Review Folge 210 Schlachtplan (Prestonpans)

2016-10-05-14-02-50

 

Episode 210
Schlachtplan
(Prestonpans)

Drehbuch: Ira Steven Behr
Regie: Philip John

“Gib auf Jamie acht. – Immer.“
(Claire Fraser & Murtagh Fitzgibbons Fraser)

ACHTUNG: Der folgende Text enthält Spoiler. Nicht nur Spoiler zur Serie und der aktuellen Folge, sondern auch zu Diana Gabaldons Büchern, die bis zum heutigen Datum erschienen sind.

 

Es war wirklich eine der schnellsten Stunde Fernsehen, die ich in meiner ganzen TV-Geschichte erlebt habe. Als Rupert ins Leere blickt und abrupt der schwarze Bildschirm erscheint, dachte ich erst, meine Internetverbindung sei unterbrochen. Doch dann kam auch schon der Abspann und ich konnte nicht glauben, dass es schon wieder vorbei ist, es hatte für mich doch gerade erst angefangen.
Mit einer Gesamtdauer von 1:04:00 gehört diese Folge, wie auch „Faith“ und „Jes Suis Prest“, zu den Episoden, bei denen die Sendezeit über die normale Länge hinausgeht. Maril Davis, eine der Produzentinnen von Outlander und Partnerin von Ron D. Moore bei Tall Ship Production, hat in einem Interview gesagt, dass die „normale“ Sendezeit für eine Folge 55:00 Minuten beträgt. Ein Lob an die Verantwortlichen bei Starz, die solche Abweichungen von der Norm möglich machen, denn ich weiß wirklich nicht, wo sie die zehn Minuten aus dieser Folge hätten wegschneiden können.

Der Episodentitel in den Opening Credits wird in dieser Folge musikalisch mit schottischen Dudelsäcken untermalt, in die dann Trommeln, gespielt von britischen Soldaten einstimmen. Diese verstummen dann, so dass die Dudelsäcke noch eine Zeit darüber hinaus alleine weiterspielen. Vielleicht eine Vorahnung an den Ausgang der Schlacht von Prestonpans?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es eine fantastische Folge ist, wundervoll geschrieben und umgesetzt. Die Handlung reißt ein paar Handlungsstränge des Buches an, setzt den Plot der Rebellion sehr gut um und führt ihn weiter, denn Prestonpans ist ja erst der Anfang vom Ende. Zeitgleich wird uns das Gefühl, dass, trotz eines großartigen Sieges über die Briten, das unabwendbare Unheil wie ein Damoklesschwert über den Highlandern schwebt, vermittelt. Gut zu erkennen an Claires Voice Over zu Anfang der Folge „Doch ich fürchtete, dass sich die Geschichte nicht neu schreiben ließ, denn ganz egal, wie viele Schlachten wir gewannen, der Sieg schien in unerreichbarer Ferne. Wie viele Männer habe ich im Krieg fallen sehen? Viele, viel zu viele.“, bis hin zu Claires Bemerkung am Ende der Episode: „Das heißt, ich habe auch recht, was die zu erwartende Katastrophe bei Culloden angeht.“

Ich finde, Ira hat mit seinem Drehbuch Serie und Buch perfekt gemischt und harmonisch miteinander verbunden. Jede Änderung, die er in Bezug auf die Buchhandlung vorgenommen hat, war sehr gut gemacht, hat mich nicht gestört und die Porträts der Charaktere waren definitiv im Einklang mit ihrer TV Version (im Speziellen Dougal und Fergus, mehr dazu später). Auch hat Iras Drehbuch einige, auch für uns BL spannende, ergreifende und herzzerreißende Überraschungen parat gehabt.

Prestonpans ist eine wichtige Schlacht innerhalb des Jakobitenaufstands. Wenn Ihr gerne meine Kurzzusammenfassung der Schlacht lesen möchtet, Ihr findet sie hier: http://wp.me/p7I1JG-9q.
Alle an dieser Folge Beteiligten haben es geschafft, der filmischen Umsetzung dieses wichtigen Sieges der Jakobiten würdig zu sein. 
Die Schlachtszenen sind sehr gut geschrieben und vor allem auch in meinen Augen für eine TV Serie sehr gut choreografiert. Ich kann verstehen, dass es die einzige Schlacht ist, die wir in dieser Staffel zu sehen bekommen. Wie viel Zeit und vor allem auch Geld der Dreh so einer Szene verschlingt, kann ich mir nur ansatzweise vorstellen. Vielen Dank an Philip John, dem „Master of Choreographing“, ich ziehe meinen Hut vor ihm, denn er hat die Schlacht wirklich toll inszeniert. Es hat schon etwas Mystisches an sich, wenn wir die Highlander sehen, wie sie versteckt unter ihren Plaids, fast unscheinbar und lautlos durch den Nebel schleichen. Dieser einzige britische Soldat, der mitten in dieser Nebelwand steht und schläft, ist das Symbol für diesen Überraschungsangriff, denn nein, die Briten haben nicht mit dem Angriff gerechnet und sie haben die Schotten nicht kommen hören. Dann rennen die Highlander los, man kann sie nicht sehen, sondern nur hören. Ihr Getrampel hört sich an wie Donnergrollen und sie schreien A’ mhór-fhaiche“, das ist ein Highland Charge wie aus dem Lehrbuch und ich kriege nur beim Beschreiben dieser kurzen Sequenz schon wieder eine Gänsehaut.
A’ mhór-fhaiche“ ist einer der Schlachtrufe des  Clan Fraser, der mit „das große Feld“ übersetzt werden kann. Der andere Schlachtruf des Clan Fraser lautet  Caisteal Dhuni“ (dt. “Schloss am Fort”) und sollte uns aus Dianas Büchern eher bekannt sein. 
Auf http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=210 findet Ihr ein paar Bilder, wie die Schlacht von Prestonpans gefilmt wurde.

