Episode 502: Between two Fires

Episode 502
„Between Two Fires”

Drehbuch: Toni Graphia & Luke Schelhaas
Regie: Stephen Woolfenden

No, he stands with his people. And I stand with mine.”
(Murtagh FitzGibbons Fraser)

 

 

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu allen Büchern von Diana Gabaldon, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

Nach einem sehr starken und gefühlvollen Staffelstart in der letzten Woche erwartet uns diese Woche, meiner Meinung nach, eine äußerst zwiegespaltene Folge, die mich, so wie der Episodentitel es vorwegnimmt, zwischen zwei Stühlen sitzend zurücklässt. Auf der einen Seite ist die Handlung und deren Umsetzung sehr interessant und die Drehbuchautoren setzen, für die noch kommende Story in Staffel 5, prägnante Punkte. Auf der anderen Seite der Waagschale liegt ein Berg von ungeklärten “W”-Fragen, die sich mir zwangsläufig stellen, wenn ich über diese Folge nachdenke. Einige Dinge und Aspekte sind sehr gut vom Buch zur Serie umgesetzt, wie viele der Szenen zwischen Roger und Brianna und auch die kurze, aber durchaus sehr wirkungsvolle Sequenz mit Bonnet. Manche Handlungsstränge waren auch uns BL neu, aber in meinen Augen sehr konform mit dem, wie wir unsere Protagonisten einschätzen, denn Jamie meistert seine für ihn schon fast unzumutbare Aufgabe mit Bravour. Andere Protagonisten handeln sehr überraschend und auch schockierend, aber nach längerem “Wirkenlassen” durchaus verständlich, wenn ich Murtaghs Verhalten analysiere. Wiederum andere Charaktere fallen in dieser Woche aus ihrer Rolle und machen Dinge, die in meinen Augen total unüberlegt, hitzköpfig und auch moralisch sehr bedenklich sind – anders kann ich die Claire, die ich diese Woche gesehen habe, nicht charakterisieren. Aber egal, ob unsere Protagonisten nun In-Character oder Out-of-Character handeln, eins haben sie alle gemeinsam – sie befinden sich emotional zwischen zwei Stühlen und daher ist der Episodentitel “Between two Fires” die perfekte Überschrift für die heutige Folge.

 

