Review 309: The Doldrums (Die Flaute)

 

Episode 309
The Doldrums
(Die Flaute)

Drehbuch: Shannon Goss
Regie: David Moore

„No matter what troubles happen around us, Sassenach.
This what it is between us never changes.“
(Jamie Fraser)


ACHTUNG:
Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana G
abaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

The Doldrums“ … der Titel dieser Folge beschreibt meinen Gemütszustand beim Zuschauen sehr treffend. Keine Sorge, es folgt jetzt keine seitenlange negative Kritik, denn mir hat Episode 309 sehr gut gefallen, nicht so gut wie 308, aber weitaus besser als 307. Ich beziehe den Begriff Flaute auf meine Erwartungen, denn nach all den emotionalen Momenten, denen ich mit Beginn dieser Staffel jede Woche aufs Neue entgegengefiebert habe, ist es das erste Mal, dass ich keine besonderen Erwartungen an eine Folge hatte, außer gut unterhalten zu werden. Für mich ist, nach Jamies und Claires Wiedervereinigung und der Begegnung mit Laoghaire, beim Lesen von Band 3 immer ein bisschen die Luft raus und nach all den tragischen, emotionalen und herzergreifenden Momenten, hat für mich, die dann im Buch folgende Handlung, nur noch wenige Highlights. Daher konnte ich dieser Episode ganz entspannt entgegensehen und ich muss sagen, dass ein Gucken ohne hohe und teilweise auch überzogene Erwartungen meinerseits richtig Spaß macht, denn anstatt auf DIE Szene, DEN Satz oder DEN Dialog zu warten, konnte ich mich gelassen auf meiner Couch zurücklehnen und die Folge einfach nur genießen.
In dieser Episode sind insgesamt mehr als einhundert Buchseiten verfilmt worden und die Handlung fasst die Kapitel 40 bis die bis zur Mitte des Kapitels 46 aus “Ferne Ufer” zusammen. Falls Ihr euch nicht mehr so konkret an die Handlung dieser 5 ½ Buchkapitel erinnern könnt, helfe ich Euch gerne auf die Sprünge, denn auch ich musste mir erst einen Überblick verschaffen, weil mir die Story nicht mehr ganz so detailgetreu im Gedächtnis war und ich auch nicht mehr genau sagen konnte, was in dieser Folge an Handlung weggelassen, rearrangiert oder übernommen wurde. Jamie und Claire gehen nicht wie im Buch nach Paris, um die notwendigen Vorbereitungen für ihre Reise zu treffen und um dann von Le Havre aus zu den Westindischen Inseln zu starten, sondern sie treffen Jared in einem Hafen irgendwo in Schottland, um von dort direkt ihre Atlantiküberquerung anzutreten. Ihr Fortbleiben aus Frankreich eliminiert einige Handlungsstränge automatisch, denn so gibt es ohne Paris keinen Mayer Rothschild und keine näheren Informationen zum Schatz auf der Seehundinsel, auch trifft Claire nicht auf die Campbells, noch ist sie in der Lage, Faiths Grab zu besuchen und sie kann auch Mutter Hildegard nicht wiedersehen. Auch der Plot, dass jemand auf dem Schiff Jamie nach dem Leben trachtet, fällt in dieser Episode komplett weg und da Duncan Innes niemals mit Jamie in Ardsmuir gewesen ist und demzufolge nicht mit an Bord der Artemis gehen kann, ist auch die Handlung um und mit ihm in Folge 309 nicht zu finden. Was dann noch aus Band 3 übrig bleibt, ist ungefähr das, was wir diese Woche gesehen haben: Jamies Seekrankheit, Mr. Willoughbys Lebensgeschichte, Jamie und Claire, Marsali und Fergus und die kleinen alltäglichen Dinge auf einem Schiff. Natürlich kann man mit diesen Dingen keine ganze Folge füllen und da die Serienmacher diese Episode mit Claires “Entführung” enden lassen wollten, musste ein neuer Handlungsstrang her, den sie mit dem Aberglauben der Schiffscrew und der Suche nach “Jonah“ gefunden haben. Mich hat dieser Plot gut unterhalten und ich habe die Handlung aus dem Buch fast gar nicht vermisst, aber ich hätte wirklich gerne Jamie und Claire an Faiths Grab gesehen. Vielleicht hätten die Serienverantwortlichen die “Jonah” – Story an der einen oder anderen Stelle etwas komprimieren können, damit mehr Zeit für die Sequenzen und Dialoge aus dem Drehbuch geblieben wären, die es leider nicht in diese Folge geschafft haben. Ich hätten wirklich liebend gern mehr Dialog zwischen Jamie und Claire in der “Man in the Moon“ – Szene gehört und auch Fergus und Marsali hätten dann auch in dieser Folge mehr Screen-Zeit gehabt. Wer die entfallenen Szenen noch einmal gerne nachlesen möchte, der findet sie im Skript zu Folge 309Obwohl fast die gesamte Folge auf ein und demselben Schiff stattfindet und wir nicht, wie sonst, diverse Settings haben, ist die Handlung vielfältig, lebhaft und interessant. Es gibt einige Szenen, die sich am Buch orientieren und einige Dialoge sind wieder einmal wortwörtlich aus “Ferne Ufer“ übernommen worden, was mich, und wahrscheinlich auch die anderen Buch-Leser unter uns, immer besonders freut. Die mutigste Entscheidung, die die Serienmacher für diese Episode getroffen haben, ist es, die Artemis mitten auf dem Atlantik zu stoppen und sowohl die Handlung als auch die charakterliche Entwicklung einfach treiben zu lassen, um nicht nur unseren Protagonisten nach all der Aufregung und den Dramen eine kleine Pause zu gönnen, sondern auch uns Zuschauern. So gibt uns diese Folge genug Zeit, die Charaktere, die wir bereits seit langer Zeit kennen und lieben, zu genießen und die, die in dieser Staffel neu hinzugekommen sind, besser kennenzulernen. Ein grandioser Nebeneffekt dieser Flaute ist der großartige Auftritt von einem dieser neuen Nebencharakteren. Die Episode endet mit einem nicht sehr überraschendem, aber trotzdem guten Cliffhanger, der uns zeigt, dass Jamie und Claire, nachdem sie sich gerade erst nach zwanzigjähriger Trennung wiedergefunden und in dieser Folge auch endlich wieder emotional zueinander gefunden haben, erneut getrennt werden. Verdammt sei Dein hypokratischer Eid, Claire Fraser! Ich hoffe sehr, dass diese Trennung nicht über die nächste Folge hinausgehen wird und sich unsere beiden Protagonisten so schnell wie möglich wiedersehen werden. Als etwas irritierend habe ich es empfunden, dass wir Zuschauer in dieser Folge oft über den Zeitraum, in dem die Handlung stattfindet, im Unklaren gelassen werden. So ist Claires Aussage “The days turned into weeks and the wind did not return.” etwas unpräzise, denn ich frage mich, ob es zwei oder fünf oder zehn Wochen sind, seitdem die Artemis von der herrschenden Flaute mitten im Nirgendwo festhalten wird. Auch Claires nachgegrauten Haare sind zwar ein Hinweis auf die vergangenen Wochen, aber keine echte Hilfe und das Einzige, was sie wirklich erklären, ist, dass es Miss Clairol nicht in die Karibik schaffen wird. Zu Anfang dieser Folge stellt sich mir die Frage, wo sich Jamie und Claire befinden, sind sie noch in Schottland oder in Le Havre oder an welchem Ort der Welt haben sie sich mit Jared getroffen? An dieser Stelle wäre eine kurze Einblendung toll gewesen, aber da diese fehlt, kann ich über Jamies und Claires Aufenthaltsort nur spekulieren, bis Captain Raines mit der Bekanntgabe des letzten Halts der Artemis vor der Atlantiküberquerung einen Hinweis gibt: St. Ives. Diese Stadt befindet in Cornwall, am südlichsten Zipfel der Westküste Englands und daher liegt es nahe, dass Jamie und Claire in einer der vielen schottischen Hafenstädte auf Jared treffen, um an Bord der Artemis zu gehen.
Apropos Jared: Was sind eigentlich die Inhaltsstoffe der Weine, die er nicht nur vertreibt, sondern höchstwahrscheinlich auch das ein oder andere Mal verköstigt, denn der Mann ist in den letzten zwei Jahrzehnten keinen einzigen Tag gealtert. Ich hätte auch gerne vier bis sechs Gallonen davon, bitte!

