Episode 410: The Deep Heart`s Core (Getrennte Wege)

Episode 410
“The Deep Heart’s Core”
(Getrennte Wege)


Drehbuch: Luke Schelhass
Regie:  David Moore

“ “I will find him, lass.
I wilna rest until I do.
Ye have my word.“

(Jamie Fraser)

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.


“The Deep Heart’s Core” – eine weitere großartige Folge, in der wir BL viele der für uns wichtigen Schlüsselmomente aus Band 4 wiederfinden können. Diese Episode und die der letzten beiden Wochen sind ein Teil einer großen Geschichte, die von der Entstehung einer Familie, einem niemals erwarteten Vaterglück und einem neuen Zuhause erzählen. Mir kommt es vor, als ob eine kleine Staffel in dieser vierten Staffel ihren Platz gefunden hat und es scheint, dass auch die Autoren, so wie die Frasers, endlich Zuhause angekommen sind, denn das Storytelling der letzten drei Folgen ist buchnah, gefühlvoll und wird Dianas Büchern in jeder Sekunde Sendezeit voll und ganz gerecht. Wie schon mit seinem Drehbuch zur Folge 408 beweist Luke Schelhass, dass er das nötige Talent und Fingerspitzengefühl besitzt, die Geschichte der Familie Fraser auch oder insbesondere für uns BL mit der erforderlichen Nähe zum Buch zu erzählen und er beweist ein großes Maß an Einfühlungsvermögen für die sehr sensiblen Themen in dieser Folge, wie den Moment, in dem Jamie Brianna zeigt, dass sie sich nicht hätte wehren können und die Szene, in der Claire mit Brianna über die Möglichkeit einer Abtreibung spricht.
Übrigens wurde die Szene zwischen Jamie und Brianna inmitten eines Blizzard gedreht und in den Dailys haben die Produzenten festgestellt, dass die Szene nicht gut war, da Teile mit und Teile ohne Schneesturm gedreht wurden. Also mussten Sam und Sophie das Ganze erneut, aber bei besseren Wetter drehen.
Ob das Feuer, das wir diese Woche in der Titelcard sehen können, wohl ein Wink mit dem Gartenzaun in Bezug auf das feurige Temperament der Frasers sein könnte, was meint Ihr?

Terry hat auch diesmal mit den Kostümen der Mohwaks eine großartige Arbeit abgeliefert und ihr findet hier und hier dazu Bilder auf Terrys Account. Auch das Make-Up Department hat sich bei Rogers Gesicht fast selbst übertroffen und wer mehr über den Aufwand erfahren möchte, Richard so aussehen zu lassen, als ob Jamie ihn wirklich halbtot geprügelt hätte, der kann das in Inside Outlander nachlesen.

Der Episodentitel “The Deep Heart’s Core” ist die letzte Zeile eines Gedichts namens „The Lake Isle of Innisfree“  von William Butler Yeats und Brianna zitiert es im Kapitel 43 von Band 4 stellenweise für Jamie, wenn Vater und Tochter Claire bei der Gartenarbeit betrachten. Eigentlich hätte Brianna das Gedicht auch in dieser Folge vorgetragen sollen und die Sequenz wurde auch gedreht, aber musste leider aus Zeitgründen geschnitten werden. Hier findet Ihr den Originaltext, hier könnt Ihr die deutsche Übersetzung nachlesen und hinter diesem Link versteckt sich der Wikipedia-Artikel über das Gedicht von Yeats. 
So wie diese Szene wurde vieles aus dem Drehbuch zu dieser Folge zwar gedreht, aber leider geschnitten, da es laut Aussage von Luke viel mehr Sendematerial gegeben hat, als Sendezeit. So wurden einige Dialoge gekürzt, aber auch ganze Szenen sind dem Schneideraum zum Opfer gefallen, wie zum Beispiel eine zwischen Murtagh und Jocasta auf River Run oder auch eine mit Jamie und Claire, die direkt nach Jamies Attacke auf Poor Roger, die wir zum Ende der letzten Folge gesehen haben, ansetzt. Sie enthält den Dialog über das Schlagen von Bäumen, auf den sich Jamie und Claire am Ende der Folge beziehen. Claire denkt, dass Jamie seine Wut und Verzweiflung über Briannas Vergewaltigung an einem Baum ausgelassen hat, so wie damals in Staffel 1, wenn Dougal seinen vernarbten Rücken zum Einsammeln von Geldern für die Jakobiten benutzt. Jamie lässt Claire in dem Glauben und hüllt sich in Schweigen, was wirklich mit seiner Hand passiert ist, damit er sie nicht anlügen muss. Die Folge hätte eigentlich mit dieser Sequenz beginnen sollen und sie wurde laut Lukes Script Annotations auch gedreht, aber musste leider geschnitten werden und sie ist es wirklich wert, gelesen zu werden (Ihr findet sie hier). Ich hoffe, wir können diese Szene und auch Briannas Gedicht als Deleted Scenes auf der DVD sehen.

Wie auch schon in der letzten Folge und schon in der davor und in der davor etc. begeistern mich auch diese Woche alle Schauspieler mit ihrem großartigen Talent und auch damit, das Herz und die Seele ihrer Charaktere zum Leben zu erwecken. Niemand außer Duncan könnte jemals Murtagh mit so viel Hingabe spielen und ich liebe seine Mimik und das, was er mit seinen Augenbrauen macht, seit der ersten Sekunde seiner Screentime, in der er Claire am Fuß des CnD vor BJR gerettet hat, denn er schafft es immer, mir ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Auch mit Caitlins Interpretation von Lizzie bin ich mehr als zufrieden und nach nunmehr drei Folgen mit ihr, kann ich nachvollziehen, was die Serienverantwortlichen in ihr gesehen haben, obwohl sie weit von dem entfernt ist, wie Diana Lizzie in den Büchern beschrieben hat. Alle Szenen in denen Sam, Cait, Sophie und Richard zu sehen sind, ob nun alleine, gemeinsam oder zusammen, sind wieder einmal großartig und einzigartig performt und auch John verkörpert Young Ian, den Master of Desaster, mit einem Charme, dem niemand wirklich widerstehen kann.

