Review 306: A. Malcom

Episode 306
A. Malcom

Drehbuch: Matthew B. Roberts
Regie: Norma Bailey

„Ye came to me so often.
When I dream sometimes.
When I was in a fever.
When I was so afraid and so lonely, I knew I must die.
Whenever I needed you, I would see ye,
smiling, with your hair curling up around your face.
And ye never touched me.”
(Jamie Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Ron hat zu Beginn der Dreharbeiten der ersten Staffel auf Facebook einen Kommentar gepostet, in dem er geschrieben hat, dass sein Team und er Outlander realisieren und nicht neu erfinden wollen. Genau das ist meiner Meinung nach allen Beteiligten auch in dieser Folge wieder einmal gelungen. Ich verneige mich ein weiteres Mal vor dem Talent und der Leistung von Sam und Cait und dem Rest des Casts und selbstverständlich auch vor allen anderen, die für mich und für alle anderen Outlander-Fans Jamies und Claires Start in ein neue, gemeinsame Zukunft zum Leben erweckt haben.
Mein allertiefster Dank geht an Matt und an sein (fast immer) sehr buchnahes Drehbuch. Ich gehe davon aus, dass er als langjähriger Buch-Leser ganz genau gewußt hat, wie wichtig  Kapitel 24, 25 und 26 für uns Buch-Fans sind und wie hoch das Podest ist, auf dem die Wiedervereinigung von Jamie und Claire steht. Ich bewundere ihn dafür, dass er sich der Herausforderung gestellt hat, für diese Folge das Drehbuch zu schreiben. Meines Erachtens hat Matt diese Herausforderung mehr als gut gemeistert und hat ein wundervolles Drehbuch mit einer Masse an Buchdialogen geschrieben, das in meinen Augen eine echte Liebeserklärung an Dianas Buch “Ferne Ufer” ist.
Meine Erwartungen an diese Folge waren mehr als hoch und nach dem ersten Anschauen musste ich mir eingestehen, dass sie zwar im Großen und Ganzen erfüllt wurden, aber diese Episode für mich leider nicht perfekt gewesen ist, so wie ich es immer gehofft habe. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, was mir gefehlt hat, sondern nur sagen, dass etwas gefehlt hat. Vielleicht war es der geänderte Plot um Willie, vielleicht Jamies fehlender vollständiger emotionaler Zusammenbruch, vielleicht ein fehlender Satz oder vielleicht einfach nur der allerletzte Funke, der gefehlt hat, um bei mir das erwartete emotionale Feuerwerk zu entzünden. Oder aber es war nichts davon, sondern die Folge ist perfekt, nur meine Erwartungen waren so hoch, dass noch nicht einmal alle großartigen Drehbuchautoren der Welt in Zusammenarbeit mit Diana diese hätten erfüllen können. Diesmal habe ich nicht sofort mit meiner Review begonnen, sondern ich habe mir damit Zeit gelassen, um zu reflektieren, ob nun die Folge für das fehlende Stückchen Perfektion verantwortlich ist oder ich selbst. So wie jeder von Euch habe auch ich meine ganz persönliche Vorstellung von einer perfekten Print Shop Folge und ich habe mir schon im Vorfeld ausgemalt, wie sie ablaufen soll. Etwas, das ich schon lange nicht mehr gemacht habe, denn normalerweise lasse ich die Handlung der aktuellen Episode auf mich zukommen und schaffe es meistens, die Serie als das zu sehen, was sie ist und sowohl meine subjektive Buchbrille abzulegen als auch die Checkliste wichtiger Dialoge und Szenen auszublenden. Nachdem ich die Folge ein zweites Mal gesehen habe, ohne Buchbrille und ohne Checkliste, muss ich gestehen, dass ich beim ersten Mal Anschauen in meiner eigenen Print Shop Welt so gefangen und eingesperrt war, dass ich dieser Episode Unrecht getan habe. Sie ist schlicht und ergreifend perfekt, nicht nur durch Sams und Caits einzigartige Performances, sondern vor allem durch Matts wundervolles Drehbuch. Ich weiß nicht genau, warum ich bei dieser Episode in alte Verhaltensmuster zurückgefallen bin, die ich noch zu Beginn der ersten Staffel hatte, als ich noch eine wortwörtliche Verfilmung von Dianas Büchern erwartet habe und oft enttäuscht gewesen bin, wenn die Handlung der Serie nicht hundertprozentig mit der in “Feuer und Stein” einherging. Vielleicht war mein Wunsch so stark, dass die Wiedervereinigung von Jamie und Claire für mich perfekt werden muss, weil ich so lange darauf gewartet habe (ungefähr genauso lange wie Jamie und Claire), diese Szenen in Farbe sehen und Jamies Worte hören zu können. All das, was ich erwartet habe, ist da, ich habe es nur beim ersten Mal nicht gesehen, weil mich meine Buchbrille blind gemacht hat: Jamies und Claires Unsicherheit, ihre Ungläubigkeit, ihre pure Freude, ihre Tränen, ihr Zögern, ihre jugendliches Geplänkel, ihre Nervosität, ihr Verlangen, ihre geflüsterten Liebeserklärungen, all das ist da, nur nicht in Dianas oder in meiner Version, sondern in der Version der Serienverantwortlichen und der Schauspieler. Vielleicht fragt sich der ein oder andere von Euch, warum ich meine Gedanken und meinen Entscheidungsprozess über perfekt oder nicht perfekt so ausführlich erläutert habe. Ich habe das gemacht, weil ich in den Sozialen Netzwerken viele Kommentare von enttäuschten Fans gelesen habe und vielleicht findet sich der eine oder andere in meinen Worten wieder bzw. kann seine eigene Reaktion auf diese Episode durch meine Gedanken besser verstehen.

Es gibt in dieser Folge so viele Parallelen zur Hochzeitsfolge, dass man sie, ab dem Zeitpunkt, in dem Jamie und Claire im Bordell ankommen, getrost “The Wedding 2.0” nennen kann. Die vielen Kerzen, das gemeinsame Essen, um sich näher zu kommen, die beiden Sexszenen und auch der Morgen danach, als sich Jamie seine Stiefel anzieht, während Claire noch im Nachthemd ist, sind eine gelungene Erinnerung an Jamies und Claires Hochzeitsnacht.

