Review 313: Eye of the Storm (Im Auge des Sturms)

Episode 313
Eye of the Storm
(Im Auge des Sturms)

Drehbuch: Toni Graphia & Matthew B. Roberts
Regie: Matthew B. Roberts

I told you I’d never leave you again.
(Claire Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Wer von Euch ist bereit für Droughtlander 3.0? Wahrscheinlich niemand, aber wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass seit Montagabend Droughtlander offiziell begonnen hat. Aber bevor wir jetzt in Verzweiflung geraten, gibt es erst noch meine Gedanken zu diesem Staffelfinale zu lesen, das, genau wie Staffel 3, viel zu schnell vorbei gewesen ist.
Diese Staffel war wirklich eine faszinierende und sehr emotionale “Voyager” und wenn ich mir überlege, das es erst 14 Wochen her ist, dass wir Jamie, dem Tode nahe, auf dem Schlachtfeld von Culloden haben liegen sehen, dann kann ich kaum glauben, dass es ein und dieselbe Staffel ist, die am heutigen Tag geendet hat, denn zwischen dieser ersten Folge und der Letzten ist so viel passiert und so viel geschehen, dass es für mehr als eine Staffel reichen würde. Diese vergangenen dreizehn Folgen haben uns und auch unsere Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise mitgenommen und sie viele Stürme durchleben lassen. Zum einen ist da Frank, der sich bis an sein Lebensende immer auf seiner Reise zu Claire befunden hat und der niemals die Hoffnung aufgegeben hat, dass er sie eines Tages auf emotionaler Ebene erreichen wird und nicht nur der Mann ist, der mit ihr die gemeinsame Tochter aufzieht. Zum anderen ist da Brianna, die sich seit Ende der zweiten Staffel auf einer Reise zu ihren Wurzeln befindet und Claire am Ende freigibt, damit diese zu Jamie zurückgehen kann. Nicht zu vergessen Claire, die nach Jamies Verlust verzweifelt versucht, sich ein Leben ohne ihn aufzubauen und regelmäßig daran scheitert, so dass sie sich nur noch durch eine meterdicke Mauer schützen kann und sich schließlich auf eine Reise durch die Steine begibt, um Jamie, den einen Menschen, der die Macht hat, diese Mauer wieder einzureißen, zu finden. Und last but not least ist da Jamie, der sich ohne Claire auf eine Reise nach dem Sinn in seinem Leben begibt und diesen in seinem Sohn findet, den er auch wieder verlassen muss und nach langen Jahren der Einsamkeit verzweifelt versucht, diese Leere mit zwei Stieftöchtern und einer ungeliebten Frau zu füllen, aber der am Ende feststellen muss, dass niemand außer Claire die Gabe hat, ihn zu einem vollständigen Menschen zu machen.

Alle an dieser Serie Beteiligten, angefangen beim Make-Up-Departement über das Costüm-Departement bis hin zum Set-Departement, haben zu jeder Sekunde ihr Bestes geben und wir haben so viele außergewöhnliche Schauspieltalente gesehen, dass es den Rahmen sprengen würde, all diese Einzelleistungen aufzuzählen, aber Sam, Cait, Tobias, Richard und auch David verdienen in meinen Augen ein ganz besonderes Lob. Die Autoren im Writer`s Room haben uns auf eine fantastische und spannende Reise durch “Ferne Ufer” mitgenommen und haben meines Erachtens, bis auf wenige Ausnahmen, immer den Ton des Buches und vor allem die Charaktere getroffen und ich habe wirklich Hochachtung davor, dass sie es geschafft haben, alle wichtigen Handlungen aus diesem dicken Buch in diese dreizehn Stunden Sendezeit unterzubringen. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Serienverantwortlichen eine große Herausforderung gewesen ist, denn verglichen mit Dianas ersten beiden Büchern, in denen es mehr Momente und charakterliche Entwicklungen, als komplexe Ereignisse gibt, wimmelt es in “Ferne Ufer”, spätestens nach Claires Rückkehr zu Jamie, nur so von Ereignissen und ein Abenteuer jagt das nächste. Den Mut und vor allem auch die Weitsicht und die Erfahrung zu haben, den einen oder anderen unwichtigeren Handlungsstrang zu eliminieren, zu rearrangieren oder mit einer anderen Handlung zu koppeln, das ist in meinen Augen die wahre Kunst ein Buch so zu adaptieren, dass es diesem immer noch gerecht wird. So wie die Handlung im Buch und auch in Staffel 3 uns von einem Abenteuer ins nächste jagt, so hoffe ich, dass mit Staffel 4 wieder ein bisschen Ruhe ins Outlander-Universum einkehren wird und denke, dass die Serienmacher mit der kommenden Staffel auch wieder die Buch-Leser zufrieden stellen können, die sich mit den geänderten Storylines der vergangenen Wochen nicht identifizieren konnten. Denn “Der Ruf der Trommeln” ist wieder ein Buch, das weniger von Ereignissen als von Momenten bestimmt wird und in dem nicht, wie in Band 3, die großen Abenteuer den Zauber ausmachen, sondern es eher die kleinen zwischenmenschlichen Momente sind, die diesen Roman bestimmen. Da sich Jamie und Claire nicht auf einer andauernden Reise befinden, sondern mit Fraser Ridge das erste Mal seit einer Ewigkeit einen festen und bleibenden Wohnsitz haben, wird es den Serienveranntwortlichen bestimmt leichter fallen, die Story noch buchgetreuer zu zeigen.

