Episode 501: The Fiery Cross

 

Episode 501
“The Fiery Cross”

Drehbuch: Matthew B. Roberts
Regie: Stephen Woolfenden

“Go. Please. Be hard to find.“
(Jamie Fraser)

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

 

385 Tage Droughtlander sind seit Valentinstag vorüber, und was für uns am Ende von Staffel 4 noch unvorstellbar schien, ist doch schneller vergangen, als vermutet. Ich hätte nach meinen letzten Worten am Ende meiner Review zu Folgen 413 nicht vermutet, dass ich gefühlt so schnell wieder auf meiner Couch sitze, den Laptop auf meinem Schoss habe und darüber nachdenke, was mich in dieser Folge besonders bewegt hat, welche Sätze mein Herz berührt haben und welche Dinge, ob nun groß oder auch klein und unscheinbar, mir aufgefallen und welche davon auch lesenswert sind.
Ich habe das letzte Jahr Droughtlander eher selten mit OL verbracht und mich eher nebenbei auf dem Laufenden gehalten. Denn wie alle von euch habe ich noch ein Leben außerhalb des OL-Universums und muss meine rare Zeit zwischen Job, Haushalt, Kind, Familie und der Erhaltung von sozialen Kontakten aufteilen. Da bleibt leider nicht viel Raum für eine Leidenschaft, die mich zwar sehr ausfüllt, aber leider auch sehr zeitintensiv ist. Ehrlich gesagt, hatte ich in den letzten 12 Monaten oft das Gefühl, meine Leidenschaft ist nicht mehr die, die sie noch zu Ende der letzten Staffel gewesen ist und mein Engagement in Bezug auf Social Media ging fast gegen Null. So habe ich mich zwar auf diese neue Staffel gefreut, da Dianas Buch “Das flammende Kreuz” viele Ereignisse erhält, die für mich zu den Highlights der ganzen Buchreihe gehören, aber ich hätte auch noch länger warten können. Aber ich habe in Bezug auf Leidenschaft die Rechnung ohne Matts Fähigkeiten als Drehbuchautor und ohne das schauspielerische Können unser OL-Darsteller gemacht. Spätestens seit Jamies “The Frasers of the Ridge are here”  ist das, was in mir als stetig glimmende OL-Glut vorhanden ist (und auch immer sein wird, so lange ich lebe), wieder zu einem hell leuchtenden Licht geworden und mein Innerstes steht erneut, so wie auch das Kreuz auf FR, in Flammen. Ich kann nichts anderes machen, als mich diesem verschollenem Gefühl der OL-Glückseligkeit kampflos zu ergeben und es in vollen Zügen zu genießen. Also von daher: Yvonne, welcome back im OL-Universum und ich kann nur sagen “Je suis prest” für das, was in den nächsten 12 Wochen auf uns zukommen wird. Ich freue mich sehr, meine Gefühle und Gedanken mit euch zu teilen, auch, wenn ich noch nicht genau weiß, woher ich die Zeit dafür nehmen soll. 

Bevor es mit meiner Review endlich losgeht, eine Bitte vorab: Können wir einen kurzen Moment innehalten und dem Make Up Department oder dem Mitarbeiter, der Jamies Perücke aus Staffel 3 und 4 verbrannt hat, danken? Was bin ich froh, dass die Ära des Wischmopps mit Fransenpony  und Stummelschwänzchen endlich vorbei ist und Jamie endlich die Haare hat, die ihm seit Anbeginn der Folge, in der Sam seine eigenen Haare unter einer Perücke versteckt hat, zustehen. Was für eine Wohltat, Jamie endlich mit einem richtigen Zopf und ohne Pony zu sehen. 

Matt hat es mit seinem Drehbuch wieder einmal geschafft, den Ton der Buchcharaktere zu treffen, denn meiner Meinung nach schreibt er mit so viel Liebe und Hingabe für die Story an sich und auch für unsere Protagonisten, wie nur wenige Drehbuchautoren im OL-Universum. Er hat mit diesem Skript in einer abwechslungsreichen, interessanten, romantischen und auch oft bewegenden Erzählweise den Grundstein für alle wichtigen Handlungsstränge aus Buch 5 gelegt. Wenn man die Fäden einzeln aufzählt, deren Anfang in dieser Folge gesponnen werden, dann kommen einige für diese Staffel wichtige Dinge zusammen. So fallen mir spontan ein: Jamies Beziehung zu seiner Tochter und sein wachsendes Vertrauen in seinen Schwiegersohn, Jamies und Claires erfülltes Dasein als sorgende Großeltern, Claires für diese Zeit sehr unorthodoxen medizinischen Behandlungsmethoden, Murtagh und seine Story mit den Regulatoren, Jamie und seine Abhängigkeit von Tryon, Jocasta und Duncan, Lizzie und die Beardsley Zwillinge und Stephen Bonnet und Briannas Traum.

