Episode 407: Down the Rabbit Hole (Hartes Regiment)

Episode 407
“Down the Rabbit Hole”
(Hartes Regiment)

 

Drehbuch: Shannon Goss
Regie: Jennifer Getzinger

“…Sometimes, life takes unexpected turns.”
(Frank Randall)

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.


Es ist für mich sehr schwierig, diese Folge zu kategorisieren, denn zwei Herzen schlagen in meiner Brust und ich weiß nicht, welchem ich nachgeben soll. Ich kann nicht sagen, dass die Folge nicht gut war, denn es gab für mich diverse Highlights, wie die Vater-Tochter-Beziehung von Frank und Brianna und Rogers Seereise. Grundsätzlich hat mir der Handlungsstrang auf Balriggan ganz gut gefallen, denn er ist gut geschrieben und schauspielerisch exzellent dargestellt, beinhaltet viele Informationen und zeigt uns Frank aus Briannas Sicht. Auch sind die Szenen spannend und fesselnd, denn man wartet jeden Moment darauf, dass Laoghaire erkennt, wer Brianna wirklich ist und fiebert ihrer Reaktion entgegen. Grundsätzlich geben die Sequenzen zum Ende des Aufenthalts von Brianna auf Balriggan die Handlung des Buches wieder, denn auch dort reagiert Laoghaire auf die Nachricht, dass Brianna die Tochter von Jamie und Claire ist, ähnlich hysterisch wie in der Serie. Trotz dieser rundherum guten Story kann ich nicht anders, als an das zu denken, was hätte sein können, wenn Brianna nicht in Balriggan, sondern auf Lallybroch gestrandet wäre. Ich weiß, das Buch ist das Buch und die Serie die Serie, aber da ich nun mal die Bücher kenne, fällt es mir in dieser Woche schwer, dieses Wissen auszublenden. Diese Folge gehört für mich in die Kategorie “verpasste Möglichkeiten”, denn sie lässt so viel gutes Storytelling aus Band 4 aus und ich habe es sehr vermisst, Brianna nicht auf Lallybroch zu sehen – und 30 Sekunden mit Ian dort in einem Raum ersetzen keinen mehrtätigen Besuch. Auch wenn Laura für ihre Rolle als Jenny aus diversen Gründen nicht für diese Folge zur Verfügung gestanden hat, hätte Steven in seinem Charakter Ian und mit Hilfe der Murray Familie, die noch auf Lallybroch lebt, all das, was Bree im Buch dort erlebt, leisten können. Ich hätte so gerne gesehen,  wie Brianna das Bild von Jamie und Willie und auch Ellens Porträt entdeckt, wie sie das erste Mal einen Brief ihres Vaters in den Händen hält und diesen liest, wie sie herausfindet, von wem sie ihr Zeichentalent geerbt hat (wenn sie denn eines in der Serie hat) und vor allem, wie sie mit Ian zu Jamies Höhle geht und einen Eindruck erhält, wie das Leben ihres Vaters nach Culloden ausgesehen hat und vielleicht jetzt besser verstehen kann, warum er sie und Claire in eine sichere Zukunft geschickt hat. All das sind schon viele verpasste Möglichkeiten, aber das Schlimmste ist, dass Brianna, als Einzelkind
nicht erfahren konnte, wie es sich anfühlt, Teil einer großen Familie zu sein, in der man bedingungslos mit offenen Armen und offenen Herzen willkommen geheißen wird und wie es ist, im Kreise seiner Lieben zu essen, zu lachen, schwere Erinnerungen zu teilen und zu leben. Ians Worte “You’re family.” hören sich für mich eher wie eine hohle Phrase an, wenn Bree Lallybroch und die Menschen die dort leben, gar nicht als solche kennenlernen durfte.
Zusammengefasst ist diese Episode eine solide Folge, die aber meiner Meinung nach den letzten beiden und auch den anderen aus Staffel 4 nicht annähernd das Wasser reichen kann, die aber mit weniger Laoghaire und mehr Lallybroch das Potenzial gehabt hatte, nahezu perfekt zu werden.
