Review Folge 209 Bereit zum Kampf (Je Suis Prest)

2016-10-03-16-27-06

 

Episode 209
Bereit zum Kampf
(Je Suis Prest)

Drehbuch: Matthew B. Roberts
Regie: Philip John

„Doch wenn wir die Disziplin haben,
eine Einheit zu werden, gemeinsam marschieren
und kämpfen, dann bei Gott, werden wir diese Schlacht gewinnen.
Gemeinsam.
Für Schottland.“
(James Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind,

 

Je Suis Prest“ – „Ich bin bereit“, so der englische Titel dieser Episode, der auch gleichzeitig der Wahlspruch des Clan Fraser of Lovat ist. Und es stimmt, alle involvierten Abteilungen waren in der Tat für diese Folge bereit. Allen voran die Location Scouts, die dieses wunderbare alte und teilweise verfallene Farmhaus gefunden haben und die Kostümdesigner, die für Claire solche wunderschönen Kleider entworfen haben. Ich liebe Claires Arisaid, das sie sich mit einem Gürtel um den Oberkörper wickelt. Nicht zu vergessen Gary Steele mit seinem Set Departement. Ich finde Jamies „Kommandantenbüro“, der Raum mit dem Lagerfeuer in der Mitte und dem Baum, der mitten in diesem Raum wächst, einfach phänomenal. Gary hat sich mit diesem Set, das er in den Outlander Filmstudios in Cumbernauld gebaut hat, mal wieder selbst übertroffen. Auf der OutlanderCommunity Seite könnt ihr viele Bilder zu diesem Set sehen (http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=209).
Auch Bear McCreary beweist in dieser Episode wieder einmal, dass er ein ganz besonderes Gespür für die richtige musikalische Untermalung hat. Normalerweise nehme ich Filmmusik nicht bewusst war, sie läuft einfach im Hintergrund und dient zur Untermalung der Handlung. Aber diesmal ist sie mir besonders aufgefallen. Zuerst das Lied „Ailein duinn“, welches bereits in Folge 103 von Gwyllin dem Barden gespielt wurde. Nicht zu vergessen, mein bis jetzt absolutes Highlight, direkt nach dem Faith Theme, „Moch Sa Mhadainn“, das Jacobite Theme, gesungen von Griogair Labhruid. Es ist ein sehr bewegendes gälisches Lied, das die Stimmung während und ganz besonders am Ende der Folge sehr gut widerspiegelt. Bei diesem Lied handelt es sich um ein altes gälisches Volkslied, das auch unter dem Namen Oran Eile Do’n Phrionnsa(“Another Song to the Prince) bekannt ist und bereits 1745 von Alasdair mac Mhaighstir Alasdair, besser bekannt unter dem Namen Alexander MacDonald, geschrieben wurde. In dem Lied drückt er seine Freude über die Ankunft von BPC in Schottland aus. MacDonald war unter den ersten Highlandern, die nach der Ankunft von BPC in Schottland Glennfinnan erreichten. Er war Zeuge, als der Prinz am 19. August 1745 die jakobitische Standarte hisste, der Beginn des zweiten Jakobitenaufstandes. Den gälischen Text und die englische Übersetzung findet Ihr hier: http://www.lochiel.net/archives/arch068.html.
Übrigens wurde “Moch Sa Mhadainnbereits instrumental im Abspann der letzten Folge gespielt.
Wer nähere Infos zur musikalischen „Untermalung“ der Serie haben möchte, dem kann ich nur empfehlen, unbedingt auf Bear McCreary Homepage (http://www.bearmccreary.com/#blog/blog/outlander-return-to-scotland/
seine Ausführungen zu Outlander zu lesen. Aber Achtung, in dem Text sind auch Spoiler zu weiteren Folgen enthalten.

 

Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Matthew B. Roberts das Drehbuch zu dieser Episode geschrieben hat, dann wäre ich sehr überrascht gewesen. Denn Matt hat bis jetzt seine Drehbücher immer sehr buchnah geschrieben und versucht, so viele Buchdialoge wie möglich einzubauen. Aber er hat mit dieser Folge bewiesen, dass er auch in der Lage ist, seine eigene Story zu erfinden und diese sehr gelungen ins TV zu transportieren. Auch wenn 95% der Handlung dieser Episode nicht im Buch vorkommt, hat Matt mich mit seiner Story überzeugt und ist den Buch-Charakteren und dem Kern des Buches treu geblieben. Er ist einfach ein langjähriger Buchleser, der mit den Charakteren nicht nur vertraut ist, sondern sie auch im Detail versteht.
Diese Episode hat uns in der Handlung nicht wesentlich weitergebracht, aber sie hat Raum für charakterliche Entwicklung und Ausführungen gelassen und ich hatte diesmal den Eindruck, dass sie nicht von einer Szene zur nächste hetzt, sondern die Geschichte ruhig und ohne Zeitdruck erzählt. Aber sie war weitaus mehr als ein Lückenfüller. Und dank Matt muss ich meine Aussage aus meiner letzten Review: „Das Einzige, was mich wirklich stört, ist, wenn Handlungsstränge dazu erfunden werden“ revidieren. Ich mag diese Folge wirklich sehr, sie ist interessant, aufregend, in sich stimmig und hat mich ganz und gar gefesselt. Diese Folge ist Jamies Folge, die uns sehr gut zeigt, wie er seine Fähigkeiten als geborener Anführer einsetzt. Grandioses Scriptwriting und grandiose filmische Umsetzung!
Und wer von euch mal sehen möchte, wie man aus ein paar Zelten ein Feldlager der Jakobiten macht, der sollte sich einmal das Video auf der Outlander Community Seite anschauen.(https://www.outlandercommunity.com/insideoutlander/video/episode209/vfx01.mp4)

 

Der Episodentitel ist genau das Gegenteil von dem, was in der Folge gezeigt wird. „Je Suis Prest“, aber niemand ist bereit für den Krieg, der vor ihnen liegt. Nicht Jamie und auch nicht seine unerfahrenen und schlecht ausgerüsteten Männer. Nicht Claire. Selbst Dougal nicht. Er denkt zwar, dass er bereit ist, aber, wenn er wüsste, dass dieser Aufstand das Ende seines geliebten Schottlands und der ganzen Highlandkultur bedeutet, wäre auch er nicht bereit.