„You couldna have stopped him.“
Wir treffen Jamie nach seinen Angriff auf Roger und es muss seitdem etwas Zeit vergangen sein, denn seine Hand, die er sich bei seiner Faustattacke gegen Roger verletzt hat, ist bereits verbunden. Er lädt Brianna zu einem Spaziergang in den Wald ein, damit er mit ihr in Ruhe über das, was Claire ihm am Abend vorher offenbart hat, sprechen kann. In der nachfolgenden Sequenz zeigt Jamie wieder einmal, dass er für seine Zeit ein moderner und fortschrittlicher Mann ist, denn hingegen Briannas Befürchtung und der allgemein gültigen Meinung im 18. Jahrhundert, verachtet er sie nicht für das, was ihr passiert ist, denn sie trägt in seinen Augen keinerlei Schuld an dieser Situation. Ich liebe es, wenn Jamie auf Briannas Bedenken, Roger könnte sie nicht mehr wollen, wie folgt antwortet; ”If he doesn’t, he doesn’t deserve ye. And I will travel through time myself to tell him.”. Es zeigt Brianna und uns, dass Jamie für seine Tochter bis ans Ende der Welt gehen und das Unmögliche möglich machen würde, denn wir wissen, dass er nicht zeitreisen kann. In Anbetracht dessen, was noch in dieser Folge kommen wird, erhält diese Aussage noch mehr Gewicht, denn Jamie wird für das Glück seiner Tochter nicht nur ans Ende der Welt gehen, sondern vielleicht nie mehr zu ihr zurückkommen, wenn er sein Wort nicht halten kann.
Wenn Brianna sich selbst die Schuld an ihrer Vergewaltigung gibt, ist es Balsam in meinen Ohren, dass Jamie ihr sehr bestimmt und mit aller Überzeugung sagt, dass es nicht ihre Schuld ist und dass sie das niemals denken darf. Aber etwas immer und immer wieder zu hören oder es zu spüren, sind zwei verschiedene Paar Schuhe, denn nicht umsonst heißt es -wer nicht hören will, muss fühlen. Daher trifft Jamie eine schwere, aber effektive Entscheidung und zeigt seiner Tochter, dass sie sich nicht gegen Bonnet hätte wehren können, egal wie sehr sie sich auch angestrengt hätte. Jamies harte Worte, kombiniert mit seiner Maske aus Verachtung und Abscheu machen diese Szene sehr effektiv und schwer zu ertragen und genauso wie damals, als ich das erste Mal dieser Stellte im Buch gelesen habe, bin ich geschockt, von dem was ich sehe. Dieser Schock-Moment ist eine meiner Lieblingsszenen aus “Der Ruf der Trommel”, weil sie so viel über Jamie und seine Liebe und sein Verständnis für seine Tochter aussagt, denn er würde für sie durch die Hölle gehen und jede noch so schwere und schmerzliche Bürde auf sich nehmen, nur damit es ihr besser gehen kann. Daher bin ich sehr dankbar, dass es diese durchaus schwierig zu filmende Szene in die Serie geschafft hat und alle Beteiligten genau den Ton aus dem Buch getroffen haben. Auch wenn der Moment im Buch noch mit mehr körperlicher “Gewalt” einhergegangen ist, denke ich, dass manchmal weniger mehr ist und für ein visuelles Medium das Maß an Gewalt vollkommen ausgereicht hat, um Brianna und uns zu zeigen, dass sie keine Chance gehabt hätte. Und Briannas Aha-Moment, wenn sie erkennt, was Jamie ihr zeigen wollte, braucht keine Worte, denn wir können jedes einzelne in Sophies Gesicht sehen. Sam ist in dieser Szene phänomenal, vor allem, wenn man in sein Gesicht sieht, in dem sich keine Spur mehr von Jamie, den liebevollen und verständnisvollem Vater befindet, sondern in der man die Verachtung und die Abscheu lesen kann, die er Brianna vorspielen muss, um sein Vorhaben effektiv durchziehen zu können. Diese Maske verwandelt sich immer dann, wenn Jamie sicher sein kann, dass Brianna ihn nicht sieht, in einen Gesichtsausdruck, der zeigt, wie schwer es ihm fällt, so mit seiner Tochter umzugehen, aber für ihn ist es die einzige Möglichkeit, wie er Brianna helfen kann und daher fügt er sich für das Seelenheil seiner Tochter lieber selber Schmerzen zu, als ihren mitansehen zu müssen.
„It took courage not to fight.“ sagt Jamie zu Brianna und ich bin von diesen Worten sehr ergriffen, denn Jamie ist dadurch der mutigste Mann, den ich kenne, denn für das Leben seiner Frau hat er sich damals in Wentworth nicht gewehrt und alles erduldet, was BJR ihm angetan hat. Wenn Brianna Jamie nach BJR fragt und ihn der Name unvorbereitet trifft, kann er seine Gefühle, die dieser Name, den er seit einer Ewigkeit nicht mehr gehört hat, in ihm auslöst, nicht verbergen. Habt ihr auch das Jamie typische Schulterzucken in dem Moment gesehen, wenn Brianna ihn nach Wentworth fragt? Der folgende Dialog über Jamies Rachegefühle und Briannas Bedürfnis, zu erfahren, warum Jamie BJR töten wollte, ist sehr buchnah übernommen worden und mir steigen aus Mitgefühl fast die Tränen in die Augen, wenn Jamie sagt, dass er sich durch den Tod von BJR erhofft hat, seine Ehre wieder zubekommen, die er damals, in diesem dunklen Kerker vor mehr als einem Vierteljahrhundert, verloren hat. “Ye wilna forget, but time will let you heal.” sagt Jamie schließlich zu Brianna und auch wenn seine Tochter ihm dieses zur Zeit nicht glauben kann, wird sie irgendwann feststellen, dass ihr Da recht hat. Rache kann einem nicht das zurückgeben, was einem gestohlen wurde, denn manche Dinge sind für immer verloren und hinterlassen in der Seele eine Wunde, die nur die Zeit und liebevoller Beistand irgendwann heilen kann und sie hinterlassen, wenn sie verheilt sind, eine Narbe, die immer ein Teil von einem sein wird.
Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie auch den Teil aus dem Buch zeigen, in dem Jamie nachts alleine umherwandert und sich seinem Dämon stellen muss, den das Gespräch mit Brianna wieder geweckt hat.