Auch in einer Folge, in der es hauptsächlich um Jamie und Claire geht, schaffen es die Serienverantwortlichen trotzdem, neue Charaktere bzw. alte neue, die für den weiteren Verlauf nicht nur dieser Staffel, sondern den noch hoffentlich zahlreichen kommenden, sehr wichtig sind,  erfolgreich vorzustellen. Herzlich Willkommen im Clan Outlander Cesar Domboy und John Bell!
Genauso wie Romann Berrux mich binnen Sekunden für sich eingenommen hat, hat Cesar mit seinem kurzen Auftritt bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn er steht als erwachsener Fergus der jüngeren Version in Punkto Charme und Herzlichkeit in nichts nach. Es ist wirklich schön zu sehen, wie sehr sich Fergus über die Rückkehr seiner Milady freut und wie auch Claire diese Begegnung bewegt. Ich freue mich schon sehr, auf die kommenden Abenteuer, die wir mit Fergus erleben dürfen.

Young Ian sieht viel besser aus, als ich es aufgrund der BTS Bilder oder dem fruchtbaren Promobild, das Starz zum Geburtstag von John Bell veröffentlicht hat, erwartet hätte. Er ist wirklich total knuffig und so unschuldig in seiner Rolle, dass ich nicht anders kann, als über seinen kurzen Auftritt zu schmunzeln und fast vergesse, dass sein Vater gar nicht bei Jamie im Zimmer aufgetaucht ist. Auch wenn Serien-Young Ian nicht annähernd so aussieht, wie mein Buch-Young Ian, vertraue ich auf das Können der Mitarbeiter des Casting-Departments, denn bis dato haben sie mich noch nie enttäuscht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass John Bell das enorme Entwicklungspotenzial seiner Rolle gut meistern wird.
Mr. Willoughby spricht wesentlich besser Englisch, als ich aus dem Buch heraus erwartet hätte. Ansonsten kann ich gar nicht viel mehr zu der Rolle von Gary Young sagen, denn Mr. Willoughby ist einer der wenigen Charaktere in der Buchreihe, der mich eigentlich überhaupt nicht interessiert und der in meinen Augen nur einen einzigen Zweck erfüllt, nämlich, dass Jamie auf der Schiffsreise nicht von seiner Seekrankheit dahingerafft wird. Ich bin sehr gespannt, ob es der Charakter in der Serie schafft, meine Meinung von Mr. Willoughby zu ändern, auch wenn ich seinen Fetisch für Ellbogen noch merkwürdiger finde, als den für Füße, den er im Buch hatte.

Die musikalische Untermalung dieser Folge war dank Bear wieder einmal auf den Punkt. Selbstverständlich darf in einer Folge, in der es hauptsächlich um Jamie und Claire geht, auch das Jamie & Claire Theme nicht fehlen. Jede emotionale Szene zwischen ihnen ist mit ihrem Theme unterlegt und ich liebe es, dass es zu Anfang eher leicht und zurückhaltend daherkommt und je mehr sich Jamie und Claire annähern, desto intensiver und, nach meinem Empfinden, auch fordernder wird die Melodie.
Ich bin wirklich tief von Gary Steeles Arbeit und von der des gesamten Set Departments beeindruckt. Jamies Druckerei wurde mit so viel Liebe zum Detail und vor allem sehr originalgetreu nachgebaut, dass es fast schon eine Schande ist, dass dieses Set nur für diese und die nächste Folge benötigt wird. Gary und sein Team haben bereits während der letzten Staffel begonnen, dieses arbeitsintensive Set zu entwerfen und zu bauen. Ihr müsst Euch unbedingt die Fotos auf der Outlander Community Seite anschauen, auf denen man noch einmal gut sehen kann, wie viel Arbeit in diesem Set steckt (Bild1 & Bild2 & Bild3 & Bild4 & Bild5). Die Druckerpresse ist ein originalgetreuer Nachbau einer Presse aus Jamies Zeit und sie funktioniert wirklich. Sam hat sogar Unterricht genommen, um zu lernen, wie man mit dieser eigentlich neuen, aber trotzdem alten Druckerpresse umgeht. Matt hat im Videobeitrag zu dieser Folge erzählt, dass der Print Shop aus dem Set von Master Raymonds Apotheke entstanden ist und Gary Steele noch eine Etage einbauen musste, da man ja die Druckerei durch eine Treppe in der ersten Etage betritt. Und noch etwas: war die Title Card diese Woche nicht wundervoll? Als ich gesehen habe, was Mr. Malcolm an “Bonnie” gedruckt hat, musste ich über beide Ohren grinsen und ich denke, dass sich Matt dieses Stück Erinnerung an den Print Shop für sein wundervolles Drehbuch wirklich verdient hat.
Noch ein paar Worte zu den Drehorten. Die Außenfassade und die Treppe von Jamies Print Shop (siehe Titelbild) findet ihr in Edinburgh in der Bakehouse Close und ich könnte schwören, dass sich der Eingang zu Madame Jeannes Bordell auch dort, genau gegenüber der Treppe, befindet (siehe Foto rechts).
Die Szene mit den Straßenhändlern, in der Jamie und Claire auf Fergus treffen, ist auch in Edinburgh gedreht worden und zwar in der Tweeddale Court (siehe Foto unten).

 

 

 

 


Wer von Euch an weiterem BTS-Material interessiert ist, der kann hier
und hier sehen, wie aus einem kleinen Gang im Studio die Royal Miles des 18. Jahrhunderts wird. Ich finde es wirklich sehr faszinierend, was man mit der heutigen Computertechnik alles so machen kann.

Schon im Vorfeld haben Gary Steele und auch Maril Davis uns mal wieder eines dieser “Easter Eggs“ versprochen und gesagt, dass es in Jamies Druckerei versteckt sein wird. Ich habe es leider auch nach mehrmaligen Hingucken immer noch nicht finden können, aber ich habe gelesen, dass es in der Szene gezeigt wird, in der Jamie und Claire auf Jamies Bett sitzen und sich die Fotos von Brianna ansehen. Hinter Claire sieht man ein Bücherregal, auf dem eine Ausgabe von Dianas viertem Buch “Drums of Autumn“ liegen soll. Also, wenn Ihr das nächste Mal die Folge anschaut, dann seht mal ganz genau hin und vielleicht seht Ihr mehr als ich!

