Review Folge 302: Surrender (Sechs Jahre)

Episode 302
Surrender
(Sechs Jahre)

Drehbuch: Anne Kenney
Regie: Jennifer Getzinger 

„Once, I had thought I was whole.
I’d been able to love a man, to bear a child, to heal the sick,
and all these things were natural parts of me.
But the man I had loved was Jamie,
and for a time, I had been part of something greater than myself.
I wanted that again.“
(Claire Fraser)

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

 

Mein erster Eindruck: es war eine sehr ruhige Folge und das meine ich in einem sehr positiven Sinne. Anne Kenney hat eine wundervolles Drehbuch geschrieben, in dem sich die traurige, verzweifelte und ernste Stimmung vom Anfang bis zum Ende wie ein roter Faden durchzieht. Wie schon in der letzten Folge springt die Handlung der Serie zwischen den Jahrhunderten hin und her und versucht Parallelen zwischen Jamie und Claires Leben aufzuzeigen. Anne hat sich, wie schon in Folge 107, an das gehalten, was die meisten von uns sehen und hören wollen: viele Szenen und Dialoge aus dem Buch! Besonders die Szene mit Jamie und Mary MacNab in der Höhle und die mit ihm und Fergus, nachdem dieser seine Hand verloren hat, sind fast wortgetreu aus dem Buch übernommen. Den Handlungsstrang zwischen Frank und Claire hat Anne meiner Meinung nach sehr gut weiterentwickelt und er fügt sich nahtlos an den Inhalt aus der letzten Folge an. Sie zeigt durch die weitere Charakterentwicklung auch, was für eine tolle Autorin sie ist, denn anders als die Szenen in der Vergangenheit, die ja bereits durch die Handlung im Buch einen klaren Rahmen haben, ist sie hier auf ihr Talent angewiesen. Keine Sekunde dieser Sendezeit war vergeudet, kein Wort zuviel und keine Szene überflüssig. Alles im allen eine fast perfekte Folge. Vielleicht war die Folge auch perfekt, aber wenn ich jetzt schon mit Superlativen arbeite, kann ich mich nicht mehr steigern und ich muss erst noch auf Lord John und auch auf die Printshop-Szene warten.

Hugh Gourlay (Supervising Location Manager bei Outlander) erklärt auf Inside Outlander, dass sein Team auf der Suche nach der perfekten Drehlocation für Jamies Höhle irgendwann feststellen musste, dass es keine geeignete Höhle gab, die erstens für die Crew zugänglich war, zweitens genug Platz für das Equipment und alle Beteiligten bot und in der drittens das Filmen unter dem Aspekt der Sicherheit möglich war. Also musste eine andere Lösung her und sie entschieden, den Eingang der Höhle an einem überhängendem Felsen im Wald, in der Nähe von Midhope Castle und das Innere der Höhle auf eine der Soundstages in den Studios in Cumbernauld als Set zu bauen. Meiner Meinung hat Gary Steele die Einrichtung der Höhle bis ins kleinste Detail durchdacht. Ich finde, dass, obwohl Jamies Höhle so ein furchtbar einsamer Ort ist, sie trotzdem eine gewisse Behaglichkeit ausstrahlt. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man dort sieben Jahre seines Lebens, fast vollkommen isoliert von der Außenwelt, leben kann. In meiner Fantasie war die Höhle immer klein und niedrig, so dass Jamie nicht wirklich aufrecht in ihr stehen konnte und sie war ganz karg eingerichtet. Sie sah immer ein bisschen aus wie die Höhle in “Cast Away”, in der Tom Hanks alias Chuck Noland wohnt. Aber selbstverständlich wird Jamie nicht wie ein Schiffbrüchiger gelebt haben, denn er hatte seine Familie und Werkzeug, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. 
Im Laufe der Jahre hat es mich immer wieder begeistert, wie gut Diana gerade geschichtliche Begebenheiten recherchiert hat und wie wunderbar sich einige Ereignisse in ihre Story einfügen bzw. wie sie diese Ereignisse in ihren Bücher verwendet. So hat es den „Dun Bonnet“ wirklich gegeben und Ihr werdet es kaum glauben, sein Name war James Fraser. Zwar war dieser James Fraser keiner aus dem Hause Lovat und er war auch nicht der Laird von Lallybroch, sondern er gehörte zu den Fraser of Froyers, aber er war immerhin ein James Fraser. So wie unser James Fraser hat dieser auch in der Schlacht von Culloden für Lord Lovat gekämpft. Zufälle gibt es! James Fraser of Foyers konnte vom Culloden Moor fliehen und der Duke of Cumberland erließ den Befehl, dass alle, die ihm Unterschlupf boten, verhaftet werden sollten. Also versteckte er sich sieben Jahren in einer Höhle, in der Nähe des Fall of Foyers, ca. 30 km südlich von Inverness. Die Einheimischen waren ihm gegenüber sehr freundlich gesinnt, hielten sein Versteck gegenüber den Rotröcken geheim und gaben James Fraser of Foyers den Spitznamen “Bonaid Odhair” (gälisch für „Dun Colored Bonnet“).

Musikalisch werden alle wichtigen Szenen wieder wunderbar von Bears Musik begleitet und er verwendet vorwiegend die uns bereits bekannten Themen, die aber trotzdem verändert daher kommen. Wenn Jamie Claire auf Lallybroch sieht, Claire von Jamie träumt und Ian zu Jamie sagt, dass Claire sein Herz gewesen ist, werden diese Szenen mit dem Jamie & Claire Theme begleitet. Die erste intime Begegnung zwischen Frank und Claire und die letzte Szene der beiden, in der wir die getrennten Ehebetten sehen können, werden vom Frank Theme untermalt. Die Szene zwischen Jamie und Mary MacNab wird in eine ganz neue Komposition eingebettet.

Dadurch dass ich bereits im Vorfeld schon Bilder vom Höhlen-Jamie gesehen habe, hat mich sein Outfit nicht so sehr überrascht. Das MakeUp-Department hat hier ganze Arbeit geleistet, um Jamies Eremitendasein visuell zu unterstützen. Seine langen Haare und der wilde Bart sind fast genauso, wie ich es mir immer vorgestellt habe und mich mag seinen Look. Außerdem bin ich sehr dankbar, dass der Bart diesmal echt wirkt und wir keinen Schamhaarbart wie in Folge 207 zu sehen bekommen.

