Review Folge 301: The Battle Joined (Nach der Schlacht)

 

Episode 301
The Battle Joined
(Nach der Schlacht)

Drehbuch: Ronald D. Moor
Regie: Brendan Maher

„Leave me be…“
(Jamie Fraser)

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

 

Die erste Folge ist eine würdige Premierenepisode. Sie bereitet uns Zuschauer nicht langsam und einfühlsam auf die kommenden 13 Wochen Outlander vor, sondern knüpft nahtlos da an, wo wir Jamie und Claire in Staffel 2 verlassen haben. Claire ist zurück in ihrer Zeit und gerade mit Frank in Boston angekommen, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Jamie hat den Craigh na Dun verlassen und begibt sich unmittelbar zum Culloden Moor. Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, dass wir Jamie und Claire so schnell nicht mehr zusammen sehen werden, denn sie sind für die nächsten zwanzig Jahre getrennt durch Raum und Zeit und ich bin sehr gespannt, wie ihre Trennung in den kommenden Folgen dargestellt wird.

Was ich an Band 3 besonders liebe, ist die Möglichkeit, endlich in Jamies Kopf zu sein, die Welt durch seine Augen zu sehen, seine Gedanken und Gefühle mitzubekommen und ihn nicht nur durch Claires Erzählungen zu erleben. Es gibt so unendliche viele Textstellen in “Ferne Ufer”, die zu meinen Lieblingsszenen in der gesamten Outlander-Buchreihe gehören und in denen Jamie die Hauptperson oder eine der Hauptpersonen ist, dass ich schon jetzt gespannt der filmischen Umsetzung entgegenfiebere.

Wie bereits in Staffel 2 wurden die Opening Credits den Gegebenheiten der dritten Staffel angepasst. Als Basiselemente dienen die Bilder aus Staffel 1 und 2 und werden durch Szenen aus der dritten Staffel ergänzt, wie zum Beispiel Claires Hand (oder vielleicht auch die von Brianna), die jetzt nicht mehr an dem Knopf eines Radios, sondern an dem eines Fernsehers dreht. Am prägnantesten finde ich die Sequenzen, die ich direkt mit Stellen im Buch in Verbindung bringen kann, wie das zerfetzte Stück Tartan, die zu Boden fallenden Eisenketten, Jamie, der auf das Meer hinausschaut und das brennende Kreuz – ich weiß zwar noch nicht, wann es in Staffel 3 zum Einsatz kommen soll, denn für mich ist es ein Symbol, das ich mit Dianas fünftem Buch „Das flammende Kreuz“ verbinde. Vielleicht ist es aber auch ein versteckter Hinweis darauf, dass Staffel 5 kommen wird?
Ich bin immer wieder erstaunt, mit wie viel Liebe zum Detail an Outlander gearbeitet wird und dass wirklich jeder, der an der Entstehung dieser fantastischen Serie beteiligt ist, immer mehr als 100% gibt. So auch Bear McCreary, der den “Skye Boat Song” an die Gegebenheiten der dritten Staffel angepasst hat, so wie er es bereits sowohl für den Paris als auch für den Schottland Part in Staffel 2 gemacht hat.
Nach der verlorenen Schlacht von Culloden waren die Briten und vor allem das englische Königshaus bestrebt, die vormals ständig rebellierenden Highlander vollends zu unterdrücken und ihnen jegliche Möglichkeit für einen neuen Aufstand zu nehmen. Durch diverse Verordnungen, die in den Jahren nach dem letzten gescheiterten Jakobitenaufstand, erlassen wurden und der rigorosen Verfolgung und Enteignung aller, die am 1745er Aufstand beteiligt waren, hatten es die Engländer letztendlich geschafft, dass jahrhundertealte Clansystem zu zerstören und die Highland-Kultur fast für immer auszurotten. Durch den sogenannten “Dress Act”, ein Abschnitt des “Act of Proscription”, der am 01. August 1746 in Kraft trat, wurde das Tragen von Kilt und Tartan verboten. Auch sah der “Act of Proscription” eine Verordnung für die Entwaffnung vor, die den Schotten das Tragen und den Besitz von Waffen untersagte und unter Strafe stellte. Das Dudelsackspielen wurde durch keine der erlassenen Verordnungen verboten, aber dieses Gerücht hält sich bis heute hartnäckig. Es wurden zwar Soldaten, die während der Schlacht von Culloden Dudelsack gespielt haben, verurteilt, aber nicht für das Spielen eines Musikinstrumentes, sondern für die Beteiligung an einer Rebellion gegen die britische Krone. Nähere Informationen über den „Act of Proscription“ findet Ihr hier.
Da der Dudelsack aber genauso wie der Whisky bis in alle Ewigkeit mit Schottland und seiner Kultur verbunden sein wird, finde ich Bears Entscheidung, den Dudelsack als Hauptinstrument im zweiten Teil der Titelmelodie durch Geigen zu ersetzen, sehr gut, denn das Verschwinden des Dudelsacks symbolisiert den Untergang der schottischen Highland-Kultur nach der Schlacht von Culloden.

Sehr interessant finde ich die Symbolik, die Ron in dieser Folge verwendet hat. Jamie sieht in der Nacht nach der Schlacht einen Hasen auf dem Schlachtfeld. Man könnte meinen, der hoppelt da so rum, weil es jetzt, nachdem die Schlacht geschlagen ist und die Sieger das Feld verlassen haben, so ruhig ist, dass der Hase sich wieder aus seinem Bau heraustraut. Aber ich denke, dass Ron sich dabei etwas Tiefsinnigeres gedacht hat. Der Hase ist im Christentum seit langer Zeit ein Symbol für die Auferstehung bzw. die Wiedergeburt und Erneuerung des Lebens. Erst sieht Jamie den Hasen, dann hat er seine Vision von Claire und danach wird er von Rupert gefunden. Ein Zufall oder eine Verkettung (un)glücklicher Umstände? Oder ist der Hase derjenige, der Jamie symbolisch die Nachricht überbringt, dass seine Zeit noch nicht abgelaufen ist und dass das Leben auf ihn wartet?
Das zweite Symbol, das Ron in dieser Folge verwendet, ist der Spatz, den Claire durch ihr Küchenfenster sieht. Dieser Spatz steht für die Freiheit, die Claire einst mit Jamie hatte und jetzt nicht mehr genießen kann. Sie ist eingesperrt in einer Ehe, die sie eigentlich nicht will, in gesellschaftliche Zwänge gedrängt, die sie nicht mag und sie würde am liebsten alles liegen lassen und so, wie der Spatz, ihre Flügel ausbreiten und wegfliegen, wenn sie nur könnte. 

