginnen werden, so wie es im Buch auch jeder von ihnen getan hat, nur nicht gemeinsam, sondern getrennt, denn Margaret findet ihren Platz  in “Ferne Ufer” bei den entflohenen Sklaven und Yi Tien Cho findet in der kleinen chinesischen Kolonie ein neues Zuhause. Egal, ob die Serienverantwortlichen im Staffelfinale aus dem, was zwischen Yi Tien Cho und Margaret ist, eine romantische Beziehung entwickeln oder etwas anderes Besonderes entstehen lassen, ich denke, dass sich auf diesem Ball zwei Seelen gefunden haben und ich hoffe, dass sie nächste Woche gemeinsam, nach einer langen und beschwerlichen emotionalen Reise, ihr neues Leben an Ufern fern der Heimat beginnen können.

Die Folge beginnt mit einer Rückblende und zeigt uns, was mit Young Ian passiert ist, nachdem er von den Piraten von der Seehundinsel entführt wurde. Im Buch erfahren wir durch seine Erzählungen, was ihm in der Zeit bei und mit Geillies widerfahren ist, aber wir sehen bzw. erleben es nicht live. Die Serie ist einen anderen Weg gegangen und zeigt uns genau das, was in “Ferne Ufer” beschrieben wird, aber wir erleben es zusammen mit Young Ian, was mir sehr gut gefällt. Übrigens sollte Young Ians Storyline laut Drehbuch zu dieser Folge immer wieder als kleine Sequenzen zwischen den Szenen mit Jamie und Claire gezeigt werden. Im Schneideraum haben sich die Serienverantwortlichen aber dann dagegen entschieden, weil sie es im Nachhinein besser gefunden haben, dass Young Ians Geschichte zusammenhängend erzählt wird. Ich finde, dass das eine weise Entscheidung gewesen ist, denn so kommt die Handlung um Young Ian und Geillies fließend daher und wird nicht immer wieder durch die Szenen mit Jamie und Claire unterbrochen und beide großen Handlungsstränge können sich ohne Unterbrechungen fortlaufend entfalten. Innerhalb der ersten Minute Sendezeit fällt der Name der Person, die für Young Ians Schicksal in den nächsten Monaten verantwortlich sein wird: “The Bakra” und wir Buch-Leser wissen bereits an dieser Stelle, wer sich hinter diesem Pseudonym versteckt. Luke Shelhaas erwähnt übrigens in seinen Anmerkungen zum Drehbuch, dass “Bakra” ein Begriff aus dem jamaikanischen Kreolisch (auch Patois genannt) ist und so viel wie “Boss” bedeutet und dass die Sklaven damals ihre Masters oder Aufseher so genannt haben. Luke fand diese Bezeichnung für Geillies sehr passend, weil gerade für Nicht-Buchleser so ihre Identität, so lange wie es der Handlung angemessen ist, geheim gehalten wird.
Als nächstes sehen wir Young Ian, der auf der Bruja auf Jamaika ankommt und dann in eine Zelle geworfen wird. Die Geschichte, die sein Mitgefangener names Henry ihm erzählt, ist wirklich gruselig und Young Ian, der sich in der ersten Szene auf der Bruja noch aus Leibeskräften gegen die Piraten gewährt hat, überkommt bei dem, was ihn laut Henrys Erzählungen erwarten wird, der blanke Horror. Er fragt voller Angst “What’s a Bakra?” und wird in der nächsten Szene mit ihr konfrontiert: Geillies Duncan alias Abernathy.
