Review 404: Common Ground (Geteiltes Land)

 

Episode 404
„Common Ground“
(Geteiltes Land)

Drehbuch: Joy Blake
Regie: Ben Bolt


I canna tell ye
what it is for me to feel the rightness of this place. …

The mountain spoke to me.”

(Jamie Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Joy Blake hat diese Woche mit ihrem Drehbuch zur Folge 404 viele wichtige Inhalte aus dem Buch mit der geänderten Handlung in dieser Folge kombiniert. Auch wenn viele Szenen anders sind, als wir BL es erwartet hätten, können wir nicht nur die Schlüsselmomente aus “Der Ruf der Trommel” wiederfinden, sondern auch die Seele unserer Buch-Protagonisten in ihren Serienversionen. Diese Episode fügt sich nahtlos in die Reihe der letzten drei Folgen ein und hat mich wieder einmal begeistert. Bear zeigt uns erneut, dass die Musik in einer Serie nicht nur eine nette und willkommene Begleitung einzelner Szenen ist, sondern selbst eine Geschichte erzählt, wie das Frasers Ridge Theme oder die Trommeln, die die Sequenzen der Tscherokesen (es heißt wirklich so und wird auch so geschrieben, ich habe meinen Freund Google befragt) begleiten.

Alle Ureinwohner Amerikas in dieser Folge (und in der gesamten Staffel 4) werden von Angehörigen der kanadischen First Nations gespielt, weil, so wie ich es verstanden habe, es der Produktion nicht möglich gewesen ist, amerikanische Schauspieler mit indianischen Wurzeln zu verpflichten, da generell Darsteller aus den USA Verträgen unterliegen, die es nicht oder nur schwer möglich machen, für Produktionen außerhalb den USA zur Verfügung zu stehen.

Im Vorspann sehen wir einen Tscherokesen, der sich ankleidet und die Halsberge eines britischen Offiziers trägt. Ich liebe all die kleinen Details an diesem Kostüm und selbstverständlich auch an allen anderen in dieser Episode. Terry und ihr Costume Department haben mit ihrer Recherche und dem Anfertigen der Kleidung für die Ureinwohner Amerikas wieder ihr Bestes gegeben. Auch liebe ich Claires Kleider im Amerika-Stil und Marsalis Umstandskorsett ist einfach wundervoll.

Eins ist mir diese Woche besonders aufgefallen. Ich finde, dass sich Jamies Haare (oder soll ich lieber Sams Perücke sagen) diese Woche positiv verändert haben. Der Pony ist nicht mehr ganz so strubbelig und fällt nicht mehr in einzelne Strähnchen. Entweder Jocasta hat ihm einen Kamm eingepackt oder etwas anderes muss passiert sein. Ich habe dazu eine interessante Theorie gelesen: Die Episoden 3 und 4 wurden letztes Jahr im November und Dezember gedreht. Zu dieser Zeit wurden gerade die letzten vier Folgen von Staffel 3 ausgestrahlt und die niemals enden wollende Diskussion um Jamies Wischmopp fand in Fan-Kreisen zu diesem Zeitpunkt ihren Höhepunkt. Vielleicht haben sich die Mitarbeiter, die für die Perücken zuständig sind, ein Herz gefasst und Jamies Haare einmal genauer unter die Lupe genommen und gegebenenfalls etwas am Styling verändert. Was meint Ihr dazu? Ich mag diese Theorie und hoffe immer noch auf den Tag, an dem wir irgendwann einmal Jamies Buch-Haare zu Gesicht bekommen werden.


