Review Folge 206 Das Versprechen (Best Laid Schemes)

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Episode 206
Das Versprechen
(Best Laid Schemes)

Drehbuch: Matthew B. Roberts
Regie: Metin Hüseyin

„Ich möchte, dass es einen Ort für dich gibt.
Jemanden, der sich um dich kümmert und um das Kind.
Ich möchte, dass es einen Mann gibt,
der dich liebt.“
(Jamie Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Matthew B. Roberts, der Drehbuchautor dieser Folge, hat im Vorfeld auf Twitter geschrieben, dass wir in dieser Episode lachen, zusammenzucken, kichern, weinen, weinen, weinen werden und am Ende mehr wollen. Und da hat er nicht zu viel versprochen, denn, bis auf das Weinen, kann ich alles so unterschreiben.
Eine Menge Buchmaterial hat es in die Folge geschafft, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass sich die Story gehetzt anfühlt. Matt hat einen großartigen Job gemacht, die Buchinterpretation, und diesmal war wirklich viel Buchhandlung interpretiert bzw. geändert, glaubwürdig und vor allem Dianawürdig, umzusetzen. Er hat irgendwie eine besondere Gabe, seine eigenen Worte nahtlos in Dianas Dialoge übergehen zu lassen. Matt hat es mit dieser Folge geschafft, meinen Buch Jamie und meine Buch Claire auf den Bildschirm zu bringen und es ist sehr schön, dass beide nach der schwierigen Zeit nach Wentworth und nach dem Streit in der letzten Episode, endlich zueinander gefunden haben und wieder ein Team, ein Herz und eine Seele sind.

Ab dieser Folge trägt Claire Schwangerschaftsmode, ganz im Pariser-Style des 18. Jahrhundert. Chic und elegant und sicherlich praktischer, soweit ein Korsett in der Schwangerschaft überhaupt praktisch sein kann.

Kein Duell
Für mich sieht es so aus, als ob es der nächste Morgen nach dem großen Streit zwischen Jamie und Claire ist, weil ich erstens den Eindruck habe, dass Jamie die Nacht an seinem Schreibtisch verbracht hat und er zweitens nicht weiß, wo Claire ist, was drittens erklärt, dass er sie augenscheinlich morgens nicht gesehen hat. Jamie hat wohl die ganze Nacht über den Streit mit Claire nachgedacht und hat ihre und seine Argumente gegeneinander abgewogen, um dann zu dem Entschluss gekommen zu sein, den er Claire in einer der nächsten Szene mitteilt.
Jamie ist sichtlich unruhig, was Sam hier wieder sehr gut durch das Jamie typische Fingertrommeln zeigt. Er sitzt an seinem Schreibtisch und erklärt Murtagh, dass es kein Duell geben wird. Dieser ist so ganz ohne Verständnis, wie man es in dieser Situation nur sein kann, „Deine Laune ändert sich, als würdest du bluten, wie eine Frau.“, und ist einfach nur stinkwütend, dass Jamie ihm wieder einmal nicht die ganze Wahrheit sagt. Auch ich hätte an seiner Stelle den Kaffee von Jamies ewigem “Vertrau` mir” auf. Vertrauen ist gut, aber die Wahrheit ist besser!
Murtaghs Worte scheinen Jamie wirklich zu treffen und ich kann die Gefühle der beiden gut nachempfinden, Murtagh, der die Wahrheit verdient hätte und Jamie, denn es verletzt, Murtagh immer wieder zu vertrösten.

Magnus bringt das Frühstück und Jamie erfährt durch ihn, dass Claire im Hospital ist. Ich glaube, dass Jamies „Natürlich“ nicht böse gemeint ist, sondern zeigen soll, dass er Claire und ihr Bedürfnis, anderen zu helfen, akzeptiert.

Hospital
Oh mein Gott, was ist denn über Nacht mit Claires Babybauch passiert? Das Ende von 205 und ein im Kleid nicht sichtbarer Bauch war doch storytechnisch erst gestern. Und jetzt? Ich kann es nicht fassen…..
Es ist wirklich sehr interessant und zugleich abstoßend, vom Henker direkt über die Hinrichtung eines verurteilten Verräters oder auch Anhänger der schwarzen Magie zu erfahren und auch jetzt den Unterschied zwischen einem Profi und einem Amateur im Henkerwesen zu kennen. Ich habe mich bei Monsieur Forez Beschreibung so gefühlt, wie Claires Gesichtsfarbe ist. Er gibt Claire auch noch einen dezenten Hinweis, dass sie wieder einmal Master Raymond besuchen könnte. Ein kleiner Wink mit dem Gartenzaun in Bezug auf La Dame Blanche und schwarze Magie.