Da ich die Serie “Black Sails” nie gesehen habe, hatte ich im Vorfeld keine genaue Vorstellung, wie die Schiffsszenen aussehen könnten. Was ich in dieser Folge gesehen habe, ist einfach atemberaubend, denn sowohl die Artemis als auch die Porpoise sind wundervoll, ihre Ausstattung und ihr Aussehen einfach brillant und wenn ich nicht seefest wäre, dann hätte es bestimmt gut passieren können, dass es mir bei dem ganzen Auf und Ab auch ein bisschen mulmig im Bauch geworden wäre. Ich ziehe meinen Hut vor Gary Steele und den Mitarbeitern seines Set-Departements, die es wieder einmal geschafft haben, mich mit ihren großartigen Setdesigns zu beeindrucken. Übrigens bewegen sich die Schiffe nicht wirklich, sondern die Bewegungen werden in der Nachbearbeitung hinzugefügt, z.B. dadurch, dass sich der Horizont, der später am Computer eingefügt wird, auf und ab bewegt. Die Kabinen und alle Räume unter Deck sind Bauten auf den Soundstages in Südafrika und nur die Aufnahmen auf den Schiffsdecks wurden auch auf den Schiffen gedreht.
Auch Terry hat sich meiner Meinung nach mit ihrem “Bat Suit”, das Claire in Folge 305 für ihre Reise in die Vergangenheit genäht hat, übertroffen, Ich liebe die etwas leichtere, abgewandelte Form in dieser Folge, wenn Claire ihre Bluse etwas aufgeknöpfter und ohne Weste trägt und ich kann mich einfach nicht an ihrem neuen Look sattsehen, insbesondere nicht an dem Outfit mit dem Gürtel, das wir schon aus dem EW Magazin kennen.
Die Dreharbeiten für die Hafenszenen fanden im Januar diesen Jahres in Dunure Harbour, eine Stadt ca. 70 km südwestlich von Glasgow, statt und ganz in der Nähe, in Dunure Castle, wurden auch die Szenen für die Seehundinsel gedreht. Übrigens lag im Hafen von Dunure kein Schiff vor Anker, sondern die Artemis wurde nachträglich mit CGI eingefügt, genauso wie die Schiffe während der Dreharbeiten niemals von Wasser umgeben waren, denn so, wie Toni im Podcast zu dieser Folge sagt, besteht die ganze Magie dieser Schiffsreise leider nur aus CGI. Der Dreh der Außenaufnahmen in den Szenen mit der Flaute waren, laut Matt im Podcast zu 309, sehr knifflig, weil es in Capetown generell sehr windig ist und sich die Segel der Artemis jedes Mal, wenn wieder einmal Wind aufkam, aufgebläht haben, etwas was natürlich bei Windstille gar nicht möglich wäre und die Produktion daher sehr sorgsam darauf achten mussten, dass das hinterher in der abgedrehten Szene nicht zu sehen war. Übrigens ist die Anfangssequenz in Dunure Harbour die letzte Szene, die für Staffel 3 in Schottland gefilmt wurde, denn alle Szenen danach und die, die in den kommenden Folgen gezeigt werden, wurden in Südafrika gedreht.

Ich hatte schon erwartet, dass uns, wenn Jamie und Claire zu ihrer Reise zu “Fernen Ufern” aufbrechen, wieder eine neu arrangierte “Skye Boat Melodie” erwartet und dass auch die Opening Credits in alter Manier an die neuen Begebenheiten angepasst werden. Ich kann nichts anderes sagen, als dass Bear McCreary wirklich ein Meister seines Fachs ist und ich von dem neuen alten Titelsong total begeistert bin. Passend zu den kommenden Settings in der Karibik, wird der Skye Boat Song von Steel Drums und karibischen Rhythmen begleitet und mir wäre niemals im Traum eingefallen, dass Steel Drums so gut mit Dudelsäcken harmonieren. Besser hätte man, meines Erachtens, die Tatsache, dass wir nicht mehr in Schottland sind, musikalisch nicht darstellen können, denn die Serie verlässt in den ersten Minuten dieser Folge Schottland für eine lange, lange Zeit und nicht nur Jamie wird es schwer ums Herz, wenn die Küste Schottlands am Horizont immer kleiner wird und er nicht weiß, wann und ob er sein geliebtes Heimatland in seinem Leben noch einmal wiedersehen wird.
Nicht nur die Musik hat sich den bevorstehenden karibischen Abenteuern angepasst, auch bekommen wir durch die neuen Opening Credits eine Mini-Mini-Vorschau auf Szenen, die noch kommen werden und es macht wirklich großen Spaß, herauszufinden, welche dieser Ausschnitte zu welcher Handlung gehören könnten. Die Bilder, die für mich am prägnantesten sind, sind zum einen, wie Claire gestrandet auf einem weißen Karibikstrand sitzt und zum anderen die Sequenz, wenn Jamie Claire den Mund abtupft. Am eindrucksvollsten finde ich die allerletzte Einstellung, die vor der Titel Card gezeigt wird, in der wir die Artemis aus der Vogelperspektive sehen können und man sieht, wie winzig dieses nicht ganz so kleine Segelschiff auf dem weiten Ozean wirkt. Wenn Ihr noch einmal einen Blick auf alle neuen Bilder der Opening Credits werfen wollt, dann findet Ihr die Screenshots hier.
Ich liebe es, wie diese Folge musikalisch eröffnet wird. Wenn wir sehen, wie Claire auf das Hafenbecken starrt, wird diese Sequenz mit der “People Disappear All the Time” – Melodie aus der ersten Staffel untermalt, die meines Wissens nach seitdem nicht mehr von Bear verwendet wurde. Genau diese Melodie ist das Erste, was wir Zuschauer von Outlander hören, denn damit beginnt die allererste Folge und für mich ist es eine schöne Erinnerung an den Moment, als ich in Folge 101 diese atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der Highlands gesehen habe und ich das erste Mal Claires Stimme, nicht nur in meiner Fantasie, sondern auch in Farbe und Echt habe hören können, wenn sie in ihrem VoiceOver den Prolog des ersten Buches, mit dem vor mehr als zwanzig Jahren meine besondere Reise in diese einzigartige Outlander-Welt begonnen hat, zitiert. So wie auch zu Beginn der ersten Staffel steht Claire eine noch ungewisse Zukunft und ein anderes Leben bevor und vielleicht bezieht sich die Musik nicht nur auf Claires Reise in eine unbekannte Zukunft, sondern auch auf das, was Young Ian passiert ist, denn “People disappear all the time…..”!