Die Folge beginnt mit Jamie und Gouveneur Tryon in dessen Empfangszimmer, in dem Jamie gerade den Pakt mit dem Teufel eingeht. Gott sei Dank verkauft er nicht seine Seele, sondern unterzeichnet nur die Landübertragungsurkunde für Frasers Ridge und Tryon händigt ihm eine Karte aus, auf der die 10.000 Morgen Land, die die Frasers jetzt ihr Eigen nennen dürfen, eingezeichnet sind. Nach erfolgter Unterschrift und ein bisschen Smalltalk über Jamies Vorhaben sein Land zu besiedeln, leitet Tryon sein Gespräch in die Richtung, die ihm zur Zeit am Herzen oder wohl eher im Magen liegt – Regulatoren und korrupte Sheriffs. Er versucht Jamie mit netten Worten, dem einen oder anderen Kompliment und einem Schlückchen Brandy für sich zu gewinnen. Vielleicht wäre jeder andere auf Tryons Manipulationsversuch hereingefallen, aber nicht Jamie! Was Tryon vielleicht noch nicht bemerkt hat – Jamie ist kein dümmlicher Farmer aus den schottischen Highlands, der sein Glück in der Neuen Welt sucht. Er ist weltgewandter als ihn der Gouverneur einschätzt, denn Jamie hat wortwörtlich mit
princes and paupers” gespeist und kennt sich mit politischen Ränkeschmieden bestens aus und kann sehr wohl, Freund und Feind voneinander zu unterscheiden. Was aber am Wichtigsten ist, er erkennt, wenn jemand ihn versucht, mit netten Worten zu manipulieren. Mark Me, da muss Tryon schon eher aufstehen! “Well, there is the law, and there is what is done.” ist Jamies Erinnerung an das, was Tryon zu ihm in Folge 401 gesagt hat und dieser ist sehr erfreut, dass sich er und Jamie einig sind. Aber da hat er die Rechnung ohne den Wirt oder wohl eher ohne Claires Wissens aus der Zukunft gemacht, denn seine und Jamies Interessen und die Loyalität der Frasers zu der britischen Krone liegen in etwa so nah beieinander, wie Schottland und die Neue Welt.

Nach Jamies Treffen mit Tryon packen die Frasers in der Taverne in Wilmington ihre sieben Sachen, um nach Frasers Ridge oder den 10.000 Morgen Land, die einmal Frasers Ridge werden sollen, aufzubrechen.
Claire und eine deutlich sichtbar schwangere Marsali (laut Drehbuch ist sie hier im 5. Monat) teilen ein paar gemeinsame Minuten und es ist herzerwärmend, wie sehr sich ihre Beziehung in den letzten Monaten verändert hat – von Marsalis Daddy may think you’re a wise woman, but I still think ye’re a whore”-Meinung über Claire, hin zu einer innigen und vertrauten Art von Mutter-Tochter-Beziehung. Es ist schön zu sehen, dass Claire die Mutterrolle für Jamies Stieftochter und auch für Ian übernommen hat, die beide zwar erwachsen sind (oder es zumindest denken), aber die trotzdem in der einen oder anderen Situation die Unterstützung und den Rat einer erfahrenen Bezugsperson brauchen. Claires Feststellung “Your mother did a fine job raising you and I’m sure you’ll do just as well.” zeugt von Größe, denn egal, was zwischen ihr und Marsalis Mutter vorgefallen ist, sie erkennt Laoghaires Können als Mutter an und ich denke, dass das Marsali viel bedeutet.
Jamie bittet Fergus, dass er nach passenden Siedlern für Frasers Ridge Ausschau halten soll, insbesondere nach den Männern, die damals mit ihm in Ardsmuir Gefängnis waren und in die Kolonien deportiert wurden. Im Buch fiel die Aufgabe nach Männern und Familien für Frasers Ridge zu suchen, Duncan Innes zu, aber da es dieser Charakter nicht in die Serie geschafft hat, ist Fergus für ihn ein sehr guter Ersatz, denn er kennt Jamie sehr gut und weiß genau, welche Siedler sich dieser für Frasers Ridge wünscht. Mir fällt auf, dass Jamie Fergus gegenüber Murtagh nicht namentlich erwähnt, aber wäre es nicht naheliegend, dass er insbesondere nach seinem Patenonkel sucht, da er annehmen könnte, dass dieser immer noch in Amerika ist oder denkt Jamie, dass Murtagh tot ist? Ich hoffe sehr, dass es Fergus möglich sein wird, diesen einen sehr speziellen und besonderen Mitgefangenen von Jamie zu finden und ich kann es nicht mehr erwarten, dass Murtagh endlich wieder an die Seite der Frasers zurückkehrt. Ich bin wirklich sehr gespannt, welche Geschichte er zu erzählen hat und was ihm in den vielen Jahren nach Ardsmuir widerfahren ist und warum zum Teufel er niemals an Jenny oder Ian geschrieben hat. Um es mit Jennys Worten aus Episode 308 zu sagen Family writes letters.” und das gilt verdammt nochmal auch für Murtagh FitzGibbons Fraser.
Die kleine Sequenz zwischen Jamie und Claire berührt mich sehr, insbesondere weil sie einen wichtigen Punkt anspricht, denn Claire wird immer wieder durch Alltagssituationen an Brianna erinnert und daran, dass sie ihre Tochter für die Liebe ihres Lebens aufgegeben hat. Niemals hätte Claire Jamie und Brianna zur selben Zeit haben können und daher hat sie ihre Entscheidung wohlüberlegt und mit schweren Herzen getroffen und leidet aber immer noch an den Folgen. Sie vermisst Bree und all das, was sie in dem Leben ihrer Tochter verpassen wird, aber sie plagen auch Gewissensbisse, denn in ihren Augen hat Claire Brianna allein gelassen und kann nie wieder für sie da sein. Claires Aussage „I won’t be there for her. Or a grandchild.“ und die große Traurigkeit in ihren Augen bricht mir das Herz, aber zum Glück nur für wenige Sekunden, denn an dieser Stelle erweist sich mein Buchwissen als Segen, denn wenn Claire wüsste, was ich weiß, würden sich ihre Augen nicht mit Tränen der Trauer, sondern mit Tränen der Freude füllen. Ich liebe Jamies tröstende Worte „When I was without you, I held onto thoughts of your face, your words, your heart. I clung to those memories when I didna want to stand, and I was thankful for them when I could.“ und das Jamie und Claire Theme begleitet diesen Moment. Ich muss unweigerlich an das denken, was Jamie in der letzten Staffel, bevor Claire zu ihm zurückgekommen ist, an Leere, Einsamkeit und Trauer gespürt hat und auch daran, dass Lord John in Ardsmuir derjenige gewesen ist, durch den er gelernt hat, die Erinnerung an Claire als einen Schatz zu betrachten und diese nicht nur auszuhalten, sondern auch für sie dankbar zu sein.
Der Abschied von Fergus und Marsali ist für alle Anwesenden schwer, aber es ist ja Gott sei Dank kein Abschied für immer, denn Ian sagt, dass eine Hütte auf die Drei wartet und sie nach Frasers Ridge kommen sollen, sobald das Baby geboren ist.

