Review Folge 208 Im Fuchsbau (The Fox`s Lair)

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Episode 208
Im Fuchsbau
(The Fox`s Lair)

Drehbuch: Anne Kenney
Regie: Mike Barker

„Ich sage Dir, was närrisch wäre, Janet.
Wenn Dir der eigene Stolz im Wege steht,
um das zu tun, was nötig ist,
um Lallybroch, Schottland
und alles,
was uns lieb und teuer ist, zu retten.“
(James Fraser)


ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Ich habe mir schon gedacht, dass es diese Woche eher eine ruhigere und nicht so emotionale Folge sein wird und meine Erwartungen waren auch nicht überzogen oder übermäßig hoch, aber es ist das erste Mal in dieser Staffel, dass ich von der Story nicht hundertprozentig überzeugt bin. Diese Episode hat mich teilweise unzufrieden und etwas ratlos zurückgelassen. Das Gefühl ist auch nach einer Nacht darüber schlafen und vielen Gedanken über die Dinge, die mich besonders gestört haben, nicht besser geworden. Daher habe ich mich entschlossen, die Folge erneut zu schauen. Mein Urteil zu einigen Plots hat sich zwar geändert, aber der Handlungsstrang um Laoghaire stört mich immer noch massiv, aber dazu im späteren Verlauf der Review mehr. Wahrscheinlich hat es mir auch etwas gebracht, dass ich die Handlung im Buch noch einmal grob überflogen habe und mich nicht ständig, wie beim ersten Schauen, mit der Frage quälen musste, ob und wie die Handlung im Buch gewesen ist. Es ist nicht so, dass mir die Folge nicht gefallen hat, denn es gibt mehr Gutes als Schlechtes und besonders den Teil in Lallybroch finde ich gut gelungen. Aber der Rest dieser Episode hat mich leider nicht so gefesselt und so in die Handlung eingebunden, wie die anderen sieben Folgen zuvor. Sie ist für mich bis jetzt die Schwächste der zweiten Staffel.

Ist Euch aufgefallen, dass wir ein komplett überarbeitetes Intro haben? Dieses lässt keinen Zweifel an der Tatsache: WE ARE BACK IN SCOTLAND (hurra und juchhe)!
Alle Parisszenen sind durch neue Sequenzen, die themenbezogen für die zweite Hälfte der zweiten Staffel sind, ersetzt worden. Wir haben ein Schlachtfeld im Kleinformat mit “Spielzeugarmeen“ und ein Auto, das auf Lallybroch zufährt (ich könnte schwören, Claire sitzt am Steuer) und englische Musketen und Claire auf dem Boden liegend im Militäroutfit und Explosionen und ein Militärfahrzeug und last but not least zwei Personen und ein Auto an einem Loch. Ich glaube, dass das unser erster Anblick von Roger und Brianna ist. Auch der „Skye Boat Song“ wurde von Bear McCreary komplett überarbeitet, der französische Part wieder gegen den Englischen getauscht und Trommeln untermalen musikalisch jetzt den kriegerischen Fortgang der 2. Staffel.
Allein schon an der Eröffnungssequenz erkennt man, mit wie viel Liebe zum Detail alle an dieser Serie arbeiten, denn ich kenne keine Serie, die ihre Eröffnungssequenz der Handlung anpasst. Super Job!

Anne Kenney hat in ihrem Drehbuch viele Handlungen und auch viele Dialoge sehr buchnah übernommen und gut umgesetzt, so zum Beispiel das Gespräch zwischen Jenny und Claire über Babys oder auch das zwischen Jamie und Lord Lovat. 
Die vorgenommenen Änderungen zur Buchhandlungen haben sich meines Erachtens zwar nahtlos in die Serienstory eingefügt, aber als passionierter BL kann ich mich diesmal mit einigen Abweichungen vom Buch absolut nicht arrangieren. Ich habe bis jetzt nie Probleme damit gehabt, wenn Handlungsstränge aufgrund von Erzählzeit, Folgenstruktur oder Spannungsbögen verändert oder rearrangiert werden mussten, wie die gesamte erste Hälfte der 2. Staffel, solange sich diese in die weitere Struktur der Serie einfügen und in nachfolgende Episoden beibehalten werden. Als Beispiel kann ich hier die Änderung der Handlung um Jamies Heilung nach Wentworth nennen. Auch habe ich absolut kein Problem damit, wenn Charaktere in der Serie eine größere Bedeutung, mehr „Screentime“ und Dialoge als im Buch bekommen, siehe Murtagh und Frank. Das Einzige, was mich wirklich stört, ist, wenn Handlungsstränge dazu erfunden werden, wie mit MacQuarrie in Folge 113 oder Charaktere komplett anders dargestellt werden, wie Laoghaire in Folge 111 und 112. Meiner Meinung nach bieten die Bücher genug Ausgangsmaterial, um eine spannende Story erzählen zu können. Oftmals passen diese Neuerungen, wie auch in dieser Folge die gesamte Story um Laoghaire, nicht in das Gesamtkonzept und von daher sind sie einfach Out of Character oder Out of Dianas Story. Hätten die Serienverantwortlichen die komplette Handlung um Laoghaire gestrichen und die um Lord Lovat nicht künstlich aufgebauscht, denn im Buch umfasst der Besuch von Jamie und Claire auf Beaufort exakt siebenundfünfzig Seiten und zwei Kapitel, dann wäre genug Zeit für ein bisschen Ruhe und Beschaulichkeit in Lallybroch gewesen.
Auch, wenn mir einige Dinge in dieser Folge nicht gefallen haben, hat es Anne Kenney geschafft, die Beziehung von Jamie und Claire und deren Charaktere, insbesondere den von Jamie, in einer wundervollen Art und Weise in dieser Folge zu entfalten, weiterzuentwickeln und uns ein wahres Porträt der Buch Charakterzüge zu zeigen.