Nicht nur die Opening Credits sind für die neue Staffel wieder einmal geändert und der Handlung angepasst worden, auch musikalisch hat sich der Titelsong erneut verändert. So wie wir in dieser Folge die Gemeinschaft auf FR erleben, so spiegelt sich diese auch im “Skye Boat Song” wider. Diesmal wird dieser nicht mehr von nur einer Person alleine gesungen, sondern von einem Chor, der die wachsende Gemeinschaft auf FR musikalisch unterstreicht.
Ich mag auch die weitere musikalische Untermalung, die Bear für diese Folge ausgesucht hat, sehr. Angefangen von Rogers/Bears-Version des Nat King Cole Song „Love“, über die uns wohlbekannten Themes, wie das von Jamie & Claire oder das von mir so geliebte FR Theme, bis hin zu dem wundervollen Jacobite Theme „Moch Sa Mhadainn“, das immer ein Garant für eine Gänsehaut ist und uns seit Folge 209 „Je suis prest“ wohlbekannt ist.

Jon Gary Steele hat sich mit dem großen Haus einen Kindheitstraum erfüllen dürfen, denn es ist groß, eigentlich sogar sehr groß und vielleicht auch größer, als ich es mir jemals vorgestellt habe. Ehrlich gesagt, ist es mir aber total egal, ob das große Hause zu groß, zu luxuriös und zu perfekt ist, denn es ist ein wahr gewordener Traum und einfach atemberaubend schön, angefangen von der Veranda, über Claires Untersuchungszimmer bis hin zum Schlafzimmer der Frasers. Auch finde ich es sehr schön, dass das große Haus noch nicht fertig ist, so dass wir Fans an seinem weiteren Aufbau teilhaben können. Ich kann jetzt schon vor meinem geistigen Auge sehen, wie Jamie und Claire eines Tages, wenn der Bau am große Haus beendet ist, auf der Veranda sitzen und ihren Enkeln beim Spielen zusehen werden und an einem lauen Sommertag ihre Pächter zu einem Plausch begrüßen, bevor Jamie seinem Tagewerk nachgeht und Claire ihren ersten Patienten des Tages in ihrem Sprechzimmer behandelt. Eine schöne Vorstellung, oder? Ich denke, dass sich die Frasers diese Idylle und das Leben mit ihrer Familie in einer wachsenden Gemeinschaft aus Pächtern und Freunden nach all den Entbehrungen der Vergangenheit mehr als verdient haben.