Es ist wirklich schön, Lotte wiederzusehen, denn ihre Darstellung von Geillies ist, wie auch schon in den letzten beiden Staffeln, perfekt: bedrohlich, gruselig, betörend und manipulierend. Das Bad in Ziegenblut (arme karibische Ziegen: entweder werden sie von chinesischen Seemännern gegrillt oder von irren Schottinnen als Schönheitsprodukt missbraucht) ist meiner Meinung nach eine sehr gute Möglichkeit, Geillies Charakter zu zeigen, vor allem aber, was sie unter der stets freundlichen Oberfläche ist, eine äußerst gefährliche und skrupellose Frau, die sich von nichts und niemanden von ihrem verrückten Vorhaben, Schottland den rechtmäßigen König zurückzubringen, abhalten lässt. In meinen Augen ist es eine sehr gelungene und ästhetisch- gruselige Szene, die einfach perfekt ist, außer, dass ich mich frage, ob zwei Kannen Wasser wirklich ausreichen, um sich all das Blut vom Körper abzuspülen. Der nachfolgende Dialog zwischen Geillis und Young Ian ist großartig, denn er gibt wirklich sein Bestes und widersteht der, für ihn sehr unangenehmen, Befragung von Geillies, bis er einen Schluck Tee trinkt. Sein Gesichtsausdruck, wenn er ihr gesteht, dass sein Onkel vielleicht den fehlenden Saphir genommen haben könnte und Young Ian realisiert, dass er soeben die Wahrheit verraten hat, ohne es zu wollen, ist einfach unbezahlbar. Armer Junge, er befindet sich in einer wahrlich äußerst unangenehmen Situation, denn erst verrät er unwillentlich seinen geliebten Onkel und dann kann er seinen Blick nicht von der attraktiven, aber auch furchteinflössenden Geillies abwenden. John spielt Young Ians Mischung aus Unglauben, Erschrecken und sexueller Erregung sehr glaubhaft und wir Zuschauer können fühlen, dass er absolut überhaupt keine Ahnung hat, wie er sich verhalten oder was er machen soll.
Ich habe mir schon im Vorfeld gedacht, dass die Serienmacher Geillies nicht wirklich so darstellen werden, wie sie von Claire in Band 3 beschrieben wird:

“Geillis Duncan hatte immer schon einen ausladenden weißen Busen und großzügig gerundete Hüften besessen. Sie hatte zwar ihre sahnige Haut nicht eingebüßt, doch sie war in jeder sichtbaren Dimension deutlich ausladender und großzügiger geworden. Sie trug ein loses Musselingewand, unter dem ihr Körper bei jeder Bewegung wabbelte und wankte. Ihr zartes Gesicht war in einer Fettschicht versunken, doch ihre leuchtend grünen Augen waren unverändert von Bosheit und Humor erfüllt.”
(Kapitel 60 Der Duft der Edelsteine aus „Ferne Ufer“ by Diana Gabaldon)

Aber im Grunde genommen stört es mich nicht wirklich, da Geillies, obwohl sie immer noch sehr attraktiv ist, trotzdem in einem gewissen Umfang gealtert ist und warum sollen nur Jamie und Claire als Einzige nach all den Jahren immer noch rank und schlank sein.
Das Kleid, das Geillies auf dem Ball trägt, ist wunderschön und Ihr findet hier einige Bilder dazu von Terrys Twitter-Account: Tweet 1 und Tweet 2 und Tweet 3 und Tweet 4 und Tweet 5. Leider mag ich die Perücke, die sie auf dem Ball trägt, überhaupt nicht, vor allem den Haaransatz finde ich schlecht gemacht. Aber ich frage mich, ob so viel Nachlässigkeit, die wir vom Hair & Make Up Departement eigentlich nicht gewohnt sind, vielleicht nicht schon wieder Absicht ist. Übrigens eine geniale Idee von Bear, Geillies Erscheinen auf dem Ball, das Claire in den  ersten Sekunden des Wiedersehens den Schock einer Geistererscheinung beschert, mit einem abgewandelten Craigh na Dun Theme zu untermalen und damit auch Claires Suche nach ihr draußen im Garten zu begleiten. Der Dialog, in dem Geillies Claire von der Zeit nach dem Hexenprozess in Crainesmuir vor mehr als zwanzig Jahren erzählt, ist direkt aus dem Buch übernommen, aber er beginnt mit dem absoluten besten Nicht-Buchsatz, einem Zitat aus Casablanca: “Of all the gin joints in all the towns in all the world.” Diese Aussage und auch Gellies Bezug auf  “Benjamin Button” in ihrem Gespräch mit Archibald Campbell, zeigt noch einmal allen, die es vielleicht vergessen haben sollten, dass Geillies, genau wie Claire, keine Frau