Ich mag Hayes und Lesley und habe mich schon in Folge 306 köstlich über sie amüsiert. Sie erinnern mich an Angus und Rupert, die nicht nur ich schmerzlich vermisse, allerdings können Hayes und Lesley den beiden im Moment noch nicht das Wasser reichen, denn die Fußstapfen, die Big Head” und “Lard Bucket“ hinterlassen haben, sind einfach zu groß.
Auch Captain Raines ist mir sehr sympathisch, ein gebildeter Mann, der Claire, nachdem er erkannt hat, dass er nicht der Einzige auf der Artemis ist, der Shakespeare rezitieren kann, Respekt zollt und sie zu einem gern gesehenen Dinner-Gast in seiner Kajüte macht. Ich mag die Konversationen zwischen ihm und Claire sehr, vor allem den Teil, in dem sie über den Aberglauben der Seeleute sprechen und in dem Hufeisen und barbrüstige Frauen das Hauptgesprächsthema sind. Claire tut den Aberglauben leichtfertig mit den Worten Believing something doesn’t make it real.” ab und ich frage mich, ob sie wirklich vergessen hat, wie hypersensibel die Menschen des 18. Jahrhunderts auf Dinge reagieren, die sie nicht erklären können, da sie das doch bereits in ihrem Hexenprozess in der ersten Staffl am eigenen Leib erfahren hat. Außerdem finde ich, dass Claire, als eine Frau, die bereits dreimal innerhalb der letzten zwanzig Jahre durch einen Steinkreis durch die Zeit gereist ist, etwas mehr für das Übernatürliche übrig haben sollte!
Apropos Aberglaube: Übrigen sehr interessant, dass Rothaarige und Frauen an Bord eines Schiffes nicht gerne gesehen werden, weil sie Unglück bringen. Ich muss gerade an eine rothaarige Frau denken, die gegebenenfalls irgendwann in naher Zukunft ein Schiff besteigen muss. Hoffentlich fasst sie das Hufeisen an, denn in dieser Kombination ist eine Flaute wahrscheinlich eine Lappalie gegen das, was eine Frau mit roten Haaren an Bord eines Schiffes für Katastrophen hervorrufen könnte.

 

Ich habe jetzt schon des Öfteren gelesen, dass Fans kritisieren, dass TV-Mr. Willoughby etwas “weichgespült” daherkommt, aber ich denke, dass es für die Serie mit ihrer begrenzten Sendezeit unmöglich ist, den Buch-Charakter Mr. Willoughby so komplex darzustellen, wie er in „Ferne Ufer“ beschrieben wird. Ich denke, dass mit fehlender Charaktertiefe, die die Serie verständlicher Weise aus Zeitgründen nicht hätte zeigen können, die Gefahr bestanden hätte, dass aus Mr. Willougbhy eine Figur geworden wäre, die mit allen asiatischen stereotypischen Verhaltensweisen daherkommt und die eher wie ein Flummi mit gebrochenem Englisch durchs Bild hüpft und Purzelbäume schlägt, als dass sie seinem Buch-Charakter gerecht wird. Aber Buch-Mr. Willougbhy ist mehr als das, denn er ist ein hochgebildeter Künstler, der aufgrund seiner Überzeugung aus seinem geliebten Heimatland flüchten musste und sich in einer für ihn völlig fremden Kultur wiederfindet, in der ihn die Menschen nicht willkommen heißen und in der er aufgrund seines Anderssein immer sehr suspekt beäugt wird, was ihn letztendlich zu diesem verzweifelten und verbitterten Mann hat werden lassen, der er im Buch ist. Die Serie kann es in der wenigen Sendezeit gar nicht leisten, all das zu zeigen, um dem Buch-Charakter wirklich gerecht zu werden, so dass sich die Serienverantwortlichen auf die Kerninhalte seines Charakters beschränkt haben und Yi Tien Cho eine Mischung aus einem Wissenschaftler und einem Philosophen ist. Gary Young porträtiert ihn in meinen Augen sehr gut und ich mag diese sanftere und meinetwegen auch politisch korrekte Ausgabe von Mr. Willoughby sehr.
Vielleicht ist es etwas unrealistisch, dass Mr. Willoughby mit seiner Lebensgeschichte den wütenden Mob auf Deck davon abhalten kann, den armen Hayes über Bord zu werfen, aber ich finde die Idee gut, dass ein Mann mit asiatischen Wurzeln, der eigentlich den Seeleuten an Bord suspekt ist, mit seinem ganz privaten Schicksal so viel Aufmerksamkeit erwecken kann, dass alle Anwesenden einen Moment innehalten und sich von seiner Lebensgeschichte in den Bann ziehen lassen. Er erhält mit seinem Monolog, der übrigens fast wortgetreu aus dem Buch übernommen wurde, die volle Aufmerksamkeit der Crew und es ist in meinen Augen sehr eindrucksvoll, wie er zu Beginn seiner Rede erst sanft und ausgeglichen spricht und zum Ende hin immer lauter und wütender wird. Als Mr. Willoughby zum dramatischen Schluss ansetzt und seine beschriebenen Blätter fast seifenopern-mäßig über Bord wirft, ist diese Handlung nicht überzogen dramatisch, sondern sehr effektiv, weil er einen Grund dafür hat. Er zeigt allen an Bord, dass das, auf das sie seit Wochen warten, endlich da ist: Wind und Regen!  
Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Vogel, den Mr. Willoughby am Horizont sieht, nicht nur ein Vogel, sondern sein Ping An ist, aber zu meinem Leidwesen entpuppt sich der vermeintliche Ping An nur als ein ordinärer Albatros oder so etwas in der Art. Toni sagt im Podcast über Ping An, dass gerade der Dreh mit Tieren immer sehr zeitaufwendig und kostspielig ist und sie sich entscheiden müssen, ob sich solch ein Dreh lohnt, weil die Szene wichtig für die Story ist oder ob man sie weglassen kann, weil sie nichts zur Handlung beiträgt. Daher haben sie sich gegen Ping An entschieden, auch wenn sie den Pelikan für uns Buch-Leser gerne in die Serie eingebaut hätten.