Claire – Between two Fires oder auf der Suche nach ihrem besseren Ich
So wie Jamie in dieser Folge total in seinem Ich ruht und auch in schwierigen Situationen durchdacht und vorausschauend handelt, ist Claire das genaue Gegenteil. Sie fällt in ihr wohlbekanntes, und bei mir nicht so beliebtes, Emergency-Room-Verhaltensmuster zurück, in dem sie mitunter vergisst, wo sie sich befindet und in welche Gefahr sie ihre Mitmenschen und auch sich selbst mit ihrem fast schon verzweifeltes Streben nach medizinischer Gerechtigkeit bringt. Wie schon in Folge 307 mit der Gehirnoperation an dem verletzten Steuereintreiber, als auch in Folge 402 mit der Rettung des Sklaven schlagen auch diese Woche die Drehbuchautoren in meinen Augen etwas über die Stränge und vergessen hier und da, dass Claire zwar oft impulsiv, aber niemals kopflos handelt und schon gar nicht andere Menschen, besonders ihre Familie, in Gefahr bringt. Wo ist in solchen TV-Momenten die wohl überlegte und besonnene Claire aus der ersten Staffel, die aus Geordys Verletzungen keinen künstlichen Notfall kreiert hat? Wo ist in dieser Folge die Claire, die in der dritten Staffel die Thyphusepidemie auf der Porpoise mit Bedacht in den Griff bekommen hat? Ich kann Claires Ohnmacht und ihre Wut über ihre Machtlosigkeit sehr gut nachempfinden, aber trotzdem rechtfertigen diese Gefühle nicht ihr Verhalten in dieser Episode. Gott sei Dank ist Brianna zur Stelle, die ihre Mutter, ganz in Jamie Manier, daran erinnert, in welcher Zeit sie sich befindet und dass Claires Verhalten gefährlich ist, sollte sie entdeckt werden.
Claire hat zwar auch im Buch eine Autopsie durchgeführt, aber das waren andere Umstände als die bei Mr. Farrish und ihre Motive lagen ganz woanders. Irgendeine Autopsie ist nicht automatisch dieselbe Autopsie wie im Buch, nur weil sie eine Autopsie ist. Im Buch wollte Claire beweisen, dass die Sklavin Betty auf River Run ermordet worden ist und sie hat ihren Leichnam auch nicht für medizinische Studien genutzt und diesen tagelang offen im Haus rumliegen lassen, wo in jederzeit irgendjemand hätte entdecken können, noch hat sie fast eine handvoll Menschen eingeweiht, sondern nur der Mensch, dem sie schon mehrfach ihr Leben anvertraut hat, war bei der Autopsie zugegen. Hier in der Serie ist der Grund für die Autopsie doch eher fragwürdig. Ich denke, dass Claire den Leichnam von Mr. Farrish nicht hätte untersuchen müssen, denn sie wusste doch eigentlich schon anhand der Symptome, dass er höchstwahrscheinlich an einem Blinddarmdurchbruch mit auftretender Sepsis gestorben ist. Selbst ich als medizinischer Laie habe gesehen, dass er nicht an einer hochinfektiösen Krankheit, wie Pocken oder Masern gelitten hat, sondern ein internistisches Problem vorlag, dessen Ursache im 18. Jahrhundert ohne Narkosemittel und diversen anderen Errungenschaften der modernen Medizin nicht behandelbar gewesen wäre. Deshalb macht auch Claires Aussage „I can’t watch someone die like this, knowing that if he’d just come to me sooner, I could have saved his life.“ meines Erachtens keinen Sinn, denn sie hätte Mr. Farrish auch dann nicht retten können, wenn er direkt nach Auftreten der ersten Schmerzen zu ihr gekommen wäre. Abgesehen von dieser, in meinen Augen, unnötigen Autopsie ist es für mich noch weniger verständlich, warum Claire den Leichnam “behält”, um Marsali Anatomieunterricht am lebenden toten Objekt zu erteilen. Dieser überaus moralisch und ethisch verwerfliche Plan, den Claire sich überlegt hat, steht in keinster Art und Weise im Verhältnis zu dem Zweck, dem der Leichnam von Mr. Farrish dient. Warum muss Marsali die menschliche Anatomie studieren, wenn sie Claire in ihrer Sprechstunde nur zur Hand gehen soll und nicht in nächster Zeit das chirurgische Team auf FR leiten wird. Nicht nur, dass Claire Marsali in ihren Plan einweiht, sondern sie macht Roger zu ihrem Komplizen. Es fällt mir wirklich schwer zu glauben, dass Roger, als Sohn eines Pfarrers und ausgestattet mit einem sehr sensiblen moralischen Kompass, im Beisein der trauernden Witwe auf einer Beerdigung seelenruhig singt, wenn sich in dem Sarg nur Steine befinden, die beerdigt werden. Niemals könnte Roger diese Täuschung, noch das Verstecken eines Leichnams unter dem großen Haus mit seinem Gewissen vereinbaren. Was passiert eigentlich mit Mr. Farrish, wenn Claire aus ihrem Dr. Quincy-Modus in die Realität des 18. Jahrhunderts zurückfindet? Wird der arme Mann dann im Wald verscharrt oder bekommt er doch noch ein ordentliches Begräbnis? Was wird Jamie dazu sagen, dass nicht nur sein Schwiegersohn, sondern auch seine Ehefrau eine Ketzerin ist?