Master Raymond
Also ich finde, dass Claire für ihren Zustand, ich schätze mal, dass sie jetzt ca. im achten Monat schwanger ist, schon sehr leichtfüßig und fast engelsgleich die Treppe zu Master Raymonds Apotheke erklimmt. Claire besucht ihn, um ihn zu warnen, dass der König Anhänger der schwarzen Magie verfolgt. Zu Anfang gibt er sich eher entspannt und sorgt sich mehr um Claire, aber am Ende, als sie erwähnt, dass sich Monsieur Forez auf viele Hinrichtungen vorbereitet, ändert er seine Meinung.
Ich liebe seine Aussage, mit der er sich von Claire verabschiedet: „Wir werden uns wiedersehen, Madonna. In diesem Leben oder im nächsten.“ und jeder von uns BL weiß, dass sie sich leider viel zu schnell wiedersehen werden.

Selbsterfüllende Prophezeiung
Die nächste Szene kommt für mich eher überraschend, denn es ist die erste gemeinsame Szene mit Jamie und Claire nach ihrem großen Streit am Ende der letzten Folge. Ich hätte mir gewünscht, dass sie noch eine kleine Szene eingebaut hätten, in der sich die beiden wieder versöhnen oder noch einmal kurz darüber sprechen. Ich finde, dass es schon einer Erklärung bedarf, wie Jamie von seinem erschütterten „Rühr mich nicht an.“ am Ende von 205 zur innigen Zweisamkeit mit Claire in 206 kommt. Auch wenn es in der Eröffnungsszene den Eindruck erweckt, dass Jamie die ganze Nacht wach gelegen und über den Streit mit Claire und ihrer Bitte nachgedacht hat, kommt für mich diese gemeinsame Szene etwas zu schnell.
Im Podcast zu dieser Episode hat Matt erwähnt, dass es vor der eigentlichen Eröffnungsszene im Drehbuch eine Traumsequenz gegeben hat, die aber aus Zeit- und Kostengründen nicht gedreht werden konnte. Ron und er haben dann in der Nachbearbeitung festgestellt, dass Jamies Einsicht, dass Duell abzusagen, ohne diese Traumszene zu abrupt daherkommt. Aber leider konnten sie an der Folge nichts mehr ändern und jetzt ist sie so, wie sie ist. Ich habe mir die Traumsequenz im Drehbuch angeschaut und kann Ron und Matt an dieser Stelle nur zustimmen. MIT dem Traum hätte ich in dieser Fußmassage-Szene nicht das Gefühl gehabt, dass in der Handlung etwas fehlt. Das Drehbuch zu 206 findet ihr hier: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=206

Ich bin aber sehr froh darüber und vielen Dank an dieser Stelle, lieber Matt, dass Jamies Begründung, warum er versprochen hat, Black Jack Randall (BJR) leben zu lassen, sehr buchnah in dieser Szene umgesetzt wurde. Claire sitzt im Nachthemd zusammen mit Jamie im Schlafzimmer und er massiert ihr ihre Füße. Jamie erklärt ihr, dass er ihr nichts schuldet, da er ihr Leben auch schon mehrfach gerettet hat und dass sie von daher quitt sind. Auch ist er der Meinung, dass er Frank nichts schuldig ist, weil Claire ihre freie Wahl hatte und sich für ihn entschieden hat. Jamie lässt BJR einzig und allein wegen Charles Stuart am Leben. „Mark me“, aber das versteht Claire jetzt so gar nicht und ich auch nicht, aber glücklicherweise erklärt es Jamie mit der folgenden Aussage:

 „Ich möchte, dass es einen Ort für dich gibt. Jemanden, der sich um dich kümmert und um das Kind. Ich möchte, dass es einen Mann gibt, der dich liebt.“

und dabei streichelt Jamie ganz liebevoll Claires Gesicht. Er erklärt ihr, dass Frank sozusagen sein Notfallplan ist, falls sie scheitern und sich doch, im April 1746, am Rande des Abgrunds des Culloden Moors befinden werden. „Versprich mir, dass du, falls es dazu kommt, zurückkehren wirst. Zurück zu Frank.“ Claire verspricht es Jamie und die Dramatik und die Tragweite dieses Versprechens wird mit dem Frank Theme noch unterstrichen.
Das Versprechen, dass Jamie von Claire fast schon erzwingt, ist eher eine selbsterfüllende Prophezeiung als eine Vorsichtsmaßnahme. Zu wissen, dass Claire und ihr Kind sicher sein werden und dass sie ein Zuhause haben werden, wenn das Schlimmste passiert und Jamie die beiden Menschen, die ihm auf der Welt am meisten bedeuten, nicht mehr schützen kann, ist für ihn wichtiger als seine eigenen Rachegefühle erfüllen zu können.
In diesem Moment ist TV Jamie eine exakte Kopie meines Buch Jamies, denn er stellt seine eigenen Bedürfnisse hinten an. Das ist etwas, das nur wenige Menschen können und Jamie ist als Ehemann, werdender Vater und geborener Anführer ein Meister in dieser Disziplin.
Jamies Erklärung und das Versprechen, dass er Claire abnimmt, wird wirklich sehr gut von Sam interpretiert. Man kann Jamies Unbehagen, Sorge, Angst und auch Schmerz in seinem Gesicht sehen und wenn man genau hinschaut, denke ich, dass er in dieser Situation mit den Tränen kämpft. Eine sehr herzergreifende und für mich als BL doppelt so schlimme Szene, denn ich weiß, was kommen wird. In der folgenden Sequenz küssen sie sich sehr innig, dann legt Jamie seinen Kopf auf Claires Bauch und Claire streichelt seinen Kopf und das Jamie und Claire Theme, das im Hintergrund läuft, macht mich noch ein bisschen trauriger. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kamera noch etwas länger auf beiden verharrt hätte, um das Ganze wirken zu lassen, denn zu schnell sind wir schon wieder in der nächsten Szene.

Clairepocken
Ich mag die „Fakepocken“ Szene wirklich sehr gerne. Jamie scheint Spaß an der ganzen Idee zu haben, auch wenn er ab und an von Bauchkrämpfen heimgesucht wird. Fergus, der sich so verhält, wie sich ein ca. 10 jähriges Kind verhält und mit Claires Bandagen Verstecken spielt. Claire, die die ganze Lage und auch Fergus gut im Griff hat. Und nicht zu vergessen Murtagh, der mit seiner mürrischen Stimmung, für die ich übrigens vollstes Verständnis habe, diese Szene nicht trüben kann.
Claire rührt unter den interessierten Blicken von Jamie und Fergus irgendeine Kräutermischung für ihre Fakepocken an, die die Arbeiter vom Comte erkranken lassen soll und Jamie muss als Versuchskaninchen herhalten. Murtagh, eher ein Mann der Tat und nicht der Intrigen, hat einen, wie ich finde, sehr guten Vorschlag: „Wir schlitzen diesem italienischem Gecken ein bisschen die Kehle auf und fertig.“ 
Claires Mittelchen scheinen an Jamie die gewünschte Wirkung zu zeigen: „Et volià. Ich präsentiere falsche Pocken.“, obwohl ich es lieber als Clairepocken bezeichnen würde. Murtagh ist sehr ungehalten und sein Maß an Geduld scheint wirklich aufgebraucht zu sein. „Maskeraden und Täuschungen. Was steht als nächstes an? Eine wilde Partie Scharade?“ und er stürmt aus dem Zimmer. 
Jamie und Claire kommen überein, dass sie Murtagh alles erzählen müssen.

Ich sehe in dieser Szene weitere Anzeichen dafür, dass Jamie und Claire, nach ihrem großen Streit in der letzten Folge, wieder ein Team sind. Beide arbeiten sehr gut zusammen, stehen auf der selben Seite, denken das Gleiche und so, wie sie sich in diesem Moment anfassen, scheint ihre emotionale und körperliche Verbindung wieder zu funktionieren.