 

The Boys are back in Town
Es ist schön, Lard-Bucket (Speckschwarte) und Big Head (Schrumpfkopf) wiederzusehen. Mensch, wie habe ich deren Comedy-Einlagen vermisst. Nicht nur ich freue mich, sondern auch Claire und Jamie.
Schade, dass Willie nicht mehr dabei ist, warum nur musste er heiraten? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Finn den Hertog, der Darsteller von Willie, arbeitete zu Drehbeginn an einem anderen Projekt und war leider nicht verfügbar, sagt Ron im Podcast zur Folge 209. Habt Ihr bemerkt, wie Jamie Claire umarmt, bevor Rupert ihnen die „schlechte“ Nachricht über Willie erzählt? Das war eine so süße, beschützende Geste.
Ich freue mich auch, dass Dougal wieder mit von der Partie ist, auch wenn wahrscheinlich Ärger vorprogrammiert und Claire von seinem Erscheinen nicht sehr begeistert ist. Auch Jamie und Dougal haben gleich zu Anfang keinen guten Start. Wen wundert es, wo doch Dougals erste Worte, die er an Jamie richtet, eine Erinnerung an die Ereignisse von Wentworth sind: “Du siehst gut aus Junge, trotz der Schicksalsschläge.“ Ich schließe mich an dieser Stelle mal den rollenden Augen von Claire und Murtagh an.
Dafür ist das Wiedersehen zwischen Fergus, Claire und Jamie wesentlich herzlicher. Ich finde es sehr schön, dass zwischen allen ein enges Band entstanden ist und Fergus insbesondere zu Claire ein sehr inniges Verhältnis hat. Wie Claire Fergus im Arm hält, ist herzerwärmend. Beide sind sich offensichtlich in der Zeit, als Jamie nach dem Duell in der Bastille inhaftiert war, sehr nah gekommen. Und mal ganz ehrlich: Wer von uns wäre nicht erleichtert, endlich aus Murtaghs täglichem Aufgabendrill, in Form von Socken flicken und essen holen, befreit zu werden?

Apropos Murtagh:
Ich kann es nicht oft genug sagen und ich glaube, ich habe es bis jetzt in jeder Review erwähnt: ich liebe es, was die Serienverantwortlichen aus einem im Buch doch recht stiefmütterlich behandelten Charakter gemacht haben. Murtagh teilt nicht nur die guten Zeiten der Frasers, sondern auch die schlechten. Er ist ihnen ein echter Vertrauter und ist nicht nur an Jamies Wohlergehen interessiert, sondern sorgt sich auch um Claire, denn er bemerkt, dass Claire zur Zeit nicht sie selbst ist.
„Sie hält sich doch sonst nicht zurück. Sie sagt, was sie denkt, ob du es hören willst oder nicht.“ Guter Satz, ob Murtagh sich an seine gemeinsame Zeit mit Claire auf der Suche nach Jamie erinnert?
Besonders gut hat mir Murtagh als Drill-Sergeant gefallen. Duncan und natürlich auch seine Augenbrauen machen in diesen Szenen dem Drehbuch alle Ehre.

Claire und Dougal
Ich habe die Konfrontation zwischen Claire und Dougal sehr genossen, obwohl ich an einigen Stellen Caits Interpretation vom Gesichtsausdruck her etwas übertrieben fand. Sie guckt mir manchmal einfach zu künstlich angewidert, wenn sie eine wütende Claire darstellt.
Schön, dass Claire Dougal gleich klarmacht, dass Jamie und sie keine Geheimnisse voreinander haben und somit sein kläglicher Versuch, sie zu erpressen, im Keim erstickt wird. Ihre extreme Wut auf Dougal, die sich in der weiteren Konfrontation Bahn bricht und schließlich in einem F@ck dich. endet, kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn ich Revue passieren lasse, was Dougal ihr alles angetan hat: er hat sie gegen ihren Willen nach Leoch gebracht, sie der Spionage bezichtigt, sie betrunken belästigt, Jamie für sein Crowdfunding missbraucht, sich ihr in der Hochzeitsnacht unsittlich genähert und letztendlich hat er sie, als sie seine Hilfe zur Befreiung von Jamie aus Wentworth gebraucht hat, im Stich gelassen. Habe ich irgendetwas in dieser Aufzählung vergessen? Okay, zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass Dougal sie vor BJR gerettet hat. Aber da war auch viel Eigennutz involviert, da er Sorge hatte, dass Claire ihn letztendlich als Jakobiten outet.
Ob Dougal wirklich ein Narzisst ist oder nicht, sei mal dahingestellt und das jetzt an dieser Stelle zu erörtern, würde definitiv zu weit führen. Ich persönlich denke, dass er keiner ist, eher ein Mann, der seine Qualitäten als Anführer genau kennt und in vielen Dingen selbstgefällig, selbstgerecht und egoistisch handelt. Aber Dougal ist auch in der Lage, sich in gewissen Situationen hinten anzustellen, so als er Colum seinen Treueeid leistet und als er Jamie, zwar nicht kampflos, aber letzten Endes doch als Anführer akzeptiert. Claire sagt zu ihm:Also bitte hör´ auf alle von deiner Vaterlandsliebe überzeugen zu wollen. Es wird lästig.“ Dougals Verteidigung zeigt sehr eindrucksvoll, wie sehr er sein Schottland liebt und was diese Rebellion für ihn bedeutet: „Ja, ich liebe mein Spiegelbild. Aber täusche dich nicht Mädchen, ich liebe Schottland mehr. Und ich würde alles geben, wirklich alles, was ich habe oder jemals haben werde, sogar mein Leben, um wieder einen Stuart auf dem Thron zu sehen.“
Ich liebe es, wie Graham in dieser Szene agiert und am Ende habe ich doch glatt das Bedürfnis ihn mal kurz in den Arm zu nehmen und zu trösten.