Obwohl die Schlacht von Prestonpans das zentrale Ereignis der Folge ist, wie ja schon der englische Episodentitel vermuten lässt, ist es auch oder im Besonderen eine Folge über Beziehungen, über Freundschaft, über Liebe, über Verlust und über Trauer. Daher setzt die Episode inhaltlich den Fokus mehr auf die Beziehungen der Beteiligten und auf das, was durch die Schlacht von Prestonpans mit ihnen passiert und bringt die Dramatik des Krieges, seine Brutalität, seine Willkür und seine Zerstörung sehr nah an uns Zuschauer heran. Die Serienverantwortlichen haben dem Grauen des Krieges, wie auch schon in 209 mit Claires PTBS, ein Gesicht geben, eins, das mir persönlich seit Staffel 1 ans Herz gewachsen ist. Angus!
Gefühle werden in dieser Folge nicht mit großen Gesten dargestellt, sondern es sind die kleinen Momente, Blicke und Gesten, die die Tiefe und Vielschichtigkeit der Emotionen zeigen. Viele dieser kleinen Momente haben mich sehr bewegt und ich kann jetzt nachvollziehen, warum Sam in einem seiner Interviews zu dieser Episode gesagt hat, dass diese Folge so episch ist, weil viele kleine Teile ein großes Ganzes bilden.

BPC
Kleine Randnotiz (am Anfang):
Terry hat sich mit dem Kostüm von BPC mal wieder selbst übertroffen. Für mich sieht es so aus, als wenn es eine Kopie des Gewandes ist, das BPC im echten Leben getragen hat.(https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Edward_Stuart#/media/File:William_Mosman_-_Prince_Charles_Edward_Stuart,_1720_-_1788._Eldest_son_of_Prince_James_Francis_Edward_Stuart_-_Google_Art_Project.jpg)
Obwohl er in der traditionellen Kleidung der Highlander gekleidet ist, sticht er trotzdem hervor, da er sich farblich total von der „Grauen Masse“ der Highlander Tartans abhebt und so seine Sonderstellung und seinen Reichtum zeigt, denn farbenreiche Tartans waren in dieser Zeit für einen durchschnittlichen Highlander unerschwinglich. Außerdem sieht BPC in seiner Kleidung komisch und verkleidet aus und ich finde, jeder kann sehen, dass es nicht die Art von Kleidung ist, die er normalerweise trägt. So, als wenn man in unserer Zeit einen Casual Typ in das kleine Schwarze mit High Heels steckt.

Wir sehen BPC in seiner „Kommandozentrale“, irgendwo in der Nähe des Sumpfgebietes bei Prestonpans. Diese Szene zeigt historisch gesehen mehr als deutlich, warum der Jakobitenaufstand gescheitert ist. BPC ist von einer viel zu großen Anzahl von Ratgebern umringt, die versuchen, auf die eine oder andere Art und Weise einen Platz an seinem Tisch zu ergattern, allen voran der irische Sir John O`Sullivan, der der Hauptplaner der Schlacht von Culloden war, gefolgt von Lord George Murray, einem schottischen General. Nicht zu vergessen, die Lairds der beteiligten Clans, die schon seit Generationen verfeindet sind, und, wie Jamie bereits in Episode 202 festgestellt hat, sich noch nicht einmal auf die Farbe des Himmels einigen können. Man merkt deutlich, dass jeder Laird gerne das Sagen hätte und natürlich auch am Tisch von BPC sitzen möchte.

Mark me, aber ich hätte wirklich gerne Claires Reaktion auf BPCs Bitte gesehen, dass erst die britischen Verwundeten medizinisch versorgt werden sollen. Ich habe in dieser Situation wirklich Hochachtung vor Jamies Selbstbeherrschung und dachte für den Bruchteil einer Sekunde, dass er doch Murtaghs Vorschlag befolgt und BPC die Kehle durchtrennt. Schade, dass wir in diesem Moment nicht Jamies Finger sehen können, denn die haben wahrscheinlich eine ganze Sinfonie getrommelt. Und sein Gesichtsausdruck als BPC ihm vorschlägt: „Aber gewiss wird Lady Broch Tuarach eine Anweisung ihres Herren und geliebtem Ehegatten Folge leisten.“ ist unbezahlbar und sagt alles aus, so nach dem Motto: „Your Royal Highny, Du weißt nicht, mit wem Du dich da anlegst und ICH werde garantiert nichts ausrichten können. ICH möchte auch nicht, dass mir meine Frau ein zweites Mal meinen Dolch an die Kehle setzt.“

In dieser Folge sehen wir zeitweise einen ganz anderen BPC, als den, den wir wimmernd und „Ich-will-nicht-nach-Polen-ins-Exil“ jammernd in Folge 206 in Paris zurückgelassen haben. Er scheint gefestigter, mutiger und auch entscheidungsfreudiger zu sein, was aber nicht ausschließt, dass er immer noch beeinflussbar, wankelmütig und etwas realitätsfremd ist. Solange er Aussagen wie „Ich habe es meinem Vater versprochen, ebenso Gott.“ tätigt, kann ich ihn nicht wirklich ernst nehmen und ich glaube, Jamie auch nicht.
Auch seine überschwängliche Freude, die er Dougal nach der 125-Yard Szene entgegenbringt, macht ihn als Kommandanten einer ganzen Armee nicht wirklich kompetenter. BPC erinnert mich in dieser Szene an Fergus, wie er in der letzten Folge Jamie und Claire stürmisch begrüßt. Nur mit dem Unterschied, dass Fergus ein zehnjähriger Junge ist und BPC ein fünfundzwanzigjähriger Thronanwärter. Aber zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass er zu diesem Zeitpunkt unter extremen Druck steht, da der eine Teil seiner Ratgeber durch den Sumpf will und der andere Teil nicht und er durch Dougal nun endlich seine Antwort hat.
Trotz allem schafft BPC es mich im Laufe der Folge wirklich zu beeindrucken. In der Szene, kurz bevor die Jakobiten die Briten aus dem Nebel heraus angreifen, zeigt er Mut und Stärke und sagt zu Jamie: „Muss ich Sie wirklich daran erinnern, dass dies meine Armee ist und es ist mein Wunsch, sie in die Schlacht zu führen. das ist mein Recht und meine Bestimmung.“ Trotzdem bin ich froh, dass Jamie ihn überreden kann, nicht in die Schlacht zu ziehen, denn ich denke, dass er keine fünf Sekunden überlebt hätte. Über seine Aussage „Ich bin nicht der Meinung, dass ich meinem Vater so viel bedeute“ musste ich schmunzeln und diese zeigt mir, dass er wirklich die Anerkennung und vielleicht auch Liebe seines Vaters erkämpfen will, indem er ihm wortwörtlich den Thron Schottlands und vielleicht auch Englands zu Füßen legt.

