Review Folge 212 Schmerz (The Hail Mary)

14699707_10205488492131215_567369055_n

Episode 212
Schmerz
(The Hail Mary)

Drehbuch: Anne Kenney und Ira Steven Behr
Regie: Philip John

„Alles was wir taten, unsere Bemühungen…
Wie zum Teufel sind wir dennoch hier gelandet?!“
(Claire Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

In dieser Folge wurden knapp 150 Buchseiten und die Zeitspanne von viereinhalb Monaten, von Anfang Dezember 1745 (wo wir Jamie und Claire in der letzten Episode verlassen haben) bis Mitte April 1746 (wo wir uns jetzt am Anfang dieser Folge befinden) zusammengefasst. Obwohl im Vorfeld die Handlung des Buches zeitlich und inhaltlich stark komprimiert und Plots rearrangiert oder ausgelassen wurden, laufen alle losen und offenen Handlungsstränge, sowohl aus Staffel 1 als auch aus 2, in dieser Folge zusammen und alle Charaktere treffen ein letztes Mal aufeinander. Wahrlich ein charakterlicher und storytechnischer Showdown in der vorletzten Folge einer epischen Staffel.
Die Hoffnung und die Verzweiflung, die Erschöpfung und der Hunger, die bereits geschehenen und die kommenden Verluste, all das wird uns Zuschauern als ein stimmiges Gesamtpaket vermittelt. Ist Euch auch aufgefallen, wie ausgemergelt und dünn Jamie und Claire wirken? Hochachtung vor dem Make Up Departement und vor Caits und Sams schauspielerischen Fähigkeiten.
Ich denke, dass, wenn ich kein BL wäre, hätte mich diese Folge rundherum glücklich und zufrieden gestimmt . Aber für meinen Geschmack gab es einige unnötige Änderungen in Bezug auf das Buch, die mich ein wenig gestört haben: Zum einen Claires Erpressungsversuch von BJR, den ich ziemlich Out of Character finde.  Zum anderen Colum, der Jamie und nicht Dougal als Hamish Vormund aussucht. Mir ist schon klar, dass es in der Serie gar nicht anders hätte sein können und vollkommen im Einklang mit der charakterlichen Darstellung und Entwicklung von TV Dougal ist, aber, das habe ich schon oft erwähnt, ich mag Buch Dougal, oder den Dougal aus Folge 211, wesentlich lieber als TV Dougal.
Nicht zu vergessen Jamie, der nicht bei der Hochzeit von Alex und Mary anwesend ist. Auch hier verstehe ich, dass es aufgrund der begrenzten Zeit in dieser Folge nicht möglich war, Jamie sowohl mit BPC als auch mit den Randalls zusammen zu sehen und dabei eine gut durchdachte und stimmige Handlung zu zeigen. Aber ich finde, dass gerade diese Stelle im Buch so immens wichtig für Jamie ist, denn er sieht, dass BJR nicht nur ein sadistisches, perverses Monster ist, sondern auch ein Mensch aus Fleisch und Blut mit echten Gefühlen. Für Jamie ist die Begegnung mit BJR am Sterbebett seines Bruders der Beginn seines lebenslangen Prozesses, BJR das zu vergeben, was er ihm in Wentworth angetan hat. Des Weiteren zeigt diese Stelle wunderbar, was für ein großartiger Mensch unser JAMMF ist und wie er es immer wieder schafft, in zutiefst emotionalen Situationen über sich hinauszuwachsen. Auch habe ich seine “Damn all Randalls“-Rede vermisst.

Reglos wie ein Menhir in einem Steinkreis stand Jonathan Randall da und betrachtete seinen Bruder und seine Frau. Im Zimmer war kein Geräusch zu hören außer dem Flüstern des Feuers und Mary Randalls leisem Schluchzen. Ich spürte eine Berührung an meiner Schulter und blickte zu Jamie auf. Er nickte in Marys Richtung. »Bleib bei ihr«, sagte er leise. »Es dauert nicht mehr lange, oder?« »Nein.« Er nickte. Dann holte er tief Luft, atmete langsam wieder aus und trat auf Jonathan Randall zu. Er nahm die erstarrte Gestalt beim Arm und drehte ihn sanft zur Tür. »Kommt, Mann«, sagte er leise. »Ich bringe Euch unbehelligt in Euer Quartier.« Die verzogene Tür schloss sich quietschend, als er ging, um Jonathan Randall dorthin zu helfen, wo er seine Hochzeitsnacht allein verbringen würde.”
(“Die geliehene Zeit” von Diana Gabaldon, Kapitel 45 Zur Hölle mit den Randalls)

Aber wenn ich diese Dinge außen vorlasse, haben es die Serienverantwortlichen geschafft, mich in die Gedanken und in das Herz aller Protagonisten zu versetzen und ich finde, dass insbesondere die Szenen mit Murtagh, in der er sich für Mary anbietet, die mit Claire und BJR im Gasthaus und alle Szenen mit Colum und Alex sehr gut gelungen sind.
Alle Akteure haben in dieser Folge wieder eine unglaubliche Leistung abgeliefert. Irgendwie war diese Folge castingtechnisch schon ein kleines Staffelfinale. Alle diese fantastischen Schauspieler sind noch einmal zusammengekommen, so dass wir uns verabschieden können. Ich verbeuge mich vor Gary Lewis, der uns schon seit Folge 102 begleitet hat und ehre an dieser Stelle noch einmal sein überragendes Talent. Wie auch in der Folge 208 und in der ersten Staffel war es eine Freude, ihm in dieser Episode zuzusehen und ich werde ihn zukünftig vermissen.
Nicht zu vergessen, Laurence Dobiesz und Rosy Day, die ihren Charakteren Leben eingehaucht haben. Gary und Laurence waren großartig in ihren Sterbeszenen, genauso wie Graham Mcavish in seiner letzten Szene mit Gary. Seinem Monolog zuzusehen und dabei nur sein Gesicht mit allen Facetten seiner emotionalen Achterbahnfahrt sehen zu können, ist Schauspielkunst erster Klasse. Sowohl Gary als auch Graham verfügen über diese besondere Eigenschaft, ihre Performance real wirken zu lassen und ich fühle mich wie ein heimlicher Beobachter in einem Gespräch zwischen zwei Brüdern.
Sam war in allen Szenen wieder auf den Punkt und ich liebe in dieser Folge ganz besonders seine Gestik und seine Mimik, wenn er bei BPC und dem Kriegsrat ist. Diese sagen mehr als tausend Worte. Sam schlüpft nicht in die Rolle von Jamie, sondern meiner Meinung nach wird er zu Jamie.
Cait war heute vor allem in den Szenen mit Tobias ausgesprochen stark. Tobias ist wirklich ein bemerkenswerter Schauspieler und ich muss zugeben, dass ich ihn sowohl als Frank als auch als BJR sehr gerne sehe. Meiner Meinung nach hätte er allein schon für seine Performance in 201 einen Emmy verdient. Der Schlagabtausch mit Claire im Gasthaus ist von beiden sehr gut, überzeugend und intensiv gespielt und steht dem aus Folge 106 in nichts nach. Tobias schafft es oft, BJRs schauderhaften, böswilligen und zutiefst zerstörerischen Charakter ohne große Dialoge oder Gesten, sondern nur mit seiner Mimik darzustellen und ruft in mir immer mal wieder, durch eine bestimmte Körperhaltung oder einen speziellen Gesichtsausdruck, Erinnerungen an die letzten beiden Folgen der letzten Staffel hervor. Die Art und Weise, wie er diesem durchaus schwierigen und vielschichtigen Charakter eine gewisse Art von Charisma und Tiefe verliehen hat, ist für mich schon große Schauspielkunst.

Die Handlung in dieser Episode beginnt drei Tage vor der Schlacht von Culloden, am 13. April 1746, und endet in der Nacht vom 15. auf den 16. April. Der 16. April 1746 wird als der Tag in die schottische Geschichte eingehen, an dem die Highlander alles verlieren, an das sie ein Leben lang geglaubt haben, für das sie bis zum bitteren Ende gekämpft haben und für das sie an diesem Tag sterben werden.