Die erste Folge dieser 5. Staffel beginnt offensichtlich einige Monate nach Roger und Briannas Wiedersehen, denn Jemmy ist kein neugeborenes Baby mehr, sondern einige Monate alt und der Bauprozess des großen Hauses ist weit vorangeschritten.
Zwar habe ich den “Längsten-Tag-der-Literaurgeschiche” schon ein wenig vermisst, vor allem wegen der zahlreichen Interaktionen und Herausforderungen, die an Jamie und Claire gestellt werden, aber Roger und Brees Hochzeitsfeier hat mich dafür mehr als entschädigt. So viele sind gekommen, um mit ihnen zusammen ihre Hochzeit mit einem echten schottischen Ceilidh zu feiern und wir blicken in bis dato noch unbekannte Gesichter und in solche, die uns nur allzu vertraut sind, wie das von John Quincy Myers, LJ, Fergus und Marsali, Jocasta und Ulysses. Und plötzlich wird mir klar, dass jemand in dieser Runde fehlt und es nicht Murtagh ist, denn er ist entschuldigt. Es ist Young Ian, den ich schmerzlich vermisse und der nicht mehr an solchen Festen und Treffen der Fraser-Familie teilnehmen wird, da er jetzt ein Leben als Mohawk führt. Als nacheinander diese bekannten und meist auch geliebten Gesichter auf dem Bildschirm erscheinen, ertappe ich mich dabei, wie ich mit tränengefüllten Augen von einem Ohr zum anderen grinse, denn es fühlt sich an, als ob ich an einem Treffen teilnehme, bei dem ich lang vermisste geliebte Menschen wiedersehen darf. Also ist diese Folge trotz Hochzeit auf FR irgendwie doch ein Gathering geworden, denn es sind wirklich alle zusammengekommen, um das Brautpaar gebührend zu feiern. Apropos gebührend: was mir besonders gut an dieser Folge gefallen hat, ist, dass die Hochzeit von Roger und Brianna in dieser Folge der Mittelpunkt ist und nicht nur eine kleine Nebenhandlung, wie im Buch beim Gathering. Denn dort geht dieses, für Roger und Brianna so überaus wichtiges Ereignis, etwas in den Irrungen und Wirrungen des Tages unter. Hier, in dieser Folge, findet die Hochzeit die Würdigung, die sie als wichtigster Tag im Leben von Roger und Brianna auch verdient hat.
Erinnert euch die Feier, das Tanzen, das Trinken und das Zusammenkommen auf FR nicht auch an den Quarters Day auf Lallybroch? Mich schon und diesmal könnte es, im Gegensatz zu damals, für Jamie und Claire für immer so bleiben, wenn da nicht Tryon und der Deal mit dem Teufel, den Jamie für sein Stück Land in der Wildnis von North Carolina eingegangen ist, wäre.

Neben Roger und Brianna steht in dieser Folge noch ein Protagonist im Fokus – Jamie und er ist in dieser Folge mein Buch-Jamie in allerbester Manier, nach dem ich mich das ein oder andere Mal in vergangenen Folgen gesehnt habe. Wir sehen ihn in dieser Folge in allen Facetten seines Seins – als das Oberhaupt seiner Pächter und Familie und Laird von FR, als zärtlichen Ehemann, als stolzen Vater, skeptischen Schwiegervater und liebevollen Großvater. Jede dieser „Rollen“, die Jamie in dieser Folge so perfekt ausfüllt, als wäre er für nichts anderes als das geboren, ist eine, die er noch vor ein paar Jahren niemals für möglich gehalten hätte, wenn er an die Zeit nach Culloden und den schmerzlichen Verlust von Claire, seinem Kind, seinem Zuhause und seiner Identität als Highlander zurückdenkt.

Jamie als Ehemann
Nicht nur ist diese Folge die Folge, in der Jamies Tochter heiratet, sondern sie ist auch eine Hommage an die beständige und allgegenwärtige Liebe, die Jamie und Claire füreinander empfinden. Wieder einmal werden wir sowohl durch das Material, das das Drehbuch liefert, als auch durch die perfekt harmonische schauspielerische Interaktionen zwischen Sam und Cait, Zeuge davon, wie es sein kann, wenn sich ein Paar wortlos und nur durch Blicke versteht. Es ist zum Dahinschmelzen, wenn sich Jamie und Claire bei der Hochzeitszeremonie ihrer Tochter tief in die Augen blicken und mit der Erinnerung ihrer eigene Hochzeit vor Augen sich erneut flüsternd schwören „as long as we both shall live“. Und wenn unsere beiden Protagonisten das sagen, dann meinen sie das genau so und wir können die Bedeutung jeder einzelnen Facette dieses Schwurs in ihren Augen lesen. Jamie und Claire wissen, was es bedeutet, sich ewig und sogar über den Tod hinaus so sehr zu lieben, dass man ohne den anderen nicht vollständig ist und wie sich ein Leben ohne seinen Seelenverwandten anfühlt.
Auch Claires Nicken, das sie Jamie als Einverständnis gibt, wenn dieser in voller Highlander Montur vor ihr steht, um seine Pächter an seine Seite zu rufen, ist ein weiteres Zeichen nonverbaler Kommunikation zwischen den beiden. Wir durften schon oft Zeuge dieser stillen Unterhaltung werden, vor allem in solchen Situationen, in denen Jamie sich einer gefährlichen Situation aussetzt, deren Ausgang ungewiss ist.