In Inside Outlander wird angemerkt, dass für die Schiffsszenen auf der „Gloriana“ die Sets der „Artemis“ aus Staffel 3 verwendet wurden, die man nach den Dreharbeiten in Capetown wieder zurück nach Schottland gebracht hat, um sie dann für die 4. Staffel in den Studios in Cumbernauld aufzubauen.
Die Außenaufnahmen auf Balriggan wurden in Culross gedreht, das auch schon als Drehort für die Crainesmuir Szenen aus Staffel 1 fungierte und alle Hafenszenen von Ayr wurden in Dunure Harbour gedreht.
Briannas Kleid, das sie trägt, wenn sie durch die Steine reist, ist wirklich für die Witterungsbedingungen äußerst ungeeignet und ich frage mich, ob sie nicht daran gedacht hat, wie kalt es im Winter und im Frühling und im Herbst und manchmal auch im Sommer in Schottland sein kann. Ich liebe es, dass Claire immer noch eine Truhe mit Sachen auf Lallybroch hat und es wird mir wieder einmal bewusst, was Terry immer betont, nämlich, dass Kleidung zu dieser Zeit ein Luxusgut war und niemals weggeworfen wurde, sondern geflickt, ausgebessert und umgearbeitet. So kommt Brianna also zum Mantel ihrer Mutter aus der ersten Staffel, den diese das erste Mal zum Ende von Folge 104 trägt, wenn sie mit den MacKenzies in die Highlands zieht, um die Pacht einzusammeln. Auch der neue Rock, den Brianna am Hafen von Ayr anhat, steht ihr wunderbar und ist übrigens derselbe, den Claire am Quarters Day auf Lallybroch trägt (Folge 112), nur das Oberteil der Kombination ist ein anderes bzw. wurde über die Jahre verändert. Hier findet Ihr dazu tolle Bilder von Terrys Twitter Account – Tweet 1 und Tweet 2 und Tweet 3
Als ich Rogers Zeitreise-Outfit das erste Mal gesehen habe, war mein erster Gedanke, dass es unmöglich aussieht und ob man Richard in kein besseres Kostüm hat stecken können. Da augenscheinlich nicht nur ich diesen Gedanken hatte und Terry auf Twitter mehrfach deswegen angesprochen wurde, hat sie dieses Bild, das sie während ihrer Recherchen gefunden hat, gepostet und siehe da, viele Seemänner haben zu dieser Zeit solche Hosen getragen.
Wusstet Ihr, dass der Song “San Francisco”, den Bree auf Balriggan anstimmt, im Original von einem Mann namens Scott McKenzie gesungen wird?
Außerdem können wir heute eine von mir langersehnte Melodie endlich einmal wieder hören – das Frank Theme. Kaum eine Melodie in dieser Serie schafft es, mit den ersten Klängen solche starken Emotionen in mir auszulösen – vielleicht noch das Faith Theme, weil ich das immer mit Claires schweren Gang an den Dienstboten vorbei verbinde, denn das ist für mich einer der traurigsten und herzergreifendsten Momente in der kompletten Serie. Immer wenn ich die Melodie vom Frank Theme höre, muss ich unweigerlich an Folge 201 denken, insbesondere an den schmerzlichen Moment, in dem Frank Claires Kleidung aus dem 18. Jahrhundert verbrennt und sie ihm aus dem Fenster dabei zusieht. Damals gab es in dieser Szenen keine Chance mehr für mich, meine Tränen zurückzuhalten.
Auch gibt in dieser Folge ein neuer und nicht ganz so unwichtiger Charakter in OL sein Debüt – Herzlich Willkommen im Clan Caitlin O’Ryan, die zukünftig unsere Lizzie Wemyss spielen wird. Auch wenn Serien Lizzie überhaupt nicht mit meiner Vorstellung von Buch Lizzie übereinstimmt, da sie für das kleine verschüchterte 14-jährige Mädchen aus dem Buch einfach zu groß und zu alt ist, vertraue ich auf die Serienverantwortlichen und darauf, dass sie in Caitlin O’Ryan das gefunden haben, was es braucht, um Lizzie zu sein.