Und für alle, die an dem „Mark Me“-Trinkspiel teilnehmen möchten, ich habe es in dieser Episode insgesamt fünf Mal gehört.

Kleine Randnotiz:
Ich hätte wirklich sehr gerne die Szene aus dem zweiten Buch gesehen, in der BPC realisiert, dass der Krieg nicht unbekannte Opfer fordert, sondern sein Freund James fast eines geworden wäre. Und weil diese Stelle so schön ist, hier noch einmal für alle:

“Es war kein Kätner oder Schäfer, der hier vor ihm stand. Kein namenloser Untertan, dessen Pflicht es war, für die Stuarts zu kämpfen. Dies war ein Freund. Und ich hatte den Eindruck, dass er beim Anblick von Jamies Verletzung plötzlich begriff – dass auf seinen Befehl Blut vergossen wurde, dass in seinem Namen Menschen verwundet wurden. Kein Wunder, dass ihn diese Erkenntnis so tief wie ein Schwerthieb traf. Er warf einen langen Blick auf Jamies Seite, dann hob er den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. Er nahm Jamie bei der Hand und verneigte sich. »Danke«, sagte er leise. Und nur in diesem einen Moment dachte ich, dass er vielleicht doch ein guter König geworden wäre.”
(„Die geliehene Zeit“ von Diana Gabaldon Kapitel Prestonpans)

Fergus
In den Büchern ist Fergus für mich immer ein Buchcharakter, zu dem ich nicht so einen Zugang gefunden habe, wie zu anderen Figuren. Das mag vor allem daran liegen, dass ein Großteil des zweiten Buches aus Claires Sicht erzählt wird und ich immer den Eindruck habe, dass Claire keine Gefühle, die über Fürsorge und Verantwortung hinausgehen, für ihn entwickelt. Es scheint, dass Fergus eher Jamies „Projekt“ ist und Fergus sich auch mehr zu ihm hingezogen fühlt. Als Beispiel fällt mir eine Szene aus Dianas zweitem Buch „Die geliehene Zeit“ ein, in der Jamie und Fergus mit Fieber im Bett liegen, Claire zurückkommt und bevor sie ins Bett geht, Fergus auf sein Strohlager legt. TV Claire würde den kranken und fiebernden Fergus nicht aus dem Bett entfernen, sie würde ihn im Bett liegen lassen und mit Jamie zusammenrücken, damit alle drei Platz haben. Aber die Serienverantwortlichen haben Fergus Rolle, genauso wie bei Murtagh auch, erweitert und das Verhältnis zu Claire signifikant geändert. Und ich liebe es! Im Buch habe ich auch niemals gedacht, dass Claire nicht nur Jamie, sondern auch Fergus hinter sich lassen muss, als Jamie sie durch die Steine zurückschickt. Aber hier in der Serie, wird sie auch Fergus verlassen müssen und auch um ihn trauern, denn neben Faith wird er ihr zweites Kind sein, um das sie sich nicht kümmern darf und kann.

Fergus ist so vom vermeintlichen Ruhm und Glanz der Schlacht geblendet, dass er der „Frauenarbeit“ im Feldlager entkommen und lieber an der Seite seines Milord kämpfen will. Aber wenn er inmitten des Schlachtgetümmels steht, muss er feststellen, dass Milord und Milady recht hatten, dass er für den Krieg noch zu jung ist. Wie lautet die erste und einzige gabaldonische Regel? JAMMF hat immer recht! Armer Fergus, er hat sich so auf die Schlacht gefreut und jetzt sieht er, dass Krieg nicht aufregend und spannend ist, sondern blutig, Tod bringend und grauenvoll. Das blanke Entsetzen steht ihm ins Gesicht geschrieben und er klammert sich verzweifelt an sein Messer, während um ihn herum Männer sterben, von Pferden fallen und sich ihre blutende Armstümpfe halten. Es grenzt an ein Wunder, dass er ohne Kratzer wieder im Feldlager ankommt.
Und so bleibt Fergus leider auch nicht von der Schlacht bei Prestonpans emotional verschont und ich finde es gut, wie die Serienverantwortlichen in Bezug auf Fergus in dieser Episode mit den Nachwirkungen und Auswirkungen der Schlacht umgehen, denn TV Fergus ist ein anderer Charakter als Buch Fergus und dessen Reaktion, siegestaumelnd auf einer Kanone zu sitzen, würde meiner Meinung nach nicht zu TV Fergus passen. Es bricht mir fast das Herz, dass Fergus auf dem Schlachtfeld nicht nur seine Unschuld in Bezug auf den Tod eines Menschen, „Ich habe einen englischen Soldaten getötet, Milady.“, sondern auch einen Teil seiner Kindheit und seiner Unbeschwertheit verloren hat und dass ihn diese Erinnerungen, wie auch die an BJR, ein Leben lang begleiten werden. Aber es ist beruhigend , dass sich Claire um Fergus sorgt, kümmert und ihm Trost spendet, wie eine richtige Mutter. Ein Blick in Claires Gesicht zeigt, dass sie sofort Fergus diese Erfahrung und Bürde, die damit einhergeht, abnehmen würde, wenn sie nur könnte. Fergus hat, seitdem er bei Jamie und Claire lebt, das erste Mal in seinem Leben ein richtiges Zuhause und richtige Eltern. Und dazu fallen mir glatt Reverend Wakefields Worte aus Folge 201 ein: Ein Kind ohne einen Vater / Mutter und ein Mann / Frau ohne ein Kind haben nun die Möglichkeit einander zu finden. Das ist für mich Teil von Gottes großem Plan.“

Romann Berux hat in dieser Folge, so wie auch schon in 207, seinen Charakter Fergus großartig gespielt. Ich wünsche mir so sehr, dass er schneller altern könnte, damit er in der dritten Staffel auch den erwachsenen Fergus spielen kann. Er schafft es in meinen Augen sehr gut und überzeugend, das überschwängliche, aufgeregte und quirlige Kind zu interpretieren, das voller Vorfreude, Mut und Enthusiasmus in die Schlacht zieht und dann vollkommen geschockt und erschüttert aus dieser zurückkehrt.