Die Titelkarte dieser Folge zeigt eine Schlachtkarte, auf der zwei verschiedenfarbige Armeen sich immer näher aufeinander zu bewegen und an der Stelle, an der sie offenbar aufeinander treffen werden, steht auf der Karte das Wort „Culloden Moor“ geschrieben und mir läuft es bei dem Anblick eiskalt den Rücken herunter.

Culloden House (Inverness)
Die Fraser/MacKenzie-Gang reitet in das Feldlager der Jakobiten ein, das außerhalb von Inverness, ca. 8 km von dort entfernt, auf dem Gebiet rund um Culloden House liegt.
Es bricht mir ein bisschen das Herz, wenn ich sehe, dass Ross und Rupert immer noch um Kincaid und Angus trauern. Aber es ist auch schön zu sehen, dass beide ihre besten Freunde nicht vergessen haben und dass sich zwischen Ross und Rupert aus der Not heraus eine Freundschaft entwickelt hat.
Durch Claires Voice Over erfahren wir, dass sich die Armee bereits seit fünf Monaten auf dem Rückzug befindet, dass es nicht genug zu essen gibt und ihnen das schlechte Wetter zu schaffen macht.
Sie fasst das, was jetzt vor ihnen liegt, in diesem Satz zusammen: „Unser schlimmster Albtraum war dabei wahr zu werden. Und das vor Augen, fühlte ich mich vollkommen hilflos.“
Jamie, der übrigens im Gesicht total abgemagert aussieht, befiehlt Dougal herauszufinden, wie weit die britische Armee von ihnen entfernt ist und bittet Murtagh, BPC für eine Unterredung mit den Generälen aus Inverness zu holen. Claire stellt fest, dass es nur noch drei Tage dauert, bis am 16. April 1746 die Schlacht von Culloden stattfinden wird. „Alles was wir taten unsere Bemühungen … Wie zum Teufel sind wir dennoch hier gelandet?“ und sie ist so mutlos, so deprimiert, so kraftlos und sieht so todmüde aus, dass man ihr ansehen kann, dass sie nicht mehr an einen Erfolg ihrer Mission glaubt. Aber Jamie hat als Einziger noch nicht aufgegeben: „Noch können wir dem Kampf entgehen, den wir nicht gewinnen können.“
Jamies fortlaufender Kampf gegen die Zeit und gegen alle Geschichtsbücher dieser Welt erinnert mich an Claires Aussage in Folge 208, als sie Jamie gegenüber Albert Einstein zitiert: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Aber Jamie, Claire und Murtagh wären sich selbst nicht treu, wenn sie nicht bis zum Ende kämpfen würden, auch wenn alle Zeichen gegen sie stehen. Wir alle wissen, dass sie in nur drei Tagen scheitern werden und ich kann nichts anderes machen, als still in Gedanken zu murmeln: „Hail Mary, full grace the Lord is with thee…“ (dt. „Ave Maria, voll der Gnade, der Herr ist mir Dir.“)

Inverness
In Inverness begegnet Claire zufällig Mary in einer Apotheke und Mary klärt sie darüber auf, dass sie nach dem Vorfall mit dem DoS nicht nach Hause gegangen ist, sondern Alex sie kontaktiert hat und dass sie mit ihm in Inverness lebt und sie bald heiraten wollen. Claire freut sich wirklich aufrichtig für die beiden, aber Mary ist sehr aufgebracht, da Alex ihr von seiner Unterredung mit Claire in Paris erzählt hat. Ich finde es gut, dass Mary Claire hier so über den Mund fährt und ihr die Meinung sagt, denn für ihr egoistisches Verhalten in Paris in Folge 205 hat sie das in meinen Augen wirklich verdient.
Mary ist nicht mehr das verschreckte und stotternde Mädchen mit den großen Rehaugen, sondern sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die wesentlich reifer wirkt und mindestens fünf Jahre älter aussieht, als noch in der letzten Folge. Bravo, Rosie Day, für dieser überzeugende Performance. Claire entschuldigt sich bei Mary und ich denke, dass diese Entschuldigung schon lange überfällig ist, wenn man bedenkt, dass Claire durch ihre Intervention Mary und Alex um mehrere Monate Gemeinsamkeit und um eine Ehe gebracht hat. Tatsachen, die jetzt nicht mehr zu ändern sind, aber die, so finde ich, aufgrund der begrenzten Zeit, die Alex auf dieser Welt hat, Claires Handeln noch tragischer macht, als es sowieso schon ist.

Lagebesprechung Culloden House
Alle Lords und Lairds sind im Raum anwesend und “Royal Highny“ sitzt am Feuer und hört sich das Gezanke um Taktik und Strategie eher gelangweilt an. Jamie betritt den Raum, als gerade Culloden Moor als Schlachtfeld angepriesen wird und er schreitet sehr couragiert ein: „Aye, das ist der beste Ort. Für die Briten. … Ohne genügend Kavallerie und Artellierie werden unsere Reihen zerfetzt werden, bevor unsere Truppen den Feind erreichen können.“ Leider hat Jamie recht und am liebsten würde ich alle anwesenden Herren mal so richtig packen und durchschütteln, damit sie endlich einmal auf James Alexander Malcom MacKenzie Fraser hören. Denn erstens ist er um so viel intelligenter als alle Anwesenden zusammen, zweitens hat er eine Frau aus der Zukunft und drittens lautet die erste und einzige gabaldonische Regel: Jamie hat immer recht. Und das weiß ich, weil ich alle Bücher aus dem gabaldonischen Universum gelesen habe,so!
Jamie wendet sich an BPC, dass er der Wahrheit ins Auge sehen muss, denn seine Armee ist erschöpft, hungrig und kann zur Zeit keine große Schlacht schlagen. Danke Jamie, der zweite vernünftige Gedanke in diesem Raum seit Minuten und wieder von Dir! Jamie sagt weiter: „Was wir nicht vergessen dürfen, ist das Französische Gold. Eine ansehnliche Menge, wenn Sie sich erinnern. Angeblich vom Festland aus verschifft.“ Mein BL-Herz beginnt gerade zu tanzen, denn wie wir wissen, wird das Gold in Dianas fünftem Buch „Das flammende Kreuz“ extremst wichtig! Also liebe NBL, merkt Euch das und kramt es, wenn es Starz Wille ist und wir auch eine fünfte Staffel von Outlander sehen dürfen, dann wieder heraus.
Jamie erläutert, dass, während sie auf das Französische Gold warten, soll sich die Jakobitenarmee in kleine Gruppen aufteilen und der britischen Armee aus dem Weg gehen, um dann mit dem Gold Waffen und Nachschub zu kaufen und um danach ein besseres Schlachtfeld auszuwählen. Er kniet sich vor BPC hin und sagt: „… und unseren Feind ein für allemal besiegen.“ BPC schaut Jamie an, fasst ihm mal wieder ins Gesicht und ich muss mich mal wieder vor Ekel schütteln. Er sagt: „James, Du bist mein treuster Gefolgsmann und Freund. Aber ich bin kein verängstigter Hase, der sich von einem Rudel britischer Hunde hetzen lässt. Ich bin ein Mann und ich bin ein Soldat…“ Ich kann mir leider ein Lachen nicht verkneifen, wie er sein mickriges kleines Schwert, das er bestimmt noch niemals benutzt hat, hochhält, um seinen Worten Gewicht zu verleihen. Mich hat er damit nicht beeindruckt, aber wohl Lords und Lairds. BPC bestimmt, dass sich die Männer ausruhen sollen und dann werden sie auf dem Culloden Moor in die Schlacht ziehen. Ich denke in diesem Moment nur: Welch geistreicher Einfall, „Your Royal Highny“Ein Blick in Jamies Gesicht zeigt sein Entsetzen darüber, dass ein weiterer Anlauf die Katastrophe von Culloden zu verhindern, gescheitert ist und wenn man genau hinschaut, sieht man auch, dass sein Atem in diesem Moment schneller geht.
BPC sagt, dass Gott für sie sorgen wird und ich spreche voller Sorge der Dinge, die uns in den nächsten Stunden Outlander erwarten werden, das zweite „Hail Mary“ an diesem Abend.

