Review 311: Uncharted (Die Zuflucht)

Episode 311
Uncharted
(Die Zuflucht)

Drehbuch: Karen Campbell und Shannon Goss
Regie: Charlotte Brändström

„This must be what it’s like making love in hell.
With a burning she-devil.“
(Jamie Fraser)


ACHTUNG:
Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana G
abaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Das Drehbuch zu dieser Folge wurde gemeinsam von zwei der neuen Drehhbuchautoren geschrieben und als ich im Vorfeld gelesen habe, dass Karen Campbell eine dieser beiden Autoren ist, war ich ein bisschen besorgt, ob ihr es diesmal gelingen wird, die Buchcharaktere besser zu treffen, als in ihrem Drehbuch-Debüt “Creme de Menthe”, in dem sowohl Jamie als auch Claire in ihren Verhaltensweisen erheblich von ihren Buchvorlagen abweichen. Aber meine Sorge war unbegründet, denn meiner Meinung nach haben sowohl Karen Campbell als auch Shannon Goss einen guten Job gemacht, da Jamie und Claire sehr buchgetreu dargestellt sind. Claire wird als eine mutige, starke und kluge Frau gezeigt, die besonders in den Situationen, in denen es darum geht, in der karibischen Wildnis zu überleben, sehr einfallsreich ist und sie geht dabei bis an ihre körperliche Belastbarkeit und noch darüber hinaus. Im Umgang mit Father Fogden und Mamacita ist sie sehr umsichtig, vorausschauend, aber auch skeptisch und unbeugsam. Sie beharrt trotz Widerstand auf ihrem Vorhaben, vor Jamie Jamaika zu erreichen, um ihn warnen zu können, aber sie ist dabei trotzdem diplomatisch und geht mit viel Empathie vor. An den Stellen, wo es sein muss, ist Claire starrsinnig und unnachgiebig, aber auf der anderen Seite erlaubt sie sich verletzlich zu sein und zeigt sich sehr mitfühlend. So wie Luke Shelhaas es bereits letzte Woche vorgelebt hat, beweisen Karen Campbell und Shannon Goss auch in dieser Folge, dass man eine starke, mutige und manchmal auch dickköpfige Claire so darstellen kann, dass sie so ist, wie sie auf mich in dieser Folge gewirkt hat und dabei weder zickig noch herrisch wirkt. Die Claire aus dieser Folge ist die Claire, die ich aus den Büchern kenne und die mit ihrem Buchcharakter völlig konform geht. Auch Jamie ist in dieser Folge wieder Herr seiner Sinne und scheint seine Verzweiflung der letzten Woche überwunden zu haben und mit etwas mehr Verstand und Weitsicht an die Suche nach Claire heranzugehen. Besonders in der Szene am Strand zeigt sich wieder, über welche Führungsqualitäten er verfügt und dass ihm alle Anwesend blind folgen würden. TV-Jamie aus dieser Folge kommt meinem JAMMF aus dem Buch sehr nahe und ich wünsche mir sehr, dass die Drehbuchautoren sowohl Claire als auch Jamie langfristig so zeigen könnten, wie sie es in dieser Folge gemacht haben. Auch die für uns Fans besonders wichtigen Szenen aus dem Buch, wie die Hochzeit von Fergus und Marsali und die Turtle Soup, sind sehr buchnah verfilmt und mit vielen Buchdialogen umgesetzt worden.
Wie bereits in vielen Folgen dieser Staffel haben es die Drehbuchautoren geschafft, die Handlung des Buches auf seine Kerninhalte zu reduzieren und uns trotzdem eine flüssig erzählte und spannende Story zu liefern, ohne dass wir Zuschauer das Gefühl haben, dass etwas fehlt oder die Zusammenhänge unklar sind. Für alle Buch-Leser, die es interessiert, folgt hier eine kurze Zusammenfassung, was alles aus “Ferne Ufer” weggelassen bzw. rearrangiert wurde: Die Handlung um Claire ist fast genauso wie im Buch, mit dem Unterschied, dass sie im Buch auf Hispaniola und nicht auf Saint-Domingue strandet und nicht durch einen Urwald, sondern durch einen Mangrovenwald irrt und dass sie erst auf den Naturphilosophen Lawrence Stern trifft, der sie zu Father Fogden bringt und dass ihr Stern von der Höhle Abandawe erzählt. Im Buch gelangt Jamie zur Porpoise, geht dort heimlich an Bord, um Claire zu suchen und trifft auf Tompkins, der ihn darüber informiert, dass Claire über Bord gesprungen ist. Dann wird er niedergeschlagen und von Captain Leonard eingesperrt und die Porpoise gerät in einen schweren Sturm. Annejke befreit Jamie, dieser springt über Bord und durch den Sturm wird er, genau wie Claire, irgendwo auf der Insel Hispaniola angespült und erfährt, dass die Bruja auf dem Weg nach Bridgetown ist. Claire findet am Strand die, durch den Sturm stark beschädigte, Artemis samt Crew und Fergus, Marsali und Mr. Willoughby und sie beginnen mit der Reparatur des Schiffes, damit sie schnellstmöglich Jamaika erreichen können. Durch das Gabaldonsiche Zufallsprinzip wird Jamie zum Hauptmann Alessandro der Garnison in Cap-Haiten ernannt und kommt ebenfalls zum Strand, an der die gestrandete Artemis liegt. Mit Fergus Hilfe überlistet er die Soldaten der Garnison und so sind am Ende alle wieder vereint. Fergus und Marsali werden von Father Fogden am Strand getraut und dann setzt die Artemis Segel in Richtung Bridgetown, um Young Ian zu finden. Im Buch kommt Claire erst wesentlich später zu ihrer klaffenden Fleischwunde und auch die Turtle Soup verspeist sie nicht sofort nach der Hochzeit von Fergus und Marsali, denn erst besuchen Jamie und Claire einen Sklavenmarkt in Bridgetown, auf dem er notgedrungen einen Sklaven kaufen muss, dann segelt die Artemis weiter nach Jamaika, weil sie dort Young Ian vermuten und erst auf dem Weg dorthin passiert die Piratenattacke, die Claire die klaffende Fleischwunde am Unterarm beschert. Soweit die Handlung aus “Ferne Ufer”.
Wenn ich ehrlich bin, haben mich die Änderungen der Handlung oder der Zeitschiene, die die Serienverantwortlichen in dieser Folge vorgenommen haben, nicht gestört, denn es ist eigentlich egal, ob Jamie und Claire auf Hispaniola oder Saint-Domingue stranden, solange sie sich am Ende, durch den auch in der Serie herrschenden Gabadolnischen-Zufall, wiederfinden und Father Fogden Fergus und Marsali traut, ob nun am Strand oder auf der Hacienda de la Fuente. Auch spielt es in meinen Augen keine Rolle, ob nun Lawrence Stern oder Father Fogden Claire über Adandawe aufklärt und ob Stern oder Mr. Willoughby die Schildkrötensuppe kocht, denn beide Male ist das Ergebnis gleich. Zu Stern hat Maril übrigens im Podcast gesagt, dass sie versucht haben, diesen Charakter irgendwo in dieser Folge einzubauen, aber dass er dann der dritte unbekannte Charakter gewesen wäre, der das erste Mal in dieser Serie auftaucht und dass es einfach keinen Raum und keine Sendezeit gegeben hat, um drei Charaktere in einer einzigen Episode vorzustellen, zu zeigen und zu entwickeln. Ich bin ehrlich gesagt sehr dankbar, dass die Serienmacher sich gegen den Plot Jamie alias Hauptmann Alessandro entschieden haben, denn diese Handlung ist mir im Buch immer zu zufällig und verursacht eher mehrere Augenrollen als Begeisterungsstürme. Alle die, die bereits den Trailer für Folge 312 gesehen haben, wissen, dass die aus dem Buch ausgelassene Szenen auf dem Sklavenmarkt wohl nächste Woche gezeigt werden und uns auch der Gouverneursball und ein Wiedersehen mit Captain Leonard bevorsteht und ich hoffe sehr (und drücke alle Daumen, die ich habe), dass wir endlich LJ wiedersehen werden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Karen Campbell und Shannon Goss und alle, die im Writer`s Room an der Entstehung dieses Drehbuchs beteiligt waren, meiner Meinung nach alles richtig gemacht haben, denn es ist wirklich eine sehr gute Episode, die alles hat, was sie haben muss: Spannung, Abenteuer, Romantik, Liebe, Herzschmerz, Humor und Sinnlichkeit (oder sollte ich lieber alkoholisierte Wolllust schreiben?). Das Einzige, was mir ein bisschen undurchdacht daherkommt, sind die Zeitschienen, die Claire auf ihrem Weg Richtung Strand und Jamies Aktivitäten an demselbigen zeigen. Ich weiß, dass es mit einem visuellen Medium ohne permanente Zeiteinblendungen nicht einfach ist, zu zeigen, dass beide Szenen in einem anderen Tempo ablaufen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Claire so lange über die Insel rennt, wie Jamie und seine Männer brauchen, um den Hauptmast erstens zu reparieren, zweitens vom Strand auf die Artemis zu befördern, drittens diesen dort wieder aufzustellen und ihn viertens wieder mit seinen Segeln zu bespannen. Ich denke, dass diese Arbeiten mindestens einen halben, wenn nicht sogar einen ganzen Tag in Anspruch nehmen würden und so kann es nur möglich sein, dass Claire losrennt, wenn Jamie und die Schiffscrew schon lange mit der Reparatur des Mastes fertig sind. Aber da durch die Erzählweise der Eindruck entsteht, dass beide Handlungen parallel ablaufen, hätte ich mir eine etwas elegantere Lösung für dieses Zeitproblem gewünscht.