Diese Folge ist die eines Staffelfinales würdig, denn sie ist die Letzte in einer Reihe von großartigen, wundervollen und atemberaubenden Episoden und ich ziehe meinen Hut vor Matt und Toni, die mit ihrem gemeinsamen Drehbuch, wie auch bereits in Staffel 2, wieder einmal ein Staffelfinale mit einem Feuerwerk aus Emotionen erschaffen haben. Am besten lässt sich die Folge kurz und knapp wie folgt beschreiben: rasant, spannend, dramatisch, emotional und wie immer großartig von allen Beteiligten gespielt. Ich wünschte, die Serienverantwortlichen hätten sich, genau wie am Ende von Staffel 2, für eine überlange Folge entschieden, so dass mehr Zeit gewesen wäre, um allen Plots (und es waren diesmal eine Menge davon) mehr Raum geben zu können. Ich möchte nicht sagen, dass sich die Folge gehetzt angefühlt hat, denn das stimmt nicht, aber es waren so viele Handlungsstränge, die beendet werden mussten und das in einer enorm kurzen Zeit, dass durch das rasante Tempo, in dem die Story erzählt wurde, ich gar nicht die Möglichkeit hatte, die in mir aufkommenden Emotionen auszuleben, sondern direkt schon in der nächsten emotional anspruchsvollen Szene engagiert war. Beim zweiten Ansehen war das schon anders und da ich die Handlung bereits kannte und wusste, was mich als nächstes erwartet, konnte ich meine Gefühle besser genießen und hatte in den richtigen Momenten auch Zeit, diese zuzulassen. Glückwunsch an Matt, der sich das erste Mal in Outlander als Regisseur erfolgreich versucht hat und gerne in Staffel 4 bei weiteren Folgen Regie führen kann, unter der Voraussetzung, dass er das Drehbuchschreiben nicht an den Nagel hängt. Ich liebe es, dass alle Beteiligten so viel Wert auf Kleinigkeiten legen und bis ins Detail alles planen, damit wir Fans das Beste zu sehen bekommen, was möglich ist. Gerade die Liebe der Serienmacher zu Outlander macht diese Serie zu etwas Besonderem, etwas Einzigartigem, einen Stern am Serienhimmel, der immer etwas heller leuchtet, als alle anderen Sterne.
Es gibt in dieser Folge so viele buchnahe Szenen und solche, die zwar ge- und verändert wurde, die aber dem Buchmaterial zu jederzeit gerecht werden und die nicht nur die Nicht-Buchleser, sondern auch die Buch-Leser unter uns begeistern und was in meinen Augen noch wichtiger ist, auch überraschen. Aber trotz des vielen Lobs finden wir in dieser Episode einige Ungereimtheiten, die mich, während ich die Folge geschaut habe, nicht wirklich gestört haben, weil ich so sehr von den Ereignissen gefesselt war, aber die mir dann doch aufgefallen sind, als ich die Handlung für meine Review noch einmal habe Revue passieren lassen (aber dazu später, an geeigneter Stelle mehr).

Ich mag die Momente sehr, in denen die Drehbuchautoren uns an vergangene Szenen erinnern, so wie die Title Card, die direkt in die Anfangsszene übergeht, in der wir Claire wie eine Statue unter Wasser sehen. Diese Sequenz wird mit ihrem VoiceOver „I was dead. Everything around me was a blinding white, and there was a soft, rushing noise like the wings of angels. I felt peaceful and bodiless, free of terror, free of rage, filled with quiet happiness.“ begleitet, übrigens ein wortgetreues Zitat aus Kapitel 63 “Aus den Tiefen”, das Claires Gedanken wiedergibt, wenn sie im Bett bei den Oliviers aufwacht. Das Erste, was mir auffällt, ist, dass die Szene mit dem Faith Theme untermalt ist und mir verschafft es eine außerordentliche Gänsehaut, denn ich weiß, dass diese Szene unter Wasser der Moment ist, in dem Claire fast ertrunken wäre und so wundervoll diese Aufnahmen auch sind, so unglaublich traurig sind sie auch. Ich mag es, dass die Autoren im Writer`s Room beschlossen haben, die letzte Folge dieser Staffel genauso beginnen zu lassen, wie die Erste, nur mit dem Unterschied, dass in Folge 301 Jamie am Rande des Todes steht und es in dieser Folge Claire ist, aber beide Eröffnungssequenzen sind in sich genauso kraftvoll und aussagekräftig in ihren Bildern.

 

Der gesamte Plot zwischen Claire und Geillies auf Rose Hall ist sehr gut gelungen und sowohl Cait als auch Lotte spielen ihren Part sehr überzeugend. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Geillies mit Claire ein sehr gelungenes Katz-und-Maus-Spiel veranstaltet und auch wie Claire sich bemüht, den Anschuldigungen und Befragungen von Geillies zu entgegnen, obwohl sie überhaupt nicht versteht, was Geillies ihr eigentlich vorwirft. In diesem Gespräch wird sehr deutlich, dass, obwohl Claire und Geillies durch das Zeitreise-Gen ein besonderes Band verbindet, der Unterschied zwischen den beiden Frauen, wie sie ihre einzigartige Fähigkeit nutzen, nicht größer sein könnte. Claire ist eine Zeitreisende, die durch einen puren Zufall von ihrer Fähigkeit erfahren hat und ich glaube nicht, dass sich Claire jemals in ihrem Leben Gedanken darüber gemacht hat, warum sie diese Fähigkeit besitzt. Als praktische Person, die sie nun einmal ist, hat sie die Fähigkeit durch die Zeit zu reisen, als einen Teil von sich akzeptiert, aber sie identifiziert sich nicht darüber. Auch hat Claire nicht vor, vorsätzlich in die Geschichte einzugreifen und das eine Mal, als Jamie und sie es versucht haben, sind sie kläglich gescheitert und ich glaube, dass beide spätestens seit dem gescheiterten Jakobitenaufstand wissen, dass man den Verlauf der Geschichte nicht ändern kann. Geillies ist, im Vergleich zu Claire, eine Zeitreisende, die sich ganz bewusst für ihre Zeitreise entschieden und sich durch viele Recherchen darauf vorbereitet hat, wie ihr Notizbuch, das Claire mit ihren kleptomanischen Anwandlungen, damals im Jahre 1968, aus Geillies Wohnung entwendet hat, beweist. Für Geillies ist ihre besondere Fähigkeit nicht nur einfach ein Teil von ihr, sondern sie identifiziert sich voll und ganz mit dem, was sie ist und versucht bewusst und vorsätzlich die Zukunft zu verändern. So wie Claire einfach nur in Ruhe und Frieden mit Jamie leben möchte, so versucht Geillies seit mehr als einem Vierteljahrhundert, Schottland aus den Klauen der Briten zu retten und ihrem Land die Freiheit und den rechtmäßigen König zurückzubringen und würde für dieses “greater good” alles tun und opfern.
Mir gefällt es, wie die Serienverantwortlichen den Handlungsstrang um die Prophezeiung gelöst haben und dass wir Zuschauer durch Claires Geständnis, dass sie wieder in ihre Zeit zurückgegangen ist, damit Brianna in Sicherheit aufwachsen kann, mehr darüber erfahren, wie die Gabaldonische Zeitreise-Theorie funktioniert. Etwas, was in den Büchern immer mal wieder Häppchenweise besprochen wird, aber in der Serie noch nie so explizit thematisiert wurde. Auch wird jetzt wohl allen Nicht-Buch-Lesern klar sein, dass Zeitreise nicht wie ein Aufzug funktioniert, in dem man einsteigt und der einen in eine andere Zeit bringt, sondern dass Zeitreise unberechenbar ist und jede Reise ein Spiel mit dem Leben ist, denn Geillies sagt zu Claire “So you’re claiming you traveled through the stones three times and survived it?” Geillies besitzt wirklich gute Menschenkenntnisse, weil sie Claire nicht glaubt, dass diese Jamie jemals verlassen hätte und ihre Aussage „Not even war could part the two of ye.“ trifft es auf den Punkt. Claire versucht sich zu retten und Geillies Vertrauen zurückzugewinnen und wirft alles, was sie hat in die Waagschale und so gibt sie letztendlich unwissentlich Informationen preis, die Brianna in sehr große Schwierigkeiten bringen könnten. Claire erklärt Geillies, dass sie gehen musste, weil sie schwanger gewesen ist und sagt „I had to. For the safety of my child.“ In diesem Moment, wenn Claire sich an diesen schicksalhaften Morgen vor mehr als zwanzig Jahren erinnert, als Jamie sie durch die Steine zurück in ihre Zeit geschickt hat, können wir in ihrem Gesicht lesen und auch an ihren, mit Tränen gefüllten, Augen sehen, wie sehr sie diese alte Wunde in ihrem Herzen noch immer schmerzt. Obwohl Claire nach all den langen Jahren der Trennung wieder mit Jamie vereint ist, kann sie die Erinnerung an den Moment des Abschieds und die darauf folgenden leeren Jahre ohne Jamie nur schwer zu ertragen und wir dürfen nicht vergessen, dass Claire in diesem Moment nicht weiß, wann und ob sie Jamie jemals wiedersehen wird, weil er kurz vorher von Captain Leonard verhaftet worden ist. Während Claire noch mit ihren Gefühlen und ihrer Sorge um Jamie zu kämpfen hat, ist Geillies gedanklich schon meilen- und jahrhunderteweit von ihr entfernt, weil sie die Verbindung von dem zweihundert Jahre alten Baby, aus der Prophezeiung des Brahan-Sehers, zu Brianna hergestellt hat und sie bereits ihren nächsten Schachzug plant. Übrigens ist Geillies genauso kleptomanisch veranlagt wie Claire, denn sie steckt sich in einem unbeobachteten Moment ein Foto von Brianna ein. Am Ende der Szene, wenn Geillies, nach ihre äußerst creepigen Umarmung, den Raum verlässt und Claire alleine, mit einer Einladung über Nacht zu bleiben, stehen lässt, kann man sehen, dass diese sich immer noch keinen Reim auf das machen kann, was genau Geillies nun von ihr gewollt hat und man kann in ihrem Gesicht förmlich ihren Gedanken “Was zur Hölle ist hier gerade passiert?“ lesen.
Wenn Claire in dem Gästezimmer eingesperrt ist und versucht irgendwie aus dem Raum zu entkommen, hört sie an der Tür ein Geräusch. Sie nimmt einen Kerzenständer in ihre Hand, um den vermeintlichen Eindringling damit eins überzuziehen. Gott sei Dank verfehlt sie dessen Kopf, weil es sich bei dem Eindringling um Jamie handelt. An dieser Stelle finden wir wieder eine dieser Erinnerungen an längst vergangene Folgen, denn so eine ähnliche Szene haben wie schon einmal in der Folge “Rent” gesehen, wenn Jamie es sich, zum Schutz von Claire, vor ihrer Tür versucht bequem zu machen. Mir erschließt sich zwar nicht ganz genau, wie genau Jamie Claire in diesem Zimmer gefunden hat, aber eigentlich ist es ist mir auch egal, solange er wieder bei ihr ist und sie gemeinsam nach Young Ian suchen können.