Nun noch einige Dinge, die ich anmerken möchte, bevor ich zu meiner eigentlichen Rekapitulation der Episode komme:
Erstens hat mich die erste Eröffnungs-Szene, in der Madame Jeanne Jamies Halstuch bindet und ihn sorgfältig und liebevoll ankleidet, wirklich sehr amüsiert. Auch musste ich an die vielen Nicht-Buchleser denken, die bei dieser Szene fast einen Herzstillstand erlitten haben, weil sie denken, dass Jamie eine andere Frau hat und Claire vielleicht eher ungelegen kommt. Ganz so Unrecht haben sie ja auch nicht, zumindest in Bezug auf die andere Frau. Ich habe übrigens zwei Anläufe von Jamie mitbekommen, in denen er Claire von diesem “Problem” erzählen will. Einmal ganz zu Anfang, als sie noch im Hinterzimmer der Druckerei sind und dann noch einmal im Bordell und zwar in dem Dialog, der stattfindet, bevor Jamie Claire zum Frühstück verspeist. Jamie setzt an, um Claire die Wahrheit zu sagen und sie unterbricht ihn mit den Worten “We don’t have to rush it.”. Sie kann Jamie also später (ich schätze mal in Episode 308 “First Wife”) nicht den Vorwurf machen, er hätte es ihr nicht erzählen wollen, denn Claire wollte es gar nicht hören, sondern nur wissen, ob Jamie sich noch einmal in eine andere Frau verliebt hat, nachdem sie gegangen ist und das hat er mit einem sehr sensiblen, zärtlichen und erotischen Hauchen in Form von “No, Sassenach. I never loved anyone but you.” wahrheitsgemäß beantwortet.

Übrigens schade, dass Claire kein Kantonesisch versteht, denn Mr. Willoughby verabschiedet sich nicht mit “honorable wife” von Claire, sondern mit “honorable first wife”, nur Jamie übersetzt es absichtlich falsch. Wir werden schon bald sehen, was aus dem, um es mit Jamies Worten zu sagen,  “I’m not sure it’s even a concern” wird, wenn in zwei Wochen auf Lallybroch die Hölle losbricht und Claire es sicherlich bereuen wird, Jamie mehrfach unterbrochen zu haben. Was ich noch an der Szene mit Mr. Willoughby mag, ist, dass Claire ihm gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich ist und dass sie ihn mit seinem richtigen Namen Ti Tien Cho anspricht.
Als nächstes weiß ich ehrlich nicht,  wie es Hayes und Lesley, die beiden Männer, die zu Beginn der Folge bei Jamie in der Druckerei sind und die Jamie als Mac Dubh aus ihren gemeinsamen Jahren in Ardsmuir kennen, aus den Kolonien wieder zurück nach Schottland geschafft haben, denn wenn ich mich nicht täusche, wäre ihre vierzehnjährige Zwangsarbeit in den Kolonien erst 1770, also in vier Jahren, vorbei. Vielleicht klärt sich das noch im Laufe der nächsten Folgen auf, denn ich denke, dass sie Jamie und Claire nach Jamaika begleiten werden.
Drittens hat mich die Unterhaltung, die Jamie und Claire auf dem Weg zum “World’s End” führen, etwas verwundert. Ich bin zwar sehr an historischem Hintergrundwissen interessiert und freue mich daher über die kurze geschichtliche Unterweisung in das unglückliche und unerfüllte Leben von BPC nach Culloden, aber “Mark Me“, haben Jamie und Claire nach ihrer zwanzigjährigen Trennung nicht viel wichtigere und persönliche Dinge zu besprechen, als BPC.
Viertens frage ich mich, über was ich in der Szene im Bordell mehr schmunzeln muss: über Claires Gesichtsausdruck, als Jamie ihr Madame Jeanne vorstellt oder über den von Madame Jeanne, als Jamie ihr Claire als seine Frau vorstellt.
Fünftens ist Claires “Frühstück unter Huren” (so auch der Titel von Kapitel 26 aus “Ferne Ufer”) wirklich gut gelungen und sehr unterhaltsam. Mich persönlich irritiert es nicht im Geringsten, dass Claire nur in ihrem Nachthemd und mit einer Decke bekleidet am Tisch sitzt. Eigentlich wollte sie nur kurz einen Happen essen und dafür hätte ich mich auch nicht angezogen, schon gar nicht ein komplettes Outfit aus dem 18. Jahrhundert. Dass Claire dann zum Frühstück eingeladen und fälschlicherweise aufgrund ihrer leichten Bekleidung für eine Hure gehalten wird, ist wirklich nicht ihre Schuld, aber äußerst amüsant. Und wisst Ihr, was ich an dieser Szene noch mag? Sie spiegelt die in Jamies und Claires Hochzeitsnacht wider, wenn Claire, nur im Nachthemd bekleidet und mit Jamies Plaid um die Schultern, in den Schankraum geht, um sich ein wenig Essen zu holen.
Zu guter Letzt finde ich es sehr schade, dass diese Folge mit so einem klischeehaften Cliffhanger endet, denn die Serienverantwortlichen haben mit dem Ende von “Freedom and Whisky” bewiesen, dass sie es besser können. Außerdem habe ich so eine Ahnung, dass, anders als im Buch, nicht Mr. Willoughby, sondern Claire für den Tod dieses rätselhaften Mannes verantwortlich sein wird.