Wie Ihr wisst, bin ich ja immer sehr an Hintergrundinformationen interessiert und von daher habe ich auch diese Woche wieder das Drehbuch zu Folge 311 gelesen und dabei einige sehr interessante Entdeckungen gemacht. Es gibt im Drehbuch eine Szene, die es nicht in diese Folge geschafft hat und da muss ich ausnahmsweise einmal Gott sei Dank sagen, denn sie ist so unrealistisch und meiner Meinung nach an den Haaren herbeigezogen, dass ich froh bin, sie nicht sehen zu müssen. Claire trifft auf ihrem Weg von der Hacienda zum Strand auf einen Mann, der sie bedroht, sie verfolgt und sie am Arm verletzt und den sie dann letztendlich in den Treibsand schubst und der dann untergeht. Glücklicherweise hatte irgendwer ein Einsehen und hat diese ganze Szene, wenn sie denn gedreht wurde, geschnitten, so dass Claires Fleischwunde jetzt von einem Ast herrührt. Auch hätte die Folge nicht mit Mr. Willoughbys wissendem Lächeln enden sollen, denn die letzte Sequenz in dieser Episode hätte, laut Drehbuch, am nächsten Morgen an Deck gespielt, wenn Jamie und Claire, die einen furchtbaren Kater hat, dort stehen und sie sich unmittelbar vor der Einfahrt in den Hafen von Kingston befinden. Hier bin ich auch froh, dass diese Szene geschnitten wurde, denn in meinen Augen ist die Entscheidung der Serienverantwortlichen, diese Episode ohne großen Cliffhanger zu beenden, sondern sie einfach nur mit dieser wundervollen Szene zwischen Jamie und Claire auszublenden, großartig und genau passend, denn sie lässt uns Zuschauer in diesem berauschten Stadium der Glückseligkeit, in dem sich auch Jamie und Claire befinden, zurück und wir müssen nicht schon wieder um unsere Protagonisten bangen.
Im Podcast hat Toni gesagt, dass der ursprüngliche Titel dieser Folge “Turtle Soup” gewesen ist aber dass sie sich dann entscheiden haben, die Episode “Uncharted” zu nennen, da “Turtle Soup” zu spolersich gewesen wäre. Etwas, das mir zwar logisch erscheint, aber trotzdem war meiner Meinung nach die Änderung des Titels unnötig, weil erstens der ursprüngliche Name dieser Episode irgendwann im Laufe diesen Jahres schon veröffentlicht worden ist und zweitens mit der schwimmenden Schildkröte als Title Card eh jedem Buch-Leser klar ist, warum ausgerechnet eine Schildkröte am Anfang der Folge gezeigt wird.
Wusstet Ihr übrigens, dass es am Set ein Green Departement gibt, dass für alle Pflanzen verantwortlich ist und dass dessen Mitarbeiter einen Teil des Urwalds, durch den Claire irrt, gebaut haben? Auch die Schlange, die Claire in dieser Folge über den Oberkörper kriecht, ist echt und nicht CGI animiert und laut Toni hat Cait der Dreh wohl sehr viel Spaß gemacht.
Meiner Meinung nach hat sich das Make-Up-Departement in dieser Folge wirklich selbst übertroffen, denn gerade an Claires ändernden Teint sieht man, was für talentierte Menschen dort arbeiten. Ich bewundere es, wie sie es so naturgetreu schaffen, alle Stadien eines Sonnebrandes auf Caits Gesicht zu zaubern (ja, es hat schon etwas magisches an sich) ohne dass es übertrieben oder unrealistisch wirkt. Auch war ich von den Ameisenbissen und hässlichen Pusteln auf Claires Beinen wirklich sehr angetan. Und nicht nur das Green-Department, das MakeUp-Department und auch alle anderen Abteilungen, die an der Produktion beteiligt sind, haben diese Woche wieder einmal ihr ganzes Können gezeigt, sondern ich bin erneut von der Arbeit von Gary Steele und seinen Mitarbeitern mehr als begeistert. Ich bewundere sie dafür, dass sie, für die Dauer von einer knappen halben Folge, mit der Hacienda von Father Fogden, ein Set kreiert haben, dass bis ins allerkleinste Detail durchdacht ist. Mich macht diese Hingabe und die Liebe, die in diesem Projekt steckt, wieder einmal sprachlos, so wie es mich auch Jamies Druckerei gemacht hat. Hier findet Ihr tolle Bilder der Hacienda de la Fuente: Bild 1 und Bild 2
Zu Father Fogdens Ziegen hat Toni im Podcast eine nette Anekdote erzählt: Matt, der sich zum Zeitpunkt der Produktion dieser Folge vor Ort in Cape Town befunden hat, hat Toni in den Staaten angerufen und ihr gesagt, dass es in Südafrika nur wenig Schafe für die Hacienda de la Fuente geben würde, aber dass sie Ziegen in Hülle und Fülle hätten. Matt wollte daher die Schafe aus dem Buch gegen Ziegen tauschen, aber Toni war von der Idee erst nicht begeistert, weil sie der Meinung war, dass es die Fans merken werden. Aber Matt hat gesagt, dass es keinem auffallen wird und so hat sich Toni schließlich breitschlagen lassen und die Schafe wurden in der Serie gegen Ziegen getauscht. Mal Hand aufs Herz, wer von Euch hätte es bemerkt, wenn er es nicht gerade hier gelesen hätte?