“…Und dann kam die Gnade; die Vision, die er brauchte; die Erinnerung an Jack Randalls Gesicht in Edinburgh, bis ins Innerste erschüttert angesichts der Gewißheit, daß sein Bruder tot war. Und er spürte erneut die Gabe des Mitleids, das ihn so sacht überkam wie die Landung einer Taube. Er schloß die Augen und spürte, wie sich seine blutenden Wunden wieder reinigten, während der Sukkubus seine Klauen von seinem Herzen nahm. … Der Dämon war fort. Er war ein Mensch gewesen, Jack Randall; mehr nicht. Und mit der Erkenntnis seiner gemeinen, zerbrechlichen Menschlichkeit löste sich alle Macht vergangener Furcht und vergangenen Schmerzes in Rauch auf. … Vielleicht hätte er Brianna all das auch sagen sollen, dachte er – doch nein. Sie hatte schon nicht verstehen können, was er ihr gesagt hatte; er hatte es ihr zeigen müssen. Wie sollte er ihr also mit Worten erklären, was er durch Schmerzen und Gnade gelernt hatte? Daß sie nur vergessen konnte, wenn sie vergab – und daß das Vergeben kein einmaliger Akt war, sondern eine Sache ständiger Übung.”

(aus „Der Ruf der Trommel“ Kapitel 48 „Fern in einer Krippe“ by Diana Gabaldon)

Meiner Meinung nach sind diese Textstellen einer der intensivsten in der gesamten Buchreihe, denn es ist so ein intimer und persönlicher Moment in Jamies Leben und ich bin immer wieder ergriffen, wenn ich beim Lesen in seine Seele gucken darf. Erst dadurch, dass Jamie BJR vergeben konnte, was er ihm angetan hat und dadurch, dass er ihn irgendwann als Menschen und nicht mehr als Monster sehen konnte, hat er verarbeiten und akzeptieren können, was in Wentworth mit seinem Körper und mit seiner Seele passiert ist und erst mit und durch diese Akzeptanz hat er für sich seinen inneren Frieden wiederfinden können.

 

An impossible decision
Neben der Szene zwischen Jamie und Brianna finde ich es gut, dass die Serienverantwortlichen auch die zweite Szene aus dem Buch, die meiner Meinung nach in dieser Woche einer besonderen Sensibilität bedarf, gezeigt haben. Ich bin froh, dass Luke den Dialog aus dem Band 4, wenn Claire mit Brianna über die Möglichkeit einer Abtreibung des Fötus spricht, weitestgehend intakt gelassen hat, denn die letzten beiden Folgen haben bewiesen, dass Diana immer noch die besten Dialoge für unsere Protagonisten schreiben kann, vor allem in Situationen, die emotional ans Eingemachte gehen. So bekommt diese durchaus schwierige und sehr sensible Szenen den Rahmen, den sie verdient und auch Cait und Sophie machen sie zu etwas Besonderem. Claire führt mit ihrer Tochter ein sehr ernstes medizinisches Aufklärungsgespräch, in dem sie Brianna alle Optionen, Risiken und Chancen darlegt, damit sie weiß, wofür sie sich entscheidet, wenn sie sich gegen das Baby entscheiden würde. Claire sagt zu ihr „I know this is an impossible decision. But I want you to know, it is an option.“ und gibt ihr dadurch die Möglichkeit, sich für oder gegen das Baby entscheiden zu können, aber überlässt ihr die endgültige Entscheidung. Mir bricht es fast das Herz, dass Brianna diese unmögliche Wahl treffen muss, denn immerhin besteht zur Hälfte die Möglichkeit, dass es auch Rogers Baby sein könnte. Und auch mit Claire fühle ich mit, die Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um ihre Tochter vor Trauer und Schmerz zu schützen, aber sie kann sie nicht vor dieser Entscheidung schützen, noch kann sie ihr diese abnehmen. Das Einzige was sie machen kann, ist für Brianna da zu sein und ihr zur Seite zu stehen, wenn sie sie braucht.
In Bezug auf diese Szene hat mir das Gespräch aus Band 4 zwischen Jamie und Claire gefehlt, wenn sie ihm offenbart, dass sie Brianna angeboten hat, das Baby abzutreiben, wenn sie es wünscht. Dieser Moment ist wirklich ein absoluter Schlüsselmoment in der Beziehung von Jamie und Claire. Genau wie der Augenblick damals in Paris, als Claire Jamie gebeten hat, BJR ein Jahr leben zu lassen, damit Frank geboren werden kann, ist dies ein Punkt, der ihre Beziehung hätte nachhaltig verändern können, denn ich weiß nicht, was aus Jamie und Claire geworden wäre, wenn sich Brianna gegen das Baby entschieden hätte und ob die beiden, genau wie in Paris, wieder einen Weg zueinander gefunden hätten.

 

Familienidylle
Was mich diese Woche wirklich sehr beeindruckt hat, ist die Beziehung zwischen Claire und Brianna, in die wir bereits letzte Woche schon einen Einblick bekommen haben, die aber durch die ersten zarten Banden zwischen Vater und Tochter etwas im Hintergrund geblieben ist. 
Wir bekommen endlich das Gefühl, dass Mutter und Tochter ihre neue Beziehung, die bereits in Schottland, nachdem Brianna die Wahrheit über ihren richtigen Vater erfahren hat, begonnen hat, jetzt ausleben können. Auch sehen wir, wie wichtig der eine für den anderen ist und dass obwohl Brianna in Boston mehr ein Daddy-Girl gewesen ist, sich die Beziehung zu ihrer Mutter zum Positiven verändert und sich das Band zwischen Mutter und Tochter auf FR gefestigt hat und von nun an unzerstörbar ist. Brianna hat schlussendlich Claires Liebe zu Jamie akzeptiert und anstatt darüber in Bitterkeit zu verfallen, dass ihre Mutter ihren zweiten Vater niemals so geliebt hat, wie ihren leiblichen, gönnt sie ihrer Mutter ihr Glück und das Leben mit Jamie und den inneren Frieden, den sie auf FR, zweihundert Jahre in der Vergangenheit, gefunden hat aus dem Innersten ihres Herzens. Und so sind ihre Worte, wenn sie mit Jamie darüber spricht, dass Frank immer gesagt hat, dass Claire eines Tages in ihrem Garten in Boston Wurzeln schlägt, voller Liebe und Wärme und ohne Bitterkeit und Zynismus. Das Sahnehäubchen dieses kleinen, aber doch so wichtigen und vielsagenden Moments ist Briannas Bemerkung, dass sie nicht nur wegen ihrer Mutter gekommen ist, sondern auch, um Jamie zu finden. Ich liebe den Ausdruck auf Briannas Gesicht, diese Wärme, Güte und Zuneigung, wenn sie Jamie in die Augen sieht und ihm mit diesen Worten die Sicherheit gibt, die er braucht, denn es ist wird ihm dadurch deutlich, dass er, in den Augen seiner Tochter, es wert gewesen ist, durch die Steine zu kommen.
Ich liebe die Bewunderung, die Hingabe und die Liebe dieser drei Frasers für- und zueinander und ich werde niemals müde, diese Momente genießen zu können und Jamies Blick, wenn er seine beiden Frauen betrachtet, ist herzzerreißend schön.

