Episode 413: Man of Worth

Episode 413
“Man of Worth”

Drehbuch: Toni Graphia
Regie: Stephen Woolfenden

“Take me to see my son.”
(Roger MacKenzie)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Mir hat die Folge wieder einmal sehr gut gefallen, denn Toni hat mit ihrem Drehbuch alle losen Enden aus den letzten Folgen aufgenommen und versucht, ihnen ein würdiges Ende zu verleihen und obwohl vieles im Vergleich zum Buch geändert wurde, ist das Herz eines jeden Handlungsstrang vorhanden. Aber leider haben mich einige dieser Handlungsstränge nicht zu einhundert Prozent überzeugen können, denn am Ende dieser Episode bleiben einige Dinge ungesagt, unerwähnt und unerzählt. Für mich fühlt sich gerade das, was zwischen Jamie, Claire, Brianna und ihrem noch namenlosen Kind auf River Run passiert, unvollständig an, denn diesmal wird uns Zuschauern meiner Meinung nach zu viel “leere Seiten füllen” – also die Dinge, die nicht gezeigt oder gesagt werden, mit der eigenen Phantasie erklären – abverlangt. Ich hätte mir viel mehr Dialog zwischen den drei Frasers gewünscht und auch eine andere Schlussszene für diese Folge und somit auch für diese vierte Staffel.

Habt ihr bemerkt, dass die Zusammenfassung, die immer vor den Opening Credits gezeigt wird, mit dem Faith Theme unterlegt ist und dass wir in der Titel Card Robert Springer, besser bekannt als Otter Tooth, in der Gegenwart sehen – offensichtlich bevor er durch die Zeit gereist ist.
Mit diesen tollen Bildern zu Briannas Morgenmantel (hier und hier) und zu ihrem Kleid (hier) aus dieser Folge möchte ich ein letztes Mal Terrys wundervolle und einzigartige Kreationen ehren und mich an dieser Stelle für ihre großartige und detailreiche Arbeit bedanken. Ich werde sie vermissen und nicht nur ihre phänomenalen Kostüme, sondern auch ihren Twitteraccount, dem ich immer gerne gefolgt bin, denn mich hat der Blick hinter die Kulissen immer wieder aufs Neue begeistert.

Und noch einmal in dieser Staffel möchte ich mir einen zeitlichen Überblick über den Stand der Dinge verschaffen: Die Folge beginnt mit einer Einblendung “New York 1770” von daher weiß ich schon einmal, in welchem Jahr wir uns befinden, aber so ein Jahr ist nun mal zwölf Monate lang und ich möchte es noch ein bisschen genauer wissen – aber eins ist jetzt schon klar: Jamie und Claire feiern dieses Jahr ihr vierjähriges Wiedersehen, denn Claire ist damals im Dezember 1766 zu Jamie zurückgereist. Wenn Roger und Brianna Mitte September 1769 (im Schaufenster der Druckerei liegt eine Zeitung vom 11.09.1769) in Wilmington ihre “Handfast-Nacht” verbracht haben, dann bedeutet das, dass Roger Ende November bzw. Anfang Dezember nach FR gekommen ist, denn Brianna war zu diesem Zeitpunkt bereits im zweiten Monat schwanger und demnach muss Jemmys Geburtstermin irgendwann um den 15. Juni 1770 liegen. Das wiederum bedeutet, dass Jamie, Claire und Roger erst im September 1770 nach River Run zurückkommen, denn Brianna sagt unmittelbar vor der Ankunft ihrer Eltern zu Murtagh, dass das Baby an diesem Tag zwei Monate alt ist. Auch wenn ich froh bin, dass ich nun endlich Gewissheit über den aktuellen Monat im Jahre 1770 habe, wundert es mich dann doch, dass es schon September ist, denn offensichtlich hat sich Jamie mit der Reisezeit zum Dorf der Mohawks verschätzt. In Folge 410 sagt er nämlich zu Brianna “there and back it is four months‘ time or more” und ich dachte, dass er damit eine Reisedauer von insgesamt vier Monate gemeint hat, aber im Endeffekt hat die gesamte Reise zum “Shadow Lake” hin und zurück etwa neun Monate gedauert – mehr als das Doppelte.

He is important to our family
Wir schreiben also das Jahr 1770 in Upstate New York und finden uns im Dorf Shadow Lake wieder und können beobachten, wie Jamie in bester Piratenmanier durch ein Fernglas das tägliche Treiben der Mohawks beobachtet und nach Roger Ausschau hält, der seit seinem abgebrochenen Fluchtversuch in der letzten Folge immer noch in der “Idioten-Hütte” einem ungewissen Schicksal ins Auge blickt. Jamie, Claire und Ian nähern sich mit einem Pferd vollgepackt mit Dingen, die sie den Mohawks im Austausch für Roger anbieten können, langsam dem Dorf und es sieht so aus, als ob sie ihren gesamten Hausstand und alle nichtverderblichen Vorräte, die sie in der Kürze der Zeit auf FR zusammenstellen konnten, dabei haben. Jamie und Ian versuchen in einer sehr deeskalierenden Wortwahl, die durch ihre besänftigenden und fast schon unterwürfigen Gesten unterstützt wird, ihr Anliegen zu erklären und dass sie auf der Suche nach Roger sind. Alles scheint gut zu laufen und Häuptling Tehwahsehkwe wittert schon das Geschäft seines Lebens, denn Jamie hat die erste und allerwichtigste Regel in einer Verhandlung gebrochen – zeige deinem Gegenüber NIEMALS, wie sehr du an seiner “Ware” interessiert bist – denn er hat die Aussage vom Häuptling “The man in the picture? You want him very badly.” mit einem knappen, aber wohl äußerst teurem, “Aye.” bestätigt. Bei so viel Eintracht und Frieden frage ich mich schon, wie es wohl dazu kommen wird, dass Ian bei den Mohawks bleibt, als Claire ihr Halstuch zum Tausch anbietet und alle Indianer Otter Tooth`s Opal entdecken, den sie um den Hals trägt. Die Reaktionen der Mohawks basiert auf dem, was Jamie Claire in Kapitel 57 “Das zersplitterte Lächeln” aus “Der Ruf der Trommeln” erzählt, wo er den Opal Offscreen aus seinem Sporran geholt hat. Die Stimmung im Dorf ändert sich im Bruchteil einer Sekunde und Häuptling Tehwahsehkwe macht seinen Besuchern unmissverständlich klar, dass sie das Dorf sofort zu verlassen haben – und zwar ohne über Los zu gehen und ohne EUR 4.000 einzuziehen.