Die Folge beginnt mit Claire, die immer noch auf ihrem kleinen Floss im Ozean treibt und das schon seit einiger Zeit, denn mittlerweile ist es nicht mehr Nacht, so wie am Ende der letzten Folge, sondern helllichter Tag. Ich mag die Art und Weise sehr, wie diese Sequenz gefilmt wurde und wie wir Claire halb über und halb unter Wasser sehen können. Sie wird an einem einsamen Strand angespült, krabbelt aus dem Meer, geht ein Stückchen den Strand in Richtung Landesinnere hoch und trocknet als erstes ihre nasse Kleidung und Schuhe. Ich liebe die Kameraeinstellung, wenn sie in der nächsten Szene, während ihres VoiceOvers, nur mit ihrem Unterkleid bekleidet, im Sand sitzt und auf das Meer hinaussieht. Diese Kameraeinstellung hat etwas so mächtiges und verzweifeltes an sich, dass ich davon sehr beeindruckt bin, denn normalerweise genieße ich es sehr, am Strand zu sitzen und auf das weite Meer zu gucken, aber in diesem Moment löst diese unendliche Weite des Ozeans und der einsame Strand mehr Beklemmungen als Glücksgefühle in mir aus, denn Jamie kann überall und nirgends dort draußen auf dem Meer sein und Claire weiß nicht einmal, ob die Insel, auf der sie gestrandet ist, bewohnt ist und ob sie jemals wieder von ihr wegkommt. Terry hat während der letzten Staffel gesagt, dass es die Aufgabe des Costum Departements ist, die Charaktere nicht nur anzukleiden, sondern, dass die Kostüme die Gefühle und die Situationen, in denen sich der Charakter befindet, unterstreichen und begleiten sollen. Und genau das ist ihrem Team wieder einmal in dieser Szene gelungen, wenn Claire in ihrem Unterhemd am Strand sitzt und ihre augenblickliche Lage und ihre Erfolgsaussichten abschätzt. So wie sie nur das Hemd an ihrem Körper trägt, befindet sich Claire in einer Situation, wo es ums nackte Überleben geht und sie für Jamie ihr letztes Hemd gegeben hat (nettes Wortspiel, oder?).
in der nächsten Einstellung begibt sich Claire auf ihre lange und beschwerliche Suche durch den Urwald, in der Hoffnung, irgendwo auf der Insel eine Stadt oder überhaupt Zivilisation zu finden. Für mich waren diese ersten dreizehn Minuten Sendezeit (die Opening Credits nicht eingerechnet) genau richtig und ich finde es sehr beeindruckend, dass diese Szenen, obwohl Claire bis auf zwei kurze VoiceOver nichts sagt und wir nur den “Sound” des Dschungels und Claires Atemgeräusche hören, nicht langatmig wirkt, sondern sehr gut den Eindruck vermittelt, von dem, was Claire gerade durchmachen muss. Mich erinnern diese ersten Minuten sehr an Folge 301, in der, in der ersten Viertelstunde Sendezeit, Jamies wortloser Überlebenskampf auf dem Schlachtfeld von Culloden gezeigt wird. Mir hat es sehr gut gefallen, die Dinge, die Claire im Urwald widerfahren, mitzuerleben und es zeigt uns Zuschauern klar und deutlich, dass sie sich aufgrund ihrer Kindheit bei Onkel Lamb sehr gut anpassen kann, dass sie einige lebensrettenden Fertigkeiten hat, dass sie über einen starken und unbeugsamen Willen verfügt und dass sie immer wieder über sich hinauswächst und bis zur vollständigen Erschöpfung weiterkämpft. Wenn Claire sich ihren Sonnenunterstand baut, um einen kleine Pause einzulegen und Jamies Ring ansieht und diesen anfasst, um vielleicht eine Verbindung zu ihm herzustellen, dann berührt mich das sehr, insbesondere, da die Kamera danach in eine Totale fährt und uns den Urwald aus der Vogelperspektive zeigt und wir Zuschauer sehen können, wie groß dieses Terrain ist und wie unwahrscheinlich es ist, dass Claire Hilfe finden wird. Im Drehbuch gibt es eine weitere Szene, in der Claire Kraft aus ihrer Liebe zu Jamie schöpft, die aber leider den Schneideraum nicht überstanden hat. Wenn Claire im späteren Verlauf durch den Urwald irrt, stolpert, stürzt und nicht mehr die Kraft hat aufzustehen, sagt sie Jamies Namen und der Gedanke an ihn, gibt ihr den Willen, sich zu erheben und weiterzugehen. Es ist zwar nur eine kleine Sequenz, aber sie ist in meinen Augen sehr wichtig, da sie zeigt, dass Jamie der einzige Mensch auf der Welt ist, der diese Macht über sie hat und ihr die Kraft geben kann, über sich hinauszuwachsen und Dinge zu bewirken, die eigentlich unmöglich sind. Bereits in Staffel 2 hat sie der Gedanke an Jamie weiterleben lassen, denn als sie nach der Totgeburt von Faith fast gestorben wäre, hat Master Raymond sie Jamies Namen rufen lassen und der Gedanke und ihre Liebe zu ihm waren das, was sie letztendlich ins Leben zurückgeholt haben. Daher hätte ich gerne den oben erwähnten Mini-Moment gesehen.
Cait hat in diesen Szenen großartig und überzeugend gespielt und die Tatsache, dass sie alleine, ohne Gegenpart agieren musste, macht in meinen Augen ihre Leistung noch lobenswerter. Mich stört es nicht im Geringsten, dass wir nicht noch öfter in diesen ersten Minuten Claires Gedanken hören können, denn Cait zeigt uns all das, was wir an Informationen über Claires Gemütszustand brauchen und am Schluss, wenn sie das Skelett sieht, wird ganz deutlich, dass sie die pure Verzweiflung und Angst, auch so zu enden, fast zu überwältigen droht. In dem Moment, in dem ich das Gefühl habe, dass Claire jetzt lange genug durch den Dschungel geirrt ist, trifft sie auf Father Fogden und ich muss hier den Produzenten im Schneideraum ein großes Lob aussprechen, denn meines Erachtens haben sie Claires Suche nach Zivilisation genau im richtigen Moment beendet.