Claire
Sie sieht in dieser Folge irgendwie anders aus als in Paris. Sie wirkt auf mich jünger und entspannter, obwohl sie all die Dinge in den letzten Monaten durchmachen musste. Wahrscheinlich machen sie das „leichtere“ Outfit und die nicht so pompösen Frisuren jünger und in meinen Augen auch nahbarer als noch zu Pariszeiten.
Terry Dresbach hat zur Claires Kleidung gesagt, dass sie für sie keine neuen Kostüme entworfen haben, da Claire in Lallybroch einfach ihre Kleidertruhe öffnen und dort eines ihrer “alten” Kleider wieder anziehen konnte. Das einzige neue Kleidungsstück in Schottland ist Claires Arisaid, denn sie brauchten etwas, um Cait beim Dreh warm zu halten. Also haben sie einfach das Naheliegendste genommen, denn Frauen in den schottischen Highlands haben immer schon Arisaids getragen, um sich vor der Kälte zu schützen. Ich finde, dass es eine tolle Idee gewesen ist, denn es sieht einfach wundervoll aus. (Terrys ausführlichen Beitrag findet ihr hier: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=208)
Auch scheint Claire den Ballast, der sie und die Beziehung zu Jamie in Paris belastet hat, hinter sich gelassen zu haben. Sie hat sich mit Jamie ein neues und leichteres Leben auf Lallybroch aufgebaut, fern von Lügen, Intrigen und den schrecklichen Ereignissen, die in Paris stattgefunden haben. Und Claire zeigt im Laufe der Folge, dass sie bereit ist, Jamies Führungsqualitäten zu trauen, ihm zu folgen und seine Entscheidungen zu respektieren. Ja, sie würde alles für ihn machen und das ist vielleicht auch der Grund, warum sie sich mit Laoghaire „verbündet“, um für Jamie einen Weg zu schaffen, dass er Lallybroch nicht an Lord Lovat übertragen muss.

Jamie
Was mir als erstes aufgefallen ist, Jamies Haare sind kürzer. Er sieht in seiner Highlanderkleidung, genauso wie Claire, ganz anders aus, wesentlich „leichter“ und jünger. Terry sagte, dass ihnen quasi in letzter Minute eingefallen ist, dass Jamie einen neue Jacke und eine neue Weste braucht, da er ja nackt war, als sie ihn aus dem Wentworth Gefängnis befreit haben. Die neuen Kleidungsstücke sollten denen aus der ersten Staffel sehr ähnlich sein und auch hier muss ich wieder einmal das einmalige Talent von Terry loben.Terrys ausführlichen Beitrag findet ihr hier http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=208)
Jamie handelt in dieser Folge in vielen Situationen wie mein Buch Jamie. Seine Intelligenz, seine Charakterstärker, sein Sinn für Humor, sein Mut, alles ist wieder da. Und Jamie ist endlich in seiner Position als Laird, der seine Familie und Pächter mit allen Mitteln vor den Briten beschützen will, angekommen.

Anne Kenney hat in dieser Episode ein wundervolles Porträt von JAMMF geschaffen, das einen Grundstein für seine Größe als Anführer und militärischen Strategen für die kommenden Folgen legt. Jamies diplomatischen Fähigkeiten werden durch Annes Drehbuch sehr gut beschrieben. Seine Loyalität und sein Vertrauen in andere zeigt sich durch seine Art und Weise, wie er Fergus und Young Simon, den Sohn von Lord Lovat, behandelt und er beweist sowohl Mut als auch Stärke in den durchaus schwierigen Verhandlungen mit Lord Lovat und Colum. Seine unumstößliche Hingabe in Bezug auf seine Familie wird sehr schön in dem Gespräch mit seiner kleinen Nichte gezeigt. Und es bricht mir jetzt schon das Herz, wenn ich daran denke, wie selbstlos Jamie handelt und auch in Zukunft handeln wird, wenn es um seine Familie und allen voran Claire geht und er deren Sicherheit und Wohlergehen immer über seine Interessen und Wünsche stellen wird. Danke an dieser Stelle an Sam, denn ohne sein großartiges schauspielerisches Talent würden wir nie so einen facettenreichen und interessanten Jamie sehen.

Jamie und Claire
Der Kern der ganzen Outlanderserie ist die tiefe und innige Beziehung von Jamie und Claire. Beide haben auf Lallybroch endlich die notwendige Zeit und Ruhe und den familiären Rückhalt, all die schrecklichen Dinge, die ihnen passiert sind (Wentworth, Jamies Trauma, Faiths Tod) zu verarbeiten, einen Weg zu finden, damit zu leben und die Wunden heilen zu lassen. Jamie hat es am Ende von 207 gesagt: „Als das, was hier passiert ist, ist zu viel, um es ganz allein zu tragen. Nur GEMEINSAM können wir diese Last tragen und weiterleben.“ und sie haben einen Weg gefunden, diese Bürde zusammen zu tragen und ihre Beziehung ist nicht, wie es wahrscheinlich vielen anderen ergangen wäre, daran zerbrochen, sondern sie ist gewachsen und die Verbindung zwischen ihnen ist noch stärker geworden.
Ich finde es schön, beide in dieser Episode so glücklich und zufrieden miteinander zu sehen. Egal, was um sie herum passiert, besonders gut in dem Teil mit Lord Lovat zu merken, und egal, wie schwierig die aktuelle Situation ist, sie sind füreinander da, vertrauen einander blind und arbeiten wieder als Team zusammen.

Diese Episode beinhaltet für mich drei Handlungsstränge: Lallybroch, Beaufort und Laoghaire. Und hingegen meinen üblichen Reviews, Szene für Szene zu besprechen, werde ich diesmal auf die Handlungsstränge im Ganzen eingehen.

Lallybroch
Die Episode startet mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen von Schottland aus der Vogelperspektive und ja, ich kann es kaum glauben, wir sind zurück.
Ich wünsche mir so sehr, dass wir, zusammen mit Jamie und Claire, einige Zeit auf Lallybroch verbringen und wir die Ruhe und das friedvolle Leben genießen dürfen. Immerhin sind die beiden im Buch fast auf den Tag genau elf Monate auf Lallybroch und die Zeit dort umfasst insgesamt ca. einhundert Seiten, von Kapitel 30 bis einschließlich Kapitel 35. Von daher viel Zeit und Stoff für Frieden und Erholung. Mir fällt dazu Jamies Satz aus der Hochzeitsfolge ein. Als er, nachdem Claire und er das erste Mal die Hochzeit vollzogen haben, die Treppen in die Wirtsstube heruntergeht und ihm alle Anwesenden zweideutige und anzügliche Bemerkungen an den Kopf werfen, sagt er „Gebt uns Ruhe.“ und ja, genau das hätte ich jetzt gerne. Einhundert filmisch umgesetzte Buchseiten Glück, Frieden, Zufriedenheit und Ruhe.
Basierend auf der Episodenbeschreibung von Starz war mir aber bewusst, dass wir uns leider nicht die ganze Folge über auf Lallybroch aufhalten werden. Aber das beschauliche Leben dauert genau 4:44 Minuten, dann erreicht der Brief von Bonnie Prince Charlie (BPC) Lallybroch. Herrgott nochmal, können wir nicht einmal fünf Minuten Ruhe haben?
Es ist wirklich schade, dass die Serienverantwortlichen so wenig Material aus der Lallybrochzeit umgesetzt haben, denn im Buch wird sehr gut und anschaulich das Leben in den schottischen Highlands und die Kultur der Highlander beschrieben. Als Leser bekommt man ein Gespür dafür, was nach der Schlacht von Culloden und durch die “Highland Clearances”, die Vertreibung der Hochlandschotten Ende des 18. Jahrhunderts zugunsten der flächendeckenden Schafzucht, an Tradition, Kultur und Leben unwiederbringlich zerstört wurde.