Übrigens habe ich Marsali für ihre Frage “Was she right, my Ma? Was she?” gefeiert und auch wenn Claire darauf mit “I`m not a witch!“ antwortet, denke ich, dass sie sich aber fast die gesamte Folge wie eben so eine verhält, wenn man das Jahrhundert, in dem sie sich aktuell befindet, berücksichtigt. Auch ihr Brotbackwahn am Ende dieser Episode ist mehr als bedenklich. Ich habe gedacht, dass Claire eigentlich Penicillin herstellen will und nicht eine Bäckerei auf FR eröffnet. Wenn nicht schon die komplette Dr. Claire Randall Fraser alias Dr. Quincy Storyline absolut Out-of-Character ist, dann spätestens der Backwahn auf FR. Buch-Claire würde niemals, und auch nicht für ihre Penicillinproduktion, so viel Weizen verschwenden, der teuer und äußerst kostbar ist, wo doch der nächste Supermarkt nun einmal nicht an der nächsten Ecke mit Typ 405 Mehl in Unmengen auf sie wartet und es Menschen in ihrer Umgebung gibt, die an Hunger leiden.
Alles in allem finde ich, dass Claires Story in dieser Folge nicht rund und meiner Meinung auch nicht durchdacht war. Der Zweck heiligt leider nicht immer die Mittel  und rechtfertigt nicht, um den Preis einer spannenden und vielleicht auch schockierenden Storyline, sämtliche Charaktereigenschaften des Protagonisten über Bord zu werfen.

 

Jamie – Between two Fires und mehr ist dazu nicht zu sagen
So, wie Claire in dieser Folge irgendwie nicht sie selbst gewesen ist, ist Jamie ganz Herr seines Charakters und immer auf den Punkt, bis auf einen kurzen Augenblick, wenn er zu einem der Opfer aus Hillsborough sagt In time, ye will wear yer scars wi‘ honor, knowing ye received them doing your duty.” Das kann ich nicht so ganz glauben und aus Jamies Mund, der selber Opfer von Folter und Gewalt geworden ist, klingt diese Aussage noch unrichtiger, denn seine körperlichen Narben, die ihm BJR mit der Peitsche in Fort William beigebracht hat und die seelischen Narben aus Wentworth trägt Jamie bestimmt nicht mit Ehre, sondern eher mit Wut all der Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit, die er erleiden musste. Ansonsten handelt Jamie in dieser Folge sehr durchdacht, entschlossen, umsichtig und pragmatisch und in meine Augen hat sich TV-Jamie ein JAMMF meinerseits mehr als verdient. Selbst in der brenzligen Situation im Gefängnis, wenn Lt. Knox einen der inhaftierten Regulatoren ersticht, bleibt Jamie ruhig. Wie in einem guten Schachspiel plant er seine nächsten Züge im Voraus und setzt mit seiner Taktik den Gegner schachmatt, eher dieser mitbekommt, dass das Spiel überhaupt begonnen hat. Jamie ist stets darauf bedacht, im Wirkungsbereich von Lt. Knox zu sein, damit er immer ein wachsames Auge auf seinen Patenonkel haben kann, denn wer Lt. Knox beeinflusst, der beeinflusst auch die Jagd nach Murtagh. Wie schon in Staffel zwei bei “Mark-Me” täuscht er seinen Gegner so weit, dass dieser wirklich annimmt, sie hätten mehr gemeinsam, als den Befehl nach Murtagh FitzGibbons zu suchen.  Colum wäre wirklich stolz auf seinen Neffen! Nur der, der Jamie wirklich gut kennt, kann in seinem Gesicht lesen, was gerade in ihm vorgeht, wenn er Dinge zu Lt. Knox sagt, die er sagen muss, um das größere Ganze, wie die Sicherheit seiner Familie, seines Patenonkel und seiner Leute nicht zu gefährden.
Im Buch kämpft Jamie zwar auch gegen seinen Willen gegen die Regulatoren, weil er auf der einen Seite nach Culloden nicht mehr kämpfen möchte, und schon gar nicht auf der Seite der Briten, und weil er auf der anderen Seite mit der eigentlichen Sache der Regulatoren sympathisiert, nicht aber mit ihren Methoden. Aber in der Serie bekommt das moralische Dilemma, in dem sich Jamie befindet, eine viel schwerwiegendere Gewichtung, weil es durch Murtaghs Beteiligung an den Regulatorenaufständen für Jamie persönlich wird, denn er bekämpft nicht nur namenlose Aufständische, sondern sein eigen Fleisch und Blut. Wie ich schon in meiner Review von letzter Woche geschrieben habe, glaube ich nicht an einen glücklichen Ausgang dieser Story. 