Auch ist mir in dieser Folge aufgefallen, dass es viele Parallelen zu bereits gezeigten Folgen gibt, aber dazu später noch mehr. Die prägnanteste Parallele in dieser Folge ist die Libelle im Bernstein, die Jamie in den Händen hält, als er sterbend auf dem Schlachtfeld liegt. Diesen Bernstein hat Hugh Munro Claire in Folge 108 als Hochzeitsgeschenk gegeben und dann hat Claire ihn am Craigh na Dun an Jamie als Andenken an sie weitergegeben. Zwanzig Jahre später entdeckt Claire diesen Bernstein in einer Vitrine im Besucherzentrum von Culloden und jetzt wissen wir auch, wie er dorthin gekommen ist. Jamie hat auf dem Culloden Moor nicht nur seine Heimat, seine Freiheit und seine Art Leben zu wollen verloren, sondern auch noch sein einziges Erinnerungsstück an Claire und ihm bleibt jetzt nur noch seine Erinnerung. Den Übergang von der Libelle im Bernstein zu Claire, die in Boston aus dem Fenster schaut, ist toll gemacht.

Ursprünglich hatte Ron geplant, dass wir die Schlacht auf dem Culloden Moor in Echtzeit sehen sollen, denn die eigentliche Schlacht dauerte gerade einmal 25 Minuten. Während der Budget- und Zeitplanung hat er dann aber feststellen müssen, dass beides aus dem Ruder zu laufen drohte und er musste umdisponieren, denn in der ursprünglichen Drehbuchversion hätte allein der Dreh der Schlachtszenen 21 Tage gedauert (normalerweise drehen sie in 24 Tagen zwei Folgen). Daher sehen wir jetzt die Schlacht so, wie wir sie sehen. Den Fokus auf Jamies Erinnerungen zu legen und diese durch Flashbacks zu erzählen, ist in meinen Augen die bessere Wahl gewesen ist.
Der Dreh der Cullodenszenen hat insgesamt 9 Tage gedauert und es wurden unzählige Statisten gebraucht, die alle von Terrys Team eingekleidet werden mussten, sowie auch die diversen Puppen, die man für die Leichenberge auf dem Schlachtfeld genommen hat.
Der Boston Teil sollte eigentlich mit der Szene beginnen, in der Claire in den Spiegel ihres Frisiertisches starrt. Als beim Table Read das Drehbuch nach rund 35 Minuten durch war, brauchten sie weiteres Filmmaterial, um die Folge auf ihre durchschnittliche Sendezeit von knapp 55 Minuten kommen zu lassen. Ron hatte die Idee mit der Szene, in der Claire über dem Kaminfeuer kocht und von ihrer Nachbarin erzählen bekommt, was eine gute Ehefrau in den 1940ern alles zu tun und zu lassen hat und er hat diese Sequenz sowie die erste Szene von Frank und Claire, die gerade ihr neues Heim besichtigen, kurzerhand zum Drehbuch hinzugefügt.
Folge 301 sollte laut Drehbuch mit Jamies Ankunft in Lallybroch enden. Aber in der Nachbearbeitung hat es sich für Ron, laut eigener Aussage, besser angefühlt, die Folge mit der Geburt und der unbeantworteten Frage nach Briannas Haarfarbe enden zu lassen. In meinen Augen eine weise Entscheidung.

Das Hin- und Her zwischen den Jahrhunderten macht die Folge in meinen Augen interessanter und spannender, denn man ist nie lange genug an einem der beiden Orte, um so richtig anzukommen, sich wohlzufühlen (wenn das überhaupt in dieser Folge geht), geschweige denn sich zu langweilen. Außerdem hatte ich in den Boston Szenen die Chance, mich ein wenig von den Ereignissen auf dem Culloden Moor zu erholen und wortwörtlich durchzuatmen.
Einige Handlungsstränge, wie die Szenen in der Kate, sind fast wörtlich aus dem Buch übernommen und einige Szenen hat es im Buch nie so gegeben, aber ich bin dankbar dafür, dass die Drehbuchautoren ihre eigene Visionen der Bücher haben, denn so kommen wir in den Genuss, die Ehe zwischen Frank und Claire mitzuerleben. Ich freue mich als bekennender FoF (Friend of Frank) wirklich sehr darüber, dass ich ihn jetzt in Echtzeit und nicht nur, so wie in den Büchern, durch Claires Erinnerungen erleben darf. Ich denke, jede Geschichte hat zwei Seiten und Claire hat mir in den über 20 Jahren, in denen ich jetzt schon Dianas Bücher lese, ihre Sicht der Dinge erzählt. Jetzt kann ich auch endlich einmal Franks Seite sehen und miterleben, wie er zu diesem verbitterten und vielleicht auch unterkühltem Mann geworden ist, der er am Ende war.
Auch steht es für mich außer Frage, dass Claires Zeit mit Frank einfach zur Geschichte dazugehört und in den Büchern gibt es auch immer mal wieder Abschnitte, in denen sie sich an Frank und ihre gemeinsamen Jahre erinnert. Die Serie hätte diese Szenen, die es ja auch in Band 2 und in den folgenden Büchern gibt, (wie z.B. Briannas Geburt oder Claires schlimmster Tag, als Brianna noch Baby war oder Frank und Claires letzten Streit etc.) entweder in Flashbacks erzählen können oder halt parallel zu Jamies Leben. Ich finde, dies ist die bessere Variante, weil Flashbacks im späteren Verlauf der Geschichte und das hin und her zwischen den Jahrzehnten in der Ehe von Frank und Claire in den Büchern gut klappen, aber in der Serie meines Erachtens nicht.
Letztendlich kann ich nur sagen, dass ich mal wieder ein kleines bisschen mehr verstanden habe, warum Schauspieler, Drehbuchautoren und auch Produzenten machen, was sie machen. Denn auch mit dieser Folge ist es ihnen gelungen, eine perfekte Geschichte noch farbenfroher, realistischer und besser zu gestalten. Und ich denke, dass so, wie wir Fans dankbar für ihre Leistungen und Engagement sind, sind alle Beteiligten dankbar an einer Serie wie Outlander arbeiten zu dürfen, denn es ist doch wundervoll, Teil eines Projektes zu sein, dass größer ist, als man selbst.