Jamie als Brautvater
Wie schon gesagt, sehen wir Jamie in dieser Folge in so vielen verschiedenen Rollen, die alle von ihm unterschiedliche Fähigkeiten erfordern und meine liebste ist Jamies Rolle als Vater der Braut.
Ich liebe diese ersten Minuten, in denen er die Vorbereitungen für Briannas Brautgaben trifft, immer mit dem Bestreben, dass es für seine Tochter perfekt sein muss und er für Brianna die nötigen Dinge, die eine Braut für eine glückliche Ehe benötigt, sehr gewissenhaft zusammenstellt. Jamies Komposition aus alt, neu, blau, geborgt und Six-Pence für den Brautschuh ist nicht nur eine wahllose Kollektion von Dingen, sondern etwas ganz Besonderes: alt sind die Perlen seiner Mutter, neu der Whisky, den er auf seinem Land hergestellt hat, blau sind die Vergiss-mein-Nicht, die Claire erst zu ihm gebracht haben und ohne die es für ihn diesen Tag als Brautvater gar nicht geben würde und die Six Pence kommen von Murtagh, einem der wichtigsten Menschen in Jamies Leben und ein enges Mitglied der Fraser Familie. Jamies Freude und sein Stolz, aber auch seine Nervosität sind spürbar und man kann ihm all diese Gefühle aus seinem Gesicht und seinem Verhalten ablesen. Habt ihr auch das typische Jamie-Fingerklopfen bemerkt, wenn Claire zu der Szene hinzukommt?
Übertroffen wird diese erste Sequenz noch von der Szene in der Jamie seine Tochter das erste Mal in ihrem Brautkleid sieht und es ihm im ersten Augenblick den Atem verschlägt. Mir übrigens auch -auch wenn ich leider in Bezug auf Briannas Hochzeitskleid durch veröffentlichte Fotos schon gespoilert worden bin. Briannas Hochzeitskleid ist atemberaubend schön und steht dem ihrer Mutter in absolut nichts nach. Ich liebe den beigefarbenen Stoff und all die kleinen Details und vor allem die Stickereien in Form einer schottischen Distel. Jamies Rührung, seine vor Liebe und Hingabe erfüllter Blick und seine tränengefüllten Augen, wenn er seine Tochter so sieht, berühren mich sehr, denn ich weiß, dass er sich bis vor einem Jahr niemals hätte träumen lassen, diesen so wichtigen Tag im Leben seiner Tochter miterleben zu dürfen, geschweige denn, ihr die Perlen seiner geliebten Mutter umlegen zu können. Jamie ist erfüllt von Dankbarkeit und Stolz, dass er Brianna zum Altar führen und seine Tochter in alter Tradition ihrem Mann übergeben darf und seine Worte “It is a blessing you came to me.”  fassen all das, was er in diesem Moment empfindet, passend zusammen. Briannas “ Je suis prest.” lässt Jamie vor Stolz fast zerbersten und ich bin dankbar, diesen Moment und auch den Weg von Vater und Tochter zum Altar sehen zu dürfen, denn beide Sequenzen sind einfach wundervoll. Musikalisch wird der Moment, wenn Braut und Brautvater zum Altar schreiten, vom FR Theme begleitet und ich kann mir kein Lied vorstellen, das besser passen würde, denn diese Melodie steht für alles, was sich Jamie und Claire immer erträumt haben – ein Heim, eine Familie und eine Gemeinschaft, in der sie in Ruhe und Frieden leben können.