Ich mag die Szene sehr, wenn Claire und Brianna die Dinge aufzählen, die sie aus ihrer Zeit vermissen, wie zum Beispiel Cheeseburger, Peanut Butter and Jelly Sandwiches, Aspirin und Led Zepplin und sie erinnert mich an einen Abend aus “Das flammende Kreuz”, wenn in der Hütte der Familie MacKenzies Pizza gebacken wird. Wusstet Ihr, dass Led Zepplin ihr erstes Album, mit dem Titel “Led Zepplin” und der brennende Hindenburg  als Cover, am 12.01.1969 veröffentlicht haben, nur knapp zwei Wochen nachdem Claire am 26.12.1968 zurück zu Jamie gegangen ist? Übrigens, das Burgerrestaurant „Carmi’s“, das Claire bei ihrer Aufzählung erwähnt, hat seinen Namen vom Programmpräsidenten von Starz, Carmi Zlotnik.
Es folgt, wie schon in der letzten Folge, ein kleiner Einblick in den Alltag auf FR, in dem wir sehen können, wie sich die Frasers um die Weiße Sau und um die anderen Tiere kümmern, wie sie mit ihren Nachbarn, den Tscherokesen, Handel treiben und wie sie ein Familienessen genießen. Es ist so schön, um wahr zu sein und ich könnte mich stundenlang in dieser Idylle des täglichen Lebens verlieren und für den Rest der Ewigkeit ein stiller Beobachter im Leben der Frasers sein, denn diese vielen kleinen Momente bedeuten mir, und auch euch, so viel und werden dadurch zu den wirklich großen Momenten in dieser Serie, denn sie sind das Herz und die Seele von OL. Aber wie so vieles im Leben sind auch diese herzerwärmenden Momente irgendwann vorüber, denn die Stimmung ändert sich, und das schneller als mir lieb ist.

 