Ich mag die Eröffnungssequenz sehr, in der sich Brianna ein Marmeladen-Erdnussbutter-Sandwich schmiert, denn es ist für uns BL eine nette Erinnerung an Claires Reiseproviant aus “Ferne Ufer”, das sie ihr nach ihrer Ankunft in Inverness am Brunnen verspeist, bevor sie sich auf den Weg zu Jamies Druckerei aufmacht.
Der Titel “Down the Rabbit Hole” ist ein Verweis auf Alice im Wunderland, denn auch in dieser Geschichte passieren die unerwartetsten und undenkbarsten Dinge und so geht es in dieser Folge auch unseren Protagonisten. Roger und Brianna mögen zwar nicht aus Versehen, so wie Claire, durch die Steine gereist sein, aber, obwohl sie sich auf das 18. Jahrhundert in ihren Augen so gut wie möglich vorbereitet haben, möchte ich behaupten, dass sie nicht den Hauch einer Ahnung haben, was auf sie zukommen wird und wie das Leben zweihundert Jahre in der Vergangenheit sein wird. Apropos Zeitreise: Ich würde mir wünschen, dass in der Serie irgendwann einmal der Aspekt angesprochen wird, dass das Zeitreisen kein Sparziergang von einem Jahrhundert ins nächste ist, sondern lebensgefährlich werden kann. In der Serie bekommt man immer den Eindruck, dass dem nicht so ist und dass man nach Belieben hin und her reisen kann.