Jamie als Schwiegervater
Oftmals ist aller Anfang zwischen Schwiegervätern und Schwiegersöhnen schwer, besonders dann, wenn der Schwiegervater den Schwiegersohn fast totgeprügelt und an die Mohawks verkauft hat und der Schwiegersohn sich nicht spontan für seine Frau entschieden hat, auch, wenn die äußeren Umstände sein Zögern durchaus rechtfertigen könnten. Dieses doch recht angespannte Verhältnis zwischen Jamie und Roger wird sehr gut durch die erste Szene dargestellt, in der Jamie seinem Fast-Schwiegersohn beim Rasieren behilflich ist. Sehr unterhaltsam, die beiden so interagieren zu sehen. Auch Jamies Zweifel an Rogers Fähigkeiten in der Wildnis von North Carolina im 18. Jahundert überleben zu können und noch wichtiger, seine Familie beschützen und versorgen zu können, werden in knappen, aber durchaus wirkungsvollen Sätzen klar und deutlich.
Derzeit steht die Beziehung von Jamie und Roger noch auf sehr wackeligen Füßen, denn Jamie hat nicht vergessen, dass sich sein Schwiegersohn damals nicht sofort für ein Leben mit Brianna entschieden hat. Roger hingegen müht sich ab, den Ansprüchen seines Schwiegervater zu genügen, aber es ist derzeit eher ein Kampf gegen Windmühlen, auch bis Jamie davon überzeugt, was Claire schon lange weiß, nämlich, dass Roger der richtige Mann für Brianna ist. Wenn Jamie Roger beim „Calling of the Clan“ mit den Worten „son of my house“ an seine Seite ruft und ihn als Captain einen Platz wortwörtlich an seiner Seite anbietet, um Roger, dem derzeit noch sämtliche 18. Jahrhundert Überlebens-Eigenschaften fehlen, seinen Schutz zu garantieren, ist das der Anfang einer sich noch wundervoll entwickelnden Schwiegervater-Schwiegersohn Beziehung.
Apropos Beziehung: Jamies Worte
Fergus Fraser, son of my name and of my heart mit denen er Fergus ruft, sind einfach nur herzerweichend schön und wir können sehen, dass Fergus fast vor Stolz platzt, ob der Worte, die sein Ziehvater an ihn richtet und über das Vertrauen, dass er ihm, trotz seiner fehlenden Hand, entgegenbringt.

Jamie als Laird
„Tryon wants his Scot. I’ll give him a Scot.” ist der verbale Beginn einer fast vergessenen Zeit im OL-Universum. Wie mag es sich wohl für Jamie anfühlen, dass sich wieder einmal Redcoats auf seinem Grund und Boden befinden und sich die Vergangenheit wiederholt? Wenn man einen Deal mit dem Teufel eingeht und dieser jetzt seinen Tribut fordert, dann ist auch unser JAMMF machtlos und muss das tun, was ein Mann tun muss, um sein Land, seine Familie und die ihm anvertrauten Menschen zu beschützen. Und so wird Jamies Kilt, der einst ein Teil seiner Highlander-Identität gewesen ist, die ihm die Briten nach Culloden genommen haben, zu seinem Symbol dessen, was er immer noch tief im Inneren seines Herzen ist und das auch der Dress Act von 1746 nicht zerstören könnte – ein Schotte, ein Highlander, ein geborener Anführer und ein Laird durch und durch, der für seine Lieben und für die, die unter seinem Schutz stehen, gegebenenfalls zu den Waffen greifen wird, auch wenn es gegen seine Überzeugung ist und er auf der Seite der ihm so verhassten Briten kämpfen muss.
Dieser Moment, in dem Jamie langsam und andächtig über den Tartanstoff seines Kilt streicht und sich daran erinnert, für was dieser Stoff einst gestanden und was er alles nach der Schlacht von Culloden verloren hat, ist für ihn und auch für die OL-Fangemeinde ein sehr bewegender Moment. Es ist das erste Mal nach mehr als einem Vierteljahrhundert, dass Jamie seinen Kilt wieder mit Stolz und ohne Repressalien tragen kann und dieser Moment ist besonders, denn der Kilt ist nicht nur ein lang weggesperrtes Kleidungsstück, sondern er ist ein Teil von Jamie, ein Teil seiner schottischen Identität, ein Teil seiner Vergangenheit und ein Teil dessen, was er immer sein wollte. Auch für Claire ist es ein tief bewegender Moment, Jamie nach all den Jahren in diesem Outfit zu sehen, das er einst als junger Highlander – und zuletzt an diesem verhängnisvollen Tag am CnD vor mehr als zwanzig Jahren – getragen hat, denn so hat sie kennen und vor allem lieben gelernt. Dieser Moment, wenn die Kamera Jamie von den Füßen ausgehend, einfängt, verschlägt mir fast den Atem und ich erinnere mich an eine Stelle aus Dianas 4. Buch.