Claire erzählt in ihrem Voice Over, dass sie seit einiger Zeit in Lallybroch sind. An dieser Stelle hätte ich es besser gefunden, wenn sie gesagt hätte, wie lange sie sich schon wieder in Schottland befinden. Auch wenn wir den Eindruck bekommen, dass seit Paris einige Zeit vergangen ist, hätte ich es gerne gewusst und nicht nur vermutet. Aber ich bin, was Zeitangaben angeht, auch ein bisschen „besessen“, denn ich muss in Büchern/Fernsehen immer wissen, wie alt jemand ist, wie lange jemand schon weg ist oder wann irgendwelche Personen heiraten oder sterben. Im Buch sind sie fast genau elf Monate auf Lallybroch, bevor der Brief von BPC Jamie im August 1745 erreicht. Ich denke, dass wir uns daher auch in der Serie im August 1745 befinden müssen, denn Murtagh sagt, das BPC in Schottland gelandet ist und seine Armee zusammenstellt. Historisch gesehen betritt BPC am 23.Juli 1745 das erste Mal in seinem Leben schottischen Boden. Er geht auf der „Isle of Eriskay“, an der schottischen Westküste, von Bord seines Schiffes. 

1. Kartoffeln
Trotz allem beschert uns Lallybroch viele schöne Sequenzen und auch eine Szene, auf die ich mich am meisten mit der Rückkehr nach Schottland gefreut habe: Kartoffeln!  Dieser Moment war kurz, aber sehr niedlich umgesetzt und ich bin sehr dankbar, dass es die Kartoffeln in die Episode geschafft haben, denn ich habe den Teil im Buch immer wieder gerne, mit einem Schmunzeln auf den Lippen, gelesen. Diana Gabaldon war zu dem Zeitpunkt, an dem die Kartoffelszene gedreht wurde, in Schottland am Set und hat auf CompuServe einen sehr interessanten Blick hinter die Kulissen gegeben, wie diese Szene entstanden ist, welche Überlegungen diesbezüglich gemacht und welche Vorbereitungen getroffen wurden. Als ich Dianas Beitrag gelesen habe, habe ich nur gedacht….wow…so viel Arbeit, Vorbereitung und Recherche für eine Sequenz von vielleicht zehn Sekunden Sendezeit. Ihr könnt Dianas Beitrag hier lesen:
http://forums.compuserve.com/discussions/Books_and_Writers_Community/_/EP208_The_Foxs_Lair_SPOILERS/ws-books/86384.713?nav=messages

2. Der Brief
Habt Ihr mitbekommen, dass Jenny einen Brief von ihrer Tante Jocasta bekommen hat? Für die NBL, die mit dem Name nichts anfangen können. Jocasta Cameron Innes geb. MacKenzie ist die jüngste Schwester von Colum, Dougal und Ellen MacKenzie. Merkt Euch einfach den Namen und kramt ihn irgendwann in Staffel 4 wieder hervor.
Ich liebe Murtaghs Satz, „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Bauer werde.“ und es stimmt mich fröhlich, dass die Frasers ihr Lallybroch Leben genießen und alles ist so harmonisch und friedfertig. Lallybroch hat Jamie und Claire wieder zusammengebracht und ich bin erleichtert, nach der emotionalen Achterbahnfahrt in den letzten Wochen, beide wieder glücklich und fröhlich zu sehen ….bis Ian und Murtagh mit der Post kommen. Mark me, BPC hat einen weiteren glücklichen Moment zerstört. Er ist und bleibt für Jamie und Claire eine echte Plage.
Jamie ist über den Brief von BPC, der ihn zum Verräter an der britischen Krone macht, sehr schockiert und Claire eilt sofort an seine Seite, um ihn zu unterstützen. Abgesehen davon, dass der Brief keine erfreulichen Nachrichten enthält, freut es mich zu sehen, wie innig das Verhältnis von Jamie und Claire ist, wie sie miteinander reden und gemeinsam erörtern, was Jamies gefälschte Unterschrift bedeutet und welche Konsequenzen es für sie haben wird….wie in alten Zeiten, vor Wentworth und Faith.

„Wir finden immer wieder zurück zueinander, oder nicht?“ 
und Gott sei Dank lautet die erste gabaldonische Regel: Jamie hat immer Recht.

3. Nur wegen Dir
Wir sehen, wie Jamie einfach nur in der schottischen Landschaft steht, nachdenkt und seine Finger trommeln, ein eindeutiges Indiz dafür, dass er nervös und angespannt ist. Ich liebe es, wenn Sam in seinem Schauspiel diese kleinen Jamie Dinge macht. Claire kommt hinzu und sie besprechen, was sie nun aufgrund des Briefes von BPC tun können. Jamie ist in der Nur wegen DirSzene, mit seiner kleinen Ansprache über seine Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen ganz im Jamie Modus: „Und die Pächter, die wir haben? Sollen wir sie der Gnade der britischen Besatzer überlassen?“ Und als er sagt, dass Paris für ihn eine bittere Enttäuschung war, meint er ganz bestimmt nicht nur die Sache mit BPC, sondern denkt dabei bestimmt auch an Faith und vielleicht auch noch an das Ereignis mit dem König, denn er trommelt mit seinen Fingern nervös gegen seinen Kilt, was immer ein Zeichen seiner inneren Aufruhr ist. Der Moment, als Jamie Claires Tränen von der Wange wegstreicht, sie auf die Stirn küsst (ich finde, dass diese Geste mehr Intimität ausdrückt, als ein Kuss auf den Mund) und dann umarmt, ist ein schöner und zärtlicher Moment  zwischen den beiden.