Alex und Marys Pensionszimmer
Claire ist bei Alex und Mary in der Pension und mein Gott, ich bin total erschrocken, wie schlecht Alex aussieht. Ich weiß ja, dass er bald sterben wird, aber das habe ich trotzdem nicht erwartet. Claire ist sofort im Heilermodus, steht mit dem Rücken zur Tür, weil sie am Feuer etwas für Alex vorbereitet. Als dieser sehr erfreut „Johnny“ keucht, dreht Claire sich um und wer steht in der Tür? BJR! Allein bei diesem „Johnny“ zieht sich alles in mir zusammen. Ich fand es im Buch auch schon immer sehr creepy, dass es jemanden auf dieser Welt gibt, der die Ausgeburt der Hölle liebevoll mit dem Kosename „Johnny“ anredet. Johnny steht also in der Tür und ich muss es zugeben, er sieht in seinem schwarzen Mantel sehr schick aus und wenn es nicht BJR wäre, würde ich sogar sagen, dass er attraktiv auf mich wirkt, ganz anders als in seiner roten Uniform. Alex fragt Johnny, ob er sich an Madame Fraser erinnern kann und Claire sieht so entsetzt aus, wie ich mich gerade fühle, denn BJR macht wieder dieses Mund-Gesichts-Ding und ich finde es wirklich gruselig. Er geht an Mary vorbei, fasst ihr kurz freundschaftlich, fast liebevoll an den Arm und setzt sich dann zu Alex ans Bett, wo er sich vor unser aller Augen von einer Sekunde auf die andere in Johnny, den sorgenden und besorgten Bruder, verwandelt. Mary erzählt Claire, dass BJR sie finanziell unterstützt, seit Alex nicht mehr arbeiten kann und Claires Gesichtsausdruck variiert von Fassungslosigkeit bis hin zu Unglauben, dass BJR eine menschliche und gefühlvolle Seite hat. Mary fragt Claire, wann Alex wieder arbeiten kann, worauf Claire antwortet, dass Alex nicht mehr gesund werden wird. Wir erfahren, dass Mary schwanger ist und sowohl Alex als auch John (schauder) Bescheid wissen. Jetzt müssten wir eigentlich eine Glühbirne über Claires Kopf aufleuchten sehen. Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Franks Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-(ich hoffe, es sind genug Urs-) Großvater ist nicht BJR, alias John oder Johnny, sondern Alex Randall und Claire hat die ganze Zeit gegen Windmühlen angekämpft.
BJR kommt auf die beiden Frauen zu und Claire fasst Mary augenblicklich an den Schultern und zieht sie näher zu sich heran, um sie zu beschützen oder vielleicht auch sich selbst zu schützen. Claire verlässt das Zimmer und wird auf der Straße von BJR eingeholt. Er redet sie erst mit „Madame Fraser“ an, als sie aber nicht reagiert, fasst er sie am Arm und sagt „Claire“ und ich höre, wie schon in 205, Frank und nicht BJR und muss mich schon wieder schütteln. BJR bittet sie, Alex zu heilen und Claire setzt ihn in Kenntnis, dass Alex nicht geheilt werden kann. Er bittet sie daraufhin, wenigstens Alex Schmerzen zu lindern: „Ich verlange das nicht für mich, sondern für meinen Bruder und Mary und ihr ungeborenes Kind.“ In diesem Moment ist ihm die Sorge und der Schmerz ins Gesicht geschrieben und ich sehe in ihm nur Johnny, der Angst um seinen kleinen Bruder hat. Aber Claires Hilfe für Alex hat seinen Preis. BJR soll ihr verraten, wo Cumberlands Armee ist. Und als BJR ihr antwortet: „Meine Güte. Dafür nutzt Du das Leiden eines unschuldigen Mannes aus, Madame Fraser. Ich bin beeindruckt.“ hat Johnny soeben den Bildschirm verlassen und BJR ist wieder da. Ich ziehe meinen Hut vor Tobias, der eigentlich in dieser Szene den dritten Charakter in der Serie spielt, nämlich BJR den liebenden Bruder, der einen weicheren und menschlicheren Gesichtsausdruck als BJR der Sadist hat, aber trotzdem nicht wie Frank wirkt. Ich frage mich, wie Tobias das macht, mit ein und demselben Gesicht und Körper niemals gleich auszusehen und zu wirken, wenn man BJR mit Frank vergleicht. Wir haben diesen „weicheren“ BJR schon einmal kurz gesehen und zwar in Folge 116 in einem von Jamies Flashbacks, kurz bevor er Jamie den Nagel aus der Hand zieht und Jamie ihn fragt, ob Claire in Sicherheit ist. Da blitzt dieser weiche Gesichtsausdruck durch und hat mich damals, wie auch jetzt, total irritiert.

Claire beeindruckt nicht nur BJR, sondern auch mich, aber leider im negativen Sinne. Ich finde ihr Verhalten an dieser Stelle wirklich Out of Character und ich mag es nicht, dass die Serienverantwortlichen die Handlung aus dem Buch komplett gedreht haben. Im Buch hat BJR Claire Informationen über die britische Armee im Austausch für ihre medizinische Hilfe angeboten. Claire würde niemals die Gesundheit und das Wohlwollen eines Menschen an Bedingungen knüpfen. Aber vielleicht war es auch nur ein Versuch, wie weit BJR für seinen Bruder gehen würde und wenn er nicht zugestimmt hätte, denke ich, dass sie sich trotzdem um Alex gekümmert hätte.
BJRs Bereitschaft, Claire militärische Geheimnisse zu verraten, zeigt mir klar und deutlich, wie wichtig ihm sein Bruder ist und dass er wirklich alles machen würde, um ihm zu helfen. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass BJR auch nur den Hauch von Menschlichkeit in sich trägt, aber sein Bruder ist der wichtigste Mensch in seinem Leben, wahrscheinlich der Einzige, für den er jemals so etwa wie bedingungslose Liebe empfunden hat. Wenn man bedenkt, dass er nach Paris gereist ist, um beim DoS für Alex vorzusprechen und sich vom König für das Wohl seines Bruders hat erniedrigen lassen und dafür sogar im Beisein von Jamie und Claire auf seine Knie gegangen ist, was bedeuten da schon ein paar militärische Informationen und seine Ehre?

Claire und Jamie
Die nächste Miniszene zwischen Claire und Jamie beginnt sehr abrupt, so als ob der Anfang geschnitten worden wäre und noch bevor ich wirklich verstehe, was Jamie da macht, ist sein Wutausbruch auch schon wieder vorbei. Jamie fragt, ob sie BJR niemals los werden und Claire antwortet, dass vielleicht dieses Mal seine Anwesenheit gut für sie sein könnte. Ich mag es nicht, dass Claire so etwas sagt, denn es hört sich für mich so an, dass, egal was in Wentworth, mit Fergus und mit Faith passiert ist, ist seine Anwesenheit gut, solange er Informationen liefert, die Culloden verhindern können. Prinzipiell stimmt das auch, aber BJRs Anwesenheit kann in meinen Augen niemals gut sein, egal was auf dem Spiel steht. Vielleicht ein nützliches Übel, aber niemals gut!
Wir erfahren, dass BJR Claire erzählt hat, dass Cumberlands Armee nur 12 Meilen (ca. 20 Kilometer) von ihnen entfernt, in einem Ort namens Nairn ist, und er in zwei Tagen dort seinen Geburtstag feiern möchte. Jamie denkt mal wieder mit den Augen, denn Claires Informationen haben ihn offensichtlich auf eine Idee gebracht und das kann man in seinem Gesicht und an seinen schnellen Augenbewegung sehen.
Claire möchte zurück, um Alex zu helfen, aber Jamie hat Angst um ihre Sicherheit, insbesondere dann, wenn Alex stirbt. Also schlägt sie ihm Regel Nummer eins im Fraserschen Regelwerk vor: Always take a Murtagh with you!
Was ich an dieser Szene wirklich mag, ist, dass Claire Jamie von Anfang an über ihre Begegnung und ihren Pakt mit dem Teufel namens Johnny in Kenntnis setzt und es ihm nicht, wie im Buch, mehrere Monate verheimlicht.