 

Murtagh – Between two Fires oder auf der Suche nach dem verlorenen Kompass
Ich bin immer noch zutiefst von Murtaghs Verhalten in Hillsborough erschüttert und schockiert. Auf den ersten Blick kann ich nicht glauben, dass der Murtagh, den ich seit nunmehr mehr als vier Staffeln kenne, achte und in mein Herz eingeschlossen habe, nicht in das Geschehen als rettende und moralisch mahnende Hand eingreift. Habt ihr Jamies Blick gesehen, wenn er von dem Boten erfährt, dass Murtagh an den Gräueltaten in Hillsborough beteiligt war? Auch er kann nicht glauben, was er da hört, so wie ich nicht glauben kann, was ich sehe. Murtagh ist nicht nur stiller Zeuge der Taten seiner Regulatoren-Kameraden, sondern er stachelt diese mit seinem “Go for it” an und wird so zum Mittäter, wenn nicht sogar zum Täter, von Plünderung, Brandstiftung und vor allem von Selbstjustiz an britischen Adligen und Staatsbediensteten, die vor seinen Augen durch Teeren und Federn -eine damals durchaus üblichen Bestrafungsart – gefoltert werden. Sind die Drehbuchautoren dort über das Ziel hinausgeschossen und haben aus Murtaghs moralischen Kompass in der Schublade im Writers Room vergessen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich denke, jeder Mensch, mögen wir ihn auch noch so gut kennen. kann in Extremsituationen zu Handlungen fähig sein, die wir ihm niemals zugetraut hätten. Auch hat Murtagh uns auch schon in der Vergangenheit seine Gewaltbereitschaft gezeigt. Erinnert ihr euch an den Duke of Sandrigham oder auch an den Boten, den Claire und Jenny auf ihrer Suche nach Jamie befragt haben? Versteht mich bitte nicht falsch, ich will und kann Murtaghs Beteiligung am Aufstand in Hillsborough nicht gut heißen, noch möchte ich ihn verteidigen, aber ich möchte verstehen können, was ihn dazu veranlasst hat, derart furchtbare Dinge zu tun. Zunächst einmal gebe ich zu bedenken, dass das 18. Jahrhundert, möge es in der Serie meist noch so zivilisiert und anständig erscheinen, andere moralische Grundsätze hatte. Menschen wurden als Sklaven gehalten, Frauen hatten keinerlei Rechte, sexuelle Gewalt in der Ehe war an der Tagesordnung, Dieben wurde die Hand abgehackt und Verräter wurden gehängt, ausgeweidet und gevierteilt. All diese Sachen waren üblich, gängig und von der Mehrheit der Bevölkerung auch akzeptiert, so wie auch das Teeren und Federn für Vergehen wie Diebstahl, Betrug und Korruption zu dieser Zeit eine üblich Bestrafung gewesen ist. Daher ist die Art und Weise, wie die Regulatoren mit den vermeintlichen korrupten und betrügerischen britischen Staatsdienern und Protegeren der herrschenden britischen Oberklasse umgehen, in ihren Augen gerechtfertigt. Denn auch diese kennen keine Gnade, wenn sie arme Bauern, die oftmals die Wuchersteuern nicht zahlen können, aus ihren Häusern und von ihrem Land verjagen und sie dem Hungertod überlassen. Abgesehen davon, dass daher die Geschehnisse im September 1770 in Hillsborough – geschichtlich auch unter dem Namen “Hillgsborough Riots”  bekannt  – im Kontext der herrschenden Bräuche und Sitten und der ungerechten und korrupten britischen Herrscherklasse vielleicht besser nachzuvollziehen sind, ist da immer noch die Frage nach Murtaghs warum und wieso. Ich denke, es lässt sich schlicht und ergreifend damit erklären, dass er wortwörtlich nichts mehr zu verlieren hat und dass ihm nichts mehr geblieben ist, als der Kampf gegen die verhassten Briten, die er für den Verlust dessen, was er einst in Schottland hatte, in die Verantwortung nimmt. Murtagh hat an diesem verhängnisvollen bitterkalten, verschneiten Tag im April auf dem Schlachtfeld von Culloden alles verloren, was ihm lieb und teuer gewesen ist – seine Freunde, seine Würde, seine Freiheit und seinen geliebten Patensohn, den ihm die Briten erneut durch die Deportierung nach Amerika genommen haben. Erst viele Jahre später hat er seine Freiheit wiedererlangt und nach mehr als zwanzig Jahren hat er auch Jamie, und somit einen Teil seiner Familie und seiner verlorenen Heimat, wiedergefunden. Aber diese für Murtagh glücklichen Zeiten währen nicht lange, denn wieder einmal wird er durch die Briten gezwungen, seine Liebsten zu verlassen. Murtagh hat nach Briannas Hochzeit nicht nur Jocasta, sondern auch seinen über alles geliebten Patensohn verloren. All diese Rückschläge, die Murtagh in seinem Leben widerfahren sind, wiegen mehr, als sein Gefühl für Moral und Anstand, denn die Rotröcke waren ihm gegenüber nie gnädig, warum sollte er dann Gnade ihnen gegenüber zeigen. Und so, wie sie ihn mit aller Brutalität aus dem Schoße seiner Heimat und seiner Liebsten vertrieben haben, wird er sich jetzt in der neuen Welt dafür rächen, denn er hat fast sein ganzes Leben darauf gewartet, sich wehren zu können und jetzt wo er es endlich kann, wird er es auch mit allen Mitteln tun.
Der Moment, in dem die beiden inhaftierten Regulatoren zurück in das Camp kommen und Murtagh Jamies Verhalten verteidigt, stimmt mich am Ende versöhnlich. Dieser liebevolle, väterliche Ausdruck auf seinem Gesicht und die Worte He’s walking between two fires.”, die von ihm mit so viel Verständnis und auch Mitgefühl für Jamies Situation gesagt werden, zeigen, dass mein Murtagh immer noch da ist. Everyone needs a Murtagh – dazu stehe ich immer noch, auch nach dem, was ich in dieser Folge gesehen habe.

