Episode 406: Blood of my Blood (Blutsbande)

 

Episode 406
“Blood of my Blood”
(Blutsbande)


Drehbuch:Shania Fewell
Regie: Denise Di Novi

„So was I.“
(Lord John)


ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.


Wieder ist eine Woche vergangen und in dieser Folge dürfen wir mit Shania Fewell erneut eine neue Drehbuchautorin im Writers Room begrüßen. Zusammen mit der Regisseurin von “Savages”, Denise Di Novi, hat sie eine Episode kreiert, die den Vorangegangenen in Punkto wundervollem Storytelling in nichts nachsteht. Auch diese Woche ist das Erzähltempo langsamer, als wir es von so manchen Outlander Folgen gewohnt sind und diese Episode bietet viel Raum für Charakterszenen, etwas, das ich besonders an Outlander liebe. Obwohl Jamie und Claire nicht der Mittelpunkt dieser Episode sind, stehen sie trotzdem im Fokus dieser Folge und agieren zwar nicht miteinander, dafür aber mit anderen Menschen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen. 
Eines haben alle Charaktere in dieser Folge gemeinsam – sie haben alle einen unerfüllten Wunsch. Jamie sehnt sich nach seinem Sohn und träumt von einer richtigen Vaterschaft. LJ sehnt sich nach der Liebe des Mannes, der sein “True North” und die Liebe seines Lebens war, ist und bleiben wird. Claire sehnt sich nach der gemeinsamen Zeit, die Jamie und John zusammen mit William hatten und die sie niemals mit Jamie und Brianna wegen Culloden hat haben können. Murtagh sehnt sich nach Gerechtigkeit und danach, dass die Rotröcke endlich dafür Verantwortung tragen, dass sie ihm vor mehr als zwanzig Jahren, an diesem schicksalhaften Tag im April, seine Familie, seine Heimat und einen Teil seines Ichs gestohlen haben.

Alle Szenen in diesen rund 60 Minuten Sendezeit bilden eine stimmige, gut geschriebene und wunderschön gespielte Geschichte, die mich nachdenklich stimmt, freudig macht, tief berührt,  mich breit grinsen und an anderer Stelle weinen lässt. Eigentlich hatte ich mit Tränen der Rührung und Tränen des Mitgefühls mit Claires Rückkehr in Folge 306 fast abgeschlossen, da wir viele der emotionalsten Momente in Outlander zu diesem Zeitpunkt hinter uns gelassen haben, aber, um ehrlich zu sein, gab es bisher in dieser Staffel nicht eine Folge, in der ich nicht ein paar Tränchen verdrückt habe.

Auch die Musik und die Kostüme haben in dieser Folge erneut glänzen können und ich mag es besonders, dass Bear das Willie Theme aus Staffel 3 übernommen hat. Der Episodentitel “Blood of my Blood” ist eine Zeile aus dem Hochzeitsschwur von Jamie und Claire und bekommt im Zusammenhang mit Willie eine weitere wichtige Bedeutung in Jamies Leben.

Mit dem Casting von Oliver Finnegan für seine Rolle als Willie ….-`tschuldigung, ich meine natürlich William…- haben die Verantwortlichen wieder einmal das nötige Fingerspitzengefühl bewiesen, denn, auch wenn wir ihn nur in dieser einen Folge sehen werden, ist er perfekt gecastet. Oliver stellt in meinen Augen sehr überzeugend einen Jungen mit sehr privilegiertem Hintergrund dar, der aber zu gut erzogen ist, um arrogant zu sein. Seine Unsicherheit und Verletzlichkeit versucht Willie (sorry, ich kann es einfach nicht lassen und Gott sei Dank straft mich kein vorwurfsvoller Blick von LJ) mit seiner natürlichen Erhabenheit zu kaschieren.

