Der Jakobitenaufstand 1745 – 1746: Von Prestonpans bis fast vor die Tore Londons (Teil 3)

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Der Jakobitenaufstand 1745 – 1746:
Von Prestonpans bis 
fast vor die Tore Londons


September 1745
Am 28. September erreichte die Nachricht über den jakobitischen Sieg bei Prestonpans London. Ironischerweise feierte an genau diesem Tag das Lied „God Save the King“, das zu Ehren von König George II. geschrieben und später in abgewandelter Form d
ie Nationalhymne von Großbritannien wurde, in einem Theaterstück in London Uraufführung.

 

Oktober 1745
Obwohl BPC das Geld, das die Franzosen ihm gespendet hatten und Copes Kriegskasse besaß, brauchte er für die Unterhaltung seiner Armee mehr Geld. Ein Problem, das sich auch im Laufe der Rebellion nicht ändern sollte.
BPC versäumte es leider, nach dem überragenden Sieg von Prestonpans am 21. September 1745, ein Regiment auf die Beine zu stellen. Viele Highlander, die an der Eroberung von Edinburgh und an der Schlacht von Prestonpans teilgenommen hatten, gingen mit ihrer Kriegsbeute nach Hause und die britische Armee hatte dadurch die Möglichkeit, sich neu zu organisieren.
Französische Privatiers unterstützen die Jakobitenrebellion und schickten £ 5.000 in Gold, 2.500 Musketen, leichte Artillerie und zwölf französische Artilleristen. Das alles erreichte die schottische Ostküste zwischen dem 9. und 19 Oktober. Auch versprach Frankreich, die Jakobiten zum Ende des Jahres 1745 bei der Invasion Englands zu unterstützen. Die englischen Tories, Anhänger des Konservatismus mit einer positiven Haltung zur Monarchie, hatten BPC ebenfalls zugesichert, die Jakobitenarmee bei einem Einmarsch in England zu unterstützen.
Der Duke of Cumberland (dritter Sohn des britischen Königs George II.), der zu diesem Zeitpunkt den Oberbefehl über die britischen Truppen in den Niederlanden hatte, die dort im Österreichischen Erbfolgekrieg auf Seiten der Österreicher kämpften, wurde am 19. Oktober nach England zurückbeordert. Er erreichte am 28. Oktober, mit 25 Bataillonen Infanterie (ein Bataillonen umfasst ca. 500 – 1.000 Soldaten), 23 Schwadronen Kavallerie (ein Schwadron besteht aus ca. 150 Pferden und 50 Offizieren) und 4 Kompanien Artillerie (ca. 80 – 300 Mann), England.  

Am 30. Oktober setzte sich BPCs Kriegsrat zusammen und diskutierte, ob die Jakobiten in England einmarschieren sollten oder nicht. BPC wollte die Invasion Englands, während sich Lord Murray und die meisten der anwesenden 
Clan Chiefs dagegen aussprachen, um in Schottland auf französische Unterstützung zu warten. BPC glaubte, dass er nur durch eine Eroberung Englands den Thron für seinen Vater zurückgewinnen könnte. Der Rat stimmte mit nur einer Stimme Mehrheit für den Einmarsch in England und so verließ am 31. Oktober die Jakobitenarmee, die mittlerweile aus 5.000 Fußsoldaten und 500 Kavalleristen bestand, Edinburgh und machte sich auf gen Süden.

November 1745
Da sich die Jakobiten auf dem Weg nach England befanden, konnte die britische Armee am 02. November Edinburgh zurückerobern.
Am 8. November überquerten die Jakobiten die schottische Grenze und verbrachten die erste Nacht auf englischem Boden. BPC hatte gehofft, dass sie bei den Bewohnern des schottischen Grenzgebiets noch Sympathisanten für ihre Sache finden würden, doch leider blieb die erhoffte Unterstützung aus. Am 10. November belagerten die Jakobiten die Stadt Carlisle, die im Norden von England und nur 16 km von der schottischen Grenze entfernt liegt. Die Stadt ergab sich fünf Tage später und BPC betrat Carlisle in Begleitung von einhundert Dudelsackspielern und jubelnden Highlandern, die am Straßenrand standen. Das ganze wurde von Kanonenschüssen und pausenlosem Glockengeläut aller Kirchen in Carlisle begleitet. Die Jakobiten erpressten von der Stadt 1.500 Musketen, 160 Fässer mit Schießpulver, 500 Granaten und 120 Pferde. Am 20. November trat die Jakobitenarmee ihren weiteren Vorstoß gegen Süden an.
Währenddessen wurde am 23. November dem Duke of Cumberland das Oberkommando über die britische Armee erteilt.