Jamie und Dougal
Erst erschien mir die Handlung um Dougal ziemlich unglaubwürdig, denn ist er als War Chief des Clan MacKenzie nicht in der Lage mehr Männer als Angus und Rupert zu rekrutieren und seine eigene Truppe aufzustellen? Warum schließt er sich den Männern seines Neffen an und unterstellt sich dem Kommando von Jamie? Aber Colum lieferte ja in der letzten Folge die passende Erklärung. Beide Brüder sind übereingekommen, dass es besser ist, wenn Dougal auf seinem eigenen Gut bleibt und seine eigenen Interessen verfolgt. Also ist Dougal mit Angus und Rupert in eigener Sache unterwegs, während Colum versucht, den Clan MacKenzie durch Neutralität zu schützen. Erst wenn Colum stirbt und Dougal Laird wird, besteht für ihn die Möglichkeit, die Männer des Clan MacKenzies als Unterstützung für den Jakobitenaufstand zu rekrutieren.
Über die gesamte Folge ist der unterschwellige Konflikt zwischen Jamie und Dougal zu spüren, wenn sie aufeinandertreffen und ihr Männer-Kräfte-Ringen veranstalten. Sam und Graham setzen diese spürbare Spannung sehr gut um.
Es wird schnell deutlich, dass Jamie und Dougal den Jakobitenaufstand von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Jamie weiß, dass seine Männer trainiert werden und ihnen die Grundlagen im Kampf beigebracht werden müssen. Dougal sieht die Situation eher von der romantischen Seite aus, für den ein Highlander garantiert zehn Redcoats in die Tasche stecken kann, einfach nur aufgrund seiner bloßen Anwesenheit.
Ich finde es nachvollziehbar, wie sich das Verhältnis zwischen Jamie und Dougal in den vergangenen zwei Jahren verändert hat. Auch Dougal merkt ziemlich schnell, dass Jamie nicht mehr sein Neffe, der Stallbursche ist, den er für seine Zwecke benutzen kann, so wie in Folge 105, sondern sein Neffe, der Laird of Lallybroch. Jamie ist seit ihrer letzten Begegnung einmal zur Hölle und zurückgegangen und durch Wentworth, Paris und Faith wurde er zu einem Mann, der sich seiner selbst noch sicherer ist und noch mehr zu dem steht, wofür er eintritt und sich garantiert nicht mehr von seinem Onkel kommandieren lässt. Auch als Stratege ist Jamie seinem Onkel überlegen. Alles was Dougal will, ist, sich BPC anschließen und kämpfen. Jamie aber sieht das große Ganze und da er die Zukunft kennt, will er für seine Männer, die keine Soldaten sondern nur Bauern und Pächter sind, mehr erreichen, als sie in den Kampf zu schicken und sie für BPC sterben zu lassen. Er will, dass sie in den Kampf ziehen, siegen UND leben.
In der jetzigen Situation ist Dougal derjenige, der sich Jamies Befehlen unterordnen muss, denn Jamie macht ihm von Anfang klar: „Das sind meine Männer, mein Clan. Ich allein gebe ihnen Befehle.“ Nein, Jamie ist wirklich kein junger Mann mehr, der sich durch die Erinnerung an seinen Vater oder den Taten seiner Onkel leiten lässt. Jamie ist sein eigener Herr und er hört und vertraut auf sein Herz. Dougals fassungsloser Blick, als ihm Jamie im späteren Verlauf des Konfliktes sagt, dass, wenn er nicht mit seinen Bedingungen einverstanden ist, er seine Männer nehmen und das Lager verlassen soll, ist unbezahlbar. Als Jamie Dougal befiehlt, dass er nicht an dem nächtlichen Überfall teilnehmen wird, sondern das Lager bewachen soll, akzeptiert Dougal den Befehl seines Neffen ohne großartigen Protest. Er stellt, zumindest in dieser Situation, seine eigenen Wünsche hinten an und beweist damit, dass er kein Narzisst ist, wie Claire ihm in ihrer Konfrontation vorgehalten hat.
Am Ende akzeptiert Dougal Jamie als seinen Anführer und Kommandanten, mehr oder weniger freiwillig. Jamie würdigt das, indem er Dougal vorschickt, um BPC den Clan Fraser anzukündigen. Dougal nimmt diese Aufforderung nur allzu gerne an, denn er kann es kaum erwarten, BPC, seinen Helden, zu treffen. Mark me, ich hoffe unser „Royal Highny“ reißt sich zusammen und enttäuscht Dougal nicht innerhalb der ersten zwei Sekunden.

Kleine Randnotiz:
Was ist eigentlich aus dem Geld geworden, dass Dougal in der ersten Staffel für BPC gesammelt hat? Ich hoffe, dass er es ihm nicht nach Paris geschickt hat, denn ansonsten hat „Your Royal Highny“ es bestimmt wunderbar bei Maison Elise für Wein, Weiber, Gesang und Bodypainting ausgegeben.