Lump of Rock
Zurück an dem Ort, an dem die Frasers ihr Lager aufgeschlagen haben, eröffnet Jamie, dass er vorhat, Roger aus dem Dorf zu befreien. “I ken a story, one where I went to Fort William and rescued you.” und ich weiß nicht, ob ich ihn für seinen Mut und seine Entschlossenheit, seiner Tochter ihren Mann zurückzubringen, koste es, was es wolle, bewundern oder mich auf die Seite von Claire schlagen soll, die Jamie zu bedenken gibt, dass er damals nicht allein war, als er sie aus den Händen von BJR befreit hat. Aber bevor ich in einen Konflikt mit meinem Ich gerate und die Frasers diese Situation ausdiskutieren können, erstarrt Jamie mitten in diesem großartigen Satz “I’ll not return to Bree wi‘ a lump of rock while Roger’s still here.”, denn etwa mehr als eine Handvoll Mohawks stürmen das Camp der Frasers.
Die Art und Weise, wie die Geschichte von Otter Tooth und seinem Opal in die Handlung dieser Folge eingebunden wird, hat mir sehr gut gefallen, auch dass die Essenz dieses Erzählstrangs aus dem Buch erhalten geblieben ist. Irgendwie erinnert mich die Geschichte von Otter Tooth an die von Geillis, denn beide sind als Zeitreisende bewusst mit dem Vorhaben in die Vergangenheit gekommen, den Verlauf der Geschichte zu ändern, mit dem einzigen Unterschied, dass Geillies nicht die Indianer vor dem “Weißen Mann” retten, sondern die Jakobiten bei ihren Kampf um die schottische Krone unterstützen wollte.
Jamie, Claire und Ian schließen sich mit Wahkatiiosta und ihren Männern zusammen, um Roger aus dem Dorf zu befreien und im Austausch für ihre Hilfe verspricht Claire ihnen den “Lump of Rock” (Jamies Worte, nicht meine). Sie finden Roger in der “Idioten-Hütte” und dieser reagiert, wenn ihn der Mann, der ihn vor ein paar Monaten fast zu Tode geprügelt und dann an die Mohawks verkauft hat, verständlicher Weise eher alamiert als erleichtert, aber Gott sei Dank hat Brianna damals die Weitsicht besessen und Claire mit auf diese Befreiungsodyssee geschickt, denn Roger beruhigt sich durch ihre Anwesenheit. sichtlich. Jamies erste Worte „I’ve done wrong to you, MacKenzie. I’ve come to put it right. For now, you have my apology.“, die er in seinem Leben an seinen Schwiegersohn richtet, sind wortwörtlich aus dem Buch übernommen und bilden den Anfang in der anfänglichen etwas schwierigen und hölzernen Beziehung von Jamie und Roger, die wir hoffentlich auch genauso dargestellt in Staffel 5 sehen dürfen, denn es ist ein verdammt langer, steiniger und oft frustrierender Weg für Briannas Mann, bis er von seinem Schwiegervater nicht nur als “Son of my House” bezeichnet, sondern auch als dieser angesehen wird. Was ich besonders an Jamie schätze, außer seinem Ehrgefühl, seinen Familiensinn, seiner Aufopferungsbereitschaft etc. etc. etc., ist, dass er mit dieser aufrichtigen Entschuldigung Verantwortung für das, was er Roger unberechtigter Weise angetan hat, übernimmt und ihm das so wichtig ist, dass er damit nicht warten kann, bis sie es aus der idiotischen Hütte geschafft haben und ihnen die Flucht aus Shadow Lake gelungen ist. Aber leider schaffen es die Frasers und ihre Mohawk-Verbündeten nicht unbemerkt aus dem Dorf und werden nach einem kurzen, aber durchaus sehenswerten Fluchtversuch gestoppt, weil einer der Mohawks mit seiner Pistole auf Jamies Gesicht zielt und Claire panisch das Wort für Frieden auf Mohawk ruft, um diesen Mann aufzuhalten, damit sie nicht zur Witwe und die Serie hier und jetzt enden wird.