 

Roger und Brianna – Between two Fires oder wohl eher vier
Die Szenen zwischen unseren frisch vermählten Honeymoonern haben mir alle sehr gut gefallen, denn sie waren stimmig und bis auf Rogers Mittäterschaft bei Claires ominösen Leichenexperimenten vollkommen charakterstimmig. Viele wichtigen Aspekte aus “Das flammende Kreuz” waren vorhanden und bilden den Grundstein für die weitere Handlung der MacKenzies. So führen Rogers fehlende Fähigkeiten mit den Anforderungen des 18. Jahrhunderts zurechtzukommen, ihn immer wieder in Selbstzweifel und sind unter anderem auch ein Grund, warum er, mehr als Bree, wieder in ihre Zeit zurückreisen möchte, denn er steht der Tatsache, dass er weder für seine Familie sorgen noch dass er sie im Notfall verteidigen kann, ohnmächtig gegenüber. Auch sein Verhältnis zu Jamie ist geprägt durch Selbstzweifel und dem Gefühl, nicht gut genug für Jamies Ansprüche an den Mann seiner Tochter sein zu können und daher ist es für Roger fast unvorstellbar, dass er von seinem Schwiegervater als Schwiegersohn akzeptiert werden könnte. Den Beweis dafür liefert uns Roger AussageJames Fraser is my Colonel.”, obwohl Jamie ihn noch in der letzten Folge als “Son of my House” bezeichnet und ihm seinen Schutz angeboten hat. Der einzige Wermutstropfen an Rogers Storyline in dieser Woche ist, dass er zu allen Anpassungsschwierigkeiten auch noch ein schlechter Jäger ist und Claire ihm sogar, anstatt wie im Buch das Fehlen des räumlichen Sehens, eine eventuelle psychische Hemmschwelle bescheinigt – eine weiterer Tropfen, der Roger stark angeschlagenes Selbstwertgefühl höhlt.
Ich finde es sehr niedlich, dass das Lied, das Roger in dieser Folge für Jemmy singt, den Titel
Joy to the World – Jeremiah was a bullfrog” trägt und ich mag es wirklich sehr, wenn Roger in vielen Alltagssituationen singt. Nicht nur, weil Richard eine wundervolle Stimme hat und ich ihm stundenlang zuhören könnte, sondern auch, weil das Singen ein wichtiger Teil von Rogers Identität ist und er sich darüber definiert. Etwas, was in den kommenden Folgen noch sehr wichtig werden wird.