David ist wie immer ein ausgezeichneter LJ und er hat für seine schauspielerische Leistung wieder einmal einen großes Lob verdient! Ich habe ihn schon von der ersten Sekunde als LJ geliebt, denn er verkörpert die Güte, die Stärke und auch die Verletzlichkeit seines Buchcharakters tausendprozentig und er hat die Gabe, das Beste aus seinen Schauspielkollegen herauszuholen, wenn er mit ihnen zusammen in einer Szene spielt.
Für Cait ist diese Folge ein eindeutiger Beleg, warum sie erneut eine Golden Globe Nominierung erhalten hat. In den Szenen mit David ist sie so verdammt gut und sie erzählt mit ihrer Mimik ganze Enzyklopädien an unausgesprochenen Worten und Gefühlen, die auf sie hereinbrechen. 
Der eigentliche Star dieser Episode ist aber für mich Sam, denn von dem Moment an, in dem LJ nach FR kommt, können wir Jamies permanente Achterbahnfahrt der Emotionen in seinen Augen lesen und in seinem Gesicht sehen. Angefangen von der unausgesprochenen Frage an LJ, ob dieser Willie mitgebracht hat, über die pure Liebe und Sehnsucht, wenn er seinen Sohn in unbeobachteten Momenten betrachtet, bis hin zu seinem Stolz über Willies Mut, wenn er nicht zulässt, dass sein Freund Mac sich für ihn opfert. So sehr ich Cait ihre Nominierung gönne, so sehr ist es mir unbegreiflich, warum Sam auch dieses Jahr wieder einmal leer ausgegangen ist. In meinen Augen zählt das von mir oft gelesene Argument, er hätte in seiner Rolle als Jamie nicht so viel Gelegenheit zu zeigen, was für ein Talent in ihm steckt, da der Fokus der Serie auf der weiblichen Hauptrolle liegt, für diese Award Saison nicht mehr. Sam hat seit der dritten Staffel so viel Raum und Zeit sein einzigartiges und vor allem vielseitiges Talent zu präsentieren – was er auch unzählige Male getan hat. In Folge 301 hat er bewiesen, dass er die Emotionen eines sterbenden Soldaten nur durch Mimik, Gestik und seiner Atemfrequenz ausdrücken kann. In Folge 304 hat er nonverbal gezeigt, wie ein Vater innerlich zerbricht, weil er seinen Sohn verlassen muss und in Folge 305 hat er uns Zuschauer nur durch seine Rückenmuskulatur und die Haltung seinen Kopfes an Jamies emotionaler Achterbahnfahrt teilnehmen lassen, wenn dieser nach mehr als 20 Jahren Claires Stimme das erste Mal wieder hört. Ich könnte noch unendlich mehr Beispiele nennen, aber das würde den Rahmen meiner Review sprengen und von daher möchte ich nur noch sagen, dass ich sehr enttäuscht bin, dass Sam nicht die Anerkennung der Award-Gremien bekommt, die er verdient hat, denn allein für Folge 116 hätte man ihm alle Awards dieser Welt verleihen müssen.

Die Opening Credits enden heute mit einer Schlange und einem Plumpsklo und wir BL wissen genau, welcher Szene aus dem Buch wir diese Titelcard zu verdanken haben. Ich bedaure es sehr, dass wir diesen Moment nicht zu sehen bekommen haben, weiß es aber zu schätzen, dass die Serienverantwortlichen uns BL damit zeigen, dass sie solche wichtigen Buchszenen nicht überlesen haben, sondern sie einfach manchmal, aus welchen Gründen auch immer, nicht zeigen können.

 

Aller Anfang ist schwer
Die Folge beginnt mit LJ, wie er auf FR ankommt und ich freue mich ungemein, David sofort zum Anfang dieser Episode zu sehen. Und schon in den ersten Sekunden beweist er wieder einmal, warum ich so von seiner Schauspielkunst angetan bin, denn er ist in dieser Folge von der ersten Sekunde an der Meister des stummen Blickes der unerfüllten Sehnsucht. Die Nervosität, die Aufregung, die Lust, das Verlangen und der Wunsch nach Gefühlen, die Jamie niemals haben wird, all das durchlebt LJ in seiner Mimik, in dem Moment, wenn er auf die Lichtung reitet und Jamie einen Augenblick unbemerkt beobachten kann. Bevor LJ Jamies Namen ruft, bereitet er sich emotional darauf vor, seine große Liebe wiederzusehen und stählt nicht nur seine Gefühle, sondern sein Körper nimmt eine etwas steifere Haltung an. Er stellt sicher, dass Jamie in seinem Gesicht von den Gefühlen, die gerade in seinem Herzen Ping Pong spielen, nur das Gefühl der Freude, einen alten Freund wiederzusehen, lesen kann und das schafft er mit Bravour. Ich bewundere in den Büchern schon seit Jahren, LJs Kunst, seine Gefühle hinter einer Fassade zu verstecken und wie er es all die Jahre ausgehalten hat, Jamie nur ein Freund zu sein, ohne daran zu zerbrechen oder darüber zu verzweifeln. LJ platzt recht schnell mit der Neuigkeit heraus, dass Willie auch mitgekommen ist und ich denke, dass ist nicht nur eine Antwort auf Jamies stumme Frage, sondern reiner Selbsterhaltungstrieb, denn wenn Jamie noch einen Schritt näher gekommen wäre und ihm am Ende noch umarmt hätte, hätte LJ seine sorgsam aufgebaute und doch so fragile Mauer um sein Herz nur schwer aufrecht erhalten können. Also handelt er frei nach dem Motto: Stoppt den “Feind”, in dem du ihn mit Neuigkeiten verwirrst.