Dougal
Meine erste Reaktion auf das, was Dougal nach der Schlacht von Prestonpans auf dem Schlachtfeld macht, ist, dass ich es absolut nicht mag, wie die Serie ihn hier dargestellt hat und dass Buch Dougal das niemals getan hätte. Dann habe ich über den Charakter und die Art und Weise, wie er in der Serie interpretiert wird, noch einmal nachgedacht. Da sich die Serienverantwortlichen schon seit Beginn der Serie dazu entschieden haben, Dougal grundlegend anders als im Buch darzustellen, geht sein Verhalten, vor allem das nach der Schlacht, völlig mit TV Dougal konform, was trotzdem heißt, das Buch Dougal das niemals getan hätte und ich es auch immer noch nicht besonders gut finde.
Über die gesamte Serie hat Dougal uns immer wieder gezeigt, wie vielschichtig sein Charakter ist. Einen Tag ist er charismatisch und überzeugend, einen anderen ist er mitfühlend und warmherzig und an einem weiteren ist er manipulativ und hartherzig. Ich glaube, dass er sich bis zu einem gewissen Punkt gut kontrollieren kann, aber dass er sich in Momenten starker Emotionen nicht unter Kontrolle hat, was auch seine physische und psychische Entgleisungen nach Mauras Tod in Folge 110 zeigt.

Dougal durchlebt in dieser Episode eine ganze Bandbreite an Gefühlen und wir können durch Grahams exzellente Interpretation sehr anschaulich das Porträt eines gefallenen War Chief sehen. Ich bin von den kleinen Nuancen, die Graham in den Charakter des Dougal MacKenzie einbringt, sehr beeindruckt.
Dougal beweist zu Anfang dieser Episode sehr großen Mut, in dem er sich als Freiwilliger für das fast Selbstmordkommando 125-Yards meldet und gewinnt dadurch das Lob und die Aufmerksamkeit von BPC, etwas, auf das er wahrscheinlich schon eine lange Zeit seines Lebens wartet. Wie muss es sich für ihn wohl anfühlen, als ihn BPC mit den Worten „Mark me oder merket auf, hätte ich nur hundert Männer wie Sie, wäre der Krieg morgen vorüber.“ überschwänglich lobt? Und Dougals Gesichtsausdruck, als BPC ihm wie ein kleiner Junge um den Hals fällt, ist einfach unbezahlbar komisch. Dougal beweist mit seinem besten Satz in dieser Episode „Und nun muss ich mich wohl umziehen., denn der Held der Stunde hat sich wohl ein bisschen eingeschissen.“ seinen besonderen Sinn für Humor.
Dougals 125-Yards Mission kommt, wie so viele Aufnahmen in Outlander, nicht ohne visuelle Effekte aus und es ist sehr interessant, was gedreht wurde und wie das Ergebnis für uns Zuschauer aussieht.
(http://www.outlandercommunity.com/insideoutlander/video/episode210/vfx01.mp4 und http://www.outlandercommunity.com/insideoutlander/video/episode210/vfx02.mp4)

Nach der Schlacht von Prestonpans tötet Dougal zwei britische Soldaten, die auf dem Schlachtfeld liegen. Ich weiß auch nach dem zweiten Anschauen immer noch nicht, ob er die beiden Soldaten aus Gnade tötet, um ihr Leiden aufgrund ihrer tödlichen Verletzungen zu verringern oder ob er sie unter den Nachwirkungen der Schlacht im Blutrausch abschlachtet. Ich denke, das es wohl eher der Blutrausch ist, der ihn in dieser Sequenz antreibt. All die Jahre, die Dougal und die anderen Highlander unter den strengen Regeln, den Überfällen und Übergriffe der Briten gelitten haben, haben seinen Hass ins unermessliche getrieben. Hier, auf dem Schlachtfeld von Prestonpans hat er endlich eine Möglichkeit, Vergeltung an seinen Peinigern zu üben und in seinem vom Hass geschürten Blutrausch, wütet er auf dem Schlachtfeld. Noch nicht einmal der nette Lt. Foster ist vor ihm sicher. An seinem Verhalten gegenüber Lt. Foster zeigt sich, dass Dougal im Umgang mit seinen Feinden absolut skrupellos sein kann und dass er jeden, der sich seinem Ziel dem Sieg der Jakobiten und einen Stuart auf dem schottischen Thron, in den Weg stellt, auch wenn es nur verbal ist, ohne zu zögern töten wird. Armer Lt. Foster, dabei fand ich ihn doch immer so sympathisch und ehrenhaft.
Mir scheint, dass die Serienverantwortlichen mit dieser Szene auch den Grundstein legen, für das, was sich zum Ende der Staffel zwischen Dougal, Jamie und Claire ereignen wird.

BPCs und Dougals Einstellungen zu den Engländern stimmen nicht überein, nur weiß das Dougal leider nicht. BPC kämpft (lässt kämpfen trifft es wohl eher) für eine Wiedereinsetzung eines Königs aus dem Hause Stuart, für seinen Glauben und für die Anerkennung seinen Vaters. Dougal kämpft für ein freies Schottland, das nicht von den Engländern beherrscht und unterdrückt wird. Für Dougal sind alle Engländer der Feind, für BPC sind es seine neuen Untertanen und er unterscheidet nicht zwischen Schotten und Engländern, Dougal schon. Dougal hat sein Bild von einem freien Schottland mit einem Stuart auf dem Thron romantisiert und muss, nach der Schlacht Prestonpans, als er von BPC beschimpft und verbannt wird, der Tatsache ins Auge sehen, dass er sich und seine Seele einer Sache verschrieben hat, die nie wirklich existiert hat. In letzter Konsequenz wird er von BPC für sein Handeln und sein ungestümes Temperament erniedrigt und degradiert. Letztendlich schafft es Jamie mit seinen Worten „Dougal MacKenzie ist ein wahrer Krieger, Eure Hoheit. Ihr müsst mir glauben, trotz seiner lästerlichen Zunge.“ noch, dass er weiterhin für seinen König kämpfen darf, aber zu welchem Preis? Dougal weiß genau, dass er es nur der Gnade seines Neffen, den er ausgebildet und zu kämpfen gelehrt hat, zu verdanken hat, dass er nicht ins Exil geschickt wird. Auch durchschaut er sehr wohl Jamies Plan, ihn geschickt aus dem Weg zu befördern, aber ihn gleichzeitig als erfahrenen Kämpfer für die Jakobiten zu behalten und er macht ihm am Ende noch ein Kompliment: „Der Plan könnte von meinem Bruder Colum stammen.“
Aber so unbarmherzig und unmenschlich sich Dougal auf dem Schlachtfeld verhalten hat, er ist trotzdem ein Mann, der sich um seine Männer sorgt. Die Art und Weise, wie er um Angus trauert, stimmt mich mit seinem Charakter wieder versöhnlich. In dem Moment als Rupert Angus Schwert nimmt, kann man sehen, wie sehr Dougal von Angus Tod betroffen ist. Er senkt in stiller Trauer seinen Kopf und hält Agnus Hände mit seiner Hand fest. 