4. Jamie und Jenny
Die Sequenz mit Jamie und Jenny, in der er ihr sagt, dass Claire und er zu Lord Lovat gehen werden, ist sehr gut gespielt. Es macht immer wieder Spaß die beiden Geschwister in Diskussionen zu beobachten.
Was Laura Donnelly mit oder aus ihrem Charakter Jenny Fraser Murray macht, ist brillant. Sie verkörpert für mich die Essenz aus Buch Jenny, eine starke, sture und kämpferische Frau, halt eine echte Fraser. Wenn sie sich für einen Streit mit ihrem Bruder wappnet, ihr Kinn nach vorne schiebt und ihre Hände in die Hüften stemmt, wirkt sie genauso groß wie er, obwohl sie in der Serie 25 cm Größenunterschied trennen (Sam ist laut IMDb 1,89 Meter groß und Laura 1,63 Meter).
Ich mag Jamies Aussage sehr: „Ich sage Dir, was närrisch wäre, Janet. Wenn Dir der eigene Stolz im Wege steht, um das zu tun, was nötig ist, um Lallybroch, Schottland und alles, was uns lieb und teuer ist, zu retten.

5. Jamie und Claire
Als Jamie und Claire abends in ihrem Schlafzimmer über seine Familienverhältnisse sprechen und er ihr sagt, dass sein Vater ein Bastard ist, ist er so niedlich, peinlich berührt und hat ein schlechtes Gewissen, dass er es Claire nicht schon eher erzählt hat. In der damaligen Zeit war es nicht sehr angesehen, der Sohn eines Bastards zu sein, auch, wenn dieser von seinem Vater anerkannt worden ist. Aber Claire ist es egal, woher Jamies Vater abstammt, denn erstens ist sie ein Mensch, der auf gesellschaftliche Normen pfeift und zweitens ist und bleibt Jamie derselbe, Sohn eines Bastard hin oder her. Der anschließende intime Moment wird ausgeblendet und mich persönlich stört es nicht, denn ich brauche nicht immer heiße Sexszenen, die mir zeigen, wie sehr sich die beiden lieben und füreinander bestimmt sind. Aber ich höre schon wieder den Aufschrei in den Social Medias: „Jetzt sind sie wieder in Schottland und wir kriegen schon wieder keinen Sex zu sehen. Menno!”

6. Baby Katherine
Kleine Randnotiz (am Textanfang):
Laut Podcast mit Ron D. Moore und Anne Kenney war die Intention der Serienverantwortlichen, dass Jamie und Claire ca. ein halbes Jahr auf Lallybroch sind, bevor der Brief von BPC ankommt, also sind sie im Februar 1745 aus Paris zurückgekommen. Dazu passt aber nicht Claires Aussage in ihrem Voice Over, dass Baby Katherine während der Zeit in Paris geboren wurde, denn das Baby, das Jamie im Arm hält, ist höchstens drei Monate alt. Ich frage mich, ob in einer Serie, die mit so viel Liebe zum Detail gedreht wird, niemand da ist, dem solche Ungereimtheiten auffallen.

Die Szene mit Jamie und Baby Katherine und dem parallel laufenden Dialog zwischen Claire und Jenny ist fast eins zu eins aus dem Buch übernommen. Anne hat es hier geschafft, zwei aus dem Buch unterschiedliche Szenen so zu einer zusammenzufügen, dass man gar nicht merkt, dass diese ursprünglich nicht zusammengehört haben.
Ich denke, es ist gar nicht notwendig zu verstehen, was Jamie in dieser Situation sagt, denn die Szene spricht für sich. Die zärtliche Art und Weise, mit der er mit Baby Katherine spricht und wie er sie anschaut und hält, macht mich traurig. Denn mir wird bewusst, dass Jamie niemals eines seiner Kinder halten wird und auch nicht da war, um Faith zu sehen und sie in den Arm zu nehmen. Aber es beruhigt mich ein wenig, dass er auch zu seinen Nichten und Neffen ein sehr inniges Verhältnis hat. Das Einzige, was ich in dem Monolog verstanden habe ist Graidh Caitriona“. Und wer sich jetzt wundert, warum er das Baby Caitriona nennt und ob das von Seiten der Serienverantwortlichen eine Homage an Caitriona Balfe ist, nein, ist es nicht. Caitriona ist der gälische Name für Katherine und da Jamie in dieser Situation gälisch spricht, macht es durchaus Sinn, dass er den gälischen Namen seiner Nichte verwendet. Wer gerne wissen möchte, was Jamie alles zu seiner kleinen Nichte sagt, der findet die englische Übersetzung im Drehbuch von 208.
(
http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=208)
Wie herzerwärmend, ergreifend und wundervoll diese Szene ist und sie wird in meinen Augen dadurch noch emotionaler, da im Hintergrund das Faith Theme gespielt. Eine wirklich geschickte Art, uns Zuschauer nicht nur visuell sondern auch mit Musik an Jamie und Claire als Eltern zu erinnern. An das Kind, was sie nicht haben durften und vielleicht an die Kinder, die sie noch bekommen werden, mit Gottes Gnade.

Es fällt Claire sehr schwer, Jenny über dieses „Reden mit Baybs“ zuzuhören, dabei Jamie mit Katherine zu sehen, denn in dieser Situation denkt sie an Faith und wahrscheinlich auch daran, wie es gewesen wäre, wenn sie bei Jamie und ihr hätte bleiben dürfen. Jenny zeigt mit ihrer Aussage „Du weißt das.“, dass sie weiß, dass Claire genau nachempfinden kann, wovon sie spricht, denn Claire ist in ihren Augen auch eine Mutter, nur ohne Kind. Die Tränen in Claires Augen und ihre stockende Stimme, als sie Jenny mit „Ja, ich weiß.“ antwortet, sind sehr ergreifend.

