Review Folge 207 Der Preis der Freiheit (Faith)

2016-09-21-16-01-20

Episode 207
Der Preis der Freiheit
(Faith)

Drehbuch: Toni Graphia
Regie: Metin Hüseyin

„Nur
GEMEINSAM
können wir diese Last tragen
und weiterleben.“
(Jamie Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Was macht eine gute Serienfolge aus? Nun ja, diese Frage wird jeder anders beantworten. Für den einen ist es Spannung, für den anderen ist es Dramatik oder auch Humor. Meine Antwort auf diese Frage ist folgende: Es kommt gar nicht darauf an, ob die Handlung spannend, dramatisch oder vielleicht auch lustig ist, denn das ist für mich eher zweitrangig. Viel wichtiger ist es für mich, dass mich die Handlung und die Darstellung durch die Schauspieler abholt, genau da, wo ich gerade bin und mich über die gesamte Sendezeit auch nicht mehr loslässt.
Und genau das ist heute, wie schon so oft in Staffel 2, passiert. Ich liebe alle Folgen aus diversen Gründen, die eine mehr als die andere, aber diese Folge war für mich etwas ganz besonderes.
Ich finde wirklich keine passenden Worten, um diese Episode zu beschreiben. Ich habe schon so viele Adjektive geschrieben und sie immer wieder gelöscht, da keines davon der Folge wirklich gerecht wird. Stark, herzergreifend, authentisch, rührend und sehr emotionsreich trifft es vielleicht am ehesten. Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals so zufrieden und dankbar für eine Folge sein kann, die mich von Anfang bis Ende alle Facetten von Trauer, Schmerz und Verzweiflung hat spüren lassen und mich in Tränen aufgelöst hat. Das war Outlander, so, wie ich es aus den Büchern kenne.

Claire durchläuft in dieser Folge übrigens alle vier Trauerphasen:
Die erste Phase “Nicht-Wahrhaben-Wollen”, die zweite Phase “aufbrechende Emotionen”, die dritte Phase “suchen, finden, sich trennen” und die vierte Phase “Neubeginn”. Alles wundervoll von Toni für uns auf den Bildschirm transportiert. Vielen, vielen Dank für dieses tolle Drehbuch. So viel aus dem Buch wurde in diese Folge gepackt, viele der Rahmenhandlungen wurden zwar gekürzt oder weggelassen, aber die Story ist trotzdem so nah am Buch, wie sie nur sein kann. Viele Dialoge sind fast eins zu eins übernommen worden.

Ich wünschte, ich könnte Caitriona Balfe persönlich für ihre, über die gesamte Episodenlänge, fantastische Performance danken und ihr schon einmal im Vorfeld zur Golden Globe Nominierung gratulieren. Mit der Emmy Nominierung hat es leider dieses Jahr, für mich aus nicht nachvollziehbaren Gründen, nicht geklappt. Cait ist in dieser Folge so fabelhaft und ich habe ihr jede einzelne Sekunde ihrer Trauer und Verzweiflung, ihrer Wut und Enttäuschung, ihrer Verlorenheit und Einsamkeit abgenommen und nachempfinden können.

Auch alle anderen Serienverantwortlichen haben, wie immer, einen super Job gemacht. 
Die Musik war perfekt und hat die emotionalen Szenen noch emotionaler gemacht. Ihr müsst wirklich den Blog von Bear McCeary, dem Komponisten des Outlander Soundtracks, lesen. Hier findet Ihr seinen Beitrag zum Paristeil und es ist wirklich interessant und fesselnd, welche Gedanken er sich über die musikalische Untermalung verschiedener Szenen gemacht hat.                        (http://www.bearmccreary.com/#blog/blog/outlander-paris-episodes/)
Die Kostüme waren fantastisch und ich kann mich an dem Kleid, das Claire bei Jamies Rückkehr trägt, nicht sattsehen. Ich mag die Bluse mit den Rüschenärmeln, die schwarze Seide des Kleides im Kontrast zu dem Weiß der Bluse, die Brosche auf der rechten Schulter und die vielen Accessoires, die an der Kordel auf den Rock herunterhängen. Terry nennt das Kleid  in ihrem Blog das “Ramsey Dress” und ich kann Euch die Bilder dort wärmsten empfehlen. (http://www.terrydresbach.com/details-we-call-it-the-ramsey-dress/ und http://www.terrydresbach.com/i-love-a-beautiful-sleeve/)
Das Kleid ist übrigens dasselbe, das Claire auch schon in Folge 202 getragen hat, als Jamie seine erste Einladung von BPC erhält, ihn im Maison Elise zu treffen. Irgendwie hat mit diesem Kleid Jamies und Claires Leben in Paris begonnen und in dieser Folge hört es mit diesem Kleid wieder auf.

Die Sendezeit dieser Folge beträgt eine volle Stunde. Danke an Starz, dass die Serienverantwortlichen auch mal etwas mehr Sendezeit bekommen, wenn diese erforderlich ist.

Brianna
Ich weiß immer noch nicht, warum die Episode mit der Szene 1954 in Boston startet und ich weiß auch immer noch nicht, ob ich das jetzt gut, schlecht oder neutral finden soll. Vielleicht sollte diese Szene wirklich JEDEM Zuschauer klar machen, dass Claire nicht mit Faith in 201 schwanger ist. Oder vielleicht steckt da ja folgende Absicht hinter: In 201 sehen wir Claire 1948 schwanger mit Brianna, in 207 sehen wir sie im Jahr 1954 mit der kleinen Bree. Werden wir in 213 dann Claire und Bree in 1968 sehen? Ich erkenne da ein Muster, Ihr auch? Die erste, die mittlere und die letzte Folge.