Ankunft von Colum
Rupert weckt Murtagh und fragt ihn, was der MacKenzie wohl hier macht. Ich weiß es Rupert, aber ich werde es Dir nicht verraten, keine Spoiler!
Ich dachte schon, dass Colum in Folge 208 alt und krank aussieht, aber hier ist es nicht mehr von der Hand zu weisen, wie krank und müde er wirklich ist. Er ist seit seinem letzten Auftritt noch einmal um gefühlte zwanzig Jahre gealtert. Ich finde es sehr schön, Colum noch einmal zu sehen, um „persönlich“ von ihm Abschied nehmen zu können, denn ich habe Gary Lewis und seinen Charakter ganz besonders ins Herz geschlossen. Colum spricht Rupert sein Beileid wegen Angus aus und bittet um ein Bett zum Ausruhen und um ein Treffen mit seinen Bruder und seinem Neffen.
In der nächsten Einstellung liegt Colum in seinem Bett und Claire untersucht ihn, hat aber leider keine guten Nachrichten für ihn. Genau in dieser Sekunde, in der Colum „Ich sterbe schon seit Jahren. Das ist ein ermüdender Vorgang. Ich hoffe, er ist bald abgeschlossen.“ sagt, macht Jamie, der sich im Hintergrund aufhält, das JAMMF Schulterstraffen. Colum erfährt von Jamie, dass Dougal unterwegs ist und durchschaut sofort, dass Jaime Dougal geschickt aus dem Weg geschafft hat, ohne ihm das Gefühl zu geben, ihn aus dem Weg geschafft zu haben. Er bittet Jamie, mit Claire unter vier Augen sprechen zu dürfen. Als Jamie den Raum verlassen hat, gratuliert Colum ihr zu ihrer Verbindung mit Jamie, worauf Claire antwortet, dass es Zeiten gab, in denen er ihre Verbindung nicht so gesehen hat. Ich mag seine Antwort darauf: „Ich lag falsch. Das ist einer der Vorteile, wenn man stirbt. Ich kann nach all den Jahren meine Fehler einfach zugeben.“
Colum bittet Claire um ein Mittel, damit er ihn Würde sterben kann und seine Antwort auf Claires Frage, ob Selbstmord keine Todsünde ist, finde ich sehr gut: „Was bedeutet eine Sünde mehr für einen Sünder?“ Colum sagt Claire, dass Geillis Kind lebt, dass sie erst nach der Geburt verbrannt wurde und dass ihr Sohn bei William und Sarah MacKenzie, einem kinderlosen Ehepaar, aufwächst. Claire gibt Colum eine Flasche mit „Gelsemium Sempervirens“ (auch bekannt als „Yellow Jasmine“), zum Glück kein „Bitteres Cascara“ (ich kann es auch nicht mehr hören), das ihn in einen tiefen Schlaf fallen lässt. Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Colum von Claire und bezeugt seinen Respekt: „Wenn es Sie tröstet, ich spreche Ihnen meinen tiefsten Dank aus.“
Und ich bete das dritte „Hail Mary“ an diesem Abend.

Alex letzter Wille
Von einem sterbenden Bruder zum anderen…
Alex ist in keiner guten Verfassung, hustet sich wörtlich die Seele aus dem Leib und bekommt fast gar keine Luft mehr. Ich mag die Szene, in der sich Claire um Alex kümmert und ihn, so wie schon Ned Gowan in Folge 105, Stechapfel einatmen lässt, um seine Bronchien zu entkrampfen. Auch erinnert mich diese Sequenz an die Szene in Buch 8, in der Claire versucht Hals Asthma in den Griff zu bekommen.
Wenn in der nächsten Einstellung BJR seinem kleinen Bruder den Kopf hält und ihm die Haare aus der Stirn streicht, soll das höchstwahrscheinlich uns Zuschauern zeigen, wie liebevoll er sich um seinen todkranken Bruder kümmert. Mir dreht sich gerade der Magen um, denn ich habe eine andere Assoziationen, eine zu Jamies erstem Flashback aus Folge 116: BJR, der den blutverschmierten Jamie auf die gleiche Weise in Wentworth in seinen Armen hält, nachdem er fast ohnmächtig geworden ist, weil BJR ihm den Nagel aus der Hand gezogen hat. Er hat Jamie im Arm, streicht ihm seine Haare aus seinem verschwitzten Gesicht und sagt fast zärtlich zu ihm: “Das Schlimmste ist jetzt vorbei. … Lieber Gott, Du bist ein wundervolles Geschöpf. Er benetzt Jamies Gesicht mit Wasser und während er ihn so hält, zeigt BJR linke Hand ein bisschen zur Seite und die Handfläche nach oben. Und mit meiner Assoziation müsst ihr die Szene mit BJR und Alex noch einmal sehen und ihr werdet feststellen, dass BJR Körperhaltung fast eins zu eins die aus Wentworth ist.

BJR bittet Claire nochmals um Hilfe für Alex, sie informiert ihn, dass sie nichts mehr für ihn tun kann. Aber das will BJR nicht hören und fasst Claire wütend an den Arm. Ich finde es toll, wie sich Murtagh zwischen BJR und Claire stellt, um sie zu beschützen: „Wenn Du Deinen Frust abbauen musst, bin ich Dir sehr gerne behilflich.“
Alex sagt seinem Bruder, dass er nach dem Priester geschickt hat, nicht für seine Sterbesakramente, sondern für eine Heirat. Der Blick zwischen Claire und Murtagh, als Alex seinen Bruder darum bittet Mary zu heiraten, ist einfach unbezahlbar. Alex erklärt BJR, dass er Mary und dem Kind im Leben eine gewisse Stellung geben und für sie sorgen kann, etwas, was er, auch wenn er Mary kurz vor seinem Tod noch heiratet, ihr nicht geben kann. „Ich vertraue das Wohlergehen derer, die mir am kostbarsten sind, demjenigen an, dem ich stets am liebsten war.“ Ja, Alex liebt und vertraut seinem älteren Bruder „Johnny“ wirklich. „Glaubst Du, ich bin ahnungslos, wie stark die dunkle Mauer ist, die Du errichtest hast, um Deine gute Seite vor dieser Welt zu schützen? Ich war Zeuge Deiner Güte. … Dieser Mann in Dir ist der, dem ich meine Liebste anvertraue und mein Kind.“ BJR verlässt mit einer Entschuldigung sichtlich schockiert den Raum. Das hatte ich an dieser Stelle nicht erwartet und ich frage mich, was hat ihn wohl mehr schockiert: Dass Alex ihn so sehr liebt, dass er ihm, obwohl er über ihn Bescheid weiß, Mary anvertraut, mit dem Wissen, dass er ihr niemals etwas antun könnte? Oder dass er, wenn er einwilligt, Mary zu heiraten, sich der Realität stellen muss, dass der einzige Mensch auf der Welt, der ihn immer bedingungslos geliebt hat und den er auch über alles liebt, sterben wird?

Dougal kommt zurück in Lager
Dougal kommt von seiner Mission zurück und bestätigt die Aussage von BJR, dass die Briten bei Nairn ihr Lager aufgeschlagen haben. Jamie gibt Dougal gegenüber zu, dass Claire genau dieselbe Information von BJR erhalten hat. Jamie und Dougal diskutieren die Vermutung, dass Cumberland eine Geburtstagsparty für sich plant und britische Soldaten in Inverness dabei gesehen wurden, wie sie Wein und Konfekt gekauft haben. Na, wenn das mal keine Beweise für eine Party sind. Bei mir sind es eher Sektchen und Chipse.
Es fällt noch, in dieser Folge bereits das zweite Mal, der Hinweis, dass der Armee das Proviant ausgeht. Ein Umstand, der historisch korrekt ist, da die Jakobiten am Tag der Schlacht von Culloden schon zwei Tage gehungert hatten, weil es keine Nahrungsmittel mehr gegeben hat.