Lord John
Ich hatte mir den ersten Auftritt von John William Bertram Armstrong Grey, besser bekannt als Lord John, spektakulärer vorgestellt. Er ist immerhin nach Jamie und Claire mein drittliebster Charakter, dicht gefolgt von Young Ian und Roger, aber das tut hier glaube ich nichts zur Sache. Ich liebe alle
Lord-John-Romane und Kurz-Romane. Einen Fanfarenstoß, etwas Konfetti und Glamour hätte ich schon toll gefunden.
Ich habe diese Woche versucht. so gut es ging spoilerfrei zu bleiben, aber leider wurde ich bezüglich Lord John (LJ) von einer Freundin mit einem Gif und einer Nachricht „Guck mal, Lord John“ gespoilert. Von daher war der erste Auftritt meines absoluten Buchlieblings keine Überraschung mehr, aber ich habe trotzdem auf diese Szene hingefiebert und ich wurde von Matt nicht enttäuscht. Die Dialoge und die Handlung sind fast eins zu eins aus dem Buch übernommen worden. Allerdings geht die Initiative für den „Übergriff“ auf Claire in der Serie von ihr und nicht von Jamie aus und es fehlt der Teil, in dem Jamie Claires Korsett zerreißt und sie vor den Augen aller Anwesenden entblößt. Ich bin froh, dass die Serienverantwortlichen diese Änderung vorgenommen haben, denn zum einen hätte es aufgrund von Claires PTBS nicht gepasst, wenn Jamie sie so genötigt hätte wie im Buch und zum anderen konnte ich mich nie so wirklich mit der Buchhandlung in Bezug auf Jamie als Initiator und Jamie, der Claires Brüste entblößt, anfreunden.
Als LJ Jamie von hinten angreift und Jamie ihn auf den Boden wirft, hoffe ich, dass LJ neben und nicht in Jamies Pipipfütze landet. BTW, gibt es in dem Camp keine Latrinen oder warum muss sich Jamie an Hauswänden erleichtern?
Die gesamte Szene hat richtig Spaß gemacht und Sam und Cait haben sie mit einer guten Mischung aus Sensibilität und Humor gespielt, Der kleine inszenierte Kampf zwischen ihnen ist einfach wunderbar dargestellt, besonders die Stelle, an der Claire Jamie in die Kronjuwelen tritt und er ihr „Sassenach“ zuraunt. Obwohl Claire dieses Schauspiel begonnen hat, hat sie wohl nicht damit gerechnet, dass Jamie es so weit treibt und ihren Rock vor allen Anwesenden hochschiebt. Ihr Blick, einfach zum schießen. Ich könnte mich über Claires Beschimpfung „Du Schwein.“ totlachen und ihr Gesichtsausdruck als Jamie zu seinen Männern „Haltet sie.“ sagt, ist einfach unbezahlbar. Obwohl Claire damit begonnen hat, geht ihr Jamie dann letztendlich doch zu weit, wie man sehr schön an ihrem Gesichtsausdruck, kurz bevor Jamie sich einen Kuss stiehlt, sehen kann. Ich glaube, Claire hätte ihm am liebsten noch einmal ins Allerheiligste getreten und Jamie macht dieser wortwörtliche Machtkampf offensichtlich an.
Gott sei Dank, dass LJ nicht sehen kann, wie sehr sich Murtagh über das kleine Schauspiel amüsiert und wie sehr er sich zusammenreißen muss, um nicht laut loszulachen. Ich schließe mich Murtagh an und ich schätze, ich habe genauso breit gegrinst.
„Lass sie los und ich erzähle dir, was du wissen willst. … Mein Name lautet William Grey, Zweitgeborener des Vicomte Melton.“ Der Satz auf den ich schon seit Ankündigung der 2. Staffel warte! Vielleicht gibt LJ zu schnell auf und zu schnell seine Informationen preis, aber keiner will hier Folterszenen „à la“ 24 mit Kiefer Sutherland sehen. Als Jamie am Schluss zu LJ sagt „Ich schenke dir dein Leben. Ich hoffe, du nutzt es weise.“ fallen mir sofort tausend Dinge ein, mit denen er Jamies „Geschenk“ alle Ehre machen wird, zum Beispiel ihn bis zu seinem Lebensende ein guter Freund zu sein. Lord John Aussagen „Ich hoffe, dass ich diese Schuld irgendwann begleichen kann.“ und „Ein Grey vergisst nie seine Verpflichtungen.” lassen mich schmunzeln und auch dankbar sein, denn ohne sein Versprechen und sein Ehrgefühl wäre Dianas drittes Buch „Ferne Ufer“ direkt nach dem ersten Kapitel zu Ende gewesen. Also liebe NBL, merkt euch das gut, das sind extremst wichtige Informationen!
Bei Jamies Satz „Dann muss ich hoffen, dass wir uns nie wieder begegnen.“ muss ich daran denken, was er gesagt hätte, wenn er schon in diesem Augenblick gewusst hätte, dass er für LJ einmal sein „True North“ sein wird und ich möchte an dieser Stelle eines der, so finde ich, schönsten LJ Zitate über seine Liebe zu Jamie mit Euch teilen:

„Ich habe ihn gehasst, solange ich konnte. Aber dann wurde mir klar, das, ihn zu lieben…, dass das ein Teil von mir war, und zwar einer der besten Teile. Es spielte keine Rolle, dass er mich nicht lieben konnte, das hatte nichts damit zu tun. Aber wenn ich ihm nicht verzeihen konnte, dann konnte ich ihn auch nicht lieben und hatte diesen Teil verloren, Und irgendwann habe ich festgestellt, dass ich ihn wiederhaben wollte.“
(„Der Ruf der Trommel von Diana Gabaldon Kapitel 59 Erpressung)

Das Einzige, was mich etwas stört, ist, dass LJ in der Serie gar nicht erfährt, dass die gesamte Szene nur von Jamie und Claire gespielt ist. Ich fand es im Buch immer sehr unterhaltend, wenn Jamie LJ seinen kleinen Trick unter die Nase reibt, denn es macht ihn nur noch wütender auf Jamie.

Kleine Randnotiz:
Bis jetzt haben Ron & Co. beim Casting nie daneben gelegen, aber dieser Darsteller von LJ hat mich nicht überzeugt. LJ wird in den Büchern immer als attraktiv beschrieben. Ich entschuldige mich schon einmal bei dem Darsteller, aber für mich ist er weit von attraktiv entfernt. Irgendwie erinnert er mich an Young Simon. Aber egal, ab der nächsten Staffel gibt es ja einen neuen Schauspieler für den älteren LJ, David Berry und der ist in meinen Augen definitiv attraktiv. Ich bin, nachdem ich Ausschnitte aus der australischen Dramaserie „A Place to call Home“ geschehen habe, in der David einen homosexuellen Mann in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg spielt, überzeugt davon, dass er meinem Buch LJ alle Ehre machen wird. Ich kann es nicht erwarten, Sam und ihn zusammen in Ardsmuir und Helwater zu sehen. Das wird garantiert ein grandioses Schauspiel!