 

Die Szene mit LJ ist schlicht und ergreifend großartig und reicht mit David Berrys großartiger Interpretation von LJ an Perfektion heran. Die Art, wie LJ mit Captain Lieutenant Leonard redet, ist genau die Art und Weise, wie in der Armee Kompetenzüberschreitungen des eigenen Ranges gehandhabt werden und ich liebe jedes einzelne Wort, das LJ an Captain Lieutenant Leonard richtet und ihn dadurch seinen Platz in der bestehenden Rangordnung in der Armee zeigt. Auch finde ich es sehr amüsant, Jamie in dieser Szene zu beobachten, dessen Blick immer zwischen LJ und Captain Lieutenant Leonard hin und her wandert, so als er ob er ein Tennisspiel beobachten würde, damit er auch nichts von der Konversation verpasst. Ich liebe es, wenn LJ zu Captain Lieutenant “ Your authority ends at the water’s edge….Lieutenant Leonard.” sagt. Es scheint so, als ob LJ Jamie etwas überrascht und es ihn beeindruckt, mit welcher Autorität und mit welchem Geschick sein Freund ihn aus dieser Situation hinausmanövriert, denn die Argumentationskette von LJ ist die eines JAMMF würdig. Das kleine Machtspiel mit Captain Lieutenant Leonard scheint nicht nur LJ und mir Spaß zu machen, sondern auch Jamie ist amüsiert darüber, dass LJ diesen gehörig in die Schranken weist. Aber er enthält sich wohl wissentlich jeglichem bissigen Kommentar und auch verkneift er sich das breite Grinsen der Genugtuung, das sich ganz bestimmt in seinem Inneren ausbreitet, da der Mann, der seine Claire skrupellos geshanghait und ihn dann im Anschluss verhaftet hat, nun seine gerechte Strafe bekommt. Ich liebe es, wenn LJ am Ende, wenn das Gespräch für ihn beendet ist und er Captain Lieutenant mit den Worten “Thank you Lieutenant Leonard.” hinaus beordert, jede einzelne Silbe von “Lieutenant Leonard” betont, um noch einmal glasklar zu machen, wer hinter und wer vor dem Schreibtisch des Gouverneurs steht.
Dieser LJ ist mein Buch-LJ, wie er liebt (das ist kein Tippfehler) und lebt und es ist so großartig ihn in Farbe zu sehen und auch, dass er auch in der Serie allzeit bereit ist, für die Menschen, die er liebt, alles zu geben und zu unternehmen, um sie zu beschützen und zu schützen. Hatte ich schon einmal erwähnt, wie sehr ich diesen Charakter liebe, achte und verehre und wie dankbar ich bin, dass wir mit David einen Schauspieler bekommen haben, der alles das darstellt, was LJ ist: großzügig, loyal, opferbereit, beschützend, freundlich und liebenswert, aber auch stark, durchsetzungsfähig und autoritär. Ich hoffe so sehr, dass Diana LJ endlich in Band 9 einen Partner an seine Seite schreibt, der diesem wundervollen, einzigartigen und großartigen Mann, der in meinem Herzen nur von Jamie in den Halbschatten gestellt wird, würdig ist.
Wenn sich Jamie und LJ verabschieden, dann liegen in der Pause, zwischen LJs “Good-bye, Jamie.” und seinem “And Good luck.” so viele unausgesprochene Dinge, die er liebend gerne zu Jamie sagen würde, wie z. B., dass er sein “True North” ist, dass er der Mann ist, den er bis an sein Ende lieben und begehren wird, dass ich gar nicht glauben kann, dass Jamie es nicht hören kann, weil es doch so offensichtlich ist. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass Jamie und er sich ein einziges Mal in dieser Staffel umarmen, denn ich würde so gerne LJs Gesichtsausdruck sehen, wenn er diesen Augenblick der Nähe zu Jamie genießt und in sich aufsaugt. Der letzte Blick, den er Jamie zuwirft, wenn dieser schon fast den Raum verlassen hat, ist einfach herzerweichend und so voller Sehnsucht, denn er weiß nicht, ob und wann sie sich wiedersehen werden und selbst wenn, dass es niemals die Art von Begegnung sein wird, die in vollends glücklich machen wird. Ich würde am liebsten durchs TV greifen und LJ mal eine Runde in den Arm nehmen, denn ich leide so mit ihm, wie ich es auch immer in den Büchern und ganz besonders in den LJ Romanen mache. Aber glücklicherweise werden sich beide schon bald wiedersehen und ich fiebere dieser Begegnung in Staffel 4 schon sehr gespannt entgegen, insbesondere weil LJ jemand ganz Besonderen für Jamie mit nach Frasers Ridge bringen wird.  