Die schauspielerische Leistungen sowohl von Cait als auch von Tobias waren so, wie ich es erwartet habe. Beide waren zu jeder Zeit exakt auf den Punkt und ich kaufe ihnen jede Sekunde ihrer gemeinsamen Sendezeit ab. Was mir an dem Zusammenspiel von Cait und Tobias besonders gefällt, sind diese kleinen Gesten und Blicke zwischen ihnen. Diese nonverbale Kommunikation erzählt immer eine etwas anderes Geschichte als ihre verbale und die Spannung, die zwischen ihren Charakteren herrscht, ist fantastisch dargestellt.
Als herausragend habe ich Sams Leistung empfunden. Alle Gefühle, die Jamie nach der Schlacht empfindet, stellt Sam nur mit seiner Mimik, seinem Adamsapfel und seinen Augen dar. Worte sind, gerade durch seine Kunst zu spielen, überflüssig, denn wir Zuschauer wissen zu jeder Zeit, was Jamie gerade denkt und fühlt. Ich habe irgendwo gelesen, dass Jamie in der ganzen Folge gerade einmal 75 Worte spricht (ich glaube das jetzt mal so, denn ich habe nicht nachgezählt) und mehr sind auch nicht notwendig. Allein schon die Art und Weise wie er atmet, erzeugt bei mir eine Gäneshaut und ich habe wirklich Sorge dass jeder dieser qualvollen Atemzüge Jamies Letzter sein könnte. Wir können Jamies Schmerz, seine Angst, seine Verzweiflung und seine Einsamkeit sehen und hören. Sein leises Wimmern und sein ängstlicher Gesichtsausdruck, als er alleine auf dem Schlachtfeld erwacht, lässt uns Zuschauer tief in die Seele eines Mannes ohne Hoffnung blicken, der alleine auf einem Feld liegt und langsam verblutet.  Abgesehen davon, dass Sams Augen wunderschön (blau) sind, kann er mit ihnen ganze Enzyklopädien an Emotionen wiedergeben. Einfach beeindruckend! Sam schafft es immer wieder, meinen Buch-JAMMF auf den Fernseher zu transportieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass er diese Staffel noch mehr als zuvor zeigen kann, was für ein Ausnahmetalent in ihm steckt, denn er hat in den nächsten 12 Folgen so viele einzigartige und besondere Szenen zu spielen, die ihm und auch seinem Charakter Jamie so einiges abverlangen werden und er wird seine Leistungen aus den ersten beiden Staffeln noch übertrumpfen. Ich wünsche mir für ihn aufrichtig, dass sein Talent nicht nur von uns Fans gesehen und gelobt wird, sondern auch mal von den Kritikern wahrgenommen und sein Können endlich mit einer Auszeichnung geehrt wird. Etwas, das er in meinen Augen mit Folge 116 und seitdem fortlaufend verdient hat.

Fast 29 Folgen schwebt die Schlacht von Culloden wie ein Damoklesschwert über der Serie und so ist es nicht verwunderlich, dass die Serienmacher uns Zuschauer diese auch unbedingt zeigen wollten. Britische Soldaten laufen über das Schlachtfeld, plündern die Leichen der Jakobiten und töten alle Überlebenden. Übrigens etwas, was historisch wirklich so passiert ist, zumindest das Töten. Der Duke of Cumberland, Oberbefehlshaber der britischen Armee und Sohn des englischen Königs Georg II., erließ nach der Schlacht den Befehl, alle verwundeten und gefangenen Jakobiten zu exekutieren. Nur die Soldaten der Irischen Brigade und der Royals Ecossais waren von diesem Befehl ausgenommen und sie wurden als Kriegsgefangene behandelt. Cumberlands Soldaten töteten nach der Schlacht noch etwa 450 verwundete Jakobiten, weitere sollen in eine Scheune gebracht und bei lebendigem Leib verbrannt worden sein. Am Tag danach schickte Cumberland Patrouillen auf das Schlachtfeld, um etwaige weitere Überlebende zu töten. Zeitgenössischen Quellen zufolge starben hierbei noch einmal rund 70 Jakobiten. Diese auch für damalige Verhältnisse äußerst brutale und barbarische Vorgehensweise rechtfertigte Cumberland damit, dass es sich bei den Jakobiten um Hochverräter an der britischen Krone handele und gegenüber Hochverrätern würden die üblichen Kriegsregeln nicht gelten. Cumberlands Verhalten brachte ihm den Beinamen „The Butcher“ (dt. „Der Schlächter“) ein.
Zurück zur Folge: Überall auf dem großen weiten Feld liegen tote oder sterbende Jakobiten, teilweise zu kleinen Hügeln gestapelt. Mit dem ersten Blick den wir Zuschauer auf Jamie erhaschen können, fallen mir sofort drei Worte ein: „Er war tot.“ (Kapitel 1 „Das Fest der Krähen“ aus Ferne Ufer, Diana Gabaldon). So sieht also die filmische Umsetzung einer der prägnantesten Buchanfänge aus, die ich kenne und sie übertrifft bei Weitem meine Fantasie. Man hört nichts, wirklich absolut gar nichts, außer das Klirren von Schwertern, von britischen Offizieren erteilte Befehle und Jamies pfeifenden Atem. Besser hätte man die Stille, die Angst, den Schmerz und die Verzweiflung, die nach der Schlacht auf einem Schlachtfeld herrschen, nicht darstellen können und ich bin ausnahmsweise sehr froh, dass Bear McCreary hier nicht seine Finger im Spiel hat.
Erst nach knapp 10 Minuten Sendezeit, mit Jamies Flashback zu seinem letzten Kampf mit BJR, beginnt die Musik und begleitet fortan die Folge musikalisch.