Jamie und Claire
Sie sind beziehungstechnisch immer noch da, wo wir sie letzte Folge verlassen haben, eine Einheit, ein Gesamtkonzept, alles so, wie es sein sollte.
Ich finde die kleine Szene in Jamies und Claires Zimmer sehr schön und sie zeigt Jamies Feingefühl für Dinge, die Claire betreffen und seine Frage: „Geht`s Dir gut? Du warst so still in den letzten Tagen.“ unterstreicht es noch einmal.
Claire antwortet: „Mir fehlt nichts.“ und kann sich jemand von Euch daran erinnern, wann Claire das letzte Mal gesagt hat, dass es ihr gut geht? Genau, das war in der Folge 108, kurz nachdem sie fast von dem britischen Deserteur vergewaltigt worden wäre. Also Jamie, merke bitte für die Zukunft: wenn Claire sagt, es geht ihr gut, meint sie garantiert das Gegenteil. Jamie entschuldigt sich im weiteren Verlauf des Gesprächs bei Claire dafür, dass er sie mitgenommen hat. Seine Aussage, „Ich will, dass Du weißt, was auch immer geschieht, wir stehen das durch. Ich beschütze Dich, Sassenach.“ist wieder eine dieser furchtbaren Vorahnungen, denn ja, sie werden die nächsten Schlachten zusammen durchstehen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jamie nicht mehr für Claire da sein kann. Und ja, Jamie wird die ganze Zeit über für Claires Sicherheit sorgen und ab dem Zeitpunkt, wo er sie nicht mehr beschützen kann, wird er sie zurück ins 20. Jahrhundert schicken.
Als die Szene ausgeblendet wird, können wir noch einmal einen Blick sowohl auf Jamies als auch auf Claires Gesicht erhaschen. Beide haben diesen nachdenklichen, fast schon verzweifelten Gesichtsausdruck und ihre Blicke starren ins Leere. Jeder scheint wohl mit seinen Dämonen zu kämpfen und mit der Angst, die der bevorstehende Krieg hervorruft. Das Jamie und Claire Theme im Hintergrund macht die gesamte Szene noch ein bisschen bewegender.

Kleine Randnotiz:
Diese Szene erinnert mich ganz stark an die Szene aus Episode 102, in der Jamie auf dem Hocker vor dem Feuer sitzt, Claire vor ihm kniet und sich um seine Wunden kümmert. Hier ist es umgekehrt; Claire sitzt vor dem Feuer, Jamie kniet vor ihr und kümmert sich um sie. Ob das von Matt wohl Absicht war, die Szene so darzustellen oder eher Zufall?

 

Als Jamie von seinem nächtlichen Überfallkommando zurückkommt und Claire aufweckt, ist er einfach zum Anbeißen und aufgeregt wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Ich kann ihn fast den Satz aus Dianas erstem Buch sagen hören, den er nach dem nächtlichen Kampf mit den Grants zu Claire sagt: Von einem solchen Kampf bekommt man einen fürchterlichen Ständer.“ („Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon, Kapitel 18 Diebe in den Felsen)
Auch Claire scheint die Story über nächtliche Überfälle auf Gedanken jenseits von Schlaf zu bringen, so dass sie wie folgt auf Jamies Aufforderung „Du solltest dich anziehen.“ reagiert: „Dass Du das sagst, hätte ich wirklich nicht erwartet.“
 Aber leider müssen sie so schnell wie möglich das Lager abbrechen, noch bevor die Briten den Überfall bemerken und ihr Lager entdeckt wird.
Er erzählt Claire die Geschichte vom Überfall und ist sichtlich mit sich und dem Ergebnis zufrieden. Und, das finde ich mal wieder typisch Jamie, er ist so stolz auf Claire und sagt es ihr auch, da es ihr Handeln war, welches LJ veranlasst hat, den Standort der britischen Einheit zu verraten.

 

Claire und ihr Trauma
Kleine Randnotiz am Anfang:
Was machen wir diese Episode mit Claire? Das war wohl die Frage, die sich die Serienverantwortlichen für diese Folge gestellt haben. Soll sie etwa jeden Tag im Lager umherlaufen, Kräuter sammeln, Bandagen wickeln und wunde Füße vor Gangränen bewahren? Wer will das sehen? Nun ja, ganz ehrlich: Ich! Warum? Weil ich es liebe, in Dianas Büchern diese kleinen alltäglichen Dinge des Lebens zu lesen und ich hätte nichts dagegen gehabt, Claire in der Serie dabei zuzusehen. Und wer mich jetzt schon für bekloppt hält, es kommt noch besser. Ich habe das „Gathering“, besser bekannt als längsten Tag der Literaturgeschichte, in Dianas fünften Buch „Das flammende Kreuz“ total genossen. Da ich aber nicht das Maß aller Dinge bin, brauchten die Serienverantwortlichen eine Möglichkeit, auch Claire mit einer interessanten Story in diese Episode einzubinden.