7. Beannachd leat Lallybroch
Alle haben sich im Hof von Lallybroch versammelt, um sich von Jamie und Claire zu verabschieden. Jenny gibt Jamie ihren Rosenkranz und schon wieder bin ich im Buchmodus, denn dieser wird in der dritten Staffel extrem wichtig. Also gut merken, liebe NBL.
Jennys Abschiedsworte sind so typisch für sie und man kann zwischen den Zeilen und in ihrem Gesicht lesen, wie sehr sie ihren kleinen Bruder liebt: „Wenn Du nicht zurückkommst, Bruder, werde ich Dir das niemals verzeihen.“ … „Niemals kann sehr lange dauern.“ … „Das weiß ich.“ 
Die Sequenz mit Fergus ist sehr niedlich und immer, wenn dieser kleine, süße Junge auf dem Bildschirm erscheint, geht für mich die Sonne auf. Wer von uns hätte ihn nach seiner kleinen Rede in eigener Sache auf Lallybroch zurückgelassen: „Aber ich gehöre doch zu Ihnen. Das haben sie mir doch gesagt, nicht wahr Milady? Das ich bei Ihnen immer ein zu Hause habe.“ Ich glaube, niemand. Außer vielleicht Murtagh, der von seinem Babysitter Job echt nicht begeistert ist,  aber, wie ich bereits in der Review zu 203 geschrieben habe, er macht alles für Jamie und er hat es Ellen versprochen. Außerdem glaube ich, dass das alles nur Show ist und Murtagh insgeheim Fergus Charme schon lange verfallen ist.

Nach 17:53 Minuten ist der ganze Spuk um Lallybroch auch schon wieder vorbei und die Frasers sind auf dem Weg nach Beaufort in den Fuchsbau des „Old Fox“, daher auch der Episodentitel und übrigens auch die Überschrift von Kapitel 40 in Dianas zweitem Buch “Die geliehene Zeit”. Als Jamie und Claire aus dem Tor von Lallybroch reiten, wird als Hintergrundmusik das Craigh na Dun Theme gespielt und bei dem Gedanken daran, dass es für Claire ein Abschied für zwanzig Jahre sein wird, steigen mir die Tränen in die Augen.

 

Beaufort
Kleine Randnotiz (am Textanfang):
Bevor ich mit der Szenenbeschreibung beginne, eines vorweg. Wer kennt sich gut mit Familienverhältnissen aus? Also, dann hier ein kleines Rätsel: Wenn Jamie der Sohn von Brian ist und Brian der Sohn des „Old Fox“ und Young Simon auch der Sohn des „Old Fox“ ist, aber eine andere Mutter als Brian hat, welchen Verwandtschaftsgrad haben dann Jamie und Young Simon? Genau, Young Simon ist Jamies Halbonkel und NICHT sein Cousin, wie es in der Folge mindestens fünf Mal erwähnt wurde.

1. Colum
Jamie und Claire erreichen Beaufort und befinden sich in der Halle. Jamies Antwort auf Claires Äußerung, dass sie sich gerne vor der ersten Begegnung mit Lord Lovat etwas frisch gemacht hätte, ist einfach bezaubernd: „Sei unbesorgt, Sassenach, Du bist wunderschön.“ Wer von uns Frauen möchte das nicht auch, nach einem anstrengenden Tagesritt durch die schottischen Highlands, hören?
Ich habe mir für die nächste Folge fest vorgenommen, die Eröffnungssequenz aufmerksamer anzuschauen, denn dann hätte es mich nicht so überrascht IHN zu sehen. Und ungefähr so habe ich diesen, für mich total überraschenden, Augenblick erlebt, denn ich hatte überhaupt keine Ahnung, dass diese Person schon in dieser Folge erscheint: In dem Moment, als ich eine dritte Person, außer Jamie und Claire, sprechen höre, habe ich eigentlich damit gerechnet, dass jetzt Lord Lovat auf der Bildfläche erscheint, aber irgendetwas passt nicht, denn Lord Lovat hat eine Stimme, die ich kenne und noch ehe ich weiß, zu wem die Stimme gehört, steht er vor Jamie und Claire. Lord Lovat? Nein, Stimme und Aussehen passt nicht. 2. Blick, kann das sein? Oh mein Gott, was macht er denn hier? Und verdammt ist er alt geworden. Aber was macht er hier? Wer? Na ,Colum.
Hier muss ich einmal kurz auf die fantastische Arbeit des Make-Up Departements eingehen. Sie können nicht nur Narben, nein, sie schaffen es auch Menschen deutlich, um Jahrzehnte altern zu lassen. Colum sieht wirklich um Jahre gealtert aus, wenn man bedenkt, dass es erst zwei Serienjahre her ist, seitdem wir ihn das letzte Mal gesehen haben. Ich musste zweimal hinschauen, ehe ich ihn wirklich erkannt habe.
Es dauert einige Sekunden, bis ich mich von dem Schock erholt habe und es dauert noch viele Sekunden länger, bis endlich die BL Stimme in mir aufhört zu nörgeln: „Was macht Colum hier? Warum ist er hier? Ich dachte, er kommt erst später nach Edinburgh? Was soll das? Warum machen die sowas? Was passiert jetzt? Und warum zum Teufel ist Colum hier?“ Mensch, manchmal ist es echt anstrengend, den BL in mir zum Schweigen zu bringen.
So offen, wie Colum und Claire vor Jamie über Laoghaires Beteiligung am Hexenprozess sprechen, dürfte jetzt auch jedem noch so treuherzigen BL bewusst sein, dass Jamie die gesamte Wahrheit über Laoghaire weiß, anders als im Buch. Der BL in mir fängt schon wieder an zu brabbeln „Aber wie kann das denn jetzt in Staffel 3 sein? Was soll das? Ich verstehe das nicht!“

2. Lord Lovat
Zum Glück schweigt der BL jetzt von alleine, denn Auftritt Lord Lovat! Und er ist genauso, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, alt, leicht schmuddelig, ein wenig abgeranzt und ein bisschen frivol. Clive Russel macht einen super Job in seiner Interpretation des „Old Fox“. Seine Aussage, „Genug Atem an eine Frau verschwendet. Verschwinde!“spricht auf jeden Fall für seinen Charakter. Habt Ihr in diesem Moment den Blick bemerkt, den Jamie Claire zuwirft und sein winziges Nicken? Er bittet sie wortlos, keine große Sache daraus zu machen. Ich liebe die Tatsache, dass die Beziehung von Jamie und Claire wieder an dem Punkt angekommen ist, dass sie sich auch ohne Worte verstehen.