Brianna kämpft in dieser Episode immer noch mit den Folgen ihrer Vergewaltigung und sie therapiert sich selbst, indem sie düstere und dunkle Zeichnungen von dem Gesicht anfertigt, das sie in vielen ihrer schlaflosen Nächte verfolgt, insbesondere da sie jetzt weiß, dass Bonnet noch am Leben ist. Ich finde es sehr gut, dass die Serienverantwortlichen sich für die Verarbeitung von Briannas Trauma diese visuelle Art und Weise ausgesucht haben, die in einem visuellen Medium, wie einer Fernsehserie wunderbar und besser funktioniert, als Briannas Tagebücher. Brianna hat diese furchtbare Nacht in Willmington überlebt, aber sie muss lernen, wie auch schon ihr Vater, mit dem, was ihr widerfahren ist, irgendwie weiterzuleben. Da fällt mir die Textstelle im Band 4 in Kapitel 48 “Fern in einer Krippe” ein, die beschreibt, wie sich Jamie, nachdem er Brianna wortwörtlich gezeigt hat, dass sie sich nicht hätte gegen Bonnet wehren können, seinem Dämon namens BJR stellt und diesem am Ende, wie schon so oft in der Vergangenheit, vergibt. Eine, in meinen Augen, sehr ergreifende und berührende Passage und wenn ihr Zeit habt – es lohnt sich, diese Zeilen zu lesen. Wenn Roger zufällig Briannas Zeichnungen von Bonnet findet, ist er so verstört, dass er kaum reagiert, als Jemmy die ersten Schritte an den Händen seiner Frau macht. Ich bin gespannt, wie dieser Handlungsstrang in den nächsten Folgen weiter gehen wird und wie Roger Brianna auf das, was sie nachts nicht schlafen lässt, ansprechen wird, wo doch beide aus der jüngsten Vergangenheit wissen sollten, dass fehlende Kommunikation und das Verschweigen von wichtigen Themen nie eine gute Wahl sein kann.

 

Bonnet – Between two Fires oder ihm nicht alles egal!
Die Szene mit dem politisch korrekten Hahnenkampf in Form eines Frauenboxkampfes (übrigens seit dem 18. Jahrhundert in England historisch belegt) mit anschließender Verstümmelung eines Mannes von Seiten Bonnets wurde im Buch in einem Brief von LJ an Jamie erwähnt (im Kapitel 30 “Satans Brut”) und für die Serie von den Verantwortlichen wirklich sehr wirkungsvoll umgesetzt. Ich glaube nicht, dass Bonnet jemals in seinem Leben zwischen zwei Stühlen gesessen hat, denn das würde bedeuten, dass er so etwas wie ein Gewissen oder ein Funken Moral in seinem psychopathischen Hirn hätte. Dieser Mann ist absolut skrupellos und weder berechenbar, noch vorhersebar oder in irgendeiner Form einzuschätzen und was für ihn heute als richtig gilt, kann schon morgen in seinen Augen eine Todsünde sein und seinerseits hart bestraft werden. All das macht Bonnet so gefährlich, denn er macht nur Dinge, die ihm selber nutzen, denn für ihn gilt nur eines im Leben, dass er immer seine Ziele erreicht und dass er für das Erreichen dieser kein moralisches Limit hat. Ich glaube, dass Bonnet noch gefährlicher ist als BJR, der trotz allem noch Ehre und den Hauch von Empathie besessen hat und der sich der Dunkelheit, die ihn im wohnte, bewusst gewesen ist und diese meistens im Griff hatte. Was mich nachts an Stelle der Frasers nicht mehr schlafen lassen würde, ist Bonnets Aussage “I’m a father now.”, denn nicht auszudenken, wenn dieser Psychopath irgendwann seinen Nutzen aus der Existenz seines vermeintlichen Sohnes ziehen möchte. 