Im Vorfeld hat Matt angekündigt, dass für uns Buch-Leser in dieser Folge eine besondere Überraschung als Belohnung für die lange Wartezeit auf uns wartet. So kommen wir also in den Genuss und können Jamie an diesem schicksalhaften Morgen begleiten. Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass wir die ersten Sekunden des langersehnten Wiedersehens sowohl aus Claires als auch aus Jamies Sicht sehen können. Als Jamie an diesem Morgen das Haus von Madame Jeanne verlässt, gut gelaunt die Royal Miles hinunter schlendert, den ein oder anderen Nachbarn begrüßt, das Schild seiner Druckerei putzt und schließlich seiner täglichen Arbeit nachgeht, könnte man meinen, es ist nur ein weiterer ganz normaler Tag im Leben von James Alexander Malcolm MacKenzie Fraser alias Alexander Malcolm. Es fällt mir sofort auf, dass Jamie, um es mit Claires Worten zu sagen, “as dashing as ever“ aussieht und ich muss gestehen, ich finde den Dreispitz und das wollene Tuch, das er anstelle seines Plaids trägt, äußerst sexy. Habt Ihr auch bemerkt, dass Jamies morgendlicher Rundgang musikalisch von dem Lied begleitet wird, das wir das letzte Mal beim Quarters Day auf Lallybroch gehört haben, als Jamie und Claire ihre Pächter als Laird und Lady Broch Tuarach begrüßen. Was uns Bear wohl damit sagen möchte? Vielleicht, dass Jamie in seinem neuen Leben in Edinburgh angekommen ist oder aber, dass er an diesem Tag sein Zuhause zurückbekommen wird. Übrigens ist das Lied ein alter schottischer Folksong und ist die Vertonung von Robert Burns Gedicht  „Comin‘ Thro‘ the Rye“.
Es ist das erste Mal seit Beginn der Staffel, dass wir Jamie als freien Mann sehen und er scheint in seinem neuen Leben als Geschäftsmann angekommen zu sein. Ich habe den Eindruck, dass er es nach Willies Verlust wieder einmal aufgestanden ist und es erneut geschafft hat, nach Vorne zu blicken und sich mit dem, was das Leben ihm bietet, arrangiert hat. In altbewährter Manier hat sich Jamie mit seinem neuen Aufenthaltsort wieder eine neue Identität zugelegt und ist nach Red Jamie, Dunbonnet, Mac Dubh und MacKenzie jetzt A. Malcolm, der Drucker. Gut zu wissen, dass Jamie immer noch ein Verräter ist, denn manche Dinge ändern sich Gott sei Dank nie. Wenn Jamie eine Ahnung gehabt hätte, dass an diesem Tag der Rest seines Lebens beginnt, hätte er an diesem Morgen etwas anders gemacht oder hätte er den Tag genauso begonnen, wie er jeden Tag in den vergangenen Monaten in Edinburgh begonnen hat.
Mir macht es Freude, mit anzusehen, wie Jamie seine tägliche Arbeit verrichtet und ich kann es kaum erwarten, endlich seine Frage “Is that you, Geordie?”  zu hören. Man sieht ihm an, dass in dem Moment, in dem er realisiert, dass Claire wirklich und wahrhaftig vor ihm steht, ihm tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf schießen und noch viel mehr Emotionen auf ihn hereinbrechen.

Es ist einfach zu viel für sein Nervensystem, es braucht bei so viel Input eine Pause und schaltet einfach ab und das beschert uns die wohl anmutigste Ohnmacht der Filmgeschichte. Obwohl Claire bereits Zeit hatte, sich auf die erste Begegnung mit Jamie vorzubereiten, ist auch sie ein nervliches Wrack. Wie mag es erst Jamie gehen, wo er nicht einmal den Hauch einer Ahnung gehabt hat, was an diesem Morgen durch die Tür seiner Druckerei hereinschneit. Sam und Cait zeigen in den ersten paar Minuten sehr eindrucksvoll, welche Bandbreite an Emotionen Jamie und Claire gerade durchleben. Wir können durch Caits Mimik und ihrem Händeringen Claires Unsicherheit und Nervosität sehen, so wie wir durch Sams Augen und Wangenknochen und Adamsapfel an Jamies Angst, Verständnislosigkeit und seine Bemühungen, die Geschehnisse der letzten Minuten zu sortieren und zu verarbeiten, teilhaben können. Als Jamie aus seiner Ohnmacht erwacht, zögert Claire im ersten Moment ihn zu berühren und Jamie zögert, berührt zu werden. Claire ist sich nicht sicher, ob Jamie darüber erfreut ist, sie zu sehen und Jamie ist sich nicht sicher, ob Claire wirklich real ist. Die ersten Worte, die die beiden zueinander sagen, sind eher unromantisch, aber trotzdem für die Situation sehr passend: Jamie sagt “You’re real.” und Claire antwortet: “So are you.” Wenn Claire dann mit tränenerstickter Stimme fortfährt und erzählt, dass sie Jamie all die Jahre für tot gehalten hat, kann man in ihrem Unterton hören, wie sehr sie sein vermeintlicher Tod erschüttert hat. Jamies “Claire.” ist als Antwort nicht minder emotional. In diesem einen Wort liegt seine ganze Sehnsucht und Einsamkeit der letzten zwanzig Jahre und weil Jamie seinen Augen immer noch nicht richtig traut, formuliert er Claires Namen eher als Frage als als Aussage.
Ich habe fast genauso lange darauf gewartet, das alles in Farbe sehen zu können, wie Jamie und Claire auf ihr Wiedersehen und ich bin nicht enttäuscht worden, denn die folgenden Minuten sind wirklich einzigartig, wundervoll und herzerweichend. Die Szene, in der sich Jamie und Claire nach zwanzig langen Jahren das erste Mal wieder berühren und küssen können, ist so buchnah verfilmt worden und enthält so viele Sätzen, die eins zu eins aus “Ferne Ufer” übernommen wurden, dass es für mich als Buch-Liebhaber ein absoluter Genuss ist, zuzusehen und als Sahnehäubchen kommt noch Sams und Caits großartiges Schauspiel hinzu. Es ist so unendlich niedlich, wenn es Jamie im ersten Moment unangenehm ist, seine nasse Hose vor Claire auszuziehen, aber er trotzdem seine Augen nicht von ihr lassen kann, aus Angst, dass sie sich vielleicht doch noch in Luft auflöst, wenn er weg sieht. Claire ist durch Jamies anfänglichen Scham etwa irritiert und nimmt daher all ihren Mut zusammen, um die Frage zu stellen, die sie in dieser Sekunde am meisten beschäftigt, nämlich, ob sie in Jamies Augen immer noch verheiratet sind. Zu ihrer Erleichterung bejaht Jamie ihre Frage, aber wenn ihr genau hinschaut, huscht ein kurzer Anflug von Panik über sein Gesicht. Wenn Jamie Claire nervös und schüchtern, wie ein Teenager beim ersten Date, fragt, ob er sie küssen darf, schmelze ich fast dahin und was dann kommt, lässt mir vor Rührung die Tränen in die Augen steigen:

„Ye came to me so often. When I dream sometimes.
When I was in a fever. When I was so afraid and so lonely, I knew I must die.
Whenever I needed you, I would see ye, smiling, with your hair curling up around your face. And ye never touched me.”