 

In der nächsten Szene sind Jamie und Claire auf der Suche nach Young Ian und treffen dabei auf die Maroons (ich gehe davon aus, dass es sich bei den Menschen, die um das Feuer herum tanzen, genau wie im Buch auch, um entlaufene Sklaven handelt). Wenn Jamie und Claire der Voodoo-Zeremonie fasziniert zusehen, dann liegt es auf der Hand, dass der Tanz der Maroons um das Feuer eine sehr große Assoziation zu dem Tanz der Druidinnen auf dem Craigh na Dun hat. Auch erinnern mich Jamie und Claire, die sich im hohen Gras verstecken, an Frank und Claire aus Folge 101, die auf dem Craigh na Dun beobachten, was dort im Steinkreis vor sich geht. Und für alle die, die von sich aus diese Verbindung nicht hergestellt haben, bringen die Serienmacher den Tanz auf dem Craigh na Dun und den der Maroons bildlich zusammen und ich liebe es, wie das Craigh na Dun Theme mit den afrikanischen Trommeln verschmilzt.
Jamie und Claire treffen bei den Maroons auf Yi Tien Cho, der ihnen erklärt, dass diese von Margarets Fähigkeiten erfahren und sie eingeladen haben und er Margaret begleitet. Auch eröffnet er Jamie und Claire, dass Margaret und er am nächsten Tag Jamaika verlassen werden, um auf Martinique ein gemeinsames Leben zu beginnen. An dieser Stelle können wir sehen, wie wunderbar es die Serienverantwortlichen geschafft haben, Handlungsstränge aus dem Buch neu zu arrangieren und so zu verweben, dass am Ende das gleiche Ziel wie im Buch erreicht wird – Archibald Campbell stirbt durch die Hand von Yi Tien Cho, er und auch Margaret beginnt ein neues Leben -, nur der Weg dorthin ist ein anderer. Ich finde es schön, dass sich Yi Tien Cho und Margaret Campbell gefunden haben, auch, wenn es vielleicht etwas unrealistisch ist, dass sich beide ihrer Gefühle so sicher sind, um zusammen ein neues Leben zu beginnen, aber viele glücklich Beziehung haben mit weniger guten Voraussetzungen begonnene. Ich finde die Sequenz, in der Margaret in Gegenwart von Jamie und Claire eine ihrer Visionen hat, wundervoll, denn sie beweist unseren Protagonisten und auch mir, dass Margaret, nicht wie im Buch unter geistiger Verwirrung leidet, sondern wirklich die Gabe einer Seherin besitzt. Sie sagt zu Jamie “I see you in an orchard of death sown with blood. I see the rabbit.” und zu Claire I see a bird on a windowsill. He sings to you when you are sorrowful, but you hear him.” und ihre Worte erinnern uns und auch Jamie und Claire  an vergangene Zeiten. Wir sehen Jamie, wie er in Folge 301 schwer verletzt und mehr tot als lebendig, auf dem Schlachtfeld von Culloden liegt und den Hasen sieht und wir sehen einen Flashback, in dem Claire in derselben Episode, von tiefer Trauer über Jamies Verlust erfüllt, am Fenster ihres Hauses in Boston steht und einen singenden Vogel beobachtet. Nach diesen Visionen kann keiner der Anwesenden mehr daran zweifeln, dass im Anschluss Brianna durch Margaret spricht, allerdings frage ich mich, ob auch Nicht-Buch-Leser diese Verbindung herstellen können, weil Margaret mit ihrer und nicht, wie im Buch, mit Briannas Stimme spricht.
Der Dreh und der Zusammenschnitt der nachfolgenden Szene, muss sehr knifflig gewesen sein, denn es passieren zeitgleich drei unterschiedliche Handlungsstränge und alles geht so schnell, dass man aufpassen muss, dass man nichts verpasst. Zum einen sind dort Jamie und Claire, denen die Bedeutung des zweihundert Jahre alten Baby bewusst wird und auch, dass Geillies ein Foto von Brianna gestohlen hat und sich ihre gemeinsame Tochter in großer Gefahr befindet. Zum anderen findet die Auseinandersetzung zwischen Yi Tien Cho und Archibald Campbell statt, an deren Ende  Yi Tien Cho diesem das Genick bricht. Und zu guter Letzt sind da noch die Maroons, die um das Feuer tanzen und einen Hahn opfern, dessen Blut der Mann mit dem Krokodilschädel auf dem Kopf trinkt. Auch wird Archibald Campbells Leiche von den Maroons erst malträtiert und dann abtransportiert. Habt Ihr auch bemerkt, dass einer der Maroons die Perücke des toten Archibald auf dem Kopf trägt?


