Outlander Reflektion Staffel 2

09/04/2016

Achtung: Dieser Text enthält Spoiler für Staffel 2. 

Droughtlander hat diejenigen von uns, die die zweite Staffel von Outlander bereits im deutschen Pay TV gesehen haben, seit 8 Wochen oder seit nun mehr 56 Tagen, fest im Griff. Vor 3 Wochen starteten die Dreharbeiten zur 3. Staffel  und in drei Tagen beginnt Staffel 2 im deutschen Free TV auf Vox.                                                                                                   In meinen Augen höchste Zeit, unserem Blog endlich Leben einzuhauchen und ich dachte mir, das gelingt am besten mit einer Rekapitulation der zweiten Staffel, für die, die diese bereits gesehen haben und eventuell erneut im Free TV schauen werden.

Ihr werdet hier in den nächsten Wochen jede Woche die Review zur aktuellen Folge finden und für alle, die meine Reviews schon bei Pay TV Premiere von Staffel 2 gelesen haben gilt: Reinschauen lohnt sich, denn ich habe die Reviews extra für den Blog noch einmal komplett überarbeitet. Und als besonderes Schmankerl werden wir jede Woche eine deutsche Zusammenfassung von Ron Moores Podcast zur jeweiligen Folge veröffentlichen.

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Sollen wir mit der Review von Staffel 2 starten? Auf geht`s!

Lallybroch

Foto präsentiert von Caledonian Cult Collection https://www.facebook.com/CaledonianCultCollection/

Ich habe vor über 20 Jahren das erste Mal „Feuer und Stein“, den ersten Band der bis jetzt achtteiligen „Highlandsaga“, gelesen und bin dadurch zu einem großen Fan von Diana Gabaldon geworden. Ich nenne alle Bücher der Outlander-Reihe mein Eigen, habe sie mehrfach gelesen, kenne jeden Lord John Roman und besitze sogar die Graphik Novel. Als ich erfuhr, dass das erste Buch als Serie verfilmt werden soll, habe ich, als langjähriger begeisterter Buchleser (BL), immer auf eine wörtliche Umsetzung der Bücher gehofft. Mit Ende der zweiten Staffel kann ich nun sagen, dass der Wunsch nach einer eins zu eins Umsetzung immer einer bleiben wird. Ich habe gelernt, zu akzeptieren und vor allem zu verstehen, dass eine Buchverfilmung niemals eine exakte Kopie der Bücher sein kann und wird. Mein Dank geht an dieser Stelle an die Serienverantwortlichen und vor allem an Diana, die alle nicht müde werden, uns Fans immer und immer wieder zu erklären, wie eine Buchverfilmung funktioniert und warum einige Dinge in den Büchern gehen und auf dem Bildschirm nicht.

Wenn ich die Bücher mit der Serie vergleiche, stelle ich mir immer eine Karte vor, die zwei Straßen zeigt, die beide von Punkt A nach Punkt B führen. Beide verlaufen parallel zueinander, ab und an macht die eine Straße einen Schlenker oder hat eine Ausbuchtung, während die andere immer strikt geradeaus läuft. Aber sie kommen beide irgendwann an Punkt B an. Die Serie ist die strikte, gerade Straße und die Bücher werden durch die Straße mit den Schlenkern und Ausbuchtungen dargestellt. Leider können wir nicht so viele Details sehen, wenn wir uns auf der geraden und strukturierten Serienstraße befinden. Wir verpassen auch einiges an Humor und an kleineren, für die Serienmacher vielleicht unwichtigeren, Sequenzen, die die Geschichte nicht weiterbringen, aber sie interessanter und facettenreicher machen. Auch gibt es auf der Serienstraße keine Ausbuchtung, in der Jamie und Claire ihre vielen kleinen Momente erleben, in denen sie einfach nur die Gegenwart des anderen genießen und sich unterhalten.
Neben dieser sehr gestrafften Story gibt es auf der Serienstraße auch die eine oder andere Stolperfalle für uns BL. Das sind diese, für uns wichtige Buchszenen, die es in die Serie geschafft haben, aber in dem Kontext, in dem gezeigt werden, anders wirken als im Buch. Als Beispiele fallen mir die Szenen mit Claires rotem Kleid, dem „Honeypot“ und Jamies Bissmalen ein.
Ich weiß, dass wir BL sehr gerne die Serie auf der Bücherstraße sehen wollen, die uns alle Details der Bücher zeigt und die uns auf eine langsame und beschauliche Reise durch Paris, Versailles und Schottland mitnimmt, so dass wir alles am Rande wahrnehmen können, jede Kleinigkeit und jede kleine Szene aus dem Buch wort- und bildgetreu sehen können.                 Es ist und bleibt aber ein Traum, diese langsame und entspannte, aber auch zu gleich spannende und fesselnde Reise erleben zu dürfen.                                                                     Aber trotzdem ist die Handlung in der Serie im Kern immer noch dieselbe wie in den Büchern, zwar verdichtet, komprimiert und teilweise verändert, aber die Story an sich ist immer noch einwandfrei erkennbar.