Dass sich Ron & Co. für ein PTBS entschieden haben, hat mich anfangs sehr überrascht. Aber dieser neu erfundene Handlungsstrang passt sehr gut in die Folge, ist stimmig entwickelt, gut von Matt geschrieben und wird wundervoll von Cait dargestellt. Ich stelle immer wieder fest, dass ihr Dramatik mehr liegt als Wut. Ich kaufe ihr die Story zu 100% ab. Während Jamie darum kämpft, aus seinen Männern eine halbwegs kampffähige Truppe zu machen, kämpft Claire mit ihren aufkeimenden Erinnerung an den zweiten Weltkrieg. Ein alltäglicher Gang durch das Lager wird für sie zur Bewährungsprobe und sie muss sich letztendlich ihrer Erinnerung an ihr wohl schlimmstes Erlebnis im zweiten Weltkrieg stellen. Die Sequenz, in der Claire ihre Panikattacke erleidet und schließlich total gefangen in ihrer Erinnerung, zu einem Ball zusammengerollt, auf dem Boden liegt, ist außergewöhnlich gut von Cait umgesetzt. Die Überleitung von Claires Erinnerungen an den Krieg zurück zur Gegenwart (oder Vergangenheit? Egal, auch das werde ich nicht näher erörtern, denn ansonsten droht eine Zeitreisemigräne) ist gut gelöst. Und als ich Jamies „Mo nighean donn“ höre, kann ich nur erleichtert denken: „Gott sei Dank, er hat sie gefunden.“ Was ich sehr gut finde ist, dass Jamie Claire beobachtet, ihr seine gesamte Aufmerksamkeit gilt und er ihr mit seinen Blicken folgt, auch wenn er gerade in einer Übung mit seinen Männern involviert ist. Egal, was um ihn herum passiert, Claire hat immer Priorität für Jamie und ist absolut das Wichtigste für ihn.
Die darauf folgende Szene und den Dialog finde ich sehr gut gelungen. Claire sagt zu Jamie, dass sie seit fast zwei Jahren versuchen, diesen Krieg zu verhindern und dass jetzt, wo er beginnt, sie nicht weiß, ob sie dafür bereit ist. Als Jamie ihr sagt, dass er sie nach Lallybroch zurückschicken will, sagt sie ihm, dass sie auch das nicht machen kann, denn „Wenn ich nach Hause gehe, dann ist es, als würde ich wieder in diesem Graben liegen, hilflos und unfähig mich zu bewegen, wie eine Libelle in Bernstein.“ Und „Dragonfly in Amber“ (dt. Libelle im Bernstein) steht für mich hier nicht nur für den Titel von Dianas zweitem Buch, sondern für alle Dinge, die feststecken, unbeweglich und festgefahren sind. An dieser Stelle ein tolles Symbol für die gesamte Situation, in der sich Jamie und Claire befinden. Claires nächster Satz stimmt mich sehr traurig, denn dieser Krieg ist für sie anders als der Letzte und er wird schlimmer werden, denn diesmal sind die Opfer keine namenlose Soldaten, sondern es könnten Murtagh, Angus, Rupert, Dougal, Ross, Kincaid und weitere Männer von Lallybroch oder im schlimmsten Fall Jamie sein. Menschen die sie kennt und die sie liebt und sie sagt: „Das schaff ich nicht, Jamie. Ich will nie wieder in diesen Graben. Ich will nie wieder hilflos und allein sein.“ Claire will bei ihm bleiben, sich diesmal nicht verstecken und sie will stark sein und helfen.
Und sie will noch etwas: sie will nicht, dass Jamie auf dem Schlachtfeld stirbt. Da sie ihn aber nicht direkt darum bitten kann und will, weil erstens der Gedanke so furchtbar ist, dass sie ihn nicht aussprechen kann und zweitens sie genau weiß, dass er keine Versprechen macht, die er nicht halten kann, bittet sie ihn meiner Meinung nach unterschwellig darum. Ihr starker Blick bei dem Satz „Menschen, die ich liebe.“ und ihre Aussage Ich will nie wieder … allein seinsind für mich dafür ein klarer Hinweis. Auch ihr vehementes „Verstehst du mich?“ unterstreicht die Wichtigkeit ihrer Aussage noch einmal. Jamie versteht, was sie meint, „Ich versteh dich.“, und er verspricht ihr nicht, wie erwartet, dass er überleben wird, aber er verspricht ihr: „… egal was passiert, du wirst nie wieder allein sein.  … Du hast mein Wort, Claire Fraser.“ Das ist für mich die schlimmste aller selbsterfüllenden Prophezeiungen, denn auch wenn er ihr nicht versprechen kann, dass er den Krieg überleben wird, wird er dafür sorgen, dass Claire sicher und nicht alleine sein wird, wenn ihm etwas zustößt. Leider kann Jamie nicht wissen, dass, all seiner Bemühungen zum Trotz, Claire zwar sicher, aber trotzdem zwanzig lange Jahre allein sein wird, denn niemand, nicht einmal Brianna, kann die Lücke füllen, die er hinterlässt.

Ich bin der Meinung, dass die Flashbacks eine brillante Art und Weise sind, den Zuschauern den Schrecken des Krieges zu zeigen. Die Serienverantwortlichen haben es durch Claires Geschichte sehr effektiv geschafft, dem Grauen des Krieges ein Gesicht zu geben, ein Gesicht, das uns allen wohlbekannt ist, Claires Gesicht. Der kommende Krieg ist kein Braveheart spielen mit Holzschwertern, sondern er ist echt, mit echten Waffen, echten Toten und Verletzten und Claire hat das alles schon einmal erlebt. Jetzt geht sie in einen weiteren Krieg, mit dem Unterschied, dass es Menschen betrifft, die sie liebt und die für sie ihre Familie geworden sind.

Ich bin zwar kein Experte für PTBS, aber Claires Erklärung „Dann habe ich die Tür zu dieser Nacht geschlossen und bin weit weg gegangen.“  ist für mich einleuchtend und nachvollziehbar. Ich weiß, dass es durchaus möglich ist, dass Traumata lange Zeit in einem schlummern können und ein bestimmtes Ereignis, ein bestimmtes Geräusch oder ein bestimmter Geruch diese fest verschlossene Tür öffnen kann, so wie bei Jamie der Duft von Lavendel regelmäßig seine Erinnerungen an BJR heraufbeschwört. Bei Claire ist es eine Kombination aus der gesamten Lagersituation, „Soldaten“, die sich auf den Krieg vorbereiten, Angus mit seinen wunden Füßen, Fergus beim Shinty spielen und letztendlich das Geräusch der abgefeuerten Musketen und nicht dieses alleine, denn in der ersten Staffel wurde des Öfteren in Claires Gegenwart geschossen. Ich denke, dass Claire in diesem Moment von den Erinnerungen, die hinter dieser Tür stecken, total überrascht wird und von daher ihre Reaktion darauf so heftig ist. Jetzt, wo sie weiß, dass es diese Tür gibt und diese dementsprechend nicht mehr unverhofft aufspringen kann, wird sie ihre Gefühle in kommenden Situationen besser händeln können, denn Claire hat es in der Hand, diese Tür dosiert zu öffnen, anzulehnen oder zu schließen. Auch wird es ihr helfen, mit Jamie darüber zu sprechen und ihm ihre Erinnerungen mitzuteilen. Ich bin sicher, dass Claire in der nächsten Folge, wenn es zur Schlacht von Prestonpans kommt, ihre Frau steht und das macht, was sie am besten kann: anderen helfen und heilen.