Wenn Jamie und Claire zusammen herausfinden, was die Brahan-Seher Prophezeiung eigentlich meint und dass Brianna in Lebensgefahr schwebt, dann ist es sehr schön, dass sie als Team zusammenarbeiten, um ihre Tochter zu retten. Als Jamie zu Claire sagt, dass sie wieder durch die Zeit gehen muss, wenn ihm etwas passiert, um Geillies aufzuhalten, dann ist das sinngemäß genau das, was er zu ihr im Buch sagt. Ich liebe es, wenn er an dieser Stelle zu Claire sagt:
We lost Faith. We will not lose Brianna.”, denn ich finde es wundervoll, dass die Serie niemals Faith aus den Augen verliert und sie auch nach all den Jahren immer noch ein Teil von Jamie und Claire ist, so wie es im wahren Leben auch mit Kindern ist, die man verloren hat, denn man vergisst sie niemals und sie werden immer in einem weiterleben. Beide besiegeln ihren Pakt, dass Claire im Notfall gehen muss, auch wenn es unklar ist, ob sie dann jemals wieder zurückkommen kann, mit einem Kuss und den allseits bekannten Nicken, das immer dann zum Tragen kommt, wenn Jamie und Claire sich trennen müssen und keiner weiß, was geschehen wird. Wenn Claire, nachdem sie Geillies getötet hat, auf deren Leiche starrt, wird sie, so wie im Buch, von dem Summen des Portals magisch angezogen und sie ist drauf und dran, sich in die Untiefen des Sees und somit durch das Portal zu stürzen. Das Einzige, was sie in die Realität zurückbringt, ist der Moment, in dem Jamie ihre Hand berührt und diese Sequenz ist ein wundervolles Bild für die, im positiven Sinne, Macht, die Jamie über Claire hat und dass eine bloße Berührung reicht, um ihr die Stärke und den Rückhalt zu geben, die sie braucht, um in diesem Fall dem Portal zu widerstehen. Wenn man sich diese kleine, aber doch so kraftvolle Berührung vor Augen hält, dann bekommt jedes einzelne Mal, wenn Jamie seine Hand nach Claire ausstreckt und Claire seine Hand ergreift, eine noch viel tiefere Bedeutung.
Nachdem Jamie, Claire und Young Ian die Höhle Abandawe verlassen haben, ist dieser sehr erleichtert und ich mag seine Aussage „I knew you’d come, Uncle Jamie. But ye left it a bit late, aye?“, die er unter Tränen der Erleichterung beendet, sehr. Während Jamie Young Ian tröstet, steht Claire, die unter Schock steht, neben ihnen und realisiert, dass ihr Joe damals in Boston vor einer gefühlten halben Ewigkeit, obwohl es gerade vielleicht ein bisschen mehr als ein halbes Jahr her sein kann, die Gebeine von Geillies gezeigt hat und sie den Schädel ihrer Freindin (wieder kein Tippfehler), die sie wenige Minuten zuvor aus Notwehr fast enthauptet hat, in den Händen gehalten hat. Meiner Meinung nach haben es die Serienverantwortlichen wunderbar geschafft, die Verbindung von Geillies im Jahre 1767 zu den Gebeinen in 1968 herzustellen und mir hat es wesentlich besser gefallen, als der sehr subtile Weg aus dem Buch. Normalerweise ist Claire immer in der Lage mit den Dingen, die ihr begegnen und passieren, umzugehen und sie kann ihr Schicksal sehr gut alleine bewältigen, aber manchmal ist es auch für sie einfach zuviel und dann ist es gut, dass Jamie für sie da ist, um ihr Mut und Zuversicht zu schenken und sie in seinen Armen immer und zu jeder Zeit einen sicheren Rückzugsort hat. „But first I must hold you both,“ dieser Satz von Jamie treibt mir glatt die Tränen in die Augen und es ist so ein friedvoller Moment der Erleichterung, dass Jamie seinen Neffen endlich wieder unbeschadet in die Armen schließen kann und auch, dass Claire immer noch an seiner Seite und Brianna gerettet ist. Ich liebe es, wenn die Kamera in die Totale fährt und wir alle drei in inniger Umarmung, untermalt mit dem Jamie und Claire Theme, sehen und in mir breitet sich ein Gefühl der friedvollen Dankbarkeit aus und von mir aus hätte die Folge auch hier enden können, denn es fühlt sich gerade so gut und richtig an. Auch liebe ich es, dass uns die Serienmacher mit einer Sequenz von gerade einmal zehn Sekunden zeigen, was Jamies Rolle und seine Bestimmung im Leben ist, nämlich die Menschen, die er liebt und die ihm anvertraut sind, zu beschützen, koste es ihn, was es wolle. Denn Jamie hat nicht nur Young Ian gerettet, sondern er hätte auch Brianna mit all dem, was ihm lieb und teuer ist und was ihm mehr bedeutet, als sein eigenes Leben, beschützt, denn er hätte Claire wieder durch die Zeit geschickt, um Brianna vor Geillies zu retten, auch wenn Claires Verlust ihn diesmal wahrscheinlich umgebracht hätte. Für mich ist es der allergrößte und tiefste Liebesbeweis, den ein Vater seinem Kind erbringen kann und Jamie hat es wirklich verdient, eines Tages seine Tochter zu treffen und sie in den Armen zu halten.
Übrigens weiß ich nicht, ob Ihr es gesehen habt, dass Young Ian die Edelsteine aufgehoben hat, unmittelbar bevor er mit seinem Onkel und seiner Tante die Höhle verlässt und auch Jamie nimmt das Foto von Brianna, das Geillies Claire entwendet hat, wieder an sich. Der liebevolle und auch stolze Blick, mit dem er seine Tochter betrachtet, entschädigt hoffentlich alle die Buch-Leser unter uns, die sich ein wenig betrogen gefühlt haben, dass Jamie in Folge 306 auf Briannas Fotos zu emotionslos reagiert hat.

Nachdem die Rettung von Young Ian bereits nach einer guten halben Stunde stattgefunden hat, habe ich mich gefragt, mit was die Serienverantwortlichen wohl die verbleibenden fünfundzwanzig Minuten Sendezeit füllen werden, bis Jamie und Claire letztendlich an die amerikanische Küste angespült werden. Ich hätte niemals gedacht, dass die Handlung am Ende dieser Staffel Zeit für eine intime Szene zwischen Jamie und Claire lässt, die fast die Hälfte der verbleibenden Sendezeit umfasst. Dieser Moment der seltenen Zweisamkeit zwischen unseren Protagonisten passiert im Buch an einer anderen Stelle, aber genauso und zwar in Kapitel 52 “Eine Hochzeit findet statt”, wenn Jamie und Claire das erste Mal alleine sind, nachdem sie sich nach Claires unfreiwilligen Aufenthalt auf der Porpoise wiedersehen. Diese Szene zeigt, dass wir dem Können und der Weitsicht der Autoren manchmal mehr vertrauen sollten, denn, wenn mich 42 Folgen Outlander eins gelehrt haben, dann, dass wir Zuschauer eine Szene aus dem Buch niemals aufzugeben sollten, bis die Staffel nicht wirklich vorbei ist. Die Erfahrung hat mir mehr als einmal gezeigt, dass die Serienverantwortlichen uns eine Szene oder einen bestimmten Satz nicht vorenthalten, nur weil diese nicht an der Stelle passieren, wo wir Buch-Leser sie eigentlich erwarten. Ich bin sehr zufrieden, dass sich das Tempo der Handlung, in der ansonsten bis dato sehr rasanten Folge, verlangsamt und sich diese wundervolle Szene entfalten kann. Es ist schön, Jamie und Claire so unbefangen miteinander zu sehen, denn es fühlt sich echt und aufrichtig an. Das sind Jamie und Claire, wie wir sie aus den Büchern kennen, die sich zwar aufgrund der Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre und der vergangenen Monate verändert haben, die aber trotzdem im Kern immer noch die sind, die sie einst waren. Dies ist der Moment, in dem sie sich das erste Mal, seit dem Wiedersehen in Jamies Druckerei, unbefangen und ohne Sorgen aufeinander einlassen können. Young Ian ist in Sicherheit und es gibt keine Geheimnisse mehr zwischen ihnen, so wie noch bei ihrem ersten Wiedersehen. Jamie und Claire haben die letzten stürmischen Monate überstanden und können sich jetzt endlich ihrem Neuanfang widmen. Wir sehen, wie sie sich necken und wie Jamie mit Claire flirtet und wie Claire ihm dasselbe zurückgibt, was er ihr entgegenbringt. Ich hätte niemals gedacht, dass der Moment, in dem eine Frau einem Mann mit einem Handtuch Seifenreste aus dem Gesicht wischt, so erotisch sein kann. Was ich wirklich an dieser Szene liebe, ist, dass die Intimität nicht vom Sex ausgeht, denn Sex kann jeder haben, aber das, was Jamie und Claire teilen und was sie verbindet, ist einzigartig und diese Vertrautheit miteinander und mit dem Körper des anderen ist ein Geschenk. Und genau das ist es, was ich an den intimen Szenen aus den Büchern so bewundere, denn auch dort geht es nicht um den eigentlichen Akt, sondern es geht um Gefühle und Wahrnehmungen von Gerüchen, Geräuschen und wie Jamie Claires Körper erlebt und Claire Jamies. Sie könnten in dieser Szene noch viel länger nur miteinander reden, miteinander flirten  und sich berühren und ich wäre der zufriedenste TV Stalker der Welt, denn dieser Moment zeigt ihre unzerbrechliche Verbindung zueinander, in einer Beziehung mit einem neuen und anderem, aber trotzdem tiefen und seelenverwandschaftlichen Verständnis füreinander.