Laut Skript dauert die Fahrt von Wilmington nach Frasers Ridge zwei Wochen und wenn die Frasers dort ankommen, ist der Blick von dem Plateau immer noch genauso atemberaubend, wie in der letzten Folge und genau wie Claire sagt „I’ll never tire of this view,“ könnte ich diesen Ausblick auf das Tal noch stundenlang genießen.
Jamie, Claire und Ian beginnen, die Außengrenzen ihrer 10.000 Morgen Land mit Pfosten zu markieren und treffen dabei auf einen “Witness Tree”, der zukünftig den Eingang zu Frasers Ridge markieren soll. Jamie ritzt die Buchstaben F und R in den Baum und für den Bruchteil einer Sekunde muss ich daran denken, dass es auch die Initialen von Frank Randall sein könnten – welche Ironie des Schicksals.
Die erste Begegnung mit den Tscherokesen ist gut gelungen und Jamie ist ganz im Buch-Jamie-Modus, angefangen von seiner abwartenden und abschätzenden Reaktion über seine Sorge um Claire bis hin zum Fallenlassen seines Messer, als unmissverständliches Zeichen für seine Absichten, in Frieden mit seinen neuen Nachbarn leben zu wollen. Jamie weiß leider nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn jemand Fremdes in das eigene Land kommt und es sich mit kompromissloser Härte aneignet, die Werte und die Kultur unterdrückt und versucht beides auszurotten. Daher möchte er von den Tscherokesen nicht als Feind, sondern als Freund gesehen werden, mit dem man Seite an Seite leben kann.

Unerwartet schwenkt der Handlungsstrang von 1768 nach Oxford ins Jahr 1971 um und wir sehen einen ins Leere starrenden Roger, der offensichtlich immer noch an Brianna denkt und unter den emotionalen Folgen seines abgelehnten Heiratsantrages leidet, denn dieser Blick in seinen Augen, wenn er das Bild von Brianna und sich anschaut, könnte nicht sehnsuchtsvoller sein. Das Buch, das Brianna ihm auf dem Scottisch Festival geschenkt hat, liegt offen unter dem Bild und ein Foto von Mount Helicon, in unserer Zeit bekannt als Grandfather Mountain, erregt seine Aufmerksamkeit. Die erfundene Autorin des vom Art Department hergestellten Buches ist übrigens nach Karen Bailey, der Vize-Präsidentin von Starz, benannt worden.