Murtagh bietet sich an Mary zu heiraten
„Wurde nicht schon genug Leid verursacht, bei dem Versuch, diesen mythischen Scheißer zu retten?“ und damit hat Murtagh mal wieder einen der besten Sätze in dieser Folge. „Frank ist weder ein Mythos, noch ein Scheißer.“ lautet Claires Antwort. Sie diskutiert kurz mit Murtagh die moralische Notwendigkeit, Mary an BJR zu verheiraten und macht ihm klar, dass Mary einen Mann braucht, durch den sie finanziell abgesichert ist.
Im Buch hat es mich immer gestört, dass Claire ihr Handeln in Bezug auf Mary und die Heirat mit BJR niemals moralisch hinterfragt hat, noch, dass sie jemals die physischen und psychischen Risiken für Mary durch eine Verbindung mit BJR durchdacht hat. In meinen Augen haben das Ira und Anne hier in dieser Sequenz wunderbar gelöst.
Murtaghs Angebot, Mary zu heiraten, um sie vor BJR zu schützen, überrascht mich an dieser Stelle, aber wenn ich es aus seiner Sicht betrachte, ist es eine sehr noble und ehrenhafte Geste und meiner Meinung nach ist diese Szene eine der Besten in dieser Folge. Murtagh sagt, dass Mary nicht seinen Vorstellungen von einer Frau entspricht, aber dass er sie heiraten würde und daran glaubt, dass sie zusammen glücklich werden könnten. „Aber wir gewöhnen uns aneinander. Ist bei vielen so.“ sagt er unter seinem buschigen Bart und schaut Claire mit einem so ehrlichen Blick an, dass ich sehr gerührt bin. Und ich sehe in seinem Blick wirklich die Zuversicht, dass er mit Mary glücklich werden könnte, denn er hat das beste Beispiel, was aus einer arrangierten Heirat werden kann, jeden Tag vor Augen. Murtaghs nächster Satz „Ich war noch nie ein Vater, aber Jamies Eltern wählten mich als seinen Patenonkel aus. Ich kümmerte mich um ihn. Er ist nicht übel geraten.“ rührt mich endgültig zu Tränen. Ich wiederhole mich gerne an dieser Stelle: ich liebe seinen Charakter und wie er über Claire und Jamie wacht, für sie da ist und beide mit seinem Leben beschützen würde. Auch wenn Murtagh, so wie Claire sagt, kein festes Einkommen, keine besondere gesellschaftliche Stellung hat und dadurch Mary im Falle seines Todes nicht versorgen kann, besitzt er Eigenschaften, die das alles aufwiegen: Ehre, Aufrichtigkeit, Verantwortung und bedingungslose Liebe für die Menschen, für die er sich verantwortlich fühlt.

Kleine Randnotiz:
Nicht immer funktioniert es, wenn die Serienverantwortlichen Charaktere im Vergleich zum Buch verändern, aber bei Murtagh FitzGibbons Fraser ist ihnen in meinen Augen ein Meisterwerk gelungen. Im Buch habe ich ihn nie als eigenständigen Charakter wahrgenommen, er war irgendwie immer nur Jamies Schatten. Aber hier in der Serie ist er Murtagh, der Freund und Weggefährte, auf den man sich immer verlassen kann. Duncan spielt ihn so gut, so leidenschaftlich und ehrlich und transportiert die Ehre der Highlander und das, für das sie kämpfen zu 1.000 Prozent auf den Bildschirm. Und wenn Mary ihn nicht heiraten kann, ich würde es vom Fleck weg machen! #savemurtagh!

Claire und BJR im Gasthaus
BJR möchte, dass Claire ihm dabei hilft, Alex davon zu überzeugen, dass sein Bruder Mary selber heiraten muss und er im Falle von Alex Tod für Mary sorgt. Aber das ist nicht der Plan, den Claire für Mary und den Ur-Ur-Ur-Ur-??Großvater von Frank hat und sie fragt ihn, was mit Mary passiert, wenn er nicht da ist, um sich um sie zu kümmern. Der Moment, in dem BJR ein Auge schließen muss, um Claire zu fokussieren, lässt mich schmunzeln und ich denke: Hail Mary, ist der knülle!
„Ihr Fluch. 16. April 1746.“ und während BJR seinen Todestag wiederholt, erkenne ich in ihm nur BJR, den Wentworth-Sadisten und nicht Johnny, den liebenden und geliebten Bruder. Im Fortgang des Gespräches, ob BJR gut genug für Mary ist oder nicht, fragt er Claire: „Hat er Dir je erzählt, was ich ihm im Gefängnis angetan habe.“ Claires Gesicht versteinert sich und ihre Augen füllen sich mich Tränen der Wut und Tränen des Schmerzes, als sie mit „Ja.“ antwortet. In ihrem Gesicht kann man den Schock, das Entsetzen und den Abscheu sehen. „Ich weiß, wie er klingt, wenn er am Ende ist, wenn er sich aufgegeben hat.“ Kurzfristig habe ich Sorge, dass BJR jetzt ins Details geht und DAS will ich wirklich nicht hören, wobei die Szene im Buch, als Claire und BJR in Edinburgh aufeinandertreffen, wesentlich intensiver und inhaltlich abstoßender war.
„Und ich bereue nichts davon. Der Schmerz. Die Furcht. Ich schwelge darin. Willst Du wirklich Mary in meinem Bett?“ 
BJRs Bitte an Claire, Alex davon zu überzeugen, sein Vorhaben, ihn mit Mary zu verheiraten, aufzugeben, zeigt, dass er wirklich besorgt ist, Mary etwas anzutun. Es steht im krassen Gegensatz zu dem BJR, den wir in der letzten Staffel, insbesondere in Folge 106, gesehen haben. Ich habe selten einen Menschen erlebt, der so selbstbeherrscht agiert und sich dessen auch bewusst ist, was besonders seine Aussage „Glaubst Du, ich kann die Dunkelheit, die in mir wohnt, nicht kontrollieren?“ in Folge 116, die er gegenüber Jamie trifft, bevor sein schlimmster Alptraum wahr wird, bestätigt. Aber seinen Bruder sterben zu sehen und von ihm das Liebste, was Alex hat, anvertraut zu bekommen, ängstigt ihn und lässt ihn an sich selbst zweifeln, weil er Mary wirklich nicht weh tun möchte. Er befindet sich in einer emotionalen Abwärtsspirale und nur mit Claires Hilfe kann er das Ruder noch umdrehen. Aber Claire hat für die Randalls und insbesondere für Frank andere Pläne und geht auf BJR Manipulationsversuch nicht ein, sondern spielt stattdessen den Ball zurück. Sie sagt, dass, wenn er seinen Bruder Alex liebt, das ausreichen sollte, um seine Triebe bei Mary im Zaum halten zu können.
Und ich bete das vierte „Hail Mary“ an diesem Abend.