(Jamie Fraser)

Ich liebe Sams Mimik in dieser wundervollen Szene. Jamie sagt mit seinem Gesicht schon so viel, dass Worte fast schon überflüssig sind. Seine krampfhaft zurückgehaltenen Tränen und seine herzergreifenden Worte setzen der ganzen Sequenz noch die Krone auf. Sams Art und Weise diese Zeilen mit Leben zu füllen, machen mich glücklich und berühren mich sehr, denn genau SO habe ich diese Szene immer vor meinem geistigen Auge gesehen. Ich bin sehr dankbar, dass Matt mit diesen Worten eines meiner Lieblingszitate aus der gesamten Buchreihe mit ins Drehbuch geschrieben hat, denn diese wenige Zeilen drücken all das aus, was Jamie in den letzten zwanzig Jahren an Sehnsucht, Einsamkeit und Verlangen nach Claire gespürt hat und es reisst mir wirklich das Herz heraus, wenn ich nur ansatzweise versuche, mir vorzustellen, wie es ist, ein Leben ohne sein Herz leben zu müssen oder versuche, diese unendliche Leere nachzuempfinden, die in ihm gewohnt hat, seitdem er Claire mit ihrem gemeinsamen Kind durch die Steine geschickt hat.

“Do not be afraid. ..There’s the two of us now.” (Jamie Fraser) ist eines der vielen Geschenke, die Matt uns mit diesem Drehbuch macht, denn genau das hat Jamie zu Claire damals in ihrer Hochzeitsnacht gesagt. Ein kleiner Satz, dessen große Bedeutung eigentlich nur die Buch-Leser unter uns verstehen können, denn weder in Folge 106 noch in einer anderen wurde er jemals erwähnt.

Irgendwie habe ich in dieser Szene das Bedürfnis, die Zeit anzuhalten, damit dieser emotionale Moment ewig währt und ich denke, dass es Jamie und Claire ebenso geht. Leider wird dieser wundervolle Augenblick durch Geordie unterbrochen und er erinnert nicht nur uns, sondern auch Jamie und Claire daran, dass all das, was in den letzten Minuten passiert ist, Wirklichkeit ist und kein Traum, denn im wahren Leben dreht sich die Welt auch dann weiter, wenn man es am wenigsten möchte oder braucht.

Wenn Jamie und Claire in das Hinterzimmer gehen, wissen beide immer noch nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Claire ist immer noch sehr nervös, denn sie fummelt permanent an ihrem Ehering rum (an dem, den Jamie ihr gegeben hat) und weiß nicht wohin mit ihren Händen. Aber das breite Lächeln im Gesicht zeigt, dass sie sich wahnsinnig freut, wieder bei Jamie sein zu können. Sowohl Jamie als auch Claire werden immer wieder von ihren Emotionen übermannt und müssen fortwährend die Tränen aus in ihren Augen wegblinzeln. Nachdem Jamie seinen ersten Schock verdaut hat, erkundigt er sich zögernd, fast ängstlich nach ihrem Kind, für das er und Claire all die Opfer der letzten zwanzig Jahre erbracht haben. Wenn Claire ihm den Namen seiner Tochter nennt, kann er endlich nach einer gefühlten Ewigkeit, in der er mehrmals zur Hölle und zurück gegangen ist, den Grund für all das, was er in der Vergangenheit aushalten, erdulden und erleiden musste, beim Namen nennen.
Jamies Reaktion auf die Fotos von Brianna ist anders, als ich sie erwartet habe. Im Buch bricht er weinend in Claires Armen zusammen, wenn er das erste Bild von Brianna sieht und seine Hände zittern so sehr, dass Claire die Fotos für ihn halten muss. Stört es mich nach dem zweiten Gucken noch, dass Jamie nicht in Claires Armen zusammenbricht? Um ehrlich zu sein, ja, noch ein bisschen, weil ich diese Sequenz, die übrigens im Drehbuch steht, immer noch gerne gesehen hätte, aber nicht mehr so sehr, wie beim ersten Mal Angucken. Ich weiß noch nicht einmal, ob diese Szene, wenn Sam sie gespielt hätte und wenn sie in dieser Folge gezeigt worden wäre, überhaupt meine Erwartungen erfüllt hätte, denn ich glaube, dass es schwierig geworden wäre, genau das zu treffen, was ich mir seit zwanzig Jahren ausmale. Daher kann ich mit der Serienversion von Jamies “Zusammenbruch” gut leben, denn, obwohl er nicht sichtbar zusammenbricht, sondern eher still und für sich (etwas was Sam großartig spielt) wird Jamie trotzdem von seinen Emotionen überwältigt, als er von Brianna erfährt. Als Claire sie das erste Mal erwähnt, muss er gegen seine Tränen ankämpfen und als er die Fotos von seiner Tochter in den Händen hält, muss er sich setzen, seine Augen schließen und sich sammeln, um nicht in Claires Armen zu weinen, so wie Buch-Jamie.
Ich hatte beim ersten Anschauen das Gefühl, dass der Moment mit Brianna nicht lang genug gedauert hat und dass dadurch, dass Jamie unmittelbar nachdem er von Brianna erfährt, Claire von Willie erzählt, die Wichtigkeit von Brianna geschmälert wird. Aber diesen Eindruck hatte ich beim zweiten Mal Gucken nicht mehr und ich muss gestehen, dass Willie meiner Meinung nach Brianna nicht die Show gestohlen hat. Jamie schaut sich Bild für Bild an, stellt Claire eine Frage nach der nächsten und hört ihren Erklärungen aufmerksam zu. Erst als er alle Bilder angesehen hat, steht er auf und ringt ein paar Sekunden mit sich, um Claire dann von Willie zu erzählen. Wenn Jamie Claire von Willie erzählt, hat sich Matt fast wortgetreu an Dianas Zeilen aus Kapitel 59 “In welchem vieles ans Licht kommt” gehalten. Jamie hat keiner Menschenseele gegenüber Willie erwähnt, nicht einmal seiner Schwester oder Ian hat er von seinem Sohn erzählt. Als er ihn auf Helwater vor mehr als zwei Jahren verlassen musste, hat es ihm das Herz gebrochen und er hat die ganze Zeit mit dem Schmerz über den Verlust eines weiteren Kindes leben müssen und diesen in sich eingeschlossen. Auch hat es in den letzten acht Jahren, seitdem Willie auf der Welt ist, niemanden gegeben, dem Jamie so sehr vertraut hat, um seine Vaterfreuden und seinen väterlichen Stolz mit diesem Menschen zu teilen und seinen Sohn durch Erzählungen für sich lebendig zu halten. Niemanden außer Claire, die aber all die Jahre nicht bei ihm gewesen ist. Und jetzt, wenn Claire, dieser eine Mensch, dem Jamie mit seinem Herz und seiner Seele uneingeschränkt vertraut, dem er in der Hochzeitsnacht Ehrlichkeit versprochen hat und bei dem er einfach er selbst sein kann, wieder vor ihm steht, überwältigt ihn das Bedürfnis, das erste Mal überhaupt über Willie als seinen Sohn sprechen zu können und zu dürfen. Jamie kann gar nicht anders, als mit Claire seine Gefühle für seinen Sohn zu teilen und er muss ihr sagen, was für ein toller kleiner Junge er ist. Er kann Claire Willie nicht verschweigen, denn er liebt ihn genauso wie ihre beiden gemeinsamen Töchter und er vertraut auf Claires Verständnis und wird nicht enttäuscht. Für mich ist Jamies Bedürfnis sehr gut nachvollziehbar, vor allem, wenn man bedenkt, dass er im Vorfeld mit Claire über seine beiden anderen Kinder, die er niemals in seinen Armen gehalten hat oder aufwachsen sehen konnte, gesprochen hat. Jamie liebt alle seine Kinder gleich, egal ob bereits gestorben oder durch Raum und Zeit von ihm getrennt oder durch andere Umstände für ihn unerreichbar. Und so wie Claire ihn versteht, indem sie fast stolz “and yours“ zu ihm sagt, wenn er von Willie spricht und nicht von ihm verlangt, dass er die Kinder, die sie gemeinsam haben, mehr lieben muss, als das, was er alleine hat, sollten auch wir nicht verlangen, dass er mehr Zeit und mehr Emotionen auf Briannas Bilder verwende, als auf das von Willie. Stört es mich jetzt noch, dass Jamie Claire von Willie erzählt? Nein, weil die Art und Weise, wie Matt diesen Plot in die Handlung eingebaut hat, stimmig ist und genau an dieser Stelle Sinn macht. Wenn ich ehrlich bin, sogar mehr Sinn, als im Buch, denn ich fand es immer irgendwie merkwürdig, dass Jamie Claire niemals von Willie erzählt hat (vor allem nachdem das “Problem“ mit Mrs.Ich-werde-auf-deiner-Asche-tanzen aufgetaucht ist), obwohl es Gelegenheiten genug gegeben hat, denn immerhin sind sie wochenlang zusammen auf einem Schiff gereist. Ich hätte erwartet, dass er es ihr irgendwann von sich aus erzählt. Das Einzige was mich an dieser Szene etwas besorgt, ist die Frage, was das jetzt für die Szene mit LJ und Jamie und Claire auf dem Gouveneursball bedeuten wird, da die Bombe, die LJ im Buch zündet, bereits im Vorfeld von Jamie entschärft worden ist.

