Review 305: Freedom & Whisky (Der Entschluss)

Episode 305
Freedom & Whisky
(Der Entschluss)

Drehbuch: Toni Graphia
Regie: Brendan Maher

„Is that you, Geordie?“
„It’s me. Claire!
(Jamie & Claire Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

 

Bis jetzt hat Staffel 3 meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern oft sogar übertroffen. Toni hat mit ihrem Drehbuch zu dieser Folge erneut bewiesen, dass sie verstanden hat, wie sie uns Buch-Leser und auch die “nur” Serienfans begeistern kann. Sie hat mit ihrem Skript wieder einmal mitten ins Herz von Dianas Geschichte getroffen und es kristallisiert sich heraus, dass Toni sich zu meiner Lieblings-Drehbuchautorin entwickelt. Nicht nur, weil sie es mit ihren Drehbüchern immer wieder aufs Neue schafft, den Ton der Bücher zu treffen, sondern auch, oder gerade weil, sie die Beziehungen der Charaktere so großartig auf die Leinwand bringt und weil sie das Talent besitzt, die zwischenmenschliche Dynamik mit der nötigen Sensibilität herauszustellen.
Wie ich bereits in meiner letzten Review erwähnt habe, ist die Handlung, wie Claire von A. Malcolm erfährt, im Buch eine ganz andere. Aber mich stören weder die Änderung des Ortes noch die der Handlung, weil alles in sich stimmig ist. Verglichen mit dem Buch geht die Serie in dieser Folge viel mehr ins Detail und gibt uns die Möglichkeit, Claire und Brianna auf ihrem Weg ihrer „Impossible Choices“ (so lautet der Hashtag von Starz für diese Episode) zu begleiten. Die Handlung zeigt uns auf eine sehr emotionale Art und Weise, wie schwer es für Claire ist, ihre Tochter zu verlassen. Meiner Meinung nach ist die Zeit, die wir in Boston verbringen, sehr wichtig, denn sie bildet eine emotionale Verbindung von Claires Vergangenheit in ihre Zukunft. Im Buch haben wir niemals so wirklich miterleben können, wie Claire ihre Entscheidung trifft, zu Jamie zurückzugehen. Irgendwie hat mir dieser Entscheidungsprozess all die Jahre über gefehlt  und Toni hat es mit ihrem Drehbuch geschafft, mir eine Brücke zwischen Buch und Serie zu bauen, die mir über das kleine schwarze Loch, nicht zu wissen, wie und warum sich Claire entschieden hat, hinweghilft. Das ist einer der bis jetzt äußerst seltenen Momente, in denen ich  die Serie dem Buch vorziehe. Glückwunsch, Toni, denn das ist das größte Kompliment, das ich einem Drehbuchautor machen kann!

Im Buch fliegt Claire im September `68 nach Boston zurück, wo sie dann Ende des Monats von Roger die Nachricht erhält, dass er und Bree Jamie gefunden haben. Claire kehrt am 05. Oktober wieder nach Inverness zurück, wo sie sich auf ihre Reise ins 18. Jahrhundert vorbereitet. Am Morgen des 01. November 1968 geht sie schließlich zurück zu Jamie, ins Jahr 1766. Im Buch beträgt ihre gesamte Vorbereitungszeit fast zwei Monate, in der Serie hingegen nur ein paar Tage. Roger kommt am Tag vor der Erstausstrahlung von Folge 651 der Serie „Dark Shadows“, also am 22. Dezember 1968, in Boston an. An diesem Abend erzählt er Claire, dass er Jamie in Edinburgh im Jahr 1765 gefunden hat. Am 23. Dezember besuchen Claire, Brianna und Roger die Gedenkfeier für Frank und im Anschluss denkt Claire das erste Mal ernsthaft über eine Rückkehr nach. Am 24. Dezember, dem Tag an dem Apollo 8 aus dem All Weihnachtsgrüße zur Erde schickt, bespricht Claire mit Brianna die Option, zu Jamie zurückzugehen und trifft letztendlich ihre endgültige Entscheidung. Am nächsten Tag, also am 25. Dezember, findet abends im Hause Randall die Bescherung statt und in der Nacht näht Claire ihr „Bat Suit“. Am 26. Dezember verabschiedet sie sich für immer von Brianna und Roger und steigt in das Taxi, das sie zum Flughafen bringt. Als nächstes sehen wir, wie Claire in Edinburgh im Jahr 1766 die Kutsche verlässt und die Royal Miles in Richtung Jamies Druckerei hinuntergeht. Wenn man den Zeitablauf so vor sich sieht, stellt man fest, dass von Rogers Ankunft in Boston bis zu Claires Weggang aus Boston gerade einmal vier Tage vergangen sind. Eine verdammt kurze Zeit für so große Entscheidungen und so viele Vorbereitungen. Dadurch dass Claire nicht mehr wie im Buch zu Samhain durch die Steine reist, sondern erst Ende Dezember bzw. Anfang Januar, stellt sich mir die Frage, ob das nach Dianas Zeitreise -Theorie überhaupt möglich ist. Normalerweise ist das Portal nur an und um die Sonnen- und Feuerfeste offen und somit wäre der 21. Dezember, als das Sonnenfest der Wintersonnenwende, der nächstgelegene Tag für eine Zeitreise gewesen, den Claire um ein paar Tage verpasst hat.  Aber wenn es ihr im Buch gelungen ist, am 16. April zurück ins 20. Jahrhundert zu gehen, auch wenn Beltane (01. Mai) noch rund zwei Wochen entfernt gewesen ist, was spricht dann dagegen, dass Claire in der Serie einige Tage nach der Wintersonnenwende nicht auch durch die Steine reisen kann.