Wie Dougal bereits zu Claire in der letzten Folge gesagt hat, würde er alles für die Jakobiten und für deren Sache geben. Ich denke, genau das hat er im Verlauf der gesamten Serie getan. Am Ende der Folge scheint er wirklich alles verloren zu haben: seinen Platz an der Seite seines Bruders, seinen Lebensinhalt als „War Chief of Clan MacKenzie“, seinen Clan, seine Männer, die Achtung seines zukünftigen Königs und die seines Neffen, den er sehr schätzt und respektiert, nicht zu vergessen seine Frau, seine Geliebte und sein ungeborenes Kind. Am Ende dieser Episode ist Dougal ein gebrochener Mann und es macht mich sehr traurig ihn so zu sehen, wie er völlig alleine und gedankenverloren am Lagerfeuer in die Flammen starrt. Ein Mann, der wirklich alles für seine Überzeugung verloren und der nach der Schlacht einen Teil seiner Seele auf dem Schlachtfeld gelassen hat. Ich bin sehr gespannt, wie die charakterliche Entwicklung von Dougal weitergehen wird und wie weit die Serienverantwortlichen seinen Charakter noch pushen werden, bevor das schlimme Ende kommen wird.

Kleine Randnotiz:
Ich fand es eine gute Entscheidung von Ira, uns durch Lt. Foster zu zeigen, dass auf der Seite der Briten nicht nur gesichtslose Feinde, sondern durchaus ehrbare Menschen stehen, die durch ihn ein Gesicht bekommen haben. Das deckt sich auch mit dem, was nach der Schlacht mit den Briten in Claires Feldlazarett passiert, denn auch hier werden sie nicht als die Bösen, als der Feind dargestellt, sondern sie werden als Menschen wie du und ich gezeigt. Es ist gut mit anzusehen, wie Jamie mit ihnen scherzt und wie BPC sie als Brüder bezeichnet und wie entsetzt er über Dougals Verhalten ist: „Mein Gott, Sir. Wo ist Ihre christliche Nächstenliebe?

Jamie
Sam ist in dieser Folge einfach großartig und ich weiß nicht, wie er es immer wieder schafft, Jamie in allen seinen Dimensionen auf den Punkt zu charakterisieren und von Folge zu Folge besser zu werden, obwohl er doch in jeder vorangegangenen Episode nahezu perfekt gewesen ist. Auch in dieser Episode setzt er die unglaubliche Bandbreite seiner Mimik ein und sagt in vielen Szenen mit einem Gesichtsausdruck mehr als mit einem seitenlangen Dialog. Genau das können wir sehr gut in der ersten Szene mit BPC und den Generälen beobachten, in der seine Gesichtszüge alles aussagen, was er über diese kindischen, hochnäsigen und um die Gunst des BPC buhlenden Generäle denkt. Ich habe innerhalb einer Minute Sendezeit ungefähr drei verschiedene Gemütslagen, nur durch Mimik ausgedrückt, erkennen können: von leichter Freude, über den Vorschlag von BPC sich mit General Cope zu treffen, zur Missbilligung der Aussage von BPC, dass die Schotten und Briten alle Brüder sind und bis hin zum entnervten Blick über die erneute Uneinigkeit der Generäle.

Jamie ist über die komplette Episodenlänge hinweg, wie auch schon in der letzten Folge, mein Buch Jamie. Wir sehen seine Stärke, Intelligenz und Fähigkeit als Strategen, wie er mit den sich anfeindenden Generälen und BPC umgeht, wie er später im Feldlazarett die Sache mit Dougal händelt und in der Schlacht. James Alexander Malcolm Mackenzie Fraser hat immer die perfekte Strategie und immer die perfekte Lösung für jede Situation zur Hand und das ist einer der Gründe, warum ich und Millionen von anderen Frauen ihn so lieben.
Auch macht er einen guten Eindruck als königlicher Berater und wir können sehen, wie er seine Fähigkeit andere unterschwellig in seinem Sinne zu manipulieren, anwendet, etwas, was ja im Verlauf der Bücher immer mal wieder vorkommt. So schafft er es, BPC von einer Teilnahme an der Schlacht abzuraten, ohne dass „Your Royal Highny“ dabei vor seinen Männern und Generälen das Gesicht verliert. Und nicht zu vergessen, seine herausragende Leistung als Anführer. Er kann wirklich alle Männer unabhängig von Alter und Rang führen und jeder Mann ist bereit, ihm blind zu folgen.
Ich liebe es, ihn dabei zu beobachten, wie in seinem Kopf ein Plan entsteht und wie er ihn dann durch geschicktes Handeln und Taktieren umsetzt, so wie in der grandiosen Szene zwischen ihm und Dougal, kurz bevor sich dieser als Freiwilliger auf seine 125-Yards Mission begibt. Diese Situation zeigt uns wieder einmal, wie geschickt Jamie im Umgang mit anderen Menschen ist und wie er nicht nur BPC unterschwellig manipulieren kann, sondern auch seinen Onkel Dougal. Denn er lädt Dougal quasi dazu ein, den Helden zu spielen, ohne ihn aber direkt danach zu fragen.