Ich denke nach nun mehr 29 Folgen Outlander fällt es mir immer leichter, die Bücher Bücher sein zu lassen und die Serie die Serie. Auch habe ich mit der Zeit gelernt, meine innere Buch-Freak-Stimme einigermaßen im Zaum zu halten, die immer dann anfängt zu nörgeln, zu stöhnen und zu nerven, wenn die Serienhandlung gravierend von der der Bücher abweicht, Dinge rearrangiert werden oder Personen, durch eine „Out of Character“ Handlung mal wieder wörtlich aus der Rolle fallen.                                                                                                           Und ich habe verstanden, welche Schwierigkeiten es gibt, diese oft fast tausend Seiten dicken Bücher, zu verfilmen. In einem Buch kann ich mich gerade noch an Ort X befinden und auf der nächsten Seite bin ich ich schon an Ort Y. Ortswechsel in einer Serie bedeuten aber eine große logistische Herausforderung. Das Equipment, die Schauspieler und die Crew müssen von A nach B geschafft werden, Sets müssen entworfen und aufgebaut werden. So hat Ron Moore, der Showrunner von Outlander, in einem der Podcast zur 2. Staffel gesagt, dass Bonni Prince Charlie immer alle im Bordell empfangen musste, damit nicht noch ein weiteres Paris Set, das als sein Appartement fungierte, gebaut werden musste. Ein Buch hat kein Budget und keine zeitliche Einschränkungen, die jeweilige Outlander Folge hingegen sollte in der Regel eine Spielzeit von ca. 55 Minuten haben. Ein Buch folgt seinem eigenen Rhythmus und auch dem des Lesers und hat seine eigene Struktur. All das ist anders als bei der Produktion einer Serie.
Eine wirklich gute Buchverfilmung arrangiert sich um das Grundmaterial herum, ohne sich durch dessen Story und Struktur einschränken zu lassen. Outlander ist und bleibt eine Interpretation der Bücher und keine wörtliche Kopie, aber schafft es meiner Meinung nach, diesen großartigen Büchern auf dem Bildschirm gerecht zu werden und dem Grundmaterial dabei treu zu bleiben.

Ich denke, wir können uns glücklich schätzen, dass wir als Fans in meinen Augen immer schon die besten Voraussetzungen hatten, diese fantastischen Bücher in einer fantastischen Serie umgesetzt zu bekommen.
Wir haben zum einen mit Starz einen Sender, der den Serienverantwortlichen etwas mehr Freiraum in Bezug auf die Laufzeit jeder Folge lässt und uns dadurch dieses wundervolle 90 minütiges Staffelfinale ermöglicht hat.                                                                                           Zusätzlich haben wir in 2 Staffeln 29 Folgen bekommen. Meistens haben so aufwendige Produktionen wie Outlander, zehn Folgen pro Staffel, so wie auch Game of Thrones, einer oder vielleicht die erfolgreichste TV Serie, die es zur Zeit in der Serienlandschaft gibt.                         Des Weiteren ist Starz in meinen Augen mutig genug, um die Szenen in Wentworth in aller Härte und das daraus resultierende Trauma für Jamie in aller Echtheit und im vollen Umfang zu zeigen. Welcher Sender oder welche Serie zeigt, wie der männliche Serienheld gefoltert, vergewaltigt und gebrochen wird und behandelt dann dieses Trauma in den kommenden Folgen ausführlich und kehrt es nicht nach dem Motto „geschehen ist geschehen und ward nie wieder gesehen“ unter den Teppich? Mir fällt spontan kein Sender und keine Serie ein.
Aber Outlander hat die Courage, auch die Nachwirkungen von Wentworth auf Jamie zu zeigen und es ist Claire, die in Folge 204 nach Jamies „Blade of Grass“ Rede zu ihm kommt und die physische und emotionale Wiedervereinigung initiiert. Sie ist in dieser Situation diejenige, die ihm ein Dach, einen Zufluchtsort baut und ihn beschützt. In welcher Serie hat jemals die Frau den männlichen Krieger und Held beschützt und ihm eine Zuflucht gebaut?
Starz ist auch meiner Meinung nach modern genug, um Sex mit einer schwangeren Claire zu zeigen und resolut genug, um Nacktheit und Intimität nicht als Showeinlage und Quotenreißer (wie zum Beispiel a la Game of Thrones) zu sehen, sondern diese nur dann einzusetzen, wenn es die Geschichte erfordert und wenn es diese weiterbringt. Das haben viele der Serienverantwortlichen wiederholt in Interviews betont.