 

Die Sturmszenen auf dem Schiff sind grandios gedreht und zeigen, wie sich eine Naturgewalt in ihrer gewaltigsten Form entfalten kann. Ich liebe es, dass die Sequenzen an Deck größtenteils ohne musikalische Untermalung auskommen und sie nur von den Geräuschen der Naturgewalt begleitet werden: dem Prasseln des Regens, dem Heulen des Windes, dem Tosen des Ozeans, dem Knarren des Schiffes und dem Rufen der Schiffscrew. Ich sorge mich ernsthaft um die Mitglieder der Familie Fraser, die unter Deck vor dem Sturm Schutz suchen, obwohl ich ja weiß, dass ihnen nichts passieren wird, denn Outlander ist nicht Game of Thrones und es werden keine Charaktere getötet, die nicht auch im Buch sterben. Als Claire wieder an Deck gehen will, wo sie doch vorher Young Ian, der lieber seinem Onkel helfen möchte, als nutzlos im Laderaum zu warten, befiehlt, dort zu bleiben, ist seine Reaktion in Form von Well, where are you going, Auntie?” eine sehr berechtigte Frage. Claire antwortet “I’m still the ship’s surgeon!” und ich denke wieder einmal, dass ihr vehementes Festhalten an ihrem hippokratischen Eid nicht immer die beste Wahl ist, denn was kann sie denn um Himmelswillen an Deck bei diesem tosendem Sturm ausrichten, außer über Bord gespült zu werden. Der Moment, in dem der Mast bricht, ist besorgniserregend und die ankommende Monsterwelle, der Jamie und Claire entgegensehen, wenn sie über die Reling schauen, ist furchteinflössend und Jamies Gesichtsausdruck, wenn er bemerkt, dass diese Welle Claire über Bord gespült hat, ist angsterfüllt.
Die folgenden Szenen enthalten eigentlich so viele Ungereimtheiten und so viele Unwahrscheinlichkeiten, dass ich in jeder anderen Serie mehrfach die Augen verdreht hätte, aber mir sind sie beim Anschauen dieser Folge wirklich nicht aufgefallen und erst im Nachhinein, als ich über die eine oder andere Sequenz nachgedacht habe, ist mir bewusst geworden, wie unglaubwürdig die Darstellung, angefangen bei Jamies Rettungsaktion bis hin zum Überleben der Fraser, eigentlich ist. Jamie und Claire hätten niemals diesen Sturm, nur mit einem Stückchen Holz als Schwimmhilfe, überleben können, denn auch wenn sie sich zeitweise im Auge des Hurrikans, in dem es ja bekanntlich windstill ist, befinden, wäre dieser doch irgendwann über sie hinweggezogen und sie wären wieder mitten im Geschehen gewesen. Auch hätte Claire niemals solange ohne einen einzigen Atemzug überleben können, wenn wir davon ausgehen, dass sie das erste Mal wieder am Strand atmet. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jamie Claire in dieser tosenden See unter Wasser hätte finden können? Ich denke in etwa so hoch, wie durch einen Stein zufällig in die Vergangenheit zu reisen und dort die Liebe des Lebens zu finden. Aber genau das ist der springende Punkt: wenn Diana uns glauben lassen kann, dass solche Dinge passieren, warum kann die Serie uns dann nicht glauben lassen, dass Jamie und Claire wie durch ein Wunder dieses Schiffsunglück überlebt haben. So unglaubwürdig die Handlung am Ende dieser Folge auch ist, so sehr kaufe ich es den Serienverantwortlichen ab, weil sie mich so sehr in das Geschehen involvieren, dass ich beim Zuschauen jegliche Gesetze der Logik vergesse und ich finde, das zu schaffen, ist wirklich eine großartige Leistung von Seiten der Serienmachern.
Nachdem Claire über Bord gespült wurde, sehen wir die Szene, die schon zu Beginn dieser Folge gezeigt wird: Claire unter Wasser, verheddert in die Seile des gebrochenen Masts, der sie immer weiter in die Tiefen des Ozeans zieht. So furchtbar und erschreckend dieser Moment auch ist, so wundervoll und einfühlsam ist er gefilmt und ich kann nicht anders, als Matt, der als Regisseur für die Art und Weise, wie diese Szene umgesetzt wurde, zu bewundern. Und auch diesmal bekomme ich aufgrund von Claire VoiceOver „I was dead. Everything around me was a blinding white, and there was a soft, rushing noise like the wings of angels. I felt peaceful and bodiless, free of terror, free of rage, filled with quiet happiness.“ (ja, ich weiß, dass ich das VoiceOver bereits am Anfang meiner Review schon einmal zitiert habe, aber es ist so erschreckend wundervoll, dass ich es einfach noch einmal machen muss) und dem Faith Theme eine Gänsehaut. Auch die nachfolgenden Aufnahmen, wenn Jamie zu Claire taucht, sie mit seinem Dolch von den Seilen befreit und ihr auf dem Weg an die Wasseroberfläche seinen letzten verbliebenen Atmen schenkt, sind großartig. Können Sam, Cait und Matt bitte für die großartigste und berührendste Unterwasser-Szene aller Zeiten einen Golden Globe und einen Emmy bekommen?