Der Reiher in dem Buch, das sich Brianna anschaut, ist genauso einer wie der, den Claire sieht, kurz bevor Master Raymond sie heilt. Eine schöne Art und Weise zu zeigen, dass Claire niemals Jamie und Faith vergessen hat und auch an ihre tote Tochter denkt, während sie mit ihrer lebenden Tochter zusammen ist. Schön ist es auch zu sehen, dass Claire in dieser Szene immer noch beide Eheringe trägt. Was anderes hätte mich jetzt auch ziemlich schockiert.

Hospital
Eine sehr bewegende Szene, als Claire im Hospital liegt und die Menschen, denen sie wichtig ist, um ihr Leben kämpfen. Mutter Hildegard sagt zu ihr: “Wir kümmern uns um Sie.“
Wie Claire immer wieder verzweifelt Jamies Namen flüstert und die einzelne Träne, die ihr über die Wange läuft, bevor wir sie von oben auf dem blutdurchtränkten Bett liegen sehen, mit ihrem Kleid, das über ihre Hüften hochgeschoben ist, ist einfach unsagbar erschütternd.
Claire erwacht nach einiger Zeit, fährt über ihren Bauch und stellt fest, dass das Baby nicht mehr in ihr ist und sie sucht es verzweifelt in ihrem Bett und schreit sichtlich in Panik: „Wo ist mein Baby?“
„Sie ist nun bei den Engeln.“,
sagt Mutter Hildegard zu Claire und in meinen Augen hätte sie keine liebevolleren Worte dafür finden können, dass Faith nicht mehr bei Claire und Jamie und auf dieser Welt ist. Diese ganze Szene ist schon sehr traurig, aber der Moment, in dem Claire in ihrem Fragen nach den Baby vom Englischen ins Französische wechselt, ist wirklich herzzerreißend, so als ob das Wechseln der Sprache die schreckliche Realität ändern kann. Claire denkt wahrscheinlich, dass sie die anwesenden Nonnen in Englisch einfach nur nicht verstanden haben, es aber könnten, wenn sie Französisch spricht und ihr ihr Baby bringen und dann alles gut wäre. Und dann kann man sehen, wie sich Claires Hoffnung langsam in die grausame Wahrheit verwandelt und sie verzweifelt ruft: „Ich will mein Baby. Bringen sie mir mein Baby!“ 
In der folgenden Sequenz fällt die Statue von Maria auf den Boden und zerbricht, ein sehr ausdrucksstarkes Bild für das, was in Claire in diesem Moment zerbricht.

Mutter Hildegard hat das Baby getauft, obwohl es in der damaligen Zeit illegal war, ein totgeborenes Kind zu taufen und ihm einen Namen gegeben. „Faith“der Name ist für die jetzige Situation schon sehr bezeichnend. „Faith“ bedeutet Glaube und Vertrauen, das, was Claire alles mit ihrem Baby verloren hat, aber in dem Namen ihres toten Babys weiterlebt, in der Hoffnung, dass Claire ihren Glauben und ihr Vertrauen irgendwann wieder finden kann.

In der nächsten Sequenz hat Claire schon seit Tagen hohes Fieber und soll ihre letzte Ölung bzw. die Krankensalbung bekommen und ihre Aussage, „Meine Sünden sind alles, was mir bleibt.“, geht mir sehr nah. Ihr Baby ist fort, ihr Mann, dem sie blind vertraut hat, hat sie verraten. Claire ist nichts Gutes im Leben geblieben und ihre Trauer um Faith wird noch durch Jamies Verrat und seine andauernde Abwesenheit verdoppelt. Auch wenn Claire sich von ihm betrogen fühlt, hätte ihr seine Präsenz wenigstens ein wenig Trost gespendet. Zu Beginn weiß sie ja nicht, warum Jamie nicht zu ihr kommt, aber glaubt Claire wirklich, dass ihre Wut auf ihn und sein schlechtes Gewissen ihn davon abgehalten hätten zu kommen? Nichts und niemand hätte ihn davon abbringen können, seiner Frau in den schwersten Stunden ihres Lebens beizustehen, außer die Mauern der Bastille.

Als es Claire besser geht und Mutter Hildegard ihr erzählt, dass Jamie in der Bastille sitzt und dass BJR schwer verwundet überlebt hat, folgt ein sehr trauriger Dialog zwischen ihr und Claire, der zeigt, wie tief ihre Wut auf Jamie ist, wie sehr sie ihn für den Verlust von Faith verantwortlich macht und wie groß ihre eigene Verzweiflung ist.

Claire: „Mein Ehemann hat mich hintergangen, Mutter. Die Rache bedeutet ihm mehr, als seine Frau oder sein Kind. Ein Jahr der Gnade, das war alles. … Mit seinem Schwert hätte er genauso gut mich durchbohren können.“

Muttter Hildegard: „Gott sagt, wir sollen uns in Erbarmen üben und von der Versuchung abwenden und all die Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“

Claire: „Ich bin mir nicht sicher, ob das Meer tief genug ist.“

Master Raymond im Hospital
Als BL war ich schon etwas besorgt, dass es einer meiner Lieblingsszenen aus “Die geliehene Zeit” nicht in die Serie schaffen könnte, nämlich der Moment, in dem Master Raymond Claire heilt und ihr etwas über ihre blaue Aura erklärt.
Ich sehe die fragenden Geschichtsausdrücke tausender NBL vor mir: „Warum blaues Licht? Warum blaue Aura?“ Und was ist meine Antwort auf diese Frage? „Das ist einer der Gründe, warum ich diese Bücher gelesen habe. Also, geht und lest und ihr werdet Antworten finden.” Wer aber nicht so lange warten kann und jetzt schon mehr über Master Raymond erfahren möchte: Diana hat auf ihrer deutschen Homepage einige interessante Infos über ihn geschrieben. Aber Vorsicht, Spoiler!!! (http://www.dgabaldon.de/html/faq.htm#4)

Aber auf Toni und Ron & Co. ist in diesem Fall Verlass und sie haben die Szene so buchgetreu umgesetzt, wie es nur ging und haben sogar die Sequenzen übernommen, in der Claire nach Jamie ruft und in der Master Raymond Claire erklärt, warum er sie Madonna nennt. Ich mag es, wie Master Raymond in dieser Situation Claires Satz über Freundschaft aus der letzten Folge umdreht und für sich nutzt. Eine wirklich sehr schöne Szene und ich liebe es, wie der ganze Raum in ein blaues Licht getaucht wird, als Master Raymond Claire fragt, was sie sieht und sie „Flügel..blaue Flügel.“ antwortet. Die blauen Flügel gehören zu einem Blaureiher, zu genau so einem, den sich Claire mit Brianna in der Eröffnungsszene im Buch anschaut.