Es war eine gute Entscheidung, die Schlacht durch Jamies Erinnerungsfetzen zu zeigen, die durcheinander und völlig zusammenhanglos sind, denn in einer solchen Situation, in der sich Jamie befindet, denkt man nicht präzise und geordnet. Wir Zuschauer sind durch seine Flashbacks in der Lage, das Erlebte durch seine Augen zu sehen und können so hautnah dabei sein und sind nicht dazu verdammt, das Geschehen von außen zu betrachten.
Die kurze Sequenz der Lagebesprechung, in dem “Mark Me” mit seinem Weinpokal seinen letzten grandiosen Auftritt hat, fasst in den wenigen Sekunden seine ganze Inkompetenz treffend zusammen. Dank Andrew Gower gibt es kaum eine historische Figur, die ich so sehr verachte wie unseren BPC.
Dann ein Flashback in dem wir Jamie in vorderster Reihe in diesem äußerst mutigen Highland Charge sehen , denn ich glaube, dass jeder Soldat zu diesem Zeitpunkt wusste, dass sie zum Sterben verdammt sind. Die Schlachtszenen in dieser Folge erinnern mich von der Machart her an den Film, den man sich im Besucherzentrum von Culloden ansehen kann, sehr realistisch und prägnant und vor allem historisch korrekt, denn die Jakobiten hatten keine Chance. (Wer Näheres über die Schlacht von Culloden erfahren möchte, dem kann ich meinen Blog-Beitrag dazu wärmsten empfehlen.)
Die letzte Begegnung zwischen Jamie und BJR, für alle Buchleser das zentrale Ereignis dieser Schlacht, wurde meiner Meinung nach gut durch einen weiteren Flashback umgesetzt. Die Geschwindigkeit der Bilder verlangsamt sich, das Licht ändert sich und die Kamera fokussiert sich letztendlich nur noch auf Jamie und BJR. Am Ende ist eigentlich klar, dass Jamie ihn tödlich verletzt hat, aber dann doch auch wieder nicht, weil beide irgendwann ineinander verkeilt umfallen und Jamie dann einige Zeit später, begraben unter dem Körper von BJR, aufwacht. Für mich ist der Beweis, dass Jamie BJR getötet hat, damit noch nicht vollends erbracht. In diesem Fall hat Diana das letzte Wort und ich hoffe, dass ihr neuntes Buch endlich Licht ins Dunkle bringen wird.
Auch wenn es mich anwidert, dabei zu sehen zu müssen, wie BJR auch noch mit dem Tod vor Augen nicht von Jamie lassen kann und in seiner krankhaften Bessenheit ein letztes Mal seine Hand nach ihm ausstreckt, um ihn zu berühren und sich am Ende an Jamies Brust anlehnt, ist eines glasklar: bei allem, was BJR Jamie angetan hat, am Ende hat er Jamies Leben gerettet, denn ohne ihn wäre Jamie wahrscheinlich erfroren, aber ganz bestimmt verblutet.
Die Kampfsequenz zwischen Jamie und BJR ist meines Erachtens sehr gut choreografiert und gefilmt. Sie ist ein passender Abschluss für den Charakter BJR und auch für den äußerst talentierten Tobias, der diese Rolle perfekt gespielt hat. Ich hättte mir niemand anderen dafür vorstellen können.
Tief bewegt hat mich Jamies Erinnerung an die Minuten am Craigh na Dun, nachdem Claire durch die Steine gegangen ist. Seinen Kampf gegen seine Tränen, den er verliert und wie er Claires Plaid aufhebt und an ihm riecht, damit sie noch einen Augenblick länger bei ihm sein kann, ist herzergreifend. Leider fand ich, dass diese wundervolle Szene viel zu schnell gezeigt wurde. Ich hätte mir hier eine Slow-Motion und ein paar Close Ups gewünscht, um auch alle Gefühle in Jamies Gesicht lesen zu können. Aber das Gif von Starz entschädigt mich ein wenig dafür.

In einem meiner Lieblingszitate aus Band 3 (übrigens eines, was mir immer wieder die Tränen in die Augen treibt) sagt Jamie zu Claire:

“Ich habe dich so oft gesehen. … Du bist so oft zu mir gekommen. Manchmal im Traum. Als ich im Fieber gelegen habe. Als ich so voller Angst und Einsamkeit war, dass ich sicher war, dass ich sterben musste. Wenn ich dich gebraucht habe, habe ich dich immer gesehen, lächelnd, mit den Locken rings um dein Gesicht. Aber du hast nie etwas gesagt. Und du hast mich nie berührt.«
(Kapitel 24 „A. Malcolm, Drucker“ aus „Ferne Ufer“ von Diana Gabaldon)

Ich bin sehr begeistert, wie Ron & Co. dieses Zitat filmisch umgesetzt haben und immer, wenn ich es ab jetzt lesen werde, werden diese Worte von Diana mit dieser Szene verknüpft sein.

Die Untermalung mit dem Jamie & Claire Theme (das übrigens ein neues Intro bekommen hat) macht Jamies Traumsequenz noch ein Stückchen ergreifender. Und als Claire Jamie in seiner Vision fragt, ob er noch lebt, kann ich mir vorstellen, dass Jamie gerne antworten möchte, dass er nicht mehr am Leben ist, denn dann wäre er wieder mit ihr vereint und all sein Schmerz, seine Angst und seine Trauer wären endlich vorbei. Aber die Vision von Claire verwandelt sich in Rupert und so hat ihn das Leben vorerst zurück.

Ich liebe es, dass sie die Szenen in der Kate teilweise wortwörtlich aus dem Buch übernommen haben, denn meiner Meinung nach hätte man es nicht besser schreiben können.
Jamies Frage nach Murtagh bleibt unbeantwortet, denn niemand, auch nicht wir Zuschauer, haben ihn gesehen, seitdem er Jamie offenbart hat, dass alle Männer von Lallybroch in Sicherheit sind und er Jamie ein letztes Mal zum Lachen gebracht hat.
Ihm wird aber ganz bestimmt etwas schlimmes passiert sein, denn ansonsten hätte Murtagh Jamie niemals aus den Augen gelassen und wäre bei ihm gewesen, als die Schlacht vorbei war. Ich hoffe, dass er auch wie im Buch gefallen ist und dass sich Jamie nur bis jetzt nicht daran erinnern kann. Denn auch wenn mir Murtagh Fitzgibbons Fraser in der Serie sehr ans Herz gewachsen ist und ich wirklich nur schweren Herzens in Zukunft auf ihn verzichten kann, wäre sein serientechnisches Überleben in meinen Augen ein massiver Eingriff in den Storyverlauf und in Jamies Charakterentwicklung. Erst seine Einsamkeit in der Höhle, in Ardsmuir und auf Helwater machen ihn zu dem Mann, den Claire in der Druckerei vorfindet. Da ich mir aber auf der anderen Seite nicht vorstellen kann, dass Ron & Co. Murtagh einfach Offscreen sterben lassen, denn das würde ihm und Duncan Lacroix nicht gerecht werden, ahne ich nichts Gutes. Ich kann nur hoffen, dass sich das Produktionsteam hier nicht genauso verzetteln wird, wie mit der Story um Laoghaire und ihrer Beteiligung an Claires Hexenprozess.