Dezember 1745
Auf ihrem Weg nach Derby nahm die Jakobitenarmee in schnellen Aktionen, die Städte Lancaster und Manchester ein. Am 3. Dezember ernannte BPC bei Ashbourne, ein Ort ein paar Kilometer nördlich von Derby, seinen Vater zum König von England und Schottland. Die Jakobiten eroberten am 04. Dezember die Stadt Derby und befanden sich nur noch rund 200 km (ca. 125 Meilen) vor den Toren Londons. Das schnelle Vordringen der Jakobiten in das geographische Herz Englands löste, wenn man den Gerüchten Glauben schenken möchte, am königlichen Hof und in der Stadt London Panik aus, da angeblich König Georg II. nicht nur die Nachricht über die Jakobiten vor den Toren Londons erhalten hatte, sondern ihm auch fälschlicherweise die Landung von 10.000 französischen Soldaten an der englischen Südküste gemeldet wurde.
Am Morgen nach dem Einmarsch in Derby berieten sich BPC und seine Offiziere im „Exeter House“ über das weitere Vorgehen. BPC wollte einen Marsch auf London. Lord Murray sprach sich gegen den Vorschlag aus, weil sich mittlerweile die britische Armee in England befand. Er argumentierte, dass selbst wenn die Jakobiten es schaffen würden, den Angriff von Cumberlands Truppen zu verteidigen, das nur unter schweren Verlusten, von 1.000 bis 1.500 Mann, geschehen könnte. Lord Elcho und Lord Ogilvy stimmten Murray zu und erklärten, dass die Jakobitenarmee zahlenmäßig zu gering sei, um hintereinander drei britische Regimenter zu bekämpfen und dass dann, mit dem Einbruch des Winters, ein Rückzug nach Schottland eventuell nicht mehr möglich wäre. Nicht nur die drei britischen Truppen machten den Beratern Sorge, sondern sie äußerten auch Zweifel daran, dass sie, selbst wenn sie London einnehmen würden, dieses halten könnten und hatten Sorge vor einer eventuellen Belagerung durch die Briten. BPC wurde nur von Ranald Clanranald, John O’Sullivan und dem Duke of Perth unterstützt. Es folgte eine hitzige, politische Debatte zwischen BPC, allen anwesenden Offizieren und schottischen Lairds, die ich aber hier nicht im Detail wiedergeben möchte, denn das würde den Rahmen sprengen. (Wer Interesse hat: https://en.wikipedia.org/wiki/Jacobite_rising_of_1745  Punkt 3 „Invasion of England”)

Nach einer langen Pause befehligte BPC für den nächsten Tag den Rückzug nach SchottlandYou ruin, abandon and betray me if you do not march on“ (dt.: “Ihr ruiniert mich, lasst mich im Stich und verratet mich, wenn wir nicht weiter marschieren.”) Die Männer des Cluny Regiment, unter dem Kommando von Ewan MacPherson of Cluny, waren die letzten Jakobiten, die am 09. Dezember Derby verließen.
Aber dieser Rückzug, so glauben es zumindest viele Historiker, war für die Jakobiten der entscheidene strategische Fehler. Vielleicht hätten sie, bei einem schnellen Sturm auf London, eine relle Chance gehabt, den Aufstand zu gewinnen und somit wieder einen Stuart auf den englischen Thron zu setzen. Mit dem Rückzug nach Schottland war aber die Sache der Jakobiten verloren……

Und genau an diesem ereignisreichen 05. Dezember 1745 beginnt, im winterlichen Derby, die Episode 211 „Vengeance is Mine”. (Fortsetzung: http://wp.me/p7I1JG-av )

@ Yvonne Pirch 13.10.2016
@ Foto präsentiert von Caledonian Cult Collection https://www.facebook.com/CaledonianCultCollection/

 

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Weitere historische Informationen zum Jakobitenaufstand von 1745 – 1746 findest Du hier:
Wie es zum letzten Jakobitenaufstand 1745 kommen konnte: http://wp.me/p7I1JG-8l
Teil 1: Von der Landung Charles Edward Stuart in Schottland bis zur Schlacht von Prestonpans http://wp.me/p7I1JG-9j
Teil 2: Die Schlacht von Prestonpans http://wp.me/p7I1JG-9q
Teil 4: Vom Rückzug nach Schottland bis zum Culloden Moor http://wp.me/p7I1JG-av


Quellen:
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Jacobite_risings
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Jacobite_rising_of_1745
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Prestonpans
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Prestonpans
https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobiten#Der_Zweite_Jakobitenaufstand_.28the_Forty-Five.29
http://www.clan-cameron.org/battles/1745.html