Der Moment, in dem alle im Haus aufeinander treffen und sich teils überhaupt das erste Mal und teils seit Jahren das erste Mal wiedersehen, wirkt sehr unbeholfen. Es ist sehr interessant alle Protagonisten in einem Raum zusammen zu sehen und beobachten zu können, wie jeder auf den anderen reagiert. In diesen wenigen Sekunden passiert so viel verbale und vor allem nonverbale Kommunikation, dass ich gar nicht weiß, wohin ich zuerst schauen soll. Da ist zum einen Jamie, der seinen Sohn das erste Mal seit vier Jahren wiedersieht, mit der vagen Hoffnung und gegen jede Vernunft, dass Willie ihn wiedererkennt. Jamie ist vom Anblick seines Sohnes überwältigt und unsicher, wie er mit der Situation umgehen soll und kann seine Tränen der Rührung im ersten Moment nur krampfhaft zurückhalten. All das verblasst aber in dem Moment, in dem Willie das erste Mal seit Jahren zu ihm spricht und die Anspannung weicht aus Jamies Gesicht und macht purer Freude platz. Wirklich bemerkenswert, wie Sam es an dieser Stelle schafft, die Komplexität der in Jamie herrschenden Emotionen nur durch seine Mimik und seinen Blick auf den Bildschirm zu transportieren. Zum anderen ist da Claire, die von einem zum anderen blickt, schnell die Situation erfasst und realisiert, dass der Junge mit den Blutegeln am Bein LJs Sohn und demnach auch Jamies Sohn ist. Als dritten im Bunde haben wir Murtagh, der mit dem freudigen Wiedersehen von LJ und Jamie gar nichts anfangen kann und sich fragt, warum einem Redcoat auf FR ein so herzliches Willkommen bereitet wird und warum sich alle kennen?  Und zu guter Letzt Willie, bei dem sich jeder die Frage stellt, ob er Mac erkennen wird oder nicht.
Das Abendessen im Hause Fraser ist nicht weniger unbeholfen, als das erste Aufeinandertreffen und enthält ebenso viele peinliche Pausen. Können Jamie und Claire nicht ein einziges Mal ein friedliches und entspanntes Essen genießen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie jemals mit anderen an einem Tisch gesessen haben und die Stimmung nicht angespannt gewesen ist. Ihr etwa? Auch wenn die Szene in mir ein leichtes Unbehagen hervorruft, mag ich LJ Beschreibung von Ian als “the young man for whom you crossed an ocean” und wenn er die „Society for Appreciation of the English Beefsteak“ erwähnt, muss ich breit grinsen, denn als passionierter Leser der LJ Romane weiß ich, dass das LJ Lieblings-Gentlemen-Club in London ist und er als Stammgast dort ein und ausgeht.
Im weiteren Verlauf des Abendessens gerät LJ mit Murtagh in einen Streit über die überhöhten Steuern und darüber, dass sich Tryon mit diesen Steuergeldern einen Palast bauen lässt. LJ bezeichnet die Regulatoren als wütenden Mob, der Selbstjustiz übt, während Murtagh den Wahrheitsgehalt der Geschichten, die über die Regulatoren verbreitet werden, anzweifelt. Die Spannung zwischen beiden ist spürbar und sieht LJ an, dass er mehr hinter Murtaghs Sympathien für die Regulatoren vermutet, als er sagt. Eine fantastisch gut gespielte Szene sowohl von David als auch von Duncan, ach und wie habe ich seine sprechenden Augenbrauen vermisst.

 

