Der Jakobitenaufstand 1745 – 1746: Die Nacht vor der Schlacht von Culloden (Teil 5)

Am 15. April 1721, also heute vor genau 296 Jahren, erblickte Prinz Wilhelm August, Duke of Cumberland (auch bekannt als „The Butcher“), als dritter Sohn von Königs Georg II. von Großbritannien und dessen Gattin Prinzessin Caroline von Brandenburg-Ansbach, das Licht der Welt.
Was soll man als ein Anhänger der Jakobiten mit dieser Information anfangen? Nun ja, wenn der Duke of Cumberland nicht an diesem Datum geboren worden wäre, dann hätte am 15. April 1746, dem Tag vor der Schlacht von Culloden, keine Geburtstagsfeier im Camp der Briten, die sich zu diesem Zeitpunkt in Nairn (nur ca. 20 km vom Culloden Moor entfernt), befanden, stattgefunden. Demzufolge hätte es auch keinen gescheiterten nächtlichen Überfall von Seiten der Jakobitenarmee auf das Camp der britischen Truppen gegeben. Und vielleicht -aber auch nur vielleicht- wäre dann die Schlacht von Culloden anders ausgegangen.
Also ist dieses Datum und das historische Ereignis, das es begleitet, auch für einen Anhänger der Jakobiten nicht so unbedeutend, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Lord Murray schlug Bonnie Prince Charlie (BPC) einen Nachtangriff auf die britischen Truppen vor, während diese in Nairn Cumberlands Geburtstag feierten. Er und andere Offiziere der Jakobitenarmee erhofften sich durch den nächtlichen Überraschungsangriff einen Vorteil und eventuell auch eine Vermeidung einer großen Schlacht, denn die Ausgangsbedingungen für die Jakobitenarmee waren äußerst ungünstig: die Männer hatten seit zwei Tagen keine Nahrung mehr, sie waren entkräftet und Culloden Moor eine weite moorige Ebene,
Es dauerte sehr lange, bis sich alle Männer der Highlandarmee gesammelt hatten und Abmarsch bereit waren, da sich viele auf der Suche nach Nahrung weit verstreut in der Umgebung von Culloden House befanden. Auch war allen Beteiligten von vornherein klar, dass es fast unmöglich war, 5.000 Jakobiten unbemerkt, über vier Stunden des Nachts durch unbekanntes Gebiet marschieren zu lassen.
Nichtsdestotrotz löschten die ersten drei Kolonnen der Jakobitenarmee am Abend des 15. April um 21:00 Uhr ihr Lagerfeuer und marschierten los. Am 16. April um 02:00 Uhr nachts hatte sich die Armee gerade mal sechs Kilometer vom Lager entfernen können und keiner, weder Soldaten noch Offiziere, hatten den Hauch einer Ahnung, wo sie sich befanden. Im Morgengrauen waren sie immer noch rund sechs Kilometer von Cumberlands Lager in Nairn entfernt, das langsam zum Leben erwachte. Da die Jakobiten das Lager der Feinde nicht rechtzeitig für einen Überraschungsangriff erreichen konnten, wurde das Vorhaben im Morgengrauen des 16. April 1746, ca. gegen 06:00 Uhr, abgebrochen und die Jakobitenarmee trat den Rückzug an.
Murray und einige andere Offiziere forderten für ihre sichtlich erschöpften und übermüdeten Männer einen Rückzug in ein weniger zugängliches Gelände, damit sich diese dort etwas erholen konnten. Sie wurden aber überstimmt und BPC soll sie mit den Worten “It is no matter, then; we shall meet them, and behave like brave fellows.” (dt. „Es ist egal, wir sollten auf sie treffen und uns wie tapfere Männer verhalten.“) empfangen haben.
Er traf die verheerende Entscheidung, Cumberland noch an diesem Tag auf der flachen Ebene des Drummossie Muir, besser bekannt als Culloden Moor, zu erwarten. So kämpfte die Armee der Jakobiten am 16. April 1746 ihre letzte Schlacht und der Rest ist bekanntlich Geschichte.

 

@ Yvonne Pirch 15.04.2017

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Weitere historische Informationen zum Jakobitenaufstand von 1745 – 1746 findest Du hier:
Wie es zum letzten Jakobitenaufstand 1745 kommen konnte: http://www.blog.outlander-community.de/2016/10/05/von-maria-stuart-ueber-die-glorious-revolution-bis-zum-act-of-union-oder-wie-es-zum-letzten-jakobitenaufstand-1745-kommen-konnte/
Teil 1: Von der Landung Charles Edward Stuart in Schottland bis zur Schlacht von Prestonpans http://wp.me/p7I1JG-9j
Teil 2: Die Schlacht von Prestonpans http://wp.me/p7I1JG-9q
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eil 3: Von Prestonpans bis fast vor die Tore Londons http://wp.me/p7I1JG-au
Teil 4: Vom Rückzug nach Schottland bis zum Culloden Moohttp://wp.me/p7I1JG-av
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eil 6: Die Schlacht von Culloden http://wp.me/p7I1JG-c3