Ich kann gar nicht oft genug erwähnen, wie sehr ich Cesar Domboy in seiner Rolle als Fergus liebe und mir ist in dieser Folge an einigen Stellen aufgefallen, dass mich seine Körpersprache manchmal  an die von Romann erinnert, vor allem die Art und Weise, wie er seinen Kopf hält. Auch Lauren Lyle ist als Marsali grandios und die Ähnlichkeit zwischen ihrer Mimik und der von Nell Hudson, in ihrer Rolle als Laoghaire, ist wirklich faszinierend und mir ist das ganz besonders in der Szene aufgefallen, in der Jamie und Marsali ihre Auseinandersetzung haben.
Die gesamte Streitszene zwischen Jamie und seiner Stieftochter ist wortwörtlich aus dem Buch übernommen worden und ich habe sie mir immer genauso vorgestellt und dass sie so großartig geworden ist, liegt an erster Stelle an der eindrucksvollen schauspielerischen Leistung von Sam und Lauren. Marsali – ich muss mich erst daran gewöhnen, dass man den Namen ohne Betonung des zweiten A`s und mit langem iiii ausspricht – ist in keinster Art und Weise von Jamies Zorn beeindruckt und wenn dieser sich vor ihr aufbaut, um durch seine Körpergröße seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen, interessiert sie das überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, denn auch Marsali baut sich vor ihrem Stiefvater auf, so dass beide schließlich in dieser Auseinandersetzung Nasenspitze an Nasenspitze enden, obwohl sie schätzungsweise 30 cm Größenunterschied trennen. Marsali ist in dieser Szene der typische Teenager: sie ist trotzig, egoistisch, zickig und Meisterin im Augenrollen und sie weiß, was sie will und nichts und niemand auf der Welt kann sie davon abbringen. Aber sie hat die Rechnung ohne Jamie gemacht, der nicht weniger starrköpfig ist, als seine Stieftochter und da er nur das Beste für sie will und nicht mit seinen Argumenten gegen sie ankommt, verwandelt sich seine anfängliche Frustration in echte Wut und wir werden Zeuge einer fantastischen Auseinandersetzung zwischen einem Vater und seiner Teenager-Tochter. Ich liebe Jamies resignierendes „Fine“, mit dem er diese sonst nicht endende Konversation beendet, was aber nicht bedeutet, dass er mit dem Thema durch ist. Wenn Jamie bemerkt, dass er dadurch, dass er Marsali und Fergus räumlich trennt, um die Jungfräulichkeit seiner Stieftochter zu bewahren, auch sich und Claire in den nächsten Wochen daran hindert, eine Ehe mit allen Annehmlichkeiten zu führen, ist seine Reaktion unbezahlbar und ich muss laut lachen. Danke Sam für diesen wunderbaren Jamie-Gesichtsausdruck! Habt Ihr das Augenrollen von Marsali gesehen, wenn Fergus sie mit den Worten „You must not speak about Milady in such a way.“ zurechtweist? Ich glaube, mit ihr als Frau wird Fergus alle Hände voll zu tun haben, denn sie hat ein ausgesprochenes lebhaftes Temperament und ist sehr impulsiv.
Der anschließende Dialog, der zwischen Jamie und Fergus in Jamies Kabine stattfindet, ist genauso wunderbar geschrieben und gespielt, wie die Szene zwischen Jamie und Marsali. Auch wenn Fergus bereits erwachsen ist, meint Jamie trotzdem immer noch zu wissen, was für seinen Ziehsohn das Beste ist und wie jedes erwachsene Kind, setzt sich Fergus wortgewandt zu Wehr und schlägt Jamie mit seiner und Claires Geschichte: Milord, you forget. I know your story. If you were forced to marry Milady, then I am forced to breathe. My heart, it is forced to beat. You yourself have told me you wanted her more than life from the moment you saw her. You didn’t need time. Nor do I.“ Welch wundervolle Worte und ja, Fergus hat Marsali wirklich verdient und Jamie sollte seinem Ziehsohn etwas mehr vertrauen. Aber er ist in einer ziemlich verstrickten Situation, denn er weiß, was Fergus in der Vergangenheit  für ein Womanizer gewesen ist und da es sich bei seiner Zukünftigen nun Mal nicht um ein x-beliebiges Mädchen aus Inverness, sondern um seine Stieftochter handelt, steckt er echt in der Klemme. Marsali ist für Fergus die Eine, die Frau, die für ihn bestimmt ist, denn obwohl er in der Vergangenheit niemals etwas hat anbrennen lassen und in den letzten Jahren diverse Affären gehabt hat, ist es bei Marsali anders, denn er hat sie bis jetzt noch nicht angerührt, sondern direkt geheiratet, bei einem Frauenheld eindeutig ein Zeichen für wahre Liebe. Ich hoffe, dass Jamie genau das, was ihm Fergus in dieser Szene sagt, auch irgendwann sehen wird und vielleicht arbeitet die Zeit auf dem Schiff für Fergus und Marsali. Was mich bei diesem Dialog sehr überrascht hat, ist, wie viel Details Fergus über Jamies und Claires Vergangenheit und Beziehung weiß und ich frage mich, ob ihm Murtagh, Jenny oder sogar Jamie selbst diese Geschichte erzählt hat.
Gefehlt hat mir in dieser Folge die Szene, in der Marsali und Claire über Verhütung und Schwangerschaft sprechen. Sie wäre toll gewesen, um zu zeigen, dass sich beide auf dem Schiff im Laufe der Zeit näher kommen und Claire für Marsali nicht auf ewig die Sassennach-Whore sein wird. Apropo Whore: Ich finde es echt klasse, dass Claire trotz allem, was Marsali ihr an den Kopf wirft, gelassen bleibt , denn sie weiß bestimmt aus eigener Erfahrung, wie man mit einem aus den Fugen geratene Teenager umgeht. So zaubert mir Claires Antwort Right, well the whore should have the bigger bed then, shouldn’t she?” auf Marsalis erneute “Whore” – Beleidigung ein Lächeln auf die Lippen. Gut pariert, Claire Elizabeth Beauchamp Randall Fraser!