Ich finde Jamies Aussage, „Mein Großvater hat nichts gegen ein bisschen Dekoration an seiner Tafel. Solange diese Dekoration nicht spricht.“, bezüglich Claires Anwesenheit beim Dinner sehr witzig und musste in dem Moment schmunzeln. Claire macht an diesem Abend einem Stillleben alle Ehre, denn sie sagt kein Wort. Dafür ist Jamies Redeanteil umso höher und er versucht in einer sehr eloquenten Rede die anwesenden Lairds zu überzeugen, BPC zu unterstützen.

Das erste Gespräch, das Lord Lovat und Jamie unter vier Augen führen, ist wirklich gut in der Serie umgesetzt und zeigt einen erwachsenen, schnell denkenden, intelligenten und taktisch hervorragend agierenden Jamie. Es macht fast schon Spaß, dabei zuzusehen, wie diese beiden sturköpfigen Frasers, die sich in ihrem starken Willen kaum voneinander unterscheiden, miteinander reden. Jamie zieht im Laufe des Gesprächs  seine „La Dame Blanche“ Karte und wir bekommen endlich die volle Erklärung, was eine weiße Hexe mit einem Mann alles so anstellen kann: „Der Mann, der es wagt sie zu entweihen und sie zu besudeln, hat schon bald seine Eier im Maul und ist gezwungen sie zu schlucken und seine Seele brennt auf ewig in der Hölle.“ und Lord Lovat bekommt es ein wenig mit der Angst zu tun. Der gesamte Dialog in dieser Szene ist sehr buchnah übernommen worden und Jamies Satz zu der weißen Hexe sogar wortwörtlich. Ich hätte mich gefreut, wenn am Ende des Dialogs anstelle der Whiskyflasche das Holzgebiss von Lord Lovat den Flammen zum Opfer gefallen wäre, so wie im Buch auch.

3. Jamie und Colum
Die Szene zwischen Jamie und Colum finde ich gut gemacht und auch gut gespielt. Das Einzige, was mich in dem Gespräch stört, ist, dass Colum die besseren Argumente hat. Colum sagt, der beste Weg die Rebellion im Keim zu ersticken ist, indem niemand BPC unterstützt und die Briten dann keine Notwendigkeit der Vergeltung haben werden. Das erscheint logisch und sehr vorausschauend. Aber Jamie hat an dieser Stelle keine Möglichkeit, seine Einstellung zu ändern, denn er kann jetzt, durch seine erpresste Anhängerschaft zu BPC, durch die er zum Verräter an der britischen Krone geworden ist, nur noch versuchen den Krieg gewinnen, um seine Familie, seine Pächter und Lallybroch zu schützen und um deren Überleben und Unversehrtheit zu sichern. Daher muss er auch Colum dazu bringen, sich der Sache der Jakobiten anzuschließen, denn mehr Männer bedeutet auch, dass die Chancen steigen, dass die Jakobiten den Aufstand für sich entscheiden können. Im Vergleich zum Buch ist dieser Handlungsstrang komplett geändert worden. Im Buch ist Jamie zwar auch ein Verräter und schließt sich mit seinen Männern von Lallybroch BPCs Armee an. Aber als Colum ihn fragt, was er in Bezug auf den Jakobitenaufstand machen soll, rät Jamie ihm, mit seinen Männern zurück nach Leoch zu gehen. Aber vielleicht entwickelt sich in der Serie daraus in den kommenden Episoden noch ein anderer Handlungsstrang. Der Plot um BJRs Überleben nach Wentworth hat mir gezeigt, dass die Serienverantwortlichen immer einen Fahrplan für solche Ereignisse haben und sich alle Einzelteile oft am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

4. La Dame Blanche
Ich muss ja zugeben, dass ich Claires Auftritt als weiße Hexe ein bisschen Over the Top fand und ich mir ein Augenrollen nicht verkneifen konnte, genauso wie Colum auch, der das Spiel sofort durchschaut hat. Das ging aber in der letzte Folge besser und überzeugender, Claire.
Es hat mich vor dem zweiten Gucken sehr gestört, dass Jamie bereit gewesen wäre, Lallybroch an Lord Lovat zu überschreiben, nur um unserem Royal Highny noch mehr Männer für das Massengrab im Culloden Moor zur Verfügung zu stellen. Und der BL in mir hat die ganze Zeit über die Out of Character Fahne geschwenkt. Das ist für mich das am wenigstens vorstellbare Ding in der kompletten Folge, wenn nicht in der gesamten Staffel. Buch Jamie hätte never, ever Lord Lovat Lallybroch überlassen und er hätte niemals seine Familie und seine Pächter der Willkür des „Old Fox“ ausgesetzt. Dafür ist sein Verantwortungsgefühl für diese Menschen viel zu groß. Er hätte sein Leben für sein Zuhause und seine Familie gegeben und ich finde keinen Weg, mir vorzustellen, dass Jamie es ernsthaft in Erwägung zieht. Anne hat in ihrem Drehbuch den Hinweis gegeben, dass Jamie von Claires “Vision” erst überrascht ist, aber dann recht schnell versteht, dass alles nur gespielt ist, um ihn an der Unterschrift auf der Übertragungsurkunde zu hindern. Ich denke, dass Claire bereits im Stall, als sie mit Jamie gesprochen hat, eine Idee hatte, denn so etwas wie der Aha-Effekt huscht da über ihr Gesicht, aber sie hatte wohl keine Zeit mehr, das mit Jamie zu besprechen. Trotzdem bleibt für mich aus dieser Szene heraus der fade Beigeschmack, dass Anne, meiner Meinung nach, hier nicht den Charakter von Jamie getroffen hat und sie über das Ziel, Buch Jamie für das TV zu interpretieren, hinausgeschossen ist. Denn TV Jamie hatte ja fast schon die Feder auf dem Papier der Übertragungsurkunde und was wäre passiert, wenn Claire nicht ihre “Vision” gehabt hätte? Ich sage es an dieser Stelle gerne noch einmal: Mein Buch Jamie hätte NIEMALS, auch nicht ansatzweise in Erwägung gezogen, Lallybroch an seinen Großvater zu überschreiben.Für keinen Stuart der Welt!
Findet Ihr nicht auch, dass BPC gegen Young Simon, wie ein Macho wirkt? Ich hätte nicht gedacht, dass es im Outlander Universum ein noch größeres Muttersöhnchen als unseren Royal Highny gibt. Aber Young Simon zeigt am Ende dann doch noch Rückgrat und schließt sich Jamie und Claire an. Als er sagt, dass er für BPC kämpfen will, wird die Szene mit einer sehr langsamen Version des “Skye Boat Song” unterlegt und ich finde, da hat Bear McCreary wieder einmal das passende Musikstück für den Moment ausgesucht.