„Damn you, Sassenach, if you die here now, I swear I’ll kill you!„, dieser Moment, wenn Jamie Claire, die immer noch bewusstlos ist, auf ein Holzstück hievt und ihr das Haar aus dem Gesicht streicht, damit er ihr Gesicht sehen kann und sich voller Verzweiflung zu ihr beugt und weint, ist so herzerweichend, dass ich nicht anders kann und auch weinen muss. Die Kamera zoomt, begleitet vom Jamie und Claire Theme, langsam aus der Nahaufnahme heraus und wir sehen, wie unsere Protagonisten auf dem weiten, weiten Ozean treiben. Dann zoomt die Kamera weiter und weiter aus dem Bild, so dass wir letztendlich feststellen, dass sich Jamie und Claire wortwörtlich im Auge des Sturms befinden. Ich bin von dieser Kameraeinstellung wirklich überwältigt und mich macht diese grandiose Idee absolut sprachlos, denn ich hätte niemals damit gerechnet, dass Jamie und Claire sich in “Eye of the Storm” wirklich in diesem wiederfinden werden. Die Überleitung vom Auge des Hurrikans zu dem drehenden Wasser in einer Pfütze am Strand, ist wirklich gut gelungen. Als nächstes sehen wir, wie Jamie an Land erwacht und diesen nach Claire absucht, die nur wenige Meter von ihm entfernt im Sand liegt. Er streicht ihr das Haar aus dem Gesicht und küsst vorsichtig und zärtlich ihre Wange, im Glauben, sie sei tot. An dieser Stelle bin ich wirklich außerordentlich dankbar, dass ich als Buch-Leser weiß, dass Claire es nicht ist, weil ich ansonsten, in den wenigen Sekunden, die es noch dauert, bis sie mit einem Husten erwacht, mich zu Tode geweint hätte und ich dann niemals diese unsagbare Freude und Erleichterung auf Jamies Gesicht hätte sehen können. Auch hätte ich Claires längst überfällige verbale Erklärung, non-verbale gab es in den vergangenen zwei Folgen in meinen Augen schon genug, dass Jamie und sie unzweifelsfrei zusammengehören, in Form ihrer Aussage „I told you I’d never leave you again.“ verpasst. Die Oliviers erreichen Jamie und Claire und Mr. Olivier sagt ihnen, dass die Artemis vier Meilen entfernt, auf einer Sandbank auf Grund gelaufen ist und sich die Menschen vor Ort um die Überlebenden kümmern. Dann stellt er sich und seine Familie vor und Jamie nennt ihm seinem Namen und wenn er Claire als seine Frau vorstellt, dann liegt in seinem Blick, mit dem er sie ansieht, wenn er “...and my wife Claire.” sagt, all die Liebe und Hingabe, die er für sie empfindet und manchmal sagt ein Blick mehr als tausend Worte. Das Einzige, was mir in dieser Szene nicht ganz klar wird, ist, warum sich Jamie und Claire freuen, dass sie in Amerika sind, wo sie doch eigentlich nach Schottland zurücksegeln wollten. LJ hat, nach Claires Aussage auf der Artemis, dafür gesorgt, dass der Haftbefehl, der gegen Jamie in Schottland besteht, aufgehoben wird. Daher kann Jamie, anders als im Buch, unbehelligt nach Schottland zurückkehren kann und somit besteht eigentlich in der Serie für die Frasers keine Notwendigkeit, sich eine andere Heimat zu suchen und ich bin gespannt, wie die Serienmacher in Staffel 4 ihr Bleiben in Amerika erklären werden.
Nachdem die ersten Fragen, die Jamie und Claire beschäftigen, beantwortet sind, lassen sie ihren Gefühlen freien Lauf, Da ich es immer noch nicht ertragen kann, Jamie weinen zu sehen, auch wenn es diesmal Tränen der Dankbarkeit, der Freude und der Erleichterung sind, weine ich aus Solidarität einfach ein bisschen mit. In diesem Augenblick scheint für Jamie und Claire die Zeit still zu stehen und die Welt um sie herum hat aufgehört zu existieren, denn sie haben nur noch Augen füreinander. Die Oliviers sehen, dass die beiden im Moment nichts mehr als sich brauchen und ziehen sich diskret zurück und wenn Ihr genau hinschaut, dann könnt Ihr sehen, dass Mr. Olivier eine kleine Geste in Richtung Jamie macht, die so viel heißen soll, wie, dass sie sich alle Zeit der Welt nehmen sollen, die sie brauchen. Mich rührt der Anblick von Jamie und Claire sehr, wie sie sich am Ende dieser Folge weinend in den Armen liegen und sich so fest umarmen, dass Claires „I told you I’d never leave you again.“ noch mehr Bedeutung gewinnt, denn es sieht wirklich so aus, als ob sie sich niemals wieder loslassen werden. Ich habe mir in den vergangenen Folgen an der einen oder anderen Stelle gewünscht, dass Claire ihre Liebe zu Jamie und ihren Wunsch, für immer bei ihm zu bleiben, in Worte fasst, aber ich habe es akzeptiert, dass sie ihre Liebe zu Jamie eher non-verbal und durch ihre Taten zeigt. Mal ehrlich, wer braucht noch große Liebesschwüre, wenn man die beiden in dieser Szene sieht. Am Ende einer langen und abenteuerlichen Reise haben Jamie und Claire nicht nur einen Hurrikan überlebt, sondern auch den Sturm in ihrer Beziehung, der durch ihre zwanzigjährige Trennung und den damit verbundenen Ereignissen hervorgerufen wurde und sie sind endlich dort angekommen, wo sie hingehören: in die Arme des Menschen, der sie erst zu einem Ganzen macht. Es macht mich sehr glücklich, dass aus zwei verlorenen Seelen, die zwanzig Jahre lang immer nur ein halbes Leben gelebt haben, endlich wieder eins geworden ist. Die Luftaufnahme, als letzte Einstellung in dieser Folge und Staffel, mit dem Craigh na Dun Theme als musikalische Untermalung, ist atemberaubend schön (mein Dank geht an die neue Technik der Drohnen) und sorgt jedes Mal, wenn ich mir diese Szene anschaue, für eine gehörige Portion Gänsehaut und Tränen der Rührung in den Augenwinkeln. Das Ende dieser Staffel, und ganz besonders die letzten paar Sekunden, erinnern mich sehr an das Staffelfinale von Staffel 1, wenn Jamie und Claire in eine neue Zukunft in Richtung Frankreich segeln. Auch finde ich es eine wundervolle Idee, dass alle bis dato gezeigten Staffeln mit ein und derselben Melodie enden, nämlich mit dem Craigh na Dun Theme.