Aber trotz allem Lob, habe ich auch einige Dinge, die mich als passionierter Buchleser stören und die einem Nicht-Buchleser wahrscheinlich noch nicht einmal aufgefallen wären.
Zum einen verdeckte die Kappe in der Serie mal so gar nichts und erfüllt, außer das sie recht dekorativ wirkt, absolut keinen Zweck. Im Buch trägt Jamie die Kappe, die ihm auch den Spitznamen „Dunbonnet“ einbringt, weil er darunter seine Haar vor jedem verräterischen Sonnenstrahl versteckt, um nicht schon vom Weiten von den englischen Patrouillen als “Red Jamie” erkannt zu werden. Ich weiß, dass sie beim Dreh Probleme hatten, Sams Perücken-Haare unter der Kappe zu verstecken, ohne dass es lächerlich ausgesehen hätte, aber irgendwie finde ich es schade, dass dem Produktionsteam keine andere Lösung eingefallen ist, denn so ist es einfach am Thema vorbei. Sechs, setzen!
Weiterhin streift Jamie am helllichten Tage durch den Wald und geht mit unverdecktem!! Haar jagen. Mmmmh….? Im Buch kommt er tagsüber nur dann aus seiner Höhle, wenn er wirklich sicher ist, dass keine Rotröcke in der Nähe sind und da er immer Gefahr läuft, entdeckt zu werden, ist das eher die Ausnahme. Ein Fan hat genau das Thema bei einem Twitter Q&A angesprochen und Ron hat geantwortet, dass es einfach filmische Gründe hatte, denn wenn Jamie nur bei Sonnenuntergang oder des Nachts aus seiner Höhle gekommen wäre, hätten sie eine Menge Night-Shoots anberaumen müssen und das war logistisch nicht möglich.

Ich wünschte, die Serienmacher hätten, so wie Diana auch, den Fokus noch mehr auf die äußeren Umstände gelegt, die nach der Schlacht von Culloden in den Highlands geherrscht haben. Es ist historisch korrekt, dass den Highlandern nach Culloden verboten war, Waffen aller Art zu besitzen und auch, dass es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen gekommen ist und geltendes Recht nicht für die Bewohner der Highlands galt. Aber in meinen Augen wäre es auch noch wichtig gewesen, zu erwähnen, dass die Menschen in den Highlands oft hungern mussten und auch viele verhungert sind. Den Bewohnern von Lallybroch und von Broch Tuarach ging es im Buch immer etwas besser, als vielen anderen Bewohnern in den Highlands, da Claire Jenny am Ende vom ersten Buch geraten hatte, Kartoffeln anzubauen. Gerade die Kartoffeln haben auf Lallybroch schlimmere Hungersnöte verhindert, aber trotz allem hatten sie manchmal nicht genug zu essen, wie sich Jamie erinnert. Das Geld, das Jenny für die Auslieferung ihres Bruders bekommen hat, hat durch die herrschende Armut im Buch eine größere Bedeutung gehabt, als in der Serie, denn es rettet auch zukünftig die Familie Murray und viele ihrer Pächter vor dem größten Elend, denn nach der verlorenen Schlacht von Culloden, änderte sich für die Menschen, die in den Highlands lebten, alles.

***Geschichtsexkurs ein…:
Das britische Königshaus wollte mit aller Macht eine erneute Rebellion verhindern und bediente sich aller Mittel, die dazu notwendig waren. Der am 01. August in Kraft getretene
“Act of Proscription” sah neben dem Verbot der typischen Highland-Kleidung und der Verwendung von Tartans auch die vollkommene Entwaffnung aller Highlander vor. Bereits im Jahre 1716 war nach dem gescheiterten Jakobitenaufstand von 1715 der sogenannte “Disarming Act” erlassen worden. Fortan war allen Highlandern der Besitz, die Verwahrung und die Benutzung von Breitschwertern, Target, Poignard, Whinger oder Dirk, Pistolen, Gewehren oder andere kriegerischen Waffen unter Strafe verboten. Im Jahre 1746 wurden diese Maßnahmen und die Strafen bei Zuwiderhandlung noch verschärft und die Umsetzung der geltenden Regeln wurde nach Culloden rigoros durchgesetzt. Auch war es den britischen Regierungstruppen ausdrücklich erlaubt, den Besitz der Highlander nach Waffen zu durchsuchen. Bestraft wurde der illegale Waffenbesitz in der Regel mit Geldbußen und wer nicht sofort zahlen konnte, der musste mit Gefängnis oder Zwangswehrpflicht bis zur Begleichung der Schuld rechnen. Wiederholungstäter wurden verhaftet und schlimmstenfalls für sieben Jahre in die britischen Kolonien in Übersee als Zwangsarbeiter deportiert. Des Weiteren wurden weitere Regierungstruppen in den bereits vorhandenen Militärkasernen Fort William, Fort Augustus und Ruthven Barracks stationiert. Nicht nur, dass der Duke of Cumberland nach der Schlacht von Culloden alle verwundeten und gefangenen Jakobiten töten ließ, seine Truppen brachten nach dem gescheiterten 1745er Aufstand viel Leid und Brutalität in die Highlands. Zwischen Foyers und Fort Augustus, wo Cumberland mit seinen Männern stationiert war, waren Plünderungen und Brandschatzungen in einem vorher noch nie bekannten Ausmaß an der Tagesordnung. Viele Highlander mussten wegen der Plünderungen und Zerstörungen ihres Hab und Gutes hungern, nicht wenige verhungerten und es wurden viele weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Fortan galt das englische Recht, das für die Bewohner der Highlands vollkommen fremd und ganz anders war, als das ihnen bekannte patriarchalische Clan-System. Viele englische Adlige bekamen die Ländereien der enteigneten Lairds zugesprochen und scheuten nicht davor, die Einwohner zu vertreiben. So kann man das jähe tragische Ende des 1745er Aufstandes auch als den Grundstein der sogenannten Highland Clearances  (gälisch “Fuadach nan Gàidheal”, bedeutet “Vertreibung der Gälischsprachigen“) sehen, denn mit dem jahrhundertealtem Clan-System und der Macht der ortsansässigen Lairds und Lords hätte es die Vertreibung der Bevölkerung zugunsten der flächendeckenden Schafzucht vielleicht in diesem Ausmaß so nie gegeben. Die Highland Clearences, die ihren Ursprung im späten 18. Jahrhundert hatten und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dauerten, wurden durch zugezogene englische, aber auch schottische Gutsherren aus den Lowlands initiiert. Die großflächige Vertreibung war zwar legal, aber sie wurde damals schon als illegitim angesehen, da feudale Herrschaftsrechte in privaten Grundbesitz umgewandelt wurden. Die landlosen Kleinbauern und Crofters (Pächter), die oft seit Generationen auf ihrem Land lebten, wurden vertrieben, ganze Dorfgemeinschaften wurden aufgelöst und die Hütten der Einwohner zerstört. Teilweise wurden die vertriebenen Highlander mit Gewalt auf Auswanderschiffe gebracht und nach Nordamerika oder Australien zwangsverschifft. Zum Ende der Highland Clearences war das schottische Clan-System vollends zerstört und die gälische Sprache weitgehend ausgestorben. Man sagt, dass sich die Highlands bevölkerungstechnisch nie wieder von dieser Vertreibung erholt haben, denn auch heute leben in manchen Regionen nur ein Zehntel der ursprünglichen Bevölkerung.
Geschichtsexkurs Ende***