Nachdem wir gesehen haben, wie die Briten nach der Schlacht die verwundeten Jakobiten noch auf dem Schlachtfeld abgeschlachtet und die Leichen geplündert haben, wäre es ein Leichtes gewesen, alle britische Soldaten als Monster zu zeigen. Aber da hat uns Diana mit Lord Melton einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Sam Hoare, der in der Serie den älteren Bruder von Lord John darstellt, trifft ihn und seine aristokratische Art mit diesem extrem hohen Ehrenkodex auf den Punkt. Lord Melton wird hier als der Ehrenmann charakterisiert, der er ist und in dieser Zeit war die Ehre eines Mannes fast das höchste Gut auf Erden. Er hat seine Befehle und diese führt er auch ohne Ausnahme aus, aber er findet keine persönliche Genugtuung an dem Schicksal der zum Tode verdammten Jakobiten. Er behandelt seine Gefangenen mit Respekt und Achtung, so wie man Menschen und auch tapfere Soldaten behandelt und macht  ganz deutlich, dass diese Einstellungen nicht nur für ihn gilt, sondern dass er das auch von seinen Untergebenen erwartet. Und damit wissen wir auch, aus welcher Art von aristokratischer Familie Lord John stammt und warum dieser so ist, wie er ist. Und das ist gut so, denn er ist perfekt, aber die Schwärmerei für Lord John hebe ich mir für die Review zur Folge 303 auf.

Outlander wäre nicht Outlander, wenn die Romanvorlagen und die Serie manchmal etwas unkonventionelle Wege beschreiten, wie zum Beispiel eine männliche Jungfrau, wie ein weiblicher Hauptcharakter, wie ein Serienheld, der missbraucht und vergewaltigt wird. Jetzt in dieser Folge erleben wir, wie der eigentliche Held der Serie, der immer weiß, was als nächstes zu tun ist und der in der Vergangenheit immer eine clevere Lösung für viele Probleme parat hatte, handlungsunfähig ist. Jamie kann nur noch reagieren und nicht mehr agieren und er wird auch nicht, wie in so mach anderen Serien, durch eine Wunderheilung von seinem Krankenbett auferstehen. Aber jetzt, wo Jamie schwer verwundet und emotional schon seit seinem letzten Tanz mit Claire am Craigh na Dun tot ist und als Anführer ausfällt, muss ein anderer Mann als solches her. Manche Menschen, so wie Jamie, sind zum Anführer geboren und manche, so wie Rupert, brauchen erst eine Gelegenheit, um zu zeigen, was in ihnen steckt. Ich bin sehr stolz auf ihn, denn wer von uns hätte jemals gedacht, dass Rupert am Ende der MacKenzie-Anführer wird, der Dougal niemals annähernd hätte sein können. Als Rupert Jamie gegen seine Willen vom Schlachtfeld trägt, als er in der Kate die Führung übernimmt und versucht, das Chaos zu ordnen, als er mit erhobenem Haupt “Verräter, alle!” sagt, als er Lord Melton um das Leben von Giles McMartin und Frederick MacBean bittet und ihnen im Angesicht ihrer Hinrichtungen Mut zuspricht, macht er seinem Namen und seinem Clan alle Ehre.
Die Szene, in der sich Jamie mit einem Lebewohl von Rupert verabschiedet und still um seinen Freund weint, hat mich sehr ergriffen und mich hat dieser Moment total überrascht. Nicht von der Handlung her, denn natürlich weiß ich, was mit den Männern in der Kate passieren wird, sondern ich war emotional nicht darauf vorbereitet, was in diesem Moment mit mir passieren wird. Vor dieser Sequenz war ich immer auf der Hut vor der nächsten berührenden Szene, immer gewappneten für das nächste Leid und immer bereit, noch oberflächlicher zu atmen, um das ganze Geschehen zu ertragen. Aber Ruperts letzter Auftritt, seine letzten Worte an Jamie und zu sehen, wie Jamie um seinen Freund weint, hat mich aus diesem erwartungsvollen Schockzustand herausgerissen, in dem ich mit seit der ersten Sekunde Sendezeit befunden habe. Der Kloß in meinem Hals, der schon von Anfang an dort fest gesessen hat, hatte endlich einen Grund gefunden, um herauszukommen. Ruperts letzte Worte an Jamie waren ehrlich und sehr bewegend. Zwar verzeiht er Jamie Douglas Tod nicht, aber am Ende macht er durch seine Worte, dass er Jamie nicht bis ins Grab hinein hassen möchte, seinen Frieden mit ihm. So wie er Jamie in Folge 213 Zeit gegeben hat, seine Angelegenheiten zu regeln und Claire in Sicherheit zu bringen, erweist er ihm hier ein letztes Geschenk, denn er urteilt nicht über das, was Jamie seinem Onkel angetan hat, noch verurteilt er Jamie, sondern er überlässt ihn Gottes Urteil und vertraut auf dessen Gnade. Ein wahrlich großer Abschluss für einen aufrichtigen, liebenswerten und treuen Freund.
Ich nehme Abschied von einen weiteren Highlander, der Jamie und Claire stets ein loyaler Freund gewesen ist und die beiden, und auch uns, seit der allerersten Folge begleitet hat. Nun ist keiner mehr von meinen “Jungs” übrig: Angus ist schon seit der Schlacht von Prestonpans begraben, Colum starb im Culloden House bei Inverness, Dougal wurde durch Jamie (und auch Claire) das Leben genommen und jetzt ist auch noch Rupert tot. Wenn die Serie der Buchhandlung folgt, ist auch Murtagh bereits in der Schlacht gefallen und Jamie ist jetzt alleine, ohne Claire und ohne viele seiner lebenslangen Freunde und Verwandten.
“Slàn leat, a Ràibeirt.” (“Lebewohl, Rupert”).

Irgendwann sind alle Jakobiten, die nicht so schwer verletzt sind, dass sie zum Exekutionsplatz getragen werden müssen, erschossen und die Schwerverletzten sind an der Reihe. Jamie meldet sich freiwillig als Erster, denn er hat zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Wie sehr Jamie unter dem Verlust von Claire leidet, wie sehr er sie braucht, gerade jetzt, wo er so schwer verwundet ist, zeigt die nachfolgende Buchstelle meines Erachtens sehr eindrucksvoll. Jedesmal, wenn Jamie sein „Herr, lass sie gerettet sein. Sie und das Kind.“ vor sich hin murmelt, empfinde ich so unendlich viel Mitleid, denn in diesen elf Worte stecken so viel Trauer, Liebe und Verzweiflung und ich finde den Gedanken, dass er mit diesem Gefühl der Leere und seiner Sehnsucht nach Claire und seinem Kind zwanzig Jahre lang irgendwie überleben muss einfach schrecklich.