Jamie und Murtagh im Hof
Als Jamie am Hofeingang steht, um sich kurz für die Auseinandersetzung mit Murtagh zu wappnen, sehen wir Jamies typisches Fingertrommeln.
Wir hören das Gespräch bis kurz vor Ende nicht, sondern können es nur, wie auch Claire, beobachten, aber Jamie und Murtaghs Körpersprache sprechen auch so für sich und Duncan Lacroix’s Augenbrauen laufen in dieser Szene zur Höchstform auf.
Zum Schluss sagt Murtagh: „Wenn du wirklich glaubst, dass deine Frau eine Art Hexe ist, wer bin ich, dir zu widersprechen.“ Ich denke nicht, dass Jamie Claire in dem Gespräch mit Murtagh als Hexe bezeichnet hat, denn das würde er niemals machen. Es scheint eher Murtaghs Interpretation der Dinge zu sein. Ich hätte mir hier lieber von Murtaghs Seite eine Bezeichnung wie Druidin gewünscht, etwas, was zu ihm als Highlander und zu seinem Glauben an das Übersinnliche passt.

Dann schlägt er Jamie einmal ins Gesicht. Murtaghs Reaktion hat mich etwas überrascht, aber ich liebe seine Erklärung dafür: „Aber all das hättest du mir doch von Anfang anvertrauen können.“ Vielleicht scheint seine Reaktion aus unserer Sichtweise zu übertrieben, aber hey,….sie sind echte Highlander und die regeln Konflikte halt so. Außerdem kann Murtagh als Jamies Patenonkel ihn schlecht, wie in früheren Zeiten übers Knie legen und ihm den Hintern versohlen, dafür ist Jamie nun wirklich schon zu alt und vor allem auch zu groß und stark.

Verabschiedung im Hof
In der nächsten Szene sind Jamie, Claire und Fergus im Hof und Claire verabschiedet sich von beiden. Es ist eine kurze, aber sehr schöne Szene. Zum einen findet endlich mal wieder ein humorvoller Dialog zwischen Jamie und Claire statt: „Bitte sei vorsichtig.“ … „Das bin ich.“ …„Das sagst Du ständig. Versuch dich nur einmal dran zu halten.“ Aber es steckt auch ein Körnchen Wahrheit in diesem Dialog, wenn man bedenkt, was passiert ist, als sich Jamie das letzte Mal von ihr in Folge 113 für eine besondere Mission verabschiedet hat. Wenn Jamie etwas zustoßen sollte, kann Claire in ihrem Zustand diesmal nicht als „singende Sassenach“ durch die schottischen Highlands tingeln. Also pass lieber auf Dich auf, Jamie!
Zum anderen merkt man, dass Fergus wirklich zur Familie Fraser gehört. Romann Berrux spielt seinen Charakter wirklich sehr gut und er ist so ein liebenswertes und süßes kleines Kerlchen.

Le Havre
Jamie und Fergus galoppieren nach Le Havre und nach all den Straßenszenen von Paris, oder wohl eher Prag, ist es echt schön, mal wieder ein bisschen Natur zu sehen. Es sind zwar nicht die schottischen Highlands, aber ich bin auch schon mit weniger zufrieden. In Le Havre angekommen, bringt Fergus die Clairepocken unter die Lagerarbeiter des Comte. Die Szene ist kurz und knapp, aber die Wirkung hoffentlich effektiv.

Murtagh und Claire
Murtagh sitzt im Salon am Schreibtisch und schreibt Jahreszahlen aus dem 20. Jahrhundert auf ein Blatt Papier. Ich kann es nicht begründen, aber ich mag diese kleine Sequenz sehr.
Er fragt Claire, was sie alles aus der Zukunft weiß und Murtagh erfährt, dass der Jakobitenaufstand und Culloden nicht gut ausgehen werden.
Diese Szene reiht sich, in meinen Augen, nahtlos in die Reihe der anderen wundervollen Szenen zwischen Claire und Murtagh ein. Wie er sie bewundert, dass sie diese Bürde des Wissens so gut trägt und wie er dann seine Hand auf ihre legt, einfach toll. Ich würde mich wirklich freuen, wenn sie sich beide einmal richtig umarmen und drücken würden, auch wenn Murtagh nicht der Knuddeltyp ist.