Dougal, Jamie und Colum
Dougal rechnet damit, dass Colum, aufgrund seines Erscheinens im Lager der Jakobiten, diese auch unterstützen will, aber Colums Beweggründe sind andere. Er will sich definitiv nicht den Jakobiten anschließen, sondern er hat Clanangelegenheiten zu regeln, die geregelt werden müssen, solange er noch lebt. Und da Jamie nicht zum Clan MacKenzie gehört und es demnach nicht seine Angelegenheiten sind, geht er von Colums Bett weg, in die andere Ecke des Zimmers.
Colum offenbart Dougal, dass er Hamish zu seinem Nachfolger machen wird und Ned Gowan ihm die notwendigen rechtlichen Dinge beibringen kann und Colum einen Vormund für Hamish bestellen wird, der solange als Laird den Clan MacKenzie führt, bis Hamish alt genug ist, den Clan selber zu führen. Colum sagt „James Fraser“ und Jamie, der zuvor den Kopf gesenkt gehalten hat und dem Gespräch auch nicht richtig zugehört hat, sind ja Clanangelegenheiten der MacKenzies und die gehen ihn nichts an, hebt erstaunt den Kopf und schaut Colum, nachdem dieser sagt „Ich biete Dir seine Vormundschaft an.“, sehr erstaunt an. Mich überrascht das jetzt auch und es ist eine große Abweichungen in Bezug auf die Handlung des Buches. Im Grunde genommen war es schon seit der ersten Staffel und insbesondere nach Dougals Ausraster in Folge 110 klar, dass Colum in Dougal nicht den nächsten Laird des Clan MacKenzies sieht. Colum weiß, dass es für den Clan und dessen Teilnahme an dem Jakobitenaufstand egal ist, ob Dougal oder Jamie Laird wird, denn beide würden die MacKenzies in den Krieg führen, aber er weiß, dass Jamie durch sein Verantwortungsgefühl und seine Ehre sich anders verhalten wird, als Dougal. Jamie wird nach Colums Meinung, wenn der Aufstand verloren ist, das Leben der Männer über alles stellen und damit wird er recht behalten. Jamie antwortet darauf nicht, aber sein leichtes Nicken und den Blick, den er Colum zuwirft, sagt ihm alles, was er wissen muss. Wenn Dougal den Männern dieselbe Achtung wie Jamie entgegenbringen kann, dann gewährt Colum ihm die Clanführung. Aber Dougal kann dem nicht zustimmen, da er alles für ein freies Schottland und für einen Stuart auf dem Thron machen würde, selbst seine eigenen Männer opfern. Er verlässt schweigend den Raum.
„Mein armer Bruder. Ich lebte mein Leben mit einem verkrüppelten Körper. Er lebte seines mit einem verkrüppelten Verstand.“ Gut gesagt, Colum!

Kleine Randnotiz:
Könnt Ihr euch noch an Folge 104 erinnern, in der Jamie beim Gathering knapp mit dem Leben davon gekommen ist, weil er ganz Jamie-like keinen Eid auf Colum geschworen hat? Was hat Murtagh Claire über die Wahl des Clan Chiefs erzählt? Genau, dass, wenn Jamie einen Eid auf Colum und somit auf den Clan MacKenzie geschworen hätte, er ein potentieller Kandidat für den nächsten Clan Chief gewesen wäre, weil ….. Achtung, jetzt kommt es….die schottischen Clans ihre Chieftain nicht nach der Primogenitur (also der erstgeborene Sohn des aktuellen Chiefs wird automatisch auch Clan Chief), sondern durch „Tanistry“ bestimmen. Bei der Thanwahl wählen die höchstrangigen Mitglieder des Clans den Nachfolger des aktuellen Clan Chief, in der Regel zu Lebzeiten des herrschenden Chief. Der gewählte Nachfolger muss volljährig, physisch und psychisch gesund sein und für die Aufgabe als zukünftiger Chieftain geeignet sein.
Was heißt das jetzt für den Plot um Colum, Dougal, Jamie und Hamish als Nachfolger von seinem Vater? Theoretisch hätte Colum seinen Sohn (oder sollte ich besser seinen Neffen sagen?), gar nicht zu seinem Nachfolger ernennen können, denn der Clan hätte Colums Nachfolger in einem „Tanistry“ selber gewählt. Nun, entweder haben es die Serienverantwortlichen glattweg vergessen, dass sie das in Staffel 1 auch so erklärt haben oder sie haben es einfach vorsätzlich ignoriert, weil es für die Handlung der Folge und der letzten Auseinandersetzung zwischen Colum und Dougal spannender ist, dass Colum spontan das geltende Clanrecht außer Kraft setzt und Hamish zu seinem Nachfolger ernennt. Was wohl die Mitglieder des Clan MacKenzie dazu gesagt haben? Wird wohl nicht mehr wichtig sein, denn nach der Schlacht von Culloden wird in den Highlands eh nichts mehr sein, wie es einmal war und ich denke, sie werden dann ganz andere Sorgen haben.

Marys und BJRs Hochzeit
Die Hochzeitszeremonie ist wirklich sehr traurig. Eine weinende Braut, ein versteinerter Ehemann und Alex keuchender Atem. Murtaghs Blick, als der Priester ihn und Claire fragt: „Wollen die, die Zeuge dieses Gelübdes waren, alles daran setzten, die Ehe dieser zwei Menschen fortan zu bewahren?“ ist einfach unbezahlbar.

Cumberlands Geburtstagsfeier
Kurze geschichtliche Zusammenfassung der Ereignisse vom 15. auf den 16. April 1746
Quellen: https://matthewrettino.wordpress.com/2013/07/18/the-battle-of-culloden-part-2-jacobites-v-cumberland/ und https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Culloden

Im Buch finden wir über diesen geplanten nächtlichen Überfall auf das Lager von Cumberlands Armee nichts, da sich Jamie und Claire in dieser Nacht nicht mehr im Lager der Jakobiten befinden, sondern in der verfallenen Hütte am Craigh na Dun sind, um sich voneinander zu verabschieden und dort ihre letzte Nacht miteinander verbringen. Der Überfall auf Cumberlands Truppen in der Nacht vom 15. auf den 16. April 1746 ist ein historisches Ereignis und hat so ähnlich, wie in der Serie dargestellt, stattgefunden. Angesicht der äußerst ungünstigen Ausgangsbedingung für die Jakobitenarmee, denn die Armee hatte seit zwei Tagen kein Essen mehr, die Männer waren entkräftet, Culloden Moor eine weite moorige Ebene, schlug Lord Murray einen Nachtangriff auf die britischen Truppen vor, während diese in Nairn, das nur 12 Meilen von Culloden Moor entfernt war, Cumberlands Geburtstag feierten. Es dauerte sehr lange, bis alle Männer der Highlandarmee versammelt waren, da sie sich auf der Suche nach Nahrung weit verstreut in der Umgebung von Culloden House befanden und es war von vornherein klar, dass es fast unmöglich war 5.000 Jakobiten unbemerkt über vier Stunden des Nachts durch unbekanntes Gebiet marschieren zu lassen. Am Abend des 15. April um 21:00 Uhr löschten die ersten drei Kolonnen ihr Lagerfeuer und marschierten los. Am 16. April um 02:00 Uhr nachts hatte sich die Armee gerade mal sechs Kilometer vom Lager entfernen können und keiner, weder Soldaten noch Offiziere, hatten den Hauch einer Ahnung, wo sie sich befanden. Im Morgengrauen waren sie immer noch sechs Kilometer von Cumberlands Lager entfernt, das langsam zum Leben erwachte. Da die Jakobiten das Lager der Feinde nicht rechtzeitig für einen Überraschungsangriff erreichen konnten, wurde das Vorhaben im Morgengrauen des 16. April 1746, ca. gegen 06:00 Uhr, abgebrochen und die Jakobitenarmee trat den Rückzug an. Murray und einige andere Offiziere forderten für ihre sichtlich erschöpften und übermüdeten Männer einen Rückzug in ein weniger zugängliches Gelände, damit sich diese dort etwas erholen konnten. Sie wurden aber überstimmt und BPC soll sie mit den Worten “It is no matter, then; we shall meet them, and behave like brave fellows.” (dt. „Es ist egal, wir sollten sie treffen und uns wie tapfere Männer verhalten.“) empfangen haben. Er traf die verheerende Entscheidung, Cumberland noch an diesem Tag auf der flachen Ebene des Culloden Moor zu erwarten.

Jamie imponiert mir in dieser Szene am meisten. Er hat immer noch nicht aufgegeben und er kämpft für sein Ziel, die Schlacht von Culloden zu verhindern, bis zur letzten Minute, obwohl er weiß, dass mit jeder Minute, die verstreicht, er dem Abgrund immer näher kommt. Er schlägt mit dem Mut der Verzweiflung vor, dass die Jakobiten einen Überraschungsangriff auf das Lager der Briten vollführen sollen, während diese am 15. April Cumberlands 25. Geburtstag feiern. BPC soll die eine Gruppe der Männer anführen und Jamie zusammen mit Lord Murray die andere.
„Mark me, ich werde eine Flasche meines edelsten Weines wählen, als Geschenk für Cumberland.
Und ich werde sie ihm überreichen, wenn er mein Gefangener ist. Ich freue mich jetzt schon auf seine Reaktion.“ Mark ME, aber ich würde BPC an dieser Stelle sehr gerne sein süffisantes Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Die Blicke, die Jamie und Lord Murray BPC zuwerfen, sind unbezahlbar. Sie sind beide sprachlos über so viel Dummheit, Selbstüberschätzung und Realitätsverlust. Wieder einmal zeigt unser „
Royal Highny“, dass er genau das Gegenteil unserer Highlander-Helden ist und ihn keine noblen Motive leiten, sondern sein übersteigertes Selbstwertgefühl, sein Verlangen nach Anerkennung und Achtung. Er betrachtet das Leben seiner Männer als Kollateralschaden auf dem Weg zu seiner Krone und ich verachte und verabscheue ihn in dieser Szene mehr als die gesamte britische Armee und BJR zusammen.