„You do not get to be more angry than me!“
Briannas Traum über Roger, der zu ihr zurückgekommen ist, ist einfach wundervoll und wird innerhalb von Sekunden zu ihrem größten Apltraum, wenn sich Roger in Bonnet verwandelt. Der Moment ist wirklich schockierend und sehr eindringlich, obwohl wir in Staffel 2 bereits so etwas ähnliches gesehen haben, wenn sich Claire in Jamies Träumen in BJR verwandelt. GsD gibt es dieses Mal kein Blutbad, sondern Lizzie weckt Brianna auf und versichert ihr, dass ihr der Mann aus der Taverne in Wilmington kein Leid mehr zufügen kann, weil Jamie ihn fast totgeschlagen und Ian ihn fortgeschafft hat, als er auf FR aufgetaucht ist. Ich liebe den Ausdruck in Briannas Gesicht, wenn sich die Puzzelteile in ihrem Kopf zusammensetzen und sie feststellt, dass es Roger ist, den Lizzie versehentlich für Bonnet gehalten hat und der von ihrem Da halb totgeschlagen im Nirgendwo verschwunden ist.
Wenn die Erkenntnis Briannas Bewusstsein erreicht, bricht auf FR die Hölle los und die apokalyptischen Reiter, das jüngste Gericht, alle Harry Potter Dementoren und die Herr der Ringe Nazgul sind zusammen nichts gegen das, was Jamie und Ian in der nächsten Szene heimsuchen wird – Briannas Randall Fraser MacKenzies ungefilterten Zorn, der über ihren Da und ihren Cousin hereinbrechen wird, wie die Sinnflut über Erde.
Ich liebe diese Szene im Buch, wenn alles ans Tageslicht kommt und jedes Geheimnis und jedes Verschweigen aufdeckt wird und im Writers Room wurde diese Szene immer als “all cats come out of all bags” – Szene bezeichnet. Ich hätte es nicht treffender formulieren können, denn in diesen wenigen Minuten kommt so viel Verschwiegenes ans Tageslicht, es wird so vieles missverstanden, zugegeben und offenbart und es wird deutlich, dass jeder etwas vor dem anderen verborgen hat – Lizzie hat verschwiegen, dass Briannas vermeintlicher Vergewaltiger auf FR gewesen ist, Jamie und Ian haben nichts über den Angriff auf diesen gesagt und Claire und Brianna haben verschwiegen, dass Bonnet Bree vergewaltigt hat.
Bevor die Hölle losbricht, schafft es Murtagh gerade noch, sich in Sicherheit zu bringen und verlässt mit einer genuschelten Entschuldigung den Raum, denn sein Auftrag als Jamies Patenonkel beinhaltet zwar eine Rettung aus Wentworth und einen Kampf an Jamies Seite in der Schlacht von Culloden, aber niemand hat ihn beauftragt, seinen Patensohn gegen den Zorn seiner Tochter zu schütten.
Jamie ist völlig von der Wut seiner Tochter überrascht und total verwirrt, warum Brianna ihm jetzt vorwirft, Roger, den er für ihren Vergewaltiger hält, geschlagen zu haben. Auch kann er mit ihrem Geständnis, dass sie aus freien Stücken mit diesem Mann intim gewesen ist, nichts anfangen, denn manchmal sind auch die Moralvorstellungen unseres JAMMF einfach nur das Produkt seiner Zeit und so zieht Jamie die falschen Schlüsse und wirft Brianna diese Dinge nur vor, weil er nicht weiß, dass noch eine zweiter Mann in diesem Verwechslungsdrama eine Rolle spielt. Wenn Jamie erkennt, dass er einen kaum zu reparierenden Fehler gemacht hat, ändert sich seine Wut augenblicklich in Fassungslosigkeit und er stammelt eine Entschuldigung und gibt Brianna sein Wort als ihr Vater, dass er alles wieder in Ordnung bringen wird. My father would never have said the things you said to me. He was a good man. You’re nothing but a savage.” – diese Worte aus dem Mund seiner Tochter treffen Jamie härter als alles andere, was er jemals in seinem Leben erlebt hat und mir bricht es das Herz, ihn so tief verletzt zu sehen und ihm nicht helfen zu können, wenn er sieht, wie das zarte Band, das in den letzten Wochen zwischen ihm und Brianna entstanden ist, von ihr mit diesen Worten vielleicht für immer und unwiederbringlich zerstört wird. Jetzt, wo fast alle Karten auf dem Tisch liegen, lässt Claire, die von so viel Wut zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter vollkommen am Boden zerstört ist, die letzte Katze aus dem Sack, in dem sie ihren Key-to-Lallybroch Ring auf den Tisch legt und Bonnet als Briannas Vergewaltiger outet. Wenn Jamie erfährt, dass Bonnet derjenige war, der seiner Tochter Gewalt angetan hat, wandelt sich seine Betroffenheit binnen eines Augenaufschlags in pure Jamie Fraser Raserei, weil er sich in diesem Moment mehr hasst und verurteilt, als alle andere auf der Welt, denn er gibt sich die Schuld an dem, was Brianna passiert ist, denn einzig und allein er hat damals entschieden, Bonnet vor dem Strick zu retten.
„No!! You do not get to be more angry than me!“ ist Briannas Antwort auf Jamies blinde Wut, in der er einen Stuhl zerschmettert und ich finde diesen Satz sehr gut und sehr prägnant, weil er kurz und knapp Briannas Gefühle zusammenfasst, denn aus ihrer Sicht, hat Jamie ihr Leben ruiniert und ihr Glück mit Roger vielleicht für immer zerstört. Aber nicht nur ihr wurde Unrecht getan und nicht nur ihre Gefühle wurden verletzt, sondern auch Jamie trägt schwer an der Schuld, die er fühlt, weil er Bonnet einst vertraut hat und ihm dieses Vertrauen bereits zweimal zum Verhängnis geworden ist.
Ich liebe es, wie Sam Jamies Achterbahnfahrt der Gefühle, von Wut über Betroffenheit und Schuld bis hin zu Raserei, porträtiert und Sophie steht ihm in keiner Sekunde nach, wenn ihr Fraser Temperament in noch nie gesehener Form aus Brianna herausbricht. Alle vier Darsteller haben das Beste aus diesem großartigen Teil des Drehbuchs herausgeholt und haben diesen Buchmoment, den ich immer wieder gerne mit schweren Herzen lese, weil er so viel über die Charaktere aussagt und so schwer zu ertragen ist, da sich in dieser Szene Menschen, die sich lieben, so sehr verletzten, so dargestellt, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe. Jeder auf FR hat durch sein Schweigen und sein Handeln zu diesem Wirrwarr beigetragen und trägt eine gewisse Mitschuld an diesem ganzen Dilemma, selbst Roger, obwohl er gar nicht anwesend ist, denn wenn er Brianna in ihrer Hochzeitsnacht nicht verlassen hätte, wäre das alles vielleicht gar nicht passiert. Daher ist es in meinen Augen nicht fair, dass Jamie jetzt als Hauptschuldiger gesehen wird.
Trotz allem, was in der Hütte passiert ist, müssen sich die Frasers zusammenreißen und zusammen einen Plan ausarbeiten, wie Roger, der sich seit einer Woche in der Hand der Mohawks befindet und in Richtung Upstate New York, unterwegs ist, 700 Meilen und eine Reise von ungefähr zwei Monaten pro Strecke von FR entfernt, schnellstmöglich zu Brianna zurückgebracht werden kann. Wenn Brianna ängstlich fragt, ob die Mohwaks Roger töten werden, antwortet Ian „It’s said that they adopt folk into their tribe, in order to replace those as are killed or die of sickness.“  und ich sehe hier einen Hinweis auf das, was Ian in dieser Staffel noch bevorstehen wird. Brianna kann ihre Familie nicht begleiten, so gerne sie es auch tun würde, denn ihre Schwangerschaft lässt erstens eine so lange und beschwerliche Reise kaum zu und vor allem wäre es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn niemand möchte, dass das Baby irgendwo unterwegs in der Wildnis zur Welt kommt. Sie sagt ihrer Mutter, dass sie das Baby behalten möchte, nicht nur für Roger, sondern auch für sich, weil es vielleicht ein Teil von ihm ist und es vielleicht das Einzige ist, was ihr von ihm bleibt, wenn die Poor Roger-Rettungsmission erfolglos ist und sie ihn nicht mehr zu ihr zurückbringen, weil sie ihn nicht finden können, so sehr sie sich auch bemühen oder er schlimmstenfalls nicht mehr am Leben ist. Auch bittet (befiehlt wäre hier wohl das passendere Wort) Brianna ihre Mutter, Jamie und Ian auf der Reise zu begleiten, weil sie ihr mehr vertraut, als im Moment Jamie und Ian und sie weiß, dass Roger dankbar sein wird, ein vertrautes Gesicht zu sehen und für den Fall, dass er medizinische Hilfe benötigt, die bestausgebildetste Ärztin im 18. Jahrhundert an seiner Seite ist. Brianna gibt Claires medizinische Fertigkeiten, die ihr im weiteren Verlauf ihrer Schwangerschaft und bei der Geburt ihres Kindes im Notfall mehr helfen würden, als alle Hebammen in NC, für sich auf, um sie an Roger geben zu können. Nachdem Jamie seinen ersten Schock am Morgen verdaut hat, hat er seine Fähigkeit, schnell und logisch zu denken, wiedererlangt und einen Plan ausgearbeitet, der alle Seiten zufrieden stellt, denn Claire will unter gar keinen Umständen Brianna und Lizzie alleine auf FR zurücklassen und Brianna besteht darauf, dass ihre Mutter Jamie und Ian auf ihrer Suche begleitet. – so bringt Murtagh Brianna und Lizzie zu Jocasta nach River Run und der Rest der Familie Fraser macht sich auf in Richtung Upstate New York.
Ich weiß nicht, was schlimmer ist – der Streit in der Hütte oder der Moment am Lagerfeuer, wenn Jamie und Claire diese kurze, aber trotzdem heftige Auseinandersetzung haben, in dem sie sich gegenseitig ihr Fehlverhalten aus Schweigen und Geheimnissen und ungeklärten Missverständnissen vorwerfen. Nachdem ich das Drehbuch und vor allem die erste Szene gelesen habe, macht auch das Wortgefecht zwischen Jamie und Claire einen Sinn, denn Claire wirft Jamie “You told me you hit a tree.” vor, worauf Jamie mit antwortet “No. You said that. I just let you believe it.”.  Claire ist so erschüttert, enttäuscht und voller Schuldgefühle, dass sie einfach den Ort verlässt, auch wenn Jamie nach ihr ruft und sie nicht Sassenach, sondern Claire nennt, etwas, das er immer nur dann macht, wenn es wirklich um etwas geht. Sein Blick, den er Claire hinterherwirt, drück all den Schmerz und die Verzweiflung aus, die er gerade durchlebt und es bricht mir das Herz in wieder einmal so sehen zu müssen. Ein Blick in Ians und Murtaghs betretene Gesichter zeigt das, was ich fühle, denn es wird noch ein langer und schmerzlicher Weg für Jamie und Claire werden, bei dem jeder erst einmal alleine sein wird, obwohl er den Trost und die Wärme des anderen in dieser Situation mehr als alles andere braucht.