Claires Rückkehr
Dies ist meinen Augen eine der ergreifendsten Szenen dieser Episode. In den vorangegangenen Szenen im Hospital hatte ich zwar Tränen in den Augen, aber Claires Weg an ihren trauernden Angestellten vorbei und der Moment mit Magnus hat mich in Tränen ausbrechen lassen.
Claires Voice Over, als sie mit Fergus in der Kutsche sitzt, macht mich sehr betroffen, ganz besonders dieser Satz: „Ich hatte meinen Ehemann und mein Kind verloren.“ Niemand aus ihrer Familie ist da, der ihr in dieser schweren Zeit zur Seite stehen kann. Jamie ist in der Bastille und Murtagh, der ihr in der Vergangenheit oft eine Stütze in schlimmen Situationen war, ist in Portugal. Umso mehr hat es mich berührt, dass alle Angestellten mit Claire um Faith trauern und vielleicht kann Claire durch Suzette & Co. etwas Trost bekommen, jetzt, wo sie doch ganz alleine ist.

Wie Claire um ihre Fassung ringt, als sie an ihnen vorbeigeht und dann der Moment mit Suzette war einfach herzergreifend. Man sieht ihr ihre verzweifelte Leere und ihren Schmerz an und ihr langsamer und leicht wankender Gang spiegelt sehr gut ihre Gefühle, über ihre Verluste und über das nun leere Haus, wider. In Anlehnung an Game of Thrones ist das wohl „The Walk of Tears“, wie ein Albtraum in Slow-Motion, aus dem Claire nicht aufwachen kann und erst einmal auch nicht aufwachen wird.

Den Part mit Magnus fand ich sehr ergreifend. Magnus will sich als Begrüßung vor Claire verbeugen, aber sie hindert ihn daran. Stattdessen verbeugt sie sich vor ihm, um sich so bei Magnus zu bedanken, dass er ihr Leben gerettet hat. Sie kann bzw. darf ihn nicht umarmen, das lassen die „Klassenunterschiede“ wohl nicht zu, obwohl ich denke, dass Claire solche Sachen egal sind, aber Magnus hätte sich dabei wohl eher unwohl gefühlt. Stattdessen drückt Claire ihre Dankbarkeit durch ihre Verbeugung aus und nimmt Magnus Hand.

In dieser Szene ist auch das Faith Theme, das Bear McCreary eigens für Faith komponiert hat, das erste Mal zu hören. Ein wunderschönes, langsames und trauriges Klavierstück, das diese Szene wunderbar unterstreicht. Bear schreibt dazu auf seinem Blog, dass es sich bei dieser Melodie um eine der Emotionaleren handelt, die er für die Serie geschrieben hat. Gespielt wird das Faith Theme auf dem Klavier und der symphonischen Flöte. Bear hat diese beiden Instrumente fast nie in der Serie eingesetzt, so dass der Klang sofort in diesen Zusammenhang gesetzt werden kann und er hofft, dass die Zuschauer die Melodie modern und herzzerreißend finden werden.

Claire und Fergus
Eine wirklich schöner stiller und privater Moment zwischen Claire und Fergus. Es bewegt mich, wie liebevoll sich Fergus um Claire kümmert, um sie mit seinen Mitteln, die ihm als Kind zur Verfügung stehen, zu trösten versucht. Er ist wirklich in der kurzen Zeit zu einem Familienmitglied geworden.
Die nachfolgende Szene mit den Apostel-Löffeln ist sehr traurig und ich hatte schon Sorge, dass Claire die ganze Box ins Feuer wirft. Gott sei Dank, hat sie sie nur unters Bett katapultiert.
Im weiteren Verlauf wandert Claire schluchzend und in Tränen aufgelöst durch ihr stilles und verlassenes Pariser Appartement und i
ch weiß nicht, ob es Caits Schauspiel, die Musik, das Licht oder alles zusammen ist, aber ich habe Claires Verzweiflung und vor allem auch Einsamkeit spüren können. Wie schlimm es für sie sein muss, zu Hause zu sein und doch niemanden um sich zu haben, der für sie da ist.

Fergus Alptraum
Die Szene zwischen Fergus und BJR war anders als im Buch, aber ich fand sie gut interpretiert, sehr authentisch umgesetzt und sie kommt, trotz der Änderung zur Buchhandlung, zum selben Ergebnis. Ich persönlich brauche keinen Fergus, der, wie im Buch, von BJR gebrandmarkt wird. Die Serienverantwortlichen haben genau das gezeigt, was wir Zuschauer brauchen, um zu verstehen, warum Jamie sein Versprechen, das er Claire gegeben hat, gebrochen hat. Ich bin sehr froh, dass, wie auch schon bei Marys Vergewaltigung, diese dramatische Szene nicht für dramatische Aspekte ausgeschlachtet wird, sondern die Serienmacher ihrem Motto treu geblieben sind und nur das zeigen, was für die Story wichtig ist.
BJRs Satz, Dich habe ich gar nicht bestellt, aber auch gut.„, reicht in meinen Augen vollkommen aus, um bei mir das Grauen aus den Folgen 115 und 116 heraufzubeschwören und wir wissen alle, was er Fergus antun wird.