Schade, dass wir in dieser Folge nicht mehr von den Murray Kindern sehen konnten, denn es entsteht der Eindruck, dass es nur Young Jamie gibt. Ich frage mich, ob Nicht-Buchlesern zumindest aufgefallen ist, dass sowohl Margaret Murray, der Claire in Folge 113 auf die Welt geholfen hat und die jetzt neun Jahre ist, als auch Katherine fehlen, denn zumindest diese beiden Murray Kinder müssten wir alle kennen. Katherine ist das Baby, dem Jamie in Folge 208 so bewegend sein Herz ausgeschüttet hat, bevor er sich den Jakobiten notgedrungen angeschlossen hat. Offscreen wurden dann 1748 die Zwillinge Michael und Janet geboren und nicht zu vergessen Caitlin, die am 03. Dezember 1749 zur Welt gekommen und am selben Tag gestorben ist.
Übrigens ist das Baby, dass in dieser Folge Young Ian darstellt, Lauras Baby. So hat es Ron jedenfalls auf Twitter geschrieben und das passt auch zu meinem Eindruck, dass sie es wirklich stillt.

Ich mag Corporal MacGregor von der ersten Sekunde an nicht und ich weiß auch, dass Anne genau das beabsichtigt hat. Aber ich mag ihn nicht, weil er so ein Idiot ist, sondern, weil er mir viel zu plump und eindimensional rüberkommt. Dianas Charaktere sind niemals plump und eindimensional, selbst Stephen Bonnet oder der furchtbarste Sadist aller Zeiten nicht.

Claire beginnt ihr Studium in dieser Folge etwas eher als in den Büchern. Im Buch beginnt sie mit ihrer Ausbildung im Jahr 1957, also als Brianna neun Jahre ist. In der Serie schreibt sie sich bereits 1949 in Harvard ein, denn die Schlagzeile auf dem Titelblatt der „Boston Gazette“ besagt, dass Präsident Trumann den ersten weiblichen Schatzmeister der USA ernannt hat und das war im Jahr 1949. Aber so sehen wir wenigstens Joe Abernathy bereits in der zweiten Folge dieser Staffel. Ich bin gespannt, ob wir das Lady Jane-Zitat aus dem Buch auch zu sehen bekommen.

Sam hat für diese Folge eine Menge lernen müssen: wie man mit einem Bogen schießt, wie man einen Fisch ausnimmt und wie man einen Hirsch, der übrigens echt war, zerlegt und ich denke, dass er an allen Herausforderungen, die ihm seine Rolle bietet, wächst und nur noch besser wird. Und ich sagte es bereits in der Review zur letzten Folge, aber ich wiedehole mich nochmal gerne: das wird Sams Staffel! Ich habe bereits letzte Woche gedacht, dass Sam wirklich alles an Talent gezeigt hat, was er besitzt. Aber ich habe mich getäuscht. Das hier war mal wieder eine Meisterleistung. Besonders die Szene, in der er nach Lallybroch kommt und denkt, er sieht Claire. Erst guckt er ungläubig und dann erweckt sich bei mir der Eindruck, dass er den Hirsch auf seinen Schultern jeden Moment fallen lassen wird, um ihr entgegenzulaufen. Dann, als Jamie realisiert, dass es nicht Claire, sondern seine Schwester Jenny ist, schreckt er kurz zurück und sein Blick wird von einer Sekunde auf die andere leer.

Man kann genau den Moment sehen, in dem dieses Fünkchen Hoffnung, dass gerade für eine paar Sekunden in ihm aufgeglimmt hat, erstickt. All das, was ich gerade beschrieben habe, kann man in Sams Augen sehen und dieses Talent macht mich einfach sprachlos. Wie schafft er das bloß? Ich kann es mir wirklich nur so erklären, dass er in dem Moment, in dem er Jamie spielt, so sehr mit seiner Rolle verschmolzen ist, dass er keine Gefühle spielen muss, sondern dann genau das empfindet, was Jamie empfindet.

Die Folge beginnt im Jahr 1752. Einige Fans haben moniert, dass im Vergleich zum Buch ein großer Zeitraum übersprungen und auch nicht gezeigt wurde, wie Jenny Jamie gesund gepflegt hat. Auch ich hatte irgendwie das Gefühl, dass etwas fehlt, aber ein Blick in meine Bibel, ich meine in “Ferne Ufer”, hat gezeigt, dass ich mich auch getäuscht habe. So wie diese Episode, beginnt auch im Buch Jamies Handlungsstrang nach der Schlacht von Culloden im November 1752, also sechseinhalb Jahre nach Ende des Aufstands und es werden ganz genau diese Ereignisse erzählt, die in der Folge vorkommen. Jamies Genesung wird erst später im Buch thematisiert, wenn er Claire in einem Flashback erzählt, dass er in Culloden schwer verletzt wurde und ohne Jennys Sturköpfigkeit höchstwahrscheinlich gestorben wäre. Auch habe ich mehrfach gelesen, dass sich Jamie ja sieben und nicht sechs Jahre in der Höhle versteckt und daher die Zeitangabe in der Serie falsch ist. Ist sie aber nicht, denn Young Ian wird am 15. November 1752 geboren, zwei Monate später verliert Fergus seine Hand (etwa Mitte Januar 1753), dann dauert es mehr als zwei Monate, bis alle Vorbereitungen getroffen sind und sich Jamie an die Briten ausliefern lassen kann. Macht also ungefähr Ende März 1753 und damit hätte Jamie fast sieben Jahre in der Höhle gelebt, denn die Schlacht von Culloden fand am 16. April 1746 statt. Man hat in der Folge allerdings nicht das Gefühl, dass sich die Ereignisse über einen längeren Zeitraum hinziehen, sondern relativ kurz hintereinander passieren.
Im Buch kommt Jamie nur einmal im Monat nach Lallybroch, denn jedes Mal, bringt er sich und seine Familie in große Gefahr. Je länger er in seiner Isolation lebt, desto schwieriger ist es für ihn, wieder eine Verbindung zu seiner Familie aufzubauen.