Am nächsten Morgen sagen sich auf FR alle Lebewohl und manch einer wird herzlich verabschiedet und manch anderer eher mit der Kühle des Nordpols.
Ich finde es sehr löblich, dass man im Writers Room beschlossen hat, uns die Szene aus dem Buch, in dem Ian Brianna einen Heiratsantrag macht, nicht vorzuenthalten. Jamies „Get off yer knee, ye idjit“, sagt genau das, was ich gerade denke, denn meiner Meinung nach ist dieser sehr süße Moment aus dem Buch hier, an dieser Stelle, total fehl am Platz, denn jetzt ist es kein Antrag mehr, sondern eine Wiedergutmachung, falls Ian und Jamie Poor Roger auf dem Gewissen haben.
Claire und Brianna sagen sich schweren Herzens Lebewohl und Brianna gibt Claire eine Zeichnung, die sie von Roger angefertigt hat – endlich, ich dachte schon, wir würden ihr Zeichentalent niemals zu Gesicht bekommen – und sie gibt Claire die Erlaubnisse, Roger alles zu erzählen, was er wissen muss, um eine Entscheidung für ein Leben mit Brianna und seinem Kind oder mit dem Kind ihres Vergewaltigers treffen zu können. Habt Ihr bemerkt, dass Claire den Opal trägt, den sie bei Otter Tooths Schädel gefunden hat? Ich bin mal gespannt, was für einen Zweck dieser in den nächsten Folgen erfüllen wird, denn nichts im OL Universum passiert aus Zufall und daher trägt Claire diesen Anhänger nicht einfach aus einer morgendlichen Laune heraus.
Jamie wird von seiner Tochter mit der Kühle des Nordpols verabschiedet und anders als im Band 4 verabschiedet sich Jamie mit den WortenI will find him, lass. I wilna rest until I do. Ye have my word.. Im Buch verspricht Jamie Brianna, dass er Roger zurückbringen wird, aber in der Serie gibt er ihr “nur” sein Wort ihn zu finden, weil er nichts versprechen kann, was nicht in seiner Macht liegt, denn Roger könnte sich gegen Brianna entscheiden oder er könnte nicht mitkommen wollen oder er könnte schlimmstenfalls nicht mehr am Leben sein. Mir bricht es das Herz zu sehen, was Jamie ins Gesicht geschrieben steht, wenn er Brianna seinen Schwur leistet – die Schuld, die Scham und vor allem die Angst, das Vertrauen seiner Tochter und ihre Liebe vielleicht für immer verloren zu haben. Auch Claire, obwohl sie an Briannas Seite steht und sie in diesem Moment hält, leidet mit Jamie mit, denn auch ihr bricht es das Herz, Vater und Tochter so weit entfernt voneinander zu sehen, dass die zweihundert Jahre, die sie noch Monate zuvor getrennt haben, fast lächerlich klein wirken.
Ich finde, dass 
Jamie  Briannas Zorn in diesem Ausmaß nicht verdient hat, denn das mit Roger war nicht seine Schuld, sondern die Verkettung sehr unglücklicher Umstände. Das, was er Brianna am Morgen im Haus vorwirft, ist zwar sehr ungerecht und verletzend, aber man muss es aus seiner Sichtweise sehen, denn er ist und bleibt ein Mann des 18. Jahrhunderts. Auch wenn er noch so modern und fortschrittlich denkt, bleiben seine Moralvorstellungen ein Produkt seiner Zeit. Aber auch Brianna hat in ihrer Wut Dinge zu Jamie gesagt, die einer Entschuldigung bedürfen, obwohl Jamie niemals eine von ihr verlangen würde. Dass sie wütend ist, dass Jamie versehentlich Roger verwechselt hat, ist in Ordnung, aber sie ist nicht nur wütend, sondern unversöhnlich und sehr abweisend und das hat Jamie in meinen Augen nicht verdient. Dieser Meinung bin ich schon, seitdem ich das erste Mal, vor zwanzig Jahren, “Der Ruf der Trommel” gelesen habe und da war ich Anfang zwanzig und halb so lebenserfahren wie heute. Ich weiß, dass Brianna im ersten Augenblick die Dinge durch ihre Wut sehr verzehrt sieht und dass sie später, wenn sie sich beruhigt hat und nochmal über alles nachdenkt, auch wieder versöhnlicher wird, aber trotzdem ist es nicht gerecht, wie sie Jamie behandelt und ich wünsche, sie wäre sowohl im Buch als auch im TV versöhnlicher gewesen. Wenn Brianna meine Freundin wäre, dann würde ich ihr folgendes sagen:
„Ich weiß, dass dein Vater nicht richtig gehandelt hat, aber du kannst ihn nicht dafür bestrafen, dass er das Wertvollste in seinem Leben hat beschützen wollen, was er hat – dich!!!! Bedenke, wenn er die ganze Wahrheit gewusst hätte, dann wäre es niemals zu diesem Zwischenfall gekommen. So wie du dich entschieden hast, deine Eltern vor Bonnet zu beschützen, so hat sich dein Vater dazu entschlossen, dich vor deinem vermeintlichen Angreifer zu schützen. Vielleicht wäre dieses äußerst unglückliche Missverständnis niemals passiert, wenn alle in deiner Familie von Anfang an offen zueinander gewesen wären. Wenn deine Eltern jetzt losziehen und Roger suchen werden, dann ist es nicht in Ordnung, wenn du deinen Da mit diesen Zweifeln, ob du ihm jemals verzeihen kannst, gehen lässt. Man trennt sich niemals im Streit und du weißt nicht, wie lange es dauern wird, bis deine Eltern wiederkommen und ob sie überhaupt wiederkommen, denn diese Zeit ist viel gefährlicher und unberechenbar als der Ort, von dem du kommst. Also schluck deinen verdammten Stolz hinunter und gehe zu deinem Da und sag ihm, dass du ihn liebst. Sei zornig, sauer, enttäuscht und meinetwegen auch gekränkt, aber sage ihm verdammt nochmal, dass er dir nicht egal ist, denn das ist es, was Familien machen – sie verzeihen sich Dinge, die man anderen Menschen vielleicht niemals verzeihen würde.“