dieser Zeit ist. Diese ganze Szene und auch der Spaziergang durch den Garten der Gouverneursresidenz, verströmt den Charme einer langjährigen Freundschaft und lullt mich ein wenig in dieses Gefühl ein und als Claire Geillies dafür dankt, dass sie ihr Leben in Crainesmuir gerettet hat und ihres dabei fast verloren hätte, denke ich, dass das der Neubeginn einer alten Freundschaft ist. Claire vertraut Geillies an, das Jamie und sie auf der Suche nach Jamies Neffen sind und dann holt mich Geillies “That’s terrible.” in die Realität zurück. Glückwunsch, für diese Szene Luke, die mich wirklich fast hätte vergessen lassen, dass Geillies Young Ian gefangen hält und ganz genau weiß, warum Jamie und Claire in Jamaika sind und auch, dass Claire in der letzten Staffel, im Jahre 1968, die brennende Leiche von Geillies (damals noch Gillian) Ehemann gesehen hat, die diesen für ihre Reise durch die Zeit geopfert hat. Was mir aufgefallen ist, ist, dass Claire bis jetzt keine Verbindung zwischen Geillies Nachnamen und den von Joe hergestellt hat und ich frage mich, ob das in der letzten verbleibenden Folge noch der Fall sein wird oder ob die Serienverantwortlichen diese Verbindung offen lassen werden. Aber Outlander hat mir in den vergangenen elf Folgen schon des Öfteren bewiesen, dass es nicht zwangsläufig heißt, dass ein Satz oder eine Szene, nur weil wir diese nicht an der Stelle wiederfinden, wo wir es aus dem Zusammenhang des Buches eigentlich erwartet hätten, auch grundsätzlich nicht in späteren Folgen gezeigt wird.
Wenn Geillies Johns Saphir fast an sich reißt, zeigt sie für ein paar Sekunden ihr wahres Gesicht der puren Boshaftigkeit und Besessenheit, das sie ansonsten unter ihrer Maske der Freundlichkeit versteckt. Ich liebe den kurzen Wortwechsel zwischen LJ und Claire in Bezug auf Geillies: LJ: „She’s a touch strange, isn’t she?“ und Claires Antwort darauf ist noch besser „You have no idea.“ 

Jamies Aussage “The ghosts that keep coming into our lives, drawn to us the way we are drawn to each other.“ ist in meinen Augen ein sehr cleverer Weg, uns Zuschauer all die Zufälle, die auf dem Gouverneuersball passieren und die “Geister”, die Jamie und Claire dort begegnen, als Schicksal zu “verkaufen”, denn, obwohl auch in den Büchern immer wieder das Gabaldonische Zufallsprinzip zum Tragen kommt, könnte es in dem komprimierten Zeitrahmen in dieser Folge etwas übertrieben wirken.

»O Gott, John«, sagte er. Ich erstarrte, eher durch den Ton der Stimme gebremst als durch die Worte –sie war so voller Emotion, wie ich es selten bei ihm gehört hatte. Ich näherte mich auf leisen Sohlen. Durch die halboffene Tür sah ich Jamie mit gesenktem Kopf im Zimmer stehen, in enger Umarmung mit Lord John Grey. Ich stand still, weil ich zu keiner Bewegung, zu keinem Wort imstande war. Während ich sie beobachtete, lösten sie sich voneinander. Jamie drehte mir den Rücken zu, doch Lord John stand dem Korridor zugewandt; er hätte mich problemlos sehen können, wenn er in meine Richtung geblickt hätte. Doch sein Blick war nicht auf den Flur gerichtet. Er starrte Jamie an, und seine Miene war von derart nacktem Hunger erfüllt, dass mir der Anblick das Blut in die Wangen trieb. Mir fiel der Fächer aus der Hand. Ich sah, wie der Gouverneur, durch das Geräusch aufgeschreckt, den Kopf wandte. Dann rannte ich durch den Flur auf den Salon zu, und mein Herzschlag dröhnte mir in den Ohren. Ich schoss durch die Tür in den Salon und kam hämmernden Herzens hinter einem Kübel mit einer Palme zum Stehen. Die schmiedeeisernen Kronleuchter waren dicht an dicht mit Bienenwachskerzen bestückt, und an den Wänden brannten Kiefernfackeln, doch selbst so war es in den Zimmerecken dunkel. Ich stand im Schatten und zitterte. Meine Hände waren kalt, und mir war übel geworden. Was in Gottes Namen ging hier vor? Das Erschrecken des Gouverneurs, als er erfuhr, dass ich Jamies Frau war, war jetzt zumindest teilweise erklärt; dieser eine Blick der unbewachten Sehnsucht hatte mir genau gezeigt, wie es um ihn stand. Jamie war eine ganz andere Frage.