„Mehr und mehr fühlte er sich desorientiert, spürte er, wie er am Tag ein anderer war als in der Nacht. Am Tag war er ein Geschöpf des Verstandes, weil er der Untätigkeit in seinem feuchten Versteck entrann, indem er sich hartnäckig und diszipliniert in die Welt der Gedanken und der Meditation begab und Zuflucht in den Seiten der Bücher suchte. Doch mit dem Aufgang des Mondes floh die Vernunft und wich dem reinen Empfinden, wenn er wie ein Tier aus seinem Bau an die frische Luft stieg, um unter den Sternen über die dunklen Hügel zu laufen und zu jagen, getrieben vom Hunger, von Blut und Mondschein berauscht. …  Erst als die Lichter von Lallybroch in Sicht kamen, spürte er endlich, wie sich der Mantel der Menschlichkeit um ihn legte und sich Verstand und Körper wieder zusammenfügten, und er machte sich bereit, seine Familie zu begrüßen.“

(Kapitel 4 “Der Dunbonnet” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Aber wenn er einmal den Weg zurückgefunden hat, dann interagiert er mit den Menschen, die auf Lallybroch leben. Er spricht mit ihnen, er isst mit ihnen, er lässt sich von ihnen die Dinge erzählen, die während seiner Abwesenheit passiert sind und er scherzt auch ab und an mal. Auch im Buch ist er oft einsam, verzweifelt und er vermisst Claire und sein Kind jede Sekunde, seit dem er sie vor knapp sechseinhalb Jahren durch die Steine geschickt hat und es kümmert ihn nicht, ob die Briten ihn hängen, wenn er sich von ihnen gefangen nehmen lässt. Aber nichtsdestotrotz versucht er wenigstens das Beste aus dem zu machen, was ihm geblieben ist und ich hatte niemals den Eindruck, dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist, so wie er in der Serie dargestellt wird. Wobei ein Schatten fast noch zu optimistisch ist. Ich glaube, eine leere Hülle trifft es eher, die einzig und allein nur noch auf dieser Welt existiert, weil das Herz immer noch schlägt und sie daher jeden Morgen wieder wach wird.
Meiner Meinung ist es nicht so, dass Jamie nichts mehr fühlt, sondern dass er viel zu viel fühlt und sein Verlust allgegenwärtig ist. Lallybroch war immer sein zu Hause, sein Rückzugsort, sein sicherer Hafen. Einst hatte er den Traum, dort mit Claire in Frieden zu leben und ihre Kinder aufwachsen zu sehen. Da es für Jamie unvorstellbar ist, ohne Claire zu sein, hatte er sich fest vorgenommen, auf dem Culloden Moor zu sterben und dann wird er gezwungen, weiterzuleben. Abgesehen davon, dass sein Traum mit Claire zu leben und eine Familie zu gründen, wie eine Seifenblase zerplatzt ist und Jamie jedes Mal, wenn er nach Lallybroch kommt, schmerzlich daran erinnert wird, kann er noch nicht einmal nach Lallybroch gehen, ohne sich und seine Familie in Gefahr zu bringen. Selbst seine Erlebnisse in Wentworth haben ihn mit mehr zurückgelassen, als er jetzt hat, denn es war Claire, die die tausend Teile, in die seine Seele durch BJR Missbrauch zersprungen ist, wieder nach und nach zusammengefügt hat. Aber jetzt hat er nichts mehr, was ihn noch zusammenhält und wenn ich nichts schreibe, dann meine ich das nicht als Phrase, sondern in diesem Fall ist nichts wirklich nichts! 
Sam zeigt nicht nur durch seine Mimik sehr eindrucksvoll, wie sehr Jamie von seinen Erinnerungen verfolgt wird, sondern auch seine Körpersprache ist perfekt. Jamie bewegt sich, als wenn seine Erinnerungen und der Verlust von Caire so schwer wie der Hirsch auf seinen Schultern lasten. Er vermeidet fast jeglichen Augenkontakt und wirkt gehetzt, so als ob er jeden Moment einen neuen herben Schicksalsschlag erwartet. 
Auch wenn Jenny immer wieder versucht, Jamie aus der Reserve zu locken, schweigt er die meiste Zeit über und wenn er antwortet, dann eher einsilbig. Seinen ersten Satz spricht er erst nach fast fünfzehn Minuten Sendezeit. Und selbst Fergus, der durch die Schlacht von Culloden nicht nur seine Ziehmutter sondern auch seinen Ziehvater, zu dem er stets aufgeblickt hat, verloren hat, kann ihn nicht durch seine Beschimpfungen provozieren.