 

Was sonst noch erwähnenswert ist
Wer von euch findet auch, dass Mrs. Bug als erste Erwähnung mehr als Claires Bitt, in Form von “Mrs. Bug, get me a bowl of cold water, please.“, verdient hätte? Eigentlich hätten Mr. und Mrs. Bug bereits schon in der letzten Folge das erste Mal vorgestellt werden sollen, wie man es im Drehbuch zu 501 nachlesen kann. Dort findet man auch eine längere Szene zwischen Claire und Mrs. Bug, wenn diese zusammen die Hochzeitstorte, die Claire für Roger und Brianna gebacken hat, aus dem Haus holen und sich Mrs. Bug Claire als Haushaltshilfe anbietet. Mich als BL stört dieses “Im-Drehbuch-stehen-und-in-der-Folge-zu-kurz-kommen” nicht so sehr, aber bei Nicht-BL kann schon mehr als nur ein Fragezeichen erscheinen, wenn es darum geht, herauszufinden, woher auf einmal der eine oder andere Charakter auf FR kommen mag.

War der Moment, wo die Frauen auf der Wiese vor dem großen Hausen Kerzen aus Bienenwachs herstellen, nicht ein in Bild und Ton wahrgewordener Buch-Moment? Schade, dass die Idylle schnell vorbei gewesen ist, denn der eigentliche Grund für diesen wundervollen Augenblick ist, uns Zuschauern zu zeigen, dass die Menschen Claires medizinischen Ratschlägen nicht trauen. Wenn das wirklich so ist, frage ich mich, was die langen Schlangen vor Claires Untersuchungszimmer in der letzten Folge zu bedeuten hatten. Wollten die Menschen alle etwa nur das Rezept der Hochzeitstorte?

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Drehbuchautoren nicht nur Roger und Brianna über eine Reise zurück in die Zukunft diskutieren lassen, sondern den Aspekt, dass Jemmy vielleicht gar nicht reisen kann, nicht außer Acht lassen.
Apropos  Roger: Wollen wir nicht alle zusammen mit Roger Mitglieder im Tufty Fluffytail Club werden? Damit ihr seht, worauf ihr euch einlasst, ist hier ist ein kleines Video zum Tufty Fluffytail Club.

 

Alles in allem hat diese Folge so ihre Höhen und Tiefen und an einigen Stellen, gerade in Bezug auf Claires Verhalten, wirft die Handlung mehr Fragen auf, als in knapp 60 Minuten Sendezeit beantworten werden können. Meine Lieblingsfolge wird sie daher nicht werden und da jede Staffel wohl ihre “Creme de Menthe” und “The Fox`s Lair” Folge braucht – die ich beide übrigens wesentlich schlechter und noch unausgewogener fand als diese – haben wir das Schlimmste in dieser Staffel vielleicht schon mit Folge 2 überstanden. Trotz allem freue ich mich auf nächste Woche und bin sehr gespannt, wie die Handlungsfäden, die am Ende dieser Folge lose im Raum baumeln, aufgenommen und weitergesponnen werden und ob ich Antworten auf all die Fragen bekommen werde, die noch unbeantwortet sind, wie: Was wird aus Murtagh? Werden Roger und Brianna über Briannas Trauma sprechen? Wird Jamie, der nicht weiß, dass seine Tochter weiß, dass Bonnet noch lebt, Brianna die Wahrheit über ihren Vergewaltiger erzählen? Wer wird all die Brote essen, die Claire gebacken hat?

Je suis prest!

@ Yvonne Pirch


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