Everybody needs a Murtagh
Everybody needs a Murtagh – nicht nur wir, sondern auch die Frasers in dieser schweren Zeit mehr denn je. Ich liebe es, wie die Serienverantwortlichen ihn in die Handlung dieser Episode so nahtlos eingebunden haben, als ob er auch im Buch auf FR gewesen wäre und ich bin dem Produktionsteam so unendlich dankbar, dass sie ihn nicht auf dem Schlachtfeld von Culloden haben sterben lassen, denn er hätte mir wirklich sehr gefehlt.
Es macht durchaus Sinn, dass Murtagh Brianna nach River Run begleitet und ich mag es sehr, dass er Jocasta nach all den Jahren wiedertreffen kann und das Wiedersehen zwischen Murtagh und Ellens Schwester ist wundervoll. Ich liebe den kurzen Dialog, den die beiden über seine Hände führen, besonders, wenn Jocasta beschreibt, wie Murtagh sich um Ellen bemüht hat. In solchen Momenten bedauer ich es, dass er nach Ellen niemals eine Liebe gefunden hat, die dieser ebenbürtig gewesen wäre und vielleicht, aber auch nur vielleicht, wäre Jocasta eine Option für ihn. Für Jocasta ist Bree nicht nur die Tochter ihres Neffen, sondern sie ist die Enkelin ihrer schmerzlich vermissten Schwester und von daher ist es keine Frage, dass sie ebenso herzlich aufgenommen wird, wie Murtagh und schon ihre Eltern in Folge 402. Auch Jocasta gibt Brianna, wie alle anderen Verwandten, denen sie bis jetzt begegnet ist, angefangen bei Ian über Young Ian bis hin zu dem Patenonkels ihres Vaters, sofort das Gefühl, ein Teil dieser Familie zu sein, den man ungefragt akzeptiert und liebt und dem man das eigene Zuhause selbstverständlich als Zufluchtsort anbietet, auch wenn die gesellschaftliche Situation, schwanger und unverheiratet, etwas prekär ist.
Das Einzige, was mich ein wenig nervös macht, ist Murtaghs zweiter Auftrag, den Jamie ihm erteilt hat – Bonnet zu finden und zu ihm zu bringen, denn ich hoffe nicht, dass sich Murtagh dadurch in Gefahr bringen wird.

 