Diesmal löste der Gedanke an sie nur eine Welle furchtbarer Sehnsucht aus. Got.t, wenn sie doch hier wäre, ihre Hände auf ihn legte, seine Wunden pflegte und seinen Kopf in ihrem Schoß wiegte. Doch sie war fort –zweihundert Jahre weit fort –, und dem Herrn sei Dank, dass sie es war! Tränen glitten ihm langsam unter den geschlossenen Lidern hervor, und er wälzte sich unter Schmerzen auf die Seite, um sie vor den anderen zu verbergen. Herr, lass sie gerettet sein, betete er. Sie und das Kind.
(Kapitel 24 „A. Malcolm, Drucker“ aus „Ferne Ufer“ von Diana Gabaldon)

 

Er hat für seine Lieben alles getan, was er tun konnte. Er hat Lallybroch an Young Jamie überschrieben, er hat Claire und sein ungeborenes Kind in Sicherheit gebracht und jetzt ist er bereit zu sterben. Jamie hat keine Angst vor dem Tod, denn er ist fest davon überzeugt, dass er dann Claire wiederfinden wird. Aber leider hat er nicht damit gerechnet, dass die Worte „James Alexander Malcom MacKenzie Fraser“ sein Schicksal besiegeln werden. Als Jamie Lord Melton mit den Worten »Ich will aber nicht nach Hause! Ich will erschossen werden!« bittet, seinem Leben endlich ein Ende zu machen, wünsche ich mir für einen kurzen Augenblick, dass dieser Erbarmen zeigt und Jamie seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt (auch auf die Gefahr hin, dass die Serie dann mit Folge 301 endet), denn er tut mir so unendlich leid. Erst hat er Claire verloren und dann hat er einen halben Tag alleine mit seiner Angst und seinen Schmerzen auf dem Schlachtfeld liegen müssen und danach noch den ganzen Tag miterleben müssen, wie ein Freund nach dem anderen erschossen wird. Vielmehr kann ein Mensch doch gar nicht ertragen und ich wünsche mir nur endlich Frieden für ihn und seine geschundene Seele.

Ich finde es sehr gut, wie Ron in der Serie ein realistisches, rechtschaffenes und aufrichtiges Bild von Frank zeigt. Er wird nicht als der Ehemann dargestellt, der Claire weniger liebt oder sich weniger um sie sorgt oder weniger fürsorglich ist. Den Vergleich zu Jamie kann er in meinen Augen auf jeden Fall standhalten, denn es ist unzweifelhaft seit Folge 201 zu erkennen, dass er Claire aufrichtig und bedingungslos liebt. Und er versucht so sehr, Claire glücklich zu machen und ihr Trost und Aufmerksamkeit zu geben. Er ist zuvorkommend, aufmerksam, interessiert und ist bemüht, mit witzigen Sprüchen die Stimmung zu heben. Er kümmert sich um ein Zuhause für sie, etwas, was sie sich immer gewünscht hat. Er stellt keine Forderungen an sie, perfekt zu sein, denn er würde alles essen, was sie kocht. Er fragt sie, wie es ihr geht und wie sie geschlafen hat, obwohl er sie doch viel lieber fragen würde, ob sie ihn wieder oder immer noch liebt. Er erzählt dem Dekan voller Stolz, dass Claire im zweiten Weltkrieg als Lazarett-Schwester gearbeitet hat und unterstützt sie im Rahmen seiner Möglichkeiten in dieser grässlichen Situation. Er versucht wirklich alles, damit sich Claire wohl bzw. besser fühlt, aber offensichtlich scheitert er jedes einzelne Mal. Mir tut es wirklich leid, mit ansehen zu müssen, wie er immer wieder versucht, Zugang zu Claire zu finden und immer wieder abgelehnt wird. Das Einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist, dass er nicht Jamie ist. Frank wird für Claire niemals genug sein und sie wird ihn niemals so lieben können wie Jamie, egal wie sehr er sich anstrengt. Franks Entschluss, nach dem Streit mit Claire, Reverend Wakefield um Hilfe nach der Suche nach Jamie zu bitten, ist für mich ein weitere Beweis dafür, dass er erstens Claire ihre Geschichte doch glaubt und zweitens er wirklich versucht, Claire zu helfen und sie glücklich zu machen.
So wie Frank alles versucht, diese Ehe zu retten, versucht Claire alles, um Franks Vorstellung von einer perfekten Ehefrau gerecht zu werden. Sie kocht, macht Frühstück, lacht über seine Witze, schluckt ihren Ärger beim Dekan herunter und lächelt immerzu, obwohl ihr doch eher nach weinen, schreien und verkriechen zumute wäre. Sie hat schließlich die Liebe ihres Lebens verloren. Und wenn man genau hinschaut, dann sieht man es auch, denn ist Euch aufgefallen, dass sich Claire nur in der Szene, in der Frank und sie beim Dekan eingeladen sind, schminkt und frisiert? In allen anderen Szenen, in denen sie mit Frank zu Hause ist, ist sie ohne MakeUp und Haarstyling. Und das zeigt genau ihre innerliche Trauerstimmung, denn eine Frau, die um ihren Mann trauert und die selber am liebsten mit ihm gestorben wäre und jetzt alle Kraft aufbringen muss, um für ihr gemeinsames Baby weiter zu machen, die hat kein Interesse daran, sich zurecht zu machen. Auch hier geht die Serie einen sehr guten Weg, denn sie zeigen kein übertriebenes Bild von einer ungewaschenen und ungepflegten Frau mit strähnigen Haaren, sonder einfach so, wie es in der Realität sein würde.

Am schwersten zu ertragen, war die Szene am Frühstückstisch, als Frank Claires Babybauch berühren möchte und sie sich wegdreht. Ein Blick in sein Gesicht sagt alles, was ich gerade für ihn mitfühle: Verzweiflung, Scham, Traurigkeit und Zurückweisung. Diese Reaktion auf eine ähnliche Situation habe ich bereits schon einmal gesehen und auch hier war Claire der Verursacher, nur der Mann war rothaarig und das Jahrhundert ein anderes. Genau wie jetzt ist Claire damals auch in eine Beziehung gedrängt worden, die sie nicht wollte. Sie versucht sowohl im Jahr 1743 als auch 1948 das beste aus dieser miserablen Situation zu machen, aber ihre unterdrückten Gefühle kommen immer wieder an die Oberfläche. In Folge 107, nachdem Jamie und Claire gerade die Ehe vollzogen haben und Jamie sie am Hals berühren möchte, dreht sie sich auch weg. Jamies zärtliche Berührung ist für sie zu intim, denn sie liebt immer noch Frank und fühlt sich schuldig und ich könnte schwören, sie ist bereits zu diesem Zeitpunkt über ihre aufkeimenden Gefühle für Jamie sehr besorgt. Wenn Frank sie nach ihrer Rückkehr berührt, kann sie das zulassen, denn es sind nur kleine Gesten und sie sind sich ja nicht fremd. Aber als er ihren Bauch berühren möchte, den Teil von ihr in dem Jamies Kind heranwächst und er für sie noch lebendig ist, ist es zuviel für Claire und sie kann die Fassade nicht mehr aufrecht halten. 