Kleine Randnotiz:
Schön,hier in der Serie den amerikanischen Soldaten Corporal Grant einmal persönlich kennenzulernen, von dem Claire ihr „Jesus H. Roosevelt Christ“ hat.

 

Jamie
Gratulation an Terry Dresbach dafür, dass sie die Idee hatte, Jamie in die Lederjacke seines Vaters zu stecken, denn Jamie ist in seine Fußstapfen getreten und zeigt in dieser Episode echte Laird Qualitäten. Absolut kein Vergleich zu seinen ersten Versuchen in Folge 112. Brian wäre sicherlich stolz gewesen, wenn er Jamie hier in Crieff hätte sehen können.
Letzte Woche haben wir Jamies Intelligenz, seine Charakterstärke, seinen Mut, sein Verhandlungsgeschick im Umgang mit Lord Lovat und Colum und sein Verantwortungsgefühl in Bezug auf alle ihm anvertrauten Personen sehen können. Anne Kenney hat in der Episode 208 einen Grundstein für seine Größe als Anführer und militärischen Strategen gelegt. In dieser Folge sehen wir, wie er mit Standhaftigkeit, Ehrlichkeit, Glaube, Strenge, Herz und vor allem Ehre seine Männer führt. Jamie hat bereits als Soldat in Frankreich gekämpft, aber das war zu einer anderen Zeit. Damals ist er aus Schottland geflohen, war ein Söldner und er war allein, ungebunden. Jetzt ist er Laird of Lallybroch und trägt die Verantwortung für seine Frau, seine Familie und seine Pächter.
Das ist mein Buch Jamie, der JAMMF, den ich aus den Büchern kenne und den ich sowohl in Staffel 1 als auch in Staffel 2 ab und an vermisst habe. Aber wie soll das auch funktionieren? Jamie aus Staffel 1 und 2 kann gar nicht mein Jamie aus Dianas letztem Buch „Ein Schatten von Verrat und Liebe“ sein, denn zwischen dem Stallburschen Jamie aus dem ersten Buch und dem General Fraser aus Buch 8 liegen 36 Jahre und viele schmerzliche und bittere Erfahrungen. Rückblickend betrachtet haben die Serienverantwortlichen uns an der Entwicklung von Jamie teilhaben lassen, so wie Diana in ihren Büchern auch. In dieser Folge können wir Jamie das erste Mal als Anführer seiner Männer sehen, für die er uneingeschränkt die Verantwortung trägt und wir bekommen einen Ausblick darauf, zu was für einem großartigen Anführer er sich noch weiterentwickeln wird. Man kann aber auch jetzt schon erkennen, dass es seine Bestimmung ist, denn er führt seine Männer mit einem Selbstverständnis und mit einem Selbstbewusstsein, die es nur selten gibt.

„Er war zum Führer geboren und im Laufe der Zeit weiter geschliffen und gebeugt worden, um seine vorherbestimmte Rolle auszufüllen.“
(“
Ferne Ufer” von Diana Gabaldon, Kapitel 12 Das Opfer)

Ein Anführer, der fast sein gesamtes Leben für seine Familie, für alle im anvertrauten Menschen, für seine Überzeugung und für seine Freiheit kämpfen wird, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er seine militärische Laufbahn mit dem Blut seines eigenen Herzens beendet. „Written in My Own Heart`s Blood“, lautet auch der englische Titel von Dianas letztem Buch. 
Über seine Aussage, die er bezüglich der Kampffähigkeit seiner Männer macht, „Sie marschieren nicht. Sie gehen, sie schlendern, sie stolpern, doch das ist nicht marschieren.“, musste ich schmunzeln. Aber sie passt wie die Faust aufs Auge, denn nur eine gut ausgebildete Truppe kann die kommenden Schlachten überleben und bestenfalls zum Sieg der Jakobiten führen. Jamie macht seinen Männern durch seinen Monolog unmissverständlich klar, was sie erwartet. Der kommende Krieg ist kein Spaß, kein Zeitvertreib und sie werden auch keine Kühe eines benachbarten Clans stehlen und auf Highlander treffen, die mit Breitschwert und Sgian Dubh bewaffnet sind. Sie werden in einen echten, todbringenden Krieg ziehen und einer modern ausgestatteten Armee gegenüberstehen, die mit ihren Kanonen und Musketen alles zerstören wird, was sich ihr in den Weg stellt.

„Ihr denkt, das ganze wäre nur ein Spiel? … Wir sind immerhin Schotten. Wir sind mutig, wir sind stark, Gott ist auf unserer Seite. Was soll diese alberne Zeitverschwendung?“ fragt Jamie seine Männer. Ich denke, dass manchmal die umsichtigeren, vorsichtigeren und ehrlicheren Menschen die besseren Helden sind, weil sie den Preis des Heldentums verstehen. Jamie versucht nicht einmal seine Männer zu täuschen, ihnen etwas vorzumachen und den Aufstand und die nahenden Schlachten zu verherrlichen. Er weiß aufgrund von Claires Erzählungen, dass die einzige Option für ihn, seine Familie, seine Männer und für ganz Schottland ist, diesen Krieg zu gewinnen. Und Jamie sagt seinen Männern die ungeschminkte Wahrheit. Ja, sie sind alle mutige und tapfere Schotten. Aber die britische Armee ist diszipliniert, gut ausgebildet und eine Einheit und dann beschreibt er ihnen, wie er seine erste Schlacht in Frankreich erlebt hat und was es heißt, sich Auge in Auge mit einer modernen Armee zu befinden.