Ich bin immer wieder entzückt, wenn ich bemerke, mit wie viel Liebe zum Detail an den großen und kleinen Dingen in dieser Serie gearbeitet wird. Wenn Claire Bree und Roger ihr „Bat Suit“ präsentiert und ihnen sagt, dass der Saum nicht ordentlich ist und ein Arm länger ist als der andere, hätte ich nicht erwartet, das auch sehen zu können. Aber wenn sie ihren Am hebt, um liebevoll über das Schild von Jamies Druckerei zu streichen, kann man sehen, dass der Saum am linken Ärmel etwas unsauber und die Naht auch nicht ganz gerade ist.

Als Briannas Professor aus „Paul Revere’s Ride“ zitiert, muss ich schmunzeln und an die Szene in “Ein Hauch von Schnee und Asche” denken, wenn sie für Roger das Gedicht rezitiert: 

»Ich bin in Boston groß geworden«, sagte sie in leisem, scheinbar ungerührtem Ton. »Jedes Kind in Boston hat dieses Gedicht irgendwann gelernt. Ich habe es in der fünften Klasse gelernt.« »Passt auf meine Kinder und höret her/Vom Mitternachtsritt des Paul Revere?«

(Kapitel 77 “Der achtzehnte April” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Claire erwähnt Roger gegenüber das Weihnachtsmärchen “A Christmas Carol” von Charles Dickens und es ist wieder eines dieser “Eastereggs” für uns Buchleser, denn in Kapitel 21 in “Der Ruf der Trommel” erzählt Claire Jamie diese Weihnachtsgeschichte, während sie im wahrsten Sinne des Wortes eingeschneit sind.
Die Szene mit dem Skelett ist für mich als Buch-Leser sehr interessant und wenn Joe erklärt, dass die Dame aller Wahrscheinlichkeit nach geköpft worden ist, muss ich unwillkürlich grinsen. Wie alle anderen Buch-Leser auch, weiß ich, erstens, wer das zweihundert Jahre alte Skelett zu Lebzeiten gewesen ist und zweitens, wer ihr den Kopf abgeschlagen hat. Und bevor man diese Sequenz so richtig realisiert hat, ist sie auch schon wieder vorüber und ich frage mich, ob Nicht-Buch-Leser sie überhaupt richtig wahrgenommen haben und ob sie sich später daran erinnern werden, wenn es notwendig wird.
Habt Ihr es auch gehört? Der Dudelsack ist mit der Wiedervereinigung von Jamie und Claire zurück. Im Abspann wird genau die Version des Jamie & Claire Themes gespielt, das auch schon am Ende von Folge 106 lief, wenn Claire zustimmt Jamie zu heiraten. Was für eine wundervolle Idee von Bear, diese großartige Folge mit dieser wunderbaren Schlussmelodie enden zu lassen.
Toni schreibt in ihren Anmerkungen zum Drehbuch folgende interessante Details:

  • Die Serie, die sich Roger zusammen mit Brianna anschaut, heißt “Dark Shadows” und sie sehen sich gerade die 11. Staffel -Folge 651- an. Witzigerweise wurde diese Episode am 23. Dezember 1968 das erste Mal ausgestrahlt und auch in dieser Folge ist es der 23. Dezember, wenn sich Roger und Bree diese Folge ansehen.
  • Die Szene mit Roger und Brianna im Kreuzgang von Harvard wurde in dem berühmten Kreuzgang der Universität von Glasgow gedreht (Harvard hat übrigens überhaupt keinen Kreuzgang und nur sehr wenig gotische Architektur).
  • Terry hatte die Idee für Claire ein Kostüm mit vielen geheimen Taschen zu entwerfen, in denen sie all die Sachen transportieren und verstecken kann, die sie mit ins 18. Jahrhundert nehmen möchte. Dieses Kostüm bekam im Costum Departement den Projektnamen “Bat Suit”, in Anlehnung an das Superhelden-Kostüm von Batman. Ron hatte, laut Toni, die Idee, dass die Titelmelodie von Batman die Szene untermalen soll, in der Claire ihr Kleid schneidert. Mir hat sowohl die Szene als auch die Musikauswahl sehr gut gefallen.


Wichtige Entscheidungen trifft man nicht binnen Sekunden, sondern sie werden meistens gut durchdacht, es werden alle Pro und Contras aufgeführt und die Situation wird von allen Seiten ausführlich beleuchtet. Schließlich hat man alle Argumente zusammen und kann eine Entscheidungen treffen, die sich für einen selbst richtig anfühlt. Die Serie nimmt diese Art, wie ein Entscheidungsprozess abläuft, auf und gibt Claire über fast eine komplette Folge hinweg alle Zeit der Welt, um sich für ein Leben mit Jamie oder eins mit ihrer Tochter zu entscheiden.
So gerne ich Jamie sehe und so sehr ich Sam Heughans Talent bewundere, bin ich diesmal sehr froh, dass sich die Serienverantwortlichen dafür entschieden haben, in dieser Folge den Fokus auf die Beziehung zwischen Claire, Bree und Roger zu legen. Ich glaube, dass ein Hin- und Herspringen in den Jahrhunderten die Dynamik dieser Folge zerstört hätte. In dieser Episode geht es nicht um die großen Höhepunkte und Wendungen, so wie wir sie es in anderen Folgen gesehen haben, sondern um viele kleine Momente, die sich alle um eine einzelne, aber lebensveränderne Entscheidung drehen: zu gehen oder zu bleiben. Obwohl wir alle bereits wissen, wie sich Claire entscheiden wird und von Anfang dieser Folge, wenn nicht seit Beginn der ganzen Staffel, auf den Augenblick hinfiebern, wenn die Glocke klingelt und wir Jamies Frage “Is that you, Geordie” hören werden, ist es nicht schlimm, dass wir noch ein wenig warten müssen. Jamie und Claire haben zwanzig Jahre auf diesen Moment gewartet, was machen da knappe sechzig Minuten Sendezeit aus? Außerdem ist Claires Entscheidungsprozess so wundervoll emotional und großartig geschrieben und von allen Beteiligten perfekt dargestellt, dass ich sie gerne noch ein bisschen in ihrem Leben ohne Jamie begleite.