Ich finde, dass die Szene, in der sich Jamie und Murtagh über den Sinn des Todes unterhalten, eine der besten Szenen in dieser Folge ist. Murtaghs tiefgründige Gedanken hierzu sind sehr bewegend:
„Bei einem Überfall hat jeder Mann eine Aufgabe zu erfüllen. Du redest Dir ein, dass der Erfolg oder Misserfolg von Deinen Taten abhängt. Und wenn Du gezwungen wirst, jemanden zu verwunden oder ihn zu töten, dann kannst Du ihm in die Augen schauen, während Du es tust. Und wenn Du getötet wirst, stirbst Du in dem Wissen, dass Dein Andenken in Deinem Clan weiterlebt. Dein Tod hätte eine Bedeutung. Aber das hier ist was anderes. Wir sind Teil einer 2.000 Mann starken Armee. Mein Tod, Dein Tod hätte keinerlei Bedeutung. 500 oder gar 1000 müssten sterben, bevor unser Tod irgendeine Bedeutung hätte.
Ich kann diesen letzten Satz nicht hören, ohne an Culloden denken zu müssen, wo mehr als 2.000 Highlander den Tod für eine gute Sache, für ihre Sachen starben, aber ihr Tod trotzdem keine Bedeutung hat, da er nichts bewirkt hat, denn mit ihnen stirbt auch die Sache der Jakobiten. 
Jamie antwortet, dass er in Paris fast seine Ehe aufs Spiel gesetzt hat, um das alles hier zu verhindern und dass er gescheitert ist. Worauf Murtagh antwortet: „Wir. Wir haben versagt.“ Ich liebe Murtagh dafür, dass er Jamie die Schuld nicht alleine tragen lässt, so wie er auch schon mit Claire in Episode 203 die Bürde der Wahrheit in Bezug auf BJR teilt. Es ist immer gut einen Murtagh an seiner Seite zu haben. Ich will auch einen!!

Der Moment, als Jamie aus der Schlacht in das Feldlazarett kommt, ist einer meiner Lieblingsszenen aus dieser Folge und Sam ist fantastisch. Er verkörpert eins zu eins das Bild, dass ich immer vom Buch Jamie hatte, wenn er aus einer Schlacht zurückgekommen ist: blutüberströmt, körperlich ausgelaugt und in seinem Gesicht eine Mischung diverser Emotionen, von Erleichterung bis hin zur Freude, dem ganzen Schlachtgetümmel mit dem Leben entkommen zu sein.

Die Szene, in der er Claire eine Urinprobe abliefern muss, damit sie sehen kann, ob aufgrund des Huftritts in den Rücken seine Nieren verletzt wurden, ist eine leichtere Sequenz und sie schafft es von der bedrückten Stimmung, die in diesem Moment im Lazarett herrscht, ein wenig abzulenken. Man kann hier auch wieder wunderbar sehen, dass Sam nicht nur ernste Sachen gut spielen kann, sondern auch ein Talent für lustige Szenen hat. Jamies Blick, als er die Stimme von BPC hört, just in dem Moment, als er sich in das Glas erleichtert, ist einfach unbezahlbar und wir können sehen, was er denkt: „Mark me, jetzt habe ich für den Royal Highny schon eine Schlacht geschlagen und dann kann ich noch nicht mal in Ruhe pinkeln und wenn ich mich umdrehe, dann patscht er mir bestimmt wieder ins Gesicht.“ Und er soll recht behalten.

Kleine Randnotiz:
Ich habe es auch heute wieder festgestellt und muss es noch einmal los werden. Jamie sieht in seinem Kilt, der Wollweste und dem Ledermantel seines Vaters so viel besser aus, als in allen französischen Seidenhosen und -westen zusammen.

Claire
Während Jamie seinen Mann steht und sich und seine Männer auf die bevorstehende Schlacht vorbereitet, steht Claire ihre Frau und bereitet, analog zu Jamie, ihre Frauen auf die Versorgung der Verwundeten vor. Und sie macht einen guten Job und weist nicht nur die Frauen in ihre neuen Aufgaben ein, sondern beweist sich nebenbei im Umgang mit einen rumzappelnden und quengelnden Fergus als Mutter. Ihr Satz, „Fergus. Bitte! und der dazugehörige genervte und gleichzeitig strenge Gesichtsausdruck dürfte allen Müttern auf dieser Welt wohl bekannt sein. Ich finde es sehr gut, dass Claire ihren Frauen klar macht, dass sie genauso fühlt wie sie und dass sie genauso Angst um ihren Mann und ihre Freunde hat, wie alle anderen im Raum. Und wer es ihr nicht glaubt, der kann es in ihrem Gesicht ablesen und diese Stille in dem Feldlazarett, wenn die Schlacht beginnt, ist fast unerträglich.

Die Abschiedsszene zwischen ihr und den Jungs ist wirklich gut gelungen. Hier macht sich die Regel „weniger ist oft mehr“ bemerkbar, denn es ist kein großer und emotionsgeladener, sondern eher ein fast stiller Abschied und hier sagen Gesten und Mimik mehr als tausend Worte. In diesem Zusammenhang finde ich den Abschied von Murtagh besonders bewegend. Keine großen Worte, keine Umarmung, nur ein von Claire als Bitte formulierter „Befehl: „Gib auf Jamie acht.“ und ein „Immer!“ von Murtagh als Antwort. Ich hätte mir gewünscht, dass sie Murtagh auch bittet, auf sich selbst aufzupassen, aber ich glaube, so wie sich beide in dieser Szene die Hände drücken, sind solche Worte nicht notwendig. Auch haben wir diese Geste zwischen ihnen schon so oft in emotionalen Situationen gesehen, dass sie für mich stellvertretend für all das steht, was sie sich nicht sagen können.

Jamie und Claire
Auch zwischen Jamie und Claire sind es nicht die großen Worte und Gesten, sondern es sind die kleinen Momente, die ihren Abschied und ihr Wiedersehen so bewegend machen. Cait und Sam sind in ihren gemeinsamen Szenen mal wieder herausragend und man kann förmlich die Verbindung, die sie zwischen Jamie und Claire darstellen, spüren. Ich glaube auch, dass Cait und Sam eine ganze Folge ohne ein Wort, nur mit Mimik, Gestik und Körpersprache spielen könnten und wir würden trotzdem alle wissen, was inhaltlich passiert, denn sie sind einfach unbeschreiblich gut darin, sich ohne Worte auszudrücken.
Ich liebe die Abschiedsszene zwischen den beiden und wenn man nur in ihre Gesichter schaut und sie beobachtet, mit welcher Hingabe, Zärtlichkeit und Hoffnung sie sich ein letztes Mal küssen, sind Worte hier wirklich überflüssig. Claires „Wegtreten, Soldat“ sagt doch alles aus, oder? Auch das, was sie in diesem Moment nicht sagen kann. Dieser Satz in seinen sämtlichen Variationen hat eine ganz spezielle Bedeutung für sie und Jamie, genauso wie Jamies „Sassenach“. Claires Aussage erinnert die beiden und auch uns an Claires „Auf`s Pferd, Soldat“ aus Folge 101 und wir wissen, dass es der Moment ist, in dem sich Jamie unsterblich in Claire verliebt und sich für sie entscheidet. Weiterhin bezieht es sich auf Claires „Aufstehen, Soldat.“ aus Folge 111 und steht definitiv für den Moment, als sie sich für ein Leben mit Jamie entscheidet. Jamie antwortet ihr mit einer Verbeugung und auch diese ist eine Erinnerung an das letzte Mal, als Jamie sich vor ihr verbeugt hat. Das war an ihrem Hochzeitstag vor der Kirche und für mich steht diese Geste für das unsichtbare und unzertrennliche Band, das an diesem Tag zwischen ihnen entstanden und von da an von Tag zu Tag stärker geworden ist.
Die Art und Weise, wie Jamie Claire anschaut, so als ob er sich ihr Gesicht einprägen will, erinnert mich an all die Buchszenen, in denen Claire dasselbe macht, kurz bevor Jamie in die Schlacht zieht und ich habe in diesem Moment folgende vor Augen:

„Wird es heute sein? Wird dies das letzte Bild sein, das mir von ihm in Erinnerung bleibt? Ich stand ganz reglos da und beobachtete ihn mit ganzer Kraft. … Er kam eilig zurück, fasste meinen Arm und sagte mit leiser, kräftiger Stimme: „Heute wird es auch nicht sein.“ Dann legte er die Arme um mich und zog mich auf die Zehenspitzen zu einem tiefen, sanften Kuss.“

(„Ein Schatten von Verrat und Liebe“ von Diana Gabaldon, Kapitel 69 Ante-Emm)

Als Jamie und Murtagh nach der Schlacht unverletzt wieder im Feldlazarett erscheinen, bin ich genauso erleichtert wie Claire. Das Gefühl hat mich doch sehr überrascht, da ich doch die Bücher in und auswendig kenne und genau weiß, dass weder Murtagh noch Jamie in dieser Episode sterben werden. Augenscheinlich haben alle, die an dieser Folge mitgewirkt haben, einen so tollen und perfekten Job gemacht, dass sie selbst mich, als passionierten BL, so sehr in die Handlung involviert haben, dass ich zwischenzeitlich vergessen habe, dass Jamie und Murtagh nichts geschehen wird.
Ich liebe die Wiedersehensszene zwischen Jamie und Claire und auch hier wieder, keine Worte, nur Blicke und Mimik, aber man kann die tausend Steine hören, die Claire vom Herzen fallen, als sie Jamie in die Arme schließen kann. Über ihren medizinischen Kurz-Check-Up musste ich schmunzeln.

Angus und Rupert
Angus liefert uns einer der besten Szenen der gesamten Folge. Sein Zusammentreffen mit BPC ist einfach göttlich. Er spricht BPC an und sagt, als Dougal in seiner 125-Yard Mission auf den Sumpf zureitet: „Das ist Dougal MacKenzie. Ein guter Freund von mir.“  und BPC antwortet: „Ich bin Ihr Prinz. Charles Edward Stewart“ (man nennt mich auch BPC, Royal Highny oder Mark me). Das Schönste an dieser ganzen Szene und an Angus Ach, wirklich?!” ist, dass er nicht im Geringsten von BPC beeindruckt ist und wenn Rupert ihn nicht zu einer Verbeugung genötigt hätte, dann hätte er das auch niemals in Erwägung gezogen.

Wir BL wissen, was mit vielen der uns liebgewonnen Charakteren passieren wird und sind irgendwie darauf vorbereitet. Es ist Krieg und Menschen sterben. Angus Mhor Tod bringt für allen Anwesenden, uns Zuschauer eingeschlossen, die Realität des Krieges sozusagen an die Haustür und auch das, was alles im Verlaufe des Jakobitenaufstands noch passieren wird. Ich habe es nicht kommen sehen, aber ich habe es irgendwie tief im Inneren geahnt. Das ist mein erster Gedanke, der mir als BL zu dem sehr überraschenden Tod von Angus einfällt. Wenn ich die Folge Revue passieren lasse und nach dem zweiten Anschauen, mit dem Wissen im Kopf, was passieren wird, scheint es auch, dass Angus es zwar nicht gewusst, aber geahnt hat. Beginnend über die Szene mit Rupert am Lagerfeuer, denn ich war schon sehr überrascht, dass es Angus ist, den der „Was Dein ist, ist meins“-Pakt nachdenklich stimmt. So viel Tiefgang hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Weiter über den Abschied von Claire, bis hin zu dem Moment, als er über Ruperts Krankenbett Ross, der gerade seinen Freund Kincaid verloren hat, zuprostet und in seinen Augen etwas zu sehen ist, das ich nicht deuten kann.

Nach 26 Folgen kann ich mir Rupert nicht ohne Angus vorstellen. Auch in der Szene, in der Angus stirbt, sind wieder diese kleinen Momente zu finden, die quer über die ganze Episode verstreut sind und diese zu diesem wunderbaren Ganzen machen. Die gesamte Sequenz kommt, bis auf Jamies fast schon rhetorische Frage, „Gibt es nichts, was Du tun kannst?“ohne Worte aus. Claires wortloses kleines Kopfschütteln als Antwort, Dougal, der in Trauer um seinen Freund den Kopf senkt und seine Hand hält, Jamie der sich langsam bekreuzigt und Claire und Jamie, die sich gegenseitig Kraft geben, indem sie sich fest an den Händen halten, all diese kleinen Momente sind sehr bewegend und ich bin sehr berührt. Rupert, der sich mit aller Kraft, die er aufbringen kann, von seinem Krankenlager erhebt und wir haben seine Wunde gesehen, es muss ihn eine Menge Kraft gekostet haben, um zu seinem toten Freund und Weggefährten zu gehen, wortlos Angus Schwert aufhebt, es an sich nimmt, sich zurück auf sein Bett setzt, Angus Schwert immer noch an sich drückt und der Schmerz über den Verlust seines Freundes in seinem Gesicht, ist wirklich ein wundervoll gestalteter und gespielter Moment, der ganz ohne ein Worte auskommt und der nur durch Mimik, Gestik und der wunderschönen musikalischen Untermalung besticht. Mich macht diese Sequenz so traurig, dass ich an dieser Stelle ein paar Tränen verdrücke. Danke Bear, ohne diese wundervolle Musik wäre das nicht passiert.