Matt hat sich beim Schreiben dieses Monologs einfach selbst übertroffen. Man kann bei der Beschreibung der Schlacht diese richtig vor Augen sehen. Und Sam interpretiert diesen Monolog einfach nur sehr realistisch und einfühlsam und es ist immer wieder erstaunlich, wie er diesen Charakter lebt, ihn versteht und wie er einfach zu Jamie wird.

„Und dann feuerten sie die erste Salve ab. Als Erstes sieht man einen Blitz aus Metall in der Sonne. Gemeinsam, als Einheit erhob eine Reihe von Männern stolz ihre Musketen. Sie zielten und feuerten. die Musketenkugeln kamen auf die Feinde nieder, wie ein tödlicher Hagel aus Metall. Zu allen Seiten fielen die Männer, sie wurden erbarmungslos zerfetzt. Der Klang von Kanonenfeuer, er rollte wie Donner über die Hügel. Als dieser endlich verklungen war, schoss bereits die zweite Salve über das Schlachtfled.
Ich erkannte, mit Mut allein kann man eine solche Armee nicht besiegen. Man braucht Disziplin, man braucht gut ausgebildete Soldaten, eine Armee von Soldaten. Doch wenn wir die Disziplin haben, eine Einheit zu werden, gemeinsam marschieren und kämpfen, dann bei Gott, werden wir diese Schlacht gewinnen. Gemeinsam. Für Schottland.“
(James Fraser)

Und wenn er sich mit seinen Männer der Schlacht stellt und mit ihnen auf dem Schlachtfeld von Culloden sterben muss, dann stirbt er für etwas, an das er glaubt und das ist mehr wert als zehn Männer, die einfach nur jemand anderen Krieg kämpfen, so wie Jamie es Dougal sagt.

Auch die Szene nachdem LJ Jamie überfallen hat, zeigt seine Führungsqualitäten deutlich, denn er übernimmt die Verantwortung für die hellen Lagerfeuer, die LJ ihren Standort verraten haben. Die Männer, die sich gerade zu einer Gemeinschaft zusammenfügen, müssen sehen, dass für ihren Anführer dieselben Regeln gelten, wie für alle anderen auch, denn nur so können sie eine Einheit werden. Da Jamie eine Mitschuld an dem Überfall trägt, wird er genauso wie seine Männer behandelt und für seine Unachtsamkeit wegen der Feuer bestraft.

 

Jamies „Nun gibt es kein zurück mehr, Sassenach.“ und Claires „Je suis prest“ stellen einen tollen Abschluss für diese großartige Folge dar, in der so viele und so vieles nicht bereit war. Aber bereit oder nicht, es führt kein Weg daran vorbei, dem Schicksal der Highlander, das Jamie, Claire und Murtagh kennen, zu entkommen. Wie die Kamera in der Schlusseinstellung über die Gruppe fährt, jeden Einzelnen von unseren liebgewonnenen Highlandern zeigt und mit dem Wissen, dass viele nicht überleben werden und was im Anschluss an die Schlacht von Culloden passieren wird, macht mich sehr traurig.


In dieser Episode ist so viel passiert und es hat so viele charakterliche Entwicklungen vor allem bei Jamie gegeben. Es gab nichts, was in dieser Folge nicht gepasst hätte und was nicht dazu beigetragen hat, dass die Story noch besser und interessanter wird. In meinem Augen haben wir Jamie und Claire, wie wir sie als Paar aus den Büchern kennen, gesehen. Sie brauchen sich in der Gegenwart des anderen nicht zu verstellen und können einfach sie selbst sein, weil sie wissen, dass sie vom Partner geliebt werden, egal was sie sagen oder machen.
Alles, von den Sets und Kostümen, über die Musik und die Dialoge war stimmig. Es gab Humor, zärtliche Momente, Angst und Hoffnung, alles, was eine einzigartige Folge braucht.
Jetzt, wo Jamie und Claire beschlossen haben, den Jakobitenaufstand nicht mehr zu sabotieren und zu unterwandern, sondern ihn zu unterstützen und mit allen Mitteln den Jakobiten zum Sieg zu verhelfen, kann Jamie endlich seiner Bestimmung nachgehen. Er war nie für Politik, Intrigen und Ränkespielchen gemacht. Er ist ein Anführer, ein Laird und ein Soldat und jetzt hat er eine Möglichkeit, aktiv für das zu kämpfen, an das er glaubt.

Diese Episode hat uns in meinen Augen noch einmal deutlich gezeigt, warum Claire so verzweifelt und verbissen versucht, die Zukunft zu ändern. Sie weiß, wie ein Krieg aussieht und was er mit und aus den Menschen macht, egal, ob er im 18. Jahrhundert oder im 20. Jahrhundert über einen kommt. Er ist immer blutig, schmerzvoll und voll von Tod und Leid. Und diesmal betrifft es die Zukunft aller Menschen, mit denen Claire in den letzten knappen drei Jahren zusammen gelebt hat und die für sie eine Familie geworden sind und bei denen sie das erste Mal in ihrem Leben so etwas wie ein zu Hause gefunden hat. Wenn sie und Jamie den Ausgang des Jakobitenaufstandes nicht aufhalten können, werden Tod, Hunger, Kummer und Leid kommen, garantiert!
Auch wenn es so aussieht, dass Jamie und Claire die Geschichte und die Waagschale des Schicksals nicht auf ihrer Seite haben, gehen sie mit offenen Augen in eine ungewisse Zukunft, gemeinsam, komme was wolle.

Je Suis Prest“ für „Prestonpans?

@ Yvonne Pirch 05.06.2016 / 05.10.2016


Wenn Dich der historische Hintergrund zu Charles Edward Stuart und dem zweiten Jakobitenaufstand interessiert, findest Du hier nähere Informationen: http://wp.me/p7I1JG-9j

Inside the World of Outlander Folge 209: https://www.starz.com/video/0238dede4fdc4bdf85092420973d281c
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 209http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=209
Podcast mit Ron D. Moore Folge 209: http://assets.starz.com/stzcom/outlander/209_Podcast.mp3

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