Wir sehen, wie schwer es Brianna fällt, nach Hause zu kommen und festzustellen, dass nichts mehr ist, wie es einst war. Besonders an Feiertagen, und vor allem zur Weihnachtszeit (Ist das Haus der Randalls nicht wunderschön geschmückt? Bild 1, Bild 2, Bild 3) fehlen die Menschen, die nicht mehr unter uns sein dürfen, am schmerzlichsten und so ist es kein Wunder, dass sie Frank, den einzigen ihrer beiden Väter, den sie kennenlernen durfte, vermisst. Mich macht es sehr traurig, zu sehen, wie sie liebevoll über Franks Sessel streicht, wie sie an seinen Pfeifen riecht und sich alte Fotos anschaut. Das Frank Theme im Hintergrund unterstreicht diese emotionale Szene noch einmal sehr gut.
Am Anfang dieser Folge erleben wir, wie Brianna mit ihrem Leben hadert, denn seitdem sie im Sommer aus Schottland zurückgekehrt ist, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ihr Leben fühlt sich fremd an, denn sie ist nicht der Mensch, für den sie sich in den letzten zwanzig Jahren gehalten hat. Nachdem Claire ihr die Wahrheit über ihren leiblichen Vater erzählt hat, sind sich Mutter und Tochter zwar viel näher gekommen, als sie es jemals zuvor gewesen sind, aber Brianna hat diese Nähe mit dem Verlust ihrer Identität bezahlt. Ihr Zuhause existiert nicht mehr und sie kann nicht mehr dorthin zurück und einfach so weitermachen, als wäre das alles nicht passiert. Bree braucht eine Pause, wie sie zu Claire sagt. Eine Pause von ihrem Alltag und ihren Verpflichtungen, um sich zu sortieren und neu zu orientieren. Um es mit Claires Worten zu sagen: “You can come back to your life. But it’s never the same.”
Die Unterhaltung, die Roger und Brianna im Bogengang von Harvard führen, soll uns zeigen, dass Roger zu recht Historiker ist, da er sich im Gegensatz zu Brianna für die geschichtlichen Hintergrund der Halle interessiert. Brianna hingegen, obwohl sie auch Geschichte studiert, ist mehr von der Bauweise angetan. Ihr erst oberflächliches Gespräch über Geschichte und Architektur entwickelt sich zu einer philosophischen Unterhaltung, mit der Frage, wer man wirklich ist. Gerade Brianna, dessen Leben in den letzten Monaten komplett auf den Kopf gestellt wurde, strauchelt mit dem, was sie ist und was sie macht. Diese Szene spiegelt sehr gut das wider, was Claire in “Der Ruf der Trommel” zu Jamie sagt:

»Ich bin mir nie sicher gewesen, ob sie wirklich Geschichte studieren wollte oder ob sie es mehr Frank zu Gefallen getan hat. Sie hat ihn so geliebt – und er war so stolz auf sie.«

(Kapitel 21 “Nacht auf dem verschneiten Berg” aus Der Ruf der Trommel by Diana Gabaldon)

Auch setzt diese Szene den Grundstein für Briannas kommende Entscheidung, sich mehr auf das zu konzentrieren, was sie ist und nicht das, was sie dachte zu sein und somit der Geschichte als Studienfach den Laufpass zu geben und sich den praktischeren Dingen des Ingenieurwesens zuzuwenden.

Wenn Roger Claire den Artikel mit dem Burns Zitat “Freedom and Whisky gang tegither” zeigt und ihr offenbart, dass A. Malcom Jamie ist und dass er im vergangenen Jahr vor zweihundert Jahren noch gelebt hat und sie zu ihm zurückgehen kann, sind wir wieder bei der Handlung des Buches angekommen. Allerdings ist Claires Reaktion eine andere als im Buch und anders, als Roger erwartet hat. Sie sagt „I could have lived the rest of my life not knowing.“ und als Erstes muss ich dabei an die ewige Debatte um die Frage, was Frank über Jamie wusste und warum er es Claire nicht erzählt hat, denken. Claires Reaktion zeigt mir, dass Toni verstanden hat, wie Claire mit der Nachricht, dass Jamie Culloden überlebt und auch danach noch weitere zwanzig Jahre gelebt hat, umgeht. Und sie bestätigt das, was ich erst letztens wieder in einem Facebook-Beitrag zu Franks Verteidigung gepostet habe:
“Frank wird immer vorgehalten, er hätte Claire verschwiegen, dass Jamie Culloden überlebt hat. Hat er auch, das ist ein Fakt, aber hat sich einmal jemand gefragt, was seine Motive waren. Boshaftigkeit, Egoismus oder Rache an Claire? V
ielleicht all das, aber vielleicht auch nichts davon, sondern schlicht und ergreifend seine Liebe zu Claire. Er hat genau gewusst, dass sie, solange Brianna noch ein Kind ist, niemals ohne sie, aber auch niemals mit ihr durch die Steine gegangen wäre. Also, was hätte Claire diese Information genutzt? Rein gar nichts! Sie hätte sie  nur noch tiefer in ihre Trauer und Sehnsucht nach Jamie gestürzt, denn zu wissen, dass Jamie lebt, aber nicht zu ihm zu können, hätte sie wahrscheinlich zerstört. Ich denke, dass Frank das gewusst hat, denn Claire ist die Liebe seines Lebens und das tut man seiner Liebe nicht an. Ob das moralisch in Ordnung ist oder nicht, das muss jeder für sich selbst klären, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Frank einfach nur Claire beschützt hat, denn das macht man mit Menschen, die man liebt.”
Wenn wir jetzt sehen, dass die Erkenntnis, Jamie fast greifbar vor sich zu haben, Claire in diesem Augenblick eine Achterbahn der Gefühle beschert, lag Frank meiner Meinung nach mit seiner Entscheidung, Claire nichts von Jamie zu erzählen genau richtig.
Ich kann Claires Angst, die schon fast an Panik grenzt, sehr gut nachempfinden. Sie hat Angst davor, sich für oder gegen Brianna zu entscheiden, Angst davor, durch die Steine gehen müssen, Angst davor, Jamie am Ende doch nicht zu finden oder etwas zu finden, was sie nicht erwartet hat. Am allermeisten ängstigt sie es aber, dass sie jetzt, wo sie weiß, dass Jamie noch lebt und es den Hauch einer Hoffnung gibt, ihn nach all den Jahren der Einsamkeit, Sehnsucht und Trostlosigkeit wieder in die Arme schließen zu können, nicht mehr die Kraft hat, die Mauer um sich herum aufrecht zu erhalten und dass sie ihr Leben ohne ihre Seele nicht weiterleben kann:
„Twenty years ago I shut the door on the past. And it was the hardest thing I have ever done. And when you told me he survived Culloden I began to hope. I can’t go through that again.“
Roger hat mit seiner eigentlich positiven Nachricht innerhalb einer Sekunde Claires komplettes Leben ins Wanken gebracht, so wie sie das Leben von Brianna, als sie ihr von Jamie erzählt hat.