Cuimhnich!
Am nächsten Morgen verbannt Häuptling Tehwahsehkwe Wahkatiiosta für immer aus dem Dorf und er erlaubt Jamie, Claire und Ian zu gehen – aber ohne “Dogface”, alias Roger. Jamie springt aus seiner knienden Position auf und bietet sich im Austausch für diesen an und bittet Ian, dem Häuptling diesen Vorschlag zu unterbreiten. Was auf Jamies Worte folgt, ist ein sehr herzergreifender Moment zwischen ihm und Claire, in dem sie versucht, ihn davon abzubringen, für Roger zu bleiben und es fällt mir sichtlich schwer, ihnen dabei zuzusehen, denn ich muss unweigerlich an diesen Moment in Wentworth denken, wo Jamie sich BJR im Austausch fürs Claires Leben angeboten hat. I’ll return to ye, Sassenach.” verspricht er ihr, aber das ist kein Trost für das, was gerade in Claire vorgeht. Sie kann es kaum ertragen, erneut mit der Tatsache konfrontiert zu sein, Jamie wieder einmal verlassen zu müssen, so wie schon in Wentworth oder wie vor mehr als zwanzig Jahren am CnD. Mir bricht es das Herz, in Claires Gesicht zu sehen, wenn sie Jamie vielleicht für das letzte Mal in ihrem Leben umarmt, denn ich kann dort all den Schmerz und die Trauer, aber auch die Achtung und das Verständnis für seine Tat sehen, denn sie weiß, dass ihm das Wohl seiner Liebsten immer mehr bedeuten wird als sein eigenes Leben und Seelenheil. Bevor mein Herz nur noch ein Haufen kleiner Splitter ist, unterbricht Ian diesen tragischen Moment mit der Information, dass die Mohawks das Angebot akzeptieren, aber nicht Jamie, sondern er im Austausch für Roger in Shadow Lake bleiben wird. Wenn man genau hinsieht, kann man sehen, dass er diese Entscheidung bereits schon in dem Moment, als Jamie sein Angebot laut verkündet, getroffen hat. Die nachfolgenden Minuten sind aufgrund der Worte, die Onkel und Neffe wechseln und der rührende Verabschiedung von Jamie und Claire von Ian, sehr bewegend und berühren mich zutiefst.Ye once said that ye wished me to become a man of worth.” sagt Ian zu seinem Onkel und dieser antwortet, dass Ian sich nicht vorstellen kann, wie viel er wert ist und Jamie, Claire und Ian weinen – ich übrigens auch und der Rest der OL Fangemeinde sowieso. „Cuimhnich!“ flüstert Jamie und neben meinen Tränen, die mir übers Gesicht laufen, habe ich bei diesen Worten eine dicke Gänsehaut, denn mit diesem gälischen Wort verbinde ich seit dem ersten Mal, als ich es in Band 4 gelesen habe, immer unmittelbar den Abschied von Ian und obwohl es nur ein läppisches Wort ist, das Jamie zu ihm sagt, steckt es voller Bedeutung und Liebe für seinen Neffen, zu dem er seit dem Augenblick, als er sich mit ihm am Tag seiner Geburt vor den Redcoats auf Lallybroch verstecken musste, ein ganz besonderes Verhältnis hat und der für ihn immer mehr Sohn als Neffe gewesen ist. Ich bin sehr glücklich, an Ians Entwicklung vom “Troublemaker with the Heart of Gold” zu einem “Man of Worth” teilhaben zu dürfen und werde ihn in der nächsten Staffel wirklich schmerzlich vermissen. Ich kann daher nur hoffen, dass wir von seiner Verwandlung zu einem Mohawk-Krieger und vielleicht von seinem neuen Leben durch einen Brief an Jamie erfahren werden, der von einem bildlichen Voiceover begleitet wird, so wie Jamies Brief an Brianna in Folge 412.
Jamie muss schließlich den Entschluss seines Neffen akzeptieren, denn er sieht, dass Ian diesen nicht leichtfertig getroffen hat, da er ihn mit einer Gewissheit verteidigt, die seinem Onkel zeigt, dass diese Entscheidung für ihn das Richtige bedeutet und dass sie, einmal getroffen, unumstößlich und für immer ist. So lässt er ihn schweren Herzens zurück, in der Gewissheit, ihn nie mehr wiederzusehen und verlässt mit Claire und Roger das Dorf, um die lange Rückreise nach River Run anzutreten – um Brianna zwar ihren Mann zurückzubringen, aber ohne seinen geliebten Neffen jemals mehr bei sich haben zu können. Wenn Ian seiner Familie hinterherblickt und noch einen zaghaften Schritt auf sie zu macht und sich dann stoppt, ist sein Gesichtsausdruck voller Traurigkeit und es ist herzzerreißend. Umso schöner ist es, seine pure Freude und sein breites Grinsen, welches von einem Ohr zum anderen reicht, und das Strahlen in seinen Augen zu sehen, wenn er es mit viel Geschick und List durch die Reihen der Mohawks geschafft hat und von Häuptling Tehwahsehkwe mit den WortenYou have proven yourself worthy. You will become one of us.” als vollwertiges Mitglied in den Stamm aufgenommen wird. Dieser Ausdruck auf Ians Gesicht zeigt, dass er endlich, obwohl er seine Familie und sein altes Leben zurücklassen muss, den für ihn bestimmten Platz in seinem Leben gefunden hat. Ian hat uns Zuschauern seit seiner Ankunft in Amerika immer schon an seiner Faszination für die Ureinwohner Amerikas teilhaben lassen, die auch darin begründet ist, dass ihre Situation sehr viele Parallelen mit der der Highlander aufweist und dass ihr Stammessystem dem eines schottischen Clans ähnlich ist. Er hat seine Vorliebe für die Indianer niemals verborgen oder geleugnet und hat schnell nach seiner Ankunft auf FR mit den Tscherokese Freundschaft geschlossen und Ian hat seine Hingabe zu diesem Volk auch darin gezeigt, dass er nicht nur mit Begeisterung ihre Sprache gelernt hat, sondern auch einige indianische Accessoires in seinen Alltag integriert hat, indem er sie mit seiner normalen Kleidung kombiniert hat.

John ist sowohl in der Szene, in der er sich Ian von seinem Onkel und seiner Auntie verabschiedet, als auch in der, in der er es durch die Reihen der Mohawks schafft, einfach fantastisch. Sam und ihm bei der Verabschiedungsszene zusehen zu können, die beide so großartig und so emotionsreich gespielt haben, ist Gold wert und ab sofort werde ich immer dann, wenn ich an Jamies „Cuimhnich!” denke, diesen tränenreichen Abschied vor meinem geistigen Auge sehen und er wird für immer mit diesem Wort verbunden sein. Anfangs habe ich ja ein wenig an der Casting-Entscheidung zugunsten von John gezweifelt, vor allem, ob er allen schauspielerischen Herausforderungen, die die charakterliche Entwicklung seines Buchcharakter an ihn stellt, gewachsen ist, aber er hat in dieser und auch in der letzten Staffel alle Meileinsteine, die Buch-Ian an ihn stellt, sehr gut gemeistert. Spätestens seit Folge 401, wenn er mit Jamie das Grab für Hayes schaufelt, habe ich ihn als Ian in mein Herz geschlossen und das Wichtigste – ich sehe den Buchcharakter in ihm.