Auch haben wir mit Ron Moore als Showrunner und seiner Partnerin Maril Davis, die bei OL die verantwortliche Produzentin ist, zwei intelligente und erfahrene Serienmacher, die alle Voraussetzungen mitbringen, diese Serie so toll werden zu lassen, wie sie ist.                           Ron hat mit seiner Frau Terry Dresbach einen langjährigen Buchfan und eine großartige Kostümdesignerin an seiner Seite. Er hat mal in einem Interview gesagt, dass er sich mit dieser Serie alle Mühe geben wird, denn er will die filmische Umsetzung der Lieblingsbücher seiner Frau nicht verderben.                                                                                                                     Maril ist auch ein ergebener Buchfan und von daher mit dem Grundmaterial bestens vertraut.   Hinzu kommt, dass mindestens die Hälfte der Skriptautoren langjährige BL sind und genau wissen, wie unsere Charaktere ticken, auch wenn sie manchmal mit ihrem Skripten etwas über das Ziel hinausschießen und ich persönlich mit einigen Änderungen nicht immer einverstanden bin. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die BL unter den Autoren (Matthew Roberts, Toni Graphia und Anne Kenney) und auch Maril das Grundmaterial mit einem anderen Respekt behandeln als Autoren, die Nicht-Buchleser (NBL) sind.
Und das Beste an dieser Produktion ist, dass den Serienverantwortlichen Diana Gabaldon als Beraterin zur Seite steht und in den Prozess der filmischen Umsetzung soweit mit einbezogen wird, dass sie vor gravierenden Fehlern oder Änderungen in Bezug auf die Buchhandlung warnen kann. Diana sagt, dass sie in der Regel in 9 von 10 Fällen ernst genommen wird und oft Änderungen vorgenommen werden, wenn sie etwas anzumerken hat.
Jeder von uns BL hat seine eigene Sichtweise der Dinge, bringt seine eigenen Erfahrungen und Wünsche mit und was für den einen die wichtigste Szene überhaupt ist, ist für den anderen eher unwichtig. So ist es, in meinen Augen, für Ron & Co. fast unmöglich, jeden einzelnen Fan, zu jeder Zeit, zu hundert Prozent zufriedenzustellen. Die Serie ist und bleibt eine Interpretation der Bücher und keine Wort für Wort Übersetzung jedes einzelnen Kapitels und die Serienverantwortlichen schaffen es, meiner Meinung nach, wunderbar, das, was wir als BL sehen wollen, mit dem zu kombinieren, was NBL ohne Hintergrund sehen müssen, um die Story und die Charaktere zu verstehen.