Habt Ihr auf den Dialog in der Fernsehsendung „Dark Shadows“ geachtet, die sich Roger ansieht?  

„She was desperate to be reunited with him, no matter what sacrifices she had to make.“
„Even her life?“
„Yes, Barnabas, even her life. She wanted to be with him that much!“

Der Dialog spiegelt wunderbar das wider, was Claire nach der Offenbarung, dass Jamie in Edinburgh für sie fast zum Greifen nahe ist, fühlt und was sie bereit ist, für eine zweite Chance mit ihm, in Kauf zu nehmen. Etwas, dass sie ganz tief in ihrem Inneren bereits jetzt schon weiß, aber dass sie sich nicht eingestehen kann und will.

Die Szene mit Sandy hat mich zu Anfang sehr gestört, da sie für mich den Rhythmus der Folge unterbrochen hat, weil es doch eine Folge über eine Mutter-Tochter-Beziehung ist und wie diese damit umgehen, Entscheidungen zu treffen, die sie nicht treffen können und wollen. Aber als ich den Kern dieser Episode reflektiert habe, kam mir der Gedanke, dass die Sequenz mit Sandy wohl nicht nur mehr Drama in die Handlung bringen sollte, sondern dass es einen tieferen Grund für Sandy gibt. Ich glaube, dass sie zum einen Claire noch einmal schonungslos vor Augen führt, wie es ist, ein Leben lang den Menschen zu lieben und zu begehren, den man niemals wirklich haben kann. Zum anderen denke ich, dass Sandys Worte “You threw away twenty years with him. I would give anything to have just one more day.” in meinen Augen der Hauptgrund für diese Szene ist, denn auch Claire würde alles dafür geben, um nur noch einmal Jamies Stimme hören zu können, in seinen Armen liegen zu dürfen und von ihm Sassenach ins Ohr gehaucht zu bekommen. Im Gegensatz zu Sandy könnte sie all das haben und nicht nur für einen Tag, sondern für den Rest ihres Lebens, denn Jamie lebt und alles was Claire dafür tun muss, ist durch diese verdammten Steine zu gehen und ihre Tochter für immer zurückzulassen. Ich denke, dass dieser Moment mit Sandy der Moment ist, in dem Claire das erste Mal die Möglichkeit zu gehen, in Erwägung zieht.

In der Szene nach der Gedenkfeier für Frank erleben wir mit, dass die Beziehung von Claire und Bree an einem Punkt angekommen ist, wo die Frage nach Ehrlichkeit keine Rolle mehr spielt, denn noch ehrlicher könnten sie nicht mehr zueinander sein. Bree zweifelt an der Liebe von Frank, da sie annimmt, dass sie ihn immer an Jamie erinnert hat und was Claire darauf antwortet, ist genau das, was Bree hören muss: “You were the one thing that was really important to Frank. Raising you–that was his life’s work, his greatest joy. …I love you for you, Brianna, not for the man who fathered you.“ Und plötzlich wird aus dem Teenager, der gerade sein Studium hingeworfen hat, von Zuhause ausziehen wollte und mit all dem, was in den letzten Monaten auf ihn hereingebrochen ist, verständlicherweise überfordert ist, eine junge, starke Frau: „I love you, but I don’t need you. Not the way I did when I was little.“ Ich habe hier das erste Mal den Eindruck, dass Bree ihr neues, anderes Leben auch ohne Claire meistern kann und wird. Sie ist erwachsen und Claire kann sie beruhigt loslassen, aber das muss sie erst noch verstehen. Claire steht vor einer Entscheidung, die sie nicht treffen kann, denn sich für Jamie zu entscheiden, bedeutet, Brianna für immer zu verlieren. Sich für Brianna zu entscheiden, heißt, das sie für den Rest ihres Lebens nur die Hälfte von dem sein wird, was sie mit Jamie sein könnte. Wie also soll sie diese Entscheidung treffen? Für wen oder gegen wen?

“I had been, in many ways, further than the moon, on an even more impossible journey. And the answer was yes, you can come back to your life. But it’s never the same. But maybe it was enough to have gone once. How many people can ever say they’ve had that?”
(Claire Fraser)