(Kapitel 58 Die Maske des Roten Todes aus „Ferne Ufer“ by Diana Gabaldon)

Als Jamie in Folge 306 Claire bereits bei ihrem Wiedersehen von Willie erzählt hat, war mir klar, dass wir diese Szene und das großartige Gespräch, was LJ und Claire im Anschluss führen, nicht sehen werden. Obwohl ich immer noch ein wenig traurig bin, dass mir die Serie eine visuelle Darstellung einer meiner absoluten Lieblingsszenen aus der gesamten Buchreihe vorenthält, bin ich mit dem, was die Verantwortlichen im Writer`s Room aus dem, was für die Serie noch an Handlung und vor allem an Spannungen zwischen Jamie, Claire und LJ aufgrund der geänderten Handlungsschienen übrig geblieben ist, gemacht haben, mehr als zufrieden. Meiner Meinung nach kommen die Szenen in der Serie der herrschenden Stimmung, den Dialogen und den inneren Monologen und Beschreibungen von Claire aus dem Buch sehr nahe, ohne dass überhaupt ein Ereignis, das so komplex ist, wie im Buch, stattfindet. Vor allem die schauspielerische Leistungen von Sam, Cait und David in allen gemeinsamen Szenen sind genial, denn alle drei haben es geschafft, mir alle vorherrschenden Emotionen nonverbal zu vermitteln, allein mit ihrer Mimik, Gestik und vor allem durch ihre Blicke. Achtet einmal auf die Augen von Sam, Cait und David und ihr werdet merken, dass sie ganze Abhandlungen menschlicher Gefühle erzählen. Davids Gesichtsausdruck, wenn LJ seiner großen Liebe nach all den Jahren wieder gegenüber steht, zeigt all das, was sein Charakter gerade fühlt: Überraschung, pure Freude, der Anflug von Eifersucht und Enttäuschung, wenn Jamie Claire vorstellt und ich kann förmlich spüren, wie sein Herzschlag beim Anblick von Jamie einen Moment aussetzt und ihn dieses Seifenblasengefühl im Bauch fast zu überrollen droht. Wenn er sagt, dass sie unter vier oder wohl eher sechs Augen sprechen sollten, dann achtet einmal auf seine Blicke, die er Jamie und Claire gönnt: bei Jamie ist dieser voller Liebe und Zuneigung und bei Claire eher abfällig und musternd. Chapeau, David, insbesondere dafür, dass er es schafft, meinen Buch-LJ auf den Bildschirm zu transportieren, obwohl er fast gar keine Vorbereitungszeit für seine Rolle gehabt hat!
Ich liebe diesen Augenblick, wenn Jamie, Claire und LJ in dessen Arbeitszimmer ankommen und er aus einem Impuls heraus, der von seiner überwältigenden Freude ausgelöst wird, Jamie wiederzusehen, einen Schritt auf diesen zugeht und es so aussieht, als ob er ihn umarmen würde. Aber leider besinnt sich LJ auf die herrschenden Normen und nimmt sich ebenso schnell, wie er auf Jamie zugeht, zurück. Das Erste, das Jamie LJ fragt, ist, ob Willie bei ihm ist, wie es ihm geht und er gesteht LJ, dass er ihn vermisst. Diese Sequenz ist so voller unterschiedlicher Emotionen, denn auf der einen Seite ist da Jamie, der sehr berührt ist und man sieht, dass es ihn sehr bewegt, dem Mann, dem er seinen Sohn anvertraut hat und der jetzt sein Vater ist, gegenüberzustehen und ihn über Willie all die Dinge fragen zu können, die ihn seit seinem Weggang aus Helwater immer wieder beschäftigt haben. Auch LJ ist sehr gerührt, in erster Linie darüber, dass er Jamie nach all der Zeit vor sich sieht, aber auch, weil er mit ihm von Vater zu Vater über ihren Sohn reden kann und er merkt, wie nahe Jamie das geht.  