Wie bereits in der letzten Woche beweist das Casting Departement wieder einmal, dass dessen Mitarbeiter bis jetzt für alle Rollenbesetzungen immer das richtige Händchen bewiesen haben. Vivi Lepori als Mamacita ist wundervoll und sie kommt in ihrem Aussehen und Verhalten meiner Buch-Mamacita schon sehr nahe. Auch Father Fogden ist ein großartig geschriebener Nebencharakter, der wundervoll von Nick Fletcher interpretiert wird. Er schafft es zu jeder Zeit, sich auf dem schmalen Grad von Father Fogdens mentalen Zustand sicher und charaktertreu zu bewegen und ich mag es sehr, dass er uns immer in diesem wagen Zustand lässt, ob Father Fogden nun ein Kandidat für einen Heiligenschein oder für das Irrenhaus ist. Wenn er das erste Mal mit Coco spricht, dann ist es so unbeschreiblich witzig und ich bin sehr froh, endlich einmal wieder bei Outlander lachen zu können. Auch die Szene, in der Claire mit Coco spricht, ist einfach grandios und ich frage mich, wer bei Coco noch alles an Wilson von “Cast Away” gedacht hat.
Besonders gut hat mir die Konversation zwischen Father Fogden und Claire gefallen, in der sie über Ermenegilda sprechen und wie es ist, den einen Menschen zu verlieren. Claire kann Mamacitas Gefühle, über den Verlust ihrer Tochter sehr gut nachempfinden und Father Fogdens Aussage “The agony of losing a daughter haunts her still.“ trifft bei ihr auf Verständnis, weil Claire weiß, wie es sich anfühlt, eine Tochter für immer zu verlieren. Wenn Father Fogden zu ihr „You have loved someone so much that you would risk everything for them.“ sagt, kann er (und auch wir) sehen, wie sehr sich die beiden in ihrer Liebe zu ihren Partnern ähneln. Claire hat bereits zweimal alles für ihre wahre Liebe riskiert, einmal, als sie durch die Steine zu Jamie zurückgegangen ist und ihre Tochter für immer verlassen hat und dann noch einmal, als sie von Bord der Porpoise in den großen weiten Ozean gesprungen ist und ihr Leben in Gefahr gebracht hat und sie würde es jederzeit wieder tun. Wenn Claire mit Father Fogden ihre Angst um Jamie teilt, steigen ihr bei ihren Worten And if I don’t make it to Jamaica I could lose him forever.” Tränen in die Augen, denn allein der Gedanke, Jamie noch einmal zu verlieren und diesmal wirklich für immer, ist mehr als Claire ertragen kann und das Jamie & Claire Theme untermalt diese emotionale Szene wunderbar. Claires Liebe zu Jamies ist schließlich der Schlüssel, mit dem sie Father Fogden erreichen kann und so verspricht er ihr, dass er ihr helfen wird, ihren Mann zu finden, vorausgesetzt Coco stimmt dem Vorhaben zu. Claires Reaktion auf Father Fogden, der sich von einer Sekunde von einem Mann, der die Macht der ewigen Liebe versteht, in jemanden verwandelt, der sich Ratschläge bei einer Kokosnuss holt, ist großartig von Cait gespielt und auch Nick Fletcher wird der schauspielerischen Herausforderung seines Charakters hundertprozentig gerecht.
Ich mag es, wie Father Fogden Arabella betrauert, so als wäre sie ein enges Mitglied der Familie. Wenn er ihren Schädel den Käfern “zum Fraß” vorwirft und Claire gegenüber erwähnt, dass er diese aus einer Höhle namens Abandawe hat, da weiß ich, dass wir keinen Lawrence Stern brauchen, damit Jamie und Claire die Höhle finden können, denn Father Fogden erzählt Claire alles, was er über diesen Ort weiß: “They’re from a sacred cave called Abandawe. It is hallowed to the natives of Jamaica. A place of great power. It is said that people disappear there.” Ich bin wirklich gespannt, wie sich die weitere Handlung in Bezug auf Abandawe in den nächsten beiden Folgen fortsetzen wird und wie die Serienmacher den Plot aus dem Buch umsetzen werden und vor allem, wie diese Höhle laut Aussage von Margaret Campbell Claire verschlingen wird. Ich hätte da so ein bis fünf Theorien, Ihr auch? Als Father Fogden den “Chinaman” erwähnt, der Arabella gegessen hat, ist Claire mehr als alarmiert und hat plötzlich eine Millionen Fragen, die Father Fogden in seiner Trauer um seine geliebte Ziege nicht hört. Gott sei Dank zeigt Mamacita Erbarmen und sagt Claire, wo sie das Schiff und die Crew finden kann und Claire rennt los, als ob es um Leben und Tod geht, was ja auch der Fall ist.