Wir dürfen darüber hinaus nicht vergessen, dass die Skriptschreiber auch Autoren sind und manche Dinge auf ihre eigene Art und Weise erzählen wollen.                                                   Wenn ich bedenke, dass, wenn sie sich immer strikt an die Bücher gehalten hätten, uns viele tolle Dinge entgangen wären, bin ich froh, dass im „Writers Room“ so viele kreative Köpfe sitzen. Spontan fällt mir Murtagh ein, dessen erweiterte Rolle ich in der Serie einfach großartig finde. Ich liebe diesen Charakter und bin immer wieder in jeder Episode begeistert, wie facettenreich und komplex Murtagh im Vergleich zum Buch ist.
Es gibt so viele großartige Szenen in der Serie, die nie in den Büchern thematisiert oder gezeigt wurden und die, in meinen Augen, eine wundervolle Geschichte noch ergänzen. Zum Beispiel die äußerst emotionalen Szenen zwischen Frank und Claire in Folge 201, wie Jamie seine Rolle als Anführer in Folge 209 annimmt und ausfüllt, die wundervoll choreografierte Schlacht von Prestonpans in Folge 210 oder der letzte herzergreifende Tanz von Jamie und Claire am Craigh na Dun in Folge 213. All das hätten wir nicht gesehen, wenn sich die Skriptautoren strikt an die Handlung der Bücher gehalten hätten. Aber so, wie einige Dinge hinzugekommen sind, sind leider auch viele kleine Szenen und Momente, die die Bücher so liebens- und lesenswert machen, dem zeitlichen Rahmen der Folgen zum Opfer gefallen und ich habe besonders den trockenen Humor aus den Büchern vermisst. Nur in Folge 211, die Episode für die Diana das Skript geschrieben hat, kam dieser trockene Humor sehr gut zur Geltung und ich finde, dass man in dieser Folge ganz klar ihren Einfluss bemerkt hat. Gerechterweise muss ich auch sagen, dass mir persönlich einige Änderungen in Bezug auf die Bücher nicht gefallen haben, insbesondere die, im Vergleich zum Buch, stark veränderte Handlung um den Charakter Laoghaire.
Auf der anderen Seite bin ich auch nicht immer mit allem einverstanden, was Diana schreibt oder wie sich in einigen Situation manche Buchcharaktere verhalten.
Von daher bin ich äußerst zufrieden damit, dass Ron & Co. einige Dinge anders als im Buch umgesetzt haben. Zum Beispiel, dass es zwischen Jamie und Claire keinen Streit nach der Sache mit König Louis gibt, sondern Jamie mit Verständnis und Achtung vor ihrer Tat reagiert, denn Claire hat nichts anderes für ihn getan, als er für sie in Wentworth. Beide haben die Freiheit des anderen mit ihrem Körper bezahlt. Oder auch, dass Claire Jamie von Anfang an erzählt, dass sie BJR in Edinburgh getroffen hat, anstatt es, sowie im Buch, vor ihm zu verbergen. Je mehr ich die Bücher zur Seite lege, so wie Diana es immer wieder predigt, desto mehr kann ich die Serie als eigenständiges Medium genießen und mit Änderungen besser umgehen und die Serie um ihretwillen lieben, genauso, wie ich die Bücher um ihretwillen liebe.

Mit wie viel Liebe zum Detail jedes einzelne Departement in Outlander bei der Sache ist, kann man gut feststellen, wenn man sich einmal die Blogs vom Produktionsdesigner Jon Gary Steele (http://www.jongarysteele.com) oder von Kostümdesignerin Terry Dresbach (http://www.terrydresbach.com) anschaut und genau hinschaut, was für außergewöhnliche Sets, vor allem in den Parisszenen (mein Favorit ist „The Star Chamber“ aus Folge 207) und für großartig und extravagante Kostüme uns beide beschert haben. Ich hätte niemals gedacht, dass der Blog eines Setdesigners und der einer Kostümdesignerin so interessant und informativ sein kann. Jedes einzelne Set und jedes einzelne Kostüm erzählt seine eigene Story und untermalt zeitgleich die Serienhandlung. Ganz besonders interessant finde ich, dass Terry mit Claires Kleidern in Paris ihre Einzigartigkeit als Zeitreisende darstellen wollte. So beeinflusst Claires Modegeschmack der 1940er ihre Kleiderwahl im 18. Jahrhundert und als eine Frau aus der Zukunft prägt sie ihren eigenen Stil und vertritt so indirekt ihren Standpunkt, eine Frau aus ihrer eigenen Zeit zu sein. Als Beispiel fällt mir das Kleid aus der Folge 202 ein, dass sich Claire in Anlehnung an das Dior „Bar Suit“ aus den 1940ern hat schneidern lassen (siehe hierzu Terry Dresbachs Blog zum Dior Kleid http://www.terrydresbach.com/dior).
Auch Jamie reflektiert, gerade in den Parisszenen, mit seiner Kleidung seine emotionale Situation nach Wentworth. Zu Anfang ist seine Garderobe sehr dunkel, hauptsächlich in schwarz gehalten, was sehr gut seine Gefühle widerspiegelt. Nachdem in Folge 204, nach seiner „Blade of Grass“ Rede, Claire und er wieder zueinander gefunden haben und Jamie einen Weg gefunden hat, mit seinem Trauma umzugehen, wird auch die Kleidung in den Farbtönen heller. Spontan fällt mir dieses wundervolle Outfit aus Folge 205 ein, das er bei Hofe trägt, als er auf BJR trifft.
Und nicht zu vergessen, die Musik. Was wäre Outlander ohne Bear McCrearys wunderbaren und einzigartigen Kompositionen und Musikauswahl. Die Folge „Je Suis Prest“ und Claires Heimkehr nach der Todgeburt von Faith und viele andere Serienmomente wären weniger bewegend gewesen. Auch den Blog von Bear kann ich nur jedem, der ein bisschen Zeit mitbringt, wärmstens empfehlen. (zum Paristeil: http://www.bearmccreary.com/#blog/blog/outlander-paris-episodes/ und zum Schottlandteil: http://www.bearmccreary.com/#blog/blog/outlander-return-to-scotland/)