Wie sich Jamies Gesichtsausdruck binnen einer Sekunde ändert, als er realisiert, was dort mit Fergus passiert und vor allem, wer ihn da missbraucht. Er verwandelt sich augenblicklich in den von Claire im Buch so oft beschriebenen Berserker mit Wikingerblut. Einen Jamie, wie wir ihn bis jetzt nur einmal ansatzweise beim Hexenprozess in Cranesmuir, in Episode 111, gesehen haben. Am Ende der kurzen, aber doch äußerst befreienden Schlägerei, spuckt er noch auf BJR, und ich glaube, wenn ihn die Männer nicht weggezogen hätten, wäre BJR an diesem Nachmittag in Maison Elise gestorben.
Sein Versprechen an Claire kümmert ihn in diesem Moment nicht und auch nicht im nächsten und übernächsten. Jamie fühlt sich nicht nur für Fergus verantwortlich, sondern er hat ihn auch ins Herz geschlossen und es gibt für ihn keine Möglichkeit, dass er tolerieren kann, dass BJR ungestraft Fergus das antut, was er ihm angetan hat. Erst als er Jareds Haus verlässt und sich in den Bois de Boulogne begibt, kommt ihm der Gedanke, dass er seinen Eid bricht. Aber er kann nicht anders und er kann nicht zurück und ich kann ihn sehr gut verstehen. Seine Notiz an Claire, auf die er die Worte „I must.“ geschrieben hatist seine Begründung und gleichzeitig seine Entschuldigung. Aber unter keinen Umständen kann er BJRs Übergriff auf Fergus ungestraft lassen.

Die gesamte Szene zwischen Claire und Fergus ist toll umgesetzt. Wenn Claire Fergus schreien hört und ihn versucht aus seinem Albtraum zu wecken, erinnert mich das sehr an Jamies Albträume. Sehr emotional und sehr bewegend. Fergus, der Milady mit BJRs Parfumfläschchen eigentlich nur eine Freude machen wollte, Claires Entsetzen, als sie erkennt, warum Jamie sein Versprechen gebrochen hat. Etwas, was Jamie unter normalen Umständen nie getan hätte, aber aufgrund des Übergriffs von BJR auf Fergus jetzt für Claire absolut nachvollziehbar ist.
Ich verabscheue diesen perversen Sadisten dafür, dass er sich schon wieder in die Träume eines geliebten Buch-/TV-Charakter drängt. Fergus Selbstvorwürfe, dass er schuld an Jamies Inhaftierung in der Bastille ist, weil er erstens nicht auf ihn gehört hat und nicht dort stehen geblieben ist und zweitens während der Vergewaltigung durch BJR nicht still sein konnte und nach Milord gerufen hat, bricht mir fast das Herz. Es ist gut zu sehen, dass Claire in diesem Moment ihre eigene Trauer hinten anstellt, für Fergus da ist und ihm klar macht, dass es nicht seine Schuld war. Nachdem Fergus sich Claire anvertraut hat, versteht sie Jamie und beginnt, ihm zu verzeihen, dass er sein Versprechen nicht halten konnte.

Mutter Hildegard
Claire bittet Mutter Hildegard, die ja, wie wir alle aus Folge 203 wissen, die Patentante von König Louis Urgroßvater ist, um eine Audienz beim König, weil sie um Jamies Freilassung bitten möchte. Mutter Hildegard warnt sie, dass der König als Preis für die Freiheit, so auch der Episodentitel dieser Folge, erwartet, dass Claire mit ihm das Bett teilt. Claires Antwort darauf: Wenn es nötig ist, werde ich meine Tugend opfern. Sie wäre nur eine von vielen Dingen, die ich in dieser Stadt verloren habe.” zeigt, wie egal ihr alles ist, denn es ist nichts mehr übrig, was sie noch verlieren kann, was in ihren Augen eine Bedeutung für sie hätte.

Als Claire zu Mutter Hildegard sagt, dass sie immer noch wütend auf Jamie ist, aber jetzt den wahren Grund für seinen Verrat an ihr kennt, frage ich mich, was Claires Motivation ist, Jamie aus der Bastille zu befreien. Im Buch macht sie es, ohne zu wissen, warum das Duell stattgefunden hat. Vielleicht in erster Linie, damit Jamie nach Portugal reisen kann und er und Murtagh die Fakepocken auf dem Schiff vom Comte verbreiten können. Liebe NBL, an dieser Stelle nicht wundern, die Story im Buch, wie der Comte seine Weinladung und BPC seine Investition verliert, ist etwas anders als in der Serie.
Aber wenn sie in der Serie nicht von Fergus über Jamies Motiv für das Duell erfahren hätte, was wäre dann gewesen? Hätte sie jemals darüber nachgedacht, Jamie aus der Bastille frei zu bekommen? Hätte sie ihn jemals wiedersehen wollen? Bei mir hinterlässt die Tatsache, dass Claire Jamie nur aus der Bastille befreien möchte, weil sie von Fergus erfahren hat, dass Jamie Zeuge wurde, wie BJR ihn missbraucht hat, einen faden Beigeschmack. Ich denke, sie hätte trotz allem Jamie um seinetwillen und um der Liebe wegen, die sie tief unter dem Berg aus Trauer und Wut für ihn empfindet, befreien sollen.