Das Streben nach Gerechtigkeit
Murtagh misstraut LJ seit der ersten Sekunde ihres Wiedersehens und er kann sich keinen Reim darauf machen, warum der ehemalige Gefängnisvorsteher von Ardsmuir FR einen Besuch abstattet und auch noch mit offenen Armen empfangen wird. Seine einzige Erklärung ist, dass LJ für Tryon spionieren soll. Jamie versucht Murtagh das ganze Vorhaben mit den Regulatoren auszureden und ich hasse es, dass sie sich über diesen Punkt uneinig sind, weil sie sich doch gerade erst wiedergefunden haben. Ich möchte, dass Harmonie und Wohlgefühl zwischen Jamie und seinem Patenonkel herrscht und meine größte Sorgen ist, dass sie sich vielleicht wegen ihrer unterschiedlichen politischen Haltung überwerfen werden. So sehr ich diese Situation verabscheue, liebe ich sie aber auch, da sie so sehr im Einklang mit Murtaghs Charakter ist, für das einzutreten, an das er glaubt, auch wenn er die Konsequenzen dafür tragen muss. Nicht nur Jamies Versuch ihn zu überzeugen, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen, verstimmt Murtagh, sondern auch die Tatsache, dass sein Patensohn mit einem Redcoat befreundet ist. Das ist für ihn, nach allem, was sie zusammen nach Culloden durchgemacht haben, unverständlich, bis zu dem Moment, in dem er eins und eins zusammenzählt und mit den WortenHe’s yours” dem Elefanten im Raum einen Namen gibt. Jamies Bitte an Murtagh, nichts zu sagen, erscheint mir an dieser Stelle eher unnötig, denn abgesehen davon, dass er und sein Patenonkel nicht mehr auf der gleichen politischen Seite stehen, kommt für Murtagh die Familie immer an erster Stelle. Das war vor Culloden so und das wird auch immer so bleiben, denn Murtagh hat alle Geheimnisse von Jamie und Claire für sich behalten, sei es Jamies Erlebnisse in Wentworth, Claires Geschichte über ihre Zeitreise, Jamies Verwicklung in Dougals Tod und das gesamte Vorhaben, den Jakobitenaufstand zu stoppen. Warum also sollte Murtagh Willie gegenüber erwähnen, dass der ehemalige Stallbursche Mac sein richtiger Vater ist? 


Das Streben nach Zufriedenheit
Die Szene, in der Jamie und LJ abends im Haus über eine Partie Schach sitzen, basiert auf dem Kapitel 26 „Pest und Cholera” in Band 4 und erinnert mich sehr an die Sequenz in Ardsmuir, in der LJ das dünne Band der Freundschaft, das ihn und seinen Gefangenen verbunden hat, fast für immer zerstört hätte. Aber diesmal sind die Fronten geklärt und LJ weiß genau, dass er niemals wieder Jamie seine tiefen Gefühlen zeigen darf und wird. Die beiden machen das, was alte Freunde so machen, wenn sie sich nach langer Zeit wiedersehen – zusammen eine Partie Schach spielen und über einen schlechten Whisky lachen. Für die Nicht-BL ist es vielleicht nur eine Szene zwischen zwei befreundeten Männern, aber für mich ist es unendlich mehr, denn wenn ich diese beiden Männer zusammen sehen, muss ich unweigerlich daran denken, was sie füreinander sind und sein werden. Ich kann mit Jamie dankbar sein, dass sein Sohn bei einem so wundervollen und warmherzigen Menschen, wie LJ, aufwachsen darf und weiß, dass LJ in all den Jahren, die noch kommen werden, für Jamie und seine Liebsten immer da sein wird und sie beschützen wird, wie sein eigen Fleisch und Blut. Ich kann aber auch mit LJ jeden Augenblick, den er mit Jamie zusammen sein darf, genießen und mit ihm die Leere und die Sehnsucht nach unerfüllten Träumen fühlen, denn eins ist klar – so wie Jamie die Freundschaft zu LJ alles bedeutet, bedeutet Jamie alles für LJ. Jamies Blick wandert  durch den Raum und bleibt, wie so oft in dieser Folge, an Willie hängen. LJ, dem Jamies stolzer, freudiger und auch trauriger Blick nicht entgangen ist, fragt seinen Freund, ob er mit seinem Leben zufrieden ist. I have all that a man could want.” antwortet Jamie und weiter “Home. Honorable work. My wife by my side. Good friends. And the knowledge that my son is safe and well cared for.I want no more.”, aber seine Augen strafen ihn der Lüge, denn er wird sich immer nach dem sehnen, was ihm so sehr fehlt – seine Kinder und die Möglichkeit ein Vater zu sein.

 