Ich denke, Anne musste sich entscheiden, wie sie Jamie in der Serie darstellen wollte. In den Büchern kommt seine Einsamkeit oft nur durch seine Gedanken, seine Gefühle und durch das, was Diana beschreibt, zur Geltung. Wenn sie in der Folge versucht hätten, Jamie sehr buchnah darzustellen, hätte meiner Meinung nach eher der Eindruck entstehen können, dass er sich zwar einsam fühlt, aber ganz gut ohne Claire zurecht kommt und das ist ganz bestimmt nicht der Fall. Ohne Voiceover wären sie wahrscheinlich nicht ausgekommen und mit Voiceover wäre die Emotionalität dieser Szenen verdorben worden. Daher finde ich es gut, dass Anne Kenney Jamie so darstellt, wie sie ihn darstellt.
Die Szene im Schlafzimmer der Murrays bricht mir das Herz. Wie unendlich schwer muss er für Jamie sein, Young Ian zu halten und dabei an sein Baby erinnert zu werden. Er weiß noch nicht einmal, ob es überlebt hat, ob es gesund ist, geschweige denn, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Ich hätte mir gewünscht, in dieser Situation mehr Dialog aus dem Buch zu sehen und Jamie sagen zu hören, dass Claire schwanger gewesen ist, als er sie verloren hat. Auch hat Jamies im Buch auf Jennys Aufforderung, wieder zu heiraten, sehr wütend reagiert. Etwas, was ich hier vermisst habe. Aber sein deutliches: “ Janet…!” sagt mehr als tausend Worte und Jenny weiß, dass, wenn sie ihr Bruder bei ihrem richtigen Namen nennt, sie eindeutig zu weit gegangen ist. Ich bin dankbar, dass ich dabei sein darf, wenn dieses unsichtbare Band zwischen Jamie und Young Ian entsteht und der Grundstein für diese besondere Onkel-Neffen-Beziehung gelegt wird.
Als Fergus seine Hand verliert, rettet ihm Claire in gewisser Weise das Leben, denn Jamie sagt, dass er Mylady schon oft dabei beobachtet hat, wie sie abtrennte Gliedmassen versorgt hat und daher weiß, was zu tun ist. Und auch hier ist das visuelle Medium mal wieder stärker als meine Fantasie, denn mit anzusehen, wie Fergus seine Hand verliert, bestürzt mich wirklich sehr.
Als nächste Einstellung sieht man, wie Jamie seine Arme fest um sich geschlungen hat. Es sieht so aus, als ob er Angst hätte, dass er, wenn er sich nicht festhält, auseinanderbricht, denn er ist auf schlimmste Art und Weise in der Realität angekommen, die er seit fast sieben Jahren versucht zu verdrängen. Jamie sieht sich für all das, was seiner Familie widerfahren ist, wie Ians wiederholte Inhaftierungen, die ständige Heimsuchung durch die Rotröcke oder auch für den Verlust von Fergus Hand, in der Verantwortung und bricht unter der Last dieser Schuldgefühle in Jennys Armen zusammen. Diese Sequenz ist so wunderbar von Sam gespielt und ich würde mich so gerne zu Jenny dazugesellen, um Jamie ein wenig Trost zu spenden. Als Jamie an dem Punkt ankommt, an dem er nicht mehr tiefer in seinem Sumpf aus Angst, Trauer, Verzweiflung und Selbstaufgabe versinken kann, erkennt er, dass es etwas gibt, was er tun kann: die Menschen, die er liebt und die ihm geblieben sind, zu beschützen.
Es gibt im Skript eine Szene, die auch gedreht wurde, aber die es aufgrund von Zeitmangel nicht in die Folge geschafft hat, in der Jamie Rache an Corporal MacGregor nimmt und diesen im Fluss ertränkt. Ich bin sehr froh, dass diese Szene im Schneideraum dem Rotstift zum Opfer gefallen ist, denn ich hätte sie nicht gut gefunden. Jamie hätte sich und vor allem seine Familie nur unnötig in Gefahr gebracht, wenn die Leiche von MacGregor gefunden worden wäre und ich denke, dass er nach dem Verlust von Faith erkannt hat, dass Rache, auch wenn sie noch so gerecht ist, niemals leichtfertig verübt werden sollte. Wenn man aber diese Szene mit Jamies Aussage: “Du hast mich daran erinnert, dass es etwas gibt, um das es sich zu kämpfen lohnt.” in Verbindung bringt, dann verleiht sie dem Gesagten mehr Gewicht und ergibt für mich mehr Sinn.
Der Dialog zwischen Jamie und Fergus, nachdem dieser seine Hand verloren hat, ist fast wortwörtlich aus dem Buch übernommen und ich finde, dass es ein würdiger Abschied für Romann Berrux ist, denn, wenn Jamie in elf Jahren nach Lallybroch zurückkehrt, ist Fergus ein erwachsener Mann von Ende zwanzig und wird dann von César Domboy gespielt.

