Der Jakobitenaufstand 1745 – 1746: Von der Landung Charles Edward Stuart in Schottland bis zur Schlacht von Prestonpans (Teil 1)

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Der Jakobitenaufstand 1745 – 1746 
Von der Landung Charles Edward Stuart in Schottland
bis zur Schlacht von Prestonpans

Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart wurde am 31. Dezember 1720 in Rom, als Sohn von James Francis Edward Stuart und Maria Clementina Sobieska, die die Enkelin von Johann III. von Polen war, geboren. Er verbrachte seine Jugend in verschiedenen Ländern Europas, da seine Familie, seit dem Sturz seines Großvaters James II. in der “Glorious Revolution”, im Exil lebte. Charles Edward Stuarts Vater hatte, als Sohn des letzten Stuart Königs James II., bereits 1708 und 1715 versucht, zunächst Schottland und danach England für die Stuarts zurückzuerobern. Das hatte ihm den Namen „The Old Pretender“ (“der alte Thronanwärter”) eingebracht und einfachheitshalber wurde sein Sohn Charles als „The Young Pretender“ bezeichnet. Im Jahr 1743 wurde Charles Edward Stuart von seinem Vater zum Prinzregenten ernannt und mit den entsprechenden Vollmachten ausgestattet.

Der Jakobitenaufstand, der 1745 („The Forty-Five”) auf schottischen Boden begann, ist so stark mit der Person Charles Edward Stuart verbunden, dass er in Gälisch auch unter dem Begriff „Bliadhna Theàrlaich“ (“Charles Jahr”) bekannt ist. Der zweite Jakobitenaufstand, der von August 1745 bis April 1746 dauerte, war der letzte Versuch des Hauses Stuarts den britischen Thron für sich zurückzugewinnen. Die Jakobitenarmee bestand in erster Linie aus Mitgliedern der schottischen Clans aus den Highlands und Charles Edward Stuart führte die Jakobiten in diesem Aufstand an. Da der Prinz wohl besonders attraktiv  gewesen sein soll, wurde er von seinen Anhängern gerne liebevoll als Bonnie Prince Charlie (BPC) bezeichnet. „Bonnie“ ist das schottische Wort für schön, daher der schöne Prinz Charlie.

BPC lieh sich, während seines Aufenthalt in Frankreich, rund 40.000 Livres vom Pariser Bankier George Walters, der später den Kredit auf 120.000 Livres aufstockte. Das Geld benötigte er für die Ausstattung seiner Truppen. Vorsichtigen Schätzungen zugrunde ist eine Livre heute mit einem Gegenwert zwischen € 5,00 und € 15,00 vergleichbar.
Lord Clare, der Kommandeur der Irischen Brigade in der französischen Armee, stellte BPC irischen Schiffsbesitzern vor, die sich bereit erklärten, ihn mit Geld, Freiwilligen und Waffen nach Schottland zu bringen. Sir Walter Ruttlidge überließ ihm das gekaperte britische  Kriegsschiff “Elisabeth”, zusammen mit ca. 100 Freiwilligen aus der Irischen Brigade, 1.500 Musketen und 1.800 Breitschwertern. Das Schiff von BPC, die “Du Teillay”, hatte ebenfalls Musketen, Schwerter und 4.000 Louis d’or (eine französische Goldmünze) an Bord. Der reine Goldpreis für einen Louis d’or beträgt nach dem heutigen Goldkurs  zwischen € 200 und € 250.

Juni / Juli 1745
Am 22. Juni 1745 segelte die “Du Teillay” zusammen mit der “Elisabeth” von Nantes Richtung Schottland. BPC wurde auf seiner Überfahrt von Frankreich nach Schottland von nur sieben Gefolgsmännern begleitet, den sogenannten „Seven Men of Moidart“. Diese Gruppe bestand aus vier Iren, zwei Schotten und einem  Engländer. Am 9. Juli attackierte das britische Kriegsschiff “HMS Lion” die beiden Schiffe und die “Elisabeth” wurde dabei so stark beschädigt, dass sie fast sank und gezwungen war, nach Frankreich zurückzukehren. Die Kommandeure der “HMS Lion” glaubten, dass von den französischen Schiffen keine weitere Gefahr ausgehen würde und versäumten es daher, die britische Regierung zu informieren. So konnte BPC seine Fahrt auf der “Du Teillay” unbehelligt fortsetzen.
Am 23. Juli 1745 erreichte er die Isle of Eriskay, eine Insel an der Westküste Schottlands, die zu den Äußeren Hybriden gehört und setzte dort, das erste Mal in seinem Leben, einen Fuß auf schottischen Boden.

August 1745
Am 03. August wurde in der London Gazette verkündet, dass auf BPC ein Kopfgeld in Höhe von
£ 30.000 ausgesetzt sei. Am 14. August schickte die britische Armee 60 Soldaten als Verstärkung nach Fort William. Diese erreichten aber nie ihr Ziel, da sie schon vorher von Männern vom Clan MacDonnells of Keppoch gefangen genommen wurden. Die erste feindliche Auseinandersetzung zwischen Jakobiten und Briten fand am 16. August bei Highbridge, Lochaber, (ca. 9 Meilen / 14 km östlich von Fort William), auf einer Brücke über dem River Spean, statt.