This is all too much
Die Szene, die nach Rogers Befreiung aus Shadow Lake stattfindet und in der Roger mit der bitteren Wahrheit über die Dinge, die Brianna widerfahren sind, nachdem er sie nach ihrem Streit verlassen hat, konfrontiert wird, ist einfach wunderbar – großartig geschrieben, sehr nah am Buch verfilmt und sehr gut von Sam und Richard umgesetzt. Für mich sind diese Minuten, neben der Abschiedsszene von Ian, das Highlight dieser Episode. Was mich auch begeistert ist die Möglichkeit, erstmals Jamie und Roger wirklich miteinander agieren zu sehen und ihre ersten Worte, die sie wechseln, endlich hören und nicht nur lesen zu können, denn die wachsende Beziehung zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn, die hier ihren Anfang findet und sich ab Band 5 stetig und unaufhörlich weiterentwickelt, ist eine meiner Lieblingsthemen in den kommenden Büchern.
Rogers erster Schlag, der von einem wütenden “You fuckin‘ bastard!” begleitet wird, trifft Jamie, der gerade mit Claire darüber spricht, wie um alles in der Welt er seiner Schwester erklären soll, dass ihr jüngster Sohn ab sofort bei den Mohawks lebt, unvorbereitet und ist auch für mich überraschend, aber absolut nachvollziehbar. Claire, sichtlich schockiert, versucht verbal die beiden Männer zu stoppen. Aber Jamie bittet sie mit den Worten “No, leave him be.This is between us.” sich nicht einzumischen (Ist so ein Männerding – Ihr wisst schon!) und Claire fällt es sichtlich schwer, danebenzustehen und zuzusehen, wie ihr Mann von ihrem Schwiegersohn verprügelt wird. Rogers Wut über das, was Jamie ihm angetan hat, seine Todesängste, die er in den letzten Monaten aushalten musste, seine verlorenen Träume von einem Leben mit Brianna und sein Zorn auf das Schicksal selbst – all das und noch vieles mehr bricht sich in seinen Schlägen Bahn und ich finde seine Reaktion sehr realistisch. Jamies Verständnis für Rogers Gefühlsausbruch und auch sein stummes Aushalten der Schläge sind in meinen Augen so typisch für unseren JAMMF, denn er übernimmt nicht nur die Verantwortung für seine Taten, sondern heißt die Bestrafung, die Roger ihm für das, was er erleiden musste, zuteil werden lässt, schon fast willkommen. Für Jamie ist es selbstverständlich, sich im Leben immer für sein Handeln zu verantworten und die Konsequenzen seiner Taten zu tragen und zu erdulden. Aber Jamie bietet sich Roger nicht nur als lebender Boxsack an, sondern er gibt ihm in seinen Armen Halt, wenn sein Schwiegersohn vor körperlicher und seelischer Erschöpfung zusammenbricht. Dieser Moment, wenn Rogers Zorn zerbricht und er das erste Mal seit Monaten in den Armen seines Schwiegervaters menschliche Nähe und Geborgenheit findet, ist wirklich sehr bewegend, vor allem, wenn Jamie ihn wie ein Kind tröstend in seinen Armen hält und ihn einen kurzen Augenblick wiegt.
Wenn Roger realisiert, dass Brianna ihren Vater nicht damit beauftragt hat, ihn zu verprügeln und an die Mohawks zu verkaufen, sondern das alles ein riesengroßes und fatales Missverständnis gewesen ist, fällt seine Sorge, dass Brianna ihn nicht mehr lieben könnte, von ihm ab und alle Dämme in ihm brechen und er weint hemmungslos. Aber seine Erleichterung währt leider nicht lange, denn Claire klärt ihn auf, wie und warum Jamie ihn verwechselt hat. Ich bin von der ruhigen und sachlichen Art, in der sie ihrem Schwiegersohn die schockierenden Nachrichten mitteilt, sehr beeindruckt. Wahrscheinlich hat sie in all den Jahren, die sie in Boston als Chirurgin gearbeitet hat, viele Male ihren Patienten und deren Angehörigen in derselben Weise schlechte Nachrichten überbracht. Jamie, so verständnisvoll und ruhig er noch einige Minuten zuvor gewesen ist, verliert ein wenig die Beherrschung, denn für ihn trägt sein Schwiegersohn die Verantwortung dafür, was Brianna widerfahren ist, denn Roger hat in den Augen von Jamie bei der Erfüllung der wichtigsten Aufgabe eines Ehemannes – seine Ehefrau unter allen Umständen und notfalls mit dem eigenen Leben zu schützen – komplett versagt. “Ye coward! Bree was angry with ye, so ye ye ran away. You left her alone!” sagt er zu Roger, der ihn daraufhin erneut schlägt und ab da ist es mit dem bisschen Rest-Geduld, die er für den Mann, den seine Tochter liebt, aufbringen kann, vorbei und er murmelt mit unterdrückter Wut “That is the last unanswered blow.”. Roger, der gerade erfahren hat, dass erstens seine Frau vergewaltigt wurde, zweitens schwanger ist, drittens er nur vielleicht der Vater ist, weil das Baby viertens eventuell auch von Bonnet sein könnte und fünftens das alles in der Nacht passiert ist, als er und Brianna erst das Ehegelübde abgelegt und sich danach im Streit getrennt haben, ist mit all den Informationen und Gefühlen, die auf ihn so kurz nach seiner Befreiung aus der Gefangenschaft der Mohwaks einprasseln, total überfordert – und ich kann es ihm nicht verdenken. “You cost me a lad that I love.” sagt Jamie zu ihm – übrigens wieder einer dieser kleinen, aber für mich sehr bedeutenden Sätze aus Band 4, denn er ist beim ersten Lesen direkt haften geblieben und vielleicht ist das auch der Grund, warum es Roger immer schwerer als jeder andere hat, um bei Jamie Fuß zu fassen und seine Achtung und seinen Respekt zu bekommen. Ich finde es schrecklich, dass Jamie so etwas zu Roger sagt, der noch gar nicht verstanden hat, was alles in den letzten Monaten passiert ist und dass er ihm keine Atempause gönnt. Aber es ist so In-Character für Jamie, dass es mich auf der anderen Seite sehr stolz macht, meinen Buch-JAMMF zu sehen, für den es niemals die Sekunde einer Überlegung wert gewesen wäre, wenn es um ihn und Claire gegangen wäre, denn er hat damals in Wentworth ohne zu überlegen, nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele für das Leben seiner Frau geopfert. Daher irritiert ihn Rogers Bitte um Zeit zum Nachdenken und macht ihn wütend und ich denke, dass Jamie seinen Schwiegersohn in diesem Moment liebend gerne wieder bei den Mohawks gegen Ian eingetauscht hätte, und dass einzig und allein der Gedanke an seine Tochter ihn davon abhält, Roger am Kragen wieder ins Dorf zu schleifen. Roger ist aber nicht Jamie und ich kann verstehen, dass er Zeit braucht, um sich zu sortieren, um das Gesagte zu verinnerlichen, um sich in dieser veränderten Situation zu orientieren und vor allem, um sich mit der Realität auseinanderzusetzen, dass er den Rest seines Lebens im 18. Jahrhundert verbringen wird, da er ursprünglich nur Brianna finden und mit ihr wieder in die Gegenwart zurückreisen wollte. Es ist also nicht nur eine Frage, ob er das Kind eines anderen Mannes wie sein eigenes lieben kann – denn das steht für ihn gar nicht zur Debatte, weil Roger ja auch beim Reverend aufgewachsen ist, der ihn immer wie sein eigen Fleisch und Blut geliebt hat -, sondern es ist eher ein Abschied von seinem alten Lebensplan, damit er sich am Ende seiner „Auszeit“ neu aufstellen und ganz und gar und mit vollster Überzeugung für Brianna und ihr gemeinsames Kind da sein kann. Aber Roger kann nicht über all das in Ruhe nachdenken und sich auf sein neues Leben im 18. Jahrhundert, mit der Frau und dem Kind, die er beide liebt, einstellen, wenn Jamie ihn bedrängt, Claire ihn mitleidig beobachtet und er sich ständig mit ihren Erwartungen konfrontiert sieht, die sie als Eltern von Brianna verständlicher Weise an ihn stellen. Vielleicht hätte er seiner Aussage I need time.” noch hinzufügen sollen, dass er aber definitiv zu Brianna zurückkommen wird, weil seine Auszeit absolut nichts mit der Liebe zu ihr zu tun hat, denn Roger hat in der zweiten Staffelhälfte, und mit seiner “Idioten-Rede” in der letzten Folge, mehr als einmal bewiesen, dass er Brianna über alles liebt, koste es ihn, was es wolle. Und so ist Roger in diesem Moment in Jamies Augen nicht die Anstrengung wert, die er und Claire in den vergangenen Monaten für seine Rettung auf sich genommen haben, aber für mich muss sich Roger nicht mehr beweisen und auch Jamie wird eines Tages sehen, was wir und Brianna schon seit langem wissen – Roger ist “a man of worth”!