Angus letzte Worte „Rettet mich, Rettet mich, Mistress.“machen die ganze Situation noch schmerzlicher und dass er sich dabei an Claire wendet zeigt auch, dass zwischen den beiden eine besondere freundschaftliche Verbindung besteht. Ich denke, dass sein rohes und oft auch albernes Verhalten nur Show gewesen ist, um den Menschen in seiner Nähe nicht zu zeigen, dass er sich um alle sorgt und dass sie ihm alle am Herzen liegen. Das kann man besonders gut in dem Gespräch am Abend vor der Schlacht mit Rupert beobachten. Auch wenn der Ton der Unterhaltung von Angus Seite her eher albern ist, ist seine Intention dabei schon ernst. Auch scheint Angus Claire wirklich gemocht und respektiert zu haben, denn in der ersten Staffel ist er der Erste, der ihre Ehre in dem Gasthaus verteidigt und ihr mit ihrem Bettzeug geholfen hat. Und er hat, wenn auch mit leichtem Zögern, geholfen, Jamie aus Wentworth zu befreien, etwas was Claire ihm niemals vergessen wird, und ich auch nicht.

Kleine Randnotiz:
Ich werde das Gefühl nicht los, dass jetzt, wo Willie in Amerika ist und Rupert die Schlacht von Prestonpans überlebt hat, er der Zeuge für den Vorfall zwischen Jamie, Claire und Dougal sein wird.

Down Among the Dead Men
Die letzte Szene dieser Folge lässt uns noch mal einen Blick auf das große Ganze werfen. Ross und Rupert kommen in den Hof, stark betrunken und betrauern singend den Tod von Angus und Kincaid. Das Lied, das sie singen, heißt “ Down Among the Dead Men“, ein englisches Trinklied, das ca. um 1728 das erste Mal veröffentlicht wurde. Der Liedtext verwendet eine Vielzahl von Metaphern, wobei der Titel „Down Among the Dead Men“ wohl die herausstechendste ist. „Dead men“ ist ein veralteter Begriff für leere Flaschen und der Ausdruck „lie down among the dead men“ bedeutet, so betrunken zu sein, dass man vom Stuhl kippt und unter dem Tisch, bei den leeren Flaschen, landet.

Ross toastet gegen den Himmel und der Blick in Ruperts Gesicht ist absolut erschütternd. Prestonpans ist ein überragender Sieg über die britischen Truppen, aber der Triumph weilt nur kurzfristig. Am Ende des Tages, nachdem die Euphorie gewichen ist, bleibt Verlust, Schmerz und Leid. „Ich habe erwartet, dass unser Sieg süßer schmecken würde.“ und damit hat Murtagh verdammt recht und wir bekommen einen Eindruck davon, was dieser vermeintliche Sieg jeden Einzelnen gekostet hat:
* Fergus ein Stück seiner Kindheit und seiner Unbeschwertheit.
* Rupert seinen Freund Angus und Ross seinen Freund Kincaid.
* Dougal eventuell einen Teil seiner Seele, aber definitiv seine Ehre und seine Würde.
* Jamie, Claire und Murtagh sind zwar auf den ersten Blick verschont geblieben, aber sie tragen alle drei die Bürde zu wissen, wie der Jakobitenaufstand endet und was im Anschluss daran mit ihren Familien, Freunde, Nachbarn und Pächtern passieren wird. Und es geht ihnen so, wie mir in Bezug auf Angus Tod: ”Ich habe es nicht kommen sehen, aber ich habe es irgendwie tief drinnen geahnt“ und Claire bestätigt das quasi mit ihrer Aussage am Schluss der Episode:  „Das heißt, ich habe auch recht, was die zu erwartende Katastrophe bei Culloden angeht.“ Ich glaube, dass sie mit jedem Tag, der vergeht und mit dem die Schlacht von Culloden näher rückt und mit dem sie nichts haben ändern können, ein Stück Mut, Kraft, Hoffnung und Willen verlieren und in der Summe ist das genauso tragisch, wie das, was alle anderen auf dem Schlachtfeld von Prestonpans verloren haben.


Das Ende dieser Folge kommt sehr abrupt, kein Ausblenden, kein Voice Over, nur den Fokus auf einen ins Leere starrenden Rupert, dann Cut, schwarzer Bildschirm. Ich sehe in diesem abrupten Ende eine Parallele zum Tod, der uns oft unvorhersehbar trifft und uns einen geliebten Menschen von einer Minute auf die andere aus dem Leben reißt, so, wie die Serienverantwortlichen uns unmittelbar und ohne Vorwarnung aus dieser Episode gerissen haben.

Krieg fordert immer Leben, die Zukunft von Menschen und bringt den Hinterbliebenen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Kummer und Leid. Und dabei ist es egal, ob man ein Offizier oder Prinz ist, ob man als Bauer mit einer Muskete in der Hand oder als ausgebildeter Soldat mit einem Schwert kämpft oder ob man zum Clan der Frasers, MacKenzies oder auch Camerons gehört.
Ira verknüpft mit seinem Drehbuch den Anfang der Episode wunderbar mit ihrem Ende, sie beginnt mit einem namenlosen toten Highlander und endet mit dem Tod von Highlandern, die wir kannten und wertgeschätzt haben. Krieg fordert immer Menschenleben und das ist das, was Ira uns unter anderem mit seinem ausgezeichneten Drehbuch gezeigt hat.

In der nächsten Woche können wir endlich Dianas Folge „Rache“ (im Original „Vengeance Is Mine“) sehen und ich freue mich sehr auf diese Episode und kann es kaum erwarten sie zu sehen. Am meisten interessiert es mich, ob wir BL einen Unterschied zwischen Dianas Drehbuch und dem der anderen Drehbuchautoren merken werden.
Und ich kann es nicht glauben, dass uns nur noch 3 ½ Folgen bis zum Staffelende bleiben.

So, und jetzt bin ich weg…..weiter um Angus trauern.

@Yvonne Pirch 10.04.2016 / 05.10.2016


Wenn Dich der historische Hintergrund zur Schlacht von Prestonpans interessiert, findest Du hier nähere Informationen: http://wp.me/p7I1JG-9q

Inside the World of Outlander Folge 210: https://www.starz.com/video/6efefaf9eeb54d4f82ab635773ca31ad
Behind The Scences (Drehbuch, Videos, etc.) Folge 210: http://www.outlandercommunity.com/index.php?f=insideoutlander&s=210
Podcast mit Ron D. Moore Folge 210: http://assets.starz.com/stzcom/outlander/210_Podcast.mp3

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