 

Balriggan
Die Folge beginnt mit Brianna, wie sie durch die Highlands wandert und sich ihren Weg zum Hafen von Ayr sucht, der übrigens an der Westküste Schottlands, südlich von Glasgow liegt und rund 200 Meilen vom CnD entfernt ist, was einen Fußmarsch von ca. 64 Stunden bedeutet.
Briannas Ankunft in der Vergangenheit ist etwas holprig und sie rollt, genau wie Claire in Folge 101, einen Hügel hinunter, aber im Gegensatz zu ihrer Mutter, die damals unverletzt geblieben ist, verstaucht sich Bree den Knöchel, was ihr Fortkommen erschwert. So humpelt sie, in Anlehnung  an Claires Wanderung durch den Dschungel in Staffel 3, mehrere Minuten der wertvollen Sendezeit durch die Landschaft der Highlands und landet irgendwann vollkommen erschöpft auf dem Waldboden und als Resultat auf Balriggan, im Haus von Laoghaire MacKenzie MacKimmie Fraser. Übrigens gibt es im Skript eine gedrehte, aber geschnittene Szene, die zeigt, wie Brianna von Taschendieben bestohlen wird und die ihr alles an Wert stehlen, bis auf Ellens Perlen uns Rogers Armband.
Wie ich am Anfang schon erwähnt habe, ist die Story zwischen Brianna und Laoghaire eine gut erzählte und wenn ich meine Buchbrille abnehme und außen vor lasse, was alles hätte sein können, dann kann ich nichts anderes sagen, als dass die Szenen zwischen Bree und Laoghaire sehr interessant sind und auch in der charakterlichen Darstellung von Brianna eine wichtige Rolle spielen, denn Laoghaires Erinnerungen an Jamie und Joans Erfahrungen mit ihm als Vater und Ehemann ihrer Mutter, dienen meiner Meinung nach zwei Zwecken. Erstens ermöglichen sie uns durch Briannas Flashbacks einen Einblick in ihre Beziehung zu Frank. Zweitens spiegeln sie Briannas größte Angst wider, irgendwann auch eine Ehe aus Verpflichtung und nicht aus Liebe zu führen, so wie sie es bei Frank und Claire erlebt hat, denn die Ehe zwischen Jamie und Laoghaire war der ihrer Eltern sehr ähnlich. Sowohl Frank als auch Laoghaire waren der liebende Part in einer Ehe, in der sie von ihren Partnern nicht so zurückgeliebt werden konnten, wie sie es sich erhofft hatten.
Sehr überrascht haben mich in dieser Folge meine Emotionen in Bezug Laoghaire, denn ich wäre niemals im Traum darauf gekommen, dass ich für diese Person jemals Sympathie, Mitleid oder Mitgefühl empfinden könnte. So wie Diana alle ihre Charaktere vielschichtig schreibt, denn in der OL Buchreihe ist niemand immer nur gut oder böse, so haben die Verantwortlichen im Writer`s Room mit TV Laoghaire einen komplexen Charakter erschaffen, der zu Anfang dieser Folge weit von dem entfernt ist, was wir in ihr sehen. Sie ist eine wundervolle und warmherzige Mutter (was ja bereits schon Claire festgestellt hat), die es all die Jahre, unter schwierigen Umständen, geschafft hat, ihre Töchter zu wunderbaren Menschen zu erziehen. Brianna tritt sie unvoreingenommen entgegen und, obwohl sie und Joan selber nicht viel haben, nimmt sie die verletzte Bree in ihr Haus auf, bietet ihr die uneingeschränkte Gastfreundlichkeit der Highlands an und vertraut sich ihr an.
Laogharies Beschreibung der herzerwärmenden familiären Szene am Feuer, in der Jamie, sie und die beiden Mädchen sich Geschichten aus der Bibel erzählen, ist ähnlich der Erinnerung, die Jamie an die Abende auf Balriggan hat und die er Claire in “Echo der Hoffnung” in Kapitel 79 beschreibt. Ich empfinde in diesem Moment wirklich Mitleid mit Laoghaire, denn sie ist auch nach zwanzig Jahren immer noch der Meinung, dass Jamie für sie alles getan hätte, wenn er nicht von dieser Sassenach verhext worden wäre. Sie verwechselt Jamies Freundlichkeit und seine Herzlichkeit gegenüber ihren Töchtern mit Liebe und Jamies Bestreben, für sich ein gemütliches Heim und ein intaktes Familienleben zu erschaffen, bedeutet für sie, dass sie der Mittelpunkt seines Universums ist. Es bestätigt wieder einmal, dass Old Alec damals, vor mehr als zwanzig Jahren, auf Leoch recht hatte, denn Laoghaire wird auch noch mit fünfzig Jahren ein Mädchen sein. Brianna sieht, dass Laoghaire ihre Liebe zu ihrem weggelaufenen Ehemann mit Verbitterung und Bedauern bezahlt hat und muss zwangsläufig über die Ehe ihrer Eltern und über das, was sie aus Frank gemacht hat, nachdenken. Ich finde es gut gelungen, dass die Serienverantwortlichen die Parallele, die es zwischen Frank und Laoghaire gibt, nicht explizit erwähnen, sie aber deutlich im Raum stehen lassen. Claire war für Frank sein All und Alles, genauso wie Jamie für Laoghaire das Zentrum ihres Universums gewesen ist und beide haben sie die Liebe ihres Lebens verloren und sowohl Jamie als auch Claire sind zu Laoghaire und Frank zurückgekommen und haben sie dann erneut wieder verlassen.
Laoghaires Freundlichkeit und Warmherzigkeit währen aber nur solange, bis sie weiß, wer Brianna wirklich ist. Ich liebe diesen Moment, wenn Bree “Claire Fraser.” sagt und vor allem Laoghaires Schock und wie sich ihr Gesichtsausdruck von Güte in eine hassverzehrte Fratze verwandelt. Gut gemacht, Nell! Mit dieser Transformation in die I-shall-dance-upon-your-ashes Laoghaire ist meine OL Welt so, wie sie sein muss und ich bin erleichtert, dass ich Laoghaire jetzt nicht mehr sympathisch finden muss.
I only hope he doesna turn ye away for a second time.” schleudert Laoghaire Brianna ins Gesicht und diese Worte treffen sie hart, denn sie hat in den letzten Tagen erfahren, dass Jamie seine Frau und zwei Kinder für ihre Mutter verlassen hat und vielleicht säen Laoghaires Worte Zweifel in ihr, ob Jamie wirklich der Mann ist, den ihre Mutter ihr immer beschrieben hat. Gott sei Dank ist aber Ian auf den Docks zur Stelle und erstickt Briannas aufkommenden Zweifel bezüglich ihres leiblichen Vater mit seinen Worten: Ye have Jamie’s fire, and I dinna just mean his red hair. Ye’re a Fraser through and through. Yer father’s going to be so happy to meet ye.” im Keim. Briannas “Thank you, Uncle Ian.” ist mehr als ein Dankeschön für seine ehrlichen Worte, es ist vielmehr der verbale Ausdruck, dass ihr gerade eine tonnenschwere Last von der Seele genommen wurde. Diese Szene mit Ian ist wundervoll und zeigt uns, wie es auf Lallybroch hätte sein können, denn ich denke, dass auch ohne Jenny, Ian der Tochter seines besten Freundes einiges zu erzählen gehabt hätte. Schade finde ich es, dass das erste Treffen von Onkel und Nichte meiner Meinung nach etwas zu kühl ausgefallen ist und dass mir die Herzlichkeit und Wärme, mit der Brianna im Buch auf Lallybroch begrüßt wird, gefehlt hat. Auch wird mir schmerzlich bewusst, dass die Serienverantwortlichen mit ihrer Entscheidung für Balriggan und gegen Lallybroch uns um die letzte Möglichkeit gebracht haben, in der wir Ian das letzte Mal bei so guter Gesundheit erleben können, denn in Staffel 7 (vorausgesetzt es wird eine geben), wird das nächste Wiedersehen leider nicht mehr so unbeschwert sein.