Ich weiß, dass es einiges an Aufruhr in den Social Medias gegeben hat, weil es dieser Staffel angeblich an Intimität und Sex zwischen Jamie und Claire mangelt. Das ist schon richtig, zumindest, wenn man die Anzahl der Sexszenen in Staffel 1 und in Staffel 2 vergleicht. An Intimität hat es in meinen Augen aber nie gefehlt.                                                                       Anstelle von Sex haben uns die Serienverantwortlichen genau das gegeben, was Diana in ihren Büchern immer so wundervoll beschreibt: eine Ehe und all die Dinge, die in einer Ehe passieren können. Meistens ist es im TV oder in Romanen so, dass spätestens mit der Hochzeit der Film bzw. das Buch endet, aber ich finde, dann beginnt doch erst der interessante Teil eines Lebens zu zweit. Von daher bin ich sehr dankbar, dass ein Teil von Dianas Büchern die Geschichte der Ehe zwischen Jamie und Claire ist und uns diese in allen Facetten zeigt, in guten und in schlechten Tagen, in Reichtum und Armut und in Gesundheit und Krankheit. Wir nehmen am Leben der beiden teil, bekommen mit, wie sie sich immer wieder durch das Leben und dessen Unwägbarkeiten kämpfen und gemeinsam ihre Ziele verfolgen.
Somit ist klar, dass der Fokus der 2. Staffel nicht mehr auf ihrer Beziehung an sich liegen kann, sondern wie Jamie und Claire ihren Weg als Paar in ihrer Welt meistern werden. Staffel 1 hat ganz klar bewiesen, wie sehr sie sich lieben und keinen Zweifel daran gelassen, dass sie füreinander bestimmt sind, dass sie Seelenverwandte sind. In Staffel 2 haben wir gesehen, dass es auch in den besten Ehen zu Spannungen, Missverständnissen und emotionalen Achterbahnfahrten kommen kann. Das, was Jamies und Claires Beziehung ausmacht und so einzigartig macht, ist, dass sie es immer und zu jeder Zeit schaffen, einen Weg zurück zueinander zu finden. Sie streiten und sind oft anderer Meinung, aber all das hat keinen Einfluss auf ihre Liebe zueinander. Wie Jamie einmal zu Claire sagte: „You dinna need to understand me, Sassenach, so long as ye love me.“ („Dragonfly in Amber“ Chapter „Prestonpans“ by Diana Gabaldon)Das ist eins der Dinge, die ich an der Buchserie so liebe und ich bin sehr dankbar, dass die Serie diesen Aspekt so wundervoll und einfühlsam in den beiden Staffeln gezeigt hat.                                                    Die Verbindung zwischen Jamie und Claire ist für mich in jeder Sekunde spürbar und nach ihrer Wiedervereinigung im „Daybed“ in Folge 204 konnte ihre Beziehung auch wieder auf dem Niveau anknüpfen, wo sie vor Wentworth war. In den ersten Folgen in Paris war die Nähe und Intimität zwischen Jamie und Claire selbstverständlich nicht zu spüren und ich hatte auch oft den Eindruck, insbesondere in Folge 203, dass sich die beiden immer mehr voneinander entfernen. Aber das alles ist kein schlechtes Skriptschreiben, sondern die Beziehung ist sehr realistisch dargestellt, denn nach Jamies Vergewaltigung und Folter durch BJR, ist eine Intimität zwischen ihm und Claire nicht möglich, bis zu dem Punkt, an dem ihm durch BJR Überleben eine Möglichkeit gegeben wird, mit seinem Trauma zu leben. Danach sehen wir diese vielen kleinen zärtlichen Momente zwischen Jamie und Claire zur Genüge, meistens nur durch Gesten, Berührungen, Umarmungen und Blicke. Manchmal muss man schon genau hinschauen, um diese besonderen Momente zu erkennen, wie zum Beispiel die Szene mit den Apostel-Löffeln oder in Folge 209, wie Jamie Claire beschützend in den Arm nimmt, als Rupert und Angus von Willies „Schicksal“ erzählen wollen und er mit schlechten Nachrichten rechnet oder wie sie sich am Grab von Faith an den Händen halten, um sich Kraft zu geben oder wie sie sich oft in Folge 210 immer kurz berühren, wenn sie zusammen sind oder Jamies gälisches Gebet für Claire, etc. Die Intimität und ihre unsterbliche Liebe zueinander finden wir nicht ausschließlich in ihrem Ehebett, sondern in ihnen selbst, in ihren Seelen und in allen Momenten, die sie teilen, sowohl die Guten als auch die Schlechten. Ich bin der Meinung, dass auch in den Büchern die Intimität und besondere Verbindung zwischen Jamie und Claire nicht der Sex an sich ist, sondern mehr Jamies Worte, Claires Gedanken und ihre Art und Weise miteinander nonverbal zu kommunizieren.                                                                                                                             Sam Heughan und Caitriona Balfe haben es für mich geschafft, diese einzigartige Beziehung und Verbindung von Jamie und Claire auf den Bildschirm zu transportieren und die Frasers als ein Team zu zeigen, dass sich ihre Beziehung und ihr oftmals nur kurzes Glück hart erarbeitet hat. Jamie und Claire ertragen und tragen ihre Schicksalsschläge gemeinsam und gehen jedes Mal gestärkter daraus hervor. Egal was kommt, sie haben immer zusammen bis zum bitteren Ende für ihre Liebe, ihr Glück und ihr gemeinsames Leben gekämpft.