Genau das ist die Entscheidung, die Claire treffen muss. Reicht es für ein Leben – für ihr Leben- aus, die wahre Liebe erlebt zu haben oder ist das Loch in ihrer Seele, das Jamies Verlust hinterlassen hat, tiefer und schmerzvoller als das, das entstehen würde, wenn sie Brianna verlassen würde. In dem Moment, in dem Claire am Fenster steht und in den Nachthimmel schaut, sieht sie nicht den Mond, sondern einen anderen weit entfernten Ort, eine Welt, in der sie schon lange nicht mehr gelebt hat und in der sie einst glücklich gewesen ist. Ich denke, dass Claire in diesem Augenblick für sich das erste Mal, seitdem sie weiß, dass Jamie lebt und sie wieder mit ihm zusammen sein könnte, die Möglichkeit durch die Steine zu gehen, ernsthaft und mit allen Konsequenzen in Betracht zieht und ich finde es wirklich großartig, dass dieser Moment sehr passend mit dem CnD Theme untermalt wird.
Ich bin sehr froh, dass die Serie uns die Möglichkeit gibt, dabei zu sein, wenn Claire und Brianna zusammen diese für Claire unmögliche Entscheidung treffen. Im Buch hat mir diese Option immer ein bisschen gefehlt und ich denke, dass das Gespräch zwischen Mutter und Tochter in “Ferne Ufer” genauso hätte stattfinden können, wie Toni es in ihrem Drehbuch geschrieben hat. Sowohl Claires Hadern mit der Vorstellung Brianna für immer verlassen zu müssen und ihren Schmerz darüber, als auch ihre Zweifel und Angst über das, was sie in der Vergangenheit finden könnte, sind wirklich sehr realitätsnah umgesetzt und für uns alle sehr gut nachvollziehbar.
Habt Ihr euch jemals beim Lesen von Band 3 gefragt, ob Claire einen Plan B gehabt hat und ob sie jemals über die vielen Was wäre wenn“ nachgedacht hat, die ihr bei der Rückkehr zu Jamie hätten passieren können. Ich habe im Buch diesen inneren Dialog von Zweifel immer etwas vermisst und daher finde ich es gut, dass in der Serie einige dieser “Wenns” in dem Gespräch zwischen Claire und Brianna angesprochen werden. Claire sagt zu Bree “What if he’s forgotten me? Or what if he doesn’t love me anymore?” Aber Brianna schlägt Claire mit ihren eigenen Worten und fragt sie: “You told me what you felt for Jamie was the most powerful thing you ever felt in your life. Has that changed?” Um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, für den man brennt und der für einen bestimmt ist, braucht es Mut, Vertrauen und Hoffnung, aber keinen Plan B für die tausend „Wenns“, die stellvertretend für all die Zweifel und Ängste stehen, die uns davon abhalten, unsere Träume nicht nur zu träumen, sondern auch zu leben. Somit hat Claire gar keine andere Möglichkeit, als auf dieses starke und außergewöhnliche Gefühl zu vertrauen, dass Jamie und sie auch durch Raum und Zeit hinweg all die Jahre miteinander verbunden hat und auch darauf, dass Jamie sie niemals aufgehört hat zu lieben. Brianna nimmt Claire schließlich die Entscheidung ab und es stellt sich heraus, dass sie genauso mutig wie ihre Mutter und genauso selbstlos wie ihr Vater ist. Ihre Worte “You owe it to him to go back, and I want you to go. And tell him everything. … You gave Jamie up for me. Now I have to give him back to you.” rühren mich zu Tränen. Bree möchte, dass ihre Mutter glücklich ist und sie weiß genau, dass sie es ohne Jamie niemals wirklich und vollständig sein kann. Sie hat gesehen, was ihre Eltern für sie aufgegeben haben und was es ihre Mutter gekostet hat. Ihr selbstloses Opfer, das sie hier für Claire erbringt, steht dem, das Jamie für Claire und Brianna erbracht hat, in Nichts nach. Zweifellos hat sie die Selbstlosigkeit und die Loyalität ihres Vaters, den Mut und die Stärke ihrer Mutter geerbt un die Summe aus all ihren guten und etwas komplizierteren Eigenschaften (wie die Sturköpfigkeit ihrer Eltern) und die bedingungslose Liebe, die ihr Frank  von Anfang an entgegengebracht hat, machen sie zu diesem wunderbaren Menschen, der sie ist und wir bekommen einen kleinen Ausblick auf die Brianna, auf die wir uns in der nächsten Staffel freuen dürfen.
Die Szene, wenn Claire und Brianna auf der Couch sitzen und über Jamie und Claires Rückkehr zu ihm reden, ist sehr ergreifend und ich könnte den gesamten Dialog zitieren, weil alles, was Claire und Bree zueinander und übereinander sagen, ein wundervolles Bild einer innigen und tiefen Mutter-Tochter-Beziehung zeigt, die am Ende anstatt auf Missverständnissen und Lügen, auf Vertrauen, Verständnis und Ehrlichkeit aufgebaut ist. Es ist sehr rührend, wenn Claire sagt, dass sie nicht bei Briannas Hochzeit dabei sein wird, dass sie sie nicht zum Altar begleiten kann und dass sie nicht mitbekommen wird, wie Brianna ihr erstes Enkelkind in den Armen halten wird. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich als Buch-Leserin weiß, dass es manchmal anders kommt, als man denkt. Ansonsten wäre dieser Moment nur sehr schwer zu ertragen gewesen, denn es wird hier sehr deutlich, was Claire alles aufgibt und wie sehr ihr Herz brechen wird, wenn sie Brianna für immer verlassen muss. In meinen Augen war es von Toni eine sehr gute Entscheidung, Claire verletzlich und unsicher zu zeigen. Ihre Zweifel, ob Jamie sie nach all den Jahren noch attraktiv finden könnte, der kritische Blick in den Spiegel (den wir bestimmt alle nur zu gut kennen) und das Färben ihrer grauen Haare (der Dank geht hier an Miss Clairol) machen sie so unperfekt perfekt und menschlich, denn was wäre unsere Superheldin mit ihrem “Bat Suit” ohne Menschlichkeit. Mal Hand aufs Herz: wer von uns wäre nicht aufgeregt, nervös und unsicher, wenn er seine große Liebe nach langer Zeit wiedersehen würde? Joes Reaktion auf Claires Frage, ob sie in sexueller Hinsicht attraktiv ist, ist einfach großartig.  Apropos Joe: “You still love him?“ … „I never stopped.“ und im Hintergrund läuft das Jamie und Claire Theme. Ich finde, dass jeder einen Freund wie Joe verdient, zu dem man so offen sein kannst, wie es nur irgendwie geht, der einem einen Drink nach einem harten Arbeitstag anbietet, der zu einem “Fuck Fate” sagt und es auch so meint, der einem alles Glück der Welt wünscht und der immer gewusst hat, dass man nur die Hälfte von dem ist, was man eigentlich mit dem richtigen Partner an seiner Seite hätte sein können. So wie jeder einen Patenonkel wie Murtagh braucht, braucht auch jeder einen Freund wie Joe!