 

Ich finde die Szene, in der Claire die Kleidertruhe entdeckt und in der sie von Jamie erfährt, dass Jamie ihre Kleider all die Jahre aufgehoben hat, weil es Erinnerungen an sie gewesen sind, die er nicht weggeben konnte, sehr interessant. Wenn man bedenkt, dass TV-Claire Ellens Perlen bei Mrs. Graham gelassen hat, als sie mit Frank nach Boston gegangen ist und dahingegen Jamie hört, der noch nicht einmal ihre Kleider abgegeben hat, dann denke ich, dass Claire an dieser Stelle ruhig mal ein schlechtes Gewissen haben könnte, weil sie so nachlässig mit dieser Erinnerung an Jamie umgegangen ist, während er sogar ihre Kleider zwanzig Jahre lang aufbewahrt hat. Als Jamie Claire gesteht, dass er ihre Kleider Marsali gegeben hat, damit diese sie für sich umarbeiten kann (im 18. Jahrhundert war das Auf- und Umarbeiten von gebrauchten Kleidungsstücken übrigens gang und gäbe, denn Stoff war teuer), wirkt er wirklich zerknirscht und sein “… but after I thought I’d never see you again, it Seemed all right if Marsali made use of them. – Hope you dinna mind.” kommt schon einer Entschuldigung gleich. Wovor fürchtet sich Jamie? Davor, dass Claire böse auf ihn wird, weil er nach fast zwanzig Jahren ihre Kleider an Marsali gegeben hat? Ist die Beziehung zu Claire so auf Sand gebaut, dass er annimmt, sie könnte ihm das übel nehmen? Aber Gott sei Dank ist Claire immer noch Claire und es ist ihr ziemlich gleich, ob Jamie ihre alten Kleider abgegeben hat, sie ist eher gerührt, dass er sie all die Jahre verwahrt und nicht übers Herz gebracht hat, sie zu verkaufen. Diese kurze Sequenz ist von den Serienmachern wirklich sehr geschickt platziert, denn mit der Kleidertruhe und den recycelten Kleidern greifen sie jeglichen Diskussionen vor, wie Jamie und Claire an ihre extravaganten Outfits kommen, wenn sie in Jamaika auf den Gouverneursball gehen. Und es erklärt, warum mich Claires Kleid und Jamies Weste aus dem neuesten EW Cover Shooting sehr an Staffel 2 erinnert. Das Kleid, das Cait trägt, ist wirklich ein “Umbau” von Claires “Saffron Dress”, das sie in Folge 203 getragen hat, als sie mit Mary bei Louise zum Kartenspielen eingeladen ist. Sams Weste ist genau die, die Jamie in Folge 203 und 204 und auf dem Starz Promotion Cover zu Staffel 2 trägt und auf Terrys Blog findet ihr zu Jamies Weste einen wundervollen Beitrag.
Jamie und Claire werden sowohl auf der Artemis als auch auf der Porpoise als Mr. und Mrs. Fraser angesprochen, was mich doch etwas verwundert, da sie im Buch aus guten Gründen unter Jamies Identität als Alexander Malcolm an Bord gehen. Ich frage mich, wie sich die Verwendung ihrer richtigen Identität dann auf die weitere Handlung auswirken wird, denn im Buch wird Jamie ja von dem einäugigen Mr. Tompkins als der gesuchte James Fraser identifiziert, was dieser Captain Leonard erzählt, der es daraufhin ins Logbuch einträgt und dadurch verpflichtet ist, Jamie in Jamaika an die britischen Behörden als Verbrecher auszuliefern, die ihn höchstwahrscheinlich hängen werden. Um das zu vermeiden, geht Claire irgendwann über Bord der Porpoise, damit sie Jamie warnen kann. Aber jetzt, wo Tompkins Jamie nicht enttarnen kann, weil ja jeder auf dem Schiff bereits seinen richtigen Namen kennt, bleibt dieser Handlungsstrang offen, oder aber auch nicht, weil die Serienmacher, die ja sehr kreative Köpfe sind, vielleicht einen Weg gefunden haben, damit die Handlung in der nächsten Folge doch so passieren wird, wie sie es eigentlich muss
Meiner Meinung nach sind Jamie und Claire in dieser Folge sehr buchgetreu dargestellt. Claire hat, wie immer, keine Probleme damit, anderen Menschen die Stirn zu bieten, wenn sie gegenteiliger Meinung ist. So wie sie manchmal hart und unnachgiebig ist, ist sie aber auf der anderen Seite bei ihren Patienten sehr behutsam und gütig und sie beweist im Umgang mit Marsali und Captain Raines, dass sie über sehr viel Empathie verfügt. Jamie, einmal von seiner Seekrankheit befreit, ist, wie immer stark und eloquent und zeigt sich Claire gegenüber sehr aufmerksam und zuvorkommend. Wenn er mit etwas List und gutem Zureden Hayes vor seinem Sprung in die Tiefe bewahrt, könnte dieser Jamie auf dem Mast direkt aus dem Buch entsprungen sein, besonders in dem Moment, wenn Hayes gerettet ist und Jamie vor Erleichterung den Kopf auf den Stag (musste Google fragen, als was man den Seitenarm eines Masts bezeichnet) legt, denn er ist nicht der Superheld, der sich selbst feiert, weil er ein Leben gerettet hat, sondern er ist erleichtert und dankbar, dass er ein Leben hat retten können, denn trotz seines Verhandlungsgeschicks zweifelt Jamie immer an dem Ergebnis und den Auswirkungen seiner Verhandlungen, er ist eben ein realistischer und menschlicher Held! Diese Szene auf dem Schiffsmast wurde zusammen von Sam und seinem Stuntdouble gedreht, sagt Matt im Podcast und dass sich der Mast beim Dreh nicht auf dem Schiff befunden hat, sondern  dass er dieser in der Erde steckte und die Szene nur knapp 5 Meter über dem Boden gespielt wurde und dass es in der Folge nur so scheint, als wenn Jamie und Hayes so weit oben sind.