Kleine Randnotiz:
Was mich in diesem Moment stört ist, dass der jetzige Zeitpunkt, zu dem sich die Frasers of Lovat BPC angeschlossen haben, historisch nicht korrekt ist. Lord Lovat hat seine Männer und seinen Sohn Young Simon erst im November 1745, nach der Schlacht von Prestonpans, BPC zur Verfügung gestellt, so,wie es auch Diana zeitlich im Buch darstellt.

5. Verabschiedung von Beaufort
Die letzte Szene zwischen Colum und Jamie im Hof von Beaufort finde ich sehr schön. Als sie sich verabschieden und er zu Jamie sagt, „Geh` mir zur Hand.“, damit Jamie ihm beim Einsteigen in die Kutsche behilflich sein kann, stellt für mich mehr als das dar. Für mich ist es Colums Art, Jamie die Hand zu reichen, ihn vielleicht auch um Verzeihung zu bitten und sich mit ihm auszusöhnen. Jamie nimmt Colums Angebot an, drückt seine Hand und sie verabschieden sich wortlos voneinander. Ich denke, dass man in diesem Moment sehr gut erkennen kann, dass Colum seinen Neffen liebt und Jamie seinen Onkel, trotz allen Differenzen, die sie in der Vergangenheit hatten.
Hoffentlich sehen wir Colum noch einmal wieder. Ich würde es mir wünschen, denn ich möchte ordentlich Abschied nehmen und nicht so zwischen Kutschentür und Angel.
Obwohl Colum im Buch nicht auf Beaufort anwesend war, stört mich diese Änderung gegenüber der Handlung im Buch nicht, denn der Plot um seine Anwesenheit ist stimmig und außerdem brauchten sie jemanden, der Laoghaire mitbringt. 

 

Laoghaire
Jetzt kommen wir zu dem Handlungsstrang, der mir fast die komplette Episode verdorben und mich gedanklich und emotional aus der Folge rausgeschleudert hat. Leider hat es auch nichts gebracht, dass ich die Folge ein zweites und ein drittes Mal geguckt habe, denn ich frage mich immer noch:  „Was soll das?“ Für mich ist, wie bereits erwähnt, der ganze Handlungsstrang um Laoghaire total überflüssig, unglaubwürdig und reine Zeitverschwendung. Ron hat in einem Interview und im Podcast zu dieser Folge gesagt, dass sie kommende Ereignisse in Staffel 3, mit dem Material, was sie bis jetzt in der Serie über Laoghaire gezeigt haben, nicht darstellen können. Daher mussten sie in dieser Staffel  einen Grundstein legen, warum Jamie trotz Laoghaires Verwicklung in Claires Hexenprozess das machen kann, was er in Staffel 3 macht. Ähnliches hat auch Anne Kenney gesagt: „But, because of something that happens down the line, we really felt that we needed to redeem her just a bit, or it’s going to make what happens down the line just so implausible.“
Auch wenn ich in den Büchern den Charakter Laoghaire absolut unsympathisch finde und denke, dass sie all das verdient hat, was ihr in ihrem Leben widerfährt, habe ich sie im ersten Buch (im zweiten kommt sie gar nicht vor) immer nur als verliebten, eifersüchtigen und dummen Teenager gesehen. Die Serie hingegen hat aus Laoghaire, durch den Plot um Claires Hexenprozess, in meinen Augen ein kaltblütiges, hinterhältiges und berechnendes Monster gemacht. Schließlich hat sie den Brief an Claire geschrieben, damit sie verhaftet wird und auch ihre Aussage gegen Claire vor Gericht und ihr Statement, dass sie auf Claires Asche tanzen wird, lassen Laoghaire in keinem guten Licht erscheinen. Durch Laoghaires offenkundigen Charakterwechsel vom Buch zur Serie und der daraus resultierenden veränderten Handlungsweise im Hexenprozess, haben sich die Serienverantwortlichen selber ein vorher nicht existierendes Problem geschaffen und haben nun in dieser Folge versucht, doch noch die Kurve zu kriegen. Ich muss dazu leider sagen: „Never change a winning team or a really good bookstory.“
In meinen Augen funktioniert die Intention, die Ron & Co. hinter Laoghaires Auftritt in dieser Folge sehen, für mich nicht. So nach dem Motto, wenn Claire ihr verzeiht, dann verzeiht ihr Jamie auch und den Ereignissen in der kommenden Staffel steht nichts mehr im Wege. Ich denke, jetzt wo Jamie alles über Laoghaires Beitrag zu Claires Hexenprozess weiß und er weiß es, da er bei dem Gespräch mit Colum und Claire dabei war und da er nicht überrascht gewirkt hat, hat es ihm Claire im Vorfeld wohl schon erzählt, wird er vielleicht dieser Frau verzeihen können, aber vergessen wird er nie. Im Buch konnte er nur das machen, was er macht, weil er nicht wusste, dass Laoghaire in Claires Hexenprozess verwickelt war:

„Nein, davon habe ich nicht das Geringste gewusst – Himmel, Sassenach, Du kannst doch nicht glauben, ……., (ich habe diesen Teil bewusst gelöscht, da ich die NBL nicht spoilern möchte) wenn ich gewusst hätte, dass sie dir so etwas angetan hat.”
(“Das flammende Kreuz” von Diana Gabaldon Kapitel 99 „Bruder“)

Ein Umstand, den ich auch schon im Buch immer schwer glauben konnte, aber wenn wir uns vorstellen, was alles nach dem Prozess passiert ist, nachvollziehbar. Außerdem war Laoghaires Verwicklung in den Hexenprozess weniger dramatisch. Sie hat einfach nur die Nachricht von Geillies gefälscht, war aber beim Prozess gar nicht anwesend und wollte auch nicht auf Claires Asche tanzen. Für mich macht das einen Unterschied.