Ich mag es, dass Claire ihr “Bat Suit” Kostüm selber näht und dass sie so ganz nebenbei anmerkt, dass sie immer alle Kostüme für Brianna genäht hat. Toni schafft es mit nur einem Satz zu beweisen, dass Claire nicht nur eine Karrieremutter gewesen ist, die nie zu Hause war und die sich nicht wirklich um ihre Tochter gekümmert hat, so wie Frank es ihr in Folge 303 vorgeworfen hat, sondern am Leben ihrer Tochter teilgenommen hat. Wenn Claire ihrer Tochter Ellens Perlen gibt und ihr sagt, dass es die Kette ihrer Großmutter gewesen ist, ist es sehr schön zu sehen, wie gerührt und stolz Brianna ist, diese Perlen als Erinnerung sowohl an ihre Mutter als, und das ist noch wichtiger, an ihren Vater zu haben. Das Jamie und Claire Theme, das im Hintergrund läuft, ist hier mehr als passend.
“The first time I went through, I was terrified. The second time, heartbroken. This time, I want it to be peaceful.“  Dieser Satz rührt mich zu Tränen und Claires Aussage, wie sie die Reise durch die Steine empfunden hat und dass sie diesmal in Frieden gehen möchte, denn sie weiß, dass sie auf der anderen Seite ein Leben nach ihrem emotionalen Tod der letzten zwanzig Jahre erwartet, geht mir sehr nahe. Sowohl Cait als auch Sophie sind hier und auch in allen vorangegangenen Szenen einfach großartig und es herrscht meiner Meinung nach eine besondere Chemie zwischen ihnen.

Als Bree mit Roger am Fenster steht und Claire sich ein letztes Mal zu ihnen umdreht, habt Ihr bemerkt, dass Bree ihr zunickt? Jamie hat Claire auch immer genauso zugenickt, wenn sie sich trennen mussten und nicht wussten, was kommen wird, wie zum Beispiel in Folge 113, wenn Jamie mit der “Watch” Lallybroch verlässt oder in Folge 210, wenn Jamie in die Schlacht von Prestonpans zieht. Wie der Vater, so die Tochter!
Wenn Bree sich nach dem Abschied von Claire in der Küche eine kurze Auszeit gönnt, um sich zu sammeln und wieder zu fassen, erinnert mich das sehr an ihre Mutter, die auch in den furchtbarsten Momenten nicht aufgegeben, sondern mit mutigen Herzen nach Vorne geblickt hat. Auch wenn Brianna gerade glaubt, dass sie Claire für immer verloren hat, wartet ihre Zukunft und ein Teil ihres neuen Lebens im Wohnzimmer auf sie. Ich liebe den Moment, in dem Roger Bree die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens überreicht. Es ist so ein wundervolles und persönliches Geschenk und er hat Claire so aufmerksam zugehört, als sie ihm von Brianna erzählt hat. Bree nimmt den Ratschlag ihrer Mutter, dass Roger “a good one” ist, an und so werden wir Zeuge, wie diese wundervolle Beziehung ihren Anfang nimmt. Bree braucht zwar nicht wirklich einen Mann, aber ich glaube, sie ist sehr dankbar, einen wie Roger gefunden zu haben.
Brianna er
lebt in dieser Folge emotional so viele Höhen und Tiefen, die eigentlich für ein ganzes Leben reichen würden: von Wut und Unsicherheit über ihre neuen Lebensumstände über Angst vor der Zukunft und Zweifel an ihrer selbst bis hin zu ihrer selbstlosen Unterstützung ihrer Mutter. Und all das passiert, während sie dabei ist, eine engere Bindung zu Roger aufzubauen und sich auf die Gefühle für ihn einzulassen. Diese Folge zeigt uns, wie Bree sein kann, wenn sie sich auf das besinnt, was sie ist: eine willensstarke, mutige, einfühlsame und manchmal auch dickköpfige junge Frau. Ich finde, dass Sophie hier ein gutes Porträt von Brianna zeigt und ich habe das Gefühl, dass sie in ihrer Rolle angekommen ist und für die Herausforderungen, die an ihren Charakter in Staffel 4 (und hoffentlich auch in kommenden Staffeln) gestellt werden, bereit ist. Richard hat mich, wie bereits erwähnt, seit der ersten Sekunde in Folge 213 vollsten überzeugt. Ich werde die beiden bis zur nächsten Staffel sehr vermissen und freue mich jetzt schon wahnsinnig auf ihre Reise in eine andere Welt und auf die Abenteuer, die sie dort zu meistern haben.

“When I was small, I never wanted to step in puddles. I couldn’t bring myself to believe that the perfect, smooth expanse was no more than a thin film of water over solid earth. I believed it was an opening into some fathomless space. And if I stepped in, I would drop at once and keep on falling. Even now, when I see a puddle in my path, my mind half halts, when my feet do not. And I hurry on, with only the echo of the thought left behind.
(Claire Fraser)