Auf der anderen Seite ist in diesem Raum auch noch Claire, die während des Gespräches über Willie außen vor ist, was auch sehr deutlich wird, da sie abseits von Jamie und nicht direkt an seiner Seite steht. Ich weiß nicht, ob sie einfach nur zuhört oder ob sie auf das, was sich gerade abspielt, neidisch ist, denn Jamie und LJ teilen die Erinnerung an seinen Sohn, etwas, dass sie und Jamie niemals haben werden, denn er wird ihre gemeinsame Tochter (vorerst) nicht kennenlernen. Wenn Jamie sich nach Willie erkundigt und LJ Claire fragend anguckt und Jamie ihm erklärt, dass sie Bescheid weiß, dann gibt sie LJ mit diesem schadenfrohen leichten Lächeln klar und deutlich nonverbal Folgendes zu verstehen: “Was? Dachtest Du etwa, dass wir Geheimnisse voreinander haben und Jamie mir seinen Sohn vorenthalten hat? Ätsch, falsch gedacht!” Ich mag es sehr, dass Bear das Willie Theme an dieser Stelle wieder aufgreift, das wir das erste Mal gehört haben, als Jamie ihn auf Helwater in seinem Kinderwagen gesehen hat und das uns ab da durch alle gemeinsamen Szenen mit Jamie und seinen Sohn auf Helwater begleitet hat.
Wenn Jamie und LJ sich eine Weile anschweigen und angucken, wird die Spannung im Raum fast unerträglich, so dass Claire sich an Jamies Seite stellt, um zu zeigen, dass sie auch noch da ist und mit ihrer Frage, wie LJ Gouverneur von Jamaika geworden ist, das unbehagliche Schweigen unterbricht. LJ bietet ungefragt seine Hilfe an, als er erfährt, dass Jamies Neffe entführt worden ist und die beiden auf der Suche nach ihm sind und unter den gegebenen Umständen entspannen sich alle im Raum Anwesenden etwas. Dann entdeckt Jamie den Saphir (hier findet Ihr eine Nahaufnahme von Terrys Twitter Account), den er damals in Ardsmuir LJ gegeben hat und prompt ist die Spannung zwischen den dreien wieder so groß, dass man sie schon fast anfassen kann. Wenn LJ darauf Indeed it is, the the sapphire you gave me at Ardsmuir. I wear it to remember our friendship.” antwortet, dann sieht man Claire an, dass sie sich fragt, welche Art von Freundschaft diese beiden Männer wohl verbindet und warum zur Hölle sie davon nichts weiß. Den Blick, den Claire Jamie am Ende dieser Szene zuwirft, ist fragend, suspekt und auch überrascht, denn sie kann sich keinen Reim darauf machen, was zwischen ihrem Mann und seinem ehemaligen Gefängnisaufseher gewesen ist und offensichtlich auch noch da ist, aber sie weiß, dass sie mehr verbindet, als ihre Liebe zu Willie.
Die nachfolgende Konversation zwischen LJ und Claire ist, bezogen auf die unterschwelligen Gefühle, fast noch besser, als die in seinem Arbeitszimmer. Ich liebe es, wie sich Claire und LJ in dieser Szene beobachten und wie sie umeinander herumschleichen und sowohl Cait als auch David haben beide so ausdrucksvolle Gesichter, dass wir Zuschauer sehen können, was ihre Charaktere gerade denken und fühlen. LJ erkennt, dass Claire eifersüchtig ist und ihr es sehr suspekt erscheint, dass Jamie ihm einen so wertvollen Saphir gegeben hat und er kostet diesen Moment in vollen Zügen aus. Wenn er  “He believed you might have gone back to him, and now you have.” zu Claire sagt, dann können wir sehen, dass auch er eifersüchtig auf sie ist. Sie revanchiert sich in Punkto Dinge-Unter-Die-Nase-Reiben sofort, denn in ihrer Antwort “Yes. I have.”  liegt so viel Genugtuung, dass es uns förmlich anspringt. Aber LJ ist nicht nur eifersüchtig auf Claire, sondern die Tatsache, dass Jamies “every heartbeat” in Fleisch und Blut vor ihm steht, verletzt in sehr. Mir scheint es, dass er in diesem Moment, wenn er zu Claire „Well, it certainly is a pleasure to finally meet the love that was his every heartbeat.“ sagt, mit den Tränen zu kämpfen hat. Verständlich, denn er sieht nicht nur seine große Liebe wieder, die wiederum mit der großen Liebe nach langer Zeit vereint ist, sondern er muss auch feststellen, dass er weder mit Jamie noch mit Percy (wer Dianas LJ Roman “Die Sünde der Brüder” gelesen hat, weiß, wovon ich spreche), beides Männer, die ihm sehr viel bedeuten bzw. bedeutet haben, jemals diese Zweisamkeit haben wird.