„Ein Highlander in voller Montur ist ein eindrucksvoller Anblick – jeder Highlander, und sei er noch so alt, unansehnlich oder übelgelaunt. Ein hochgewachsener, aufrechter und nicht im geringsten unansehnlicher Highlander in den besten Jahren wirkt atemberaubend.“

(Kapitel 12 „Die Rückkehr des John Quincy Myers“ aus Der Ruf der Trommel by Diana Gabaldon)

Wenn Jamie in voller Highlander Montur vor Claire steht, kann ich nur denken, dass kein Mann in diesem Moment mehr Würde und Stolz ausstrahlen kann, wie unser James Alexander MacKenzie Fraser in seinem Kilt und ich bin wirklich stolz darauf, diesen Mann zu “kennen”.
Jamie erschafft beim „Call of the Clan“, der mich sehr an die Eidzeremonie beim Gathering auf Leoch aus Staffel 1 erinnert (sein Onkel Colum wäre sehr stolz auf ihn), aus dem, was an alter Tradition und an fast vergessenem schottischen Stolz bei seinen Pächtern tief im Inneren noch existiert, einen neuen Clan, dessen Daseinsberechtigung nicht auf Clanzugehörigkeit, sondern auf Loyalität beruht. Wenn er seine Pächter und Freunde mit den WortenBut I hope that if the time comes, you will all stand by my side.” an seine Seite ruft, dann werden sie seiner Bitte folgen und auch wenn er nicht ihr Clan-Chief ist und sie nicht (s)einem Clan angehören, sind sie immer noch Schotten und werden, wie schon damals bei Culloden, wenn die Zeit gekommen ist, für ihr Land und ihre Freiheit Seite an Seite kämpfen,

Jamie als Patensohn
Diese Folge beginnt nicht nur mit Jamie und Murtagh, sondern sie endet auch mit ihnen und so schließt sich der Kreis für diese Woche. Mit dem Ende dieser Folge endet auch eine Ära, denn zwischen Jamie und seinem Patenonkel, der ihm vor langer Zeit einen Eid geleistet hat, ihn immer zu beschützen, komme was wolle, wird nichts mehr so sein, wie es einmal gewesen ist. Jamie entbindet Murtagh von diesem Schwur und schickt seinen geliebten Patenonkel weg, damit er in Sicherheit ist. Kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder? Ich denke, Murtagh gehen zu lassen, fällt Jamie fast genauso schwer, wie damals Claire durch die Steine zu schicken, um für seine geliebte Frau und sein ungeborenes Kind eine sichere Zukunft zu garantieren. Wie schwer muss sein, jemanden erneut zu verlieren, den man schon einmal  betrauert und dann wieder gefunden hat? Für Jamie ist dieser erneuter Trennungsschmerz  nahezu unerträglich, denn er bricht in seiner Trauer um seinen Patenonkel heftig schluchzend zusammen. Die schottisch klingende Melodie, die diese Szene im Hintergrund begleitet, erinnert an bessere Zeiten, die lange vorbei sind und niemals wieder kommen werden, auch wenn die Idylle auf FR manchmal ein Ersatz für das Leben, das Jamie und Murtagh einst im geliebten Schottland geführt haben, ist.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass es diese Staffel für Murtagh nicht gut ausgehen wird. Irgendwann muss der Konflikt zwischen Jamie und Murtagh als Regulator enden und mich beschleicht eine dumpfe Vorahnung, dass Murtagh sich für das Wohl und die Sicherheit der Frasers opfern wird. Vielleicht werden wir ihn doch zusammen mit seinen Regulatoren-Freunden nach der verlorenen Schlacht von Alamance hängen sehen. Ein Gedanke, den ich nicht weiter verfolgen kann, denn die Vorstellung Murtagh zu verlieren und Jamie den Tod seines Patenonkels betrauern zu sehen, ist schrecklich.

Was sonst noch erwähnenswert ist
Briannas allgegenwärtiges und nur hinter einer Fassade verstecktes Trauma findet auch in dieser Folge seinen Platz. Ich finde es gut, dass die Serie auch diesmal, wie schon damals bei Jamie, nicht einfach darüber hinweggeht, wie so viele andere Serien. Wir werden Zeuge, wie ein eigentlich simpler Name all das Grauen in Brianna weckt, das sie in dieser verhängnisvollen Nacht in Wilmington durchlebt hat, so wie allein der Geruch von Lavendel, wenn er Jamie unvorbereitet trifft, ihn postwendend gedanklich wieder nach Wentworth befördert. Briannas Trauma sitzt so tief, dass sie sich selbst dem Mann, den sie über alles liebt, nicht vollständig hingeben kann, sondern einen Teil von sich in der Hochzeitsnacht mit Roger zurückhält, um ihr zerbrechliches Innerstes zu schützen. Und wieder einmal zerstört Bonnet Briannas schönsten Tag in ihrem Leben, denn wie er zuvor für sie die wundervolle Nacht des Handfasting mit Roger zum Albtraum gemacht hat, wird Briannas Traum einer zweiten romantischen Hochzeitsnacht mit Roger durch ihre Erinnerung an diese schicksalhafte Nacht in Wilmington zerstört.