Ich liebe es, wie wundervoll Toni den Prolog aus “Ferne Ufer” adaptiert hat und auch, wie wunderbar der Übergang vom 20. zum 18. Jahrhundert durch diese kleine, unscheinbare Pfütze gelungen ist. Er ist eine schöne Erinnerung an den Übergang aus Folge 201, wenn Frank Claire beim Verlassen des Flugzeugs in Boston die Hand reicht und diese zu Jamies Hand wird, wenn er Claire vom Schiff hilft, als sie in Le Havre ankommen.
Seitdem Claire in Edinburgh aus der Kutsche gestiegen ist, erscheint sie viel jünger, frischer, natürlicher und sie strahlt eine Zuversicht und Hoffnung aus, die sie seit Jamies Verlust nicht mehr hatte. Es erscheint mir, dass all das Make Up, der Eyeliner, die aufgetürmten und geglätteten Haare ihre Hilfsmittel gewesen sind, um die Mauer um ihr Herz und ihre Seele zu errichten und all die Jahre aufrecht zu erhalten, um den Schmerz, die Trauer und die Hoffnungslosigkeit in sich einzuschließen. Und als sie diese Äußerlichkeiten ablegen, ihre Mauer einreißen und wieder hoffen kann, ist sie nicht mehr nur ein Schatten der Claire, die wir bis Folge 212 gekannt haben. Unsere Claire – Jamies Claire- ist zurück und Gott allein weiß, wie sehr ich sie vermisst habe und wie glücklich ich bin, sie wiederzusehen.
Wenn Claire das Schild an Jamies Druckerei berührt und liebevoll über die Buchstaben fährt, kann man sehen, wie tief ihre Erleichterung ist, Jamie endlich gefunden zu haben. Cait macht einen großartigen Job, wortlos all die Gefühle zu zeigen, die Claire gerade empfindet. Hoffnung, Erleichterung, Freude, Nervosität und auch ein bisschen Angst mischen sich, wenn sie mit langsamen, aber sicheren Schritt die Treppen hinaufsteigt, sich ein letztes Mal das Haar richtet und all ihren Mut zusammen nimmt, um diese Tür, die sie als einzige Barriere noch von Jamie trennt, zu öffnen. Es ist so wunderbar, zusammen mit Claire über die Schwelle gehen zu können und Jamies Druckerei zu betreten. Ich kann sie dabei begleiten, wie sie sprachlos und nervös durch den Raum geht und ich frage mich in diesem Moment, wer von uns beiden aufgeregter ist. Ich teile mit Claire den Moment, in dem ihr der Atem stockt, wenn sie Jamies Stimme das erste Mal seit über zwanzig Jahren hört. Ich spüre ihre Erleichterung, dass Jamie nicht mehr länger eine Hoffnung ist, sondern in dieser Sekunde zur Realität wird und kann verstehen, dass sie nicht weiß, was sie auf Jamies Frage antworten soll. Ich gehe mit ihr zusammen näher an die Balustrade heran und beobachte sie dabei, wie sie mit Freudentränen im Gesicht nach den richtigen Worten sucht, um Jamie zu sagen, dass sie nach all den langen Jahren wieder da ist. “It`s me. Claire!” Die Unsicherheit, die Verletzlichkeit und das leichte Zittern in ihrer Stimme, ihre Mimik und das Jamie & Claire Theme im Hintergrund rühren mich endgültig zu Tränen und ich kann mich vor Aufregung kaum noch halten. Was wird Jamie machen? Was wird er sagen? Wie wird er reagieren? 

Auch wenn Sam in dieser Folge vielleicht gerade mal eine Minute zu sehen ist, komme ich nicht drumherum, seine Leistung auch in dieser Review zu loben. Er kann nicht nur mit seiner umfangreichen Mimik schauspielern, sondern auch mit seiner Wirbelsäule. Verdammt, was kann er eigentlich nicht? Habt Ihr beobachtet, wie seine Wirbelsäule und seine Rückenmuskulatur all die schauspielerische Arbeit machen? Aber auch seine Hände, seine Nackenmuskulatur und seine Atmung machen einen Mörderjob. All das, was Jamie gerade an Emotionen und Gedanken durchlebt, sehen wir durch Sams Körpersprache hindurch. Wenn er Claires “It`s me. Claire!” hört, hebt er voller Verwunderung darüber, ob er gerade seit langer Zeit wieder eine Halluzination hat, seinen Kopf und richtet sich ein wenig auf. Dann realisiert sein Verstand, dass er Claire zwar immer mal wieder gesehen, sie aber niemals mit ihm gesprochen hat. Er dreht sich langsam und sehr unsicher um, weil er immer noch nicht weiß, was er mit dieser Information, die ihm gerade sein Gehör geliefert hat, anfangen soll. Langsam und vorsichtig hebt er den Blick und seine Sorge und die Zweifel an seinem Verstand sind sehr deutlich in seinem Gesicht und seinen zusammengezogenen Augenbrauen zu sehen, denn er weiß nicht, was ihn erwartet. Dann ändert sich Jamies Gesichtsausdruck von Verwunderung und Zweifel in Erkenntnis, dass Claire keine seiner Halluzinationen ist, sondern Realität. Seine Augen werden groß und weit und sein Gesichtsausdruck zeigt ungläubiges Erstaunen darüber, dass die Frau, nach der er sich die letzten zwanzig Jahre seines Lebens gesehnt hat, leibhaftig vor ihm steht. Diese Erkenntnis und all die Emotionen, die mit ihr zusammen über Jamie hereinbrechen, sind einfach zu viel für ihn und er geht vor lauter Schreck zu Boden. Jamie hat in diesen rund sechzig Sekunden nicht ein einziges Wort gesprochen, aber wir haben jede Sekunde an seiner emotionalen Achterbahnfahrt teilnehmen können, allein durch Sams Körpersprache und Mimik. Aber auch Cait ist in dieser Szene fantastisch. Der Ausdruck auf Claires Gesicht, wenn sie sieht, wie Jamie in Ohnmacht fällt, ist unbezahlbar und es ist der wundervollste Cliffhanger, den ich jemals erlebt habe.