Colums Tod
Dougal kommt angetrunken in das Zimmer von Colum, um mit ihm ihre gemeinsame Vergangenheit zu erörtern. Colum sieht in dieser Szene wesentlich schlechter und müder aus, als noch in der Szene zuvor. Es scheint so, dass er jetzt, da er alles geregelt hat, was zu regeln war, loslassen und gehen kann. Durch Dougals Monolog erfahren wir, was es für ihn bedeutet hat, immer im Schatten seines älteren Bruders gestanden zu haben. Dougal durfte niemals sein eigenes Leben leben und seine eigenen Entscheidungen treffen. Er hat sein Leben immer in den Dienst seines Bruder und des Clan MacKenzie gestellt. Und das alles nur, weil “… Du Deinen Arsch nicht auf dem Gaul halten konntest.“ Dougal schüttet Colum in dieser Szene sein Herz aus und hofft auf ein bisschen Verständnis seinerseits. Aber Colum lässt Dougal wieder einmal und dieses Mal endgültig im Stich, weil er, als Dougal ihn mit all seinen Gefühlen, die er schon ein Leben lang mit sich herumträgt, konfrontiert, diese unbeantwortet im Raum stehen lässt, da er während Dougals Monolog still und leise gestorben ist.
Dougal ist so mit sich selbst und seinen eigenen Sorgen und Nöten beschäftigt, dass er das noch nicht einmal bemerkt hat. Gott sei Dank, dass wir das Fläschchen, das Claire ihm gegeben hat, in Colums Hand sehen und mir dadurch klar wird, dass sich Colum für einen selbstbestimmten Tod entschieden hat. Ich hatte schon Sorge, dass ihn Dougal zu Tode gelangweilt hat. Sorry, aber den Scherz konnte ich mir nach diesem Monolog, den ich übrigens sehr gut fand, nicht verkneifen.
Ich finde, dass die Serienverantwortlichen mit dieser Szene sehr gut zeigen, dass es nicht viel mehr als die Mimik eines guten Schauspielers braucht, um die Stimmung einer Szene zu transportieren. Wenn man einfach nur das Gesicht von Dougal betrachtet, wenn er seine Vergangenheit mit Colum in seinem Monolog diskutiert, kann man all seine widersprüchlichen Gefühle, die er für seinen älteren Bruder empfindet in seinem Gesicht ablesen. Seine Wut, seinen Hass, seine Liebe, seinen Neid, seine Hingabe, seinen Schmerz und alle diese Empfindungen verstärken sich in dem Moment, als er realisiert, dass Colum in seiner Gegenwart und von ihm unbemerkt gestorben ist.
„Du musstest Dich ein letztes Mal von mir abwenden, nicht wahr? Du lässt mich alleine im Dunkeln. In der Dunkelheit dieser Welt. Und all das, was ich Dir sagen wollte, bleibt hier drin gefangen. Genau hier. Ungesagt. Für immer.“ Dougal ist wirklich erschüttert und am Boden zerstört und man kann es fühlen und sehen, dass er trotz aller Differenzen, die er mit Colum hatte, ihn wirklich und aufrichtig geliebt hat
Und ich murmele das fünfte „Hail Mary“ an diesem Abend, während ich zusammen mit Dougal bittere Tränen um Colum weine. Er wird mir sehr fehlen! Beannachd leibh, Colum MacKenzie!

Alex Tod
Alex macht seinen letzten qualvollen Atemzug, Claire nimmt die weinende Mary in den Arm, BJR ist sichtlich erschüttert und ihm steigen Tränen in die Augen. Kurz bevor er seine Fassung verliert, schluckt er seine Tränen und Trauer herunter und schlägt auf den toten Körper seines Bruders ein. Mary und Claire sind total entsetzt und ich finde diese Sequenz sehr abschreckend und schockierend. Ich kann auch nach wiederholtem Gucken dieser Szene nicht sagen, ob er auf Alex Körper oder sein Gesicht einschlägt. Meine erste Reaktion darauf ist, obwohl BJR der größte perverse Sadist in der Literatur- und TV-Geschichte ist, das hätte er nicht gemacht! Aber nachdem ich noch einmal darüber nachgedacht und mir auch einige andere Meinung angehört habe, könnte es eine mögliche Reaktion auf den Tod seines geliebten Bruders sein. Mit Alex ist das einzige Gute in seinem Leben gestorben und mit seinem Tod geht wortwörtlich in BJRs Seele das Licht aus und jetzt herrscht dort ausschließlich Dunkelheit. Dieser für ihn wahrscheinlich unbekannte Gefühlscocktail aus Trauer, Wut, Angst, Selbstzweifel und Kontrollverlust ist der Grund für seine so unmenschliche und perverse Reaktion auf den Tod seines Bruders. Im Podcast zu dieser Folge sagt Ron, dass die Idee, dass BJR auf seinen toten Bruder einschlägt, von Tobias kam, als sie die Sequenz gedreht haben.
Das Drehbuch sieht einen trauernden und weinenden BJR vor (http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=212).
 Ich hätte es aber trotzdem vorgezogen, wenn uns die Serienverantwortlichen die Szene aus dem Drehbuch gezeigt hätten: BJR am Sterbebett seines Bruders als einen tief trauernden Mann, der durch den Tod seines Bruders das Pensionszimmer als gebrochener Mann verlässt, so wie im Buch. Das wäre für mich eindrucksvoller gewesen und hätte mich definitiv nachdenklicher gestimmt, denn auch im Buch war BJR nicht nur Böse, sondern vielschichtiger. Hier in der Serie haben sich die Serienverantwortlichen in meinen Augen allen Klischees bedient: Böse ist Böse und bleibt Böse. Ich hätte aber die mehrschichtige Variante, Böse ist Böse, aber in jedem Bösen steckt auch Menschlichkeit, vorgezogen. Für mich wird BJR, der die ganze Serie über als ein facettenreicher Charakter dargestellt wurde, in dieser letzten Sequenz auf ein Monster ohne Menschlichkeit reduziert.
Die Art und Weise, wie BJR nach seinem Ausraster sich durch die Haare geht, die Schultern strafft, seinen Mantel glatt streicht, so, als ob er sich wieder zurecht rückt, ist wirklich gruselig und wieder total In-Character. Ich bekomme bei diesen Gesten mal wieder Magenschmerzen, denn dieses Schultern straffen macht er auch in Folge 106 nachdem er Claire in den Bauch getreten hat und durch die Haare geht er sich mehrfach in Wentworth. Gruselig!
Und ich murmele das sechste „Hail Mary“.

Kleine Randnotiz:
Während BJR den Körper seines Bruders malträtiert, frage ich mich die ganze Zeit, warum Murtagh nicht einschreitet. Wahrscheinlich hat er irgendwann unbemerkt den Raum verlassen, ansonsten kann ich mir das Ausbleiben seines Einschreitens nicht erklären.

Jamie und Claire
Jamie ist schockiert, dass Claire die Hochzeit zwischen Mary und BJR nicht verhindert hat. Aber Claire informiert ihn, dass BJR am nächsten Tag in der Schlacht von Culloden fallen wird und er somit Mary kein Leid zufügen kann. Wenn sie es schaffen, Culloden zu verhindern, dann wird Claire ihr Versprechen einlösen, das sie Jamie in Folge 205 gegeben hat und ihm helfen, BJR zu töten.
„Bitte erinnere mich daran, Dich nie zu verärgern, Sassenach.“ 
gut gekontert, Jamie. Sie haben meine Absolution für ihr Vorhaben.
Und ich murmele das siebte „Hail Mary“.