Ich denke, dass nach dem Staffelfinale und dem herzergreifenden Abschied von Jamie und Claire am Craigh na Dun sich niemand unter den NBL mehr die Frage stellt, warum Claire in Folge 201 so sehr um Jamie trauert und nicht einfach mit Frank dort weitermacht, wo sie vor ihrer Reise durch die Steine aufgehört hat.                                                                                   Ich habe immer noch Claires verzweifelten Schrei am Craigh na Dun aus Folge 201 im Ohr, sehe immer noch Jamies gebrochenen Gesichtsausdruck aus Folge 213 vor mir und bin emotional immer noch in Claires erfolglose Versuche, Jamie auch nach zwanzig Jahren immer noch nicht gehen lassen zu können, involviert und könnte bei den Gedanken daran, wie sehr beide unter dieser Trennung leiden, immer noch ein paar Tränen vergießen. Wäre es nicht toll gewesen, mehr von diesen kleinen stillen Momenten zu sehen oder einfach nur mal Jamie und Claire sehen zu können, wie sie nichts anderes machen, als ihre Gegenwart zu genießen? Absolut, aber diese Staffel, mit all den politischen Intrigen, kriegerischen Strategien und der außerordentlichen komplexen Story, hat leider keine Zeit für solche Dinge oder für eine Folge, wie die Folge 107, die Hochzeitsfolge, gelassen.
Von diesen vielen kleinen Momente oder Jamies wundervollen Worte, die viele der BL in dieser Staffel vermisst haben, waren zumindest einige in den Skripts, wenn man sich diese auf der Seite https://www.outlandercommunity.com/ anschaut. Ich gehe davon aus, dass sie auch gefilmt wurden und leider im Schneideraum der zeitlichen Beschränkung der jeweiligen Folge zum Opfer gefallen sind. Für Staffel 3 und 4 wünsche ich mir, dass die Story an sich mehr Raum für diese kleinen Momente lässt, als Staffel 2.