Sowohl Sam als auch Richard sind in dieser Szene unglaublich großartig und es erstaunt mich immer wieder, dass beide so viele unterschiedliche Emotionen in ihren Gesichtern zeigen können und wir Zuschauer immer wissen, was ihr Charaktere gerade durchleben.Diese letzten drei Folgen waren wirklich eine Liebeserklärung von Richard an Roger, mit dem er einmal zur Hölle und wieder zurück gegangen ist, und er hat zu jeder Sekunde seiner Screentime meinen Buch-Roger tausendprozentig getroffen – ich kann mir keinen Schauspieler vorstellen, der besser geeignet wäre und der sich noch mehr mit seinem Charakter identifizieren und noch tiefer in die Seele von Roger MacKenzie Wakefield blicken könnte, als Richard Rankin.

Come back to bed
Ich mag die Szenen zwischen Murtagh und Jocasta sehr, vor allem fühle ich mich von ihrem immerwährenden Schlagabtausch sehr gut unterhalten. Besonders gefallen hat mir Murtaghs fast schon entsetzter Ausruf „She canna marry a Redcoat!”, wenn er von Jocasta erfährt, dass Brianna mit Lord John verlobt ist. Ganz abgesehen davon, dass dieser sich politisch auf der anderen Seite von Murtaghs Regulatoren-Überzeugung befindet, kommt er nicht über die Tatsache hinweg, dass er vielleicht bald seinen ehemaligen Gefängnisaufseher aus Ardsmuir in der Familie Fraser willkommen heißen soll. Auch die nächste Sequenz, wenn Murtagh und Jocasta abends im Salon, bei einem leckeren schottischen Whisky, ein wenig in Erinnerungen schwelgen und ein wenig über Politik debattieren, gefällt mir sehr, besonders der Teil, in dem Jocasta aufsteht und Murtagh nicht nur das ins Gesicht schleudert, was sie schon immer von ihm gehalten hat, sondern nach dem Wortschwall auch noch den restlichen Whisky aus ihrem Glas. Duncan und Mary sind einfach großartig und mal ehrlich, man kann gar nicht anders, als sich in ihren gemeinsamen Momenten zurückzulehnen und den verbalen Schlagabtausch, den sich ihre Charaktere liefern, zu genießen. Ich hatte ihr Tête-à-Tête ja bereits in Folge 410 kommen sehen, als sich Jocasta über Murtaghs wunderschöne Hände ausgelassen hat und ich liebe es, wenn er sie hingebungsvoll mit “Jo” anspricht und Jamies Reaktion in Form eines „WTF”-Blick, wenn sich Jocasta und Murtagh vor dem Eintreffen der Redcoats verabschieden, ist einfach unbezahlbar.