 

Wenn Jamie sich am Ende von “Ferne Ufer” das erste Mal seit langer, langer Zeit wieder mit seinem richtigen Namen “James Fraser” vorstellen kann und sich nicht mehr verstecken muss, sondern für sich und seine Frau Claire einen sicheren Ort gefunden hat, an dem sie ihren Neuanfang beginnen können, erfüllen mich diese letzen Worte

»In diesem Fall, Ma’am«, sagte er, »ist mein Name Jamie Fraser.« Dann blickte er mich an; seine blauen Augen leuchteten wie der Himmel in seinem Rücken, und sein Herz schlug kräftig im Inneren meiner Hand. »Und das ist Claire«, sagte er. »Meine Frau.«
(Kapitel 63 „Aus den Tiefen“ aus „Ferne Ufer“ by Diana Gabaldon)

aus Band 3 immer mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit. Genau dieses Gefühl habe ich auch, wenn ich Jamie und Claire in der Serie auf dem Sand sitzen sehe, wie sie tief in ihre Umarmung versunken sind und nichts brauchen, als den anderen zu spüren. Sie haben keine Ahnung, was alles noch auf sie zukommen wird und wie viele Stürme sie noch überstehen müssen, aber egal, was kommen mag, sie werden es zusammen meistern. Wir haben noch viele Monate Droughtlander vor uns, aber am Ende dieser Staffel können wir uns das erste Mal, seit Anbeginn der Serie, gemütlicher zurücklehnen. Wir müssen uns nicht permanent fragen, was aus Jamie und Claire wird, denn diesmal ist ihre gemeinsame Zukunft nicht vage, wie am Ende der ersten Staffel, wenn Jamie mit den Geschehnissen in Wentworth zu kämpfen hat und wir nicht wissen, ob er jemals über das, was BJR ihm angetan hat, hinwegkommen wird und ob er mit diesen Erinnerungen weiterleben kann. Auch liegen zwischen Jamie und Claire, so wie am Ende von Staffel 2, keine zweihundert Jahre und die Eventualität, dass Jamie nicht mehr am Leben sein könnte, sondern Jamie und Claire sind am Ende dieser Staffel zusammen und das nicht nur, weil sie sich in Gegenwart des anderen befinden, sondern auch, weil ihre Seelen wieder eins sind. Nach all dem, was sie in den letzten dreizehn Folgen erlebt und durchgemacht haben, wie sie zwanzig Jahre lang ohne den anderen nur ein halbes Leben gelebt haben, wie sie sich wiedergefunden und fast wieder und diesmal für immer verloren hätten und was sie für den anderen aus Liebe geopfert haben, das alles lässt keinen Zweifel daran, dass sie jetzt endlich dort angekommen sind, wo sie hingehören und wir können uns vorstellen, dass sie ihren Weg von diesem Strand in ein neues gemeinsames Leben ohne Zweifel und “Wenn und Aber” finden, bis wir sie das nächste Mal wiedersehen werden. Ab der nächsten Staffel beginnt eine neue und andere, aber genauso wundervolle Episode im Leben von Jamie und Claire, denn es geht nicht mehr darum, sich zu verlieben oder um diese Liebe zu kämpfen oder um einen Weg zueinander zu finden, sondern es geht um Jamie und Claire als Paar und darum, wie diese Liebe auch nach vielen, vielen Jahren immer noch zwischen ihnen ist und auch das, was beide nicht benennen können, immer noch da ist, sich niemals im Laufe der Zeit geändert hat und auch nicht ändern wird. Es geht darum, mit dem Menschen, dem man über alles liebt, glücklich und zufrieden zusammenzuleben und die kleinen Katastrophen und die großen Stürme des Alltags gemeinsam zu meistern und dabei niemals die Achtung vor dem geliebten Menschen zu verlieren und auch niemals den Glauben an diesen und das Vertrauen in diesen. Es geht um eine lebenslange Beziehung, die nie ihren Zauber verliert und um die Geschichte, wie sich zwei Menschen, die nur zusammen vollständig sein können, ein gemeinsames Leben aufbauen und glücklich bis an ihr Lebensende zusammenbleiben. Jamie und Claire sind das Herz von Outlander und die Geschichte ihrer Liebe ist der Magnet, der uns immer und immer wieder zu den Büchern zieht, so wie die Motten vom Licht angezogen werden. Diese beiden Menschen sind der Grund, dass wir daran glauben und auch hoffen, dass es die Möglichkeit dieser einen Liebe gibt, die so ist, wie sie sein soll. Vor mehr als zwanzig Jahren hat mich dieser Glaube an das Besondere auf eine lange Reise geschickt, an deren Ziel ich glücklicherweise noch lange nicht angekommen bin und so wie ich mich damals in Jamie und Claire und in das, für das dieses Paar steht, verliebt habe, habe ich mich auch in die Story verliebt, die uns beide in der Serie erzählen. Ich bin so unendlich dankbar, dass alle Beteiligten meine Lieblingsbücher zum Leben erweckt haben und mich immer wieder aufs Neue überraschen und fordern. So lange Diana Jamie und Claires Geschichte erzählt, so lange werde ich weiter auf diesem Weg wandern und bestimmt auch noch über den Tag hinaus, an dem ich das allerletzte Wort in dieser wunderbaren Buchreihe lesen werde, denn Outlander ist zeitlos und immer wieder lesenswert. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass mich auch die Serie noch viele Jahre begleiten wird und dass mit Staffel 4 noch lange nicht Schluss ist. Eines der großartigen Dinge an der Verfilmung meiner Lieblingsbücher ist, dass ich durch die Serie so viele wundervolle Menschen kennengelernt habe, die mich seitdem auf meinem Weg begleiten und ich bin sehr dankbar, dass ich nicht mehr alleine gehen muss. Die Fife-and-Drum Musik im Abspann von Folge 313 stimmt uns auf die Neue Welt ein, in der wir Jamie und Claire in der nächsten Staffel wiedersehen werden. Jes suis prest für die kommenden Abenteuer der Frasers und je suis prest (aber nur ein bisschen) für Droughtlander 3.0, denn in Gesellschaft zu warten, ist immer leichter als alleine!

@ Yvonne Pirch

P.S.: Ich bedanke mich bei allen, die jede Woche aufs Neue meine Gedanken zu Outlander gelesen und die mir mit viel Lob und vielen wunderbaren Worten das Schreiben versüßt haben. Ich bin sehr stolz darauf, eine solche großartige und besondere Leserschaft in Euch gefunden zu haben. Danke!


Inside the World of Outlander Folge 313
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 313
Podcast 313

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