Obwohl ich Claires Aufenthalt auf der Hacienda de la Fuente sehr genossen habe, hätte ich auf der anderen Seite auch gerne gesehen, wie das Unglück auf der Artemis passiert ist, das Captain Raines, Murphy und Warren das Leben gekostet hat. Wenn Claire den Strand erreicht und feststellen muss, dass dieser menschenleer ist und sich die Männer bereits alle wieder auf dem Schiff befinden, versetzt es mir einen leichten Schock und ich kann nicht glauben, dass sie Jamie verpasst hat. Ich weiß ja, dass sie irgendwie zueinander finden müssen, denn Father Fogden muss doch Fergus und Marsali trauen, nur weiß ich für den Bruchteil einer Sekunde nicht wie. Aber glücklicherweise erweisen sich Claires kleptomanische Anwandlungen wieder einmal als sehr nützlich, denn mit dem Spiegel, den sie sich auf der Hacienda “geborgt” hat, kann sie Jamie auf der Artemis auf sich aufmerksam machen. Ich liebe es, wie er “Sassenach!” und dann “Claire!” ausruft, wenn er sie durch sein Fernglas erkennt und wie Claires Gesichtsausdruck am Strand von Verzweiflung in pure Erleichterung umschwenkt, wenn sie merkt, dass Jamie sie gesehen hat. Das Wiedersehen zwischen Jamie und Claire ist wunderschön und herzerweichend und Claires verbaler Ausdruck ihrer Erleichterung (es hört sich in etwa wie ein “Hach” an), wenn sie Jamie in den Armen hält, ist so real, dass ich ihre Erleichterung und unbeschreibliche Freude nachempfinden kann. Ich liebe das Jamie & Claire Theme, das sich langsam aufbaut, wenn Jamie und Claire aufeinander zulaufen und das seinen erleichterten Höhepunkt erreicht, wenn sich beide in die Arme fallen. Der Moment, wenn sie sich einfach nur festhalten, damit sie sicher sein können, dass der andere nicht wieder verschwindet, ist einfach wundervoll. Der anschließende Kuss und Jamies I feared I’d lost ye again.” macht diese Szene perfekt und ich muss gestehen, dass nicht nur Jamie und Claire ergriffen sind, sondern ich auch. Dieser Moment erweckt in mir ein so großes Gefühl von Zufriedenheit und Glückseligkeit  und ich denke, ich bin nicht die Einzige, die ein paar Tränchen verdrückt hat, denn ich weiß, dass sie ab jetzt niemals wieder getrennt werden. Naja, zumindest nicht in dieser und in der nächsten Staffel und wer weiß, ob wir jemals eine Staffel 6 oder 8 bekommen werden.
So wundervoll, rührend und herzerweichend
die Szene am Strand auch ist, wenn sich Claire und Jamie in die Arme laufen, erscheint sie mir leider etwas unrealistisch. Hätte Claire nicht schon weit im Vorfeld sehen müssen, wo Jamie mit seinem Boot an den Strand kommt, immerhin hat sie bestimmt viel Zeit ihm beim Übersetzen von der Artemis zu beobachten. Wäre es dann nicht logischer gewesen, wenn sie genau an der Stelle, an der das Boot an Land geht, auch wartet? Ich weiß, wenn sie diese Szene nach den Gesetzen der Logik gezeigt hätten, dann hätten Jamie und Claire sich nicht in die Arme laufen können. Aber das ist genau das, was die Serienmacher uns an dieser Stelle zeigen wollten und was ich als Zuschauer, nach all den Zweifeln, den Heimlichkeiten, dem Misstrauen, den großen und kleinen Katastrophen der vergangenen fünf Folgen auch unbedingt sehen musste und von daher verzichte ich gerne auf Logik und schmelze lieber vor Rührung dahin und wische mir mit Freude ein paar Tränchen der Rührung aus den Augenwinkeln, die mir viel lieber sind, als alle Vernunft der Welt.
Erwähnen möchte ich noch, dass ich Leslies Aussage “Mac Dubh’s wife turns up in the most unlikely of places….”! einfach Klasse finde.
In der Szene, in der Mr. Willougbhy Claires Wunde näht, hätte ich mir ein bisschen mehr Fürsorge von Jamies Seite gewünscht, zwar nicht in der Form, dass er panikartig, hyperventilierent und vor Kummer gegrämt Claires Kopf streichelt, aber dass er irgendwie mehr Mitgefühl mit seiner Sassenach zeigt. Wenn im Buch Mr. Willougbhy Claires Schnitt näht, sitzt Jamie neben ihr, hält ihr die Hand und spricht ihr Mut zu, in dem er ihr sagt, dass der erste Stich nicht mehr oder weniger schmerzen wird, wie all die anderen und das gibt Claire die Möglichkeit mit der Angst, die sie vor den Schmerzen hat, umzugehen. Und so etwas in der Art hätte ich auch gerne in der Serie gerne gesehen, denn irgendwie kommt mir Jamie zu teilnahmslos rüber.
Der Moment in dem Jamie Claire mit den Worten He loves her. As I do you, Sassenach.” erklärt, dass er Fergus und Marsali seinen Segen zu ihrer Hochzeit gegeben hat, ist wirklich ein wundervoller Augenblick. Zum einen, weil Jamies furchtbare Situation in der letzten Folge doch einen guten Zweck hatte, da er durch Fergus Taten verstanden hat, dass dieser Marsali aufrichtig liebt. Zum anderen, weil sein Blick, den er Claire zuwirft, wenn er das sagt, so voller Liebe ist und sie ihn mit der gleichen Hingabe anschaut und versteht, was er damit meint, dass ich fast dahin schmelze. Und diese kurze Sequenz beweist mir wieder einmal, dass es nicht immer die großen Szenen mit ihren großen Worten und Gesten sein müssen, die uns zeigen, wie tief die Liebe der beiden zueinander ist, sondern, dass es, wie auch schon in Staffel 2, oft die kleinen Augenblicke sind, die uns erkennen lassen, dass Jamie und Claire füreinander bestimmt sind. Dieses macht ihre Liebe und ihr Zusammensein in meinen Augen realistischer und nachfühlbarer, denn ich glaube, dass keiner von uns jeden Tag mit seinem Partner die großen, emotionalen Highlights und romantischen Sonnenuntergänge erlebt, sondern dass die Wahrheit und der Beweis einer wahren Liebe in den kleinen Dingen des Alltags stecken, etwas, das, wie auch in der Serie, leicht übersehen werden kann. Aber wenn jeder von uns ein klein wenig mehr darauf achtet, dann können solche, auf den ersten Blick vielleicht unscheinbaren Gesten und Blicke, zu einem großen emotionalen Highlight werden.