Claire hat wortwörtlich alles riskiert, um wieder bei Jamie zu sein und sie hat keinen Plan B in der Hinterhand. Daher ist es eher gut nachvollziehbar, dass sie von dem Moment an, als sie die Druckerei betritt, nach Beweisen sucht, dass Jamie sie nach all der Zeit immer noch genauso will, wie sie ihn und auch dafür, dass er immer noch der Mann ist, den sie einst geliebt hat. Im Laufe dieser ersten Minuten ihres Wiedersehens bekommt sie Beweise in Hülle und Fülle, dass ihre Entscheidung, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und ihre Tochter zu verlassen, richtig gewesen ist. Jamie erkundigt sich nach Brianna und ihre Existenz erschüttert ihn bis ins Mark und er denkt in diesem Moment nicht nur an ihre lebende Tochter, sondern auch an Faith. Jamie ist uneingeschränkt ehrlich zu ihr und erzählt ihr von Willie und er fühlt sich für den Tod von Geneva verantwortlich, obwohl er absolut nichts dazu kann. Jamie erkundigt sich wie Claires Leben gewesen ist, nachdem er sie durch die Steine geschickt hat und fragt, ob sie mit Frank glücklich gewesen ist, auch wenn ihn eine bejahende Antwort sehr verletzt hätte. Er weiß, dass Claire schon immer eine Ärztin gewesen ist und ist stolz auf sie. Jamie vergisst, auch wenn Claire plötzlich nach zwanzig Jahren wie aus dem Nichts vor ihm steht, seine anderen Verpflichtungen nicht und am Ende erfährt sie durch Mr. Willoughby, dass Jamie immer noch andere Menschen vor dem Untergang rettet. All diese kleinen, auf den ersten Blick vielleicht unwichtigen Details, sind für Claire der Beweis, dass Jamie immer noch ihr Jamie ist, ganz egal, ob er James Alexander Malcolm MacKenzie Fraser oder Alexander Malcolm heißt und alles andere ist nicht wichtig, außer die Frage, ob Jamie sie auch wirklich nach all den Jahren immer noch bei sich haben will. Obwohl Jamie sie jedem, den sie an diesem Tag treffen, als seine Ehefrau vorstellt und Claire darüber, dass Jamie sie nach all den Jahren immer noch so sieht, sehr erleichtert ist, ist sie immer noch unsicher, ob sie ihm willkommen ist, so dass sie ihn fragt, ob sie gehen soll. Aber alle Sorgen und Ängste sind vollkommen unbegründet, denn Jamie sagt ihr, dass es für ihn immer schon für die Ewigkeit gewesen ist und dass er niemals jemand anderen außer sie geliebt hat. Claire kann sich am Ende dieser Folge hundertprozentig sicher sein, dass es richtig gewesen ist, alles auf eine Karte zu setzen und zu Jamie zurückzugehen, denn vor ihr liegt ihr zweites Leben zusammen mit dem Mann, den sie niemals aufgehört hat zu lieben und der genauso empfindet wie sie. Aber nicht nur Claire ist sich unsicher, auch Jamie hat Angst, dass er sie wieder verlieren könnte. Er bemerkt zwar, dass Claire die Tatsache, dass er ein Zimmer in einem Bordell hat, sehr suspekt ist und dass sie sich ernsthaft Gedanken darüber macht, wo und vor allem mit wem er in der Vergangenheit geschlafen hat. Aber trotz allem ist er sich immer noch nicht sicher, warum Claire zu ihm gekommen ist und ob sie ihn immer noch um seinetwillen liebt oder nur die Erinnerung an einen Mann, den sie sich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Für Jamie ist es egal, wer Claire in den letzten zwei Jahrzehnten war und ob sie sich sehr verändert hat, denn so wie sie ihm damals nach Wentworth gesagt hat, würde er sie nehmen, so wie er sie bekommt, Hauptsache sie ist wieder bei ihm. Aber wie kann er sich sicher sein, dass auch Claire ihn immer noch bedingungslos liebt und für immer bleiben möchte? So führt Jamies Unsicherheit über Claires Motive und seine Zweifel, ob er ihr genügen kann, unweigerlich zu dem Punkt, an dem Jamie die beiden für ihn zentralen Fragen stellt: “Sassenach Why have you come back? … Do you want me?” Für Jamie ist es sehr wichtig, Antworten auf seine Fragen zu bekommen und zwar bevor er sich öffnet und die Mauer, die er in all den Jahren um sein Innerstes errichtet hat, einreißt. Denn wenn er sich wieder voll und ganz auf Claire und die starken Gefühle, die mit ihr verbunden sind, einlässt, dann gibt es kein zurück mehr, denn so, wie Claire in der letzten Folge zu Roger gesagt, hätte Jamie nicht mehr die Kraft, das alles noch einmal durchzumachen und er könnte es nicht ertragen, Claire erneut zu verlieren. Aber so wie Claires Sorgen und Ängste unbegründet sind, sind es auch die von Jamie, denn sie will ihn, egal, wer er ist und sie will ihn für immer!