It’s a boy?!
Phaedre ist nicht Claire und Jocasta ist nicht Jamie und ich kann gar nicht beschreiben, wie enttäuscht ich bin, dass die Serienverantwortlichen uns Jemmys Geburt nicht so gezeigt haben, wie sie im Buch passiert ist. Nicht, weil ich als BL unbedingt diese Szene sehen wollte, sondern weil die Dinge, die während der Geburt von Briannas und Rogers Sohn zwischen Claire und ihrer Tochter und vor allem zwischen Jamie und seiner Bree passieren, auf der charakterlichen Ebene so wichtig sind, dass es für mich wirklich absolut nicht nachvollziehbar ist, dass die Serie diesen Moment einfach ausgelassen hat und er für die Nicht BL niemals passiert ist. Zehn Minuten mehr Sendezeit oder ein bisschen weniger Otter Tooth und Murcasta hätten gereicht, um uns an diesem wundervollen Moment im Leben der drei Frasers teilhaben zu lassen, in dem Jamie seiner Tochter die Angst vor der Geburt und damit verbunden die Angst vorm Sterben nimmt, indem er ihr stundenlang Geschichten erzählt und sich mit ihr unterhält und auch nicht damit aufhört, wenn er sich bereits heiser geredet hat. Im Buch können wir gerade unter Jemmys Geburt erleben, wie wichtig Jamie für Brianna ist, weil er ihr Halt gibt und ihr Mut und Kraft verleiht, etwas, das sie in dieser Situation nicht bei ihrer Mutter findet, aber das, was diese ihr in all den Stunden an Zuversicht und Sicherheit durch ihr medizinisches Können geben kann, wunderbar ergänzt. Im Buch entsteht durch dieses gemeinsame Erlebnis nach all den Dingen, die zwischen Vater und Tochter passiert sind, eine neue Bindung, die anders ist, als das, was vor dem großen Streit zwischen ihnen war, die aber in Zukunft nichts mehr erschüttern kann. Für Jamie ist der gesamte Geburtsprozess und die erlebte Geburt seines ersten leiblichen Enkels ein unglaubliches Geschenk und eine Wiedergutmachung des Schicksal, das ihn um all das bei seinen leiblichen Kindern gebracht hat. Er hat niemals einem seiner Kinder auf die Welt helfen können und durfte auch nie eines von ihnen als Neugeborenes im Arm halten, noch hat er die Ehrfurcht und Demut, die man in dem Augenblick verspürt, wenn ein neues Leben das Licht Welt erblickt, empfunden. Daher macht dieser Moment, wenn er hautnah miterlebt, wie sein Enkelsohn von seiner Tochter, die er eigentlich niemals hätte kennenlernen sollen, zur Welt gebracht wird, nicht alles, was Jamie verpasst hat, ungeschehen, aber für ihn so viel erträglicher, denn die Liebe, die er in diesem Augenblick verspürt, füllt die Löcher in seinem Herzen und lässt vielleicht alte Wunden endlich heilen.

Abgesehen von dem, was uns durch die geänderte Geburtsszene an Gefühl und großen emotionalen Momenten entgangen ist, hat mich die Sequenz nach der Geburt auch nicht überzeugt. Wo ist das Strohlager und das erste Kuscheln mit dem noch blutverschmierten Baby, das wir in Folge 113 bei Jenny nach der Geburt von Margaret Ellen Murray haben beobachten können? Stattdessen treffen wir eine gewaschene und umgezogene Brianna in ihrem Bett an, die noch nicht einmal weiß, ob ihr Baby ein Junge oder Mädchen ist, denn sie fragt Jocasta “It`s a boy?”. Auch wenn die Serienverantwortlichen uns damit vielleicht zeigen wollten, dass sich Brianna ihrer Gefühle dem Baby gegenüber noch nicht sicher ist und nicht weiß, ob sie es lieben kann, kaufe ich ihr das nicht ab. Weil erstens TV-Brianna seit dem Zeitpunkt, als sie sich für das Kind entschieden hat, niemals Zweifel über ihre Liebe zu diesem Baby geäußert hat und zweitens immerhin eine fünfzigprozentige Chance besteht, dass der Mann, auf den sie seit fast sieben Monaten wartet, der Vater ihres Kindes sein könnte.