Auch wenn Frank und Claire eine Auszeichnung für dieses neunmonatige  Balancieren-wie-auf-rohen-Eier verdient haben, ist der Streit, den ich schon seit der ersten Sendeminute des randallschen Lebens in Boston erwartet habe, längst überfällig. Der letztendliche Auslöser ist Claires Wunsch, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu beantragen, doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Wenn sie sagt, dass sie Amerika liebt, weil es jung, eifrig und zukunftsorientiert ist, hat es auf mich den Eindruck, dass sie eher von Jamie als von den USA spricht. Nichtsdestotrotz denke ich, dass Claire einfach kein englischer Staatsbürger mehr sein möchte, weil ihre Erfahrungen in der jüngsten (oder wohl eher weiteren) Vergangenheit mit vielen Engländern eher schlecht als recht waren, man nehme nur mal BJR und sie die Engländer auch für Jamies Tod und ihre Trennung verantwortlich macht. Keine Engländer, kein Culloden.
Schaut in ihr Gesicht, wenn Frank all die berühmten englischen Königshäuser aufzählt und vor allem in dem Moment, in dem er die Stuarts erwähnt. Claire hat schon den einen oder anderen König getroffen und hat die echten Männer kennengelernt, die hinter den schillernden Erzählungen und lobpreisenden Liedern stecken und ihr abfälliger Gesichtsausdruck zeigt deutlich, was sie von diesen großen Männer hält.

So sehr ich Claire mag, respektiere und ihre Persönlichkeit verehre, hier in diesem Streit bin ich ganz klar Team Frank. Er hat sie niemals gezwungen, mit ihm zu kommen und wieder zu ihm zurückzukommen. Er hat sie nie dazu gezwungen, alles aufzugeben, was ihr wichtig gewesen ist, so wie sie es ihm jetzt vorwirft. Er hat ihr in Folge 201 ein Angebot und seine Bedingungen, die an dieses Angebot geknüpft sind, unterbreitet und sie hat eingewilligt. Als sie Jamies Ehering, als letzte sichtbare Verbindung zu Jamie, von ihrem Finger nehmen möchte, um ihre Zustimmung zu Franks Bedingungen zu unterstreichen, hat er sie sogar gestoppt, weil er gesehen hat, dass es Claire das Herz brechen würde. Für mich ist, sowohl im Buch als auch in der Serie, nie ganz klar geworden, warum sie überhaupt zu ihm zurückgegangen ist. Als einziger Grund fällt mir ein, dass es die Handlung in den Bücher nicht so gegeben hätte und Claires Geschichte eine ganz andere gewesen wäre, als sie jetzt ist. Ich bin der Meinung, dass Claire es auch im Jahre 1948 alleine mit ihrer Tochter irgendwo in England oder Schottland hätte schaffen können, denn sie ist stark, mutig und scheut keine noch so schwierige Situation (und sie hatte ja auch etwas Geld von Onkel Lambert geerbt). Vielleicht sah sie sich in ihrer Trauer um Jamie nicht in der Lage, alleine klar zu kommen, vielleicht waren es auch ihre Schuldgefühle gegenüber Frank, die sie veranlasst haben, mit ihm in Boston neu anzufangen. Vielleicht hat sie Frank auch immer noch geliebt, zwar nicht so, wie Jamie, aber immer noch genug, um ihn nicht auch noch verlieren zu wollen.
So wie Claire ständig an Jamie denkt und sich immer an ihn erinnert, erinnert mich dieser Streit auch an den zwischen Claire und Jamie am Flußufer, nachdem Jamie sie aus Fort William befreit hat. Auch hier sagen beide Dinge, die den anderen sehr verletzen, aber als sie merken, dass sie zu weit gegangen sind, unterbrechen sie sich und Claire bittet Jamie um Verzeihung und umgekehrt. In Boston merken zwar auch beide, dass sie mehr gesagt haben, als gut gewesen ist, aber Frank bittet nicht um Verzeihung, bevor er zur Arbeit geht und Claire macht zwar einen Schritt auf Frank zu, bleibt dann aber stehen und bricht in verzweifelte Tränen aus. Wenn das Vertrauen gebrochen ist, dann verlieren Entschuldigungen an Bedeutung und genau diese weisen Worte machen den Unterschied in diesen beiden Streitszenen.
Die letzte Einstellung, als Claire anfängt zu weinen und Frank zu Tür geht und seinen Hut nimmt, ist sehr gelungen. Frank und Claire stehen jeweils am anderen Ende der Eingangshalle und diese Kameraführung erinnert mich sehr an die letzte Einstellung in Folge 205 “Untimely Resurrection”, in der Jamie auf der linken und Claire auf der rechten Seite des Zimmers steht. In beiden Situationen findet ein ein äußerst heftiger Ehekrach statt, in dem es letztendlich auch um die Existenz der Ehe geht und in beiden Szenen könnte die Kluft zwischen den Eheleuten zu keinem Zeitpunkt größer sein als jetzt und genau das zeigt die Kameraeinstellung.

In der Szene im Krankenhaus scheint über Claires Wehen und die Vorfreude auf das Kind, auch der Streit zwischen Frank und ihr vergessen zu sein. Frank schluckt sogar kommentarlos, wenn man seinen verletzten Gesichtausdruck mal außer Acht lässt, die bittere Pille, dass Claire schon einmal von Jamie schwanger gewesen ist und dieses Baby verloren hat. Ich sagte es ja bereits, er liebt Claire aufrichtig und würde alles für sie tun und ihr auch fast alles verzeihen, denn alles was für ihn zählt, ist Claire, das Baby und er gemeinsam als glückliche Familie! So, wie Jamie es in Folge 108 gesagt hat: “Sie bat mich um Vergebung und ich vergab ihr. Die Wahrheit ist, ich hätte ihr alles vergeben, was sie getan hat und alles was sie tun würde, lange vor diesem Tag. Für mich war es keine Entscheidung, sondern zu lieben.”, so handelt Frank seit dem Claire zurück ist.