Die Szene zwischen Mr.Willoughby und Father Fogden ist großartig und sowohl Gary Young als auch Nick Fletcher überzeugen in ihren Rollen und obwohl es diesen Moment nicht im Buch gibt, macht es Spaß ihn zu sehen und Mr. Willoughbys unbeholfene und unsichere Art macht sie zu einen meiner Lieblingsmomenten in dieser Folge. Auch finde ich es sehr schön, dass die Serienverantwortlichen in dieser Sequenz das Thema Fremdsein aufgreifen und dass dieses Fremdsein der Moment ist, in dem Father Fogden Verständnis für Mr. Willoughby zeigt und ihm schließlich verzeiht, dass er Arabella gegessen hat, denn Father Fogden sagt: There was a time when I was a stranger in a strange land, much like you are now.”
Auch Marsali beeindruckt mich in dieser Folge und besonders in der Szene, die ich ja in Episode 309 vermisst habe. Sie bittet Claire um Hilfe, damit sie nicht direkt schwanger wird und sie holt sich Ratschläge ein, wie das erst Mal für sie sein könnte. Was mir besonders aufgefallen ist, ist, dass Marsali Claire zu Beginn des Gesprächs nicht in die Augen sehen kann und ich frage mich, ob sie vielleicht doch ein schlechtes Gewissen hat, dass sie Claire so beschimpft und sie so abfällig behandelt hat. Marsali hat gesehen, dass die Beziehung von Jamie und Claire anders ist, als das, was sie vorher als Maßstab gekannt hat, denn ihre Mutter Laoghaire war mit ihren beiden Männern, mit denen sie vor Jamie verheiratet war, niemals wirklich glücklich und auch zwischen Jamie und ihr war es kein Leben auf Rosenblättern. Marsali hat durch Jamie und Claire den Unterschied zwischen einer Vernunft- bzw. Versorgungsehe und einer Ehe basierend auf wahrer Liebe gesehen und erkannt, dass Claire ihre vermeintlich glückliche Familie nicht zerstört hat, denn es hat sie niemals wirklich gegeben. Mit ihrem Wunsch, dass ihre Ehe mit Fergus genauso werden soll, wie die zwischen Jamie und Claire macht sie Claire sehr glücklich und auch stolz. Der Moment, in der Marsali mit ihren Worten Maybe you’re no the devil after all.” Claire die Hand zur Versöhnung reicht und sie Claire das erste Mal Respekt und Achtung entgegenbringt, ist wirklich schön, denn ab da begegnen sich beide Frauen auf Augenhöhe und Marsali kann fortan Claire wortwörtlich in die Augen sehen.