The Star Chamber
Alle Sets, die ich bis jetzt in dieser Staffel gesehen habe, waren detailverliebt, lebensecht und fabelhaft. Aber Jon Gary Steele, der Setdesigner bei Outlander, hat sich in dieser Episode in meinen Augen mit seinem Set „The Star Chamber“ selbst übertroffen. Jedes Mal, wenn ich mir Bilder hierzu anschaue, bin ich aufs Neue sprachlos. Dieses Set ist einfach faszinierend, zauberhaft und traumhaft schön. (http://www.jongarysteele.com/outlander-set/finished-star-chamber/ und http://www.jongarysteele.com/?s=star+chamber)

Die Szene ist sehr buchnah umgesetzt worden und ich mag Claires gemurmeltes Jesus H. Roosevelt Christ!“ als sie realisiert, was der König von ihr verlangt. Ich finde, sie zieht sich in der Szene den Schuh der weißen Hexe sehr gut an und liefert dem König eine oskarreife Vorstellung. Claires leicht süffisantes Lächeln ist toll, als sie der Comte mit Sie ist eine Hexe.“ betitelt. Der Farbwechsel von Claires Stein ist gut inszeniert und die Reaktion von ihr und dem Comte darauf ist faszinierend mit anzusehen. Die Angst in seinen Augen und die Tränen, die ihm über das Gesicht laufen, als er realisiert, dass er jetzt sterben wird. Vielleicht hat es dem Comte noch niemand gesagt, aber immer wieder zu behaupten „Ich lüge nicht! Ich lüge NICHT! Ich bin KEIN Lügner!“  ist kein wirklich effektiver Weg, sich vor Gericht zu verteidigen und seine Unschuld zu beweisen. Aber es ist das erste Mal, dass der Comte sich in seiner sonst so überheblichen Art dazu herablässt, Englisch zu sprechen.
Ich liebe die Abschiedsworte vom Comte, kurz bevor er das Gift trinkt. Es ist so Comte like, wenn er Master Raymond als „durchtriebenen Bastard“ beschimpft und Claire als „…Hexe, die mit dem Teufel Unzucht treibt“ bezeichnet.

Stanley Weber ist in dieser Szene einfach grandios und wundervoll. Es ist sein großer Auftritt und er stiehlt allen die Show. Die Boshaftigkeit, die Arroganz, das Grauen und am Ende die Tränen, Stanley hat alles auf den Punkt gebracht. Und ich finde, der Comte stirbt so wie er gelebt hat: überheblich, ausdrucksstark, elegant und auch ein bisschen sexy. Wie zum Teufel schafft es Stanley bloß, dass mir der Comte, den ich im Buch immer unsympathisch fand, in dieser Szene leid tut und ich froh bin, dass er nicht für immer stirbt.

Kleine Randnotiz:
Was hat Claire eigentlich immer mit diesem “Bitteren Cascara“? Hat Starz einen heimlichen Werbevertrag mit irgendeinem ominösen Heilkräuterfarmer, der besagt, dass diese Pflanze mindestens einmal pro Episode erwähnt werden muss?

Audienz beim König
Die Szene nach dem Star Chamber war wirklich gut gespielt und genauso, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Kurz, knapp, völlig emotionslos und unerotisch, einfach eine geschäftliche Transaktion. Ich finde es schon ein wenig komisch, wie der König Claire etwas unbeholfen auf sein Bett schubst und sie dann im Voice Over sagt: „Ich schloss die Augen und dachte an England.“ Dieses Statement hatte sich in den frühen 1910ern in England etabliert und bezieht sich auf unerwünschten Geschlechtsverkehr, vornehmlich dann, wenn sich der Ehemann sexuell seiner unwilligen Frau nähert.
Am Ende der Szene musste ich schmunzeln, als sich Claire noch einmal umgedreht und sich die Orange mitnimmt. Sie hat sie sich wirklich verdient.

Lionel Lingelser fand ich schon in 205 grandios, aber in dieser Episode ist er sehr eindrucksvoll. Ich wünschte, ich könnte dieses Händeding machen. Ich habe immer den Eindruck seine Hände sprechen ihre eigene Sprache. Wie macht er das am Ende der Szene bloß, dass er es schafft, ohne Worte und nur mit seinen Händen und seinen Augenbrauen Claire zu sagen, dass sie fertig sind und sie entlassen ist?

Jamies Bart
Jamies neuer Look hat mich leider emotional ein bisschen aus dieser Szene rausgerissen und mich so irritiert, dass er eine eigene Überschrift in meiner Review bekommt. Ich musste mir diesen Moment bestimmt fünfmal anschauen, bevor ich bei Jamies Anblick nicht mehr in leichtes hysterisches Gekicher ausgebrochen bin. Er sieht wie eine ganz andere Person aus und ich musste mich erst einmal an den Anblick gewöhnen.
Ich finde, dass der Bart einiges von Sams Mimik, die sein einzigartiges Schauspiel ausmacht, versteckt und dass der Fake Bart auch nicht besonders gut gelungen ist. Hoffen wir, dass sich Sam für Staffel 3 einen eigenen Bart wachsen lassen kann.
Aber trotz aller Bartirritationen haben die Serienverantwortlichen einen guten Weg gefunden, uns zu zeigen, wie viel Zeit seit seiner Inhaftierung vergangen ist. Im Buch war die Zeit, die Jamie in der Bastille verbracht hat kürzer, aber er ist danach direkt nach Portugal gegangen und hat Claire auch erst nach seiner Rückkehr das erste Mal nach Faiths Tod besucht. Ich denke, dass der Abstand zwischen der Totgeburt und dem Wiedersehen der gleiche ist, wie im Buch. Im Buch ist Faith am 12. Mai 1744 gestorben, Claires Audienz beim König war um den 8. Juli und Jamie besucht Ende August Claire in Fointenableau, also alles zusammen dreieinhalb Monate.