Wo diese wichtigen Dinge geklärt sind und jetzt jeder weiß, wie es um den anderen steht, können Jamie und Claire endlich den allerletzten Schritt ihrer Wiedervereinigung gehen. So wie auch schon in ihrer Hochzeitsnacht, ziehen sich Jamie und Claire gegenseitig aus, nur mit dem Unterschied, dass beide noch nervöser und ängstlicher sind, als vor mehr als zweiundzwanzig Jahren. Jeder befreit den anderen Stück für Stück von den Lagen an Kleidung, die sie vor den Blicken des anderen schützen. Wenn beide nach einer Ewigkeit endlich nackt und unbeholfen voreinander stehen, haben sie sich zwar ihrer äußeren Hüllen erledigt, aber die, die ihr Innerstes seit zwanzig Jahren schützen, sind noch da.
Die erste Sexszene ist vom Tenor fast mit der ersten intimen Szene in der Folge “The Wedding” zu vergleichen, denn wir sehen hier pures Verlangen, Leidenschaft und in erster Linie eine körperliche Vereinigung, in der Jamie und Claire ihre langen unterdrückten Sehnsüchte stillen und körperlich diese starken Gefühle der letzten paar Stunden verarbeiten können. Es ist ihr erster Schritt, um wieder zueinander zu finden und so, wie Claire es im Buch beschreibt, habe ich es visuell in dieser Folge wahrgenommen:

“Es war genauso viel Angst wie Verlangen, was mich eng an ihn presste. Ich wollte ihn, kein Zweifel, so sehr, dass meine Brüste schmerzten und ich ein Ziehen in meinem Bauch verspürte bis hinunter zu der schlüpfrigen Stelle zwischen meinen Beinen, die sich unter dem ungewohnten Ansturm der Erregung für ihn öffneten. Doch genauso stark wie die Lust war der unbändige Wunsch, dass er mich überwältigte, meine Zweifel in Hemmungslosigkeit erstickte, mich so entschlossen und so schnell nahm, dass ich mich selbst vergaß.”
(Kapitel 25 “Freudenhaus” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