Poor poor Roger 
Die erste Begegnung mit Roger, nach dem Zwischenfall mit Jamie, ist nicht wirklich erheiternd, sein Gesicht ist von Jamies Faustschlägen blau und blutig, er hat eine Platzwunde auf der Stirn, von der bestimmt eine Narbe zurückbleiben wird und sein linkes Auge ist zugeschwollen. Und als ob es nicht genug wäre, stolpert er entkräftet, an beiden Händen gefesselt hinter einem Pferd her, dessen Reiter ein Mohawk ist. Das Einzige, was dieses Bild, das sich mir bietet, beschreiben kann, ist “Poor poor Roger” und mein Mitgefühl kennt in diesem Moment keine Grenzen.
Roger und sein Mitgefangener Caleb (der übrigens von einem Schauspieler namens James MacKenzie gespielt wird – welch Namenszufall) sind in der nächsten Szene an einen Baum gefesselt. Die Indianer sitzen an einem Feuer und erzählen sich in Mohawk eine Geschichte über Zwillinge, namens Flint and Sapling, während Roger sich mit seinem Leidensgenossen unterhält und erwähnt, dass er Knoten in einen Strick macht, um die Tage zu zählen und sich Landmarkierung merkt, weil er trotz seiner ausweglosen Situation, an eine Flucht denkt. „I have to (survive). I can’t die like this, not here, not now. I’m going to escape. I’m going to get back–to my wife.“ – diese Aussage von Roger geht mir sehr nahe und Richard macht in dieser Szene und in allen anderen, die da kommen werden, einen phänomenalen Job und ich sehe, wie Roger Mac aus dem Buch in all seinen Facetten zum Vorschein kommt, die durch Richard zum Scheinen gebracht werden. Man kann Rogers Entschlossenheit für Brianna zu überleben, spüren und wie schon in der Folge zuvor, ist alles, was er macht, wie er sich entscheidet und woran er denkt, unmittelbar mit Brianna verbunden.
Nach unendlichen vielen Meilen festgebunden an ein Pferd – könnt ihr euch vorstellen, dass Roger insgesamt 700 Meilen!!! so hätte gehen müssen – stolpert Roger und stürzt einen Hügel hinab und nur das Seil um sein Handgelenk, rettet ihn vor einem Absturz und wenn die Mohawks versuchen, ihn an dem Seil wieder hinaufziehen, schlüpft seine Hand aus dem Seil und Roger ist frei und rollt den Hügel herunter. Unten angekommen rennt er wortwörtlich um sein Leben, die Mohawks immer dicht hinter ihm, bis er sich hinter einem Rhododendron-Busch (ist das einer oder nicht, ich kann es nicht sagen) verstecken kann. Roger bewegt sich trotz der Tortur und den Entbehrungen der letzten Tage und obwohl er Sekunden vorher vor Erschöpfung kaum noch aufrecht gehen konnte, sehr flink und behände durch den Wald, als ob ihm die Möglichkeit einer Flucht Superheldenkräfte verliehen hätte. Bevor ich jetzt anfange, an dem Wahrheitsgehalt dieser Fluchtaktion zu zweifeln, begnüge ich mich eher mit einer anderen Erklärung, denn manchmal ist der Körper in Ausnahmesituationen zu solchen Kraftakten fähig, denkt nur an die Menschen, die schon aus Verzweiflung ein Auto haben hochheben können, um einen geliebten Menschen zu retten.
Kurz danach höre ich das Summen von Bienen, es müssen Hunderte, wenn nicht gar Tausende sein und während ich noch denke, “Poor poor Roger, dir bleibt aber auch nichts erspart – jetzt auch noch ein Bienenschwarm.” findet Roger einen Steinkreis. Dieses Summen geht nämlich nicht von einem Riesenschwarm Bienen, sondern von dem großen Stein in der Mitte eines Steinkreises aus. Ich schaue in diesem Moment ziemlich dämlich drein, denn ich hatte doch wirklich glatt vergessen, dass er diesen auch im Buch auf der Flucht vor den Mohawks findet. Da liest man diese Bücher immer und immer wieder und kann sich trotzdem nicht an alles erinnern – wirklich sehr bemerkenswert. Aber ich kann mich wenigsten erinnern, wo ich diesen Steinkreis schon einmal gesehen habe, denn es ist derselbe, an dem die Steinzeitmenschen, 2000 Jahre vor Christus, im Intro zu 401 ihre Zeremonie abgehalten haben. Gut, dass Roger diesen Steinkreis gefunden hat, denn nicht nur, dass er den Nicht BL am Ende dieser Folge einen weiteren Cliffhanger verschafft, sondern er gibt mir kleinen Ort-und-Zeit-Nerd die Möglichkeit zu ermitteln, wo genau sich Roger befindet, denn der Steinkreis ist ca. acht Tage von FR entfernt.
Roger ist am Ende seiner Kräfte, hat nur einen knappen Vorsprung vor seinen Verfolgern, hat kein Wasser und auch keine Nahrung. Mit anderen Worten, seine Situation ist mehr als ausweglos und er ist von seinem Entschluss, für Brianna zu überleben, meilenweit entfernt, aber er besitzt etwas, das ihn sofort und auf der Stelle in Sicherheit bringen kann – die beiden roten Edelsteine, die er in der letzten Folge von Bonnet als Heuer bekommen hat. Wer könnte es ihm verdenken, wenn er sich an diesem Punkt in seinem Leben einmal nicht für Brianna und für die Liebe, sondern für sich und sein Weiterleben entscheiden würde. Meinen Segen hat er, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass seine Liebe zu seiner Frau um ein Vielfaches größer und stärker ist, als sein Wunsch nach Hause zu gehen und sein Leben zu retten und sich vielleicht weitere Qualen zu ersparen, die ihm drohen, wenn die Mohawks ihn fangen sollten.
So geht Roger langsam auf den großen Stein in der Mitte zu und kurz bevor seine Hand den Stein berühren kann, tauchen Redcoats auf und nehmen ihn gefangen – sorry, falsche Folge, hatte ein Dejavue zur Episode 108 – wird der Bildschirm schwarz und die Folge ist zu Ende.

 

Am Ende dieser Episode bleibt das Gefühl zurück, dass nichts, was wir haben, für immer ist und dass das persönliche Glück, das man vom Leben geschenkt bekommt, genauso schnell wieder von diesem genommen wird. Jamies Vaterfreuden sind leider nicht vor langer Dauer und wir werden in dieser Folge Zeuge, wie sein wahr gewordener Traum, von einer Tochter und einer Familie, von einer Sekunde zur nächsten wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt und er vor den Trümmern von Teilen seiner Existenz, seiner Seele, seines Ichs steht. Auch Claire sieht, wie ihr Traum, einer Zukunft mit ihrem Seelenverwandten und ihrer gemeinsamen Tochter an ihrer Seite, wie eine Seifenblase zerplatzt und sie sich entscheiden muss, ob sie Mutter oder Ehefrau sein soll. Es ist eine Entscheidung, die für sie fast unmöglich ist und die ihr unendlich weh tut, aber die sie erst einmal zugunsten ihrer Tochter trifft. Das Trauma, das Brianna erlitten hat und die Ereignisse, die gerade über sie hereinbrechen, stehen jetzt im Fokus und für Claire ist es in dieser Folge das Wichtigste, Mutter zu sein und das ist sie aus dem tiefsten Inneren ihres Herzen. Claires Gefühle für Jamie treten erst einmal in den Hintergrund und müssen warten, bis sie den Freiraum findet, nicht nur Mutter, sondern auch Ehefrau zu sein. Jamie braucht seine Sassenach in dieser schwierigen Zeit fast genauso sehr, wie Brianna ihre Mutter, denn auch seine Welt liegt in Trümmern und nur in den Armen seiner Frau findet er den Trost und den Halt und vor allem die Zuversicht, aus diesen Trümmern vielleicht wieder etwas aufbauen zu können. Was bleibt, neben dem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit gegenüber dem Schicksal des Lebens, ist der Funke namens Hoffnung, den wir auch in aussichtslosen Situationen immer wieder entzünden können und auch sollten, und an den wir immer glauben müssen und an dem wir uns festhalten können, auch wenn es noch so Dunkel um uns herum ist, so wie Rogers Hoffnung es uns in dieser Folge zeigt.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich die Dinge in der nächsten Woche entwickeln werden, vor allem, wie Jamie und Claire mit diesem Andreasgraben, der sich am Ende dieser Episode zwischen ihnen befindet, umgehen werden, denn, obwohl sie schon einige Krisen gemeistert haben, ging es immer nur um sie, aber jetzt geht es um mehr, denn ihre Familie steht auf dem Spiel und was wird passieren, wenn Brianna Jamie niemals verzeihen kann? 


Je suis prest!
@ Yvonne Pirch


Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 410

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