Jamie kommt nach Hause
Im Buch gehört die Szene, in der Claire und Jamie das erste Mal nach Faiths Verlust in Fointenableau aufeinander treffen, zu meinen Lieblingsszenen und ich weiß ehrlich nicht, wie oft ich diese schon gelesen habe und wie viele Tränen ich dabei vergossen habe. Die Serie hat die Handlung aus dieser Szene sehr detailgetreu umgesetzt, der Moment, als Claire Jamie Faith beschreibt, ist ganz genau wie im Buch.
Was allerdings ein Buch kann und eine Serie nicht, ist, Emotionen zu beschreiben und im Kopf der Akteure zu sein. Gerade Claires Beschreibung im Buch, wie sich der graue Schleier, der sie umgibt, sich durch Jamies Anwesenheit nach und nach lichtet und sich dann auflöst und wie viel Kraft es sie kostet, den letzten Fetzen des Schleiers gehen zu lassen und sich wieder auf Jamie und damit verbunden auf Gefühle einzulassen, kann eine Serie nicht umsetzen. Aber sie kann mit den Mitteln, die sie zur Verfügung hat, diese Stimmung aus dem Buch transportieren und das ist Toni mit ihrem Drehbuch und Sam und Cait mit ihrer Performance mal wieder gelungen. Cait ist in dieser Szene einfach so unbeschreiblich gut. Sie hat mich wirklich glauben lassen, dass sie gerade ihr Baby verloren hat und als sie dann noch das Wiegenlied singt und nachdem sie Faith an Louise gegeben hat, verzweifelt und laut schluchzend zusammenbricht, konnte ich ihre Trauer spüren. Auch Sam ist, obwohl er nur einen kurzen Auftritt in dieser Episode hatte, einfach fantastisch und außergewöhnlich. Er ist in der Szene eher der reagierende Part, während Cait agiert. Ich finde es bewundernswert, wie er jede Emotion, die Cait uns zeigt und verbal beschreibt, in seinem Schauspiel durch Mimik und Körpersprache widerspiegelt. Einfach grandios anzusehen. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, für diese emotionale und herzergreifende Interpretation und ich stelle fest, ich kann ihn nicht weinen sehen. Furchtbar!

Als Jamie die Treppe in Jareds Haus hinaufsteigt, sieht man ihm an seinem zögernden und schleichenden Gang an, was ihn die letzten Wochen gekostet haben. Claires Gefühle waren während der ganzen Episode für uns sichtbar, aber Jamies nicht. Er erklimmt die Stufen wie ein alter Mann, langsam, fast schleichend, gebückt und gebrochen. Und Claire kann ihn noch nicht einmal anschauen, als er vor ihr steht.
Jamie und Claire befinden sich im Salon und keiner sagt ein Wort. Das Ticken der Uhr, das das betretene Schweigen zwischen ihnen fast unerträglich macht, ist einfach sehr gut umgesetzt.
Jamie bricht als erstes dieses entsetzliche Schweigen und seine Stimme ist ganz rauh und dunkel, so wie sein Innerstes. Und bei seiner Aussage „Ich weiß nicht einmal, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Claire, soll ich Dich anflehen?“ hat sich alles in mir zusammengezogen. Dann der erste Blick in sein Gesicht und er sieht so verzweifelt und so unendlich traurig aus und es rührt mich zu Tränen. Wie macht Sam das immer nur, so viele Emotionen ohne ein einziges Wort zu zeigen?  Dieser Mann hat so eine ausdrucksvolle und facettenreiche Mimik und oft reicht wirklich ein Blick in sein Gesicht und in seine Augen, um zu wissen, was Jamie fühlt. In diesem Augenblick sehe ich seine Angst, nach Hause zu kommen und in Claires Nähe zu sein, weil er nicht weiß, was ihn erwartet. Wird Claire ihn noch wollen oder ist alles vorbei? Ist er stark genug, sich ihrer Wut, Enttäuschung und vielleicht auch ihrem Hass zu stellen? Kann er es aushalten, dass Claire ihn eventuell verachtet? Jamie gibt sich die Schuld an Faiths Tod und kann sich selbst seinen Verrat und die Folgen nicht verzeihen, wie also soll er Claire um Vergebung bitten. Aber auch er hat sein Kind verloren und vielleicht auch seine Frau. Was soll er nur sagen? Was soll Claire ihm sagen? Dann erzählt Claire ihm über Faith „Es war ein Mädchen. Mutter Hildegard hat sie getauft, gab ihr einen Namen. Faith.“ Und dabei kann Claire Jamie immer noch nicht anschauen. Als er sie fragt, ob sie ihn hasst, bricht Jamies Stimme.
Es folgt ein Flashback von Claire, in dem sie Jamie Faith wortgetreu, wie im Buch, beschreibt. Sein Blick und seine Miene sind starr, das einzige was sich in dieser Situation bewegt, ist sein Adamsapfel und das reicht schon, um seine Trauer und seinen Schmerz auszudrücken. Wie Claire Faith in den Armen hält, zärtlich ansieht, sie streichelt und ihr etwas vorsingt, ist steinerweichend. Dann kommt Louise hinzu, und dieser Moment, als sie Claire mit Ma chère anspricht, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, die seit dem Morgen einzig und allein dem toten Baby in ihrem Arm gilt, ist wirklich sehr bewegend und das Faith Theme macht den Moment noch herzergreifender. Claires Aussage „Sie ist wunderschön, nicht wahr? Zehn Finger, zehn Zehen.“ zeigt, dass sie nicht verstehen kann, wieso ein so perfektes Baby nicht leben durfte. Dieser Satz treibt mir JEDES EINZELNE MAL, wenn ich diese Folge sehe oder wenn ich an meiner Review arbeite, Tränen in die Augen. Als Louise sagt „Es wird Zeit, meine Liebe.“ und Claire Faith zum Abschied lange auf die Stirn küsst, das ist so unsagbar herzzerreißend. Dann übergibt Claire Faith in einem weiteren Flashback an Louise und bricht weinend zusammen und ich bin übrigens auch kurz davor. Gut zu sehen, dass Louise für Claire da ist und sie diejenige ist, an die Claire Faith abgeben kann. Es revidiert den Eindruck, den wir in der letzten Folge von ihr hatten und zeigt, dass sie nicht nur eine egoistische Upper-Class-Lady ist, sondern für Claire eine wahre Freundin.
In der nächsten Einstellung schaut Claire auf, Jamie das erste Mal ins Gesicht und sagt voller aufgestautem Zorn, dass sie ihn gehasst hat und Jamie treffen diese Worte sichtlich. Für ihn scheint auch noch der letzte Rest seiner Welt zusammenzubrechen, denn er hat fast alles verloren und jetzt wird er vielleicht auch noch seine Frau verlieren. Die Art und Weise, wie er sich auf die Couch setzt, ist herzergreifend und ich kann in seinem Gesicht und an seiner Körperhaltung sehen, dass Claires Worte ihn fast tödlich getroffen haben.