Die erste Szene mit Claire erinnert mich an den Prolog aus “Die geliehene Zeit” und es bricht mir das Herz, sie so zu sehen (auch wenn ich mich gerade sehr über den Anblick von Sams nackten Hintern freue).

“Dreimal erwachte ich im Dunkel vor dem Morgengrauen. Erst in Trauer, dann in Freude und zuletzt in Einsamkeit. Langsam weckte mich das, was ich verloren hatte; Tränen benetzten mein Gesicht wie ein feuchtes Tuch in lindernden Händen. Ich drehte mein Gesicht in das nasse Kissen und ließ mich treiben, auf salzigem Wasser in Höhlen aus unvergessenem Schmerz, in die unterirdischen Tiefen, Schlaf.”
(Prolog aus „Die geliehene Zeit“ by Diana Gabaldon)

Als Claire aufwacht und realisiert, dass der Mann, der neben ihr im Bett liegt, sie zwar über alles liebt, aber nicht Jamie ist, holt sie die Einsamkeit und Sehnsucht ein, die sie über ihren ausgefüllten Tag als Mutter eines Säuglings nicht spürt. Diese Szene kommt ganz ohne Voiceover aus und ermöglicht es Cait, nur durch ihre Mimik zu zeigen, wie tief Claires Sehnsucht nach Jamie ist und auch wie groß ihre Verzweiflung ist, denn wie soll sie ihr Versprechen, das sie Frank gegeben hat, erfüllen? Wie soll wieder alles gut werden, wenn sie sich so sehr nach Jamie sehnt? Was ich in dieser Szene auch wirklich gelungen finde, ist die Farbgebung, die Claires unterschiedliche Gefühlszustände sehr gut unterstreicht. Der Traum ist in warmen Farben gehalten und dominiert durch Rot- und Orangetöne und das kalte Blau im Schlafzimmer der Randalls ist der krasse Gegensatz hierzu.
In der nächsten Szene, in der sich Brianna das erste Mal gedreht hat und Frank und Claire ihre kleine Tochter feiern, bekommen wir eine Eindruck, wie das Leben der Randalls als Familie ohne Jamie hätte sein können. Sowohl Frank als auch Claire sind überglücklich und sie lacht wahrscheinlich das erste Mal seit über einem Jahr und was noch wichtiger ist, sie lacht mit Frank. Aber dieser Moment dauert nur einige Sekunden, bis wieder diese verhaltene Stille zwischen beiden eintritt, denn keiner weiß so richtig, mit dieser Situation umzugehen. Besonders freue ich mich zu sehen, dass die Serie hier zeigt, wie sehr Frank seine Tochter liebt, ganz egal, ob er der leibliche Vater ist oder nicht. Frank liebt Brianna um ihretwillen und bedingungslos und das rechne ich ihm hoch an.
Claire zieht aus der verfahrenen Situation mit Frank ihre Konsequenzen, denn sie weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Sie macht den ersten Schritt in Richtung Normalität, so wie sie es Frank nach der Geburt von Brianna versprochen hat. Ihre Aussage, dass sie ihren Ehemann vermisst, irritiert mich etwas. Ich weiß nicht, ob es so beabsichtigt war, aber bei mir entsteht der Eindruck, dass Claire von Anfang an nicht ehrlich zu sich und zu Frank ist, denn ich glaube nicht, dass es Frank ist, den sie vermisst. Ich hätte es besser gefunden, wenn Anne an dieser Stelle klar und deutlich gemacht hätte, von mir aus gerne durch ein Voiceover, dass Frank und Claire, vor ihrer Zeit mit Jamie, Sex als Brücke benutzt haben, um wieder zueinander zu finden. Denn so, wie die Szene jetzt in der Serie wirkt, kommt mir Claire zu egoistisch und berechnend rüber, denn man könnte meinen, dass sie Frank nur benutzt, um ihre sexuelle Befriedigung zu bekommen. Aber ich weiß, dass Claire nicht so ein Mensch ist und dass sie so etwas niemals vorsätzlich machen würde. Also vertraue ich darauf, dass Anne es auch nicht so gemeint hat und leider nur verpasst hat, deutlicher zu machen, dass Claire versucht, wieder eine Verbindung zu Frank herzustellen und sich dem Mittel bedient, das in der Vergangenheit auch immer funktioniert hat, wie sie in ihrem Voiceover in Folge 101 sagt:“Sex war unsere Brücke zueinander. Der Ort, an dem wir uns immer trafen. Welche Hindernisse sich auch immer Tag und Nacht uns in den Weg stellten, wir konnten sie ausblenden und uns im Bett wiederfinden. Solange wir das hatten, besaß ich die Zuversicht, dass alles gut werden würde.”
Zu Anfang kann Claire ihre Gefühle nicht immer verstecken, auch wenn sie es permanent versucht. So wie Jamie viel zu tief in seine Trauer um sie versunken ist, sieht es so aus als, als ob Claire viel zu wenig ihrer Trauer zulässt und zulassen kann. Sie reißt sich immer zusammen und macht weiter, denn sie hat es Jamie versprochen, sie hat es Frank versprochen und ihre Tochter braucht sie. Sie kann nicht zulassen, dass sie, so wie Jamie, sich in ihrer Trauer verliert und ohne Jamie, der ihre Seele war und immer noch ist, in tausend Teile zerbricht. Sie muss die Vergangenheit gehen lassen und in die Zukunft blicken, aber wie soll das gehen? Ich bin der Meinung, dass Cait diese innerer Zerrissenheit, die Claire spürt, sehr gut transportiert und ab und zu uns Zuschauer durch einen Kommentar oder durch einen Blick voller Sehnsucht hinter Claires Fassade blicken lässt.
Die nächste intime Begegnung von Frank und Claire erinnert mich stark an Folge 109, in der Jamie und Claire leidenschaftlichen Versöhnungssex haben. Da ich davon ausgehe, dass Claire die gleichen Parallelen zieht, habe ich jede Sekunde damit gerechnet, dass sie Jamies Namen murmeln wird, auch wenn sie wirklich in dem Moment mit Frank und bei Frank sein möchte. Aber sie macht es nicht und ich weiß nicht, ob ich es besser gefunden hätte, als diese Öffne-Deine-Augen-Diskussion.  Als Frank von ihr verlangt, dass sie die Augen öffnen und ihn anschauen soll, versteht Claire erst nicht, was er von ihr (ich übrigens auch nicht). Aber als er zu ihr sagt
“Claire, wenn ich mit Dir schlafe, dann schlafe ich mit Dir. Aber Du schläfst mit ihm.“, trifft sie die Erkenntnis wie ein Schlag und sie sieht, was Frank schon seit längerer Zeit vermutet. Sie hat sich die ganze Zeit etwas vorgemacht und sich belogen, denn so sehr sie sich auch bemüht, eine Verbindung zu Frank aufzubauen, Jamie wird immer zwischen ihnen stehen. Diese Szene ist sowohl von Cait als auch von Tobias wundervoll gespielt und Tobias traurige Augen sind einfach herzergreifend.

In der letzten gemeinsamen Szene von Frank und Claire sehen wir, wie der erste unserer Hauptcharaktere aufgegeben hat. Frank und Claire schlafen nicht mehr in einem Bett, sondern in zwei Einzelbetten. Armer Frank, wie traurig er zu Claire schaut, als diese ihm den Rücken zudreht. Er hat alles, was er sich jemals gewünscht: eine Karriere als Professor in Harvard, eine Frau, die er über alles liebt und eine wundervolle Tochter, der er ergeben ist. Aber den Preis, den er dafür bezahlen muss, ist sehr hoch, denn sein sehnlichster Wunsch, dass seine Frau nicht nur körperlich, sondern auch emotional zu ihm zurückkehrt, wird niemals in Erfüllung gehen.
Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich die Beziehung zwischen Frank und Claire weiterentwickeln wird und ich kann nur hoffen, dass die Serie Dianas Büchern folgen wird und aus Frank nicht das macht, was viele Fans meinen, das er ist: ein Ehemann, der aus lauter Frust und Resignation seine Frau mehrfach und über Jahre hinweg betrügt und am Ende ihr auch noch das Kind wegnehmen will.