Das Streben nach Glück
Alle Szenen zwischen David und Cait sind einfach wundervoll und, wie auch im Buch, ist jeder Moment mit LJ und Claire eine echte Bereicherung. Die Passagen aus dem Buch, die in dieser Folge verfilmt worden sind, gehören zu meinen Liebsten aus der gesamten OL Reihe und ich kann sie immer und immer wieder lesen. Aber sie live, in Farbe und so großartig von David und Cait interpretiert, sehen zu können, ist besser als jedes Kopfkino.
Claire und LJ verbringen, bedingt durch seine Masernerkrankung, mehr Zeit alleine miteinander, als vielleicht für beide gut ist, aber es ermöglicht ihnen, alle Karten auf den Tisch zu legen. Der größte Teil des Dialogs aus der ersten Szene, wenn es darum geht, wer wohl den anderen neidischer machen kann, stammt fast wortwörtlich aus dem Kapitel “Erhitzte Gespräche” aus Band 4 und ich denke, die Autoren haben gut daran getan, ihn nicht großartig zu verändern, denn er ist perfekt, so, wie er ist. Es ist eine der interessantesten Eifersuchtsszenen, die ich jemals gelesen habe, denn einerseits ist LJ nicht im klassischen Sinne eifersüchtig auf Claire, weil er weiß, dass er Jamie niemals haben könnte, da er einfach das falsche Geschlecht hat. Vielmehr ist er neidisch darauf, dass das Glück, nachdem er sich sehnt, direkt vor seinen Augen passiert, aber für ihn trotzdem so unerreichbar ist, als ob es Millionen von Kilometern stattfindet. Auf der anderen Seite ist Claires Eifersucht nicht von der Art, dass sie sich sorgt, dass LJ ihr Konkurrenz machen könnte, das ist es nicht. Es ist der Neid auf die Zeit, die LJ und Jamie miteinander verbracht haben und in der sie und Brianna kein Teil von Jamies Leben gewesen sind, weil sie schlicht und ergreifend 200 Jahre in der Zukunft gelebt haben. Und LJ hat etwas, das Claire Jamie niemals geben kann – sein eigenes Kind aus Fleisch und Blut und nicht nur die Erinnerung auf einem Farbfoto.
Claire konfrontiert LJ mit der Lüge, die sie Willie ein Leben lang aufgetischt haben und mit der Sorge, wie sein Stiefsohn reagiert, wenn er erfährt, dass er nicht William Clarence Henry George Ransom, der 9. Graf von Ellesmere, sondern Willie, der Sohn des Stallburschen Mac, ist. Sie weiß nur zu gut, was in einem Kind vor sich geht, das jahrelang im Dunkeln über seinen wahren Vater gehalten wurde und was passieren kann, wenn es herausfindet, dass es ein Leben lang belogen wurde. Unweigerlich muss ich an Willies Reaktion denken, wenn er in “Ein Schatten von Verrat und Liebe” Jamie ins Gesicht blickt und es ihm vorkommt, als ob er in einen Spiegel sehen würde. Zu all dem, was Claire LJ bezüglich Willie vorhält, kommt noch hinzu, dass sie wütend auf dessen Egoismus ist, weil er für sein persönliches Verlangen, Jamie wiederzusehen, das Glück ihres Mannes und seines Sohne gefährdet. LJ merkt an, dass Claire eine bemerkenswerte Frau ist, weil sie niemals ein Blatt vor den Mund nimmt, worauf Claire antwortet, dass sie nichts dazu kann, denn sie sei so geboren. “So was I.” flüstert  er daraufhin leise und diese drei Worte und die einzelne Träne, die ihm über die Wange läuft, brechen mir das Herz, denn sie sprechen Bände über die Einsamkeit und den Schmerz in LJs Herzen. So viele Buchpassagen, in denen ich schon mit ihm mitgelitten habe, so viele Buchmomente, in denen ich am liebsten in mein Buch gekrochen wäre, um ihm in einer schweren Stunde Trost zu spenden und so viele Tränen, die ich schon an seiner statt vergossen habe und David verinnerlicht das alles in einem Satz und einer Träne.
Das nächste Mal, wenn wir Claire und LJ sehen, hat er hohes Fieber und möchte sein Gewissen erleichtern. Daher beichtet er Claire, dass ihn Isobels Tod nicht berührt hat und dass er gekommen ist, um zu sehen, ob er überhaupt noch Liebe für einen anderen Menschen empfinden kann. Auch gesteht LJ ihr, dass er Jamie hätte haben können, wenn er es gewollt hätte. Die Offenbarung, dass Jamie auf Helwater ihm seinen Körper im Austausch für Willies Wohlergehen angeboten hat, findet in dem Büchern bereits schon in Band 3 statt, aber da in der Serie die Begegnung von Jamie und Claire mit LJ auf Jamaika gänzlich anders gewesen ist, als im Buch, fand sie keine Anwendung. Umso dankbarer bin ich dafür, dass die Verantwortlichen im Writers Room diese Passage hier wieder aufgegriffen haben. Claires Gefühle, die in diesem Moment auf sie einprasseln – Wut, Grauen, Mitleid, Schock und vor allem dieses eingeweide-zerquetschende Gefühl, was es Jamie, nach allem, was BJR ihm angetan hat, an Überwindung gekostet hat, LJ ein solches ein Angebot zu machen, stehen ihr wie auf einem Präsentierteller ins Gesicht geschrieben.
Das nächste Mal, wenn Claire und LJ miteinander sprechen, geht es ihm wieder besser und er hat seine Masernerkrankung überstanden. Als er Claire fragt, ob sie weiß, was es bedeutet, jemanden zu lieben und ihn nicht glücklich machen zu können, nur weil man nicht die richtige Person ist, kann sie ihm nur zustimmen. Auch sie kennt dieses Gefühl, wenn man seinen Partner nicht so lieben kann, wie er es verdient hätte und Franks goldener Ehering an ihrem linken Ringfinger, den man kurz sehen kann, wenn Claire ihre Hand als Trost auf LJs Arm legt, ist ein stummer Zeitzeuge der Ehe mit Frank und ein Symbol ihrer Schuldgefühle. LJ wird niemals so von Jamie geliebt werden, wie er es sich wünscht und sowohl Claire als auch er wissen, dass er sich ein Leben lang nach ihm sehnen wird, so wie sich Claire auch mehr als zwanzig Jahre nach Jamie gesehnt hat. Aber so, wie sie Brianna hatte, um die Leere und Einsamkeit ein bisschen zu mildern, hat LJ auch einen Teil von Jamie immer an seiner Seite und Claires „You have William.“ sind ein großer Trost und bedeuten ihm sehr viel. Am Ende dieser Folge schaffen es Claire und LJ, trotz ihres schwierigen Starts, durch ihre Liebe zu Jamie, die beide verbindet und die das stärkste Gefühl ist, das sie jemals empfunden haben, eine stabile Brücke aus Respekt und Achtung zu bauen, mit der sie den Graben der Eifersucht und des Misstrauens überwinden können. Damit stehen sie am Anfang von etwas Neuem, etwas Besonderen, das im Laufe ihres Lebens zu einer wichtigen Säule in ihrer beider Leben werden wird.