Ich liebe, liebe, liebe diese kleine Sequenz, wenn Roger in einem Voiceover aus dem Buch “One nearby settlement called Fraser’s Ridge provides yet another example of a Scottish name in the surrounding area.” vorliest und wir Jamie, Claire und Ian sehen, wie sie ihrer täglichen Arbeit nachgehen, um Frasers Ridge aufzubauen – ein echter Gänsehautmoment für mich.
Jamie hat mit Markierungspfosten den Grundriss von den Gebäuden abgesteckt, die später einmal das Zuhause der Frasers werden – die große Hütte, ein Vorratsschuppen für Fleisch und natürlich ein kleiner Schuppen für Claires Kräuter und Medizinutensilien, in dem sie später ihre Patienten behandeln kann. So wie Claire sagt, hat Jamie wirklich an alles gedacht und die Sequenz, in der er sich über den schiefen Pfosten ärgert, lässt mich schmunzeln, denn ich entdecke hier Buch-Jamies Hang zum Perfektionismus. Die Tscherokesen besuchen das Camp der Frasers ein zweites Mal und werfen ihnen die Grenzmarkierungen vor die Füße, um klar und deutlich zu zeigen, was sie von ihren neuen Nachbarn und deren Gebietsansprüchen halten.

Zurück in Oxford erhält Roger einen Briefumschlag von Karen Bailey, der Dokumente über die Ansiedlung namens Frasers Ridge enthält, unter anderem eine Übertragungsurkunde über 10.000 Morgen Land. Ich liebe Rogers schockierten Gesichtsausdruck, wenn er die Unterschrift auf der Urkunde wiedererkennt und mein “Oh mein Gott” kommt seinem den Bruchteil einer Sekunde zuvor. Während Roger die weiteren Unterlagen aus dem Umschlag studiert und sich seine Vermutung, dass Jamie und Claire die Eigentümer von Frasers Ridge sein könnten, in Gewissheit verwandelt, sitze ich breit grinsend vor dem TV und freue mich sehr über diesen zweiten Gänsehautmoment in dieser Episode.
Rogers erster und einziger Gedanke, nachdem er sich von dem Schock erholt hat, ist Brianna und er greift zum Telefonhörer, um ihr diese wundervolle Neuigkeit mitzuteilen. Sie haben eine  anfänglich furchtbar stockende Unterhaltung, durch die sofort klar wird, dass sie seit dem Scottish Festival bei Grandfather`s Mountain nicht mehr miteinander gesprochen haben. Während ich mich frage, wie lange das her sein mag (ich schätze so ca. 3 bis 4 Monate – Einblendungen wie zum Beispiel “4 Monate später” wären in solchen Situationen wirklich hilfreich), sagt Roger „I have some news about your mother.“ und erzählt Brianna alles, was er über Jamie und Claire herausgefunden hat. Wenn Brianna sagt „…despite everything that happened” und Roger „Of course“ antwortet, berührt es mich sehr, zu sehen, wie viel beide immer noch füreinander empfinden und Brianna es sehr zu schätzen weiß, dass sie Roger trotz allem nicht egal ist und er sich um ihr Wohlbefinden sorgt und seine Gefühle hintenanstellt (Na, kommt euch das bekannt vor?). He’s a good one.”, das wusste auch schon Claire in Folge 305 und ich kann es an dieser Stelle nur bestätigen.