Jamie und Claire brauchen bei ihrer ersten körperlichen Begegnung keine Zärtlichkeit und können auch auf den anderen keine Rücksicht nehmen. Das Einzige, was wirklich zählt, ist, dass sie hundertprozentig spüren müssen, dass der andere da ist und daher bittet Claire Jamie, nicht zärtlich zu sein. Sie sind sich zwar körperlich nah, aber ihre Herzen und ihre Seelen sind immer noch von einer zwanzigjährigen Mauer aus Trauer, Schmerz, Sehnsucht, Verlangen und unerfüllten Träumen umgeben. Mit jedem fordernden Stoß bricht ein Stein aus dieser Mauer heraus und legt ein Stück ihrer gebrochenen Herzen und ihre zerstörten Seelen frei, bis letztendlich alle Mauern gefallen sind und sie ungeschützt und wirklich nackt vor dem anderen stehen. Sowohl Jamie und Claire haben ihre Augen während ihres Beisammenseins geschlossen, weil sie noch nicht bereit sind, den anderen bis in die Seele gucken zu lassen und auch noch nicht in die des anderen sehen wollen. Mit jedem Stoß, der ihre Mauern bröckeln lässt, setzt sich ein Stück ihrer zerbrochenen Herzen und Seelen wieder zusammen, so dass beide am Ende dieser Szene in ihrem Innersten wieder eins sind. Jetzt sind sie bereit, dass aus zwei Menschen, die jahrelang in einer emotionalen Wüste gelebt haben und die immer nur die Hälfte ohne den anderen gewesen sind, wieder eins werden kann. Was am Ende dieser zwanzigjährigen Trennung bleiben wird, sind die Erinnerungen an eine Zeit ohne den anderen, die wie die Narben auf ihren Herzen und Seelen nach und nach verblassen, aber niemals ganz verschwinden werden. Wenn Jamie mit Claire zusammen seinen Höhepunkt erreicht und “Oh God, Claire.” sagt, liegen in diesen drei Worten so viel Schmerz und Trauer, aber auch Zuversicht und Freude, dass jeder von uns weiß, dass sie gerade ihren Weg zueinander gefunden haben und zwar nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Niemals zuvor hat mich eine intime Szene auf der Leinwand so berührt und in Tränen aufgelöst, so wie diese, denn all das, was ich beschrieben habe, was zwischen Jamie und Claire in diesem Moment passiert, habe ich fühlen und sehen können.
In der zweiten intimen Szene in dieser Folge liegen Jamie und Claire eng aneinander zugewandt im Bett. Der Tenor ist ganz anders, als der aus der ersten Sexszene, in der beide voller Verlangen und Gier zusammengekommen sind. Sie schlafen nicht nur miteinander, sondern sie lieben sich, langsam, zärtlich, liebevoll und sind dabei auf den anderen fokussiert und nicht nur auf die eigenen Bedürfnisse. Sie sehen sich während ihrer Vereinigung tief in die Augen, denn sie sind diesmal bereit, den anderen, so wie früher, in die eigene Seele blicken zu lassen und sind auch stark und mutig genug, dem anderen in diese zu sehen. Nach zwanzig Jahren können sich Jamie und Claire wieder einem anderen Menschen bis in ihr Innerstes öffnen, können einem anderen Menschen wieder alle Geheimnisse anvertrauen und können einfach wieder sie selbst sein. Sie brauchen keine Mauern mehr, denn sie brauchen sich nicht mehr zu verstecken, weil sie ihren Seelenverwandten, den EINEN Menschen, wieder in den Armen halten können. Diese Szene weist in meinen Augen große Parallelen zu der dritten Sexszene aus der Hochzeitsnacht auf, als Jamie Claire die Perlen seiner Mutter gegeben hat. Auch dort haben sich Jamie und Claire das erste Mal geliebt und mit ihren Augen eine Verbindung zu dem anderen aufgebaut.

An dieser Stelle muss ich einmal kurz innehalten, um zu sagen, wie dankbar ich dafür bin, dass Sam und Cait in beiden intimen Szenen haargenau den Tenor aus den Büchern getroffen haben. Es ist wirklich ein Glück für uns Buch-Fans, dass alle Beteiligten Dianas Story so sehr lieben, um für uns das bestmögliche Ergebnis auf die Leinwand zu bringen. Ich habe das Wiedersehen von Jamie und Claire und ihren Weg zurück zueinander beim Lesen genauso empfunden, wie ich es in dieser Episode habe sehen dürfen. Ich habe all die Unsicherheit und Nervosität, all die überschwänglicher Freude, all die Pannen und Missgeschicke, aber auch den Zweifel, das unsagbare Verlangen und die tiefe Sehnsucht aus dem Buch in dieser Folge wiedergefunden. Ich bin sehr froh, dass diese Episode mehr Sendezeit bekommen hat, damit genug Raum und Zeit für alle wichtigen Situationen, die Jamie und Claire erleben, vorhanden ist. Denn angefangen von den ersten Minuten in der Druckerei über das gemeinsame Abendessen im Bordell, gefolgt vom langsamen Ausziehen bis hin zu den intimen Szenen und dem anschließenden Bettgeflüster sind all diese Situationen für Jamie und Claire sehr wichtig und kennzeichnen Stationen auf ihrem Weg, den sie gehen, um am Ende dieser Folge wieder eins zu sein.

Ich mag Claires “Hurry back, soldier.” und auch, dass die Serie hier für Claire diesen besonderen Ausdruck für Jamie gefunden hat. Dieser Satz erinnert mich an die vielen Male, in denen Claire das in den vergangenen Staffeln zu Jamie gesagt hat. Mit diesen Worten hat seine Liebe zu ihr begonnen und jetzt, wo Claire in seinem Leben zurück ist, beginnt etwas Neues, etwas Anderes, aber etwas Besonderes und Unendliches. Habt Ihr auch bemerkt, dass Jamie Claire zunickt, wenn er den Raum verlässt, etwas, das er in der Vergangenheit immer dann gemacht hat, wenn keiner von beiden wusste, was passieren wird, wenn der eine den anderen verlässt. Daher habe ich so eine Ahnung, dass es nicht bei diesem seichten und lieblichen Tenor bleiben wird, denn Outlander wäre nicht Outlander, wenn auf Jamie und Claire in Momenten der größten Freude nicht die nächste Katastrophe warten würde.

 

“Meine Ehe mit Jamie war für mich gewesen, als drehte sich ein großer Schlüssel, der mit jedem Millimeter das komplexe Zusammenspiel der Federn und Bolzen in meinem Inneren in Gang setzte. Auch Brianna hatte diesen Schlüssel handhaben können; es hatte nicht viel gefehlt, und sie hätte die Tür zu meinem Selbst aufgeschlossen. Doch immer klemmte das Schloss bei der letzten Drehung –bis ich die Druckerei in Edinburgh betreten hatte und sich der Mechanismus mit einem letzten, entscheidenden Klicken gelöst hatte.¨
(Kapitel 6 “Angewandte Hexenkunst” aus Ferne Ufer by Diana Gabaldon)

“Time doesna matter, Sassenach. Ye will always be beautiful to me.” (Jamie Fraser), denn wahrer Liebe sind Äußerlichkeiten egal und es scheint so, dass eine gemeinsame Nacht und eine erneute emotionale und körperliche Verbindung fast alle Narben und offenen Wunden bei Jamie und Claire hat heilen lassen. Beide können das Besondere, das Wunder, das Eins-Sein, das, was seit Anbeginn ihrer Beziehung zwischen ihnen ist, immer noch nicht benennen, aber es ist nach all den Jahren der Trennung immer noch da und es ist die Grundlage, auf der ihre Verbindung zueinander, ihre tiefe Seelenverwandtschaft, aufbaut. Solange Jamie und Claire das haben, werden sie immer einen Weg zueinander finden. So wie die beiden wahre und bedingungslose Liebe erleben und leben, so glaube ich daran, dass Liebe alles schaffen kann und dass man mit dem richtigen Partner an seiner Seite, alle Hindernisse des Lebens zusammen meistern kann.

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch 


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