Der Moment, in dem Claire im Krankenhaus aufwacht, ihren Bauch berührt und panisch fragt: “Wo ist mein Baby?” lässt sofort die Erinnerung an Folge 207 “Faith” vor meinem geistigen Auge erscheinen. Wirklich sehr gut von Cait gespielt und wenn Ihr euch mal die Gifs hier anschaut, werdet ihr sehen, wie groß die Ähnlichkeit zur Szene in Folge 207 ist.

Die letzte Szene, als Frank mit Brianna im Arm ins Zimmer kommt und sie Claire in die Arme legt, ist wundervoll. Ich liebe die Art und Weise, wie beide erst das Baby und dann sich anschauen. Frank sagt zu Claire, dass Brianna perfekt ist, so wie ihre Mutter und Claire verspricht Frank, dass jetzt alles gut wird. Und als Frank vor Glück über seine Tochter und über die neu gefundene Zweisamkeit mit Claire eine Träne vergießt, freue ich mich aufrichtig für ihn, denn er hat diesen Moment einfach verdient. Es scheint so, als ob es Brianna vielleicht doch schaffen kann, die Beziehung zwischen Frank und Claire zu kitten. Dieser Moment ist perfekt, harmonisch und so voller Liebe und Freude. Ich fange gerade an, mich emotional endlich einmal nach langen 55 Minuten der Trauer, Disharmonie und Verzweiflung wohl zu fühlen und dann stellt diese Krankenschwester eine ganz normale und berechtigte Frage.

Bähm…vorbei der Moment der Harmonie und Freude! Zwar nicht bei mir, ich lache gerade Tränen, sondern wohl eher bei den Randalls. Schade, ich hätte ihnen nach den letzten neun Monaten mehr als 15 Sekunden Glück und Zufriedenheit gegönnt.

Zu den Szenen mit Nachbarin Millie, dem Dekan und Claires Narkose während Briannas Geburt möchte ich nur erwähnen, dass es jetzt wohl jeder noch so langsam denkende Zuschauer verstanden hat, dass erstens die Uhren 1948 so ticken, wie sie ticken und diese Zeit sehr stark von Sexismus geprägt war. Zweitens hatte Claire mit Jamie im 18. Jahrhundert mehr persönliche Freiheit, als 1948 und auch das Leben war nicht so technisiert und steril, sondern viele Dinge, wie auch die Geburt eines Babys, haben einfach ihren natürlichen Lauf genommen.

Die allerletzte Szene dieser tollen Folge war sehr kurz, aber für mich sehr intensiv. Die pure Freude und Erleichterung in Ians und Jennys Gesichtern sehen zu können und dazu Jamies Erstaunen und Resignation, immer noch am Leben zu sein, war von allen Beteiligten sehr gut gespielt. Jamies Blick in dem Moment, als er realisiert, dass er immer noch am Leben, ist, ist unglaublich aussagekräftig. Wir Zuschauer sehen sofort, dass er in etwa so etwas denkt wie: “Verdammter Mist, warum hätte ich nicht vorher sterben können. JETZT ist es zu spät, denn Jenny wird niemals zulassen, dass ich gehen kann.”  Und damit soll er ja auch recht behalten. Mich erinnert das an die Textstelle aus Band 3, als Jamie Claire erzählt, wie er an die Narbe auf seinem Oberschenkel gekommen ist:

»Sie hat gesagt, sie lässt mich nicht sterben«, sagte er mit einem reumütigen Lächeln. »Und das hat sie auch nicht getan. Meine Meinung schien dabei keine Rolle zu spielen, also hat sie mich auch gar nicht gefragt.«
(Kapitel 26 “Frühstück unter Huren” aus “Ferne Ufer” by Diana Gabaldon)

Bereits in Staffel 2 hat mich Laura Donnelly mit ihrer Interpretation von Jane Flora Arabella Fraser Murray, besser bekannt als Jenny Murray, immer wieder abgeholt. Auch wenn ihre Auftritte in Staffel 1 und 2 meistens sehr kurz gewesen sind, hat sie bei mir zu jeder Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich freue mich auf so viele Szenen mit ihr, die in Staffel 3 noch kommen werden und hoffe, dass wir viel Buchmaterial in Bezug auf Jamie und Jenny zu sehen bekommen.

“The Battle Joined” oder „Nach der Schlacht“ ist vor der Schlacht. Auf den ersten Blick, ohne dass ich die erste Folge der langersehnten 3. Staffel meiner geliebten Buchverfilmung gesehen hatte, für mich ein Episodentitel der passt. Es war aufgrund von Interviews mit Ron oder auch durch das Cover vom EW Magazin aus September 2016 klar, dass die Schlacht von Culloden in dieser Premierenfolge Hauptthema sein wird.
Nachdem ich „The Battle Joined“ gesehen habe, finde ich den Titel umso passender. Nicht nur die Schlacht von Culloden ist ein zentrales Thema dieser Episode, sondern kämpfen auch Claire, Frank und Jamie in diesen 60 Minuten ihre ganz persönliche Schlacht: Claire ums Weiterleben ohne Jamie, Frank um eine Zukunft mit Claire und Jamie ums Sterben.
Am Ende der Folge scheint es so, dass Claire und Frank ihre Schlachten fürs Erste gewonnen haben und einen Waffenstillstand mit dem Namen „Brianna“ ausgehandelt haben. Aber der eigentliche Konflikt ist noch lange nicht ausgestanden und nur ein kleiner Funken von Argwohn, Misstrauen, Eifersucht und Unzufriedenheit wird ihn bestimmt in den nächsten Folgen wieder aufflammen lassen.

Jamie hingegen hat nicht nur mit den Jakobiten die Schlacht von Culloden verloren, sondern (Gott sei Dank) auch seine eigene. Am Ende von Folge 301 lebt er, trotz aller Bemühungen zu sterben, immer noch. Während Claire mit der Geburt von Brianna einen Wendepunkt ihrer Trauer um Jamie erreicht, hat Jamie nicht das Glück einen Teil von der Liebe seines Lebens als Trost, aber auch als stetige Erinnerung, für immer bei sich zu haben.
Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Jamie in den nächsten Folgen mit Claires Verlust umgehen wird und wie sich sein ganz eigener Schlachtplan vom Sterben zu einem Überlebensplan bis hin zu einem Lebensplan entwickeln wird.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch 


Inside the World of Outlander Folge 301
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 301
Podcast mit Ron D. Moore Folge 301

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