Neben Young Ian ist die Fraser Prophezeiung des Brahan-Seher das zweite zentrale Thema dieser Folge. Ich mag den Aufbau und den Ablauf dieses Handlungsstrangs sehr und obwohl das äußere Gerippe im Buch ganz anders ist, sind die Kerninhalte der Prophezeiung an sich und der Plot, der sich um sie herum abspielt, erhalten geblieben. Meiner Meinung nach ist es von den Serienverantwortlichen sehr clever, die Prophezeiung mit dem Schatz der Seehundinsel und den drei Saphiren aus der Krone des schottischen Königs und somit auch mit Lord Johns Saphir zu kombinieren und Margaret Campbell dabei die Rolle der Seherin zuzusprechen. Lord Johns Saphir, den Geillies an ihm entdeckt, spielt die entscheidene Rolle, denn wie Geillies im Vorfeld gesagt hat, muss der Seher alle drei Saphire in der Hand halten, um vorhersagen zu können, wann der neue schottische König auf dem Thron sitzen wird. Geillies zwingt LJ mehr oder weniger, sich von Margaret Campbell die Zukunft vorhersagen zu lassen und dass sein Saphir als Verbindung für das Medium gelten soll, ist von ihr schnell und schlau eingefädelt, insbesondere für eine Frau, die zumindest im Buch an fortgeschrittener Syphilis leidet. So kann Margaret die Prophezeiung vorhersagen: „When twice 1,200 moons have coursed ‚tween man’s attack and the woman’s curse, and when the issue is cut down, then will a Scotsman wear a crown.“ Verglichen mit dem, was der Inhalt der Prophezeiung in der Serie ist, ist ihr Wortlaut im Buch etwas anders, vor allem wager und nicht so gefährlich für Brianna, denn Archibald Campbell erklärt in Kapitel 61 aus “Ferne Ufer” Claire, dass aus der Abstammungslinie der Lovats der neue Herrscher Schottlands entspringen wird. Geillies findet in der Serie schnell heraus, das zweimal 1.200 Monde dem Zeitraum von zweihundert Jahren entsprechen und Archibald kombiniert, dass “Man`s Attack” eine Empfängnis und “The Woman’s Curse” eine Geburt bedeutet und daher liegt die Schlussfolgerung nahe, dass “The Issue” nur ein Kind sein kann. Und so schlussfolgert er, dass nach dem Tod des Kindes, das am Tag seiner Geburt zweihundert Jahre alt ist, wieder ein schottischer König auf dem Thron sitzen wird. Selbst Nicht-Buchleser sollten an dieser Stelle erkennen, dass alles mit Jamie und Claire verbunden ist, dass das Schicksal sie alle in Jamaika zusammengebracht hat und dass es offensichtlich ist, dass sich alles in der Prophezeiung um Brianna dreht. Noch ist sie nicht in Schwierigkeiten, denn weder Jamie und Claire noch Geillies stellen zum jetzigen Zeitpunkt eine Verbindung zu ihr her, aber ich denke, dass in der nächsten Folge dann, wenn Geillies irgendwie die Foto von Brianna, die Jamie Claire vor seiner Verhaftung gegeben hat, entdeckt, sich Brianna in großer Gefahr befinden wird.