Roger
Wir treffen Roger in dieser Folge am CnD wieder, wo er, begleitet von Fiona, frisch rasiert eine letzte Bestandaufnahme der Dinge macht, die er mit in die Vergangenheit nimmt und seine Liste der Gegenstände, die er dabei hat, weicht gar nicht so sehr von Briannas ab, nur hat sie noch an Streichhölzer und an ein Marmeladen-Erdnussbutter-Sandwich gedacht und hat die Perlen von Jamies Mutter im Gepäck. Nicht nur Fiona bedauert den Verlust von Rogers Bart, sondern auch auf mich wirkt er, so frisch rasiert, ein wenig befremdlich, vor allem aber sieht er viel jünger. Fiona begleitet Roger noch zu den Steinen und im Gegensatz zu ihm kann sie das Summen nicht hören, das von ihnen ausgeht und sie kann auch den großen Stein anfassen und verschwindet nicht, wie Roger nur wenige Minuten zuvor im Nirgendwo. Übrigens findet sich im Drehbuch genau die gleiche Sequenz wie im Buch wieder, in der es Roger im ersten Anlauf nicht durch die Steine schafft und wieder vor Fionas Füßen landet. Diese Szene wurde aus Zeitgründen geschnitten und wird laut Toni vielleicht als Bonusmaterial auf der DVD zu finden sein.
Der Handlungsstrang mit Roger auf der Gloriana ist sehr buchnah in die Serie übernommen worden und es wurden nur ein paar Kleinigkeiten verändert. Manchmal hätte ich mir für die Entwicklung der Szenen auf dem Schiff mehr Zeit gewünscht, denn obwohl alle wichtigen Informationen vorhanden sind, haben sich die Sequenzen ab und an nicht wirklich rund angefühlt. Aber ich liebe das Zusammenspiel von Roger und Bonnet, die sich in ihrem Charakter und in ihren Vorstellungen von Moral und Werten so abstoßen, wie zwei gleiche Pole eines Magneten, aber aus irgendeinem Grund immer wieder aufeinandertreffen, so als ob sie von einer unsichtbaren Macht angezogen werden würden.
Wenn Bonnet Roger nach seinem Namen fragt und dieser sich als „Roger MacKenzie“ vorstellt, dann sitzt wieder ein Puzzleteil aus dem großen Ganzen an der richtigen Stelle, denn sein Geburtsname wird ab jetzt der Name sein, den er bis zum Ende seines Lebens mit Stolz tragen wird, so wie Brianna sich in dieser Folge immer noch „Brianna Randall“ nennt, denn auch wenn sie weiß, dass sie auch eine Fraser ist, ist sie dennoch stolz auf den Mann, der sie groß gezogen hat. Roger braucht Bonnets rhetorische Frage, ob seine Lass die Überfahrt nach Amerika wert ist, gar nicht beantworten, denn wir alle wissen, was er für Brianna auf sich genommen hat und was ihm noch alles passieren wird, aber dass er niemals daran zweifelt, das Richtige zu tun, denn Brianna ist für ihn alles und daher auch jedes, noch so große Opfer und Risiko wert.
Ed Speeler trifft den Charakter von Bonnet wieder einmal vortrefflich, denn er ist charmant, freundlich und offenherzig, wenn er Roger aus seiner Vergangenheit erzählt und im nächsten Moment furchteinflössend und emotionslos und stößt ein Kind einfach so von Bord seines Schiffes, ohne Zögern, ohne Bedauern oder ohne eine menschliche Regung zu zeigen.
Es ist faszinierend zu sehen, wie sich Roger durch die neue Welt, in der er jetzt lebt, navigiert und obwohl er ein Geschichtsprofessor ist, hat er nicht den Hauch einer Ahnung, wie es ist und wie es sich anfühlt, als Mensch aus dem 20. Jahrhundert, mit all den für uns geltenden Regeln und Werte, zweihundert Jahre in der Vergangenheit zu leben. Wie auch Claire hat er ein starkes Bedürfnis, gegen die herrschende Ungerechtigkeit zu kämpfen und für die Menschen einzutreten, die nicht für sich selbst sprechen können. Aber im Gegensatz zu Claire hat er keinen Mann aus dieser Zeit an seiner Seite, der ihn beschützt und ihm dabei hilft, die Dinge so zu sehen, wie sie im 18. Jahrhundert nun einmal sind. So kommt es, wie es kommen muss und Roger wird seine Barmherzigkeit, durch die er Morag MacKenzie und ihren Sohn Jemmy unter Deck versteckt, fast zum Verhängnis. Übrigens hingegen vieler Meinungen in den Foren ist es nicht von Bedeutung, dass die Nicht BL die Verbindung zu Morag als Rogers Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter nicht herstellen konnten, denn auch Buch Roger kommt diese Erkenntnis erst viel später, wenn er mit Claire in Kapitel 69 über seinen Stammbaum spricht.
Die Szene, in der Bonnet Roger erzählt, dass er mit Siebzehn fast für den Segen eines Hausbaus geopfert wurde und dass damals auch sein Schicksal von einem Münzwurf abhängig gewesen ist, ermöglicht uns einen kleinen Einblick in das Seelenleben dieses Widerlings und zeigt, dass sein Kopf-oder-Zahl-Spiel keine Laune ist, sondern etwas, das sich durch seine Angst und seine Erfahrungen fest in seinen Charakter eingebrannt hat. Auch meine ich während seiner Erzählung den Hauch einer menschlichen Regung in seiner Stimme zu hören, aber der Moment ist so schnell vorüber, wie er gekommen ist. Rogers Hoffnung, dass sein Gegenüber am Ende auch nur in Mensch ist, der ihm sein Leben lässt, wird jäh durch Bonnets Frage “Would you say you were a gambling man, MacKenzie?” zerstört. Wenn er also Rogers Leben wie den Einsatz für ein Glücksspiel betrachtet und sein Schicksal in Danus Hände legt und mit einem Münzwurf besiegelt, dann weiß ich gerade nicht, wen ich mehr verachte- Bonnet oder BJR.
Eine Frage bleibt am Ende der Roger-Szenen offen: Warum hat er nicht Claires Ring erkannt, den Bonnet für alle sichtbar am kleinen Finger trägt? Vielleicht hat er einfach nicht drauf geachtet, weil er mit sich selbst zu beschäftigt ist, da man in der Nähe von Bonnet immer ein kleines bisschen um sein Leben fürchten muss, da dieser Mann einfach unberechenbar ist.