 

Das Streben nach einer Vaterschaft
Ein großer Teil dieser Folge beschäftigt sich mit der Beziehung von Jamie und seinem Sohn Willie und das erste Wiedersehen ist für Jamie überwältigend, aber auch enttäuschent, weil Willie ihn nicht als Mac, den Stallburschen, wiedererkennt. Aber diese Enttäuschung soll sich in dem Augenblick, in dem Jamie Willie zum Abort begleitet und mit den Pferden in Gälisch redet, in Freude und Stolz umwandeln, denn Willie erinnert sich tatsächlich an Mac. Dies ist eine große Änderung im Vergleich zum Buch, denn dort hat Willie Jamie bei seinem Besuch auf FR nicht erkannt. Aber ehrlich, mich stört diese Änderung nicht, denn für mich ist diese Variante wahrscheinlicher, als die aus Band 4. Immerhin war Jamie sechs Jahre auf Helwater und Willie hatte, mit dem Tag als er mit drei Jahren das Reiten begonnen hat, immer eine enge Bindung zu Mac, dem Stallburschen. Außerdem ist es gerade einmal vier Jahre her, dass Jamie Helwater verlassen hat, so dass sich Willie durchaus noch an Jamie erinnern kann. Jamie fragt seinen Sohn, ob er noch die kleine Holzschlange hat, die er für ihn als Abschiedsgeschenk geschnitzt hat, aber dieser erwidert, dass er für Spielzeug zu alt ist. Ich habe aber irgendwie das Gefühl, dass er Sawney 2.0 noch in seinen Sachen versteckt hat und sie als liebgewonnenes Andenken an seinen Freund Mac bewahrt. Jamies Geschichte über Willie, die er Claire abends erzählt, ist eine Passage aus Dianas LJ Roman “Die Fackeln der Freiheit” und ich finde, sie unterstreicht, dass Jamie definitiv einen bleibenden und auch erinnerungsfähigen Eindruck bei Willie hinterlassen hat.
Des einen Freud ist des anderen Leid und daher bekommt Jamie durch LJs Masernerkrankung, das, was er sich sehnlichst wünscht – Zeit mit seinem Sohn, die zunächst nicht so traumhaft beginnt, wie gedacht, denn Willie weigert sich, sich von seinem Vater (also von LJ) zu trennen und wehrt sich wortwörtlich mit Händen und Füßen gegen sein Abenteuer in der Wildnis mit Mac, dem Stallburschen. Aber auch der starrköpfigste Zehnjährige bricht irgendwann einmal sein Schweigen, vor allem dann, wenn es um die Geschichten von wilden Indianern geht und so beginnt Willie allmählich seinen Ausflug zu genießen und Jamie wirkt hier, unter freiem Himmel, und ohne Beobachter, gelöster, als auf FR. Er führt seinen Sohn zu diesem wundervollen Aussichtspunkt und zeigt ihm den Grund, weshalb er unbedingt dieses Stück Land in der Wildnis von North Carolina sein Eigen nennen musste. “Have you ever seen such a glorious thing before, Sir?” , fragt Willie Jamie, wenn er auf das Tal sieht. “Never” ist seine Antwort, die aber damit nicht das Tal meint, sondern seinen Sohn, den er liebevoll ansieht, während dieser den Ausblick genießt.
Willie ist während des kleinen Abenteuers zeitweise bockig und nörgelig, aber er ist gewillt, von Jamie zu lernen und ihm auch ein wenig zu imponieren, so dass er all seinen Mut zusammen nimmt und den Hirschen, den er geschossen, unter Jamies Anleitung ausweidet, das erste und wahrscheinlich wohl auch das letzte Mal im Leben des 9. Graf von Ellesmere. Zu meiner Begeisterung fängt Jamie mit den Händen einen Fisch und wir bekommen eine langvermisste, aber von den Autoren wohl nicht vergessene Szene aus “Feuer und Stein” zu sehen, denn im Buch hat Jamie Claire in den Tagen nach ihrer Hochzeit exakt auf dieselbe Art einen Fisch  gefangen.