Ja, Claire hat Jamie für seine Tat gehasst, bevor sie den wahren Grund kannte, aber sie ist auch in der Lage zu erkennen, welche Rolle sie in diesem ganzen Drama spielt. Als sie die Schuld auf sich nimmt und zu Jamie sagt, dass sie Frank über ihre Familie gestellt hat, antwortet Jamie einfach nur „Doch Frank gehört zu Deiner Familie.“ Er erweist Frank den Respekt, den er als Claires früherer Ehemann verdient hat und er versteht, dass Frank ihr immer etwas bedeuten wird und akzeptiert das.
Ich liebe Jamies Aussage, wenn es zu dem Punkt kommt, an dem Claire sagt, dass es ihr Fehler ist und Jamie sagt: „Graidh. (und alleine schon bei diesem Wort bekomme ich eine ganze Armee an Gänsehaut und leider ist Sams gälisches Graidh mit Claire übersetzt worden) Ich habe Dich einst um Vergebung gebeten, Du sagtest es gibt nichts zu vergeben Die Wahrheit ist, Dir habe ich bereits vergeben, schon vor langer Zeit. Das und alles andere, was Du jemals tun könntest.“
Im Hintergrund läuft das Jamie und Claire Theme und wenn man genau hinschaut, macht Sam das nervöse Jamie Fingertrommeln mit der rechten Hand. Jamie beginnt zu weinen und ich weine einfach aus Solidarität mit. Seine Aussage, dass er Claire schon alles verziehen hat, bezieht sich auf sein Voice Over in 109, nach dem Streit am Fluss, als er sagt, dass es nichts zu verzeihen gibt, denn er hat Claire von Anfang an alles verziehen, weil er sie liebt. Und ich denke dann noch an Claires Aussage in der Abtei in Folge 116, als Jamie ihr von BJR erzählt und sie zu ihm sagt: „Dachtest Du, ich würde Dir nicht verzeihen? Da gibt es nichts zu verzeihen.“ 

Als Claire Jamie erzählt, dass sie mit dem König geschlafen hat, habe ich erst gedacht, dass er relativ schnell über die Tatsache hinweggeht. Aber nachdem ich noch einmal darüber nachgedacht habe, bin ich der Meinung, dass er wohl gewusst haben wird, welchen Preis der König für seine Gnade verlangt, denn er hat sich ja oft genug am Hofe aufgehalten und von daher war er emotional schon vorbereitet. Wenn man genau hinschaut, ändert sich Jamies Gesichtsausdruck nicht merklich. Als Claire es ihm sagt, nickt er ein wenig, so als ob er es gewusst hat. Jamie ist nicht wütend, er sagt lediglich mit tränenerstickter Stimme „“Du hast es gemacht, um mir das Leben zu retten. So wie ich mich Randall hingab, um Dich zu retten.“
Dann kommt die entscheidende Szene. Claire fragt „“Wie können wir je wieder dieselben sein?“ Jamies Antwort darauf macht allen klar, dass er ein Leben mit ihr will, egal was passiert ist und was noch passieren wird: „Das können wir nicht. All das, was hier passiert ist, ist zu viel, um es ganz allein zu tragen.“ Er kniet sich vor Claire hin und sagt weiter: „Nur GEMEINSAM können wir diese Last tragen und weiterleben.“
Ich habe in einem Interview mit Diana gelesen, dass Jamie nach diesem Satz noch einen weiteren sagt, der im Drehbuch steht, den sie auch gedreht haben, denn Diana hat ihn in den Dailys gesehen, der aber in der Nachbearbeitung leider geschnitten wurde. Jamie sagt zu Claire: „Bei unserer Hochzeit habe ich dir meinen Körper und meine Seele gegeben, bis zum Ende unseres Lebens  – und es ist nicht das Ende”. 
Das Drehbuch zu dieser Folge findet Ihr hier: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=207 und ich kann Euch nur empfehlen, gerade diese letzte Szene zu lesen. Toni hat so wundervolle und bewegende Dialoge geschrieben und es ist wirklich sehr, sehr schade, dass sie es nicht alle in diese Folge geschafft haben.
Claire fragt ihn, ob er sich sicher ist und Jamie antwortet, dass sie ein Kind verloren haben, aber mit Gottes Gnade ein anderes bekommen werden und damit setzt er ein ganz klares Statement: Er will eine Zukunft mit Claire, er will ein Leben und  weitere Kinder mit ihr, denn sie ist sein zu Hause, sein fester Anker und seine Seelenverwandte. Claire bittet ihn, „Dann bring mich nach Hause, nach Schottland.“, und Jamie ist so erleichtert, dass sie doch noch eine Chance haben und zusammen zurück nach Schottland gehen werden, dass er heftiger anfängt zu weinen und mir fällt es sehr schwer, Jamie so weinen zu sehen.

Ich hätte mir gewünscht, dass in der Serie, wie auch im Buch, Claire und Jamie zu der Einsicht gelangen, dass niemand für diese Tragödie verantwortlich ist und dass Claire Faith höchstwahrscheinlich auf jeden Fall verloren hätte.