Fast jede Sekunde der Serie war für mich ein außerordentliches Vergnügen, so viele großartige, außergewöhnliche, atemberaubende und brillante Schauspieler und was für ein tolles Casting.
Mittlerweile fällt es mir schwer, wenn ich die Bücher lese, meine eigenen Buchcharaktere zu sehen, so sind zum Beispiel mein Buch-Jamie und mein Buch-Murtagh komplett aus meiner Fantasie verschwunden. Was ich noch erstaunlicher finde, ist, dass ich beim Lesen die Buchcharaktere mit ihrer Serienstimme reden höre.
Alle Schauspieler, angefangenen bei den Hauptdarstellern über die Nebendarsteller zu denen mit eher kleineren Rollen, haben zu jeder Zeit immer tausend Prozent gegeben. Was ich am meisten bewundere, wie insbesondere Sam und Cait in der Lage sind, ohne ein Wort, nur durch einen Blick, einen Gesichtszug, einem Schlucken oder durch Körpersprache eine ganze Palette an Emotionen zu beschreiben und nur durch Mimik und Gestik ganze Geschichten zu erzählen. Ganz besonders ist mir das in der Folge 211, in der Verabschiedungsszene von Jamie und Claire vor der Schlacht von Prestonpans, aufgefallen. In meiner Review zur dieser Folge habe ich hierzu folgendes geschrieben: „Auch zwischen Jamie und Claire sind es nicht die großen Worte und Gesten, sondern es sind die kleinen Momente, die ihren Abschied und ihr Wiedersehen so bewegend machen. Caitriona Balfe und Sam Heughan sind in ihren gemeinsamen Szenen mal wieder unglaublich gut und man kann förmlich die Verbindung, die sie zwischen Jamie und Claire darstellen, spüren. Ich glaube auch, dass die beiden eine ganze Folge ohne ein Wort, nur mit Mimik, Gestik und Körpersprache spielen könnten und wir würden trotzdem alle wissen, was inhaltlich passiert, denn sie sind einfach unbeschreiblich toll darin, sich ohne Worte auszudrücken.“

Als besonders herausragend habe ich Tobias Menzies in Folge 201, in seiner Rolle als Frank, empfunden, sowie Cait in Folge 207 mit ihrer brillanten Leistung, eine Mutter darzustellen, die gerade ihr Kind verloren hat und Sam in Folge 209, als er Jamie interpretiert, der seine ihm angeborene Rolle als Anführer seiner Männer übernimmt. Ich glaube, er hat in dieser Folge Buch-Jamie förmlich in sich aufgesogen. Als letztes möchte ich auch die unglaubliche Leistung von Sam und Cait als Jamie und Claire in der letzten Folge, ganz besonders in der Szene am Craigh na Dun, nicht unerwähnt lassen. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Schauspielkunst.

Ich bin der Meinung, dass es wirklich eine Schande ist, dass keiner der Schauspieler dieses Jahr bei den Emmy Nominierungen bedacht wurde. Wenigstens sind Terry für das Kostümdesign und Gary für das Setdesign nominiert worden. Daumen drücken, dass es nicht nur bei der Nominierung bleibt!
Aber es werden mit Staffel 3 und 4 noch viele Gelegenheiten kommen, dass die Kritiker Outlander auf den Radar bekommen und vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit den Golden Globes
Für mich ist Outlander die mutigste, modernste und beste Serie, die es zur Zeit im TV unter dem üblichen Einheitsbrei gibt.Ich hoffe, dass es Outlander nach dieser Staffel geschafft hat, das Romantische-Liebe-in-den-Highlands-Image abzulegen und für das, was es wirklich ist, wahrgenommen wird. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Zuschauer oder Kritiker, die Wentworth, Faith oder die Schlacht von Prestonpans gesehen haben, Outlander als romantische Serie bezeichnen werden. Sicherlich steht die Beziehung von Jamie und Claire als zentrales Thema über allem, aber diese Serie ist so viel mehr. Sie erzählt in vielen Facetten die Geschichte von Mut, Freundschaft, Treue, Vertrauen und Hingebung, aber auch von Trauer, Schmerz, Verletztheit und Leid in allen Lebensbereichen und letztendlich die Geschichte einer Ehe.

Ich kann abschließend nur noch eins sagen: Gratulation an die Serienverantwortlichen und Schauspieler und alle, die in irgendeiner Form an den beiden ersten Staffeln beteiligt waren. Sie haben in meinen Augen ihr Wort an uns Fans gehalten und eine großartige Story noch besser gemacht.

@ Yvonne Pirch 04.09.2016