Später, am Lagerfeuer, wenn Jamie seinen Vater erwähnt und Willie sich wie ein Kind aufführt, das sofort und auf der Stelle zu seinem schwerkranken Vater möchte, wird Jamie und uns mehr als deutlich bewusst, dass Willie, obwohl er über die Ausdrucksweise und das Benehmen eines Erwachsenen verfügt, trotz allem immer noch ein Kind ist, das erst vor einiger Zeit seine Mutter verloren hat und jetzt um seinen Vater bangt. Diese Szene spiegelt die aus dem Buch sehr gut wider, allerdings hätte ich mir für TV-Jamie gewünscht, dass er sich auch mit Willie eine Decke teilen kann und so seinem Sohn, wenn auch für nur eine Nacht, so nah sein kann, wie es Eltern normalerweise sind, wenn ihre Kinder Sorgen haben oder krank sind. Aber in der Serie kommt Jamie nicht in den Genuß und dieser Moment, in dem er seinen Sohn mit seiner Decke zudeckt und ihn einen Moment beobachtet, wird durch die körperliche Distanz noch herzzerbrechender, besonders, wenn man bedenkt, dass Jamie noch nie zuvor eines seiner leiblichen Kinder zu Bett gebracht hat.
Ganz ehrlich, ich mag die Szene mit den Tscherokesen sehr, auch wenn sie nur Mittel zum Zweck ist, aber gerade deshalb finde ich sie so toll, denn sie verschafft uns drei wundervolle Serienmomente. Zum einen gibt sie Jamie, wenn auch aus der Not heraus und auch für Willie nicht glaubwürdig, die Möglichkeit endlich das laut auszusprechen, was seit Willies Geburt wie ein Kloß in seinem Hals sitzt und sein “The boy is my son! His blood is my blood.” ist wie eine innere Befreiung. Wir haben es alle gehört, Jamie und wir gönnen Dir diesen Augenblick von ganzem Herzen! In keiner Sekunde habe ich gedacht, dass Jamies Leben ernsthaft in Gefahr ist (Was denn? OL ist nicht GoT, hier sterben keine Hauptcharaktere und überhaupt kenne ich ja die Bücher und weiß, dass Jamie sich noch lange bester Gesundheit erfreuen wird), aber ich liebe sein hastig gemurmeltes Gebet „May the Lord protect her, her and the children„, denn es erinnert mich an die vielen Male, die Jamie diese Worte in Band 3 in Andenken an Claire und Brianna gesprochen hat. Zum anderen zeigt die Szene, dass Willie ein ehrlicher und mutiger Junge ist, der seinen beiden Vätern alle Ehre macht, denn auch er trägt die Konsequenzen seiner Handlung und lässt nicht zu, dass jemand um seinetwillen Unrecht und Schaden zugefügt wird. Und zu guter Letzt kann Jamie endlich seinen Sohn in die Arme schließen, der bei ihm, nach der Konfrontation mit den Tscherokesen, Trost und Wärme sucht und sie auch findet. In den paar Tagen, die er mit Jamie in der Wildnis verbracht hat, konnte Willie an alte Gefühle, die er einst für seinen Mac empfunden hat, anknüpfen und hat gelernt, seinen Freund aus frühen Kindertagen zu respektieren und zu bewundern. Nach den gemeinsamen Erfahrungen der letzten Tage fasst sich Willie ein Herz und offenbart Jamie, dass er ihm, als er Helwater verlassen hat, hinterhergerannt ist und fragt, warum er sich damals nicht noch einmal umgedreht hat. “I didn’t want to give you false hope… I never expected to see you again,” antwortet Jamie und an seinem Gesicht erkennen wir, wie sehr ihn diese Erinnerung an diesen Tag auf Helwater immer noch schmerzt und was es ihn damals an Kraft gekostet hat, seinen Sohn zu verlassen. Mehr braucht Willie nicht als Erklärung und wenn er mit LJ von FR abreist und sich im Sattel noch einmal umdreht, um Jamie einen letzten Blick zuzuwerfen, dann ist das ein stummes Versprechen, dass sie sich wiedersehen werden. Jamies Blick ist fast genauso schmerzverzerrt, wie am Ende von Folge 304 und wenn er einen Schritt nach vorne, in Richtung seines davon reitenden Sohnes, macht, dann kann man, wenn man genau hinsieht, ein leines knackendes Geräusch hören – Jamies Herz, das an der verheilten Willie-Wunde wieder gebrochen ist. Aber diesmal ist es anders, als noch vor vier Jahren, denn diesmal hat er Claire an seiner Seite, die ihm Halt gibt, ihn auffängt und ihm Trost spendet. Und mal ehrlich, wer in dieser Szene nicht geweint hat, der hat kein Herz!