Die erste Szene zwischen Jamie und Claire zeigt klar und deutlich, dass Claire die Frage auf den Klippen in der letzten Folge gar nicht hätte beantworten können, denn sie scheint sich immer noch nicht sicher zu sein, was sie wirklich möchte. Wenn Jamie sie fragt, ob sie jemals wieder glücklich werden, dann blutet mir das Herz, wenn ich in sein Gesicht sehe. Er tut mir so leid, denn er steht vor der Liebe seines Lebens und sagt ihr bestimmt zum hundertsten Mal seit Folge 306, dass sie zu ihm gehört und wieder einmal ist ihre Antwort ein Schweigen. Okay, unter Kaufleuten gilt Schweigen als Zustimmung, aber wir sind hier nicht auf dem Wochenmarkt und ich würde wirklich gerne Claires Meinung dazu hören. Jamie bietet ihr an, sie zum Craigh na Dun zurückzubringen, wenn sie wirklich in ihre Zeit zurück möchte. Ich finde es wirklich schlimm, dass Claire ihm so sehr den Eindruck vermittelt, nicht bei ihm bleiben zu wollen, dass er ihr dieses Angebot macht und mir bricht es das Herz, ihn das sagen zu hören. Dieser Vorschlag kostet ihn seine gesamte innere Kraft, denn wenn man sich vorstellt, was es ihn vor zwanzig Jahren gekostet hat, Claire bis zur letzten Sekunde zu begleiten, dann möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie es jetzt für Jamie sein würde, wenn Claire sein Angebot annehmen würde und er sie wirklich zum CnD begleiten müsste und sie noch einmal verlieren würde. Dass er Claire diesen Vorschlag unterbreitet, zeigt uns und auch Claire, dass sich Jamie in den letzten zwanzig Jahren in seinem Kern nicht verändert hat und es beweist wieder einmal, wie sehr er seine Frau liebt, denn er ist einmal mehr bereit, seine Bedürfnisse und seine Gefühle hinten anzustellen, nur um zu gewährleisten, dass es Claire gut geht. Ihre Antwort “Most important thing right now is that we find Young Ian.” ist für mich so deplatziert, dass ich im Drehbuch nachlesen musste, ob etwas geschnitten wurde, da das aber nicht der Fall ist, bin ich schon enttäuscht und auch ein wenig entsetzt, dass Claire auf Jamies Angebot, dass ihn alle Kraft und Überwindung kostet, diese lapidare und ausweichende Antwort gibt. Auch ist es in meinen Augen sehr unwahrscheinlich, dass sie sich auf eine unbekannte Reise zu den Westindischen Inseln einlässt, wenn sie nicht sicher ist, dass sie den Rest ihres Lebens mit Jamie verbringen möchte, denn sie würde niemals die Artemis betreten, wenn sie nicht fühlen würde, dass das die richtige Entscheidung ist. Matt erklärt ihm Podcast, dass Claires Aussage, dass die Suche nach Young Ian im Moment das Wichtigste ist, ihre Zustimmung ist, bei Jamie zu bleiben, denn sie wäre ja niemals auf diese Reise gegangen, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht sicher gewesen wäre. Und hier habt Ihr wieder einmal ein klassisches Beispiel dafür, dass, wenn zwei Menschen das Gleiche sehen und hören, es noch lange nicht dasselbe sein muss, denn auf mich hat diese Szene ganz anders gewirkt, als auf Matt. Also, wenn Claire doch eigentlich weiß, dass sie bei Jamie bleiben möchte, warum kann sie es dann verdammt nochmal nicht sagen? Aber diese Szene hat auch etwas Positives, denn es gefällt mir sehr, dass ich in ihr eine meiner Lieblingsstellen aus Band 3 wiederfinde, wenn auch stark verkürzt. Jamie behauptet, dass er dafür bestraft wird, weil er Claire so sehr will, dass er den Schatz bergen wollte, um Laoghaire auszuzahlen und Claire antwortet darauf No God worth his salt would take your nephew away from you just because you wanted to be happy.“
Die Szene, in der Claire Jamie dabei ertappt, dass nicht ihr Tee, sondern Mr. Willoughbys Akupunkturnadeln seine Seekrankheit geheilt haben, ist anders als im Buch (dort weiß Claire von Anfang an über die Akupunktur Bescheid), aber sie ist so goldig und herzerweichend, dass ich sie großartig finde. Drei Wochen befinden sich Jamie und Claire bereits auf der Artemis und die Akupunkturnadeln sind der Auslöser für das längst fällige klärende Gespräch zwischen ihnen, weil sich Jamie immer noch nicht sicher ist, wo die beiden stehen: auf einem festen Fundament, wie damals, als sie sich am Craigh na Dun getrennt haben oder auf Treibsand, wie auf den Klippen und am Hafen. So ist Jamies Antwort “I didn’t want to hurt yer feelings.You’d honestly think that I’d want you to suffer to save my pride? We aren’t on the most stable ground, are we, Sassenach?” auf Claires Frage, warum er ihr nichts von der Akupunktur erzählt hat, nicht verwunderlich, denn sie hat sich immer noch nicht geäußert, ob sie es bereut, zu ihm zurückgekommen zu sein. Und endlich sagt Claire, dass sie es nicht bereut, dass sie nicht mehr an ihrer Beziehung zweifelt und dass sie Jamie liebt, aber ich hätte mehr Emotionen, mehr Romantik, mehr Herzschmerz erwartet, anstatt Claires simple Antwort: “My return has been confusing and and frustrating. But it’s never been a question of whether I love you.” Und ich frage mich, ob DAS wirklich der Moment gewesen ist, in dem aus dem Treibsand ein festes Fundament wird und da wir ja alle die Folge bereits gesehen haben, kann ich sagen, ja, das war er, denn danach ist Team Fraser back! Aber mal ehrlich, da bauen die Drehbuchautoren über zwei Folgen diesen Konflikt auf und dann bekommen wir keine große Liebeserklärung, keine Antwort, ob Claire für ihre Liebe zu Jamie alles riskieren würde? Okay, wir sind hier wieder bei der vergossenen Milch angekommen und es lässt sich nicht mehr ändern und daher bin ich ich froh, dass wir dieses Thema endlich hinter uns haben und nach Vorne schauen können, aber trotz allem fühle ich mich ein wenig um eine wundervolle Jamie und Claire Szene betrogen. Wir wissen, Buch-Claire ist im Ausdruck ihrer Gefühle nicht annähernd so eloquent wie Jamie und sagt “Ich liebe Dich” nicht wirklich oft und wenn sie es sagt, dann sind es meistens sehr emotionale Momente. Aber wir wissen aufgrund ihre Handels, ihrer Gedanken und ihrem Verhalten gegenüber Jamie das sie ihn liebt und so wie wir es wissen, weiß es Jamie auch, denn Claire antwortet immer auf seine Liebeserklärungen, halt nur nicht verbal, sondern sie lässt ihren Körper für sich sprechen, wenn sie sich lieben. Obwohl Claire nicht mit großen Worten zu Jamie zurückgekommen ist und auch niemals deklariert hat, dass alle ihre Zweifel ausgeräumt sind, weiß Jamie ab einem gewissen Zeitpunkt, dass zwischen ihnen alles wieder in Ordnung ist und sie sich endlich neu kennen und lieben lernen können. Jamie beobachtet Claire immer sehr aufmerksam und ich denke, dass das sowohl auf Buch-Jamie als auch auf TV-Jamie zutrifft und daher kann er sehen, dass sich ihr Aussehen in den Wochen, die sie auf dem Schiff verbringen, verändert und sie somit ihr “Angekommensein” ausdrückt. Claire trägt ihre Haare am Ende der Folge nicht mehr hochgesteckt, sondern hat sie zu einem losen Pferdeschwanz gebunden, ähnlich wie in Folge 114, sie trägt ihre Bluse nicht mehr hochgeschlossen, sondern hat die ersten Knöpfe geöffnet und ich finde, dass sie sich auch sicherer bewegt und ihr Gang beschwingter ist, als noch am Anfang ihrer Rückkehr ins 18. Jahrhundert.
Die “Man in the Moon” – Szene ist wundervoll, so romantisch, so gefühlvoll, so liebevoll und mit so vielen großen Gefühlen und sie ist sehr nah am Buch, auch wenn Claires Brief an Brianna nicht thematisiert wird. Jamie und Claire verbringen im Mondschein einen der seltenen Momente an Deck des Schiffes, in denen sie alleine sind und es tut gut, sie nach ihrer Aussprache in der Akupunktur-Szene so gelöst, zufrieden und glücklich zu sehen, wie sie aneinander gekuschelt den Mond betrachten, so wie andere verliebte Paare auch. Sam und Cait zeigen in dieser Szene genau das, was dieses Buchzitat meint:

„Zum ersten Mal seit meiner Rückkehr nach Edinburgh hatten wir Zeit zum Reden; Zeit, uns erneut mit all den halb vergessenen Dingen vertraut zu machen, die wir voneinander wussten, die neuen Facetten zu entdecken, die von unseren Erlebnissen geschliffen worden waren, uns einfach nur aneinander zu freuen, ohne dass uns die Gefahr oder der Alltag ablenken konnten. Unablässig schlenderten wir über das Deck und legten eine Meile nach der anderen zurück, während wir uns über alles und nichts unterhielten und uns gegenseitig auf die Phänomene auf See aufmerksam machten.“

(Kapitel 42 „Der Mann im Mond“ aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Über den Mond gelangt das Gespräch zu Brianna und Claire erzählt Jamie ein wenig über die Kindheit ihrer Tochter, im Besonderen über ein Kinderbuch mit dem Titel “Goodnight Moon”, das sie Brianna immer vorgelesen hat. – Übrigens das Buch ist von der Autorin Margaret Wise Brown, ist 1947 das erste Mal erschienen und kann immer noch über Amazon erworben werden.- Jamie fragt Claire, ob sie Brianna vermisst und wenn sie “Terrible!” sagt, ist diese Antwort eigentlich nicht nötig, weil man in ihrem Gesicht lesen kann, wie sehr sie ihre Tochter vermisst, denn sie kämpft gegen ihre Tränen an, seit dem Moment, als sie das erste Mal in dieser Szene ihren Namen ausgesprochen hat. Hut ab vor Caits Performance, die mir in dieser Szene ganz besonders gefallen hat. Claire wird von ihrer Sehnsucht überwältigt und man merkt, dass sie diese immer in sich trägt und sie diese in solchen besonderen Momenten mit Jamie teilt. Wenn sie sich haltsuchend in seine Arme kuschelt und dieser sie ganz fest an sich drückt, dann ist es so, wie es immer zwischen ihnen gewesen ist. “Do not be afraid. ..There’s the two of us now.” : sie fühlen das, was der andere gerade empfindet, sie sind füreinander da, wenn der Eine den Anderen braucht, sie spenden sich Trost und geben sich Halt und sie sind nach all den Jahren nicht mehr alleine und können ihre Sorgen und Ängste, ihren Kummer und Schmerz, aber auch ihre Freude und ihr Glück mit ihrem Seelenverwandten teilen. Auch zeigt diese Stelle, wie hoch der Preis gewesen ist, den Claire gezahlt hat, um wieder mit der Liebe ihres Lebens zusammen sein zu können. Sie hat ihre Tochter für Jamie aufgegeben und Jamie kann ihren Schmerz und ihre Sehnsucht sehr gut nachempfinden, denn er sehnt sich seit zwanzig Jahren nach seiner Tochter und er weiß, was es heißt, sein Kind verlassen zu müssen, denn er hat Willie auch zurücklassen müssen. Aber Jamie und Claire sind mit ihrem Schmerz über den Verlust ihrer Kinder nicht alleine, denn sie haben sich, um sich Kraft zu geben, damit sie mit dieser Sehnsucht leben können. Wenn Claire Brees Stoffhasen erwähnt und sie Jamie erzählt, dass ihre gemeinsame Tochter Hasen immer geliebt hat, dann muss ich an den Hasen denken, den Jamie auf dem Schlachtfeld von Culloden gesehen hat. Es ist zwar ubmöglich, dass Brianna in den schwersten Stunden seines Lebens bei ihm gewesen ist, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren war, aber der Gedanke, dass es vielleicht hätte sein können, ist trotzdem schön. Ich finde die ungekürzte “Man in the Moon“ – Szene aus dem Drehbuch noch emotionaler und wundervoller als die, die gezeigt wurde, denn Jamie und Claire sprechen seit ihrer Rückkehr das erste Mal On-Screen über ihre Tochter und Jamie holt, wie im Buch auch, die Fotos von Bree aus seiner Manteltasche und beide betrachten sie gemeinsam. Schade, dass diese verlängerte Szene es nicht in die endgültige Folge geschafft hat. Und wer vom Mann im Mond nicht genug bekommen kann, kann sich diese Szene hier in Endlosschleife anschauen.
Die Szene unter Deck, wenn Jamie und Claire die Gunst der Stunde nutzen und sich endlich, nach Wochen der Enthaltsamkeit, lieben können, ist so, wie ich sie mir immer beim Lesen vorgestellt habe: lustvoll, hastig, schnell und sehr befriedigend, so, wie der perfekte Quickie halt sein soll. Die Kuschelszene danach ist in meinen Augen besser, als der vorangegangene Sex, denn wir haben hier wieder eine dieser typischen Jamie und Claire Szenen, die ich so sehr liebe, denn in diesen Minuten Sendezeit sind sie nicht Jamie der Anführer und Claire, die Ärztin, sondern sie sind einfach nur Jamie und Claire. Beide scheinen die Gegenwart des Anderen sehr zu genießen und sie wirken glücklich und zufrieden, so wie auch schon in der “Man in the Moon” – Szene. Ich liebe es, wenn Jamie Claires graue Haare so poetisch bewundert, dass Frau sich wirklich einmal überlegen sollte, ob sich Haare färben lohnt, wenn der Mann an ihrer Seite James Alexander Malcolm MacKenzie Fraser. Mit Jamies Worten No matter what troubles happen around us, Sassenach This what it is between us never changes.” sollte jetzt wirklich klar sein, wenn es das nicht schon seit der letzten Szene ist, dass zwischen Jamie und Claire immer diese besondere, einzigartige und unbeschreibliche Liebe gewesen ist und auch immer sein wird und sie die äußeren Schwierigkeiten für immer überwunden haben, das hoffe ich zumindest, denn Buch-Claire hat niemals so an ihrer Beziehung zu Jamie gezweifelt, wie TV-Claire. Wenn Claire Jamie als “The King of Men” bezeichnet, dann ist es eines dieser “Easter-Eggs” für uns Fans, denn so wird Jamie seit Beginn der Produktion im Writer`s Room scherzhaft genannt und ich meine, dass Ron irgendwann einmal erwähnt hat, dass es seine Wortschöpfung gewesen ist. Irgendwie ist dieser Ausdruck dann zu einem geflügelten Wort in den Social Medias geworden, wenn es darum geht, Jamies angebliche Perfektion zu beschreiben und ich finde es nett, dass die Serienmacher diesen Satz mit in das Drehbuch aufgenommen haben.
Und gerade als die Welt wieder in Ordnung scheint, Claire und Jamie endlich wieder glücklich und entspannt im Umgang miteinander sind, das Schiff aufgrund des aufkommendes Windes wieder Fahrt machen kann und die “Jonah”-Sache vom Tisch ist, taucht am Horizont die Porpoise auf und jeder Buch-Leser weiß, dass uns die Outlander-Realität wieder eingeholt hat, denn Outlander ohne Drama und Chaos funktioniert einfach nicht. Wenn Claire Captain Leonard ihre Hilfe anbietet, können wir in Jamies Gesicht sehen, dass er absolut und gar nicht und unter gar keinen Umständen damit einverstanden ist. Das klärende Gespräch, was in der nächsten Szene zwischen unseren Protagonisten stattfindet, ist wieder sehr bezeichnend dafür, wie gut Jamie Claire versteht und dass er ihre Entscheidung immer respektiert, auch wenn er nicht ihrer Meinung ist. Ich mag es, dass der Dialog fast genauso wie in “Ferne Ufer” ist und auch dass Claire mit ihrer Körpersprache Jamie ganz deutlich klar macht, dass nichts und niemand sie von ihrer Entscheidung abbringen kann. Jamie merkt sehr schnell, dass er Claire das zu tun, was ihre Bestimmung ist, nämlich kranken Menschen zu helfen, niemals ausreden kann und er hat seine Lektion in Folge 307 mit dem Steuereintreiber gelernt oder er ist, so wie Claire sagt, mit den Jahren wirklich weiser geworden, denn er akzeptiert ohne großes Gewese ihre Entscheidung. Ich mag ganz besonders die Sequenz, wenn Jamie bei seinen Worten “I’ve taken an oath now and then myself,and none of them lightly.” über Claires Ehering streicht und ihr damit zu verstehen gibt, dass er sie versteht und dass er weiß, was Ehre und die Einhaltung eines Eides bedeutet. Wenn wir Claire unter Deck der Porpoise begleiten, bin ich sehr dankbar dafür, dass wir noch nicht im Zeitalter des Geruchs-TV angekommen sind, aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Geruch nichts ist, was ich bis zum heutigen Datum jemals in meinem Leben gerochen habe und Claires Gesichtsausdruck zeigt, dass sie gerade das Tor zur Hölle betreten hat. Matt hat im Podcast gesagt, dass das die erste Szene war, die in Südafrika gedreht wurde. Als Claire bemerkt, dass sich die Porpoise bewegt und sie Captain Leonard – übrigens sieht er wirklich genauso jung und milchbubihaft aus, wie ihn Diana im Buch beschrieben hat – zu Rede stellt, fallen mir die Worte ein, die sie noch einige Minuten vorher zu ihm gesagt hat und die jetzt hier, in dieser Situation sehr gut passen: “You need to prepare yourself. It’s going to get a lot worse before it gets better.“, denn bevor es für Claire wieder besser wird, stehen ihr noch einige Abenteuer und wieder eine Trennung von Jamie bevor. Und mit ihrem verzweifelten Blick zurück zur Artemis schippert Claire einer ungewissen Zeit entgegen und ich hoffe sehr, dass wir das Ablegen der Porpoise in der nächsten Folge noch einmal aus Jamies Sicht sehen können, denn er wird außer sich sein und ich würde gerne mal wieder den schottischen Berseker sehen!