Die Hochzeit von Fergus und Marsali ist eine der wundervollsten, niedlichsten, witzigsten und ungewöhnlichsten Hochzeiten, die ich jemals gesehen habe und der Dialog ist fast über die ganze Szene hinweg eins zu eins aus dem Buch übernommen, denn niemand außer Herself könnte diesen, für uns Fans und auch für Fergus, so wichtigen Augenblick besser schreiben. Das Sahnehäubchen ist Father Fogden, der als Priester die Trauung vollzieht und alleine schon der Moment, in dem er Marsalis Namen immer und immer wiederholt, bringt mich zum Lachen, weil er ihn genauso betont, wie es die meisten von uns gemacht haben, bevor wir durch die Serie belehrt wurden, dass man in Schottland den Namen anders ausspricht. Der folgende verbale Schlagabtausch zwischen ihm und Marsali, in dem es um Fergus offensichtlich und eventuell nicht offensichtlich fehlende Körperteile geht, ist schlicht und ergreifend grandios. Ich liebe es, wenn Fergus an dieser Stelle zu Father FogdenI’m sorry, Father. She she speaks her mind. One of the many things I love about her.” sagt und noch mehr liebe ich den Blick, den Jamie und Claire bei dieser Aussage tauschen, weil Jamie, genau wie sein Ziehsohn, auch eine willensstarke Frau liebt, die immer sagt, was sie denkt. Genau wie Fergus Marsali für kein Geld der Welt ändern würde, würde Jamie das auch nicht bei Claire wollen, denn er liebt sie so, wie sie ist oder wohl eher, weil sie so ist, wie sie ist.

»Fergus Claudel Fraser«, sagte er langsam und deutlich. Er sah Fergus mit hochgezogener Augenbraue an. Fergus selbst sah aus wie gelähmt. Sein Mund stand offen, und seine Augen waren große schwarze Löcher im gedämpften Licht. Dann nickte er kaum merklich, und sein Gesicht begann zu leuchten, als hätte man eine Kerze in seinem Inneren entzündet.”
(Kapitel 52 “Eine Hochzeit findet statt” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Der Moment, in dem Jamie Fergus offiziell seinen Namen gibt, ist einfach herzerweichend und wundervoll. Cesar spielt Fergus Reaktion genauso, wie Diana es im Buch beschrieben hat und sowohl seine als auch Sams Performances rühren mich zu Tränen und ich bin sehr dankbar, dass ich endlich Augenzeuge von diesem für Fergus so wichtigen Moment werden kann. Jamie, der in den vergangenen Folgen Fergus schon das ein oder andere Mal als seinen Sohn bezeichnet hat, gibt ihm etwas, was für ihn noch viel bedeutender ist, denn mit dem Namen Fraser ist er wahrhaftig und für alle Anwesenden hör- und sichtbar sein Sohn. Was damals, vor mehr als zwanzig Jahren, in Paris als eine geschäftliche Abmachung zwischen einem Jungen aus einem Bordell und einem Weinhändler begonnen hat, hat Fergus am Ende ein Zuhause, einen Vater, eine Familie und einen Namen beschert. “Fraser”– dieser Name bedeutet für Fergus mehr als nur eine Aneinanderreihung von sechs Buchstaben, denn er ist vielleicht das letzte Stückchen, das ihm in seinem Leben immer gefehlt hat, um vollständig zu sein. Seit dem ersten Tag, an dem er Jamie in Paris begegnet ist, verehrt und bewundert er ihn, blickt zu ihm auf und liebt ihn, wie einen Vater. Jamie ist der eine Mensch in seinem Leben, der ihm alles beigebracht, was er heute weiß, der ihm das erste Mal in seinem Leben Liebe, Wärme und ein echtes Zuhause gegeben hat und ich denke, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage, dass Jamie für Fergus immer der Mittelpunkt seines Lebens gewesen ist und er hätte noch mehr als seine Hand für ihn geopfert. So ist es wirklich herzerweichend, zu sehen und auch zu hören, mit wie viel Freude, Rührung und Stolz Fergus seinen neuen, seinen vollständigen Namen sagt und wenn ich das hier schreibe, dann steigen mir vor lauter Rührung wieder die Tränen in die Augen, weil dieser Gedanke, dass aus etwas Unscheinbaren etwas ganz Großes werden kann, so überwältigend wundervoll ist.

In der nächsten Szene befinden wir uns wieder an Bord der Artemis und wir sehen Claire, wie sie genüsslich Suppe aus einer Schüssel löffelt. Jeder von uns, der “Ferne Ufer” kennt, weiß ganz genau, was jetzt gleich passieren wird und hat sich diese Szene bestimmt schon mehrfach vor dem geistigen Auge vorgestellt, denn sie gehört zu den favorisierten Jamie und Claire Momenten bei mir und auch bei vielen anderen Buch-Lesern. Ein großes Lob meinerseits geht an die Autoren, denn sie haben diesen einzigartigen Augenblick sehr buchgetreu und mit vielen Originaldialogen auf den Bildschirm transportiert. Aber ohne Sam und Cait, die wieder einmal gezeigt haben, was sie an Talent besitzen, wäre diese Szene nur halb so witzig und sinnlich gewesen. Beide sind einfach großartig wundervoll und ihre Performances ist nahezu perfekt, so dass die Turtle-Soup-Szene in der Serie meiner Vorstelung aus dem Buch schon sehr nahe kommt. Ich freue mich wirklich sehr, dass seit langer Zeit in der Serie endlich einmal wieder eine Szene den Humor und die geistreichen und wortwitzigen Dialoge zwischen Jamie und Claire, die wir an so vielen Stellen in den Büchern finden können, aufgreift, denn meiner Meinung nach kommt dieses spezielle Talent von Diana in Outlander oft zu kurz. Es ist einfach unmöglich, in dieser Szene nicht zu kichern und es gibt so viele Sequenzen, die ich liebe: wenn Claire sichtlich betrunken Jamie Anweisung erteilt, wie er die Spritze aufziehen muss, wenn sie ihm salutiert, wenn Jamie davor zurückschreckt, Claire die Spritze zu geben, weil er ihr nicht weh tun kann, wenn Claire über den Tisch krabbelt und bei Jamie richtig zulangt und auch wenn Claire ihn herausfordert und bezirzt, bis Jamie schließlich nicht anders kann, als vor seiner Frau zu kapitulieren und sich ihren Wünschen zu fügen. Ich kann mich nicht entscheiden, über wen ich mich mehr amüsiere, über einen betrunkenen Jamie, den wir in Staffel 1 gesehen haben oder über eine betrunkene Claire, denn beide sind in diesem Stadium einfach niedlich, leicht unbeholfen und tollpatschig, aber so verdammt liebenswert.
Die Unterbrechung von Mr. Willougbhy ist fast genauso humorvoll, wie die im Buch (nur dass dort Lawrence Stern stört) und ich kann mich wirklich köstlich über Jamies schwierige Situation, in der er wortwörtlich steckt, amüsieren: er muss Mr. Willougbhy, der vor der Tür ist, Rede und Antwort stehen, während er versucht, seine durch den Alkohol angeheizte Frau zu zügeln und sich selbst dabei auch nicht vergessen darf. Aber er managt diesen Augenblick wirklich gut und ich denke, dass er schon schlimmere Situationen in seinem Leben hat händeln müssen. Wenn Mr. Willougbhy sich mit einem wissenden Lächeln zum Gehen abwendet, dann muss ich mit ihm schmunzeln und hoffe, dass Jamie und Claire ihre zweite Wiedervereinigung in dieser Staffel gebührend feiern werden. Übrigens, wer von Euch hatte auch eine Game of Thrones Assoziation, als Claire “Bold the door” sagt, denn ich musste witzigerweise sofort an Hodors “Hold the door” denken.