Jamie und Claire verabschieden sich, da Jamie mit den Jakobiten nach Nairn marschiert, um Cumberlands Geburtstagsfeier aufzumischen. „Sei vorsichtig.“ sagt Claire zu ihm und Jamie schaut sie wieder mit diesem langen und intensiven Blick, wie schon in 210 kurz bevor er in die Schlacht gezogen ist, an und macht dieses spezielle Jamie- einseitige- Mundwinkel-Verziehen in Kombination mit dem einzigartigen JAMMF-Nicken. Sie küssen sich zum Abschied und das Jamie und Claire Theme im Hintergrund macht die Sequenz noch gefühlvoller.

Cumberland Geburtstagsfeier die Zweite
Ein Teil der Armee hat Nairn erreicht und wartet auf BPC und den Rest der Männer. Murtagh kommt zu den wartenden Männern hinzu und informiert Jamie, dass BPC und seine Truppe sich verlaufen haben und dass er umgekehrt ist. Jamie versucht noch General Murray zu überzeugen, dass sie mit den restlichen Jakobiten die Geburtstagsfeier von Cumberland stürmen sollen, aber der General untersagt den Angriff und befiehlt den Rückzug. In diesem Moment können wir sehen, wie aus Jamies Gesicht jeglicher Mut und jegliche Hoffnung weicht und purer Verzweiflung Platz macht.
Ist Euch eigentlich bewusst, wie furchtbar ironisch dieser gescheiterte Überfall ist? Jamies letzter Schachzug um die Katastrophe von Culloden aufzuhalten, sein persönlicher „Hail Mary Pass“ (Erklärung dazu fast am Schluss der Review), ist nicht nur misslungen, sondern er hat dafür gesorgt, dass die Highlander Armee, die eh schon die letzten Wochen unter Hunger und Entbehrungen gelitten hat, durch den nächtlichen Gewaltmarsch, immerhin ca. vier Stunden je Strecke, bis auf die Knochen erschöpft ist. In diesem Zustand treten sie am Mittag des 16. April 1746 auf dem Culloden Moor einer wohlgenährten, ausgeruhten und ausgeschlafenen britischen Armee entgegen.
„Morgen wird der Prinz seine Schlacht bekommen. Bei Culloden Moor.“ sagt Murtagh und ich denke, dass man diese Folge nicht besser hätte beenden können. Ein Satz, der das Grauen, das uns in der nächsten Episode erwartet, zusammenfasst. Jetzt gibt es kein Leugnen, keine Entschuldigung und keinen Ausweg mehr. Um 12:30 Uhr wird auf dem Schlachtfeld der erste Schuss der Briten fallen und diese werden die Highlander Armee, die Highlander Kultur, das jahrhunderte alte Clansystem in nicht mal einer vollen Stunden niedermetzeln.
Ich bete mittlerweile das achte „Hail Mary“ in dieser Folge.


Ich finde es sehr gut gelungen, wie die Serienverantwortlichen in dieser Folge die Geschichten von zwei Bruderschaften erzählen, die zwar unterschiedlich, aber auch so gleich sind und das Ganze von dem Plot um die bevorstehende Schlacht eingerahmt wird.
Colum und Alex setzten in dieser Episode ihren sozusagen letzten Willen durch, Colum ernennt Jamie zu Hamishs Vormund und Alex sieht Mary versorgt, Dougal und BJR verlieren beide ihren innig geliebten Bruder, und am Ende der Episode sind sie mit ihrem Kummer und ihrer Schuld alleine.
Kein anderer Episodentitel als der englische Originaltitel „The Hail Mary“ hätte die heutige Folge besser beschreiben können und ich finde die doppelte Symbolik, die dahinter steckt einfach bemerkenswert.
Zum einen ist „The Hail Mary“ (dt. „das Ave Maria“) eines der katholischen Grundgebete, mit denen der Betende um den Beistand der Mutter Gottes bittet. Alle unsere Protagonisten bitten um Beistand und brauchen diesen ganz dringend:
* Claire, für ihre Mission, Frank zu retten.
* Jamie, für seinen allerletzten Versuch, die Highlander vor dem Abgrund am Culloden Moor zu bewahren.
* Colum, für seinen Clan, seinen Sohn und den Fortbestand seines Lebenswerks.
* Dougal, um mit seinem Bruder und seinen Gefühlen für ihn ins Reine zu kommen.
* BJR, um den Tod des einzigen Menschen, der ihn ihm das Gute sieht, zu akzeptieren.

Zum anderen gibt es im American Football den „Hail Mary Pass“. Dabei handelt es sich um einen sehr langen Vorwärtspass, der nur eine geringe Chance auf Erfolg hat. Er wird daher fast nur gegen Ende des Spiels versucht, um das Ergebnis noch zu ändern. Alle haben in dieser Folge ihren letzten Hail Mary Pass gespielt und fast immer Erfolg gehabt: Colum, in dem er Jamie zum vorübergehenden Laird of Clan MacKenzie bestimmt, Alex, der Mary und das Baby abgesichert weiß und Claire, die endlich, nach so langer Zeit und so vielen Rückschlägen, Frank gerettet hat.
Jamie, Claire und Murtagh haben in der Staffel ein strategisches gut geplantes Spiel gespielt, bis zum Ende alles gegeben und nie aufgegeben, aber ihr gemeinsamer „Hail Mary“-Spielzug, Cumberland und somit die Katastrophe von Culloden in letzter Minute doch noch aufzuhalten, ist gescheitert und wir wissen, dass es keine weitere Chance geben wird. Und somit bleibt ihnen und uns nichts anderes übrig, als den Abgrund immer näher rücken zu sehen und uns damit abzufinden, dass die Geschichte nicht verändert werden kann.
Rien ne va plus, wir hätten inniger beten sollen!

Ich wünschte, ich hätte für das Staffelfinale einen Murtagh an meiner Seite, an den ich mich ankuscheln und der mich durch die schlimmsten neunzig Minuten meiner TV-Geschichte trösten könnte, denn als BL weiß ich, was mich in der letzten Folge dieser Staffel erwartet und wie schwierig, traurig und niederschmetternd es für mich sein wird, dieses zu sehen. Das Allerschlimmste, auf das Jamie sich und uns seit der Fußmassage-Szene in Episode 206 vorbereitet, wird geschehen. Jamie wird dafür sorgen, dass Claire sicher sein wird. Was das für beide bedeuten wird, treibt mir, genau wie der kurze Trailer zur Folge 213, Tränen in die Augen. Übrigens scheint 13 auch für Jamie und Claire und ihre Beziehung eine Unglückszahl zu sein, denn in 113 wurde Jamie von den Redcoats gefangen genommen und was danach mit ihm in Wentworth passiert ist, hätte ihn fast zerstört, so wie das, was er in 213 sich und Claire abverlangt, um sie zu schützen. Ich habe vollstes Vertrauen in Matt und Toni, beide passionierte Buchfans und beide mit fantastischen Drehbüchern in Staffel 1 und 2, dass die nächste Folge ein emotionales Feuerwerk werden wird, für das eine Familienpackung Taschentücher nicht ausreichen wird. Je NE suis PAS prest, aber je suis prest!

Hail Mary, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.

@Yvonne Pirch 26.06.2016 / 12.10.2016

 


Wenn Dich der historische Hintergrund des Jakobitenaufstands interessiert, findest Du hier nähere Informationen: http://wp.me/p7I1JG-av

Inside the World of Outlander Folge 212: https://www.starz.com/video/701cef3421314589b6663aefd184802e
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 212: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=212
Podcast mit Ron D. Moore Folge 212: http://assets.starz.com/stzcom/outlander/212_Podcast.mp3

Wenn Dir unser Blog gefällt, dann abonniere ihn via E-Mail und verpasse nie wieder einen Beitrag.