Die Szene mit Ian und Jamie ist wunderbar und sehr gefühlvoll geschrieben und umgesetzt worden. Wenn Ian Jamie erzählt, dass ihn der Verlust seines Beines auch nach Jahren immer noch schmerzt und er dann sagt, dass Claire Jamies Herz gewesen ist, gibt Ian ihm zu verstehen, dass er Jamies Gefühle, Trauer und Schmerz uneingeschränkt versteht. Und Jamie hüllt sich mal wieder, wie so oft in dieser Folge, in Schweigen. Aber er muss auch nichts sagen, denn Sam sagt mit seinem Schauspiel alles: Jamies tränengefüllte Augen, dieser leerer Blick und sein Gesichtsausdruck ist fast nicht zu ertragen.
In der Szene, in der Jamie und Ian Jenny erklären, dass sich Jamie an die Briten ausliefern lassen will, finde ich es gut, dass Ian explizit erwähnt, dass man die ehemaligen Jakobiten sieben Jahre nach der Schlacht von Culloden nicht mehr hängt, sondern nur noch verhaftet, denn wenn man bedenkt, wie nach der verlorenen Schlacht mit den Gefangenen umgegangen ist, könnten Nicht-Buchleser den Eindruck bekommen, dass Jamie sich in weitaus größere Gefahr begibt. Wie sehr die ewige Bedrohung, die über Lallybroch schwebt, an den Nerven aller Beteiligten gezehrt hat, zeigt Ians vorzeitiges Altern. Jenny musste den Rotröcken kurz nach der Geburt ihres Kindes Rede und Antwort stehen, immer die Angst im Nacken, dass ihr Bruder gleich entdeckt wird. Ian wird in regelmäßigen Abständen immer wieder unter fadenscheinigen Gründen von den Regierungstruppen verhaftet. Aber keiner von beiden wirft diese Dinge Jamie jemals vor, denn so wie es Ians Bestimmung ist, Jamies rechte Seite zu beschützen, ist es Jennys Aufgabe, sich seit dem Tod ihrer Mutter um ihren Bruder zu kümmern. Auch in den folgenden Jahren, wenn klar ist, dass Ian sich während seiner Inhaftierung mit Tuberkulose angesteckt hat, wird keiner von beiden das Jamie jemals vorhalten. Jamie kann sehr stolz sein, eine Familie zu haben, die ihn genauso bedingungslos liebt, wie er Claire liebt und sie ihn. Ich habe vermisst, dass Jamie auf Jennys Aussage, dass ihm etwas passieren und er sterben könnte, so wie im Buch antwortet: “Gott, Jenny, glaubst du, das kümmert mich?” (Kapitel 6 „…nachdem wir durch Sein Blut gerecht worden sind.” aus “Ferne Ufer” by Diana Gabaldon).
Aber Sams Körpersprache und seine Mimik zeigen genau das. Jenny fragt ihn, ob er nicht schon genug Gefängnisse von innen gesehen hat und Jamie antwortet darauf: “Kaum ein Unterschied zu dem Gefängnis, in dem ich jetzt lebe.” und es gibt uns Zuschauern sehr deutlich zu verstehen, wie er sich in all den Jahren in der Höhle gefühlt haben muss,

Die Szene mit Jamie und Mary MacNab rührt mich zu Tränen. Sie ist so wunderbar und einfühlsam von Sam und Emma Campbell-Jones gespielt und trifft den Tenor auf den Punkt. In dem Moment, in dem Jamie eine Träne über die Wange läuft, frage ich mich, ob Outlander wohl einen Kooperationsvertrag mit Tempo hat .Ich glaube, Jamie hätte Mary widerstehen können, wenn sie seine Not nicht so gut verstanden hätte und es nur auf eine heiße Nacht abgesehen hätte. Auch Jamie ist nur ein Mensch und so, wie Claire Trost und Normalität in Franks Armen sucht, sehnt er sich auch nach Zärtlichkeit, nach einer menschlichen Berührungen, nach irgendetwas, das ihm beweist, dass er nicht nur noch ein atmender Körper ohne Herz ist. Und das ist weit entfernt von sexueller Befriedigung. Diese Szene zeigt so wunderbar, was Mary in diesem Moment für Jamie getan hat und es zeigt mir, dass Anne den tieferen Sinn verstanden hat. Und genau das, was Jamie Claire über Mary in “Ein Hauch von Schnee und Asche” erzählt, ist das, was wir hier sehen.

»Sie hat gesagt, sie hätte mich mit dir zusammen gesehen, Claire – und dass sie wahre Liebe erkennen könnte, wenn sie sie sah, auch wenn sie sie nicht selbst erlebt hatte. Und dass es ihr fern läge, mich dazu zu bringen, das zu verraten. Aber sie würde mir gern …eine Kleinigkeit mitgeben. Das ist es, was sie zu mir gesagt hat«, sagte er, und seine Stimme war heiser geworden. »Eine Kleinigkeit, die Ihr vielleicht brauchen könnt.« »Es war – ich meine, es war nicht…« Er hielt inne und machte diese typische achselzuckende Bewegung, so als sei ihm sein Hemd an den Schultern zu eng. Er senkte den Kopf einen Moment auf die Knie, um die er die Hände geschlungen hatte. »Sie hat mir Zärtlichkeit gegeben«, sagte er schließlich so leise, dass ich ihn kaum hörte. »Ich – ich hoffe, ich habe ihr das Gleiche gegeben.«…»Du hast ihr…Zärtlichkeit gegeben. Das weiß ich genau.«…»Oh, Claire«, flüsterte er mir ins Haar. Ich tastete nach ihm und konnte Feuchtigkeit auf seinen Wangen spüren. »Sie hat gesagt – sie wollte dich für mich lebendig halten. Und sie hat es auch so gemeint, sie wollte nichts für sich selbst.« Da begann ich hemmungslos zu weinen. Um die leeren Jahre, in denen ich mich nach der Berührung einer Hand gesehnt hatte. Hohle Jahre, in denen ich neben einem Mann lag, den ich betrogen hatte, für den ich keine Zärtlichkeit empfand. Um die Schrecken und Zweifel und Schmerzen des heutigen Tages. Ich weinte um ihn und um mich und um Mary MacNab, die wusste, was Einsamkeit war.”

(Kapitel 80 „Die Welt steht Kopf“ aus Ein Hauch von Schnee und Asche by Diana Gabaldon)

Und Mary hält Claire für Jamie lebendig, denn in dem Moment, in dem er sagt, dass er immer die Augen schließt, wenn er mit einer Frau zusammen ist und ihm die Tränen in die Augen steigen, ist beiden klar, dass er nicht mit Mary zusammen ist, sondern mit seiner Erinnerung an Claire. Aber hier in der Höhle ist das vollkommen in Ordnung, ganz im Gegensatz zu Frank und Claire in Boston. Da es in dieser Szene um so viel mehr geht als um Sex, bin ich mit dem Ausblenden dieser Situation vollends zufrieden.