We told him everything
Zwei Monate sind seit der Geburt von Jemmy vergangen, wenn sich Reiter der Plantage nähern. Ziemlich lustig finde ich, dass das Baby, das Sekunden vorher noch hellwach auf Briannas Schoss gesessen hat, in der nächsten Einstellung, wenn diese auf die Veranda tritt, um ihre Eltern zu begrüßen, tief und selig in ihren Armen schläft. Was würde wohl jede Mutter mit akutem Schlafentzug für so ein schnell einschlafendes Kind geben?
Das Wiedersehen zwischen Brianna und ihren Eltern hat mich leider emotional nicht angesprochen und ich finde es sehr merkwürdig, dass keiner der beiden so wirklich auf den Enkelsohn reagiert. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass Brianna nach all der langen Zeit, die sie auf Roger gewartet, nach all den Gebeten, die sie für seine Rückkehr gesprochen und nach all der Hoffnung, die sie immer in sich aufrecht gehalten hat, am Boden zerstört ist, weil er nicht mit ihren Eltern mitgekommen ist. Insbesondere, da Jamie und Claire ihr sagen, dass er lebt und dass sie ihm alles erzählt haben und das nur heißen kann, dass er sich gegen ein Leben mit ihr und einem Kind, das vielleicht nicht seins ist, entschieden hat. Was aber nicht stimmt und ich denke, hier hätte eine Erklärung geholfen, dass Roger sich noch nicht endgültig für oder gegen Brianna und das Baby entschieden hat, weil er selber für sich erst einmal all das, was ihm in den letzten Monaten widerfahren ist, verarbeiten muss. Umso schader ist es, dass es diesen Dialog in der Art auch im Drehbuch gegeben, er es aber leider nicht in die Folge geschafft hat. In dem Gespräch, das Claire und Brianna nach ihrer Ankunft in Briannas Zimmer führen, antwortet nämlich Claire auf die Frage ihrer Tochter, ob Roger zu ihr zurückkommen wird, folgendes “We don`t know that. He has a decision to make.” – ein kleiner Satz, der aber im Zusammenhang so viel bedeutet hätte. Erstens ist es total unlogisch, dass Brianna diese Frage nicht stellt und zweitens, dass Claire ihrer Tochter diese immens wichtige Information vorenthält, denn sie hätte Brianna vielleicht noch ein wenig mehr Mut gegeben und sie noch etwas länger hoffen lassen, aber stattdessen wollten die Serienverantwortlichen wohl eher den Eindruck erwecken, dass Roger nicht zurückkommen wird, um den Spannungsbogen für die Nicht BL ein bisschen zu überspannen. Auch klärt Claire ihre Tochter in diesem Zusammenhang mit wenigen Worten über den Verbleib von Ian auf, auch etwas, das es leider nicht in die Folge geschafft hat. Des Weiteren gibt es im Skript einen kurzen Wortwechsel zwischen Jamie und Murtagh, in dem dieser seinem Patensohn mitteilt, dass Brianna ihm verziehen hat. Jammerschade das all diese, in meinen Augen, sehr wichtigen und nicht rausschneidbaren Dialoge den Schneideraum nicht überstanden haben und ich kann nicht nachvollziehen, dass diesmal offensichtlich am falschen Ende geschnitten wurde!
Ich bin durchaus gewillt, Matts Rat zu befolgen und mir für Dinge, die nicht explizit erklärt werden, eine eigene Geschichte auszudenken, aber ich kann nicht seitenlang fehlende Dialoge zwischen Jamie, Claire und Brianna, die tief in den Charakter und die Seele unserer Protagonisten eingreifen, erfinden, denn eigentlich ist es die Aufgabe der Autoren uns diese zu zeigen. Ich rechne es Toni und den anderen Verantwortlichen wirklich hoch an, dass sie an eine Erklärung über Rogers und Ians Fernbleiben und auch an eine Information für Jamie, dass Brianna ihm verziehen hat, gedacht haben, aber was nützt das alles, wenn diese Sequenzen geschnitten werden und wir sie nicht zu sehen bekommen, denn ich kann leider nur das beurteilen, was ich wirklich gesehen habe und nicht das, was hätte sein können. Daher finde ich es sehr bedauernswert, dass es niemals ein Gespräch zwischen Jamie, Claire und Brianna über Roger, ihre Reise, Rogers Wegbleiben, der Geburt des ersten Enkelkindes im Hause Frasers und Briannas Gefühle diesbezüglich geben wird. Aber das Allerschlimmste für mich ist die fehlende Reaktion und fast völlige Gleichgültigkeit von Jamie für seinen Enkelsohn (mal ehrlich, Claire reicht Jemmy an Jocasta und nicht an seinen Großvater weiter?) und die ausgefallene Aussprache zwischen Vater und Tochter, die nach all der Zeit hätte Onscreen stattfinden müssen. Brianna hätte nicht Murtagh, sondern ihrem Da sagen müssen, dass sie ihm verziehen hat und mir reicht es leider nicht, dass sie sich mit einem an ihren Vater gerichteten Lächeln an den Esstisch setzt. So bleibe ich als BL – der ja Gott sei Dank die schwarzen Löcher, die dieses Drehbuch und der Schnitt an einigen Stellen hinterlassen haben, mit seinem Buchwissen füllen kann – am Ende dieser Folge ratlos zurück und ich frage mich, wie es erst den Nicht BL gehen muss. Oder vielleicht fällt denen gar nicht auf, das etwas fehlt?

A letter
Meiner Meinung nach ist die letzte Szene eine der seltenen Momente, in denen die Serienverantwortlichen den visuellen Dramaturgiebogen etwas überspannt haben und bei mir ruft dieser Augenblick eher ein Augenrollen als dramatische Gefühle hervor. Erstens frage ich mich, woher Tryon weiß, dass Jamie auf River Run ist, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn diese Nachricht binnen einer Woche erreicht hat. Zweitens kann ich nicht glauben, dass es eine halbe Kompanie braucht, um diesen Befehl abzuliefern, wenn ein berittener Bote, begleitet von ein oder zwei Soldaten schneller, kostengünstiger und vor allem glaubwürdiger gewesen wäre. Tryons Befehl, dass Jamie eine Miliz zusammenstellen soll, ist eine zu erwartende Konsequenz aus Jamies “Pakt mit dem Teufel”, den er in Folge 403 mit seiner Unterschrift auf der Landübertragungsurkunde von FR besiegelt hat, um das Land zu bekommen, das er trotz aller Vorbehalte so sehr haben wollte, um für sich und Claire das erste Mal in den zwanzig Jahren ihrer Ehe ein Zuhause aufbauen zu können. Und so fordert der “Teufel” jetzt seinen Tribut ein und am Ende dieser Staffel bleibt den Frasers, nachdem sie endlich, nach ihrer fast einjährigen Suche nach Roger und Abwesenheit von FR, mit der Hoffnung auf ein bisschen Familienleben mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind River Run verlassen wollen, nicht mehr als ein erneuter geplatzter Traum von ein bisschen Frieden, Alltag und Familienglück. Aber eins bleibt an dem Einsatzbefehl des Gouverneurs fragwürdig – sein Befehl an Jamie den Anführer der Regulatoren, namens Murtagh Fitzgibbons, zu finden und zu töten, denn wirklich Spannung erzeugt er nicht, da jeder BL und auch Nicht BL weiß, dass Jamie lieber seinen Eid gegenüber Tryon brechen, seine 10.000 Morgan Land verlieren und als Drucker in Wilmington oder sonst wo arbeiten würde, als seinen Patenonkel zu töten.
Daher bildet der Befehl des Gouverneurs zwar einen runden Abschluss dieser Staffel, aber trotzdem lässt er mich nicht mit diesem großen, überwältigenden Gefühl zurück, das ich am Ende der vorangegangen Staffeln hatte und ich empfinde die letzte Szene, mit dem diese epische vierte Staffel endet, im Vergleich zu der Schlusseinstellung der vorangegangenen Finale etwas flach. Ich denke mit ein bisschen Wehmut an die Kamerafahrt der ersten Staffel zurück, wenn das Schiff, das Jamie und Claire nach Frankreich bringt, vor unseren Augen immer kleiner wird oder auch an das wunderschöne Panorama der Strände und Wälder Georgias, mit dem uns Staffel 3 in Droughtlander 3.0 geschickt hat. Selbst das leicht kitschig anmutende Ende von Staffe 2, wenn Claire am CnD die Sonne aufgehen sieht, ist besser, als das Staffelende, das uns diese Folge beschert hat. Mir wäre es lieber gewesen, wenn diese Episode mit dem Wiedersehen von Roger und Brianna geendet hätte und zwar genau mit seinem Satz Take me to see my son.”, gefolgt von einer Weitwinkelaufnahme, wie Roger und Brianna, begleitet vomn ihrem Theme, Arm in Arm Richtung Haus gehen und dann…..Fade to Black, denn so hätten uns die Serienverantwortlichen mit Tränen der Freude und dem Gefühl der Hoffnung, dass manchmal doch alles gut wird, in Droughtlander 4.0 geschickt.