Rückkehr aus Le Havre
Es ist früh am Morgen und Claire liegt noch im Bett, als Jamie von seiner Clairepocken-Mission zurückkehrt. Sie fragt, ob sie erfolgreich waren und Jamie antwortet, ganz im Buch Jamie Humor: „Keine Angst, mo nighean donn. Im Verbreiten von Seuchen und Krankheiten sind wir unschlagbar.“ 

Maison Elise die Erste
In der nächsten Szene sehen wir, wie Jamie Stufen hinaufsteigt und ich weiß auch, wen wir gleich sehen werden, denn ich habe diese Stufen schon ein- bis dreiundzwanzigmal gesehen, Ihr auch?
Jamie erfährt von einem sichtlich aufgelösten BPC, dass unter den Lagerarbeitern des Comte eine merkwürdige Krankheit ausgebrochen ist und die Ladung umgehend in Jareds Lagerhaus gebracht werden muss. „Mark me“, noch nie was von Clairepocken gehört, Eure Royal Highny?
Den anschließenden verbalen Schlagabtausch, den sich Jamie mit dem Comte liefert, ist sehr gut gespielt und Stanley leistet hier großartige Arbeit, um so bedrohlich und düster zu wirken, wie es nur eben geht. Ich denke, dass es zwischen den Augenbrauen des Comte und denen von Murtagh mal einen Wettbewerb geben sollte.

Kleine Randnotiz:
Warum muss BPC dem armen Jamie immer und immer wieder ins Gesicht fassen? Und heute nicht nur einhändig, sondern gleich mit beiden Händen….igitt, pfui,bäh!

Murtaghs neue Kleider
Ich kann den Anblick von Murtagh in schicker Seidenweste a la Paris und in Kniehosen mit weißen Kniestrümpfen kaum ertragen. Das ist Augenfolter und die Folge hätte deswegen schon ein FSK 18 verdient. Auch Murtagh scheint der Anblick seiner neuen Kleidung nicht zu gefallen und ich wusste gar nicht, dass man ein Rüschenhemd so voller Abscheu ansehen kann.
Er bittet Jamie um folgendes: „Falls ich gefangen genommen werde, tu mir den Gefallen und töte mich. Ich will nicht in diesem Aufzug gehängt werden.“ Ich muss wieder einmal feststellen, dass Murtagh immer sehr witzige Monologe hat und ich liebe Duncan in dieser Szene, mit all seiner Augenbrauenmimik und -gestik.
Jamie und Claire haben im Anschluss auch einen herrlichen Dialog, so, wie wir ihn aus dem Buch kennen und lieben.

Claire: „Was, wenn ihr erwischt werdet? Hat einer von euch daran gedacht?“
Jamie: „Aye, wir lassen uns nicht erwischen.“
Claire: „Der Plan ist gefährlich.“
Jamie: „Allerdings.“
Claire: „Weißt du, ab und zu fände ich es angebracht, dass Du mich anlügst, nur um mich zu beruhigen.“
Jamie: „Ich denke das nächste Mal daran.“

Liest sich fast so wie ein Gabaldon-Dialog, oder?

Als Suzette Murtagh dann anbietet, ihn wieder auszuziehen, ist Jamies Blick erst überrascht, da Murtagh ihm offensichtlich auch etwas verschwiegen hat und dann eher so, dass es Dinge gibt, die er gar nicht wissen möchte. An dieser Stelle finde ich es doch eher unpassend, dass Suzette als Claires Kammerzofe solch eine Aussage vor ihr und Jamie macht, aber ich musste trotzdem in dieser Szene schmunzeln.

Babytalk
Jamie und Claire liegen abends zusammen im Bett und Claire sorgt sich um Jamie, wenn er am nächsten Tag mit dem Comte die Weinladung holt. „Wenn wir getrennt sind, geschieht immer irgendetwas schlimmes.“ … „Wir finden immer wieder zurück zueinander, oder nicht?“ Ja, und da muss ich beiden mal uneingeschränkt zustimmen.
Plötzlich bewegt sich das Baby und Jamie ist sehr überrascht und es kommt bei mir so an, als ob er es das erste Mal gespürt hat. Er spricht mit dem Baby und jeder kann in seinem Gesicht sehen, wie sehr er sich auf das Baby freut: „Hier ist dein Vater. Ich freue mich schon so auf Dich.“ Und ich? Ich habe vor Rührung Tränen in den Augen, weil Jamie und Claire sich so sehr auf dieses Kind und ihre hart erarbeitete gemeinsame Zukunft freuen und ich weiß, was kommen wird.
Vielen Dank an Diana, die diese Szene in ihrem zweiten Buch angeregt hat, vielen Dank an Matt, der sie so einfühlsam im Drehbuch umgesetzt hat und vielen, vielen Dank an Sam und Cait, die diese Szene so großartig gespielt haben.