Laura Donnelly präsentiert in ihrer letzten Szene ihr überragendes Talent und zeigt innerhalb von einer Sekunde fünfzehn unterschiedliche Emotionen, wie zum Beispiel Wut, Hass, Angst, Trauer, Schmerz und Verzweiflung. Wenn sie mit tränenerstickter Stimme zu Jamie sagt: “Du hast mir keine Wahl gelassen, Bruder und ich werde dir niemals vergeben. Niemals!” dann soll es in erster Linie nur ein Schauspiel für die Rotröcke sein. So, wie Jennys Stimme und Herz bricht, bricht auch das von Jamie, denn er weiß ganz genau, dass diese Worte auch ihm gelten, denn er hat Jenny ihrer Bestimmung geraubt, sich um ihn zu kümmern und sie gezwungen, vor seinem Wunsch zu kapitulieren. Und das ist etwas, was sie ihm vorerst nicht verzeihen wird, denn sie ist mindestens genauso ein Sturkopf wie ihr Bruder. Wir Buchleser wissen, dass Jenny durchaus in der Lage ist, sehr lange ihrem Bruder böse zu sein, denn ein bestimmtes Ereignis mit Young Ian hat sie dazu bewogen über ein Jahr nicht mit Jamie zu sprechen. Um es mit Jamies Worten aus Folge 2018 zu sagen: „Niemals ist eine verdammt lange Zeit!“
Das Letzte, was wir von Jamie sehen, ist die braune Kappe, die im Matsch liegt. Jamie braucht jetzt diese Kappe nicht mehr, denn seine Zeit als Dunbonnet ist ein für alle Mal vorbei, auch wenn, so wie Jenny es gesagt hat, bereits Geschichten über ihn in den Highlands erzählt werden. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt als Gefangener der britisichen Krone und Jamies Aufgabe wird sein, sich mit diesen Umständen zu arrangieren und in seinem neuen Leben einen neuen Sinn zu suchen.

Die letzte Szene, wenn Claire im Park auf den Dudelsackspieler trifft, finde ich aus zweierlei Gründen toll gemacht. Erstens wird dadurch deutlich, dass auch, wenn Claire ihrer Bestimmung nachgeht und mit ihrer medizinischen Ausbildung begonnen hat, sie immer noch nur die Hälfte von dem ist, was sie mit Jamie gewesen war und ihr Herz immer bei ihm in Schottland sein wird. Kurz bevor sie ihre Fassung verliert, schafft sie es, ihre Tränen wegzublinzeln und ihre Fassade der Gleichgültigkeit aufrecht zu halten. Sie hat es seit ihrer Trennung von Jamie gelernt, ihre Gefühle nicht nach Außen zu tragen, sondern in ihrem Innern verborgen zu halten, denn so ist es für sie, für Frank und auch später für Brianna einfacher. Und auch wenn sie erst am Anfang ihrer Karriere als beste Schauspielerin der Welt steht, zeigt uns diese Sequenz, wie Claire zu der Frau geworden ist, die wir in Folge 213 gesehen haben. Sie hat gelernt, dass nur, wenn sie ihre Gefühle wegschließt, sie in der Lage ist, weiterzumachen. Und das ist es, was sie Jamie versprochen hat. Ich bewundere Claire für ihre Kraft den Kampf gegen ihre Tränen zu gewinnen, denn ich bin leider nicht so stark wie sie und habe den Kampf gegen meine Tränen gerade (mal wieder) verloren. Als Claire ihren Weg fortsetzt, begleitet von „Scotland the Brave“, sinnbildlich eine Erinnerung an alte Zeiten, die sie in ihrer neuen Zukunft immer begleiten werden und der Bildschirm schwarz wird, kann ich nur daran denken, wie lang zwanzig Jahre sein können.

„Surrender“- ein Wort, das diese Episode inhaltlich nicht besser beschreiben kann. Jeder Charakter erlebt in dieser Folge seine ganz persönliche Kapitulation und muss sich der Realität stellen, dass das, was verloren ist, nicht mehr wiederkommt.
Frank muss sich eingestehen, dass die Frau, die er über alles liebt und für die er alles aufgeben würde, emotional niemals zu ihm zurückkommen wird. Was ihm am Ende bleibt, ist der Traum von einer Familie, die es so niemals für ihn geben wird. Er muss lernen, diese Tatsache zu akzeptieren und eine neue Bestimmung in seinem Leben finden. Wenn die Serie dem Buch folgt, dann wird die Erziehung von Brianna Franks Bestimmung werden und sie wird einen Teil dieser Leere ausfüllen können, die Claire hinterlassen hat.
Auch Claire muss sich der Tatsache stellen, dass Jamie nicht mehr zu ihr zurückkommen und auch die Ehe mit Frank nicht funktionieren wird, auch wenn sie es wirklich versucht hat. Diese beiden Dinge zu akzeptieren, bedeutet für Claire auch, vor dem Wunsch Dinge ändern zu wollen, die sie nicht ändern kann, zu kapitulieren. Aber Claire wäre nicht Claire, wenn sie nicht wüsste, was als nächstes zu tun ist. Sie hat eingesehen, dass sie eine neue Normalität finden muss, etwas das sie ausfüllt und sie wieder eins sein lässt, etwas was sie mit und durch Jamie gespürt hat und so beginnt sie ihr Medizinstudium.
Auch Jamie hat am Ende der Episode verstanden, dass es auch ohne Claire noch einen Sinn in seinem Leben gibt, dass er immer noch Verantwortung für andere Menschen hat. Er muss einen Weg finden, ohne Claire weiterzuleben und sich um seinetwillen ein neues Leben aufbauen. Durch die Aufgabe seiner persönlichen Freiheit, kann er seiner inneren Bestimmung folgen, etwas was immer schon Teil seiner Selbst gewesen ist, so wie es Claires Berufung ist, zu heilen. Er kann die Menschen, die ihm noch geblieben und die ihm lieb und teuer sind, beschützen und für sie sorgen.
Claire war Jamies Herz und Jamie war Claires Seele und wie beide ihr Leben ohne Herz und Seele meistern, werden wir in den nächsten Folgen noch sehen können.

In der nächsten Woche sehen wir endlich den Charakter, auf den ich mich am meisten freue, seitdem ich weiß, dass wir mindestens vier Staffeln sehen werden: Lord John! Ich kann es wirklich kaum erwarten, David Berry live und in Farbe zu sehen und fiebere jetzt schon dem kommenden Montag entgegen, wenn Lord John für mich endlich lebendig wird.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch 


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Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Highland_Clearances
http://www.tartansauthority.com/tartan/the-growth-of-tartan/the-act-of-proscription-1747/
https://en.wikipedia.org/wiki/Act_of_Proscription_1746
http://www.caithness.org/caithnessfieldclub/bulletins/2004/historyoffoyers.htm