 

Frank
Was mir als bekennender FoF sehr gut gefallen hat, ist der Frank-Brianna Handlungsstrang, weil erstens Tobias immer eine Bereicherung ist und zweitens Frank für Claire immer ein wichtiger Mensch gewesen ist, den sie vor langer langer Zeit aufrichtig geliebt hat und der immer in ihren Gedanken war, denn sonst hätten wir nicht das Drama um Jamies aufgeschobene Rache an BJR gehabt, noch Claires Neubeginn mit Frank als Ehemann und Vater ihres ungeborenen Kindes. Egal, welche Probleme zwischen Frank und Claire bestanden haben, sie war ihm immer dankbar dafür, dass er Brianna bedingungslos und wie sein eigen Fleisch und Blut geliebt hat, obwohl er ihr zu Beginn der Serie (sowohl Buch als auch TV) gesagt hat, er wolle kein Kind großziehen, das nicht von ihm ist.
Auch war Frank eine sehr wichtige, wenn nicht die wichtigste, Bezugsperson in Briannas Leben und ihn einfach storytechnisch zu vergessen, wäre nicht gut und daher bin ich dankbar, dass wir durch Briannas Erinnerungen einen Eindruck bekommen, wie Frank als Vater gewesen ist und was für eine starkes Band Vater und Tochter verbunden hat. 
Nicht nur, dass diese Szenen uns die Beziehung von Frank und Brianna näher bringen, sondern sie füllen auch die leeren Seiten über Franks Wissen, die Diana nie geschrieben hat. Sie hat niemals explizit erwähnt, was Frank wusste oder was nicht, sondern hat nur viele Brotkrumen über ihre Bücher verteilt und unzählige Hinweise und viele interpretationswürdige Andeutungen hinterlassen. Ich finde es gut, dass die Serienverantwortlichen diese losen Enden zusammengefügt haben (vielleicht haben sie ja, im Gegensatz zu den MacKenzies, Franks Bücher gelesen und die Unterlagen vom Reverend studiert) und so die Puzzleteile zu einem Gesamtkunstwerk über Franks Wissen zusammengesetzt haben, zu dem ich ohne Vorbehalte sagen kann, dass es im Buch genauso hätte sein können. Daher war ich nicht überrascht, dass Frank Jamie und Claire durch deren Nachruf, den auch Roger und wahrscheinlich auch Brianna entdeckt haben, in der Vergangenheit gefunden hat, denn auch in den Büchern wusste er meiner Meinung nach von Jamie und Claire, denn wie erklärt ihr euch sonst den Grabstein auf dem Friedhof von St. Kilda mit der Inschrift “JAMMF geliebter Ehemann von Claire”. Und vielleicht hat er nicht nur seine Frau und ihren Ehemann aus der Vergangenheit gefunden, sondern auch seine Tochter, denn warum sonst hätte er Buch Brianna das Reiten und Schießen beibringen sollen, wo beides nicht zu seinen bevorzugten Hobbys gehört hat.
Die Szenen, in der Brianna ihren betrunkenen Vater in seinem Büro entdeckt, ist bittersüß und geht mir ans Herz. Was für ein Schock es für Frank hat sein müssen, durch den Brief von Reverend Wakefield und den Nachruf für die Frasers zu erfahren, dass Claire nicht nur ihn erneut für Jamie verlassen wird – zumindest physisch, denn emotional ist sie niemals aus der Vergangenheit zu ihm zurückgekommen – sondern auch Brianna. Ich liebe den Moment, in dem Brianna die Unterlagen von seinem Schreibtisch nimmt, diese überfliegt und ihn danach fragt, wer gestorben ist. Franks AussageIt’s complicated.” trifft es nicht mal annähernd, was sein Gesichtsausdruck nur bestätigt.
So ist der letzte Streit, den Frank und Claire in Folge 303 haben, das Resultat der Nachforschungen vom Reverend, denn diese Informationen veranlassen Frank sich von Claire zu trennen und ein neues Leben mit Candy Sandy und Brianna in England zu beginnen. Es ist schon wirklich eine Ironie des Schicksals, dass Frank denkt, dass Claire ihn irgendwann verlassen wird und er ihr zuvorkommt und um eine Trennung bittet und wir Außenstehende wissen, dass sie niemals an eine Rückkehr zu Jamie gedacht hat, sondern einzig und allein Franks Tod der Auslöser für Claires Suche nach Jamie gewesen ist. Frank findet nach all den Jahre in seiner Ehe mit unerwiderter Liebe endlich die Kraft, den Schritt zu tun, den er vielleicht schon ein halbes Leben lang machen wollte, aber für den ihm aus Liebe zu Claire und der Hoffnung, dass sie eines Tages doch noch zu ihm zurückkehren wird, immer der Mut gefehlt hat. Wir werden vielleicht niemals erfahren, was Franks echte Motivation gewesen ist, Claire zu verlassen und Brianna mit nach England nehmen zu wollen, außer Diana schreibt es eines Tages nieder, aber der Interpretationsraum ist weit gefächert und lässt mehrere Möglichkeiten zu. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Frank wusste, dass Claire wieder zu Jamie zurückgeht, erscheint sein Vorhaben, Brianna nach England mitzunehmen, weniger harsch und egoistisch, da nicht nur er von Claire im Stich gelassen wird, sondern auch seine geliebte Tochter und er sie nicht allein in Boston zurücklassen will. Vielleicht aber ebnet er auch Claire durch sein und Briannas Weggehen den Weg und gibt ihr die Chance, eher als geplant zu Jamie zurückzugehen. Obwohl ihn seine Ehe verbittert hat und er immer wieder von Claire enttäuscht wurde, möchte er aber trotzdem nur das Beste für sie, weil er sie liebt und ihr das Leben ermöglichen möchte, dass er niemals hatte – eine Beziehung, in der beide Partner sich gleich viel lieben und brauchen.
Das Gespräch zwischen Frank und Brianna im Auto findet im Anschluss an seinen Streit mit Claire aus Folge 303 statt und zeigt uns, was zwischen dem Moment, als er wutentbrannt und zutiefst verletzt das Randallsche Haus verlassen hat (Ihr könnt euch an Claires letzten Worte zu ihm erinnern? That amount of time doesn’t exist.”) und seinem tödlichen Verkehrsunfall noch passiert ist. Frank überbringt seiner Tochter in seinem Auto (Hätte er für diese Gespräch eigentlich keinen angemesseneren Ort finden können?), die für Brianna schockierende und für sie alles verändernde Nachricht, dass sich ihre Eltern trennen werden und dass Frank nach England gehen wird und sie mitnehmen möchte. Sein “…and a thousand years ago, your mother and I had a plan as well. But you know, sometimes, life takes unexpected turns.” fasst diese äußerst verstrickte und komplizierte Situation zusammen und ich nehme es ihm wirklich ab, dass sich für ihn die zweite Hochzeitsreise mit Claire nach Inverness wie ein anderes, weit, weit, weit entferntes Leben anfühlen muss, vor allem, wenn man bedenkt, dass das Einzige, was ihn wirklich davor bewahrt hat, an seiner unerwiderten Liebe zu Claire zu zerbrechen, seine Tochter, die seine Familie, sein Lebensmittelpunkt ist, gewesen ist. Wenn Brianna aus dem Auto stürmt und sie Franks “I love you.” unbeantwortet lässt, ist es traurig genug, das mitzuerleben. Aber im Hinblick darauf, dass diese drei Worte das Letzte sind, was ihr Vater jemals zu ihr sagen wird, macht diesen Moment noch schmerzlicher und die Szene an seinem Grab, in der Brianna unter der Last ihrer unberechtigten Schuldgefühle fast zusammenbricht, noch ergreifender.
Am Ende dieser Folge, bevor Brianna und Lizzie an Bord derPhillip Alonzo” gehen und nach Amerika aufbrechen, sieht Brianna Franks Geist auf den Docks stehen. Frank lächelt sie an und nickt ihr aufmunternd zu, als ob er sagen würde: “Ich wusste, dass du eines Tages hier sein wirst und ich hoffe, ich habe dir alles beigebracht, was du brauchst, um in deinem neuen Leben zurecht zu kommen. Alles wird gut, mein Schatz, vertraue mir! Jetzt geh, finde deine Mutter und Jamie und rette sie! Und sag deiner Mutter, dass ich sie immer geliebt habe, egal, was zwischen uns vorgefallen ist und sag deinem anderen Vater, dass ich ihm dankbar bin, dass er mir so eine wundervolle Tochter geschenkt hat. Ich liebe dich und werde immer bei dir sein und auf dich aufpassen, also keine Angst, alles wird gut.”. Bree lächelt ihren Vater an und nickt zurück, weil sie verstanden hat, dass sich ihre Gefühle für den Vater, der sie großgezogen hat, niemals ändern werden und sie immer sein Mädchen bleiben wird, so wie er immer ein Teil von ihr sein wird. Aber in ihrem Herzen ist auch Platz für ihren leiblichen Vater, der sie genauso liebt, wie Frank sie immer geliebt hat. So gibt Frank ihr am Ende seinen Segen und sie ist bereit, Jamie, ohne das Gefühl des Verrats an ihrem anderen Vater, lieben zu können. Musikalisch begleitet von seinem Theme können wir sehen, wie Frank tief durchatmet, weil es ihm schwer fällt, seine Tochter in einen ungewisse Zukunft zu entlassen, aber er lässt sie gehen, weil er weiß, dass Brianna auf der anderen Seite des Atlantiks wieder mit ihrer Familie vereint sein wird. Es ist schön, dass in dieser Folge der Abspann durch das Frank Theme begleitet wird, denn es ist ein würdiger Abschluss für Briannas altes Leben und auch für Frank, der eine doch so wichtige Rolle im OL Universum einnimmt.