Wieder in der Vergangenheit besprechen Jamie und Claire in der Nacht die Möglichkeit, dass der Geist von Otter Tooth sie vielleicht warnen wollte (eine gute Wahl von Bear hier das Craigh na Dun Theme einzubringen). Claire stellt die Möglichkeit in den Raum, an einem anderen Ort, weiter weg von den Tscherokesen, zu siedeln. Abgesehen davon, dass Jamie zu recht bemerkt, dass egal wo sie sich ansiedeln, die Tscherokesen immer kommen werden, möchte er diesen Ort, den er mit Claire gefunden hat und in den er sich verliebt und der zu ihm gesprochen hat, unter gar keinen Umständen aufgeben.
Kleine Anmerkung: Wer von euch hat auch Claires Stiefel entdeckt, die vor dem Bett stehen? Ich hoffe, dass es nicht wieder eine so sinnlose Stiefeldebatte wie nach der letzten Folge geben wird.
In der Nacht weckt Rollo die Frasers und mal Hand aufs Herz, wer von euch hat nicht auch gedacht, dass jetzt die Buch-Szene mit dem Bären kommt, die für uns BL schon seit dem Anfang der Folge wie ein Elefant im Raum steht? Aber meine Erwartungen werden nur halbwegs erfüllt, denn ein Bär hat das Camp der Frasers zwar verwüstet und ein Pferd verletzt, aber es gibt keinen Kampf und keinen Fisch.
Am nächsten Morgen besucht Jamie Myers, um mit ihm seine Schwierigkeiten mit den Tscherokesen zu besprechen und die Möglichkeiten einer Annäherung zu erörtern und wie Jamie und Claire ihre neuen Nachbarn überzeugen können, dass sie an einem friedlichen Miteinander interessiert sind. Myers erwähnt einen „Tskili Yona“, von dem er die Tscherokesen hat reden hören und sagt, dass dieser höchstwahrscheinlich das Camp der Frasers verwüstet hat.
Die nächste Sequenz, in der Claire den Fisch ausnimmt, gibt mir erneut Hoffnung auf die Bären-Szene aus dem Buch, aber auch diesmal werden meine Erwartungen nicht erfüllt. Stattdessen wird mein BL-Herz mit einer anderen Lieblingsszene erfreut, denn Ian und Claire halten die Buch-Konversation übers Stricken, nur Jamie fehlt in der Serie. Wenn Ian Claire erzählt, dass sein Onkel ihm zu seiner Taufe Socken gestrickt hat, muss ich unweigerlich daran denken, wo und wie er das gemacht hat – in einer Höhle, irgendwo fernab seiner Familie, allein und erfüllt vor Trauer und Schuldgefühlen, weil er seine Familie mit seiner Anwesenheit in Gefahr gebracht hat. Irgendwie vermiest mir dieser Gedanke diese doch eigentlich leichte Szene, die bestimmt dazu gedacht ist, uns Zuschauer zum Schmunzeln zu bringen.
In der nächsten Sequenz übt Claire das Schießen, was in Anbetracht der aktuellen Bedrohung durch einen Bären und durch die Tscherokesen nicht falsch sein kann. Ich hoffe, sie haben genug Schießpulver dabei, um solche Schießübungen zu rechtfertigen, denn der Weg nach Wilmington ist weit und River Run ist derzeit wohl eher keine Option, um dort Nachschub zu besorgen.
In der kommenden Nacht weckt Rollo erneut die schlafenden Frasers mit seinem lauten Gebell und wir alle wissen es – jetzt kommt sie, die Szene mit dem Bären! Aber stattdessen finden sie “nur” Myers, der von einem Bären schwer verletzt wurde und sich mit letzter Kraft zu ihnen ins Camp geschleppt hat. Im ersten Drehbuchentwurf zu dieser Folge sollte Myers eigentlich in dieser Szene sterben, aber weil man seinen Charakter im Writers Room liebgewonnen hat, haben die Serienverantwortlichen die Handlung so geändert, wie wir es in in dieser Folge gesehen haben. Zum Glück, kann ich da nur sagen, da ich erstens einen weiteren Toten nicht ertragen hätte (drei in vier Folgen ist vollkommen ausreichend) und zweitens, weil auch ich unseren Mountain-Man ins Herz geschlossen habe, vielleicht auch, weil er mich manchmal an Rupert (Gott habe in selig) erinnert.