 

“A story told is a life lived” sagt Mr. Willoughby zu Claire und in diesen philosophischen Worten steckt mehr Wahrheit und Tiefe, als ich zunächst angenommen haben. Habt Ihr nicht manchmal auch das Gefühl, dass Jamie und Claire, und natürlich auch alle anderen Charaktere aus Dianas Büchern, wirklich schon einmal in einer längst vergangenen Zeit gelebt haben könnten, weil diese Figuren so realistisch, so facettenreich und so menschlich dargestellt sind. Alle Charaktere, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind, haben ihre Fehler, zweifeln ab und an sich selbst, hadern manchmal mit ihrem Leben und ihrem Schicksal und treffen nicht immer die richtigen Entscheidungen, auch wenn ihre Motive in der Regel meistens ehrenhaft sind. Sie sind so perfekt unperfekt und gerade das macht Dianas Bücher so lesens- und liebenswert, was sie aber wirklich zu Unikaten macht, ist diese lebenslange Geschichte einer Beziehung, die alle Höhen und Tiefen erlebt und in der ich mich oft wiederfinde und aus der ich manchmal auch etwas für mein Leben mitnehmen kann.
“A story told is a life lived”,  vielleicht gilt das nicht nur für eine geschriebene Geschichte, sondern auch für eine gezeigte, denn die Serienmacher haben uns in den vergangenen 38 Folgen gezeigt, was es heißt, zu lieben, zu scheitern, wieder aufzustehen und von Vorne zu beginnen und dass es den einen Menschen wirklich geben kann, der immer hinter einem steht, um einem den Rücken zu stärken, der vor einem steht, wenn man Schutz braucht und der unter einem ist, um einen aufzufangen, wenn man fällt. An dieser Geschichte teilzuhaben und diese unerschütterlichen Liebe zwischen Jamie und Claire erleben zu dürfen, ist in vielen Momenten einfach größer als man selbst und ich bin wirklich dankbar dafür, dass diese Geschichte mein Leben mit jedem geschriebenen Wort und mit jeder visuellen Szene bereichert hat, denn für mich ist diese erzählte Geschichte wirklich ein gelebtes Leben!

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch 


Inside the World of Outlander Folge 309
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 309
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