 

Nach all den Strapazen und emotionalen Berg- und Talfahrten der letzten Tage haben die Frasers endlich ein bisschen Ruhe und vor allem auch Privatsphäre. Jamie ist Claire beim Baden behilflich und gibt ihr schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was es bedeutet, seine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Zärtlich nimmt er Claires rechte Hand und küsst sie.
“I don’t need a ring to know how much you love me.“ sagt sie und Jamie antwortet „No. But it helps.“ Und dann überreicht Jamie Claire einen silbernen Ring mit einem Distelmuster, der die Inschrift „Da mi basia mille“ trägt und den Murtagh aus Ellens Kerzenständers geschmiedet hat. Ich bin so glücklich, dass die Serienverantwortlichen endlich zu der Einsicht gekommen sind, Jamie Claire den Ring aus dem Buch schenken zu lassen. Ich hatte nie etwas gegen den Key-to-Lallybroch Ring und fand Jamies Motivation, Claire einen Ring aus dem Schlüssel seines Zuhauses anfertigen zu lassen, sehr romantisch, aber ich habe immer Claires Buchring vermisst. Am Ende dieser Folge habe ich ein breites Grinsen im Gesicht und habe vor Freude über Claires neuen Ring und der nachfolgenden Sequenz erst gar nicht bemerkt, dass sie sich verzählt hat. Tja, so kann es gehen, wenn die Welt um einen herum versinkt!

 

Der herausragendste Aspekt in dieser Folge ist für mich die Art und Weise, wie die Handlung, die Dialoge und die Mimik der Schauspieler so viele verschiedene Emotionen so präzise zeigen können, dass ich beim Zuschauen der Serie genauso reagiert habe, wie beim Lesen der Bücher – ein Grinsen, gefolgt von Anspannung, über Gänsehaut und dem Gefühl, dass mein Herz in der nächsten Sekunde vor Trauer und Mitgefühl platzen müsste bis hin zur wahnsinniger Freude. Jeder unserer Protagonisten begegnet uns am Anfang dieser Episode mit unerfüllten Sehnsüchten, die am Ende dieser Folge immer noch nicht erfüllt, aber vielleicht nicht mehr so schwer zu ertragen sind. Jamie kann für seine leiblichen Kinder niemals der Vater sein, der er sein möchte, aber er hat nach seiner Zeit mit Willie viele kostbare Erinnerungen gesammelt, auf die er immer dann zurückgreifen kann, wenn seine Sehnsucht nach seinem Sohn zu groß wird. Claire wird niemals die Zeit zurückdrehen und die verlorenen Jahre mit Jamie aufholen können, aber sie kann das Leben mit Jamie im Hier und Jetzt in vollen Zügen genießen, denn sie weiß, wie kostbar jeder Augenblick mit der Liebe ihres Lebens ist und auch, wie schnell das Schicksal zuschlagen und alles zerstören kann. LJ wird niemals frei sein, um jemanden anderen so lieben zu können, wie er Jamie liebt, aber er hat einen kleinen Teil seiner großen Liebe immer bei sich und wenn seine Sehnsucht nach Jamie zu groß wird, dann braucht er sich nur seinen Sohn anzusehen, um die Erinnerung an Jamie wach zu halten.
Trotz aller Konflikte und Schwierigkeiten und herzbrechenden Momente gibt diese Folge Hoffnung und Zuversicht, dass, auch, wenn man im Leben nicht immer das bekommt, was man sich erträumt, man in dem, was man hat, Zufriedenheit und Glück finden kann. Und so wünsche ich allen ein geliebtes Zuhause, eine erfüllende Aufgabe, jemanden an der Seite, der einen liebt, gute Freunde und die Gewissheit, dass unsere Lieben geborgen sind und für sie gesorgt wird.

Je suis prest!
@ Yvonne Pirch


Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 406

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