Bei Louise
In dieser Szene wird noch einmal deutlich, was Pariser Frauen aus der Oberschicht sind: egozentrisch, oberflächlich und eingebildet und zu Recht ruft das Pariser Volk in knapp 40 Jahren „Au revoir meine kleinen Idiotinnen und Bienvenue Guillotine“.
Ansonsten kann ich mit dieser Szene relativ wenig anfangen und halte sie für überflüssig, da sie nur dazu dient, zu zeigen, dass erstens sich Claire um Jamie und Murtagh sorgt und zweitens sie einen Grund braucht, ins Hospital zu gehen, damit sie nicht da ist, wenn sich Jamie auf den Weg zum Bois de Boulogne macht. Ich denke, man hätte das auch anders lösen können, ohne diese zusätzliche Szene, die nur wertvolle Sendezeit gekostet hat.

LHopital des Anges
Claire hat die nette Party bei Louise verlassen, ist jetzt im Hospital und kümmert sich bis zur Erschöpfung um die Kranken, wahrscheinlich um sich von ihren Sorgen abzulenken und auch, um Buße für die Ignoranz ihrer Pariser Bekanntschaften zu leisten.
Auch Mutter Hildegard bemerkt, dass Claire müde ist und befiehlt ihr sich auszuruhen und bemerkt dabei, dass Claire ein bisschen geblutet hat. Sie beruhigt Claire und sagt ihr, dass alles in Ordnung ist und dass sie über Nacht im Krankenhaus bleiben soll. Aber ein Blick in das Gesicht von Mutter Hildegard zeigt, dass sie sich doch Sorgen um Claires Zustand macht.
Ich finde diese undramatische Weise, mit der die Serienverantwortlichen Claires Blutungen dargestellt haben, sehr gut, denn dramatisch wird es ja eh noch werden.

Überfall
Zeitgleich zu den Ereignissen bei Louise und im Hospital überfallen Murtagh und seine “Highway Gang” die Wagenkolonne des Comte, die auf dem Weg von Le Havre zu Jareds Lager ist. Es scheint ein Showdown zwischen dem vermummten Murtagh und dem Comte zu geben, doch dank Jamies beherzten Eingreifens gibt es keine Toten. Jamie, der am Boden liegt, nickt Murtagh zu und dieser schlägt ihn k.o.
Ich muss jetzt mal eine Lobeshymne auf unseren JAMMF singen: Jamie ist mit vollem Einsatz dabei, um den Jakobitenaufstand zu verhindern: er verbringt seine Nächte im Bordell, muss sich mit BPC`s Gesellschaft die Nächte um die Ohren schlagen, sich von ihm fortwährend antatschen, seine Frau als La Dame Blanche bezeichnen, sich mit Clairepox infizieren und am Schluss noch von seinem Patenonkel k.o. schlagen lassen….das nenne ich mal Einsatz fürs Vaterland. Ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass er bei alldem noch lügt, integriert und betrügt.

Maison Elise die Zweite
Jamie und der Comte unterrichten BPC, dass die Ladung geraubt wurde und somit alle Investitionen verloren sind. Der Comte traut Jamie immer weniger, aber BPC`s Glaube an Jamie und sein Vertrauen zu ihm ist ungebrochen. Irgendwie empfinde ich gerade Mitleid für unseren Royal Highny. Jamie ist für ihn wirklich ein wichtiger Vertrauter und Verbündeter und er hintergeht ihn die ganze Zeit.
Am Ende beklagt sich BPC über sein Schicksal und jammert, über sein zukünftiges Leben, dass er eventuell jetzt im „gottverlassenen Polen“ bei Verwandten seiner Mutter verbringen muss. Tja, wäre er mal nach Polen gegangen, das hätte vielen Highlandern Schmerz und Kummer erspart und Tausende von Leben gerettet. Am Ende der Szene bricht er in Tränen aus und Jamie beugt sich vor, um ihn zu trösten.