 

“Uncharted” – so verhält es sich auch manchmal mit Claires Sicherheit, dass sie mit ihrer Rückkehr zu Jamie die richtige Entscheidung getroffen hat und am Ende dieser Folge hat sie so, wie sie die Insel entdeckt bzw.erkundet hat, auch ihre Sicherheit wiedergefunden. Ich mochte es in den letzten Folgen nicht wirklich, dass Claire immer wieder Zweifel über ihre Rückkehr zu Jamie äußert und sie auf alle Erklärungen von Jamie, dass sie zusammengehören und füreinander bestimmt sind, nicht oder nur unangemessen reagiert. Und auch in dieser Folge zeigt Claire beide Male, in denen Jamie ihr seine Liebe und Ängste gesteht, keine verbale Reaktion. Aber im Unterschied zu den letzten Folgen kann Jamie in Claires Gesicht all das lesen, was sie nicht sagen kann und ihr Sprung über Bord ist mehr als ein Beweis für ihre Liebe zu ihm, wenn Jamie denn einen gebraucht hat und zeigt ihm, dass Claire jetzt zweifelsfrei weiß, wo sie hingehört, nämlich an seine Seite. Die Rückkehr zu Jamie war anders und zweifelsfrei schwieriger, als sich Claire das jemals in ihren kühnsten Träumen hätte ausmalen können, aber diese unbeschreibliche tiefe Liebe, die sie für ihn empfindet und die sich auch nach zwanzig Jahren der Trennung nicht geändert hat, ist es wert, jedem noch so großem Problem und Konflikt die Stirn zu bieten. Ich denke, dass Claire das spätestens weiß, seitdem sie auf der Porpoise herausgefunden hat, dass Jamie der Galgen droht und sie ihn wieder und diesmal für immer verlieren könnte und wenn ich immer schreibe, dann meine ich auch IMMER! Augenscheinlich haben sich die Serienverantwortlichen dazu entschieden, dass Claire Jamie ihre Liebe nonverbal zeigt, denn auch im Buch sagt sie ihm weniger, dass sie ihn liebt und braucht, als dass sie es ihm zeigt. Wir Buch-Leser wissen aber zu jeder Zeit, wie tief ihre Gefühle sind, weil wir, im Gegensatz zur Serie, in Claires Kopf sind und ihre Gedanken und Gefühle lesen können, denn auch wenn sie Jamie nicht oft sagt, was er ihr bedeutet und dass sie ohne ihn nicht leben kann, denkt und fühlt sie es permanent. In “Der Ruf der Trommeln” gibt es zwischen Jamie und Claire folgenden kurzen Dialog, in dem das thematisiert wird, was ich gerade beschrieben habe:

»Ich – ich sage es nicht oft. Vielleicht liegt es nur daran, daß man mir nicht beigebracht hat, solche Dinge zu sagen; ich habe ja bei meinem Onkel gelebt, und er war sehr gefühlvoll, aber nicht – na ja, ich wußte nicht, wie Verheiratete -« Er legte seine Hand leicht über meinen Mund, und der Hauch eines Lächelns umspielte seine Lippen. Einen Moment später entfernte er sie. Ich holte tief Luft und kräftigte meine Stimme. »Hör mal, was ich sagen will, ist – wenn ich es nicht sage, woher weißt du dann, daß ich dich liebe?« Er stand regungslos da und sah mich an, dann nickte er zustimmend. »Ich weiß es, weil du hier bist, Sassenach«
(Kapitel 47 “Eines Vaters Wiegenlied” aus Der Ruf der Trommeln by Diana Gabaldon)

Vielleicht ist es das, was uns die Serienmacher in all den von mir kritisierten Szenen zeigen wollen, dass Claire ihre Liebe nur selten deklariert, aber Jamie immer weiß, dass sie ihn liebt, einfach, weil sie zu ihm zurückgekommen ist und für ihn alles aufgegeben hat. Für Claire hat sich nach ihrer zweiten Wiedervereinigung mit Jamie etwas geändert, denn auf der Hochzeit von Fergus und Marsali gehen beide so natürlich und unbefangen miteinander um, wie wir es in dieser Staffel nur selten gesehen haben. Ich weiß nicht, ob das Brautpaar oder die Brauteltern das strahlendere und verliebtere Paar sind und wenn Father Fogden die Verbindung von Jamie und Claire segnet, dann ist es das, worauf wir und vielleicht auch Claire gewartet hat: ein eindeutiges Zeichen, dass das, was Gott oder das Schicksal (nennt es, wie ihr es wollt) zusammengebracht hat, der Mensch niemals trennen soll und von daher hoffe ich ganz fest, dass wir auch in den verbleibenden beiden Folgen dieser Staffel das neu gefundene und neu verbundene Ehepaar Fraser sehen werden.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch


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