Sind wir in dieser Folge Zeuge vom Ende unseres neuen Traumpaares im OL-Universum geworden? Ist die Zeit von Murcasta wirklich schon vorbei? Ich denke schon, denn Jocasta wird aller Voraussicht nach Duncan Innes heiraten, den sie plötzlich wie ein weißes Kaninchen aus dem Hut gezaubert hat, und Murtagh wird zu sehr mit dem Widerstand gegen die Briten beschäftigt sein, als das aus Murcasta langfristig ein glückliches Paar werden könnte. Schade, denn ich hätte mir für Murtagh auch ein wenig Glück und Zweisamkeit gewünscht, wie auch für LJ, dem auch niemals eine Zukunft mit der Liebe seines Lebens beschert werden wird.
Apropos LJ: Mein Herz hat schon sehr geblutet, als er in der Nacht, wenn alle anderen auf FR in den Armen ihres geliebten Menschen liegen, allein, neben einem betrunkenen Myers am Lagerfeuer sitzt. Poor John….

Gut gefallen haben mir auch noch die Sequenzen, die von Rogers gesungenem Lied „Love” untermalt werden und wie dieses Lied die Nacht unserer OL-Pärchen begleitet und uns so einen Einblick ins Schlafzimmer von Jamie und Claire mit einem ewig weinenden Enkelsohn beschert, wir Zeuge von Roger und Briannas Hochzeitsnacht werden, Murtaghs und Jocastas spätes Glück beobachten können und zusammen mit Fergus erfahren, dass Marsali wieder ein Kind erwartet. Ist euch auch aufgefallen, dass die Melodie von “Love” im Laufe der Zeit immer mehr vom Stil des 20. Jahrhunderts in den des 18. Jahrhunderts übergeht.

Last but not least möchte ich noch kurz auf die flirtende Lizzie eingehen, die offensichtlich großen Gefallen an einem jungen Mann namens Josiah Beardsley findet (Nachtigall, hört ihr sie trapsen?) und auch LJ fehlende Kompetenz an einem feucht fröhlichen Trinkspiel teilzunehmen, muss ich unbedingt noch erwähnen. Shakespeare?Ernsthaft, John?

 

Diese Folge beschert uns einen wirklich starken und wundervollen Serienstart, der erst durch Rogers in Staffel 4 schmerzlich vermissten Blutseid „I claim thee as my son before all men for this day and forever.” perfekt wird.
In der letzten Staffel waren Jamie und Claire auf der Suche nach ihrem Zuhause und seit Ende dieser wissen wir und auch Jamie und Claire, was ein Zuhause, ein Heim bedeutet. Es muss nicht immer ein bestimmter Platz auf dieser Welt oder wortwörtlich ein Heim sein. Zuhause kann überall sein, solange man die Menschen, die Familie, die man liebt bei sich hat. Mit Jamies Entscheidung, Murtagh aus seinem Eid zu entlassen und ihn fortzuschicken, bekommt sein neu gefundenes Zuhause Risse, denn ein Teil seiner Familie wird nicht mehr bei ihm sein.
Ging es in der letzten Staffel also um die Suche der Frasers nach einem Zuhause, wird dieses in Staffel 5 bedroht und die Frasers sehen sich gezwungen, ihr Heim und ihre Lieben zu verteidigen. Am Ende von Folge 12 werden wir wissen, wie weit unsere Protagonisten dafür gehen werden und was sie für ihren Traum von einem gemeinsamen Leben in Freiheit auf ihrem eigenen Grund und Boden opfern müssen.

Je suis prest diesen Weg mit ihnen zu gehen…..

@ Yvonne Pirch

 

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