Kleine Randnotiz:
Warum BPC nach Polen ins Exil soll, ist nichts, was sich die Serienverantwortlichen ausgedacht haben. Die Mutter von BPC, Maria Clementina Sobieska, war gebürtige Polin.

Jareds Esszimmer
Die Szene am nächsten Morgen, nachdem Jamie aus dem Bordell nach Hause kommt, ist wirklich sehr niedlich anzuschauen. Es hat sich bereits ein sehr starkes Band zwischen Jamie und Fergus entwickelt. Jamie hat ihn als Ziehsohn schon lange in sein Herz geschlossen und für Fergus ist er der Held seiner Kindheit. Ich mag Fergus Aussage: „Dann werde ich Sie begleiten. Als Rückendeckung.“, obwohl ich die Originalfassung bevorzuge, in der er sagt, dass er Jamie begleiten wird, um seine rechte Seite zu schützen, denn das erinnert mich immer an Ian, dessen Aufgabe es schon immer gewesen ist und immer sein wird, Jamies rechte Seite zu schützen.
Murtagh ist laut Jamie unterwegs nach Portugal, um die von BPC “gestohlene” Weinlieferung zu verkaufen.
Suzette informiert Jamie, dass BPC seine Rechnung in Maison Elise nicht bezahlen kann und Jamie macht sich mit Fergus auf, um ihm zu helfen. Habe ich es nicht bereits in meiner Review zur Folge 203 gesagt, dass BPC sein Hab und Gut bei Maison Elise versaufen und verhuren wird? Ha, diesmal ist es meine eigene selbsterfüllende Prophezeiung!

Maison Elise die Dritte
Fergus und Jamie erreichen Maison Elise und Jamie fordert Fergus auf, auf ihn zu warten. Warum zum Teufel hört eigentlich niemand aus dieser Familie auf Jamie, wenn er sagt, dass man an Ort und Stelle auf ihn warten soll?
Fergus streift durch die Flure und betritt leider das falsche Zimmer, denn der aufmerksame Zuschauer weiß, wer sich in diesem Rsum aufhält und wen Fergus so entsetzt ansieht, als die Zimmertür ins Schloss fällt. Roter Offiziersmantel und kleines Glasflächen, das schon einmal in der ersten Staffel im Einsatz war. Na, macht es da klick?

Das Duell
Claire kommt am Nachmittag desselben Tages vom Hospital nach Hause und stellt fest, dass Jamie nicht da ist. Man kann an ihrem schleppenden Gang sehen, dass sie sich immer noch nicht wirklich gut fühlt. Suzette sagt ihr, dass er zum Bois de Boulogne gegangen ist, denn er hatte eine Auseinandersetzung mit einem englischen Offizier.
Claire findet auf ihrem Frisiertisch einen Zettel mit einer Notiz „I am sorry. I must. J.“  Als sie dann noch Jamies Manschette auf dem Bett liegen sieht, wird ihr klar, wo Jamie ist und was die Nachricht bedeutet. Das Jamie seine Manschette zu Hause gelassen hat, ist an dieser Stelle sehr bezeichnend. Ich denke, dass er kein Erinnerungsstück an seine schwache Hand will und braucht. Einzig und alleine seine Erinnerung an Wentworth, zusammen mit seiner vollen Konzentration auf das Duell mit Randall, ist jetzt noch wichtig und alles was stört, muss aus dem Weg, wie seine Manschette und sein schlechtes Gewissen, sein Wort gegenüber Claire nicht halten zu können.
Claire sagt immer und immer wieder „Du hast es mir versprochen.“, damit sie vielleicht das Unfassbare verstehen kann, dass Jamie sein Versprechen gebrochen hat und sie verlässt mit Magnus das Haus, um zum Bois de Boulogne zu fahren.
Sie eilt, auf Magnus gestützt, zu der Lichtung, auf der das Duell stattfindet und ist körperlich wirklich in einer extrem schlechten Verfassung. Leider kommt Claire zu spät. denn Jamie und BJR kämpfen bereits und es ist ein Kampf auf Leben und Tod, in dem alle Mittel erlaubt sind, auch beißen.
Ich finde Claires Voice Over in Anlehnung an das Buch sehr gut.