Irgendwann an diesem ereignisreichen Ballabend taucht Captain Leonard mit einigen bewaffneten Soldaten beim Gouverneur auf, um Jamie zu verhaften, dem aber mit Claire die Flucht gelingt. Sie erfahren von Temeraire, dass sich Young Ian auf Rose Hall befindet und Claire stellt die Verbindung zu Geillies her und sie merkt an, dass diese sie angelogen und ihr die ganze Zeit etwas vorgemacht hat. Darauf antwortet Jamies “I told you – she had a wicked soul.” und damit fasst er das, was Geillies war und immer noch ist, kurz und knapp zusammen und er beweist, dass er schon damals auf Burg Leoch, als er Claire vor ihr gewarnt hat, wusste, dass etwas mit dieser Frau nicht stimmt. Auf ihrem Weg zu Rose Hall schenken Jamie und Claire Temeraire die Freiheit, da er einen Platz auf Jamaika kennt, wo entlaufene Sklaven leben und er sich denen anschließen möchte. Leider können unsere Protagonisten ihren Weg nicht fortsetzen, da Captain Leonard mit seinen Soldaten unverhofft auftaucht und Jamie wegen Mordes an John Barton und Hochverrats verhaftet. Ich liebe Claires Reaktion in Form ihrer Aussage “You bloody bastard. I am the only reason any of you survived”, wenn Captain Leonard ihren Mann verhaftet, aber leider nützt ihr Wutausbruch nichts. Ich hoffe sehr, dass Jamie nicht allzu lange in Haft bleiben muss, denn ich möchte nicht schon wieder eine Folge- und schon gar nicht das Staffelfinale – erleben, in der unsere Protagonisten getrennt sind und sich alleine durchschlagen müssen. Hoffentlich kann LJ Jamie helfen, (dass er das versuchen wird, steht außer Frage) und kann dafür sorgen, dass er wieder aus dem Gefängnis entlassen wird, so dass Jamie und Claire, wie auch im Buch, gemeinsam Young Ian aus den Klauen von Geillies befreien können.

 

Der Craigh na Dun und Claires Fähigkeit, durch die Zeit reisen zu können, ist in der Serie, so wie im Buch auch, eher eine Nebensächlichkeit, eher ein Transportmittel, dass sie vom Jahrhundert A ins Jahrhundert B bringt, aber es ist niemals zentrales Thema oder steht im Fokus. In dieser Folge haben sich die Serienmacher dazu entschieden, diesen Fantasy-Aspekt aufzugreifen, um uns zu zeigen, dass nichts aus Zufall geschieht, sondern eine höhere Macht ihre Finger im Spiel hat. Jamie sagt in dieser Folge, dass Claire und er von ihren Geistern angezogen werden, wie sie sich gegenseitig anziehen und ich muss ihm recht geben, denn mich erinnern das Auftauchen von alten Freunden und Feinden an Charles Dickens “A Christmas Carol”, die Geschichte, die Frank und Claire Brianna immer vorgelesen haben, als sie noch ein Kind war. So wie Ebenezer Scrooge in der Weihnachtsgeschichte, erscheinen auch Jamie und Claire in dieser Ballnacht drei Geister – Geillies, der Geist der Vergangenheit,  LJ,  der Geist der Gegenwart und Brianna in Form der Prophezeiung, als der Geist der Zukunft. In Folge 116 hat Claire zu Jamie gesagt, dass für sie all die Dinge, die ihnen widerfahren sind, nur einen Sinn ergeben, weil es vorher bestimmt ist, dass Jamie und sie zusammengehören. Und so, wie das Schicksal Jamie und Claire zusammengebracht hat, so ist auch hier auf Jamaika eine höhere Macht am Werk, denn alle Fäden laufen auf dieser Insel. und in der nächsten Folgen in der Höhle Abandawe, zusammen und wir sehen, dass es auf dieser Welt mehr gibt, als wir mit unserem bloßen Auge erkennen können.
Im Abspann dieser Folge das gruselige Geillies Theme zu spielen, ist sehr effektiv und spiegelt genau diese unheimliche und mystische Stimmung wider, der wir Zuschauer erliegen, wenn wir das große Ganze betrachten. Ich kann es nicht erwarten, wie die Serienverantwortlichen uns nächste Woche wieder einmal eine altbekannte, aber trotzdem neue und aufregende Geschichte erzählen werden und ich kann es kaum glauben, dass uns nur noch eine knappe Stunde Sendezeit (es scheint leider so, dass das Staffelfinale diesmal keine Überlänge haben wird) von Dorughtlander 3.0 trennt.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch


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