Während Claire sich wieder einmal im Emergeny-Room Modus befindet und Ian ihr beim Zusammenflicken von Myers erneut assistiert (ich denke, er wäre ein guter Ersatz für Malva, oder?), geht Jamie auf Bärenjagd. Endlich, möchte ich fast sagen und ihm am Liebsten hinterherrufen, dass er Claire und den Fisch mitnehmen soll, aber alles vergeudete Zeit, denn Tskili Yona“ ist kein echter Bär, nur ein verrückt gewordener Mensch im Schafspelz Bärenfell. Jamie besiegt den vermeintlichen Bären und ich fühle mich ein wenig um den Bärenkampf mit Claires Fischverteidigung und die anschließende Lagerfeuerromatik mit den Indianern aus “Der Ruf der Trommel” betrogen, obwohl ich die Beweggründe der Serienverantwortlichen, eine Kampfszene zwischen Jamie und einem echten CGI-Bären, frei nach Leonoardos “ The Revenant”, nicht zu zeigen, verstehen kann. Übrigens hat Diana in einem Post erwähnt, dass ein CGI-Bär das Budget der Folge gesprengt hätte.
Die nächste Szene, in der Jamie die Leiche des Bären-Mannes in das Dorf der Tscherokesen bringt, versöhnt wieder meine BL-Seele, denn er verdient sich durch den gewonnen Kampf den Respekt und die Anerkennung der Tscherokesen, denn er hat sie von einer Last befreit, weil er das getötet hat, was ihnen Kummer bereitet hat, sie aber aus spirituellen Gründen selber nicht töten konnten. Zu Jamies und zu unserem Glück spricht Tawodi fließend Englisch, so dass es auch keine Verständigungsprobleme zwischen den Tscherokesen und ihren neuen Nachbarn geben wird. Jamie erhält den Namen “Yona dihi”  und alles ist so, wie es auch im Buch nach dem Bärenkampf gewesen ist. Wieder einmal hat die Serie einen anderen Weg als das Buch genommen, aber solange auch dieser Weg zum Ziel führt und den Kern der Aussage der Buchszene beibehält, stört mich diese Abweichung nicht. Ganz im Gegenteil, denn wir BL meinen immer zu wissen, was kommen wird und ich lasse mich gerne überraschen oder auch in die Irre führen, so wie in dieser Folge durch die Sequenzen, in der man die Tscherokesen mit Fackeln durch den Wald wandern sieht (ich habe im ersten Moment gedacht, dass sie auf dem Weg zum Camp der Frasers sind und nichts Gutes im Sinn haben) oder in der wir sie bei ihrer spirituellen Zeremonie beobachten können (ich hatte erst den Eindruck, dass sie damit den Bären heraufbeschwören wollen, damit er unseren Protagonisten Schaden zufügt).
Die Szene, wenn Claire das erste Mal Adawehi (aus dem Buch als Nayawenne bekannt – die Serienverantwortlichen haben den Namen geändert, weil Nayawenne kein Name aus dem Stamme der Tscherokesen ist) begegnet, ist wundervoll gemacht. Obwohl ich mir Adawehi immer als ganz alte weißhaarige und runzlige Frau vorgestellt habe, begeistert mich Tantoo Cardinal in ihrer Rolle sehr, denn sie vereint in ihrem Schauspiel, ihrer Mimik und Gestik  die Spiritualität und die Weisheit ihres Charakters. Ihre Prophezeiung When your hair is white like snow, you will have wisdom beyond time. You must not be troubled. Death is sent from the gods.” gibt mir den dritten Gänsehautmoment in dieser Folge und der letzte Teil wird schon schneller, als mir lieb ist, eintreten, wenn ich die Vorschau auf Folge 405 richtig deute.