Schlussendlich kann ich sagen, dass es ein überaus gelungenes Staffelfinale mit vielen tränenreichen und bewegenden Momenten ist, das an einigen Stellen für mich leider nicht perfekt war, aber das trotzdem einen gebührenden Abschluss für diese epische 4. Staffel schafft. Und ich hoffe, dass wir in der nächsten Staffel mit einem meiner Lieblingsteile aus Buch 4 und 5 starten werden – dem Gathering, denn ich liebe jeden einzelnen Buchstaben dieses längsten Tages ever in einem Roman.

“Man of Worth” – alle drei männlichen Hauptcharaktere haben uns den Episodentitel dieses Staffelfinales bewiesen. Zum einen Ian, der sich opfert und bei den Mohawks bleibt, um das Unrecht, das er Roger angetan hat, wiedergutzumachen und auch um zu verhindern, dass sich sein Onkel und seine Auntie erneut trennen müssen, weil er weiß, was das für die beiden bedeuten würde. Zum anderen Jamie, der sein Wort, gehalten hat, denn er hat Roger gefunden und hätte für die Zukunft seiner Tochter mit diesem Mann, seine mit Claire aufgegeben. Und als letztes Roger, der durch seine Entscheidung für ein Leben mit Brianna und einem Kind, das vielleicht nicht sein leibliches ist, aber das trotzdem für immer sein Sohn sein wird, bewiesen hat, das er all die Mühe und die Verluste wert gewesen ist. Und auch Murtagh ist ein Mann von Wert, denn er kümmert sich um Brianna und um ihr Kind, wenn sein Patensohn es nicht kann. Die ganze Folge handelt also von Menschen, die sich gegenüber den Menschen, die sie lieben, beweisen und die für das Wohlergehen ihrer Liebsten zu jedem Opfer bereit sind. Und so spielt das Hauptthema dieser Staffeln in Form von Zuhause und Familie auch im Staffelfinale eine zentrale Rolle und spannt den Bogen von den ersten Folgen, in denen Jamie und Claire auf FR ihr Zuhause gründen, zur Letzten, in der die Frasers dieses Zuhause mit Jamies Onkel, Jamies Ziehsohn und dessen Familie und ihrer leiblichen Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrem Enkelkind füllen können.
Die nächste Staffel, die Dianas fünften Roman “Das flammende Kreuz” verfilmen wird, stellt die Familie Fraser vor neue Herausforderungen und hält für sie neue Abenteuer und Schicksalsschläge bereit, aber erst einmal liegt ein sehr langes Droughtlander vor uns, wahrscheinlich das Längste, das wir jemals erlebt haben.

Zum Schluss bedanke ich mich von ganzem Herzen bei allen, die diese vierte Staffel so episch und großartig gemacht haben. Auch wenn ich hier und da mit den Entscheidungen, die die Serienverantwortlichen getroffen haben, nicht immer einverstanden gewesen bin, schätze ich ihre harte Arbeit, ihr Engagement und ihr Bestreben für uns OL-Fans immer das Beste zu geben. Sie haben mit dieser wundervollen Staffel Dianas “Der Ruf der Trommel” so buchnah und einfühlsam verfilmt, dass ich ihnen auf immer und ewig dankbar sein werde, so viele meiner Lieblingsszenen live und in Farbe habe bewundern zu dürfen, dass ich in vielen Momenten emotional sehr ergriffen und manchmal so berührt war, dass mir die Worte fehlten. “Der Ruf der Trommel“ ist ein Buch, das weniger von großen Ereignissen als von Momenten bestimmt wird und in dem nicht, wie in Band 3, die großen Abenteuer den Zauber ausmachen, sondern es eher die kleinen zwischenmenschlichen Momente sind, die die Handlung dieses Romans bestimmen und viele dieser kleinen, aber doch so wichtigen Momente haben wir in den letzten dreizehn Folgen hautnah erleben dürfen. Tausend Dank an alle Autoren, Produzenten, Regisseure, Maskenbildner, Kostümdesigner, Setdekorateure und Schauspieler – alle haben großartige Arbeit geleistet und Dianas Worte zum Leben erweckt. Ich liebe euch alle und das, was ihr aus meinen Lieblingsbüchern gemacht habt, macht und zukünftig machen werdet.

Und auch vielen Dank an alle, die Woche für Woche meine Reviews gelesen und die mir jede Woche mit liebevollen Worten gezeigt haben, dass meine Liebe und die Zeit, die ich in meine Reviews stecke, etwas wert sind, denn ich konnte jede Woche spüren und lesen, dass euch meine Worte interessieren, zum Nachdenken anregen und bewegen. Auch euch liebe ich und ich hoffe, wir sehen uns alle zur Staffel 5 wieder.

Je suis prest für Droughtlander 4.0!
@ Yvonne Pirch


Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 413

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