»Jamie«, sagte ich, und meine Lippen bebten ein wenig. »Das … Baby. Es war nicht deine Schuld. Es hat sich zwar so angefühlt, aber es war nicht so. Ich glaube … ich glaube, es wäre so oder so geschehen, ob du mit Jack Randall gekämpft hättest oder nicht.«
(“Die geliehene Zeit” von Diana Gabaldon, Kapitel 29 Die Nessel ist ein sauber Kraut …)

Aber in der Serie trägt jeder seinen Anteil „Schuld“ an Faiths Verlust und die Möglichkeit, dass beide sich vergeben und gewillt sind, ihr Leben weiter gemeinsam zu leben, ist es, was ihre Ehe rettet.

Diese Szene ist sehr emotional, stark und bedrückend und fast perfekt. Sie wäre für mich perfekt gewesen, wenn Jamie Claire, so wie im Buch auch, erzählt hätte, wie er sich gefühlt und was er alles durchgemacht hat, denn nicht nur sie hat ihr gemeinsames Kind verloren, sondern auch er. Und für alle, die diese Szene auch vermisst haben, hier ist sie:

»Ich habe dich dort gesehen – am Boden, ganz am Ende. Gott! Du warst so weiß, und deine Röcke waren so voller Blut … Ich habe versucht, zu dir zu gehen, Claire, sobald ich dich gesehen habe – ich bin auf dich zugelaufen, aber dann hat mich die Garde ergriffen.« Er schluckte krampfhaft; ich konnte spüren, wie ihm die Bewegung über das ganze Rückgrat lief. »Ich habe mich gewehrt … mich gewehrt, und, aye, ich habe sie angefleht … aber sie wollten sich nicht aufhalten, und sie haben mich mitgeschleppt. Und sie haben mich in eine Zelle gesteckt und mich dort in dem Glauben gelassen, du wärst tot, Claire – in dem Bewusstsein, dass ich dich umgebracht habe. … »Ich habe versucht, meinen Kopf vor die Wand zu rammen – nur um nicht weiter nachdenken zu müssen«, sagte er beinahe flüsternd. »Also haben sie mich an Händen und Füßen gefesselt. Und am nächsten Tag hat de Rohan mich gefunden und mir gesagt, dass du noch am Leben warst, wenn auch vermutlich nicht mehr lange.«
(„Die geliehene Zeit” von Diana Gabaldon, Kapitel 28 Und es ward Licht)

Faith Grab
Die Szene an Faiths Grab gibt es nicht im Buch, aber hier ist wieder eines dieser Dinge, die die Serie zeigt, die nicht im Buch waren, aber die für mich trotzdem sehr gut funktionieren.
Es war gut, dass Jamie und Claire zusammen Faiths Grab besuchen, denn so etwas würde man auch nach solch einem Verlust in der Realität machen.
Jamies Idee einen der Apostel-Löffel für Faith dort zu lassen, war eine so liebenswerte und rührende Geste und so typisch für ihn. Sein Satz, den er sagt, als er den Apostel-Löffel auf das Grab legt „Wenn wir dich schon in Frankreich beerdigen mussten, soll ein Teil Schottlands bei Dir sein.“ und Claire, die lautlos weinend am Grab kniet, hat mich ein letztes Mal in dieser sehr emotionsreichen Folge zu Tränen gerührt. Als Claire Jamies Hand nimmt, ist klar, dass sie das machen, was Jamie ihr in Jareds Haus gesagt hat, nämlich, dass sie ihren Schmerz und ihre Trauer zusammen tragen werden, als Mann und Frau, deren Liebe füreinander auch diesen Schicksalsschlag überdauern wird.
Die Szene wird wunderbar mit dem Faith Theme  untermalt und diese leichte, getragene Klaviermusik ist wunderschön und unterstreicht die Intensität der Szene noch einmal. Das Musikstück im Abspann weiterzuspielen ist eine sehr bewegende und ergreifende Art, diese fabelhafte Episode zu beenden. 


Ron und Co. haben bis jetzt ihr Versprechen gehalten, anders zu sein als andere. Meiner Meinung nach ist diese Serie einzigartig im Serienuniversum. Hier geht es um mehr als nur Action, Dramatik und Spannung. Hier geht es um zwei Menschen, die immer versuchen, das Richtige zu tun und vom Leben und Schicksal eingeholt werden, aber nicht daran zerbrechen, sondern ZUSAMMEN daran wachsen und noch stärker werden, als sie vorher waren.
„Wenn wir getrennt sind, geschieht immer irgendetwas schlimmes.“ sagte Claire in der Folge 206 zu Jamie. Oh, wie recht sie damit hatte. „Wir finden immer wieder zurück zueinander, oder nicht?“ war Jamie Antwort. Und auch er hat damit recht. Diese Liebe und diese Verbindung kann nichts erschüttern, nicht einmal eine zwanzigjährige Trennung.

Ich kann es kaum erwarten, dass Jamie, nicht nur Claire, sondern auch uns Zuschauer, in der nächsten Folge endlich nach Hause, nach Schottland bringt. Und ich freue mich auf Lallybroch, Jenny, Ian, Murtagh und natürlich auch auf den gesamten Clan MacKenzie. Ich hoffe, dass wir alle ein bisschen Zeit und Erholung in Lallybroch haben werden, bevor das Chaos um BPC ausbricht.

Und noch eine sehr erschreckende und furchtbare Erkenntnis zum Schluss: Wir haben schon mehr als die Hälfte der Folgen aus Staffel 2 gesehen und es sind nur noch sechs Folgen übrig, bevor uns Droughtlander wieder einholt.

@Yvonne Pirch 22.05.2016 / 28.09.2016


Inside the World of Outlander Folge 207: https://www.starz.com/video/85baaee7ea5c4885bcac12374c8dd0fb
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 207http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=207
Podcast Ron D. Moore Folge 207: http://assets.starz.com/stzcom/outlander/207_Podcast.mp3

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