Viele Clans und deren Chieftains zeigten anfangs nur wenig Begeisterung über die Ankunft von BPC. Alexander MacDonald of Boisdale, der jüngere Bruder vom Clan Chief von Macdonald of Clanranald, der zwar ein überzeugter Jakobit war, aber nicht an den Erfolg des zweiten Jakobitenaufstand glaubte, soll zu BPC gesagt haben, dass er nach Hause zurückgehen soll. Darauf antwortete BPC ihm: „I am come home, Sir, and can entertain no notion of returning to the place whence I came. I am persuaded that my faithful Highlanders will stand by me.“ (Chambers, Seite 23) (“Ich bin zu Hause, Sir, und erwäge unter gar keinen Umständen an den Ort von dem ich komme, zurückzukehren. Ich bin überzeugt, dass meine treuen Highlanders an meiner Seite stehen werden.”)
BPC ließ sich von der Ablehnung, die man ihm entgegengebrachte, nicht beeindrucken. Am 2. August 1745 schloss sich ihm das Appin Regiment und der Clan MacDonalds of Glencoe an, so dass die Jakobitenarmee zu diesem Zeitpunkt bereits 2.000 Mann stark war. BPC  marschierte nach Moidart, ein Bezirk in Lochaber und hisste dort am 19. August 1745 bei Glenfinnan die königliche Standarte der Stuarts, eine rote Flagge mit weißem Rechteck in der Mitte, um den zweiten Jakobitenaufstand im Namen seines Vaters anzuführen und diesen als König James III. von  England und VIII. von Schottland auszurufen. Bald schon schlossen sich weitere Clans seiner Sache an, unter anderem Clan MacDonald of Clan Ranald und Clan Cameron, und mit mehr als 3.000 Männer marschierte er von Glenfinnan Richtung Süden, auf Edinburgh zu.

England war auf dem Festland in den „Österreichischen Erbfolgekrieg“ verwickelt und ein Großteil der britischen Armee kämpfte in Flandern und Deutschland. Die in England verbliebenen 4.000 Männer, unter dem Oberbefehl von Sir John Cope, waren größtenteils alt oder unerfahren. Am 20. August 1745 marschierte die britische Armee von Stirling aus nordwärts in Richtung Inverness, um der südwärts marschierenden Jakobitenarmee entgegenzutreten. Cope ging aber einer Konfrontation mit den Jakobiten am Corrieyairack Pass aus dem Weg, weil er dachte, dass sie im Vergleich mit seiner Armee, über eine größere Truppenstärke verfügen würden.
Am 31. August kehrte der britische König George II. nach London zurück, um sich mit der drohenden Gefahr durch die Jakobiten auseinanderzusetzen.

September 1745
Der Duke of Newcastle forderte Anfang September zehn Bataillone als Verstärkung an, um den Vormarsch von BPC gegen Süden und somit gegen England zu stoppen.
Die Jakobiten nahmen Perth ein und am 3. September 1745 rief BPC in Perth öffentlich seinen Vater James Francis Stewart als König James aus. Am 11. September verließ er mit seiner Armee Perth, um in Richtung Edinburgh zu marschieren.
Am 15. September erreichte die Jakobitenarmee Edinburgh. Die Stadt war wehrlos, da sich die britischen Truppen immer noch im Osten Schottlands befanden. Nach erfolglosen Verhandlungen verschafften sich die Jakobiten durch ein geöffnetes Stadttor Zugang zur Stadt und konnten diese einzunehmen, jedoch nicht die Burg. So wurde am 17. September BPCs Vater in Edinburgh am Mercat Cross als König James III. von England und VIII. von Schottland ausgerufen und ein triumphierender BPC betrat die Stadt. Nach der Eroberung der Stadt residierte BPC für fünf Wochen im Holyrood Palace und bewohnte dort das Appartement des Duke of Hamilton, da es nicht so heruntergekommen war, wie die königlichen Räume. Der „Palace of Holyroodhouse“ (umgangssprachlich als Holyrood Palace bezeichnet) befindet sich am östlichen Ende der Royal Mile, die von dort hinauf zum Edinburgh Castle führt, das am anderen Ende steht.  Der Palast war im 16. Jahrhundert die königliche Residenz der schottischen Könige und Königinnen. Er verlor aber 1707 mit dem “Act of Union”, der Vereinigung von Schottland und England zum Königreich Großbritannien, an Bedeutung.
Cope nahm die Verfolgung der jakobitischen Truppen auf und seine Armee segelte von Aberdeen die Küste hinunter nach Dunbar, um sich letztendlich den jakobitischen Truppen bei Edinburgh zu stellen. BPC bekam mit, dass sich Cope in der Umgebung von Prestonpans aufhielt und er ließ die Jakobiten bei Falside Hill (Prestonpans) Stellung beziehen. Am 21. September besiegte die Jakobitenarmee in der Schlacht von Prestonpans, die nicht länger als 15 Minuten dauerte, die britische Armee.
(Fortsetzung: http://wp.me/p7I1JG-9q)

@ Yvonne Pirch 06.10.2016
@ Foto präsentiert von Caledonian Cult Collection https://www.facebook.com/CaledonianCultCollection/

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Weitere historische Informationen zum Jakobitenaufstand von 1745 – 1746 findest Du hier:
Wie es zum letzten Jakobitenaufstand 1745 kommen konnte: http://wp.me/p7I1JG
Teil 2: Die Schlacht von Prestonpans (Teil 2): http://wp.me/p7I1JG-9q
Teil 3: Von Prestonpans bis fast vor die Tore Londons http://wp.me/p7I1JG-au

Teil 4: Vom Rückzug nach Schottland bis zum Culloden Moor http://wp.me/p7I1JG-av


Quellen:
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Jacobite_risings
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Jacobite_rising_of_1745
http://www.tartanplace.com/tartanhistory/culoden.html
http://www.electricscotland.com/culture/dates1-e.htm
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Holyrood_Palace
http://www.contemplator.com/history/jacobite.html
http://www.myhighlands.de/highlands-wissen/der-jakobitenaufstand-grausames-ende-romantische-verklarung/