Während die Frasers ihre Nachbarn kennenlernen, ist Roger zu Besuch bei Fiona und Ernie in Inverness, um die restlichen Kartons des Reverend abzuholen. Roger erzählt Fiona, dass er vor einer Woche das erste Mal seit seinem misslungenen Antrag mit Brianne telefoniert hat, um ihr mitzuteilen, dass ihre Mutter ihre verlorene Liebe gefunden hat. Wenn Fiona wie nebenbei erwähnt “You mean when she went back in time to find Jamie Fraser?”, ist Rogers Stammeln und sein Gesichtsausdruck unbezahlbar, – hervorragend gemacht, Richard. Nicht nur, dass Fiona schon seit langem Bescheid weiß, sie zeigt Roger die Kopie eines oder wohl eher DES Zeitungsartikels vom 21. Januar 177?, den sie bei den Unterlagen ihrer Großmutter gefunden hat. Roger und Fiona führen eine Diskussion darüber, ob Brianna erfahren sollte, dass ihre Eltern in nicht allzuferner Zukunft bei einem Brand auf Frasers Ridge sterben werden und Roger ist vehement dagegen, da diese Information Brianna ein für alle Mal das Herz brechen würde.

Während Roger dem Ende der gemeinsamen Zukunft von Jamie und Claire ins Auge blickt, erfreuen sich diese auf Frasers Ridge im Jahre 1768 bester Gesundheit und an ihrem neuen Zuhause, das langsam Formen annimmt. Die ersten Balken ihrer neuen Hütte sind gesetzt und man kann den Grundriss erkennen. Jamie trägt Claire über die Schwelle und präsentiert ihr stolz ihr neues Heim. Ist euch aufgefallen, dass Claire in dieser Szene eine Hose trägt? Terry hat auf Twitter erwähnt, dass die Serienverantwortlichen dieses kleine liebgewonne Detail aus den Büchern nicht explizit erwähnen werden, aber sie für uns BL diese Kleinigkeit erhalten wollte, wenn auch nur in Form einer Hose, über die in der Serie nicht gesprochen wird. Mir geht das Herz auf, wenn Jamie voller Freude gedanklich für Claire ihre erstes gemeinsamen Vier Wände einrichtet und ihr ganz genau erklärt, wo welches Möbelstück seinen Platz finden wird und was er sich für ihr Zuhause vorgestellt hat. Ich liebe diesen Ausdruck von Stolz und freudiger Erwartung auf seinem Gesicht und kann es kaum erwarten, die fertig eingerichtete Hütte zu sehen. Wenn Jamie und Claire sich innig umarmen, in Richtung Osten blicken, im Hintergrund das wundervolle Frasers Ridge Theme läuft und Claire “It’s perfect.” sagt, dann trifft ihre Aussage das Gefühl, das ich gerade empfinde, nur annähernd, denn perfekt ist für diesen Moment noch zu wenig, denn ich weiß zwar nicht, was es ist, aber es ist größer als das.

Zurück zu Roger, der versucht Brianna telefonisch zu erreichen. Ob er nur mit ihr reden will oder mit ihr über den Zeitungsartikel sprechen möchte, werden wir nie erfahren, denn Gayle, Briannas Mitbewohnerin (die in dieser und in der ersten Szene, in der sie zu sehen gewesen ist, Marils französische Bulldogge “Carrot” im Arm hält) erzählt Roger, dass Bree vor einigen Wochen nach Schottland aufgebrochen ist, um ihre Mutter zu besuchen.
“To visit her mother.”, diese vier Worte versetzen Roger in höchste Alarmbereitschaft, denn das kann nur eines bedeuten: Brianna ist durch die Steine gegangen! Mit diesem Cliffhanger, der für uns BL halb so schlimm ist, denn wir wissen ja, was passieren wird (an dieser Stelle stellt sich mein BL-Wissen mal wieder als Segen heraus, hat eine wunderbare, interessante und auch sehr dynamische Folge ihr Ende gefunden.

Die Schwierigkeit für das gesamte Produktionsteam in dieser Staffel liegt meines Erachtens darin, uns Zuschauern eine gereifte und solide Beziehung zwischen Jamie und Claire zu vermitteln, etwas, das viel schwieriger zu zeigen ist, als eine junge und leidenschaftliche Liebe, denn genau das ist es, worum es in Dianas Büchern nicht (nur) geht. Outlander ist mehr als eine Liebesgeschichte, denn Outlander erzählt die Lebensgeschichte zweier Seelenverwandten, die sich, obwohl durch Zeit und Raum getrennt, auf magische Weise gefunden und wiedergefunden haben. In meinen Augen haben es die Serienverantwortlichen bis jetzt in jeder Folge dieser Staffel geschafft, uns genau das zu zeigen und zwar nicht durch große Gesten und Worte, sondern durch die kleinen Dinge, durch einen Blick, durch eine kleine Berührung oder durch ein liebevolles Wort. Jamie und Claire sind, nach all den Höhen und Tiefen und Zweifeln in der letzten Staffel, ein Team, das gemeinsame Entscheidungen trifft, sich gegenseitig unterstützt und berät. Auch bin ich sehr dankbar, dass die beiden in absehbarer Zeit nicht getrennt werden und diese, in Staffel 3, vorherrschende Angst und Sorge um den anderen erst einmal außen vor bleibt.

Ich freue mich auf viele weitere wunderbare Jamie und Claire Momente und auch auf viele wundervolle Buchmomente abseits unserer beiden Protagonisten.

Je suis prest!
@ Yvonne Pirch


Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 404

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