Was für eine wunderbare Idee, die Folge genau hier enden zu lassen. Viele, vielen Dank, Toni! Die letzte Szene ist schlicht und ergreifend perfekt. Ich bin wirklich ganz aus dem Häuschen, wie perfekt und vor allem auch unerwartet diese Szene gewesen ist. Ich habe im Vorfeld immer wieder gesagt, dass ich davon ausgehe, dass diese Episode wie folgt enden wird: Claire nimmt die Türklinke in die Hand, drückt diese hinunter und öffnet die Tür ein Stück. Die Kamera zoomt für eine Großaufnahme auf die Türklingel, die zu läuten beginnt und Fade to Black….. Als ich dann die Folge gesehen habe, wusste ich, dass die Folge an der Stelle enden wird, wenn Claire die Tür öffnet, denn die ansteigende dramatische Musik und das offene Ende wären der perfekte Cliffhanger gewesen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich gefreut habe, als die Folge nicht in dieser Sekunde aufgehört hat, sondern erst mit Jamies Ohnmacht. Wahrlich ein Freude das zu sehen und er stürzt wirklich sehr elegant für so einen großen Mann. Wenn diese zwei Minuten schon so großartig sind, dann kann ich es nicht erwarten, in der nächsten Folge eine ganze Folge mit Jamie und Claire im Print Shop verbringen zu dürfen.

 

“Freedom and Whisky”… ob sich Robert Burns` jemals hat vorstellen können, dass diese drei Worte das Leben so vieler Menschen so nachhaltig verändern werden? Mit dem Whisky bzw. dem Land, das man für immer mit Whisky verbinden wird, kommt auch die Freiheit in Claires Leben zurück, was man deutlich an ihrem veränderten Äußeren sieht. Sie ist von all der Trauer und dem Schmerz befreit, Jamie für immer verloren zu haben und auch die Mauer, die sie all die Jahre um ihr Herz gebaut, ist verschwunden. Claire ist frei für ein neues Leben mit Jamie und hat sich bestimmt diese ersten Minuten ihres Wiedersehens in allen Farben und Facetten ausgemalt. Aber Jamie, der an diesem Morgen aufgestanden ist, wie an jedem anderen Morgen in den letzten zwanzig Jahren, hat nicht den Hauch einer Ahnung, wer an diesem Tag seine Druckerei betreten wird. Jamie und Claire haben sich ihr halbes Leben nach dem anderen gesehnt und auch, wenn Jamie morgens noch nicht weiß, was dieser Tag für ihn bereithält, wird sich für beide ein langersehnter Traum erfüllen.

Meine Ehe mit Jamie war für mich gewesen, als drehte sich ein großer Schlüssel, der mit jedem Millimeter das komplexe Zusammenspiel der Federn und Bolzen in meinem Inneren in Gang setzte. Auch Brianna hatte diesen Schlüssel handhaben können; es hatte nicht viel gefehlt, und sie hätte die Tür zu meinem Selbst aufgeschlossen. Doch immer klemmte das Schloss bei der letzten Drehung –bis ich die Druckerei in Edinburgh betreten hatte und sich der Mechanismus mit einem letzten, entscheidenden Klicken gelöst hatte.¨

(Kapitel 6 “Angewandte Hexenkunst” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Der Moment, in dem sie sich in der nächsten Folge das erste Mal nach einer Ewigkeit berühren können, sich küssen können und miteinander reden können, wird ein Feuerwerk werden. Aber nachdem der erste Schock und die erste Freude über das Wiedersehen vorüber ist, stehen Jamie und Claire vor der Herausforderung ein neues Leben mit dem Menschen zu beginnen, der der andere nach zwanzig Jahren ist. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie füreinander und miteinander kämpfen werden, um ihren Weg zueinander zu finden, wie sie es schon immer getan haben. Schon zu Beginn ihrer Beziehung ist da etwas, das weder Jamie noch Claire benennen können, aber das sie tief in ihrem Inneren berührt. Kurz nach ihrer Hochzeit fragt Jamie Claire, ob das, was zwischen ihnen ist, wenn er sie berührt und mit ihr zusammen ist, üblich ist zwischen Mann und Frau. Claire gesteht ihm, dass es oft ähnlich ist, aber das, was zwischen ihnen ist, anders ist. Nach ihrer Hochzeit wachsen sie immer weiter zusammen und Claire wird für Jamie sein Zuhause, der Ort, wo er der Mann sein kann und darf, der er ist. Selbst nach Wentworth gibt Claire nicht auf und sie weiß, dass sie füreinander bestimmt sind, denn ansonsten würde all das, was ihr passiert ist, keinen Sinn machen und sie nimmt Jamie so an und wird ihn so lieben, wie er ist, bedingungslos. In Paris kämpfen beide um ihre Beziehung und egal, was das Schicksal ihnen für Steine in den Weg legt, sie finden immer einen Weg zurück zueinander, weil ihre Liebe größer ist, als das, was das Leben für sie vorgesehen hat. Am Ende ihrer gemeinsamen Reise, kurz bevor Jamie Claire am CnD durch die Steine schickt, verspricht er ihr, dass er sie finden wird, auch wenn es zweihundert Jahre dauern wird. Nach ihrer Trennung leben sowohl Jamie als auch Claire nur ein halbes Leben und beide versuchen, in all den Jahren über den Verlust des anderen hinwegzukommen, aber sie können und werden sich niemals vergessen, denn diese Menge an Zeit existiert nicht und sie werden sich an den anderen erinnern und zwar für immer. Am Ende findet nicht Jamie Claire, so wie er es ihr am CnD versprochen hat, sondern Claire findet ihn, nach zwanzig Jahren voller Trauer, Schmerz und Sinnlosigkeit. Sie ist sein Herz und er ist der Schlüssel zu ihrer Seele und der eine ist ohne den anderen nur ein Schatten seiner selbst. Sie haben etwas gefunden, was eine Rarität ist: wahre Liebe, bei der der eine dem anderen sein Herz und seine Seele schenkt und der andere sein Herz und seine Seele zurück gibt. Und das ist das, was ihre Liebe so einzigartig und selten macht und warum wir alle ihrer Wiedervereinigung so entgegengefiebert haben, denn diese beiden Menschen gehören zusammen und zwar für immer!

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch 

 


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