„Reglos stand ich da und sah zu. Ich war durch die verblassende Nacht gekommen, um sie zu finden, sie aufzuhalten. Und jetzt, da ich sie gefunden hatte, konnte ich nicht eingreifen, denn jede Störung konnte tödlich sein. Alles, was ich tun konnte, war abzuwarten und zu sehen, welcher meiner Männer sterben würde.“
(“Die geliehene Zeit“ von Diana Gabaldon Kapitel 24 Der Bois de Boulogne)

Obwohl ich genau weiß, was passieren wird, habe ich während des Duells sehr gespannt auf den Bildschirm gestarrt und auch die Luft angehalten.
Selbst in diesem Schwertkampf versucht BJR Jamie mit seiner manipulativen Art aus der Fassung zu bringen und ihn zu verhöhnen, in dem er mit seiner Aussage „Wie konnte sie dir vergeben?“ bei Jamie die Bilder von Wentworth heraufbeschwören will.
Claire bricht genau in dem Moment blutend zusammen, in dem Jamie BJR schwer an einer, sagen wir mal, sehr ungünstigen Stelle verwundet und dieser zusammensackt. Erst jetzt bemerkt Jamie Claire und ihren Zustand, er kann aber nicht zu ihr, weil die Gendarmen, die soeben die Lichtung erreicht haben, ihn umzingelt haben.
Die verzweifelten Versuche beider, sich zu erreichen und ihr Rufen nacheinander, ist wirklich sehr bewegend. Ich liebe Jamies lautlosen Claire-Schrei am Ende der Szene und es ist sehr ausdrucksstark, diese Folge so enden zu lassen.


Man kann noch so gut planen, überlegen, konzipieren und die Weichen stellen, aber manchmal ist das Schicksal einfach mächtiger und wie der englische Titel dieser Folge „Best Laid Schemes“ und ein altes schottisches Sprichwort schon sagt, gehen manchmal die besten Pläne einfach schief. So wie auch in dieser Folge bei Jamie und Claire.

The best laid schemes o‘ mice an‘ men,
Gang aft agley,
An‘ lea’e us nought but grief an‘ pain,
For promis`d joy.
(Robert Burns (schottischer Nationaldichter)“To a Mouse“ von 1786)                                       

Der beste Plan, ob Maus, ob Mann,
Geht oftmals ganz daneben,
Und schleppt nur Qual und Kummer an,
Statt Freud’ in unserm Leben.

Die Serie und selbstverständlich auch die Bücher haben uns gezeigt, dass James Alexander Malcolm Mackenzie Fraser IMMER und unter jeden Umständen sein Wort hält, nur ein Stichwort: Wentworth. Also was in Gottes Namen hat ihn dazu gebracht sein Versprechen, das er Claire gegeben hat, BJR für ein Jahr zu verschonen, zu brechen?
Die letzte Sequenz war wirklich herzzerreißend. Jamies verzweifelter Ruf nach Claire und die Angst und Verzweiflung, nicht zu ihr zu kommen. Claire vor Schmerzen zusammengesunken in ihrem Blut liegend und ihr Gesicht von Schmerz, Angst und Verrat gezeichnet.
„Wenn wir getrennt sind, geschieht immer irgendetwas schlimmes.“ hat Claire  noch vor ein Paar Tagen zu Jamie gesagt. Und seine Antwort war: „Wir finden immer wieder zurück zueinander, oder nicht?“
Ja, sie lieben sich über alles und haben schon vieles gemeinsam durchgestanden. Trotzdem stelle ich mir die Frage, wieviel ein Paar ertragen kann, bevor auch die stärkste Liebe sie nicht mehr zueinander führen wird? Wir werden sehen…..

@Yvonne Pirch 15.05.2016 / 21.09.2016
@ Foto präsentiert von Lady Dagmar of Lochaber


Inside the World of Outlander Folge 206: https://www.starz.com/video/8d194039676f4514acbe89cd9fa46de2
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 206:  http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=206
Podcast Ron D. Moore Folge 206http://assets.starz.com/stzcom/outlander/206_Podcast.mp3

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