 

Wir BL wissen, dass in der Buchreihe nach und nach immer mehr Charaktere eine wichtige Rolle spielen und in den Fokus rücken werden. Daher war ich nicht überrascht, dass dies die erste Folge von 49 ist, in denen weder Jamie noch Claire vorkommen. Ich habe sie wirklich für den Augenblick nicht vermisst, da wir etwas Neues erleben durften – den Anfang einer neuen Ära, denn obwohl Jamie und Claire immer das Zentrum des OL Universums waren, sind und sein werden, sind sie nicht mehr alleine. Es gibt mit Roger und Brianna neue Hauptcharaktere, deren Beziehung zum Glück keine Kopie der von Jamie und Claire ist, sondern anders ist, aber nicht weniger intensiv und interessant.
Wir nähern uns nun einem langersehnten Moment – dem Treffen von Jamie und Brianna. Ich fiebere diesem Augenblick schon ungeduldig entgegen, da er zu einem meiner liebsten Momente in der Buchreihe gehört und hoffe inständig, dass die Serienverantwortlichen meine Erwartungen nicht enttäuschen werden und sie dieses erste Treffen genauso gefühlvoll händeln, wie die ersten Minuten des Wiedersehens zwischen Jamie und Claire. Also, seid Ihr bereit? Ich bin es!!!

Je suis prest!
@ Yvonne Pirch


Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 407

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