Schon die erste Begegnung zwischen Claire und Laoghaire und Claires Reaktion auf Laoghaires Abbitte ist für mich Out of Character: Meiner Meinung nach macht Claire ihre Aussage, dass sie sich oft ausgemalt hat, was sie Laoghaire alles antun will, wenn sie sich wiedersehen, zu einer rachsüchtigen, verbitterten und nachtragenden Person, die sich auf dieses Ereignis aus der Vergangenheit fixiert hat. Und Buch Claire ist keine solche Person. Aber ích liebe Jamies Reaktion auf Claires Begegnung mit Laoghaire in der nächsten Szene: „Dann vergibst Du schneller als ich, Sassenach. Ich hätte dieses dreiste Weibsbild nicht laufen lassen.
Für mich funktioniert der gesamte Handlungsstrang mit Laoghaire und Claire nicht. Bei ihrer ersten Begegnung ist Claire so wütend auf Laoghaire und absolut nicht bereit, ihr zu verzeihen und wenige Tage später verbündet sie sich mit ihr, um Young Simon zu bezirzen, dass er sich Jamie und BPC anschließen soll. Ich habe wirklich null Interesse an Laoghaires inzeniertem Flirt mit Young Simon und seiner „Brautwerbung“. Für mich ist es einfach langweilig und verschwendete Sendezeit. 

Die einzige Sequenz, die in diesem Laoghaster (Desater mit Laoghaire) einen Sinn ergibt und mir wirklich gut gefällt, ist die Szene zwischen Jamie und Claire am Schluss. Claire bittet Jamie sich bei Laoghaire zu bedanken und er fragt nur: „Bedanken? Und wofür? Dass sie die letzten Tage nicht versucht hat, Dich verhaften zu lassen?“ Er ist schon ein witziger Typ, oder? Als Claire ihm sagt dass er es einfach machen soll und sie es ihm später erklären wird, geht er zu Laoghaire, um sich zu bedanken. Jamies Handlung zeigt, wie stark das Band und wie groß das Vertrauen zwischen Claire und ihm ist, denn er macht das für ihn denkbar unmögliche, einfach nur, weil Claire ihn darum bittet. Am Ende, nachdem Jamie sich bei ihr bedankt hat, und ich finde, dass er dabei schon ein kleines bisschen trottelig wirkt, sehen wir Laoghaires wahres Gesicht. Von wegen, sie hat sich geändert. Sie ist immer noch genauso ein kaltblütiges, hinterhältiges, berechnendes und von Jamie besessenes Monster, wie in der ersten Staffel. „….und Deine Liebe.“ und ich suche gerade die Logik und den kausalen Zusammenhang für ihren letzten Worte, denn sie machen sie in meinen Augen nicht sympathischer und Jamies Entscheidung in Staffel 3 nicht nachvollziehbarer, als vor ihrem Auftritt in dieser Folge. Mein Vorschlag an Ron & Co., wie das Laoghaster doch noch zu einem zufriedenstellenden Ende kommen kann. Jamie soll sich einfach nach Culloden nicht mehr an Laoghaire erinnern können, eine partielle Amnesie. Er hat doch sowieso so viel von der Schlacht bei Culloden vergessen, da macht es auch nichts, wenn er nichts mehr von Laoghaire weiß.

Kleine Randnotiz:
Die Sequenz in der Laoghaire an Jamies Shirt riecht, ruft sofort Erinnerungen in mir an BJR wach, wie er in Wentworth an Claires Haaren schnuppert. Sehr creepy! Aber wenn das Shirt nach der Wäsche immer noch nach Jamie riecht, dann ist Laoghaire die mieseste Magd, die jemals unter der Sonne von Leoch gelebt hat.
Aber ihre Reaktion, als sie von Claire überrascht wird, ist sehr amüsant mit anzusehen: „“Ich habe nichts damit gemacht.“  
Und Claires Antwort: „Jamie wird Dich niemals lieben. trifft den Nagel auf den Kopf, vielleicht kann sie als „La Dame Blanche“ doch die Zukunft vorhersagen? 

Jamie, Claire, Young Simon und die Mänenr von Lord Lovat machen sich gemeinsam auf den Weg nach Kingussie, um sich dort mit Murtagh und den Männern aus Lallybroch zu treffen. Der Kameraschwenk über die Gruppe und dazu das großartige gälische Volkslied Oran Eile Do’n Phrionnsa” („Another Song to the Prince„), das bereits 1745 von Alasdair mac Mhaighstir Alasdair, besser bekannt unter dem Namen Alexander MacDonald, verfasst wurde, ist eine großartige Idee, diese Folge zu beenden.


Claires Voice Over am Schluss der Folge, „Maisri sagte, dass man die Zukunft ändern könnte, vielleicht hatten wir das schon getan.“ zeigt, dass auch sie noch nicht die Hoffnung aufgeben hat und dass sich die Zukunft eventuell doch ändern lässt.
Aber vielleicht haben sie die Zukunft ja schon verändert, indem BPC erst den DoS als Investor verloren und dann auch noch seine Investition mit dem Comte in den Sand gesetzt hat. BPC hat durch diese beiden Umstände, die durch die Frasers sabotiert wurden, eine Menge Geld verloren. Geld, das er gehabt hätte, wenn Jamie und Claire nicht gewesen wären. Geld, mit dem er Soldaten, Waffen, Ausrüstung und Lebensmittel hätte bezahlen können. Geld, das vielleicht den Ausgang des Aufstandes verändert hätte. Claire und Jamie haben durch ihre Interaktionen vielleicht die Zukunft bereits geändert und vielleicht sind sie auch für den Ausgang und die Katastrophe bei Culloden mitverantwortlich. Denn für Claire sind diese Dinge zwar Vergangenheit und Geschichte, aber sie ist jetzt Teil dieser Vergangenheit und beeinflusst dadurch die Zukunft. Claire schreibt aktiv an der Geschichte, die sie aus der Zukunft kennt, mit, da sie jetzt ein Teil davon ist und wer sagt, dass ohne ihre Reise in die Vergangenheit Dinge nicht anders geschehen wären und die Jakobiten den Aufstand hätten gewinnen können? Vielleicht ist sie auch für das Ergebnis verantwortlich, weil sie da war. Und wenn ich noch länger darüber nachdenke, bekomme ich eine Zeitreisemigräne.

Alles, was jetzt in den letzten FÜNF verbleibenden Folgen auf uns zukommt, wird spannend, traurig und erschütternd werden. Je suis prest! für Folge 209.

@ Yvonne Pirch 29.05.2016 / 28.09.2016
@ Foto von Lady Dagmar of Lochaber


Inside the World of Outlander Folge 208: https://www.starz.com/video/ffa5c50f97014252a084697e2565c64e
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 208: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=208
Podcast Ron D. Moore Folge 208: 
http://assets.starz.com/stzcom/outlander/208_Podcast.mp3

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